ELMAR FABER

Verloren im Paradies

EIN VERLEGERLEBEN

Aufbau Digital

Impressum

ISBN 978-3-8412-0741-8

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, März 2014

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2014 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

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»Dorf am Abgrund. Ein Dokument deutscher Not aus dem Jahre 1932«, so betitelte der Weltspiegel der New York Times am 9. Oktober 1932 in einem Thüringer Sonderbericht ein Panorama des Elends in dem kleinen Glasbläser- und Waldarbeiterdorf Deesbach im Thüringer Wald. Bilder zeigten einen »Marsch des Elends«, Ährenleserinnen mit ihren kärglichen Tageserträgen, den Gemeindevorsteher bei der Ausgabe von Bettelscheinen, eine Mutter von 23 Jahren, die wie fünfzig aussah, tief zerfurcht im Gesicht und voller Angst vor dem kommenden Winter.

In dieses Dorf wurde ich hineingeboren, am Ostersonntag 1934, als die Nazis die Not umgestülpt hatten in eine Verheißung, die Bettler jetzt Straßen bauten, die Mütter nun »deutsche Mütter« hießen und in einem Gefängnis am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges meine Großmutter für ein paar Wochen einsaß. Es hieß, sie hätte ein loses Maul gehabt und sie hätte an ein Fabriktor eine fatale Losung gepinselt.

Vieles habe ich seitdem von der Welt gesehen. Ich bestaunte die Große Chinesische Mauer und den Eiffelturm in Paris, spazierte über die Golden Gate Bridge in San Francisco, der Kreml in Moskau erinnerte mich an die Macht der russischen Großfürsten und Zaren, ich durchstreifte die ukrainischen Birkenwälder, die Heidel- und Preiselbeerhänge Mittelschwedens, badete im Schwarzen Meer, überflog das kanadische Felsengebirge, ich hörte die Glocken des Petersdoms schlagen und die Rufe der Muezzins verhallen, ich bin über die Katalaunischen Felder gelaufen und über die dürren Grassteppen der ungarischen Puszta. Ich habe in den traumhaften Fjorden Norwegens gekreuzt. Mein Gott, die Welt war schön, aber was konnte sie aufwiegen gegen diesen winzigen Punkt der Erde, in dem mein ganzes Leben steckte, dieses kleine Dorf im Thüringer Wald, das in den letzten Hungerjahren der Weimarer Republik am Abgrund gestanden hatte.

In großen Kolonnen zogen Wolken über das Land, türmten Berge auf, schnöselige Hügel zuerst, dann ganze Felsenketten. Ein schlechtgelaunter Wind zerzauste die kunstvollen Bauwerke, zerfetzte Fassaden, Erker und Mansarden, schlug Krater in die porösen Schlösser aus Wasser und Eis. Der Regen zertrümmerte die Schwüle, zerstampfte sie zu kühlen Temperaturen. Wie Kristalle schlugen die Tropfen auf Dächer und Pflaster. Von den Berghängen rauschten die Wasser ins Tal. In den Mulden gurgelte und brodelte es wie in Hexenkesseln. Am Glasbläsertisch donnerte Großvater eine wetterharte Ballade in die Flamme, daß einem Hören und Sehen verging, als Gleichnis für Wasser, Wellen, Geister und Gespenster und bekundete damit seine Teilhabe an der verrückten Welt.

So war es immer. Für jedes Wetter, jede Jahreszeit, jedes sich wandelnde Bild der Natur hatten die Alten, Großvater und Großmutter, die Strophe eines Gedichtes in den Schubladen ihres Gedächtnisses, das sich fortpflanzte auf die folgende Generation und wieder Samen legte ins jüngste, ins kommende Geschlecht. Vom »Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte« über »Es wallt das Korn weit in die Runde und wie ein Meer dehnt es sich aus« oder »Es war, als hätt’ der Himmel die Erde still geküßt« sprangen die meist romantischen Verse bis in den Herbst und den Winter, bis zum »Herbsttag, wie ich keinen sah«, bis zu Knecht Ruprecht und dem Lied, hinterm Ofen zu singen: »Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer«. Eingebettet alles in einen Strom von poetischen Bildern, die abgerufen wurden, wenn es an der Zeit oder wenn Not am Manne war, und die den heranwachsenden Knaben erstaunten, ins Grübeln brachten oder Angst einflößten, so daß er sich lange an der Schürze der Großmutter festhielt, wenn ein Gewitter heranzog oder aus dem Talkessel nicht herauskam, weil er an das schauerliche Geschehen denken mußte von »Urahne, Großmutter, Mutter und Kind in dumpfer Stube beisammen sind«, die dort alle vom Blitz niedergestreckt werden.

Es war die Großmutter, die den Kindern, den Enkeln, die Lichter aufsteckte. In den Wintermonaten, wenn die Dämmerung hereinbrach, schichtete sie einen Stapel Bücher, Kalender und Familienblätter hin und her und las Geschichten vor. Aus Grimms Märchen, den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, Reisenotizen von Sven Hedin und Karl May, Wirkliches und Erfundenes dieser und anderer Globetrotter, Protziges aus der Thüringer Sagenwelt, Schauergeschichten von Goethes Schwager Vulpius, dem Erfinder des Räuberhauptmanns Rinaldo Rinaldini. Wir lauschten den Kalendergeschichten von Johann Peter Hebel mit dem leicht erhobenen christlichen Zeigefinger. Die Fabeln von Lafontaine dagegen hatten eine eiserne Moral. Verzückt beugten wir uns über Friedrich Justin Bertuchs Bilderbuch für Kinder, von dem einige Bände auf nicht aufklärbare Weise in den Glasbläserhaushalt gelangt waren. Auf elysischen Streifzügen wanderten wir damit durch die Kontinente. Die Kinderenzyklopädie der Goethezeit, wahrscheinlich ein Unikum der Bücherwelt jener Tage, sammelte alles Wissenswerte über Mensch, Getier und Pflanzenwelt und beflügelte unsere Phantasie.

