Jean G. Goodhind

Mord in Weiß

Honey Driver ermittelt

Kriminalroman

Aus dem Englischen
von Ulrike Seeberger

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Inhaltsübersicht

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 24

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Anmerkungen

Informationen zum Buch

Über Jean G. Goodhind

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

Prolog

Die Braut trug eine Goldrandbrille, hinter der dunkle Augen hervorblitzten. Das schimmernde schwarze Haar ging ihr bis zur Taille.

Zu ihrem blassrosa Outfit hatte sie blaue Wildlederschuhe und eine Handtasche kombiniert, die genug Platz für einen Laib Brot, einen Beutel Kartoffeln und ein Pfund Butter geboten hätte.

Den Hut hatte sie sich kess schräg aufgesetzt, so dass die breite Krempe ihr Gesicht überschattete. Auf den ersten Blick schien das nur eine Modefrage zu sein. Hätte man sich jedoch die Mühe gemacht, die Krempe ein wenig zu lüften und genauer hinzuschauen, so hätte man ein großes bananenförmiges Feuermal gesehen, das längs über ihre ganze Wange verlief.

Der Bräutigam war sehr groß und dünn, seine Haut so braun und glänzend wie eine Kastanie. Er trug eine graue Hose und ein dunkles Sakko, dessen Schultern mit Schuppen gepudert waren. Die Hosenbeine reichten ihm kaum bis zu den Knöcheln, und die Schuhe passten farblich nicht zu seinem Outfit. Der Mann sah genauso aus, wie man sich einen nervösen Bräutigam vorstellt: Er trat unruhig von einem Bein aufs andere, sein Gesicht glänzte vor Schweiß, und das dichte schwarze Haar schimmerte und war mit Gel an den Kopf geklatscht. Jeder halbwegs aufmerksame Beobachter wusste gleich, dass die beiden nicht gerade ein Traumpaar waren.

Die Standesbeamtin, eine Dame mit Brille, hatte die Art von Bluse an, die früher Margaret Thatcher bevorzugt hatte, sogar in derselben Farbe: in konservativem Blau mit einer großen Schleife am Hals.

Vor ihr waren schon alle möglichen und unmöglichen Paare erschienen, um die Ehe miteinander zu schließen. Trotzdem wunderte sie sich immer wieder, was für merkwürdige Kombinationen da zusammenfanden. Diese beiden zum Beispiel. Bei denen hatte sie Zweifel, ob es sich überhaupt um ein echtes Paar handelte. Aber es war ja nicht ihre Aufgabe, hier bohrende Fragen zu stellen. Die beiden hatten alle nötigen Papiere beigebracht und die richtigen Formulare ausgefüllt. Der Rest ging die Beamtin nichts an.

Sie sprach die Worte der gesetzlich vorgeschriebenen Trauformel langsam und mit monotoner Stimme, und ihr Blick wanderte von der selbstbewussten Braut zum nervösen Bräutigam.

»Sprechen Sie mir bitte nach«, sagte sie. Ihr ernster Blick wich nicht, und sie artikulierte sorgfältig, als redete sie mit Kindern an deren erstem Schultag.

Trotz ihrer perfekten Aussprache fiel es dem Bräutigam offensichtlich schwer, die Worte zu wiederholen. Sie vermutete, es lag daran, dass Englisch nicht seine Muttersprache war. Die Braut hakte sich fester bei ihm ein, als könnte sie ihm damit Mut machen oder ihn zumindest daran hindern, es sich anders zu überlegen und doch noch wegzulaufen. Nervös genug sah er aus.

»Komm schon, Schätzchen. Du schaffst das«, drängte sie ihn und stieß ihm den Ellbogen in die Rippen, während ihr verkniffenes Lächeln eine Mischung aus Wärme und Warnung ausstrahlte und ihre Stimme so klebrig war wie Sirup.

Diese Worte ermutigten ihn zumindest dazu, ihr ins Gesicht zu schauen, obwohl sein Blick eher von Furcht als von Liebe zu zeugen schien. Nun noch die letzte Formel.

»Ja, ich will.«

»Ja, ich will.«

»Sie können die Braut jetzt küssen.«

Es war ein flüchtiger Kuss. Der Bräutigam wirkte erleichtert, dass er die Zeremonie – und vielleicht auch den Kuss – hinter sich gebracht hatte.

Schließlich waren die Urkunden unterschrieben, vom Brautpaar und von den beiden Trauzeugen, einer dicken Frau in einem grellroten Mantel, der für das gegenwärtige sonnige Wetter viel zu warm aussah, und einem dünnen schwarzen Mann in zerrissenen Jeans und Bomberjacke. Die dicke Frau hielt eine schwarze Handtasche vor den Bauch gepresst. Der schwarze Mann sah aus, als langweilte ihn die ganze Veranstaltung tödlich. Er schaute auch immer über die Schulter zur Tür, als erwartete er, dass jeden Augenblick jemand hereinkommen könnte.

