Monaldi & Sorti

DIE REFORM
DES SALAÌ

Roman

Aus dem Italienischen übersetzt
von Annette Kopetzki

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Impressum

Das italienische Original wird nicht gedruckt.

Erstveröffentlichung auf Niederländisch

bei De Bezige Bij, Amsterdam.

ISBN 978-3-8412-0778-4

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, April 2014

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Erstausgabe erschien 2014 bei Aufbau, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

La Riforma di Salaì © 2012 by Rita Monaldi und Francesco Sorti.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung hißmann, heilmann, hamburg

unter Verwendung eines Motivs von (C) Musee Bonnat, Bayonne, France/Giraudon/The Bridgeman Art Library

E-Book Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

www.aufbau-verlag.de

Inhaltsübersicht

Cover

Impressum

Vorwort der Herausgeber

Die Reform des Salaì

Postscriptum

Quellen

Zur Übersetzung der Salaì-Romane

Anmerkungen

Informationen zum Buch

Information zu den Autoren

Information zur Übersetzerin

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

Ich leide, aber ich werde ewig sein.

Luther

VORWORT DER HERAUSGEBER

Wir freuen uns, dem Lesepublikum und der Fachwelt erneut ein außergewöhnlich bedeutendes Dokument vorlegen zu können, das Historikern jedoch bis heute unbekannt geblieben war. Es handelt sich um den autobiographischen Bericht des Ziehsohns von Leonardo da Vinci, Salaì (mit bürgerlichem Namen Giangiacomo Caprotti, 1480–1524), über seine Reise nach Deutschland. Wie schon die beiden vorausgehenden, von den Autoren unter dem Titel Die Zweifel des Salaì und Die Entdeckung des Salaì veröffentlichten Texte gehört auch der vorliegende zu den in Italien aufgefundenen Handschriften, die offenbar von Salaì selbst verfasst wurden. Sie werfen ein neues Licht auf Personen und Ereignisse seiner Zeit, in diesem Fall besonders auf den berühmten deutschen Reformator Martin Luther (1483–1546), dessen Gast Salaì im Jahre 1523 gewesen zu sein scheint. Aufmerksame Leser werden den ungeheuren historischen Wert dieses einzigartigen Zeugnisses zu schätzen wissen, ohne dabei Salaìs besonderes Temperament außer Acht zu lassen, das zwar teilweise die Klarheit seiner Absicht trübt, jedoch nie den Kern seiner wertvollen Informationen über Luthers ureigene Wesenszüge verdunkelt, wie angesehene Studien bestätigen.

Das Tagebuch dieser Reise war für den Papst bestimmt, dem Salaì die wichtigen Informationen, die es enthält, zu verkaufen gedachte. Die Handschrift weist zahlreiche Lücken auf und besteht im Grunde nur aus flüchtigen Notizen für eine erste Reinschrift, die zu nicht nummerierten Kapiteln geordnet und durch Salaìs plötzlichen Tod unvollständig geblieben sind, wie die letzten Seiten des Dokuments bezeugen. Salaì wurde von einem tödlichen Büchsenschuss getroffen, den ein Unbekannter auf ihn abgab, als er an einem nicht näher präzisierten Tag vor dem 10. März 1524 durch die Straßen von Florenz ging.

In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam dieses außergewöhnliche Dokument zum ersten Mal ans Licht. Ein Ordensbruder des Klosters Grugliate (Mailand), dem Fundort auch der anderen Handschriften Salaìs, entdeckte die Aufzeichnungen, woraufhin der Abt des Klosters, ein Deutscher, seinen Landsmann Professor Paul J. Reiter auf den Fund aufmerksam machte. Paul J. Reiter, Medizinischer Leiter des Komunhospitalet in Kopenhagen und Chefarzt der Kliniken für Nerven- und Geisteskrankheiten der Universität Roskild in Dänemark, ist weltweit einer der angesehensten Erforscher von Luthers Psyche und Autor des berühmten Werks Martin Luthers Umwelt, Charakter und Psychose (Kopenhagen 1937). Nachdem er Einsicht in die Handschrift genommen hatte, gab Professor Reiter 1940, drei Jahre nach seinem Hauptwerk, die Abhandlung Martin Luther: Psychiatrische Überlegungen anhand eines unveröffentlichten Dokuments in Druck. Sie reproduziert das Reisetagebuch Salaìs in großen Teilen, beginnend mit der Ankunft des florentinischen Tagebuchschreibers bei dem Reformator, und lässt die vorhergehenden Seiten sowie große Teile dessen, was folgt, aus. Diese versah Professor Reiter lediglich mit einigen Anmerkungen, die er direkt in die Originalhandschrift eintrug. Sie wurden nicht in die 1940 veröffentlichte Abhandlung aufgenommen, weil sie nicht von psychopathologischem Interesse sind.

Philologische Sorgfaltspflicht hat uns bewogen, die gesamte Handschrift Salaìs in Druck zu geben, ohne sie jedoch von Reiters psychiatrischer Analyse zu trennen, die einen aufschlussreichen Rahmen bildet und sie ergänzt, außerdem in hervorragender Weise belegt, dass Salaìs Zeugnis, zumindest was die Psyche des Reformators betrifft, absolut glaubwürdig ist.

Die vorliegende Ausgabe folgt daher strikt der chronologischen Ordnung, die Salaìs Tagebuch zugrunde liegt, und bereichert es um Professor Reiters Erklärungen.

Wer weitere Informationen über die Originalhandschrift wünscht, sei auf die Berichte der 3. Tagung »Salaì und seine Zeit« verwiesen, die kürzlich in Grugliate stattfand.

Monaldi & Sorti

DIE REFORM
DES SALAÌ

oder: Tagebuch einer Reise nach Teutschland
unternommen im Jahr des Herrn 1523 von Salaì
Maler und Ziehsohn des Leonardo da Vinci
außerdem ein Dieb und Lügner,
dickköpfig und verfressen.

Mit einem klinischen Kommentar von Professor Paul J. Reiter, ärztlicher Leiter der psychiatrischen Klinik Komunhospitalet in Kopenhagen und Chefarzt der Kliniken für Nerven- und Geisteskrankheiten der Universität Roskild in Dänemark, über Leben und Werk Martin Luthers.

TAGEBUCH DES SALAÌ

Erzählt wird vom Tod des Lionardo da Vinci und von dieser Sache mit der Erbschaft in der Salaì sein Recht verteidigen musste gegen einen Hauffen neidischer und verlogener Verräter.

Erhabenste und durchlauchtigste Heiligkeit!

Heiliger, edelmüthiger und von allen wahren Christenmenschen innig geliebter Pontifeks!

Heiliger Vater voll der Güte und des Erbarmens!

Ich werf mich Euch zu Euren gesegneten Füßen und küss ich sie mit der Demut und dem Gehorsam eines echten Sohns der römischen Kirche. Wie abgesprochen, lege ich Euch hier den Bericht von mir, Salaì, Maler und Künstler, über die Reise vor, so ich im Jahr des Herrn 1523 nach Teutschland gemacht, und den ich alljetzo Eurer Heiligkeit übergebe, damit er Euch nützlich ist bei Eurem Krieg gegen die Feinde der Heiligen Kirche und vergesst nicht den Lohn, wo wir vereinbart haben.