Die Bücher- und Blättersammlung der Großmutter war keine erlesene Bibliothek. Die gebundenen Bücher hielt ein einziges Regal zusammen, unsortiert, in einem Raum des langgestreckten Schieferhauses, der »die Vorratskammer« hieß. Eigentümlich war es, daß man die bedruckten Papiere streng auseinanderhielt. Im Regal die Festeinbände. Das war »die Dichtung«, sagte Großmutter. Das andere, die Hefte, Kalender, die alten Zeitungen und Zeitschriften, hieß »der Papierkram«. Der wurde zusammengerollt und mit Stoffbändern zusammengeschnürt. Diese Bündel kamen in ein Holzfaß, wie zu Gutenbergs Zeiten, als die ungebundenen Bücherlagen in Holzfässern auf die Jahrmärkte und Warenmessen transportiert wurden. Es hat Jahre gegeben, wo neben dem Papierfaß ein Faß mit Geselchtem stand, ein Faß mit Gurken oder Sauerkraut. Vorratskammer eben, Lebensnotwendiges. Vornehm war das nicht, aber fürsorglich. Nobel behandelt im Haus wurden nur die Bibel, von Luther übersetzt, der Katechismus, das kirchliche Gesangbuch, vor allem aber die Kräuterbücher und Rezeptsammlungen aus alter Zeit. Die standen in der guten Stube in einer kleinen Vitrine oder auf dem Spiegeltisch neben dem Kanapee. Diese Bücher waren ein Vermächtnis, und so wurden sie auch behandelt, als Solitäre. Als Kind durfte man sie nur unter Aufsicht anfassen. Sie waren Erbstücke des Urgroßvaters, eines Zimmermanns, der in den langen arbeitslosen Wintermonaten sein Handwerk vertauschte und sich als dilettierender, aber beschlagener Heilkundler einen Namen machte. Er konnte Erstickte wieder zum Leben erwecken, Erfrorene mit ausgeklügelten Abreibungen vor Amputationen bewahren. Er kannte die Geheimnisse der Pflanzen, den Zauber der Kräuter, die Wunderwirkung der Tees und die Giftküchen in der Natur. Er konnte Liköre und Arrake und andere Getränke aus ätherischen Ölen und Essenzen herstellen. Ein wundersamer Mann, dem freilich einmal ein Malheur passierte, als ihm ein paar Tollkirschen in einen Schlehenwein hineingerieten und die stillen Zecher fast daran krepiert wären. Jedenfalls warf dieser Urgroßvater lange Schatten in mein Elternhaus, so daß nicht nur sein Büchervermächtnis auf feinen Borden stand, sondern auch die Pflanzen- und Kräuterliebe sich in Generationen fortpflanzte wie ein heiliges Feuer. Die Apotheke der Natur überträfe alle Weisheit der Menschen, zitierte man den alten Paracelsus, wenn Zweifel an der Naturheilkunst aus dem Felde zu schlagen waren. Kräuter-Else sagte man zu meiner Mutter in ihren letzten Lebensjahren, und sie fühlte sich durch den Spitznamen geehrt. So wäre es meinem Großvater auch nie in den Sinn gekommen, in der schlimmen Zeit nach 1945 die Kräuter- und Essenzenbücher zu verscherbeln. Da hätte er sich eher die Finger abhacken lassen. Von dem Bücherregal in der Vorratskammer nahm er allerdings die besten Stücke weg, verstaute sie in einer Spankiepe, schleppte sie im harten Winter 1946/47 über die Thüringer Berge hinweg in ein Großbauerndorf nahe Großkochberg und machte daraus Mehl und Butter. Frau von Stein, die einst in dem kleinen Wasserschloß in Großkochberg residierte, hätte sich im Grabe umgedreht, wenn sie von dem Geschäft erfahren hätte, zumal sich auch die Bände von Bertuchs Bilderbuch für Kinder unter der Tauschware versteckt hatten. Bertuch war ja der Beaumarchais der Goethezeit, ein Tausendsassa, der, allen Freuden aufgeschlossen, als Unternehmer ein wohltätiger Mann war und Goethes spätere richtige Frau, Christiane Vulpius, ein »Mädchen der mittleren Klassen«, durch die Herstellung künstlicher Blumen ernährte. Mit dem Verlust ging für mich ein Stück Kindheit zu Ende. Es war, als hätte mir jemand das Schaukelpferd geraubt.

Großvater konnte ich nicht böse sein. Er hatte an Vaters statt die ersten bewußten Jahre meines jungen Lebens begleitet, hatte mich durch die Thüringer Wälder geschleppt, Blüten und Blätter erklärt, Schnecken, Schlangen und Käfer bezeichnet, den Gesang der Vögel ihren Verursachern zugeordnet, die Wolkenbahnen beschrieben, Sternbilder entschlüsselt. Er hatte meine ersten Schneeschuhe gebaut, meine lecken Schuhe mit Holzstiften besohlt, Bucheckern für die weihnachtlichen Pfefferkuchen gesammelt, die Osterlämmchen ans Licht geholt, die Pfingststräuße gebunden und die Haustür damit geschmückt. Großvater konnte nicht böse sein, auch wenn er den Bertuch verscherbelt hatte. Mit seinen lachenden Augen, dem gezwirbelten Schnurrbart, dem Kautabak in der Kinnbacke, den bunten Hosenträgern im Gewand. Er hatte Wespennester mit mir gestürmt, der Kreuzotter den Kopf abgeschlagen, wenn sie mir zu nahe kam, beim Tieffliegerangriff mich in die Ackerfurche gedrückt und mich mit seinem Körper geschützt. Großvater war voller Schalk, wenn er die Großmutter neckte. Er hatte Wörter und Namen auf Lager, die ich noch nie gehört hatte. Zur Preiselbeere sagte er Helperl, zum Schneider Beinschläger, zum Schuster Schuhknecht. Teufelsakramenthimmelhoch, sagte er, wenn ihm der Blasebalg ausging, weil die Gasanstalt seiner Meinung nach zu dünnes Gas in die Rohre blies.

Meinem Vater, der im Krieg war, war er nicht grün. Er nannte ihn einen Hallodri. In einer einzigen Ballnacht hatte der meiner Mutter den Kopf so verdreht, daß sie nicht wieder von ihm loskam. In Knickerbockern, einem grellgelben Sakko und einer Schirmmütze, die einem Modejournal entnommen schien, hatte er die Eroberung gemacht und war bald darauf mit einer knatternden Maschine durch die Dorfstraßen gebraust. Nachdem er am Glasbläserhaus angehalten, erzählten die Beobachter, hätte er sich eine dicke Zigarre zwischen die Zähne geklemmt und wäre wie ein Baron die Treppe zum Schieferhaus hinaufgestiegen. Der Kaufmann, der in Nürnberg gelernt hatte, war aus seiner Firma ausgerissen, weil er dem stürmischen Verlangen der alternden Patronin entweichen wollte, so sein Bericht, und schnurstracks in den Armen meiner Mutter gelandet, mit der er, seinen Auskünften nach, ein eigenes Kaufmannsgeschlecht begründen wollte. Mein Großvater war nicht verstimmt über das forsche Auftreten des fränkischen Eindringlings, aber wie er nach der Hochzeit meine Mutter zu seiner Dienerin machte, das erboste ihn zusehends. Das Glasbläserhaus hatte Platz für zwei Familien, aber wie mein Vater die freizügige Lokalität in kurzer Zeit umstülpte in einen Warenbasar, in dem man über mannigfaltige Produkte aus den sogenannten Kolonien, Schokoladen- und Bonbonkisten, Zigaretten- und Tabakbehältnisse, Eimer, Büchsen, Warenkoffer und -kästen, hinwegstolperte, das ist bedrückend gewesen, auch wenn er fortlaufend erklärte, er würde schon bald für geeignete Räumlichkeiten sorgen, die den kulinarischen Allerweltskram aufnähmen. Mein Vater hatte selbst keinen Knopf in der Tasche. Er war auf Zuschüsse beider Großeltern und meiner Mutter angewiesen, um seinen Traum vom Südthüringer Großkaufmann zu realisieren, seine Idee vom Engroshändler eines ganzen Landstrichs aufzublasen zu einem bunten Luftballon, der durch die Landschaft segelte und seinen Namen zu den Kunden trug, in Läden, Cafés, Restaurants, Wirtshäuser groß und klein. Was Vater verstand, war parlieren. Auf einen soliden Hausstand im Schieferhaus gegründet, auf verläßliche Heimarbeit, Sparsamkeit, Häuslerwirtschaft mit sechs Morgen Land in Wald und Flur, hatte er sich bald durch blendendes Aussehen und geschulte Konversation bis an die Stammtische der Wohlhabenden emporgearbeitet. Zustatten gekommen sein mußte ihm dabei eine Art Kompagnonschaft mit einem Schnapshersteller, dessen Magenbitter später zum Markenzeichen eines ganzen Wirtschaftswunderlandes werden sollte, der aber zu Vaters Zeiten im verwinkelten Thüringer Bergland noch nichts anderes hatte als eine kleine Schnapsbude. Vater – hochtrabend – ihr Generalvertreter.