Sobald sie draußen waren, machte der Bräutigam eine ruckartige Kopfbewegung und richtete ein paar Worte an ein dünnes, etwa dreizehnjähriges Mädchen, das ein schwarzes Kopftuch umgebunden hatte. Das Mädchen warf einen flehenden Blick zu den Frauen, seine Antwort verstanden die beiden jedoch nicht. Der »Bräutigam« packte das Mädchen an der Schulter und schüttelte es. Er sagte etwas in drohendem Tonfall, aber die beiden Frauen, die ihm einen britischen Pass verschafft hatten, konnten es nicht verstehen.

Hätten sie genauer hingeschaut oder hätte es sie auch nur im Geringsten interessiert, so hätten sie die Furcht im Gesicht des Mädchens wahrgenommen. Doch nun folgten der ausländische Bräutigam und seine »Braut« der dicken Frau zu einer Eckkneipe, und das Mädchen mit dem Kopftuch trottete hinterher. Der Mann wies das Mädchen in barschem Ton an, draußen zu warten, während die anderen hineingingen.

»Ich nehme einen Brandy mit Babycham«, sagte die rote Frau ohne jedes Zögern. Die Braut schlängelte sich zur Bar durch, wo sie das Getränk für die Frau und ein Glas Weißwein für sich bestellte.

In der Zwischenzeit zückte der Bräutigam die Brieftasche und blätterte fünfhundert Pfund auf den Tisch, den noch ausstehenden Restbetrag für die Eheschließung und das Recht auf einen britischen Pass.

Der Trauzeuge war gleich gegangen, nachdem er sein Honorar für seine Anwesenheit und Unterschrift eingesackt hatte. Wie schon Dutzende Male zuvor.

Nachdem das Geld überreicht, gezählt und die Anzahl der Scheine für korrekt befunden war, verschwand auch der Bräutigam ohne einen Blick zurück auf die »Braut« oder ein Wort des Dankes an die Frau, die alles in die Wege geleitet hatte.

»So«, sagte die Braut, sobald sie die Drinks und zwei Tütchen gesalzene Erdnüsse zum Tisch gebracht hatte. »Wer ist der Nächste?«

Die Frau im roten Mantel kippte ihren Drink in einem Zug herunter und leckte sich mit ihrer langen rosa Zunge ein paar Tröpfchen von den üppigen Lippen. Die Erdnüsse rührte sie nicht an.

»Es gibt keinen Nächsten. Ich ziehe mich aus dem Geschäft zurück. Aber ich habe nichts dagegen, wenn du es übernehmen möchtest.«

»Was sagst du da? Ich bin das Geschäft.« Die jüngere Frau presste mit dramatischer Geste die Hände an die Brust, als müsste sie ihr Herz festhalten. Ihre Augen strahlten, und das Feuermal auf ihrer Wange war, wenn möglich, noch intensiver rot geworden.

Die Frau im roten Mantel blieb eisern, senkte das Kinn auf die Brust und schaut die junge Frau von oben herab an. »Wer sagt das? Du?«

»Ich bin die Braut.«

»Ja, aber nicht das Hirn.«

Das fand die Braut gar nicht komisch. »Pass bloß auf. Ich sehe gut aus, und ich habe eigene Pläne. Ich denke, ich kann mehr erreichen als immer nur diese Scheinehen gegen Bezahlung zu schließen. Ich habe durchaus andere Möglichkeiten.«

Die dicke Frau zog die gemalten Augenbrauen in die Höhe. »Denkst du etwa an eine echte Heirat?«

»Nein, ich will in der Heiratsszene mein eigenes Geschäft aufbauen.«

»Ich will gar nicht wissen, wie. Das ist deine Sache, aber wenn du mein Geschäft übernehmen willst, dann tu’s. Es wird Zeit, dass ich meine Enkelkinder so richtig verwöhne. Das wird den Partner meiner Tochter richtig ärgern – was mir herzlich egal ist. Der ist ohnehin ein Mistkerl. Bist du wirklich entschlossen, es allein zu versuchen?«

»Wild entschlossen.«

»Dann viel Glück. Ich muss jetzt zum Zug.«

Die Frau im roten Mantel holte am Tresen noch einen Weißwein für ihre Komplizin, ehe sie ging, und meinte, sie überließe ihr gern die Erdnüsse.

