Über Carry Ulreich

Carry Ulreich wurde 1926 geboren, verbrachte den Zweiten Weltkrieg mit ihrer Familie in einem Versteck in Rotterdam und wanderte danach nach Israel aus. Sie lebt, einundneunzigjährig, mit ihrer vielköpfigen Familie in Tel Aviv.

Simone Schroth übersetzt Belletristik und Sachbuch aus dem Englischen und Niederländischen. Zu ihren Übersetzungen gehören u.a. eine Auswahl von Texten Anne Franks (2016).

Informationen zum Buch

»Meine Geschichte ist wie die von Anne Frank mit Happy End.« Carry Ulreich

Carry Ulreich führte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs Tagebuch. Es ist das bewegende Zeugnis einer jüdischen Heranwachsenden, die den Krieg zusammen mit ihrer älteren Schwester und den Eltern in einem Versteck in Rotterdam überlebte. Eine befreundete katholische Familie nahm die Ulreichs aus Nächstenliebe auf. Beeindruckend präzise und reflektiert schildert das junge Mädchen den Alltag dieser Kriegsjahre, beschreibt die Beziehungen zwischen den Versteckten und denen, die sie aufnahmen. Ihr Tagebuch endet nicht mit der Befreiung, sondern vermittelt ebenso eindringlich die Herausforderungen der Nachkriegszeit. Ein bewegendes, historisches Dokument von einer der letzten Holocaust-Überlebenden.

»Gott schenke uns das folgende Jahr in Freiheit! Frieden! Ewigen Frieden! Nicht wieder nach ein paar Jahren diesen schrecklichen Krieg mit einem anderen Hitler. Nein, Frieden! Und dass ich klüger werde, mich mehr durchsetze!«

(aus dem Tagebuch, September 1943)

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Carry Ulreich

Nachts träum ich vom Frieden

Tagebuch 1941 bis 1945

Mit einem Vor- und Nachwort von Bart Wallet

Aus dem Niederländischen von Simone Schroth

Inhaltsübersicht

Über Carry Ulreich

Informationen zum Buch

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Einleitung

Interview mit Carry Ulreich im September 2017

Tagebuch

Teil 1 Besatzung: 1941 bis 1942

Teil 2 Untergetaucht: 1942 bis 1945

Teil 3 Befreiung: 1945

Bildteil

Hintergründe zum Tagebuch von Carry Ulreich

Anhang

Anmerkungen

Quellen

Personenverzeichnis

Impressum

Die Schreibweise von Zahlen, Daten und vergleichbaren Angaben wurde vereinheitlicht; dies betrifft zum Beispiel Uhrzeiten, die teilweise in Zahlen und teilweise ausgeschrieben wiedergegeben werden. Die Unterstreichungen finden sich in der Vorlage. Deutsche Begriffe und Sätze wurden kursiviert und mit einem Sternchen versehen, Fehler nicht korrigiert. Die Länge der Satzgefüge wurde in der Regel beibehalten. Die Anmerkungen stammen vom Herausgeber Bart Wallet; Hinzufügungen der Übersetzerin wurden mit »A.d.Ü.« gekennzeichnet. Dies gilt sowohl für Ergänzungen in eckigen Klammern im Fließtext als auch für Endnoten.

Die Übersetzerin dankt Carmela Mass herzlich für die Beantwortung aller Fragen.

Einleitung

Der Zweite Weltkrieg hat in den Niederlanden tiefe Spuren hinterlassen. Nachdem im Jahr 1940 die Besatzung begonnen hatte, veränderte sich das Leben aller Einwohner grundlegend: Lebensmittel, Kleidung und zahlreiche Gebrauchsgegenstände waren immer schwieriger zu bekommen; Bombenangriffe, Naziterror und Aktionen des Widerstandes lösten Angst aus. Schnell wurde deutlich, dass die Besatzer es vor allem auf die Juden abgesehen hatten. Schritt für Schritt schloss man sie aus der Gesellschaft aus, und das Hauptziel bestand darin, alle Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppe zu ermorden.

Was bedeutete es, in dieser Zeit als jüdische Jugendliche erwachsen zu werden? Das Tagebuch der Rotterdamer Jüdin Carry Ulreich zeigt uns dies auf nüchterne und zugleich eindringliche Weise. Durch die gewissenhafte Wiedergabe und den scharfen Blick der Verfasserin für persönliche Emotionen erlebt der Leser den Kampf ums Überleben mit. Es ist ein gewöhnliches, alltägliches Mädchenleben, das immer mehr in den Griff des Zweiten Weltkriegs gerät. Allmählich gelingt es Carry, ihre ganz eigene Stimme zu finden. Weil sie persönlich involviert ist, scheint der Abstand zwischen damals und heute fast wegzufallen, und der Leser kann sich den Erfahrungen der Kriegszeit bis auf eine geringe Distanz nähern.

»Die Anne Frank von Rotterdam«

Man darf nicht vergessen, dass in den letzten Jahrzehnten viele Kriegstagebücher erschienen sind. Das bekannteste von ihnen, das Tagebuch der Anne Frank, wurde schon bald nach der Befreiung (1947) herausgegeben und hat sich seitdem zum »Urtagebuch« über die Kriegszeit entwickelt. Dass man jede neue Tagebuchpublikation damit vergleicht, ist unvermeidlich. Im Fall von Carry Ulreichs Tagebuch liegt dies noch näher: Die Parallelen sind sehr deutlich erkennbar. Auch hier geht es um den Bericht eines jungen Mädchens über sein Leben, und die Schreiberin wächst in einer ähnlich strukturierten Familie auf: mit Vater, Mutter und einer älteren Schwester. An die Stelle des Schullebens voller Lernen und Flirts tritt eine unsichere Existenz im Versteck. Sehr feinfühlig wird beschrieben, was die Abhängigkeit und die Angst in der Hauptperson und ihren Schicksalsgenossen auslösen. Aufgrund dieser Parallelen wählte Carry Ulreich selbst den Ausdruck »die Anne Frank mit Happy End«, als sie sich bei einem Besuch im Anne Frank Haus in Amsterdam ins Gästebuch eintrug.