Bevor sein Aufstieg perfekt war, bevor sein Firmenschild den ersten Rost ansetzte, war der Traum vorbei, der Friede auch. Mein Vater zog die Knobelbecher an, um fremde Erde festzutrampeln. Ich war inzwischen sechs, übte das Einmaleins, kratzte mit dem Schieferstift die ersten Buchstaben ins schwarze Tafelgerüst und übte Sütterlin, eine steile, rundgeschliffene Schreibschrift, die ein Berliner Graphiker Anfang des Jahrhunderts für die preußischen Grundschulen entwickelt hatte. Mein erster Lehrer, Dr. Dornheim, ein breiter Hüne, Stachelkopf, schlug mit dem Lineal auf die Finger, wenn wir später, als wir schon die Feder benutzten, Tintenkleckse in die Hefte gespritzt hatten. Mir zog er einmal die Samthosen stramm und zischte mir mit einer Haselrute zwölf Schläge auf den straffen Hintern, weil ich mit einem Blaserohr, gefüllt mit grünen Ebereschenbeeren, eine Dorfschöne beschossen hatte und es herausgekommen war, daß ich der Täter sein mußte, versteckt in einer Feuerluke unseres Hausanbaus. Berüchtigt waren Dr. Dornheims Nasenkrabbel und Kehlkopfkitzel. Wenn die Nasenspitze zwischen seine kräftigen Bauernfinger oder die dünne Haut am Kehlkopf in seine militanten Hände geriet, dann hörte man rasch die Engel pfeifen oder wünschte sich, ein Mann mit einer Wunderlampe zu sein, der den Gewalttäter aufs Schafott führen konnte. Im nächsten Augenblick war Dr. Dornheim wieder gütig und fromm, und nur einer in der Klasse hatte sich richtig über ihn zu beklagen, ein kleiner, untersetzter Bursche mit stetiger Rotznase, der einem einzigen Diktat neben ein paar richtigen Buchstaben sechsundsechzig Fehler einverleibt hatte. Mit diesem ars delicti, hoch über seinem roten Kopf wie zum Fanal erhoben, rannte Dr. Dornheim wie ein Spießrutenläufer durch das Klassenzimmer und klagte den verkommenen Rotzlöffel an, der in einer deutschen Schule nichts zu suchen hätte. Das Zerwürfnis war nachhaltig, es bekam eine Art Ewigkeitswert. Der stolze Dr. Dornheim mußte das Diktat als eigene Schmach empfunden haben, als Niederlage seiner Lehrmethoden, nicht als Ausfluß einer grandiosen Dummheit, deren Mutter die Faulheit war.

Die Dorfschule war ein landschaftsarchitektonisch fein angepaßter, schöner Zweckbau aus dem laufenden Jahrhundert mit zwei hoch hinausstrebenden großen Erkern, die als Wohnungen für die Lehrerschaft ausgeschrieben waren. Im Parterre zwei große Klassenzimmer, eins für die unteren, eins für die oberen Klassen, dazwischen Verwaltung und Schulbibliothek. Häufig Zweiklassenunterricht, manchmal mehr Klassen, in einem Raum. Dorfschule. Das Nötigste für Lesen, Schreiben, Rechnen. Bildungsfern. Herzens- und Charakterbildung aber möglich. Fleißig und tapfer sein. Sparsam. Und eigensinnig wie die germanischen Stämme aus den ältesten Zeiten einer sagenumwobenen Thüringer Geschichte.

2

Das Dorf hat die steilste Dorfstraße Deutschlands. Steigung 4:1. Eingeklemmt in die Kerbe eines Gebirgsspalts, liegt es da wie ein erschöpfter Riese. Ein straffer Körper mit Kopf, Armen, Beinen. Wachstum ausgeschlossen und unerwünscht. In guten Zeiten eintausend Einwohner. Heute etwa dreihundertfünfzig. Berge und Wald ringsum. Wild- und Vogelstimmen. Das Knarren und Ächzen der Fichten und Buchen. Der Klang gurgelnder Quellen, das Plätschern der Bergbäche. Der Ruf des Eichelhähers. Die Vorbrutgesänge des Zeisigs, des Hänflings, des Distelfinks. Auf den Bergwiesen die Arnika, der Augentrost, das Eisenkraut. Wilder Lavendel, hingestreut im Kräutergarten als blauviolette Tupfer. Wilder Kümmel, ein Geruch wie Vaterland. Im Tal das Veilchen, die Schlüsselblume, der Wasserpfeffer, die großen Farne. Im Herbst die strahlenden Früchte des Rotdorns, die blausamtigen Kugeln der Schlehe. Haselnüsse, so groß wie Augäpfel, in mageren Jahren klein wie Pfefferkörner. Heidelbeeren, Preiselbeeren, Brombeeren, Schlemmerzeit unter freiem Himmel. In den Gärten der frische Salat, die Zuckererbse, die Schwarze Johannisbeere, Himbeerhecken wie Burgen, wie Höhlen, die Knorpelkirschen und die Stare, die alten Apfel- und Birnensorten voller Sonne und Süße, wo sind sie geblieben? Die Getreidemahd, die Kartoffelfeuer im Herbst, die Schreie der Schneegänse am Himmel, die Abschiedslaute der Schwalben, die Mistfuhren auf das zu umbrechende Ackerland.

In den elysischen Gärten der Natur wandelte ich als Kind vom Frühling bis in den Herbst, und wenn der Winter einbrach in das beschenkte Land, die Stimmen verstummten, die Düfte versiegten, die Schlote zu rauchen begannen, dann wurde man hineingeworfen in ein neues Abenteuer, den Schnee. Der höchste Punkt des Dorfes lag 800 m über dem Meeresspiegel, schneesicher, meist rauh und stürmisch bei Tag und Nacht, Ausgangspunkt verwegenster Rodelpartien, Nahtstelle zum nächsten Ortsgelände, Kreuzweg, den die Alten gern als Teufelstreff und Hexentanzplatz beschrieben. Dort oben konnte man im Winter einbrechen in meterhohe Schneewehen, lebensbedrohlich, wenn man nicht aufpaßte. Geschichten über Verdruß und Rettung gab es genug. Die kindliche Phantasie tat ihre Bilder dazu, und schon landete man in den augenblendenden Eis- und Schneepalästen der Märchenwelt und fand den Ausgang erst wieder, wenn man aus den bedrückenden Träumen erwachte und schwer atmend die Mutter um Beistand rief.