Ihr werdet sofort sehen, Heiligkeit, die Enthüllungen, die ich Euch mache, sind so wichtig und himmelschreiend, dass ich selbst in der Angst lebe, totgeschlagen zu werden, ja, und wirklich ist mir schon seit einiger Zeit, wie wenn man mich verfolgen und bei Tag und Nacht beobachten tät, und wenn das rauskommt, dass ich Eurer Heiligen Person all die Geheimnisse verrate, so ich in Teutschland erfahren, dann wird man mich früher oder später mit gespaltenem Schädel finden, aufgehackt mit der Hippe und darin eine schöne Suppe aus meinem kleingewürfelten Gehirn.

Kümmert Euch nicht drum, Signior Heiligervater, wenn ich nicht immer alles so schön klar und genau schreibe als wie die Skribenten und Sekretaren in Euren Diensten, aber Salaì ist ein Mann aus dem Volk und das Schreiben ist wie eine Herde Schafe hüten, wenn du dir eins nach dem andren vornimmst, laufen sie wie geschmiert, aber wenn du versuchst, sie alle zusammen in den Pferch zu treiben, rennt eins hierhin eins dahin, und dasselbe passiert mir mit den Gedanken, nemlich jedes Mal nur einen aufschreiben, kein Problem, aber wenn ich viele auf einmal in die Feder reinzwängen muss, geht das Durcheinander los, und eigentlich ist mein Gewerbe ja auch, die Dinge zu malen, nicht sie aufzuschreiben.

Doch werd ich in diesem Heftchen versuchen, Eurer Heiligkeit alles so gut ich irgend kann zu erklären, damit es von Nutzen sei für Eure Heilige Person und Eure Werke und Ihr allen das Rückgrat mit dem Stock entzweischlagen könnt, diesen Ketzern und Sündern wider den Wahren Glauben an Jesus Christus, insonderheit diesen Protestanten, den Anhängern des Teutschen Martin Luther, dem großen Feind Eurer Heiligkeit und einer, wo Zwietracht sät und Zank und gewaltigen Stunk zwischen uns anständigen Christen.

Durch meinen Bericht kann man sehen wie gefehrlich die Lehre von Martin Luther ist und voller Lügen obendrein, und so wie ich Euch das erklären werd, teuerste Heiligkeit, so kann das keiner, weil während meiner Reise nach Teutschland haben Luther und ich fast wie Brüder so eng zusammengelebt, und ich hab Dinge von Luther gesehen, die keiner weiß und die von größter Nützlichkeit sein werden um ihn zu ekskonumizi exkumi exzuzie wie zum Teuffel schreibt man das bloß, egal, um das Unkraut der Ketzerei in ganz Teutschland und vielleicht sogar im Rest von Europa auszureißen.

Wenn Eure Heiligkeit mich anhört, werd ich Euch nicht nur all die unglaublichen Geheimnisse von Luther verraten, sondern auch seine Laster und schwachen Stellen, auf dass Ihr, Heiliger Vater, grad dann gegen ihn zuschlagen könnt, wann er’s am wenigsten erwartet und ihn prima reinlegen könnt, so wie er’s verdient.

Und denkt immer dran, Heiligkeit, dass Luthers Worte, die Ihr in meinem Bericht lest, alle wahr sind, nemlich ich hab kein einziges davon erfunden, und ich wette, eines Tages werden die Geschichtsschreiber sie in ihren Büchern aufschreiben, und die Leute werden sagen, Das ist ja unglaublich, was dieser Luther gedacht und gesagt und geschrieben hat, aber ob das auch wirklich alles wahr ist? Und dann könnt Ihr sagen, Klar doch, das ist alles wahr, Salaì hat’s mir auch gesagt.

Nun geht es aber in meinem Bericht um viele schwierige Dinge und Probleme, wo nur schlaue, mit guten Ideen vollgestopfte Köpfe kapieren können, wie zum Beispiel der von Eurer Heiligkeit. Und darum fang ich wohl am besten ganz von vorne an, nemlich bei dem Grund, warum ich überhaupt nach Teutschland gegangen bin, also erklär ich das jetzt lieber gleich, bevor ich den Faden verliere, was mir übrigens andauernd passiert, und Ihr müsst bitte entschuldigen, meine liebe Heiligkeit, aber ich hab schließlich schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, dann will das Gedächtnis auch nicht mehr so wie früher, hab ich recht?

Wie Eure Heiligkeit schon durch Euren Nunzius in Teutschland weiß, ein Mann, der mich sehr gut kennt und höchlichst schätzt, bin ich der Ziehsohn von Lionardo da Vinci, nemlich diesem toskanischen Maler, wo vor ein paar Jahren gestorben ist und hat einen Hauffen Zeichnungen gemacht und wunderliche Maschinen gebaut und Erfindungen, um zu fliegen, zu schwimmen, Gewichte zu heben etcetera, und alle sagen, er war ein Genie und einen wie ihn wird’s nicht nochmal geben.

Bestimmt denkt Ihr jetzt, dass es ein Segen ist, der Ziehsohn von so einem Mann zu sein, und dass ich, Salaì, ein Riesenschwein gehabt hab, mit Lionardo zu leben und zu arbeiten. Ha, von wegen, mein teuerster Papst, und es wird Zeit, dass die Welt endlich mal die Wahrheit über Lionardo erfährt, indem sie vom Leben aus Leiden, Schmerzen und Opfern hört, die der arme Salaì wegen Lionardo durchmachen musst, ja, alles war die Schuld des Alten und genau das ist der Grund warum ich dann die Reise nach Teutschland gemacht hab.

TAGEBUCH DES SALAÌ

Hier kommen jetzt die großen Leiden und Gemeinheiten, die Salaì sein ganzes Leben lang von Lionardo zugefügt wurden. Außerdem der ergreifende Bericht darüber, wie heldenmüthig er sie ertragen hat ohne es Lionardo je heimzuzahlen.

Eure Heiligkeit muss erstmal wissen, dass Lionardo schon vor seinen berühmten Zeichnungen von der Anatomi des Menschen, den Maschinen und den verschiedenen Apparaten etcetera bei den Gelehrten und Weisen in ganz Europa durch seine Gemälde berühmt war, Porträs waren das von der Heiligen Familie, der Madonna, vom Heiligen Johannes, und dann auch von Weibern und vornehmen Damen aus der Toskana und aus Mailand. Aber jetzt hört Euch mal an, Signior Papst, wer die Bilder von Lionardo in Wahrheit gemalt hat, nemlich nicht er! Wer wirklich gearbeitet und sich den Arsch aufgerissen hat, das waren wir Jungen in seiner Werkstatt und besonders ich, Salaì, aber auch ein paar andre, dieser Dreckskerl Cecco Melzi1, der hat allen erzählt, er wär Lionardos Liebling, aber das stimmt gar nicht, dann der Masini und der Zenale und noch andre, aber zuvörderst ich, denn, in aller Bescheidenheit, Signior Pontifeks, ich war der Beste von allen, weil von mir hat Lionardo massenweise schlaue Tricks und Kniffe in der Malerei gelernt. Uns dagegen hat Lionardo immer bloß seine Ideen gesagt und hat befohlen, du malst diesen Arm, du machst den Kopf, du mischst die Farben, du gehst mir ein Brötchen kaufen etcetera, aber ohne uns hätte der nicht mal Fliegendreck malen können. Doch ich bitte Euch, macht es wie ich und erzählt das niemandem weiter, denn der arme Lionardo wollte nicht, dass die Leute es wissen.