Allerdings sind es bei allen Übereinstimmungen gerade die Unterschiede, die die Aufzeichnungen von Carry Ulreich so bedeutsam machen. Offen gestanden war ich zunächst skeptisch, als das Tagebuch samt der Bitte eines niederländischen Verlegers, ich solle mir den Text ansehen, auf meinem Schreibtisch landete. Als Historiker mit dem Spezialgebiet Geschichte der niederländischen Juden begegnen mir solche Egodokumente [von dem niederländ. Historiker Jacques Presser in der Nachkriegszeit geprägter Begriff für Selbstzeugnisse, A.d.Ü.] häufig. Sie sind oft vor allem für die unmittelbaren Angehörigen und Bekannten von Bedeutung, aber von Stil und Inhalt her ungeeignet für ein größeres Publikum. Bei der Lektüre verschwand diese Skepsis jedoch schnell, und ich gelangte zu der Überzeugung, dieses Tagebuch müsse unbedingt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zur Bedeutung

Worin liegt die Bedeutung des Tagebuchs von Carry Ulreich? In diesem Zusammenhang ist auf mehrere Aspekte hinzuweisen. Erstens handelt es sich um ein Tagebuch, das ganz eindeutig in Rotterdam entstand. Die Geschichte der Judenverfolgung in den Niederlanden hat sich bisher sehr stark auf die Ereignisse in Amsterdam konzentriert. Das lässt sich nachvollziehen, denn dort war die bei Weitem größte und bedeutendste Jüdische Gemeinde ansässig. In ihrem Tagebuch legt Anne Frank Zeugnis von dem vielfältigen und energiegeladenen jüdischen Leben in der Hauptstadt ab. Gleichzeitig gab es jedoch auch in anderen Städten wichtige Jüdische Gemeinden, etwa in Rotterdam, wo zu Kriegsbeginn etwa 13000 Juden lebten. Aus Carry Ulreichs Tagebuch geht hervor, wie sich Verfolgung, Deportation und der Kampf ums Überleben in Rotterdam abspielten. In einem verwüsteten Rotterdam. Als Deutschland in den Maitagen des Jahres 1940 in den Niederlanden einfiel, hatte die Bombardierung der Stadt tiefe Spuren hinterlassen. Außerdem entwickelten sich dieser Angriff und die Zerstörung des alten Zentrums zu der klassischen Kriegsgeschichte der Hafenstadt, sodass alles, was danach geschah, in gewissem Sinne unbeachtet blieb.

Zweitens wurde das Tagebuch von einem Mädchen verfasst, das in einer sehr engagierten jüdischen Familie aufwuchs. Obwohl ein Teil des Freundeskreises aus niederländischen Juden bestand, hatte die Familie ihre Wurzeln im osteuropäischen Judentum. Dadurch entsteht ein starker Bezug zu dem, was anderswo in Europa geschieht, und die Verfasserin verfügt über ein sehr gutes Gespür für die von Gewalt geprägten Folgen des Antisemitismus. Die Familie ist sowohl traditionell-religiös als auch zionistisch eingestellt. Dadurch entstehen in der Kriegszeit ganz eigene Spannungen, Probleme und Träume. Während Anne Frank aus einer liberalen deutsch-jüdischen Familie stammte und einen universellen Blick auf die Welt entwickelte, zeigt Carry Ulreich, wie traditionelle osteuropäische Juden zu einer spezifisch jüdischen Perspektive auf den Krieg, die Welt und die Zukunft gelangen. Sie stellt dar, wie die zionistische Jugendbewegung nach dem Verbot durch die Besatzer im Untergrund weiter existierte, wie die Vorbereitung auf ein Leben in Palästina durch den Krieg nur intensiver wurde. Während der Zeit im Versteck ergeben sich immer mehr Fragen: Wie soll man koscher essen? Wie können die jüdischen Gesetze (die Halacha) noch im größtmöglichen Maße erfüllt werden? Welche Bedeutung kommt den jüdischen Feiertagen zu? Gleichzeitig begeht man zusammen mit der Untertauchfamilie die christlichen Feste. Religiöse Barrieren, die vor dem Krieg unüberwindlich schienen, werden während der Zeit im Versteck einfach niedergerissen. Das Tagebuch vermittelt auf diese Weise einen ganz besonderen Einblick in das Leben traditionell-religiöser Juden während der Kriegszeit.

Drittens ist der Text durch und durch ein Tagebuch aus dem Versteck. Ein großer Teil davon, mehr als drei Jahre, enthält die Erfahrungen während des Untertauchens bei der katholischen Familie Zijlmans in Rotterdam. Was bedeutete es also, für eine so lange Zeit beinahe ständig eingeschlossen zu sein? Was unternahmen die Betroffenen, um die Zeit zu füllen? Wie gestalteten sich die Beziehungen zwischen den Versteckten und denen, die ihnen Unterschlupf gewährten? Carry Ulreich beweist eine scharfe Beobachtungsgabe und schreibt neben der immer gegenwärtigen großen Dankbarkeit für die Gastfreundschaft auch über die Probleme, die entstehen, wenn zwei gegensätzliche Familien plötzlich auf engem Raum zusammenleben müssen. Die kleinen zwischenmenschlichen Spannungen und die komplette Abhängigkeit von denen, die für die Ulreichs sorgen, werden so dargestellt, dass man sie nachfühlen kann. Mitten im ständigen Strom der Kriegsneuigkeiten und Gerüchte versucht jeder, sein Leben so gut es geht weiterzuführen. Was das im Versteck bedeutete, schildert Carry Ulreich: Arbeit im Haushalt, viel Lesen, Unterhaltungen, religiöse Streitgespräche mit den Helfern, Flirts zwischen den jungen Leuten. Es fällt auf, dass sich die Untergetauchten manchmal, in Ausnahmefällen, sogar auf die Straße wagten.

Ein Thema, das in den vergangenen Jahren viele Debatten ausgelöst hat, ist die Frage, inwieweit Niederländer im Allgemeinen und Juden im Besonderen wussten, was die Deportierten »im Osten« erwartete. Dem Tagebuch von Carry Ulreich lässt sich entnehmen, dass bereits im Jahr 1942 über das englische Radio – dessen Sendungen die Familie trotz des Sabbatverbots verfolgte – bekannt wurde, dass man in Polen in großer Zahl Juden ermordete. Über das Schicksal derjenigen, die man verhaftete und wegbrachte, machte sich die Familie kaum Illusionen. Obwohl sie hofften, deportierte Freunde und Familienmitglieder würden zurückkehren, setzten die Ulreichs »Polen« quasi mit dem Tod gleich.

Das Tagebuch der Anne Frank endet abrupt, weil die Familie Frank verraten und als Folge davon verhaftet und deportiert wurde. Nur der Vater Otto Frank überlebte die Lager. Das Tagebuch der Carry Ulreich hat in gewisser Weise ein »Happy End«: Es gelingt der ganzen Familie, den Krieg im Versteck zu überstehen. Deshalb liegt eine Besonderheit des Textes darin, dass das Tagebuch auch die große Wende wiedergibt, die die Befreiung im Jahr 1945 darstellte. Auch die behutsame Wiederaufnahme des stark reduzierten jüdischen Lebens im Schatten der Schoah wird beschrieben: der erste Gottesdienst in der Rotterdamer Synagoge nach der Befreiung, die Suche nach Überlebenden, der Aufbau von etwas, was einer jüdischen Gemeinde ähneln soll. Zionistische Ideale gewinnen schnell die Oberhand, als die Jewish Brigade – die palästinensisch-jüdische Abteilung im britischen Heer – zusammen mit den Befreiern in den Niederlanden anlangt. Carry Ulreichs Weg führt dank eines dieser Soldaten schon sehr bald von Rotterdam nach Palästina.