Das Dorf, die Kindheit. Sonnenland. Leicht übersieht man die Schattenseiten, verdrängt die gruseligen Erlebnisse, verbannt Böses und Schlechtes in die Geheimkammern der Erinnerung. Den schaudererregenden Ruf des Käuzchens in der Nacht, den Widerschein der Haus- und Straßenlampen des einen Straßenarms auf der Nordseite des Tals in den Denkmälern des Friedhofs im Straßenarm auf der Südseite, so daß beim nächtlichen Laufen von der einen Dorfseite zur anderen auf dem Friedhof die Spiegelungen wie Irrlichter herumhüpften. Überirdisches vermutete man erschrocken und dachte an die Verlockungen von Irrlichtern in wohnnahen Sümpfen, auch nichts anderes als sich spiegelnde Lichtpunkte in kleinen Wasserlachen, die manchem Neugierigen das Leben kosteten, wie es Großmutter aus Geschichten von Theodor Storm oder anderen Erzählern belegte. Einmal hatte sich einer erhängt. Liebeskummer, hieß es. Wir Kinder verstanden zu wenig davon. Zwei Mörder sollten in Königsee hingerichtet worden sein. Männer aus Deesbach. Es war unglaublich. Mit Drahtseilen den Kameraden erdrosselt? Mehr war nicht herauszukriegen. Einer im Dorf wackelte immer mit dem Kopf, ein anderer mit den Beinen. Das Zipperlein, sagten die Leute, und böse Kinder verspotteten sie. Einem Buckligen riet man, seinen Buckel doch lieber unter dem Arm zu tragen, worauf der dem Spötter einen Fußtritt verpaßte, als wäre es ein Hufschlag. Wochenlang schleppte sich der Bestrafte mit einer Krücke durchs Dorf, woraufhin man ihm riet, ob es nicht besser wäre, wenn er auf Stelzen ginge. Wieder eine Tücke der Bosheit. In der Kopfzeile des Dorfes, in Umkehrung gewohnter Muster, nistete die Armut. Dort standen die Häuser wie auf luftigem Boden und drohten in den Dorfbach zu stürzen. In einer selbstgezimmerten Hütte mit Balken aus schwankenden Holzstämmchen wohnte eine arbeitslose Familie und kämpfte gegen die Tuberkulose, die am besten, behauptete man, mit Hundefett abzuwehren sei. Wenn ein Hund nicht heimkehrte, und das geschah öfters, mußte der Hundefänger naturgemäß ein Tuberkulöser sein. Krankheit und Verleumdung gingen Hand in Hand. Ein schreckliches Paar. Ausgleichende Gerechtigkeit bestand vielleicht darin, daß die Krankheit, aus mysteriösen Gründen, auch um die noblen Familien keinen Bogen machte, aber die hatten ja glücklicherweise auch die Flinten. Auf die Logik kam niemand.

Das Dorf, durch Naturbett und Ansiedlung zerklüftet in Körper, Kopf, Arme und Beine, hatte seine Straßennamen, die wenigen, die es gab, sinnstiftend nach praktischen Erfahrungen ausgesucht. Die Treibe war das Dorfstück, wo das Vieh auf die Weide hinausgetrieben wurde. Die Wagengasse war der Teil, wo die meisten Wagen, Leiterwagen, Kuh- und Pferdegespanne, auf- und abwärts fuhren. »Vorneraus« hieß ein Straßenzug, der in die Felder und auf anderem Wege als über die Treibe ins nächste Dorf führte, in das mit dem bedenklich schiefen Kirchturm, der ein ganzes Kirchspiel von insgesamt fünf Dörfern um sich raffte. Ich behaupte, daß nicht einmal der Postbote den richtigen Namen dieser wichtigen Ausfallstraße kannte. Er ging auch immer bloß »vorneraus«. Dann gab es die Friedhofsstraße, das Untere Dorf und Neu-Deesbach, den Unterschenkel, der einem Dorfbein erst viel später zuoperiert worden war. Das Dorf lebte vom Wald und von Heimarbeit. Holzfäller, Pflanzer, Harzschürfer, in älterer Zeit Köhler, Glasbläser, Porzellanmaler beherrschten das gewerbliche Terrain. Die wenigen Manufakturen, den Steigungswinkeln geschuldet, hatten sich einen Platz im Ortskern und in den ebeneren Dorfarmen gesucht. Sie mußten ihre Produkte ja einigermaßen sturzsicher abtransportieren können. Viel war es ohnehin nicht, was das Dorf verließ. Bemaltes Porzellan, Thermosflaschen, Glühlampen, medizinische Apparate aus Glas und ein bißchen Firlefanz: Glasperlen, kleine Schmuckpilzchen, Tierfiguren für Vitrinen und Vertikos, die in Mengen abgezählt wurden, die uns nicht mehr geläufig sind: eine Mandel, ein Gros, ein Schock, ungeläufig längst wie ein Scheffel Salz. Bemaltes Porzellan mit Veduten vieler Landstriche und manch medizinischer Apparat gingen freilich in alle Welt, bis Argentinien und Brasilien, und machten Herz und Rede ihrer Erzeuger weit und stolz. Mitten im Dorf gab es eine kleine Pappfabrik, mehr eine Art Pappsalon, in den unteren Räumen des Wohnhauses von Pappkerns Marie, ein Paradies für Entdeckungen. Der Papierkram, den man dort sammeln konnte, öffnete das Tor zur Welt. Vor allem die Makulaturen, die verklebt wurden, brachten Nachricht von den kuriosesten Erscheinungen des Erdballs, und was man lesend noch nicht verstand, setzten Bilder ins rechte Licht. Es war, als wenn man im Knopfkasten der Mutter stöberte, ein Gefühl, als könnte es jeden Moment eine neue Überraschung geben. Der Aufenthalt bei Pappkerns Marie war wie ein Lichtabend im Bekannten- und Verwandtenkreis, wenn die ewig plaudernden und plappernden Mütter an langen verschneiten Winterabenden zusammensaßen und Neuigkeiten austauschten, Kalenderwissen und Familienblätterweisheiten, über andere Leute herfielen, ihren Kummer, ihre Nöte ausspuckten, ihre Freuden und Neigungen kundtaten und wir Kinder in den dunkleren Ecken saßen und lauschten wie die Heftelmacher auf die Nachrichten von Gott und der Welt.