Jedenfalls versteht Ihr jetzt, Signior Papst, dass Lionardos Gemälde im Grunde eher von mir waren als von ihm, denn hätt ich ihm nicht geholfen und vor allem hätt ich ihn nicht vor seiner stinkenden Faulheit gerettet, Lionardo hätte bei seinem Tod kein einziges Gemälde hinterlassen, das diesen Namen verdient, sondern bloß Dreck und diese Kritzeleien von Maschinen, die er mit Blei in seine Hefte geschmiert hat, allesamt aus alten Handschriften von Leuten kopirt, die viel tüchtiger waren als er, nemlich lauter Sachen, bei denen die Dummen Stielaugen kriegen. Zugegeben, ein bisschen neugierig machen sie schon und man dreht sie hin und her um zu begreifen wie diese verdammten Maschinen funktioniren, aber mal ehrlich, Signior Papst, wenn man sie bloß so anguckt, ist kein bisschen Vergnügen dabei.

Gut, jetzt kommen wir also zu dem Moment, wo Lionardo stirbt, und der ist wichtig, um die ganze Sache zu verstehen. Als mein Meister krepiert ist, hatte ich ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, und das kam daher dass ich beschlossen hatte, keine Zeit mehr mit den Weibern zu verlieren. Denn es gibt hauffenweise Weiber auf der Welt und immer kommen neue dazu, die grad eben noch kleine Mädchen waren, und selbst wenn man pingelig sein wollte und würd sich nur die richtig Schönen auf den Spieß stecken, man wär früher oder später doch fix und fertig oder hätte sich irgendeine Krankheit geholt. Also hab ich mir eine brave Jungfer genommen, Signior Papst, Bianca heißt sie2, nach und nach hab ich sie dann sogar geheiratet, also musste ich viele Dinge mit Bianca machen und konnte wirklich nicht immer weg um diesen Sabbergreis Lionardo im Frankenreich zu besuchen, wohin es obendrein ziemlich weit ist.

Stimmt, ich hatte ja vergessen zu sagen, dass mein Ziehvater in den letzten drei Jahren vor seinem Tod im Frankenreich in einem Schloss gewohnt hat, Ambuase3 heißt das, da war er Gast vom König. Und obwohl ich nur manchmal ins Frankenreich kam, hat er auch mir einen festen Lohn gezahlt, er wusste ja, dass ich den mehr als verdient hab. In Ambuase hatte Lionardo außer diesem Arschkriecher Cecco Melzi einen Diener Batista und eine Köchin, also ein Hausmädchen, das für ihn gekocht hat und Maturina hieß. Diese Maturina machte meinem Ziehvater immer nur Sachen zu essen, die furchtbar schwer im Magen liegen, nemlich Soßen und Tunken und Würzen schwer als wie Mühlsteine, Mamma mia, Signior Papst, verrat mir mal einer, wieso die Frantzosen so gerne Kremes und Würzsoßen mögen, kaum gibst du ihnen ein Stück Brot, schon stecken sie’s in eine dieser fetten Laken, und wirklich, ich glaube, einer der Gründe für Lionardos Tod ist das Zeug gewesen, das Maturina ihm kochte. Oftmals hab ich diesem Weib gesagt, dass ihr Essen einem den Magen verdirbt, aber statt mir zu antworten, Lieber Salaì, danke für den guten Rat, sagt sie, Scher dich zum Teuffel, Salaì, was einem auf den Magen schlägt ist dein Gesicht, bestimmt nicht mein Essen. Und wenn Ihr jetzt denkt, diese Maturina ist nicht wichtig, dann sag ich Euch, sie ist wichtig, und ob, später werdet Ihr schon sehen, warum.

Ach, da gibt’s ja noch was Wichtiges, nemlich das hier. Ich versteh schon, Heiligkeit, dass Ihr Euch wundert, wieso Lionardo kein Genie war wie alle sagen, aber das kommt nur daher, dass Lionardo ein schlauer Hund war und hat mit ein paar kleinen Tricks alle glauben machen, er wär ein großer Geist, und wenn ich Euch ein bisschen was drüber erzähle, werdet Ihr mir glauben, ganz bestimmt. Zum Beispiel hat mein Ziehvater einmal ein Weib gemalt mit verschränkten Armen und einem ziemlich blöden Lächeln und hinter ihr sieht man Flüsse und Täler und Berge. Ich wollte sie Joconda oder was in der Art nennen, weil das schien mir ein schöner neuer und ungewöhnlicher Name, aber Lionardo wollte nicht, er sagt, das ist eine blöde Idee und mit so einem Namen hat das Bild niemals Erfolg. Natürlich hat er nicht kapiert, dass das Problem ganz woanders lag.

Ja, denn Ihr müsst wissen, teuerste Heiligkeit, dass Lionardo einen gewaltigen Fehler hatte, nemlich von den Weibern verstand er nicht die Bohne und brachte auf dem Gebiet rein gar nichts zuwege, indem er immer nur seine Erfindungen im Kopf hatte und war felsenfest überzeugt, sie würden ihn berühmt machen (aber darüber reden wir später ausführlich, denn das lohnt sich, glaubt mir). Darum ließ Lionardo uns Jungen in der Werkstatt Bildnisse von Weibern malen, die waren platt und steif wie Bügelbretter und machten ein Gesicht, als wollten sie sagen, He, was gibt’s da zu glotzen? aber vor allem hatten sie praktisch keine Möpse. Ich hab immer zu ihm gesagt, He Lionardo, die Weiber so zu malen ist eine Riesendummheit. Denn das hat nie und nimmer Erfolg, im Gegenteil, es beweist nur, dass Lionardo keinen Schimmer von den Regeln der Malerei hat. Um ihm das zu zeigen, hab ich sein Bild von dieser Dame mit dem blöden Lächeln und den verschränkten Armen und dahinter Flüsse, Täler und Berge genommen und hab zehn gleiche Kopien davon gemacht, aber viel besser gemalt, nemlich mit zwei schönen Brüsten, gut sichtbar von allen Seiten4, und hab allen gesagt, dass sie Joconda heißt, ein wunderbarer Name finde ich weil man dabei an ein Weib denkt, das gerne spielt, also gerne Sauereien macht.

Nun, lieber Papst, meine zehn Kopien habe ich alle in wenigen Tagen um einen sehr guten Preis verkauft, und Lionardo ist vor Neid fuchsteuffelswild geworden und wollte sogar einen Teil von meinem Erlös haben, weil das originale Bild wär ja immerhin seine Idee gewesen. Seht Ihr jetzt, Heiligkeit, wie unverschämt mein Ziehvater war und was für Gemeinheiten der arme Salaì ertragen musste?