»Moment mal, und was ist mit meinem Bonus, meinem Gewinnanteil? Du hast gesagt, am Ende des Jahres bekäme ich fünfundzwanzig Prozent aller Einnahmen plus einen Anteil vom Angesparten. Das haben wir doch noch, oder?«

»Vertraust du mir etwa nicht?«

»Ich hoffe, ich kann dir vertrauen. Ich habe dir ja gesagt, dass ich mit Geld nicht so gut umgehen kann. Ich freue mich drauf, es auszugeben – und nicht wieder für ein verdammtes Brautkleid! Von denen habe ich echt die Nase voll.«

»Das Geld ist sicher angelegt, und du kriegst, was dir zusteht«, sagte die Frau in Rot und stützte sich mit ihrer molligen Hand auf dem Tisch ab, um leichter auf die Füße zu kommen. »Ich muss bloß noch eben auf die Toilette, ehe wir zur Bank gehen. Es liegt alles sicher auf dem Konto. Wir müssen es nur abheben. Einfacher geht’s nicht.«

Die Braut seufzte vor Wonne, machte beide Erdnusstütchen auf und begann zwischen Schlucken aus dem Weißweinglas die Nüsse zu futtern.

Fünfzehn Minuten vergingen. Ihre »Geschäftspartnerin« war immer noch nicht wieder aufgetaucht. Langsam machte sich ein ungutes Gefühl in ihr breit. Sie war inzwischen mit dem Wein und den Nüssen fertig, aber ihre Komplizin war noch nicht zurück.

Ihre Augen wanderten zum anderen Ende der Bar und suchten nach dem Schild, das zu den Toiletten wies. Schließlich sah sie es hinter all den Tischen und Stühlen über einer Tür rechts vom Dartbrett.

Daneben war das grüne Schild für den Notausgang angebracht.

Da begriff die Frau, die an die zwanzig Mal die Braut gespielt hatte, plötzlich, dass man sie hereingelegt hatte. Sie sprang auf und raste dahin, wo die Frau in Rot verschwunden war.

Die Damentoilette, ein Raum mit widerlich parfümierter Luft und Musikberieselung aus der Bar, war leer. Alle Kabinentüren standen offen. Hier konnte sich niemand verstecken.

In ihrer Verzweiflung rammte die Frau mit dem Feuermal den Kopf an eine Türzarge. Sie kannte ihre Geschäftspartnerin nur als Mrs Fitz. Sie hatten immer sorgfältig darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen, Mrs Fitz, das begriff sie nun, hatte daran noch weit mehr Interesse gehabt als sie selbst. Sie hatte zwar eine Handynummer, aber noch ehe sie dort anrief, wusste sie, dass der Anschluss abgemeldet sein würde.

Ihr Geld für heute hatte sie bekommen, aber die Tausende von Pfund, die ihr als Bonus noch zustanden, würde sie nie sehen. Sie hatten vereinbart, bei Geschäftsaufgabe das auf der Bank angesparte Geld untereinander aufzuteilen. Dieser Bonus war futsch.

»Ich bring sie um, die verdammte Kuh!«, schwor sie sich. »Verdammt, ich bring sie um!«

Kapitel 1

Eine Melodie vor sich hin pfeifend, die nur ein sehr geübtes Ohr als den Hochzeitsmarsch erkannt hätte, setzte sich Chief Detective Inspector Steve Doherty an seinen Schreibtisch und schlüpfte so aus der Lederjacke, dass die dann umgestülpt über der Rückenlehne seines Stuhls hing, ohne dass er sie noch mal anfassen musste.

Wie immer schaute er zuerst seine E-Mails durch, ehe er sich den Papieren auf dem Schreibtisch zuwandte. Es waren nicht sehr viele. Nicht so viele wie früher. Mit einem dankbaren Seufzer überlegte er, dass zum Glück heutzutage die elektronische Post dafür sorgte, dass der Papierberg, der auf seinem Schreibtisch landete, ein wenig niedriger war. Besser noch: man konnte flunkern und behaupten, eine E-Mail nie bekommen zu haben, ohne dass jemand Einwände dagegen vorbrachte. Die meisten seiner Kollegen waren etwa so alt wie er, einige älter. Genau wie er hatten sie IT-Fortbildungen mitgemacht, waren aber nie sicher, ob sie wirklich auf die richtige Taste getippt hatten, und hatten überhaupt keine Ahnung, was mit einem Computer möglich war und was nicht.

Zwischen dem üblichen Papierkram lagen drei verschlossene Umschläge. Einer enthielt die Bestätigung, dass eine E-Mail verschickt und im Intranet der Polizei zugestellt worden war. Da wollte jemand gar kein Risiko eingehen, Entschuldigungen über im Cyberspace verlorengegangene Mails aufgetischt zu bekommen. Dohertys Augen wanderten nach oben. Er schaute durch die gläserne Trennwand zwischen seinem Zimmer und dem allgemeinen Büro, wo auf Hochtouren gearbeitet wurde: Augen waren auf Monitore gerichtet, Gestalten in Uniform gingen von einem Schreibtisch zum anderen, zur Kaffeemaschine und wieder an ihren Platz zurück.