Durch die Räume der Pappfabrik wehte der Duft von Leim und Papier und wurde in Schachteln und Schächtelchen, Dosen und Döschen eingesperrt, die – nur ungern sage ich es – »allerliebst« zu nennen waren, und zum Liebesdienst waren die meisten davon auch bestimmt mit ihren glänzenden und matten Papieren, den Blumen- und Vogelmotiven, den Kinderspielen, den Osterhasen und Weihnachtsbäumen. Die größeren Behältnisse waren auch beeindruckend und mitunter verblüffend ineinanderzuschachteln, so daß das Maß, das genaue Maß, eine besondere Bedeutung erhielt. Was sich bei Pappkerns Marie herstellte, war ein Gefühl von Schönheit, welches das schwebend-leichte Material auslöste, das befaserte, zurechtgeschnittene Papier und der fertige Karton, die Form, die es umhüllte. Es war wie Zauberkunst, was Hände und Maschine aus Lagen, Rollen und dicken Papppaketen herausholen konnten an Anmut und Frische. Ich bin mir ziemlich sicher, daß mir in diesem Pappsalon etwas eingehaucht wurde, was mich nicht wieder losließ und was zusammen mit Großmutters Vorlesestunden als eine Art Initialzündung für meine spätere Profession betrachtet werden konnte. Die Prägungen des Menschen finden in seiner frühen Biographie statt.

Ich hatte inzwischen die Dorfschule in Deesbach verlassen und war ab Klasse fünf in eine Einrichtung eingekehrt, die einen bedeutenden Namen trug, in die Friedrich-Fröbel-Oberschule in Oberweißbach. Der Schultyp hieß damals Hauptschule. Die Nazizeit verband damit andere Begriffsinhalte als heute, worüber wir Schüler nicht nachdachten. Wichtig war, daß man einem Schülerclub angehörte, der sich auf einen Mann berief, der hier geboren war und die Welt verändert hatte. Friedrich Fröbel, der Initiator der Vorschulerziehung, war ein Experimentator, und ich war schon, sporadisch, in einen seiner Kindergärten gegangen, ein Haus, meine ich, das nach seinen Erziehungsmethoden arbeitete, so daß es mir folgerichtig vorkam, daß ich nun auch in eine Schule ging, die nach ihm benannt war, und zwar meist an der Hand oder im Schatten eines baumlangen Kerls, der drei oder vier Klassen älter war und mir Beine machte auf dem beschwerlichen Schulweg über den großen Berg hinweg.

Der Berg, kein Koloß im Thüringer Schiefergebirge, aber ein mächtiger Bordstein, der Wetter und Mundarten trennte, warum war er zwischen Elternhaus und Schule gesetzt? Wollte er das Herz und die Muskeln kräftigen, wollte er entzweien oder verbinden, wollte er etwas verbergen? Wenn man oben stand, leuchtete die Ferne, unten sah man in ein schwarzes Loch, in Wälder, die noch vor ein paar hundert Jahren der Wildnis glichen, undurchdringlichem Dickicht, Bewaldungsurformen, unter denen Eisenerze, Uran und Schiefer längst fertig waren, andere Metalle und Gesteine noch auf Vollendung warteten! Wer wußte es, der liebe Gott, der Pfarrer, der Führer oder das Vaterland oder gar Dr. Stadelmann, der feinsinnige, sanfte Lehrer in Chemie, der die Welt belächelte und die Prozesse, die er beschrieb, für nicht zu widerlegen hielt? Das erste Mal im Leben spürte ich, daß ich einem Lehrer zugehörig war, ein Schüler, der den Zweifel liebte wie er, Resultat von kindlicher Naturbeobachtung, nichts bleibt, wie es ist, stimmte plötzlich mit Lehrsätzen überein, die auf Experimenten, auf Beweisen gründeten. Endlich fing ich an, auch die Sinnsprüche am Portal unseres Dorffriedhofes zu verstehen, die mir, dem kleinen fleißigen Leser, je geordneter ich denken lernte, schwer zu schaffen machten und mich beständig ins Grübeln brachten: »Alle, die Ihr hier vorübergeht, bedenket, wie es um Euch steht/Denn was Ihr seid, das waren wir, und was wir sind, das werdet Ihr.« Ein paar gruselige Bilder hatte ich gesehen, in den Hausfluren, wo die Toten aufgebahrt waren – ein Leichenhaus gab es nicht – und dann hinausgeschafft wurden auf den irrlichternden Friedhof. Die Blaskapelle, ohne Posaune, traurige Musik, der Männerchor, ein trauriges Lied, Frauen unter schwarzen Schleiern, Männer mit schwarzen Hüten, lauter blasse Totengräber, die morgen in Bornkessels Bierstube schon wieder randalierten und Sauflieder in die dreckige Bude grölten. Auf dem Friedhof sammelten wir, Schulauftrag, Frauenmantel, der bei uns Kindern Regenmantel hieß, weil seine Blätter wie ein Regenschirm aussahen. Das Kraut gedieh dort besonders üppig, wie Rainfarn, gut gegen Würmer und Darmparasiten, die, wie die Warzen, zu den lästigen Kinderplagen zählten. Auch die wurden mit einem Kraut bekämpft, das der Friedhof in üppigen Formen aus der Erde schleuderte. Schöllkraut, Goldwurz sagten die Alten dazu, Warzenkraut schalten es liebevoll-bewundernd wir Kinder, weil sein Saft, ein Gift, die häßlichen Hauthuckel langsam zum Verschwinden brachte, und wenn das nicht glückte, wurden sie einfach abgesäbelt oder, bei den empfindlicheren Mädchen, mit einem Faden abgebunden. Wenn man die Kräuter, die man, heimlich, auf dem Friedhof sammelte, in der Schule abgab, hatte man ein makabres Gefühl in der Bauchgegend, das nur das Lob des Sammelstellenleiters über die prächtige Beute etwas eindämmte. Das schlechte Gewissen, die Ängste, der Tatort könnte herauskommen, waren vergleichbar mit dem Gefühl über einen bösen Streich, den wir Marieluise einmal spielten, als wir ihr einredeten, ein Priem aus Großvaters Hanewacker-Dose wäre die köstlichste Lakritze der Welt, und das Mädchen das teuflische Zeug in einem Anfall von Selbstzerstörung einfach hinunterschluckte. Danach verschwand sie in ihrem Bauernhaus und kam zwei Tage nicht zum Vorschein. Magenkrämpfe, Koliken wie beim Pferd, orakelte später ihr Vater, ein Hausmetzger. Wir, die Verursacher, schlichen zwei Tage lang bedeppert um den Hof herum und warteten auf ein Lebenszeichen. Wir dachten, sie würde daran zugrunde gehen und wir müßten uns als Mörder verantworten.