Wo zum Henker war ich stehengeblieben, ach ja, ein anderer schlimmer Fehler von Lionardo war, dass er wie ein Landsknecht fluchte und nicht an Unsren Herrn Jesus Christus und an die Madonna glaubte und nie gebetet hat, nicht in die Kirche gegangen ist, nie gebeichtet hat, nicht an die Wunder glaubte, ja, nicht mal an die Hölle und das Fegefeuer und das Paradies, und hat immer gesagt, das sind alles Ammenmärchen für dumme Bauern und Leichtgläubige. Ich will ja nicht petzen, Heiligkeit, aber seht Ihr jetzt, was für ein grässlicher Sünder und Ateist Lionardo war?

Ich dagegen, das nur nebenbei, ich bin sehr gläubig und mordsmäßig fromm und sage jeden Tag einen Hauffen Gebete, das Vaterunser, das Avemaria und viele andre, die Namen hab ich jetzt grad vergessen, und führ ich ein Leben so fromm und vollkommen fast wie ein Heiliger, und mögt Ihr das bitte nicht vergessen, wenn Ihr den Lohn für diesen meinen Bericht festlegt, den Ihr gerade lest, und der mich, nebenbei gesagt, verflucht viel Mühe kostet, weil ich bin ein Künstler und das Schreiben ist beileibe nicht mein Gewerbe, o nein.

Und wo der Teuffel mit Ateisten und Ungläubigen wie meinem Ziehvater bekanntlich leichtes Spiel hat, hat er ihm ein verfluchtes Pech an den Hals gehext und fuderweise kleine und große Unglücksfälle, so dass auch die wenigen Sachen, die für Lionardo gut begannen, schließlich immer schief und krumm endeten. Darum sind all die Freunde und Kollegen meines Ziehvaters, zum Beispiel diese gerissenen Gauner Michelangelo und Raffael und Bramante, ganz groß rausgekommen und haben fünfmal mehr verdient als Lionardo, und immer wann er an ihr unanständiges Glück dachte und an sein beschissenes Pech, entschuldigt die Ausdrucksweise, Heiligkeit, dann wurde er gelb mit grünen Punkten von den Haarwurzeln bis an die Spitze vom Schwengel.

Darum hat mein Ziehvater auch immer so mürrisch dreingeschaut und nie war ihm was recht und hat er wegen jeder dummen Kleinigkeit geknurrt, kurzum, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, Heiligkeit, wie nervtötend das Leben mit ihm war, und das Mindeste, was man tun musste, damit er mal ein bisschen lächelte, war, ihm mit der Drahtbürste die Fußsohle zu kitzeln.

Ich hab immer versucht, ihm zu erklären, dass er selbst der Grund für sein Unheil ist, und dass er sich wie ein Idiot alle guten Gelegenheiten selbst versaut, zum Beispiel als man ihm den Auftrag gab, ein Porträh oder Fresko oder was weiß ich zu machen, da hat er, statt hart zu arbeiten, die Abende damit zugebracht, seine fliegenden Maschinen zu zeichnen und sich tausend verrückte Projeckte von Brücken, Palazzi, Kanälen, Reiterstatuen, Kriegsgerät etcetera auszudenken, und so kam’s dass er das Porträh oder Fresko mit dreihundert Monaten Verspätung abgeliefert hat und der Auftraggeber war total stinkig und klar, dass er ihm nie wieder eine Arbeit gegeben hat.

Aber sogar wenn Lionardo mal alles drangesetzt hat und ein richtig schönes Bild malen wollte, hat er die falsche Technik benutzt und ein Schlamassel angerichtet, wie bei der Verkündigung, wo er die Figuren des Engels und der Madonna in einer ganz schiefen Perspektiwe gemalt hat, und das hat mein Ziehvater erst zum Schluss gemerkt, als schon alles gemalt war, sogar beim Engel die Haare unter den Achseln, aber der Fehler ließ sich nicht mehr korrigiren und Lionardo hat fast einen Herzschlag gekriegt. Oder dieses Fresko vom letzten Abendmahl unsres Herrn Jesus in Mailand, das war eben fertig, da hat es sich schon von der Mauer gelöst, eine Sache, über die ich mich wochenlang totgelacht hab, aber die Mönche, die ihn damit beauftragt hatten, fanden das gar nicht lustig, die waren auf hundertachtzig und haben meinen Ziehvater mit Arschtritten davongejagt.

Jedesmal musste ich Lionardo trösten, Pontifeks, und ihm sagen, Kopf hoch, lieber Ziehvater, das nächste Mal läuft es besser, nur Mut, sorgt Euch nicht, aber manchmal, das muss ich Euch gestehen, liebe Heiligkeit, sind mir die Nerven gerissen wie alte Violinsaiten, dann ist es aus mir rausgeplatzt und ich hab zu Lionardo gesagt, Hört mal, Ziehvater, wann wollt Ihr endlich aufhören Scheiß zu bauen und Euch wie ein dummer Junge zu benehmen und mir und Euch das Leben zur Hölle zu machen? Dann hat Lionardo mich beschimpft und bedroht, denn er hasste es wenn man ihm die Wahrheit sagte, und am Schluss hat er mich dann immer grün und blau geprügelt, vor allem als ich noch ein Junge war, Nimm das Salaì, hat er gesagt, du bist ein Dieb, verfressen, ein Lügner und Dickkopf.

Nun ja, Signior Papst, ganz ohne Fehler war ich natürlich nicht, wie alle jungen Burschen, zum Beispiel hab ich Lionardo manchmal Geld aus seinem Säckchen stibitzt und auch Essen aus dem Küchenschrank, denn ich hatte immer einen Mordskohldampf, und dann hab ich gesagt, ich wär’s nicht gewesen, aber manchmal hab ich ihm das Geld hinterher wieder in sein Säckchen getan, und außerdem ist das Leben verflucht lang und man kann ja nicht andauernd ehrlich sein, oder?

Außerdem müsst Ihr bedenken, liebe Heiligkeit, dass Lionardo auch im alltäglichen Leben eine Katastrofe war, ständig musst ich ihm sagen, So lernt doch bitte endlich, wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt und flucht nicht, redet nicht über Sachen, von denen Ihr keine Ahnung habt, denn die Leute merken das und Ihr blamirt Euch, kleidet Euch nicht nach der Mode von vor dreißig Jahren, sonst lacht alles über Euch, bohrt nicht in der Nase und sucht Euch endlich ein Weib zum Heiraten anstatt Euch in Eurem Alter immer wieder einen runterzuholen etcetera etcetera.