Die Tagebücher und die Edition

Im Jahr 1946 zog Carry Ulreich in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina – ab 1948 ist das der Staat Israel, wo sie als Carmela Mass die Stammhalterin einer inzwischen zahlreichen Familie wurde. Die Tagebücher begleiteten sie und landeten auf dem Speicher ihres Hauses. Als sie sie vor einigen Jahren wiederfand, beschloss sie, den Inhalt mit ihren Kindern und Enkeln zu teilen. Für die Lektüre im Familienkreis ließ sie eine gekürzte hebräische Version erstellen. So las auch ihr Sohn, der Jerusalemer Verleger Oren Mass, Teile der Tagebücher zum ersten Mal. Er war so beeindruckt, dass er sie auf der Suche nach einem niederländischen Verleger mit zur Frankfurter Buchmesse nahm. Den fand er im Verlag Uitgeverij Mozaïek in Zoetermeer.

Das Tagebuch beginnt am 17. Dezember 1941, und von diesem Zeitpunkt an nimmt Carry fast wöchentlich, manchmal sogar mehrfach am selben Tag, Einträge vor. Insgesamt schreibt sie neben dem ersten Tagebuch – einem Geschenk ihrer Freundin Sonja Taub – auch sechs Schulhefte voll. In der vorliegenden Edition wird jeweils angegeben, wo ein neues Heft beginnt.

Zugunsten der Lesbarkeit wurde das Material in drei Kapitel eingeteilt. Der Text wurde nicht verändert, lediglich die Rechtschreibung der heutigen angepasst. Im ersten Heft – als die Familie bereits untergetaucht ist – gab Carry die Daten in einem Code verschlüsselt wieder. [In der deutschen Übersetzung wurde die Wiedergabe des Datums vereinheitlicht. A.d.Ü.] Die Originaltagebücher befinden sich noch im Besitz der Familie Mass, aber für Forschungszwecke kann man sie in Yad Vashem in Jerusalem einsehen.

Ein zusätzliches Personenregister enthält die biographischen Daten der zahllosen Freunde, Bekannten und Familienmitglieder, die in diesem Tagebuch Erwähnung finden. Es sagt viel aus, dass die meisten der Jugendlichen, die an der Geburtstagsfeier aus dem ersten Tagebucheintrag teilnahmen, im Laufe des Krieges ermordet wurden. In diesem Sinne ist die vorliegende Publikation des Tagebuches auch ein schriftliches Denkmal für Carry Ulreichs ermordete jüdische Freunde aus Rotterdam. Die Abbildungen im Bildteil – vor allem der Familienkollektion entnommen – verleihen den Hauptpersonen ein Gesicht. Die ergänzenden Hintergrundinformationen, in denen tiefer auf verschiedene in den Aufzeichnungen enthaltene Aspekte eingegangen wird, bieten eine abschließende Betrachtung.

Danksagung

An einem prächtigen Sommertag im Juni 2016 traf ich die inzwischen 89-jährige Carry Ulreich zusammen mit ihrem Sohn Oren Mass in Jerusalem. Nie hätte sie gedacht, dass ihr Tagebuch jemals auf Niederländisch erscheinen würde. Ich danke ihr herzlich für ihr Vertrauen und dafür, dass sie das Tagebuch trotz ihres Zögerns für die Publikation freigegeben hat. Das geschah mit dem Blick auf jüngere Generationen, die erfahren sollen, was während des Krieges geschehen ist. Für die »Hintergründe« gewährte sie mir darüber hinaus einen Einblick in die Tagebücher ihrer Schwester Rachel, ihres Vaters Gustav Ulreich und in ein Interview, das man zu einem früheren Zeitpunkt mit ihr geführt hatte. Oren Mass stellte eine unverzichtbare Verbindung dar, und er scheute keine Mühen, damit die Publikation realisiert werden konnte. Ich danke beiden!

Es war nicht leicht, die Nachkommen der Familie ausfindig zu machen, die den Ulreichs Unterschlupf gewährt hatte: die Nachkommen der Familie Zijlmans. Sobald aber der erste, Jeroen Zijlmans, gefunden war, kam ich rasch in Kontakt mit weiteren Familienmitgliedern. Wie sich herausstellte, verfügten sie alle über Geschichten und Erinnerungen daran, was ihre Eltern oder Großeltern während des Krieges für die Familie Ulreich getan hatten. Ihr unmittelbarer Enthusiasmus für die Publikation, ihre Neugierde auf den Inhalt und ihr Vertrauen wirkten ansteckend auf mich. Dafür möchte ich ihnen herzlich danken.

Die Verlegerin Beppie de Rooy vom Verlag Uitgeverij Mozaïek erkannte die Bedeutung von Carry Ulreichs Tagebuch sofort. Zusammen mit ihrem Team – Marianne Florijn, Wendelmoed Knol und Inge Slings – war sie der Motor hinter diesem Projekt. Ihre Begleitung gestaltete sich professionell und wurde von aufrichtiger Anteilnahme motiviert. Das Transkribieren des Manuskripts erledigte Aline Pennewaard. Besonders wertvoll war für mich die Hilfe meiner Kollegen beim weiteren Erschließen im Text enthaltener Details und in Bezug auf die Hintergründe der Familie Ulreich sowie der Judenverfolgung in Rotterdam: Albert Oosthoek, Hans van der Pauw, Stefan van der Poel, Raymund Schütz und Lodewijk Winkler. Auch ihnen gilt mein Dank. Eventuelle Fehler in der niederländischen Ausgabe und den Anmerkungen gehen selbstverständlich auf mein Konto.

Amsterdam, im Juli 2016

Bart Wallet

Interview mit Carry Ulreich
im September 2017

Wie kam es nach so vielen Jahren zur Veröffentlichung Ihres Tagebuchs?

Vor fünf Jahren, da war ich 86, dachte ich, wenn ich jetzt nichts tue, dann kann niemand mehr mein Tagebuch lesen. Meine Enkel und Urenkel wussten zwar, dass ich versteckt war, aber sie kannten keine Details. Meine Familie liest kein Holländisch, also musste ich jemanden suchen, der das übertragen kann, der meine unleserliche Handschrift entziffert und das alles abschreiben kann. Den habe ich gefunden. Und dann ist mein Sohn, der ist Verleger, damit zur Frankfurter Buchmesse gefahren. Ich dachte immer, mein Tagebuch sei für andere nicht interessant, viel zu viel Politik und Details aus unserem Alltag. Aber mein Sohn Oren hat mich schließlich überzeugt. Er hat einen holländischen Verlag gefunden, der mein Tagebuch sofort herausbringen wollte. Mit dem wunderbaren Einleitungsteil von Bart Wallet.

Was empfinden Sie heute, wenn Sie an diese Jahre im Versteck in Rotterdam zurückdenken?

Für mich war es eine gute Zeit, eine Zeit des Miteinanders, wir haben alles zusammen erlebt und geteilt. Den Hunger und die Hoffnung. Zwei Familien mit zwei so unterschiedlichen Religionen auf so engem Raum. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Ich habe keine schlechten Erinnerungen an diese Jahre im Versteck. Für meine Eltern war es natürlich anders, sie haben ihre gesamte Existenz verloren und mussten sich um uns Kinder kümmern.

Wie waren die Reaktionen nach der Veröffentlichung – innerhalb der Familie und in den Niederlanden?