Die Angst rumorte häufig als aufmüpfiger Begleiter durch unsere Kindertage. Als wir Poppens Oskar einen Nagel ins Fensterkreuz trieben, genau zwischen Glasscheibe und unterer Holzleiste, daran eine Hanfschnur knüpften und einen Eisenring, durch straff gespannten Faden und ständiges Hinundherziehen des Rings Musik machten wie die Katzen zur Mitternacht, was sich über die vibrierende Glasscheibe in die dumpfe ebenerdige Stube des armseligen Hausbesitzers und seiner Frau Ida, Pfeifenschusters Ida, übertrug als ein schauderhaftes Konzert in nächtlicher Stunde, da war der Teufel los. Zumbern hieß das schräge Ding, mit hartem p oder weichem b geschrieben, ich weiß es nicht. Hart war das Konzert selbst für taube Ohren. Der Gendarm, auf Tätersuche, durchkämmte tags darauf das umfeldige Straßenkreuz. Die zudringlichen Fragen des bärtigen Ordnungshüters, als er mich als einen der Verdächtigen ausmachte, schlug Kapps Wilhelm, der überlange ältere Schulkamerad, aus dem Feld, in dessen Schatten ich gerade auf dem Schulweg über den steilen Berg hinweg war, indem er dem Gendarmen erklärte, zu solchen Untaten hätte ich als Jünger Friedrich Fröbels gar keine Zeit und wir würden lieber in Lützows Korps kämpfen, als alte Leute einzuschüchtern und zu Herzflattern zu treiben, wie es den greisen Oskar und seine Frau offenbar befallen haben mußte.

Weniger glimpflich ging das Erstürmen eines weithin leuchtenden Birnbaumes aus, dessen rot und gelb strahlende Früchte wir uns erklettern wollten, die prall gefüllten Zweige aber unter der Last der Erstürmer zusammenbrachen. Unsanfte Landung und Peitschenhiebe des aufgescheuchten Besitzers auf Arsch und Kniekehlen verursachten tagelange Geh- und Sitzbeschwerden, die weder zur Einkehr noch zu deutlicher Rachsucht Anlaß gaben. Solange nichts von den Übeltaten ins Elternhaus drang oder die Schule beunruhigte, so lange hatte man Zeit, an den veritablen Streifzügen teilzunehmen, die quer durch das Dorf und die angrenzenden Wald- und Wiesengelände führten und meist von tolldreisten Knaben ausgeheckt wurden, die sich an die Spitze der Kolonne stellten. Wir waren zu klein noch, um Hitlerjugend zu spielen, aber Pimpfe spielten wir allemal. Halstuch, Knoten und Koppel hatte jeder in der Schublade, sollte das »Jungvolk« rufen, auch wenn Großvater und Großmutter es sich verbaten, das Teufelszeug im Hause abzulegen. In ihren Augen waren Politiker Lumpen und Verbrecher, Hitler auch, es gab keine Ausnahme. Versöhnlicher waren sie gegenüber Rommels Armee, die ein Nachbarsjunge gegründet – sein Vater kämpfte in Afrika – und zu kargem Ruhm in der Dorfgemeinschaft geführt hatte. Der Ruhm war ein zweischneidiges Schwert. Siege und Niederlagen wechselten sich ab, und bei den Siegen wußte man nicht, ob sie sich nicht schon am nächsten Tage in Niederlagen verwandelten, wenn Mäders Armee aus dem Unterdorf oder die Armee aus der oberen Dorfhälfte, die der Schwarze und der Sauerteig befehligten, angriffen. Es war ein Auf und Ab im Kampf der feindlichen Dorfbrüder, das auf selbstgespannten Drahtseilen über eine große Waldwiese hinweg von Waldkante zu Waldkante gefunkt wurde. Illusionen, lauter Illusionen, wie der große Krieg, der von den Vätern so ernst genommen und von den unreifen Söhnen mit Steinen von Anker-Steinbaukästen nachgestellt wurde. Zerstörte Brücken, zerborstene Tunnel, ruinöse Kirchen, Krieg hinter Häuserwänden, in den Kinderzimmern. Danach schlief man ein und ging mit auf Peterchens Mondfahrt, und wenn man die Himmelsleiter wieder herabstieg, träumte man von neuen Schlachten und daß man demnächst Kohlrabis als Kanonenkugeln benutzen konnte und Zuckerrüben mit Krautgriff als Panzerfäuste. Derweil betete Großmutter, und Großvater versuchte unter einer Zeitungshaube dem spilligen Volksempfänger ein Wort aus London zu entlocken. Sperr die Ohren zu, Junge, befahl Großmutter, schmissig im Ton wie eine Luftwaffenhelferin, dem Eleven der Fröbel-Schule, und irgendwie dämmerte mir, daß irgendwas nicht ganz geheuer war. Ich verstand es spät, aber der Zweifel gehörte zum Lebenselixier von Großvater, und das war wohl gut so. Die Natur hatte die Alten abwarten gelehrt, genau hinhören, hineinhorchen in die Dinge und skeptisch zu sein gegenüber Menschenwerk. Man war im Aufbruch, aus dem Dorf ins große Ganze, aus den wäldlerischen Gefilden der Gebirgsschneise in die Welt, und wollte wissen, was die Kriege und Revolutionen ausrichten konnten, die nationalen und internationalen Beutezüge, von denen Tag und Nacht berichtet wurde. Alles Lumpen und Verbrecher, wiederholte Großvater. Alles vergänglich.

Nur die Heimat, der Himmel mit seinen blauen Fernen, den Wolkentürmen, mit Blitz und Donner, Eis und Schnee, das sei beständig, ergänzte Großmutter selbstbewußt. Dann holte sie aus einem Geheimfach unter ihrem Blasebalg eine Flasche Kräuterlikör hervor und nahm einen kräftigen Schluck.

3

Über das Dorf sausten in einer Nacht die Granaten hinweg und zerschlugen in Neuhaus am Rennweg ein paar unscheinbare Fassaden. Der Ort lag etwa 1000 m über dem Meeresspiegel, war von Deesbach 6 km entfernt und wurde wahrscheinlich als strategischer Punkt angesehen. Es war die einzige Nacht in diesem Stück des Thüringer Waldes, in der der Krieg ganz nahe kam, von den Geschwadern abgesehen, die über den Himmel gezogen waren, und ein paar verirrten Tieffliegern, die wahllos auf alles schossen, was ihnen in die Quere kam. Tags darauf fuhren amerikanische Panzer durchs Dorf, schwarze Steuermänner auf den Raupenungetümen und flinken Jeeps winkten den strammen Bauernmädchen zu. Kaugummis flogen wie Goldregen durch die rauhe Bergluft. Auf der Sommerseite des Dorfes, direkt unterm Fröbelturm, einem Wahrzeichen der lieblichen Gegend, wurde eine Radarstation errichtet. Maschinengewehre lagen herum wie wertloser Schrott. Die Stare waren zurückgekommen und pfiffen ihre werbenden Lieder von spitzen Haus- und Scheunendächern. Mitunter grieselte es. Sonnig, rauh und stürmisch waren die klimatischen Wechselbäder des April 1945. Sie machten den Leuten mehr zu schaffen als der Einzug der Besatzer. Aus mancher Dachluke hingen weiße Fetzen, flatternde Grüße schicksalsergebener Bergbewohner. Es wird schon werden, lautete die Devise, schlimmer als unter Hitler konnte es auch nicht kommen, orakelte der Großvater.