Ach, und da war ja auch noch die Sache mit seinen Zeichnungen, nemlich Lionardo hat einen Hauffen Skitzen und Zeichnungen und Entwürfe von höchst absonderlichen Maschinen gemacht, mit denen man fliegen, segeln, rollen, ausgraben, pumpen, festnageln und was sonst noch alles kann, aber das Lustige ist, dass seine Maschinen nie funktionirten, ja, sie waren sogar gefehrlich, wenn man sie ausprobierte. Glaubt mir, Heiligervater, ich hab ihn immer gewarnt, ehrlich. Hört mal, lieber Ziehvater, hab ich gesagt, wie kommt Ihr bloß auf die saublöde Idee, Euch zwei künstliche Flügel an den Rücken zu kleben und aus dem Fenster zu springen? Aber er hörte gar nicht, immer wieder hat er’s versucht, und nach jedem Sturz hab ich mich kaputtgelacht, während ich ihm den blutigen Kopf verband, aber dann wurde er böse und sagte, Salaì, du elender Hundsfott, du bringst mir nur Pech mit deinem dummen Geschwätz, und dann gab’s wieder eine gehörige Tracht Prügel.

In Wirklichkeit aber, Signior Pontifeks, war ich der Einzige, wo Lionardo die Wahrheit klar und deutlich ins Gesicht gesagt hat, aber was will man machen, so ist halt das Leben von uns armen und ehrlichen kleinen Leuten, die wir den Mut zur Ehrlichkeit haben, hab ich nicht recht?

TAGEBUCH DES SALAÌ

Hier wird das Geheimnis gelüftet wie man ein erfolgreicher Künstler wird, sogar wenn man so eine jämmerliche Niete ist wie Lionardo.
Nee, ich sag’s lieber gleich, nemlich: Man muss einen Hauffen stinkreicher und dummer Freunde haben, wo für Bilder einen Batzen Geld rausrücken, aber man muss sich die Gemälde von einem großen Maler machen lassen zum Beispiel von Salaì.

Etwas hatte Lionardo aber wohl kapiert, das muss ich zugeben, nemlich wenn man Erfolg haben will, zählt es nicht, dass man gut zeichnen, schreiben, bildhauern, malen kann etcetera, nein, man muss sich mächtige einflussreiche Männer zu Freunden machen, denn wenn du Glück hast, stellen sie dich andren Freunden vor und unter denen findest du bestimmt einen der wo noch dümmer ist als die andren, und der gibt dir dann den Auftrag, das Bildnis eines schönen jungen Mädchens zu malen, mit der er seiner alten, vertrockneten Ehefrau Hörner aufsetzen will. Er zahlt dir einen Hauffen Schotter für das Porträh, um vor dem Mädchen gut dazustehen, wogegen er für die alte, vertrocknete Frau zuhause nie und nimmer so viel Geld lockergemacht hätte.

Und so hat mein Ziehvater es nach allerlei Rumprobieren geschafft, Freund von den wichtigsten Männern in Rom und Fiorenza und Mailand und dem Frankenreich zu werden und hat den Leuten dutzendweise gut bezahlten Mist andrehen können. Dabei redete er wenig (das hab ich ihm geraten), denn wenn Lionardo den Mund aufmachte, kam immer nur dummes Zeug heraus, aber dazu hat er stets ein ernstes und nachdenkliches Gesicht gemacht, so als hätt er tausend gewichtige komplizirte Gedanken im Kopf, so nur ganz wenige Menschen verstehen können, und wann einer ihm eine Frage stellte, auf die er ums Verrecken keine Antwort wusste, dann kratzte er sich am Bart um sehr weise und vernünftig zu erscheinen (auch so eine großartige Idee, die er von mir hatte) und sagte, Tja mein lieber Freund, diese Sache hängt mit einem sehr alten und sehr verwickelten filosofischen Problem zusammen über das ich eine Abhandlung schreiben wollte, allein, die Zeiten und die Menschheit sind noch nicht reif dafür! Danach guckte Lionardo immer mit strenger Miene woandershin, und wer ihm die Frage gestellt hatte, dachte, Teuffel auch, was für ein großer Filosof dieser Lionardo doch ist und ich Ärmster bin so dumm.

Denkt bloß, Signior Papst, der Herzog von Mailand und der König vom Frankenreich bezahlten meinen Ziehvater sogar dafür, dass er ihnen Feste, Mittagessen, Abendessen und solche Sachen organisirte, aber das ist nun wirklich eine Arbeit für Trottel, denn man muss ja nur einen Plan von dem Festsaal machen und aufschreiben, dass die Pagen links stehen sollen, den Tisch tun wir rechts hin und die Musiker in die Mitte, etcetera. Lionardo entwarf auch die Masken für die Tänzer und wenn der Abend zu Ende war, kam er mit der Rechnung und sagte, Seht her, Hoheit, das macht dreihunderttausend Dukaten, vielen Dank, auf Wiedersehen, und die Hoheit, der die dreihunderttausend Dukaten mehr oder weniger schnurzegal waren, dankte ihm und legte sich nach dem Fest sogar zufrieden schlafen, ist das nicht verrückt?

Tja, die Wahrheit sieht leider so aus, dass Lionardo bloß wegen solcher Schlaumeiereien ein bisschen Erfolg hatte, wogegen ich, Signior Pontifeks, mit all meinem Talent nicht berühmt geworden bin, weil den Reichen und Mächtigen in den Arsch zu kriechen, nein, das gefällt mir nicht, nemlich ich bin ein überaus anständiger aufrichtiger Karakter.

Kapiert Ihr jetzt, Eure Heiligkeit, wie Salaì sich für seinen Ziehvater aufgeopfert hat? Kapiert Ihr worauf ich verzichten musste, um ihn zu unterstützen zu bewachen zu verbessern etcetera pp? Kapiert Ihr wie viel Ehre und Ruhm er abgekriegt hat obgleich er nicht mal einen Löffel in der Hand halten konnte, wogegen kein Schwein Salaì kennt?

Logisch also, dass ich fest drauf baute, eines Tages eine hübsche Erbschaft zu bekommen, denn das geht ja nun gar nicht, einen Ziehvater wie Lionardo ertragen ohne den Lohn dafür zu kriegen, oder?

Vor fünf Jahren bin ich ihn im Frankenreich besuchen gegangen (wo ich eigentlich nicht so gern hinging, nemlich seine Köchin Maturina kochte nur ekliges Zeug und schwer verdauliche Tunken und wir haben immer gestritten, aber das hab ich Euch vielleicht schon erzehlt) und da hab ich meinen Ziehvater gefragt, was er mir nach seinem Tod hinterlassen würde.

Sei unbesorgt, Salaì! sagt er, die andren Erben kriegen nur wertlosen Kram, die guten Sachen aber vererbe ich dir, verstanden? Nein Ziehvater, bitte erklärt mir das genauer. Und er: Junge, du bist und bleibst ein Dickkopf, jetzt sperr die Ohren auf. Hier im Frankenreich hab ich meine kostbarsten Gemälde allesamt bei mir, die Gioconda und die Leda mit dem Schwan und die heilige Anna. Ach so, Ihr meint die Sachen, die ich mit den Jungen von Eurer Werkstatt gemalt hab, während Ihr uns bloß Ratschläge gegeben habt? Pssst, schon gut, halt den Mund, was zum Teuffel hat das jetzt damit zu tun? Und vergiss nicht, Junge, wenn ich diese Gemälde nicht signiert hätte, hätte keiner sie gekauft und du würdest jetzt nicht in eleganten Kleidern nach spanischer Mode herumlaufen sondern in Lumpen, kapiert? Und jetzt, Salaì, übertrage ich dir eine sehr wichtige Aufgabe, nemlich du sollst meine Gemälde dem frantzösischen König verkaufen. So verdienen wir beide einen Batzen Geld, ich meine, es wird genug da sein, für mich jetzt und für dich später, wenn ich tot bin.