Um mich herum fanden das alle sehr interessant, waren regelrecht enthusiastisch. Meine Enkel und Urenkel haben mich eingeladen und ganz viele Fragen gestellt, wie das alles genau war, wie wir es so lange in dem Versteck ausgehalten haben und ob wir auch mal raus durften und so weiter und so fort. Das war schön für mich, ihnen davon in Ruhe erzählen zu können.

Als ich für die Buchpräsentation dann nach Holland kam, waren ein Journalist und ein Fotograf mit mir zusammen unterwegs, weil sie einen Beitrag für das holländische Fernsehen gemacht haben. Nach der Ausstrahlung hielten mich Leute auf der Straße an und sagten, ich habe Sie im Fernsehen gesehen … Wer hätte das jemals gedacht?

Was möchten Sie den deutschen Lesern mit auf den Weg geben?

Ich hoffe natürlich, dass es eine schöne Ausgabe wird. Und dass die Leserinnen und Leser begreifen, dass dieses Tagebuch ein einzigartiges Dokument ist. Weil es eben nicht in Amsterdam spielt, so wie das Buch von Anne Frank. Man kann mein Tagebuch zwar mit dem von Anne Frank vergleichen, aber bei mir gibt es ein Happy End. Wir haben alle überlebt. Als ich im Anne Frank Haus gewesen bin, habe ich genau das ins Gästebuch geschrieben.

Mein Tagebuch zeigt vor allem, was mit den Juden in Rotterdam passiert ist. Und das ist mir wichtig, eine Zeugin dieses Teils der Geschichte zu sein. Darüber gibt es bisher nicht viel. Und durch meine Arbeit für den Judenrat habe ich damals viel mitbekommen. Viele wissen heute gar nicht, wie das abgelaufen ist mit den Aufrufen, dass die Juden in Westerbork gesammelt wurden, bevor sie weiter nach Bergen-Belsen oder Auschwitz geschickt worden sind.

Ich wünsche mir, dass dieses Buch von vielen Menschen gelesen wird, damit sie ihre Augen nicht vor dem Schlechten verschließen. Damit sie aus unserer Geschichte lernen. Und das Kapitel der Rotterdamer Juden in ihrem Gedächtnis verankern. Und dass sie sich immer wieder daran erinnern, dass die Juden keine Feinde waren, sondern dass die Nazis sie zu Feinden gemacht haben.

Ergänzung von Oren Mass, Verleger in Jerusalem und Sohn von Carry Ulreich:

Ich hoffe, dass jeder, der das Tagebuch von Anne Frank gelesen hat, von diesem authentischen Zeugnis meiner Mutter angetan sein wird. Dieses Tagebuch präsentiert eine positive Sicht auf das Leben, sogar auf den Krieg. Es vermittelt die tiefen Gedanken eines jungen jüdischen Mädchens über ihre eigene Zukunft, aber auch über die ihres Volkes in seinem Land, in Palästina. In Deutschland ist es besonders wichtig, dass die Menschen die ungeheure Brutalität des Nazisystems begreifen und der Opfer dieser Zeit gedacht wird.

Seien wir froh, dass Carry überlebt hat, eine Frau, zu der nun insgesamt über 100 Kinder, Enkel und Urenkel gehören. Wie viele Menschen könnten heute am Leben sein, wenn die sechs Millionen Juden nicht vernichtet worden wären?

Tagebuch

Teil 1
Besatzung: 1941 bis 1942

Rotterdam, Mittwoch, 17. Dezember 1941

Heute Abend, zehn Uhr, habe ich endlich wirklich Lust, dich, mein Tagebuch, einzuweihen. Dieses Tagebuch habe ich von meiner Freundin Sonja Taub bekommen; ich habe es zu meinem Geburtstag vor einem Monat bekommen. Während dieser Zeit ist nichts Besonderes passiert. Heute Abend auch nicht, aber … ich habe Lust!

Die Geburtstage waren wie immer mit denselben Leuten1: Mundi und Bronia Kindler, Mira Klawier, Sonja Taub, Hadassa und Bobby Herschberg + den alten Herrschaften all dieser Kinder. Macht ±20 Leute.

Am nächsten Tag hatte ich den Club bei mir: Meine Vereinigung ist verboten worden. Wir sind seit dem 14. Mai 1940 durch Deutschland besetzt, und jetzt haben wir Jüngeren von der Ha Awoda2 uns zusammengeschlossen und kommen jede Woche zusammen. Mitglieder sind: Felix Zwick, Wiet Wijler, Herman van Coevorden, Jopie Wijler, Arthur Goudsmid, Sam Bosman, Bobby Herschberg, Milly de Leeuwe, Hetty Corper, Tootje de Haas, Belia de Haas, Ruth Zwick und ich. Vielleicht kommt Betty Posner bald noch dazu. Wiet, Felix und ich bilden den Vorstand.

Aber ich habe gerade über meinen Geburtstag geschrieben. Ich habe die Jüdischen Überlieferungen von K. ter Laan3 bekommen. An Rachels Geburtstag kamen abends wieder Dinah Meerschwam und ihre Gruppe: Hannele Franken, Tilly Bosman, Hetty Wijler, Rachel, Johan Spiegelenberg (Goj [Goi/Goj, Plural Gojim: Nichtjude]), Carel Kaufman, Daan Nijveen, Bram de Lange und Bram Roos. Wir haben getanzt, und der letzte Besuch kam am Sonntagnachmittag.

Die älteren Mädchen: Hanni Bialer, Dora Mak, Dora Landau, Sally Lipszyc, Mundi Kindler, Saartje und Etty Vromen. Ich dachte, es würde sehr langweilig werden, und da bin ich in den Club gegangen. Dort haben sie ein bisschen gemeckert, dass wir immer dasselbe machen: Sprechen (das muss jeder von uns reihum tun) und Vorlesen und hin und wieder ein Spiel? Aber wie soll man die Kinder anders beschäftigen? Wir dürfen ja nirgendwohin … Wie auch immer, ich ging dann um halb fünf nach Hause, und da war eine große Chassene [Jiddisch: Hochzeit; im weiteren Sinne oft: Fest]. Dora Mak spielt Klavier und der Rest tanzt. Natürlich habe ich kurz mitgetanzt, dann gingen sie nach Hause. Sie haben es sehr genossen. Unsere Geburtstage waren damit vorbei.

Wir haben eine jüdische Schule4. Da ist es sehr schön, wie eine große Familie. Früher war ich gegenüber, in der Witte de Withstraat 305 in Rotterdam, und ich war in der vierten Klasse des Lyzeums. Aber wir waren eher auf Sprachen ausgerichtet, und jetzt kam eine Schule, die HBS [Höhere Bürgerschule. A.d.Ü.], die stärker mathematisch orientiert ist. Also musste ich in die dritte Klasse. Das ist nicht so sehr schlimm. Heutzutage geschehen noch viel schlimmere Dinge. Die Geschäfte werden uns Juden weggenommen und noch schlimmere Dinge. Aber trotzdem ist es schade. Sonst wäre ich mit Wiet (einem sehr netten Jungen) in einer Klasse. Aber es ist so, dass in der dritten Klasse Gym auch Sam Bosman ist (nicht so nett, ganz in Ordnung, kennt sich mit dem Zionismus sehr gut aus). Neben mir sitzt Clara Haagman, 17 Jahre alt, (sehr) nett, auch Zionistin. Hinter mir Bernard Maarssen (sehr anständig) und Ab Spanjar (der Sohn des Französischlehrers, ein bisschen langweilig). Ansonsten ist die Klasse nicht so interessant. Wir mussten heute in der Niederländischstunde, der letzten Stunde, Fragen beantworten. Es ging um die Berufsausbildung.