Im Juli oder August kamen die Russen. Es waren schwüle Tage, als ihre Gelände- und Panjewagen durch die holprigen Straßen stampften. Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett erschreckten jung und alt. Unser Schieferhaus durchsuchten sie vom Keller bis zur Tenne, stachen mit dem Bajonett in die Heuschober und in die Federbetten, suchten »Frau« und »Faschist«, beide zum ungleichen Preis. Den einen suchten sie wegen der Vergeltung, die andere wegen der Sinneslust. Erbost waren sie, wenn sie keine Beute machten. Es war verständlich. Der Austausch von Thüringen gegen einen Teil Berlins war ein diplomatisches, ein politisches Geschäft. Die betroffenen Kleindeutschen, großdeutsch war vorbei, hatten das Nachsehen. Was hätte aus uns werden können, wenn wir Amerikaner geblieben wären, flennten später die einen, andere sahen es als Unglück an, daß der Russe nicht ganz Deutschland eingenommen hatte.

Wir vertauschten unsere durch Fliegeralarm unterbrochenen Schultage, öfters verbracht in einem klammen Felsenkeller, wieder mit alter Ordnung und mit neuen Lehrern und warteten mit den Frauen auf die Heimkehr der Soldaten. Vater würde nicht zurückkommen, stellte sich heraus. Mutter hatte es schon lange gewußt, Schmerz und Leid aber in sich hineingefressen. Vater lebte. Während des Krieges hätte er gelernt, sich mit anderen Damen zu vergnügen, lautete das verbitterte Urteil. Mit dieser Auskunft hatte ich mich zu begnügen. Fragen? Nein! Es gab genug zu tun, um mit den Nachkriegsnöten fertigzuwerden. Brennholz heranschleppen, Kohlenklau in Gang setzen, Stallmist auf die Felder buckeln, Waldbeeren sammeln, Wiesen räumen, Ähren lesen, Kartoffeln hacken. Ein Jahr wie die anderen. Kinderarbeit war Pflicht, wenn die Väter fehlten und die Mütter ihre Wunden heilten. Die Zeit war knapp. Ich trauerte. In der Schule traute ich mich nicht, jemandem zu sagen, daß ich den Vater verloren hatte, nicht durch eine Granate oder einen Gewehrschuß, also kein Heldentod, sondern durch ein Weib. Ich empfand es als Schande. Es wäre besser gewesen, dachte ich, wenn ich nicht mehr aufgestanden wäre, als mir beim Schlagball ein Mitschüler den Stock mit voller Wucht gegen die Stirn schmetterte und ich umfiel wie ein nasses Kalb. Die Trauer zerriß mir fast das Herz. Es war damals noch ungewöhnlich, so kommt es mir heute vor, daß ein Vater seine Familie im Stich ließ, auf dem Dorf zumal. Man trug ein Schandmal auf der Stirn. Als er 1947, zurück aus der Gefangenschaft, in der Gegend wieder auftauchte, jetzt ein Kaufmann ohne Sitz, ohne Frau und Kind, ohne Kunden und Personal, und in seiner alten Schnapsbude ein wenig Zuflucht fand, da jubelte mein Herz, weil der Mann, der erst vierzig war, alt und verschlissen wie ein Geschlagener ankam und ich denken konnte, das hat er nun davon, und Großmutter ihren Kommentar wie ein Gebet ausstieß: Gottes Gerechtigkeit sei unwiderlegbar. Ich konnte das freilich nicht nachempfinden, weil bald darauf der neue Staat mir den treulosen Vater zum Vorwurf machte, mich als Sohn eines Gewerbetreibenden einstufte, einen Benachteiligten gegenüber den ihm heiligen Arbeiter- und Bauernkindern, und Schulgeld verlangte. Das veranlaßte Mutter, über ein Ende meiner gehobenen Schullaufbahn nachzudenken und für mich einen Brotberuf ins Auge zu fassen.

Aber so weit waren wir noch nicht, auch wenn ich mit dem Leben eines Kräutersammlers, Apothekers oder Försters durchaus liebäugelte. Noch war ich Friedrich Fröbels Jünger in der Schule seines Namens und versuchte, dem alten Experimentator alle Ehre zu machen. Das Schulgebäude, licht und hell, ein wenig Bauhaus, ein bißchen Neurenaissance, an ausgesuchtem Fleck nahe einer gelb getünchten Kirche mit bedenklich schiefem Turm, unübersehbar für den schweifenden Blick der Einheimischen und der Sommerfrischler, war Herberge des guten Geistes und Schauplatz eines aufreibenden Bruderkampfes zugleich. Wir Schüler merkten es an Kleinigkeiten. Große Entwürfe, die dahintersteckten, konnten wir nicht übersehen. Eine Schar, die Neulehrer geheißen wurde, mehrheitlich begeistert für Sport und Spiel, wurde beklatscht und verhöhnt. Beklatscht von Gleichgesinnten, verhöhnt von Männern, die das Bild der Schule vor der Niederlage geprägt hatten, nicht etwa von nazitreuen Kumpanen, sondern Feingeistern, die den Rang der Einrichtung nach den in Thüringen beliebten und bekannten Freien Schulgemeinden wie Wickersdorf oder Keilhau bestimmt haben wollten. Aber nun kamen die Noblesse und das Kulturgeschwätzige von Lehrern wie Dr. Stadelmann, dem Chemiker, oder Dr. August, dem Lateiner, in Konflikt mit dem forschen Draufgängertum einer nachrückenden Lehrergeneration, die ihre karge Bildung auf Antifa-Schulen in Rußland oder in ein paar Nachkriegskursen erworben hatte und – vergröbert ausgedrückt – manchmal selbst noch nicht richtig lesen und schreiben konnte. Es war keine Seltenheit, daß Korrekturen der Korrektoren wieder korrigiert werden mußten. Man lachte darüber oder schmunzelte oder sang ein politisch Lied dazu, weil, wenn Arme, Unterdrückte, Ungebildete an den Thronen rüttelten, immer ein politisch und meist garstig Lied gesungen wurde.