Ah gut, lieber Ziehvater, aber warum muss gerade ich sie dem König verkaufen? Sieh mal, Salaì, antwortet er, diesen würdelosen Handel kann ich nicht selbst betreiben, denn ein erhabener, unsterblicher Künstler wie ich beschmutzt sich keinesfalls die Hände mit ordinärem Geld, vor allem aber bietet er dem König des Frankenreiches nicht gleich drei oder gar vier seiner Werke an, sonst erkennt der nemlich sofort, dass ich ihn auspressen will wie eine Zitrone. Du, lieber Salaì, wirst Seiner Majestät sagen, dass die Gemälde dir gehören, indem ich sie dir als Vorschuss auf die Erbschaft geschenkt habe, also steht es dir frei, sie zu jedem Preis zu verkaufen, der dir beliebt und wie ein blutsaugender Vampir zu verhandeln, denn darin bist du Meister. Aber gibt Acht, Salaì! Versuch ja nicht den König zu betrügen, denn du bist zwar ein gerissener Lümmel, aber wenn du seinen Zorn erregst, lässt er’s dich teuer bezahlen und ist imstande dir eigenhändig den Schwengel abzureißen und seinen Jagdhunden zum Fraß vorzuwerfen, hab ich mich klar ausgedrückt? Ja, Signior Lionardo, das habt Ihr.

Uff, einen Moment, Signior Pontifeks, jetzt lass ich eine halbe Seite frei und ruh mich ein bisschen aus, denn über all dem Schreiben haben sich mir fast die Finger verknotet. Nein, wisst Ihr was? Ich werde mir ein schönes Glas Wein holen und ein Stück Brot mit Schafskäse, was wirklich gut zu Rotwein passt, ich weiß nicht, ob Ihr das auch mögt, aber ich bin mir ziemlich sicher.

TAGEBUCH DES SALAÌ

Enttäuscht vom Geiz seines Ziehvaters findet Salaì einen sehr guten und ehrbaren Weg, dem König vom Frankenreich einen Hauffen Geld abzuknöpfen, denn zum Glück hat niemand (außer wahren Künstlern wie Salaì) den leisesten Dunst von der Malerei.

Da bin ich wieder, Mensch, wie sauwohl man sich doch fühlt, wenn man sich den Magen gefüllt hat, also Signior Papst, wir waren bei der Sache mit dem König vom Frankenreich und tatsächlich kam der kurz darauf in Ambuase vorbei, und ich hab um Audienz bei ihm gebeten. Ich war mir ziemlich sicher, dass er sie mir gewären würde, weil er einen Narren an italienischen Künstlern gefressen hat und, in aller Bescheidenheit, ich bin sehr künstlich und erst recht sehr italienisch. Um vom König empfangen zu werden, musst ich aber vorher erklären, was der Grund für meine Bitte um Audienz war, außerdem musst ich von den Sekretaren und den Würdenträgern und dann noch von den Pagen und Majordomussen des Königs die Erlaubnis kriegen, also ich sag Euch, Heiligkeit, ein irrer Aufstand war das. Aber nach zwei drei Tagen Wartezeit bin ich empfangen worden.

Der König hat sofort in sehr freundlichem Ton einen Satz auf Frantzösisch gesagt, etwas wie, Lieber Salaì, spuck’s aus, was zum Henker willst du von mir? Ich habe ihm mein Angebot erklärt, nemlich die Gemälde von Lionardo, und da hat er ein bisschen schwammig geantwortet, Hm, ich weiß nicht, ob ich interessiert bin, du hörst von mir. Aber am nächsten Tag hat ein Sekretarius des Königs mir sofort ein Angebot gemacht, 2000 Turnosgroschen, und hat noch dazu gesagt, Ich hoffe, das Angebot meines Königs stellt Euch zufrieden.

Zufrieden? Signior Papst, Ihr müsst wissen, dass 2000 Turnosgroschen für Lionardo ein ganzer Jahreslohn sind! Also bin ich fast aus den Schuhen gekippt, aber ich hab’s mir nicht anmerken lassen, im Gegenteil, mit einer etwas enttäuschten Miene hab ich gesagt, Naja, hm, gut, für Seine Majestät bin ich sogar bereit, mich von diesen unsterblichen Meisterwerken meines Ziehvaters zu trennen. Aber es würde mir recht wohl gefallen, wenn Seine Majestät einen weiteren Beweis seiner Großzügigkeit geben könnte, etcetera, kurzum, ich hab vom frantzösischen König 3500 Turnosgroschen bar auf die Kralle gefordert, sonst könnt er die Sache vergessen. Am nächsten Tag kam der Sekretarius des Königs wieder, Lieber Salaì, der König, mein Herr, bietet 2600 Turnosgroschen, friss oder stirb, und da hab ich ein bisschen ärgerlich getan und gesagt, Nun ja, darüber muss ich eine Zeitlang nachdenken, und hab ihn gebeten, in drei Tagen wiederzukommen.

Jetzt passt auf, Signior Papst, was ich Euch jetzt erzähle, dürft Ihr keinem weitersagen, sonst gibt’s mächtig Stunk, aber ich weiß ja, dass ich mich auf Euch verlassen kann, oder? Ich war nemlich wirklich ein bisschen sauer, dass ich meine 3500 Kröten nicht kriegen konnte, denn die hatte der König ganz bestimmt irgendwo rumliegen, also warum rückt er nicht raus damit, statt dieses Geschachere mit mir zu veranstalten? Und da hab ich mir gedacht, ich hätt ja nicht übel Lust, diesem Knauser eine Lektion zu erteilen, und hab die Kopien von der Leda, der heiligen Anna und der Joconda rausgeholt, die ich im letzten Jahr bloß so aus Spaß gemalt hatte, und hab sie gut abgestaubt. Nicht mal Lionardo wusste, dass es Kopien von diesen drei Gemälden gab. Ich hatte sie gemacht, weil ich wusste, dass ich früher oder später irgendeinen Schwachkopf finden würde, dem ich sie andrehen konnte. Und außerdem waren sie viel besser gemalt als die Originale von Lionardo, denn die hatte ich ganz allein gemacht, ohne die schiefen und falschen Pinselstriche von Lionardo.

Nach drei Tagen hab ich dann den Sekretarius mit einem breiten Lächeln empfangen und dieweil ich verkünde, dass ich das Angebot des Königs annehme, ziehe ich das Tuch von den drei Kopien und presentiere sie ihm anstelle der Originale, und der Sekretarius, wo natürlich ein Idiot ist wie alle Höflinge der Welt und nicht die Bohne was von Malerei versteht, geht geradewegs in die Falle und ruft hocherfreut aus Aaah, Oooh, welch Meisterwerke, Meister Lionardo ist wahrlich ein Genie, und ich bestätige ihm das, Na logisch.