Erst allgemeine Fragen: Alter, Name, usw. Dann unsere besten Fächer. Ich habe »Sprachenabteilung« aufgeschrieben, obwohl ich im aktuellen Zeugnis eine zehn für Algebra und eine neun für Geometrie habe [Die zehn ist die beste Note. A.d.Ü.]. Das kommt natürlich, weil ich bisher den Mathematikstoff schon gehabt habe. Trotzdem fühle ich mich in Mathematik nicht stark. Und doch komme ich irgendwie immer durch. Wir haben Unterricht bei Brandel (der ist sehr nett, jung und klug). Dann stand auf dem hektografierten Zettel: Lieblingsfächer, aber das hätten sie mich gar nicht zu fragen brauchen, denn ich lerne überhaupt nicht gern.

Aus Höflichkeit habe ich wieder »Sprachen« hingeschrieben. Dann kamen Fragen, die ich nicht beantworten konnte: a) Was willst du am liebsten werden?, b) Warum?, c) Bist du dafür geeignet? usw. usw. Du, Tagebuch, musst wissen, dass ich überhaupt keine Vorliebe für irgendetwas habe, was sollte ich also aufschreiben?

Ich schwafelte etwas in die Richtung, dass ich Zionistin bin und dass ich also ein Fach wählen müsste, das man in Palästina gebrauchen kann, und das ist dann Handwerkliches und Gartenkunde. Aber ich weiß nicht, ob ich dafür geeignet bin. Die Zeit wird es zeigen. Erst das Diplom der HBS, dann ein bisschen mehr Hebräisch und Englisch, dann zur Hachschara (Vorausbildung für Palästina) und dann weg. Ins eigene freie Land!!

Aber wir müssen erst mal abwarten, bis der Krieg vorbei ist: Wir alle hoffen auf den Sieg von England über Deutschland, Italien und Japan. Japan hat letzte Woche England und den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt. Bisher kann Japan schon viele Siege verzeichnen. Nordmalakka ist bereits besetzt. In Russland ziehen sich die Deutschen im Moment zurück, in Libyen die Italiener.

Morgen Nachmittag haben wir in der Schule einen Chanukka-Nachmittag. Am Sonntag, dem 14. Dezember, war der erste Chanukka-Tag [Das Lichterfest dauert acht Tage. A.d.Ü.], und heute ist der vierte; also vier Lichter + Schammes [das zusätzliche Licht zum Anzünden der anderen Kerzen] fünf. Ich erkläre das hier so, denn vielleicht lese ich das hier in 20 Jahren wieder und bin dann nicht mehr fromm …

Am Sonntag haben wir auch ein Chanukka-Treffen vom Club. Ich werde mithelfen und das Theaterstück vorbereiten, das hatte ich zumindest vor. Aber wir haben von halb zwei bis halb drei Hebräischunterricht, der sollte allerdings ausfallen, also hatte ich Zeit, aber jetzt hat heute Abend Frau Greet Vleeschhouwer angerufen (Lehrerin), dass die Stunde trotzdem stattfindet. Die habe ich zusammen mit Rachel, Ali Wolf, Sam Brandes, Edith van der Hak und Dora Mak. Das passt mir also nicht. Jetzt muss ich auch noch lernen, aber heute Abend habe ich keine Zeit mehr, denn es ist schon elf Uhr. Hausaufgaben habe ich noch keine gemacht. Aber weil Chanukka ist, hat uns fast kein Lehrer etwas aufgegeben, nur Noach (Deutscher, assimiliert, ziemlich freundlich und nett), aber ich habe morgen die erste Stunde frei, dann lerne ich es schon. Heute Abend ist die Familie Vromen hier. Sie kommen jeden Mittwochabend und Mama und Papa gehen jeden Sonntagabend zu ihnen. Dann whisten (Kartenspiel) sie immer, wenn sie zusammen sind.

Mama muss im Moment alles selbst erledigen. Das kommt, weil nichtjüdische Mädchen nicht bei Juden im Dienst sein dürfen. Und wir hatten eine NSBlerin [NSB: Nationalsozialistische Bewegung in den Niederlanden, A.d.Ü.], die direkt nach Berlin (deutsche Hauptstadt) gezogen ist. Ich hoffe, sie kommt nie mehr lebend zurück (gemein, was?). In unserem Atelier haben wir eine Freundin dieser NSBlerin. Das ist mir auch so eine!

Vor 1940 hatten wir in unserem Atelier 17 Leute, aber jetzt haben wir keine Konfektionskleidung mehr, und Papa arbeitet nur noch mit einem einzigen Mädchen. Wie lange noch?

Das Gerücht macht die Runde, dass am ersten Januar 1942 alle jüdischen Textilbetriebe schließen müssen. Wir dann vielleicht auch, obwohl Papa Schneider ist. Aber wir haben ein paar Stoffe, und die können die Moffen [Mof, Plural Moffen: Das am häufigsten verwendete Schimpfwort für die Deutschen. A.d.Ü.] vielleicht (ich glaube sogar ziemlich sicher) gut gebrauchen.

Rachel arbeitet in einer Kohlenhandlung. Wir fragen uns auch: Wie lange noch? Sie verdient 30 Gulden im Monat. Vielleicht bekommt sie im Januar eine Erhöhung.

Wir haben schon eine Weile (seit dem 3. Oktober6, »dem großen Schreck«) kein Schießen mehr, aber nächste Woche ist wieder heller Mondschein, und dann fangen sie bestimmt wieder an, auf die Engländer zu schießen, die Deutschland bombardieren wollen. Manchmal tun sie das in Rotterdam auch, und wenn sie etwas gut getroffen haben, steigen die Deutschen auf und werfen Bomben auf die Zivilbevölkerung. Zumindest sagen das wir: Englischgesinnte, aber in der Zeitung denkt man darüber anders. Die spucken da immer so große Töne. Und es wurden immer ein paar Flugzeuge abgeschossen. Glaubst du das? Ich nicht.

Jetzt muss ich ins Bett, fürs erste Mal reicht es aber auch. Das war eigentlich eine Übersicht über die Lage; wenn ich das später noch einmal wieder lese, weiß ich es zumindest. Von den Lebensmittelmarken und dem Punktesystem erzähle ich das nächste Mal.

Donnerstag, 18. Dezember 1941

Noch keine 24 Stunden ist es her, dass ich geschrieben habe, und jetzt fange ich schon wieder an.