Trost fand man genug, vergaß die großen und kleinen Unbilden der Zeit, wenn man in die Kirche ging, im gewaltigen Kirchenschiff oder auf einer der drei raumumgreifenden Emporen saß, die Himmelsbilder betrachtete, die unbekannte Hand an die Decke gemalt hatte, und dem Pfarrer zuhörte, wenn er Paul Gerhardts und Martin Luthers treffliche Lieder »Geh aus mein Herz und suche Freud« oder »Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen« über die gläubigen Köpfe hinwegschmetterte und in der Tonstärke mit der Orgel wetteiferte, der ein geschulter Mann am anderen Ende des Kirchenraumes in die Pedalen trat. Noch kannte man keine Leute, die einen abzuhalten versuchten von Kirchgang und Gemeinde. Warum auch? Kirche war ein Erlebnis, wenn man am Sonntag herausgeputzt durch die Felder zog, über den Berg hinweg, und aus allen Richtungen die festlich gekleideten Leute in die Oberweißbacher Kirche strömen sah, aus fünf Orten des Kirchspiels, die Glocken läuteten und die Natur das Schauspiel einrahmte, maienhaft, hochsommerlich, herbstlich. Mutter im grauen Kostüm, eine Blume am steifen Revers, einen mit schmalen Bändern geschmückten ausladenden Hut auf dem pechschwarzen Haar. Ich war stolz auf sie. Etwas aus Goethes Osterspaziergang rührte mich an, den Dr. August, wie große Teile des Faust, dieses gewaltigen intellektuellen Epos, auswendig hersagen konnte, nicht ohne feinsinnige Belehrungen daran anzuheften. Es mußte eine geheime Abmachung zwischen ihm, dem donnernden Rezitator, und dem Pfarrer mit dem gewöhnlichen Namen Schmidt geben, daß sie das Spirituelle in unseren Gemütern wachriefen und uns belobigten, wenn wir den Hauch der Unvergänglichkeit einatmeten, aber auch züchtigten, wenn wir ihren Eingebungen nur hinterhertrotteten. Der Lehrer durch das Wort, der Pfarrer durchaus auch mit Hand und Stock. Ich war beiden Heilsbringern zugetan, weil sie eine frühe Vorliebe von mir bedienten, Lied und Gedicht, und weil beide immer pünktlich in meinem Elternhaus erschienen, wenn geschlachtet wurde oder mein Geburtstag war und frisch gebuttert wurde. Dann fraß der Pfarrer – im Wortsinn – wie ein Scheunendrescher, ließ sich noch ein Stück Butter einpacken und einen Henkelkrug mit Buttermilch, worauf noch die Flocken schwammen, sanftmütig unterhaken. Das machte Gottes Stellvertreter sehr sympathisch. Man sah, die Ewigkeit hatte auch ein irdisches Gewand, in dem sich viel verstecken ließ. Sein Dank: Ich wurde sein »Konfirmationssprecher«. Jedenfalls was danach aussah. Um seine kirchenerzieherischen Leistungen in ein gutes Licht zu rücken. Wenn meinen Mitkonfirmanten zur Einsegnung am Palmsonntag die Glaubens- und Erinnerungspuste ausging, mußte ich einspringen und die verlorenen Bibelverse und katechetischen Gedanken revitalisieren, was meine Großmutter, die dem kirchlichen Festakt beiwohnte, auf den verrückten Gedanken brachte, ich könnte doch auch Pfarrer werden.

In der Schule wurde gepaukt. Die Söhne und Töchter der Glashütten- und Sägewerksbesitzer, der Glasfabrikanten, der Fenster- und Türentischler, der Cafébetreiber, der Meuselbacher Pharmazeuten, die Apothekeradepten aus den Kirchspieldörfern waren ehrgeizig und wollten etwas erreichen. Ich wollte beweisen, daß ich als vaterloser Adept gleichermaßen die Grammatik beherrschen, die Schönheit von Schrift und Sprache weitergeben, die Mathematik verstehen, Chemie durchschauen, Geographie und Biologie verzahnen, Tacitus zitieren und dessen Sprache deklinieren konnte, so daß das kleine Manko in Physik, wo ich mich vor dem Lehrer stets hinter dem Rücken meines Vordermannes verstecken mußte, um unauffällig zu werden, nicht schwer ins Gewicht fiel. Ich war es Mutter schuldig, durchzustehen, nicht als Schulzwerg, der nur lange Schatten warf, wenn die Sonne tiefer stand, sondern als Zeremonienmeister, der die Schulfächer – wie gesagt: bis auf Physik – beliebig vertauschen konnte und daraus immer wie ein Strahlesieger hervorging. Es war dramatisch, und unaufrichtig war es auch, wenn ich vor Mitschülern mit Kenntnissen über Matthias Claudius oder Johann Peter Hebel, über Seume, den Wandersmann, oder Amundsen, den Südpolüberflieger, prahlte, nur weil ich von diesen oder über diese Größen etwas gelesen hatte, um damit die bitteren Rückstände zuzudecken, die mich vom Bildungsstand eines Mädchens trennten, das auf den eigentümlichen Nachnamen Bornkessel hörte und dem ich hinterher war wie ein Fuchs hinter der fliehenden Gans. Schulliebe. Unerforschbar. Meist nicht erkannt, nicht erwidert. Ich hätte sie geheiratet, dachte ich als unreifes vierzehnjähriges Bürschchen, wenn ich nicht zufällig in ihre Handtasche, ein ungewöhnlich vornehmes, perlenbesticktes Utensil der reichen Villenerbin, geblickt hätte. Dort strudelte alles durcheinander wie Kraut und Rüben, es sah aus wie in einem beschissenen Starkasten, und auch ihr Ranzen, den ich danach verstohlen besichtigte, hatte eher die Qualität eines beklecksten Ramschladens als die einer bestimmten Ordnung unterworfenen Schultasche. Das Mädchen war für mich erledigt. Die Liebe erloschen, von der sie vermutlich nichts wußte. Da gefiel mir, wenn ich über den Berg nach Hause kam, die schwarze Rosemarie viel besser, die nichts anderes besaß, als was sie auf dem Leibe hatte. Das Umsiedlermädchen war klug und zurückhaltend. Sie mußte mitarbeiten in der kleinen Pappfabrik, wo sie mit den lädierten Eltern ein Dachgeschoß bewohnte, und kam nur zu den großen Rodelpartien aus dem Haus, die die Dorfjugend an den Sonntagen veranstaltete und die vom höchsten Punkt der Ortschaft bis weit hinab in das Tal, in den »Grund«, führten. Nach einem Winter, einem einzigen Winter, war sie verschwunden, mit den lädierten Eltern ausgerückt in den anderen Teil des Vaterlands, der gerade eine neue Währung einführte, von der es später in einem Buch hieß, die Westmark fiele weiter, eine blöde Verheißung, eine Eulenspiegelei. Auch der Lateiner verschwand in einer dunklen Novembernacht über einen durchlässigen Grenzpfad in der Rhön und siedelte sich woanders an. Die Rochaden eines Neulehrers hatten dem freundlichen, aber skurrilen Humanisten so zugesetzt, daß er die aufkeimende »Russenordnung« gleich mitverdammte und sich bei einem Kommunisten, der das Fach Gesellschaftskunde vertrat und so etwas wie ein gymnasialer Prorektor war, nicht Liebkind machte.

Das Leben war grau und bunt durch den Ablauf der Jahreszeiten, aber auch durch das Hin und Her der Zu- und Abreisenden. Mutter hatte einer Familie aus Böhmen gegen Kriegsende Quartier versorgt, einem arroganten Bankdirektor und einer über die Maßen trostlosen Frau, die ihr Leid über den Verlust der Heimat vor einem heranwachsenden Knaben zu verstecken suchte. Auch sie dankten bald für einen Sommer und einen Winter und machten sich auf einem Pferdefuhrwerk auf das erste Stück der Reise in die rheinische Stadt Mönchengladbach davon. Ande