Die Sache hatte zwei gute Seiten, nemlich die erste war, dass ich einen Berg Geld kassiert hatte, die dritte und letzte war, dass ich die Originale von der Leda, der Joconda und der heiligen Anna für mich behielt, weil ich hatte sie ja durch die von mir selbst gemalten Kopien ersetzt, nicht übel, was? In zehn oder fünfzehn Jahren, dachte ich mir, wenn Lionardo endlich krepiert ist und der König vom Frankenland auch, werd ich die Originale verkaufen können und sagen, dass der König bloß Kopien besessen hat. Denn nach so langer Zeit wird niemand mehr durchblicken, wie es immer geschieht, wenn ein Maler stirbt, dann sagen die Exsperten und Bildersammler nemlich jeder was andres, teils um anzugeben, teils weil sie alle immer so tun müssen, wie wenn sie die Originale in der Hand hätten. Die wollen sie nemlich irgendeinem vertrottelten reichen Käufer für viel Geld andrehen.

TAGEBUCH DES SALAÌ

Lionardo ist gemein und ein Verräter und zwingt Salaì zu Leone Prestasoldi zu gehen.

Nachdem der Sekretarius des Königs mir das Geld (ein schönes Säckchen voller Goldmünzen) überreicht und ich es Lionardo gebracht hatte, ist auch er fast aus den Latschen gekippt, denn so viel Piepen auf einmal sieht er nicht alle Tage. Gleich nachdem er sich wieder berappelt hat, reißt er mir das Säckchen aus der Hand und sagt, Sehrgutsehrgut, du kannst dich drauf verlassen, Salaì, dass ich dieses Geld trefflich verwenden werde, nemlich ich werde es in Sicherheit bringen, damit es eines Tages deins ist.

Was? Ziehvater, ich dachte eigentlich, Ihr würdet mir sofort einen Teil geben! Oh nein, mein lieber Salaì, sagt er, ich bin doch nicht blöd! Wenn ich dir jetzt einen Vorschuss auf das Erbe gebe, wollen auch der Melzi und die andren Erben dasselbe haben, und sobald ihr alle euren Teil eingesackt habt, werdet ihr alle den Teuffel tun und mir weiter das Mittagessen kochen, mich zum Spaziergang ausführen, mir die Füße waschen, mir den Hintern abwischen und mir helfen, nachts in meinen Nachttopf zu pinkeln.

Ihr müsst wissen, Signior Papst, dass Lionardo einen schönen Nachttopf aus Eisen hatte, mit einer Holzkiste drum herum, den hatte er mit mir in Rom gekauft und musste jede Nacht mindestens zweidreimal reinpinkeln, aber jedesmal brauchte er Hilfe, sonst pinkelte er daneben, und nun ratet mal, wer der Arme war wo ihm jahrelang helfen musste, genau zu zielen und sich hinterher den Schwengel abzutrocknen, und den Boden wischen, wenn er danebengepinkelt hatte?

Lionardo hat weitergeredet, Sieh mal, lieber Salaì, ich hab dich wirklich sehr gern, aber ich kenne euch Jungen aus der Werkstatt gut und weiß, dass ihr allesamt selbstische Nattern an meinem Busen seid, Hurensöhne seid ihr und wollt nur mein Geld, ihr wartet ja nur darauf, dass ich krepiere, denn keiner sorgt gern für einen alten Mann, auch wenn er ein alles überragendes Genie, gütig und bescheiden ist.

Seht Ihr, Heiligkeit, was für ein misstrauischer, eigensüchtiger Schweinehund mein Ziehvater war? Ich hätte ihm gerne entgegnet, Verfluchter Tattergreis, du Stück Scheiße, warum lässt du mich dreitausend Jahrhunderte warten bis ich meinen Anteil bekomme, geh zur Hölle du und dein eiserner Nachttopf, aber dann hab ich mir gesagt, Hm, ich halt lieber den Mund und versuche das Problem mit meinem Grips zu lösen, denn Lionardo hat sehr wenig davon, ich aber etwas mehr.

Bitte um Entschuldigung, Ziehvater, sag ich, aber der Melzi kommt aus reicher Familie hinwiederum ich arm bin, und trotzdem müssen wir beide auf Euren Tod warten, ihn kostet das ein Lächeln, weil er ist reich, aber ich muss hungern, findet Ihr das richtig? Habt Ihr keine Angst, ein gewaltiges Unrecht zu begehen und dafür in die Hölle zu kommen, wo Satan Euch den Arsch aufreißt?

Ich hab dir doch schon tausendmal gesagt, Salaì, dass ich an diesen Humbug von Gott, Seele, Hölle, Fegefeuer und Paradies nicht glaube, denn das sind alles Ammenmärchen für Dumme und Bauern. Aber mir ist was eingefallen. Damit du Ruhe gibst, lass ich dir auch meinen Weinberg in Mailand, zufrieden?

Ihr müsst wissen, Signior Papst, dass Lionardo in Mailand einen Weinberg mit einem Häuschen besaß, den ihm vor Jahren Ludovico il Moro, der Herrscher über die Stadt, geschenkt hatte. Auf Lionardos Weinberg wohnte ich aber schon, da wohnte sogar meine ganze Familie, nemlich mein Vater meine Mutter und meine Schwestern, und dann kam noch meine Frau Bianca dazu, und Lionardo nahm uns dafür eine Wuchermiete ab. Also war das nicht gerade ein tolles Geschenk, wenn er mir nun den Weinberg vererbte. Habt Ihr kapiert, Signior Heiligervater, wie undankbar und doppelzüngig mein Ziehvater war?

Nach diesem Gespräch fühlte ich mich als hätte mir jemand einen Besen in den Arsch gesteckt, angefangen beim dicksten Teil, dem nemlich, womit man den Boden fegt. Dann hab ich gedacht, früher oder später fährt mein Ziehvater ja sowieso unter einem Hauffen Erde zur Hölle, und dann krieg ich endlich den Erlös aus dem Verkauf der Gemälde, nemlich die 2600 Turnosgroschen des Königs vom Frankenreich. Von dem Geld bau ich ein schönes großes Haus auf seinem Weinberg in Mailand für mich und meine Familie und dort mach ich Wein, den ich verkaufen kann und so verhungere ich auch dann nicht, wann keiner meine Bilder kauft. Und weil Lionardo schon ziemlich morsch und kurz vorm Abkratzen ist kommt die Erbschaft sowieso bald, also muss ich nur ein bisschen Geduld haben, nicht wahr?

Aber Pustekuchen, die Zeit verging und Lionardo konnte sich nicht aufraffen, endlich den Löffel abzugeben, um Himmelswillen Signior Papst, mein Ziehvater war mir wirklich lieb und teuer, aber verdammter Mist, er strotzte nicht nur von einer eisernen, ich würde sagen übertriebenen Gesundheit, es war auch ganz klar, dass er nicht die geringste Lust hatte sich vom Acker zu machen, nein, er hatte sogar allerlei Pläne, dies zeichnen, das bauen, eine Abhandlung über Malerei schreiben etcetera. Und ich, sollte ich etwa noch fünftausend Jahrhunderte warten um mein Haus zu bauen?