Wir hatten heute Nachmittag den Chanukka-Nachmittag unserer Schule. Es war großartig: ein wirklich schöner Nachmittag.

Ich ging mit Hetty Corper (Schulfreundin, nett) dorthin. Es war noch früh. Als wir hereinkamen, standen da die Lehrer mit ihren Frauen, unser Oberrabbiner Davids mit seiner Frau, und Vorst (Lehrer an der Jüdischen Schule), auch mit seiner Frau. Der Saal war ein bisschen weihnachtsartig geschmückt. Grün mit roten Bändern. Aber darum haben sich auch Assimilierte [Juden, die sich zum Beispiel durch die Übernahme bestimmter nichtjüdischer Bräuche an ihre Umgebung angepasst haben. A.d.Ü.] gekümmert.

Eröffnungsrede von Bob Maarssen (dem Vorsitzenden des Schulbundes). Danach hat Carolina Eitje gesprochen. Das war sehr gut. Zionistisch, hat erklärt, was Chanukka bedeutet: Freiheit des Geistes, und nicht Sieg auf militärischem oder politischem Gebiet durch die Makkabäer.

Jaap Querido spielte nach der Rede Klavier, etwas von Liszt und Chopin. Er spielte ganz großartig: Ich habe schon eine ganze Weile nicht mehr so gute Musik gehört, nur der Flügel hatte keinen guten Klang. Trotzdem war es großartig, dieses Klavierspiel!

Als vierte Nummer bekamen wir den Höhepunkt des Nachmittags: vier verschiedene Horras [Beliebter Tanz der jüdischen Gemeinschaft in Palästina.]. Die Jungen trugen dunkle Hosen und weiße Oberhemden und die Mädchen leichte Sommerkleider. Das war wunderschön. In einem bestimmten Moment musste ich mich wirklich zurückhalten, um mich nicht dazuzustellen und mitzutanzen. Wiet spielte auch mit.

Danach Pause, Limonade und Kekse wurden verteilt. Bin herumgelaufen und habe mit allen gesprochen. Um Brandels Frau7 bin ich bestimmt dreimal herumgelaufen. Sie ist sehr schick, geschminkt, schön gekleidet usw. Ich wusste nicht, dass Brandel verheiratet ist. Dr. Wijnberg (unser Rektor) war mit seiner Frau da, Noach (Deutsch) mit Tochter + Frau, Spanjar (Französisch) + Frau, Dr. Stein + Verlobte, Dr. [van] Rees und Sohn (grässliche Assimilierte) sind nicht gekommen, weil sie bei so einem Nikolausfest nicht mitmachen.

Nach der Pause hat Rabbi Davids gesprochen. Er hat jedem von uns einen Rundbrief gegeben. Er sagte, er würde ihn uns Jugendlichen zuerst geben, weil die Jugend für das jüdische Volk doch alles ist. Sie muss das jüdische Land aufbauen. Symbolisch überreichte er den Brief persönlich Bob Maarssen. Er schloss mit dem Höhepunkt, nämlich der Hoffnung: Es lebe Israel! Es war beeindruckend.

Leni Wijler (Wiets Cousine) las danach ein Stück aus ’t huisje aan de sloot8 von Carry van Bruggen vor. Sehr nett. Wieder Klavierspiel von Jaap Querido. Danach hat Clara Haagman ein Gedicht deklamiert. Sie hat es prächtig hinbekommen (aber das gelingt ihr immer).

Am Schluss spielte Rob Frieser mit seinem Vater Cello und Klavier: Brahms, Beethoven, Chopin. Ich habe schon lange kein solches Konzert mehr gehört. Wir haben nämlich zu Pessach 1941 unser Radio abgeben müssen. Als Zugabe spielte er Träumerei von Schubert. Auch sehr schön! Dr. Wijnberg sprach das Schlusswort. Er ließ alles noch einmal Revue passieren. Jedes Mal haben wir geklatscht. Es war sehr erhebend. Dann war der erfolgreiche Nachmittag vorbei. Mit der Straßenbahn fuhr ich nach Hause.

Als ich ausstieg, sah ich Max Hachgenberg auch aussteigen. Er besucht die 5b. Er ist mir früher sehr nachgelaufen. Jetzt zum Glück nicht mehr. Wir haben uns kurz nett unterhalten, er hat mich nach Hause gebracht.

Heute Abend haben wir mit Saartje und Elly Vromen Monopoly gespielt. Das ist ein schönes Spiel. Ich habe gewonnen, denn ich hatte zwei Hotels in Amsterdam: einfach großartig. Jetzt sind sie gerade weg, und ich gehe schlafen. Ab morgen Nachmittag haben wir dann drei Wochen Ferien, schön!

Donnerstag, 26. Dezember 1941

Da bin ich wieder, habe schon eine ganze Weile nicht geschrieben. Hatte heute den Club bei mir; es war ein öder Nachmittag, wir haben Spiele gespielt, aber nichts hat den Kindern so recht gefallen. Heute Morgen hatten wir Versammlung. Am Sonntag werden wir eine Wanderung machen. Um zwei Uhr Treffen am Ostseedeich.

Milly de Leeuwe, Sonja Taub und ich haben uns danach noch ein bisschen unterhalten. Milly kann Felix Zwick plötzlich nicht mehr leiden. Sie ging mehr oder weniger mit ihm. Gestern hat er ihr einen Ring gegeben. Sie war so überrumpelt, dass sie ihn angenommen hat. Gestern fand sie ihn auch noch nett: Er hat sie offiziell gefragt, ob sie mit ihm gehen will.

Aber heute, als sich beim Quartettspielen wieder einmal herausstellte, wie wenig entwickelt er doch ist, konnte sie ihn dann nicht mehr leiden. Ich habe ihr dementsprechend geraten, den Ring zurückzugeben, weil sie ihm gegenüber dann keine Verpflichtungen mehr hat. Aber sie traut sich nicht. Morgen wollte er sich wieder mit ihr verabreden, aber sie will nicht. Da habe ich sie gefragt, ob sie zu mir kommt, das ist dann eine gute Ausrede für sie.

Zwischen Toos und Wiet läuft offiziell nichts. Sie will schon, aber er ist dafür zu verlegen, als dass er sie fragen würde, ob sie mit ihm gehen will. Außerdem finde ich Wiet dafür überhaupt nicht geeignet. Viel zu ernsthaft!

Am Samstag gehen Wiet, Felix und Milly zu Toos Monopoly spielen (das ist ein neues Spiel). Felix und Milly kommen erst um drei Uhr und Wiet um halb drei, sodass Toos und Wiet eine halbe Stunde für sich allein haben. Darum hofft sie, dass Wiet sie fragen wird, ob sie mit ihm gehen will. Ich verstehe nicht, dass das Ganze so offiziell ablaufen muss. Er kann doch einfach ein guter Freund für sie sein … ohne, dass da mehr passiert. Aber das will Toos nicht, sie will mehr! Obwohl es mehr als Freundschaft gar nicht gibt. Freund, Lebensgefährte ist der höchste Titel, den ich jemandem geben kann. Milly sagt, dass er Toos auch nett findet. Ich glaube noch nicht so recht daran. Vielleicht?!

Ich selbst würde es sehr schade finden, denn ich finde ihn auch nett … Aber nichts zu machen, das ist das Schicksal*.

Letzten Sonntag hatten wir eine Chanukka-Versammlung unseres Clubs. Ich war nicht so ganz bei der Sache. Jaap van Straten sollte sprechen, aber im letzten Augenblick sagte er telefonisch ab. Da haben wir Sam Brandes gefragt, ob er sprechen würde. Er hat es getan. Außerdem hatten wir zwei Theaterstücke, das erste mit Wiet, Toos u.a. Das war eine alberne Angelegenheit, weil Toos einen Lachanfall hatte und jeder fast erstickte. Das zweite war mit Milly und Felix u.a.; die hatten ihre Rollen nicht richtig gelernt. Trotzdem war es besser als das erste.

Das Ganze fand bei Felix statt, weil er auch Geburtstag hatte. Seine Eltern kamen zu den Theaterstücken herein und brachten alle Besucher mit, die für ihn gekommen waren: Frau + Fella Lipfrajnd, Frau Navra, Rosenberg usw. Es war, wie Bobby Herschberg ganz zurecht bemerkte, eine richtige Alteleuteversammlung. Sam Brandes hat ein sehr gutes Gedicht über Chanukka gemacht, ziemlich witzig.

Dann wurde noch etwas vorgelesen, die Menora [siebenarmiger kultischer Leuchter der jüdischen Liturgie, A.d.Ü.] angezündet, es wurden Süßigkeiten gegessen. Und trotzdem, wie ich schon sagte, es war nicht so wirklich schön. Jetzt muss ich die Tassen abwaschen, die der Club schmutzig gemacht hat. Ich hätte damit anfangen sollen, aber erst musste ich meinem Tagebuch etwas erzählen, nämlich von Toos, Wiet, Felix und Milly (mit ihr habe ich wirklich Mitleid, weil sie nicht weiß, was sie tun soll, und niemand ihr bei so etwas, in Gefühlsdingen, meine ich, raten kann).

Utrecht, 29. Dezember 1941, Montag

Gestern bin ich nach Utrecht gefahren. Da wohnt Tante Dora, das ist eine Schwester von Mama. Sie ist nicht verheiratet und wohnte mit zwei unverheirateten Brüdern in Polen, aber im Dezember 1938 kam sie für ein paar Monate nach Holland. Der Krieg brach im September 1939 aus, und da konnte sie nicht mehr zurück. Onkel* Mondek flüchtete mit der ganzen Armee nach Rumänien (jetzt ist er in England) und Onkel* Iziu zieht nun allein mit seinem treuen Hund Waldi von einer Stadt in die andere, denn er will nicht in einem Getto (Judenviertel) leben. Als Deutschland uns besetzte, wurde Tante Dora schon bald aus dem Küstenbereich weggeschickt, und jetzt wohnt sie allein in einem kleinen Zimmer. Ich fahre sie in den Ferien manchmal besuchen. Jetzt ist es so, dass ich in den letzten Ferien hier ein paar nette zionistische Mädchen kennengelernt habe. Mit Ted Andriesse und Pauli de Vries schreibe ich immer noch. Heute Morgen bin ich bei Ted gewesen; sie war nicht zu Hause, als ich kam. Mit Mirjam (ihrer Schwester) und ihrer Mutter habe ich gesprochen. Später kam Ted, sie war sehr froh, mich zu sehen. Ich wollte, dass sie heute Nachmittag zu mir kommt, aber erst musste sie ein paar Einkäufe erledigen, dann Joop (ihren Bruder, der Hachschara [Landwirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung auf die Emigration nach Palästina.] macht) vom Zug abholen, dann ein paar Briefe für ihren Vater tippen. Sie will, dass ich bei ihrer Mutter ein wenig lese (ich lese im Moment Herzls Tagebücher*), aber dazu habe ich keine große Lust, viel lieber sitze ich gemütlich im warmen Zuhause, denn draußen ist es so kalt. Sie wohnt gar nicht so weit weg, aber ich bin so schrecklich faul, das ist eine schlechte Eigenschaft von mir, die mir sehr bewusst ist, die ich aber nicht ablegen kann. Sie kommt mich gleich abholen, dann gehe ich mit.

Ich hatte beim ersten Schreiben versprochen, etwas von den Marken und den Punkten zu erzählen. In normalen Zeiten geht man in den Laden, kauft Stoff für ein Kleid oder eine Unze Tee usw. usw. Aber jetzt ist alles rationiert. Jeder darf von einem Artikel nur eine bestimmte Menge kaufen. Wir bekommen darum eine Karte (z.B. eine Butterkarte) mit 20 Marken, und für jede Marke bekommt man ein halbes Pfund Butter. Jetzt kriegt man alle 20 Tage so eine Nummer zugewiesen (das wird in der Zeitung bekannt gegeben), und für die bekommt man ein halbes Pfund Butter, wenn man die Marke abgibt. Einfach im Laden und natürlich gegen Geld. So geht das mit allem, vom Käse bekommt man 1 Unze pro Woche pro Person, alles wird pro Person berechnet (außer Kohlen). Tee und Kaffee und Eier (und jetzt auch Hafer und Reis) bekommen wir gar nicht. Nur Ersatzkaffee auf Marken, aber der ist noch trinkbar.

Aber auf dem Schwarzmarkt kann man alles bekommen, wenn man nur dafür bezahlt. Ein Ei kostet 28 Cent; früher kosteten die Eier 3 Cent im Sommer und 19 im Winter; schon damals mussten wir sparsam sein, denn es waren immerhin 9 Cent! Und jetzt sind es 30, und wir essen sie trotzdem … Butter kostet 5 Gulden das Pfund. Tee 4 Gulden die Unze, beim Kaffee weiß ich es nicht. Das wären die Lebensmittel.

Bei der Kleidung gibt es ein Punktesystem. Das sieht aus wie Marken. Jeder bekommt 100 Punkte pro Halbjahr. Wenn man Stoff für ein Kleid kauft (wenn man noch Stoff bekommt), sind das 40 Punkte. Baumwollstoff weniger: 28 Punkte. Ein Paar Strümpfe 5 Punkte, ein Pyjama 25 Punkte usw. Früher waren es 50 Punkte für einen Mantel, aber jetzt darf man, der letzten Verordnung zufolge, nur mit besonderer Erlaubnis einen Mantel kaufen oder machen lassen. Darum hat Papa im Moment nicht viel zu tun, denn so eine spezielle Genehmigung wird fast niemandem erteilt. Nur wenn die Damen gehamsterte Stoffe mitbringen, darf Papa den Mantel machen. Glücklicherweise hatten wir noch keinen Grund zur Klage.

Wenn der Krieg nur bald zu Ende ist. Aber Churchill, der englische Premierminister, hat gesagt, dass sie 1942 zeigen werden, was sie können, und 1943 ist der Krieg vorbei. Wenn es wirklich so lange dauert, sieht es für uns Juden sehr schlecht aus, dann werden wir als Erstes aus unserem Laden geworfen und als Zweites aus unserem Haus und müssen ins Getto, und drittens wird es schrecklich mit dem Essen werden, und noch mehr schreckliche Dinge. Aber wir wollen das Beste hoffen!!