Obendrein hatte ich einen Mörderschiss, dass Lionardo seine Meinung ändern und den Weinberg klammheimlich dem Melzi vererben könnte, bloß um mir eins auszuwischen, was bei einem Hundsfott wie meinem Ziehvater durchaus möglich war. Also bin ich wieder zu Lionardo gegangen und hab ihn gefragt, Bitte lieber Ziehvater, kann ich mir schon jetzt ein Haus auf dem Weinberg in Mailand bauen, den Ihr mir vererben wollt? Aber gewiss doch, Salaì, bau es dir, bau es ruhig, der Weinberg ist doch eh schon praktisch dein. O wie gut Ihr seid, Signior Lionardo, hab ich gesagt und gedacht: Jetzt muss ich dieses Haus sofort bauen, damit der Melzi und die andren Erben sehen dass der Weinberg praktisch schon mir gehört!

Meine Frau Bianca war nicht einverstanden, sie sagte, das wär eine saudumme Idee, denn wenn Lionardo uns den Weinberg doch nicht vererbt, was zum Henker machen wir dann? Sei unbesorgt, mein Schatz, hab ich gesagt, aus Lionardo hol ich ganz bestimmt entweder den Weinberg oder einen schönen Batzen Geld raus, du wirst schon sehen.

Aber wie ich schon gesagt habe, wollte Lionardo ums Verrecken nicht sterben, also musste ich mir von irgendwem Geld leihen, um das Haus zu bauen. Die einzige Stadt, wo ich hoffen konnte das Geld aufzutreiben war Fiorenza, da kannte ich einen, der sagt nie nein, wann du ihn bittest dir Geld zu leihen, nemlich dieser ekelhafte Wucherer Leone Prestasoldi, der reichste Halsabschneider der ganzen Toskana.

Auch in der heiligen Stadt Rom gibt’s hauffenweise Wucherer, und jetzt sagt nicht, das stimmt nicht, Eure Heiligkeit, direkt bei San Pietro hab ich einige ganz üble Kerle kennengelernt, aber Leone Prestasoldi aus Fiorenza übertrifft sie alle, denn er ist der reichste von der ganzen Bande. Er leiht nemlich allen Geld, auch den Armen, indem er weiß, dass keiner es wagt ihn reinzulegen und alle die ganze Schuld mit Zins und Zinseszins bis zum letzten Blutstropfen bezahlen. In Fiorenza ist er wohlbekannt denn in seinem Geschäft nah bei der Kirche Santa Reparata hat er einen unglaublichen Berg Geld in der Kasse, das liegt immer bereit, zu Wucherzinsen verliehen zu werden, und keiner kapiert wo er dieses ganze Geld hernimmt, man könnt fast meinen, er macht es selbst.

Mit Prestasoldi hab ich einen ganzen Tag lang die Bedingungen des Kredits diskutiert, denn wie jeder Wucherer macht Leone dir tausend Schwierigkeiten und will immer noch eine Klausel hier eine Klausel da und noch eine dort in den Vertrag setzen, so dass du am Ende der Verhandlung gar nicht mehr durchblickst, wogegen er sich eine prima Metode geschaffen hat um dich übers Ohr zu hauen.

Wann wir beide den Vertrag unterschrieben hatten, bietet Leone Prestasoldi mir ein Glas Wein an um zu feiern (winzig wie ein Fingerhut war das, denn wie alle Wucherer ist Leone ein widerlicher Geizknochen) und sagt: Lieber Salaì, dieses Geld leih ich dir nur, weil du mir versicherst dass du, sobald Lionardo dein Ziehvater stirbt, mir alles wiedergeben kannst, einschließlich der Zinsen bis auf den letzten Centesimo, stimmt’s? Ich antworte, Ja natürlich, lieber Freund Leone, aber warum wiederholst du zum dreihundertsten Mal, was ich dir selbst zweihundertneunundneunzig Mal gesagt hab, um dich von meiner Ehrlichkeit zu überzeugen? Und Leone: Ich wollte dich nur dran erinnern, lieber Salaì, wenn du den Vertrag den wir heute geschlossen haben, nicht in allen Punkten erfüllst, werde ich so richtig, aber wirklich richtig enttäuscht sein.

In Fiorenza wissen alle, wer sich Geld von Leone Prestasoldi leiht, hat praktisch einen Pakt mit Beelzebub persönlich gemacht und mit all seinen Unterteufeln und Satanassen und Dämonen dazu, und Ihr, Heiligkeit, der Ihr Euch in diesem Kram mit dem Paradies und der Hölle auskennt, Ihr versteht mich genau. Wenn der Schuldner nemlich säumig wird, kommen ein paar Tage nach Ablauf der Frist die Gehilfen von Prestasoldi mit Eisenhämmern und Sägen und Zangen an, holen ihn aus seinem Haus und foltern und zermalmen und zerfleischen ihn bis er eine Art Brei ist, wo man mit einem Löffel aufsammeln kann und wie ein Erdbeermus in ein Fläschchen schütten kann, gluckgluck und Stopfen drauf, hoffentlich hab ich mich klar ausgedrückt.

Bevor er mir die Säckchen mit dem geliehenen Geld überreicht, lässt Leone Prestasoldi zwei seiner Gehilfen kommen, das sind zwei enorme Berserker, Arme und Rücken mit Muskeln bepackt, und mit sehr bösen Augen und einem eckigen Kiefer hart wie Marmor, und sie halten Eisenhämmer Kneifer und Zangen in der Hand, und wie Prestasoldi mir das Geld gibt, starren die beiden mich an und ich schwitze als hätt man mir einen Krug Eiswasser über den Rücken bis zu den Arschbacken geschüttet. In den nächsten sechs Monaten hab ich jede Nacht von den Gehilfen von Prestasoldi geträumt und wie ich nach dem Alptraum aufgewacht bin, hab ich wieder dieses Eiswasser auf dem Rücken gefühlt, bis hinunter in die zu Eis gefrorenen Arschbacken.

Auch meine Frau wachte nachts auf und sagte, Mamma mia Salaì, was war das bloß für eine hirnverbrannte Idee dir Geld von Leone Prestasoldi zu leihen, wenn du es ihm nicht zurückzahlst, bleibt mir anstelle eines Ehemannes ein Fläschchen Erdbeermus, das hätt ich mir auch einfach auf dem Markt kaufen können statt zu heiraten, mir ein Brautkleid zu kaufen und Leute einzuladen.

In den nächsten Monaten aber hab ich all meinen Mut zusammengenommen und das Häuschen mitten auf dem Weinberg von Lionardo gebaut und langsam bin ich wieder ruhiger geworden, denn im Grunde hatte ich diesen Dreckskerl ja schon ein ganzes Leben lang ertragen, und indem er das genau wusste und wahrscheinlich auch ein kleines bisschen Gewissen im Leib hatte wie zum Beispiel die Hunde die Katzen die Ratten die Vögel und die Eidechsen etcetera, fühlte ich mich ziemlich sicher dass er mir den Weinberg und die Gold