Abends

Heute Nachmittag kam mich Ted abholen. Ich ging mit zu ihr nach Hause, da war Joop und eine Cousine von den beiden, Stella Hartog (nettes Mädchen, 30 Jahre, schick). Habe ein bisschen gelesen, Stellas Bürogeschichten zugehört, dann ging ich wieder nach Hause. Es war gar nicht so nett. Aber schön warm, denn bei T[ante] D[ora] ist es so kalt…

Rotterdam, Mittwoch, 21. Januar 1942

Die Temperaturen sind unter dem Gefrierpunkt, -15 Grad Celsius. Furchtbar kalt überall. Aber ich kann und will nicht Schlittschuh laufen, darum habe ich heute Nachmittag, als wir eisfrei hatten, drei Kilo Möhren geputzt, statt eine Tour auf der Rotte zu machen. Eine schrecklich langweilige Arbeit!

In der Vereinigung läuft es nicht gut für mich. Letzten Samstag hatten wir eine Vorstandsversammlung. Plötzlich sagt Wiet: »Es hat Beschwerden über dich gegeben, du tust nicht viel, bist nicht aktiv genug.« Und sie fanden, die anderen hätten recht, denn ich hätte nie irgendwelche Ideen. Da sagte ich, dass sie dann neu wählen sollten. Aber ich hätte schlagfertiger antworten müssen, nur war ich sprachlos.

Jetzt wird wohl Milly de Leeuwe meine Stelle einnehmen. Ich gönne es ihr nicht! Denn es war doch nett, aber selbst, wenn sie mich bitten würden, doch zu bleiben, würde ich es nicht tun, denn ich fühle mich in meiner Ehre gekränkt. Denn wie Papa später zu mir als »zeichel« [Jiddisch für »Rat«] sagte: Woher wissen die Mitglieder, was in den Versammlungen besprochen wird? Entweder hat Felix nicht dichtgehalten, oder die Jungs wollen mich raushaben. Trotzdem kann ich Letzteres nicht glauben. Ich sagte das am Sonntag zu Felix, aber er meinte: »Das merken die Mitglieder doch«, er redete ein bisschen um den heißen Brei herum. Er will bestimmt Milly bei sich haben …

Am Ende des Nachmittags gab es wieder einen Aufstand. Immer machen wir das Gleiche, warum keine Theaterstücke? usw., usw. Der Vorstand ist zu lasch, man will einen neuen Vorstand, eine ältere Leitung.

Milly redete daher, als würde sie schon im Vorstand sitzen, obwohl sie noch gar nichts davon weiß. Wir haben Geld abgehoben, aber dann wollte sie wissen, wer das mitnehmen solle? Sie? Aber ich sagte: »Nein, gebt es mir!« Dann habe ich es mitgenommen.

Abends rief Felix an, er würde Milly anrufen, dass sie an meiner Stelle im Vorstand wäre, aber ich habe gesagt, dafür müsste abgestimmt werden; dabei bin ich aber viel zu sanft aufgetreten. Trotzdem hat er es sich, glaube ich, zu Herzen genommen, denn er sagte: »Du hast recht.« Wiet wollte ich die ganze Geschichte auch erzählen, aber wenn ich mich nicht täusche, geht er mir aus dem Weg; er wagt mir nicht unter die Augen zu kommen. Vielleicht irre ich mich, ich werde schon sehen, wie sich das Ganze noch entwickelt. Milly fragte mich vor ein paar Wochen, ob ich Felix auf einer Vorstandsversammlung den Ring zurückgeben würde, denn sie hatte dazu keine Gelegenheit. Ich habe es getan; er war ein wenig verlegen deswegen. Abends hat sie am Telefon Schluss gemacht. Ich verstehe nicht, warum er jetzt noch weiter mit ihr umgehen will, aber alte Liebe rostet nicht.

29. Januar 1942, Donnerstag

Wiet schon eine ganze Weile nicht mehr gesprochen, neuen Vorstand gewählt, schon vier Tage keine Schule. Es taut. Ich werde all diese Ereignisse kurz einzeln behandeln.

Nummer 1: Es war schon Donnerstag nach dem bewussten Sonntag, an dem der Aufstand geprobt worden war, und ich hatte Wiet noch nicht gesprochen. Aber Freitag sah ich, wie er um halb eins seinen Mantel anzog und zu den Fahrrädern ging. Da habe ich mich auch schnell angezogen und bin ihm hinterher. Das fiel wahrscheinlich auf, denn er war der 1., der bei den Fahrrädern ankam, und ich die 2., die dort hinrannte. Den 3. habe ich gar nicht gesehen, denn da war ich schon lange weg.

Kurzum, er wollte schon weg, da sagte ich: »Bist du gar nicht neugierig, wegen Sonntag mehr zu hören, oder hast du schon alles gehört?« »Ja«, sagt er. »Du musst in die Witte de Withstraat, oder? Ich komme mit dir mit.« Dann ist er bis ganz zu mir nach Hause mitgefahren. Es war wirklich nett (für mich jedenfalls, für ihn kann ich nicht sprechen). Ich habe ihm die ganze Geschichte erzählt, dass ich eher den Eindruck hatte, sie wären mit dem gesamten Vorstand nicht zufrieden (Rachel vorgekaut) usw., er sagte: »Schon möglich, aber wen wollen sie dann haben?« Und er hat recht, es gibt so wenige, die geeignet sind. Über das Programm von Sonntag und über die Schule haben wir gesprochen.

Nummer 2: Am Sonntag haben wir alle sagen lassen, was sie genau wollen. Herman wollte eine komplette Revue auf die Beine stellen und danach im Waisenhaus oder im Altenheim aufführen. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Milly wollte tiefergehenden Zionismus: d.h. von einer erfahrenen Person, die auch etwas weiß, und nicht einfach nur Tests, von denen man nichts lernt. Dazu sagte der Rest Ja und Amen.

Da meldete ich mich noch zu Wort. Ich sagte: »Ich habe gehört, dass Beschwerden über mich eingegangen sind, und jetzt möchte ich gern zurücktreten.« Empörte Stimmen: von wem, und was für Beschwerden? Wir besprachen alles, und schließlich wollten sie ganz neu wählen. Erst habe ich so gestimmt: Sam Bosman, Wiet Wijler und Arthur Goudsmid. Gewählt wurden: Sam, Wiet, Felix. Das waren 3 Jungs, das ging nicht. Dann folgendermaßen gestimmt: Sam, Wiet, Tootje. Letzteres, weil ich wusste, dass sie sowieso nicht gewählt werden würde, und auch Milly wollte ich meine Stimme nicht geben. Ergebnis: Sam, Wiet, Milly 3, Betty 8 (ich 2). Dann Stichwahl zwischen Milly und Betty, Betty 9:2 gewonnen. Sam ist jetzt Vorsitzender (9 Stimmen), Wiet Sekretär (6 Stimmen).