Er erblickte die Absenderin. Ms Mackenzie war eine Einheit mit ihrem Computer, sie hatte den Kopf über die Tastatur gesenkt, und das flackernde Licht des Monitors beleuchtete ihren blassen Teint. Sie war eine schlaue Polizistin und wild entschlossen, allen zu zeigen, dass sie ein paar Klassen besser war als ihre männlichen Kollegen und keine Angst hatte, sich die Finger schmutzig zu machen, wenn sie es auf die Art ganz nach oben schaffte.

»Da sei Gott vor«, murmelte Doherty. Sie würde sofort die gesamte Polizei mit elektronischen Fußfesseln ausstatten, wenn es nach ihr ginge.

Der zweite Umschlag, den er aufschlitzte, war von einer Frau, die sich darüber beklagte, dass man ihr Porno-Bilder mit der Post geschickt hatte. Sie hatte sich bereits per E-Mail beschwert.

»ICH WILL TATEN!«

Er bemerkte die Großbuchstaben. Er wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie brüllte ihn sozusagen per Post an.

Auf dem dritten Umschlag stand »Privat und vertraulich«. Es war ein richtiger Brief in einem mit der Royal Mail verschickten frankierten Umschlag, auf die gute alte Weise zugestellt.

Ihm fiel auf, dass die Oberkante des Papiers nicht gerade war. Keine große Sache. Wohl ein Blatt Papier, das jemand von einem Block abgerissen hatte, wie man ihn in jedem Schreibwarenladen bekam. Die Handschrift war elegant, mit Schnörkeln und extravaganten Unterlängen. Die Nachricht war es nicht.

Doherty las sie noch einmal.

Heirate diese überreife Schlampe, und du stirbst!

Natürlich stand keine Unterschrift drunter.

»Wer zum Teufel …?«

Er rieb sich mit dem Finger über eine hochgezogene Augenbraue. Die Stirn blieb gerunzelt. Drohbriefe zu bekommen, das gehörte zu seinem Berufsalltag; niemand mochte Polizisten besonders, außer vielleicht geduldigen und liebenden Ehefrauen oder Hunden. Die Treue eines Hundes hielt ein Leben lang. Ehefrauen, na ja, er hatte viele Ehen in die Brüche gehen sehen, einschließlich seiner eigenen. Aber damals war er jung gewesen. Der Plan, Honey Driver zu heiraten, stand auf einem festeren Fundament. Er war jetzt älter. Sie waren beide älter.

Jemand hatte also was dagegen, dass er Honey heiratete? Es wussten nur relativ wenige Leute, dass sie so was Ähnliches wie verlobt waren; natürlich nicht offiziell. Ihm war einfach spontan die Idee gekommen, und er hatte sie gefragt. Sie hatten lange miteinander geredet und beschlossen, ernsthaft darüber nachzudenken. Ernsthaft, das hieß, dass sie überlegten, wo die Trauung und die Party stattfinden sollten und ob sie in die Flitterwochen fahren würden.

Warum sollte jemand etwas gegen diese Heirat haben? Seine Exfrau bestimmt nicht. Bei der Trennung waren sie beide verbittert gewesen, das hatte sich jedoch entschieden verbessert, sobald sie richtig geschieden waren und weit von einander entfernt lebten. Inzwischen rief sie nicht mal mehr bei ihm an. Seine Tochter sah er eigentlich auch nicht sonderlich oft. Die lebte ihr eigenes Leben, brauchte ihren eigenen Raum. Manchmal schickte sie ihm eine SMS, zum Vatertag oder zum Geburtstag.

Da Honeys Exehemann tot war, konnte es auch aus dieser Ecke keine Einwände geben, und ihre Tochter Lindsey war sehr dafür, dass sie endlich heirateten. Bei Honeys Mutter lag der Fall schon ganz anders. Gloria Cross hielt nicht sonderlich viel von Dohertys Referenzen. Schlimm genug, dass er Polizist war, obwohl sie vielleicht umdenken würde, wenn er Polizeipräsident wäre. Weitere Argumente gegen ihn als potenziellen Ehemann waren zum einen, dass er kein Geheimkonto bei einer Schweizer Bank hatte, und zum anderen, dass er sich nicht gern rasierte. Gloria Cross stand einfach nicht auf Dreitagebärte. Honey dagegen liebte seine borstigen Stoppeln.

Er strich sich mit der Hand übers Kinn, hörte das raue Rascheln und musste lächeln. Wenn er daran dachte, dass er sich zunächst gar nicht mit ihr hatte treffen wollen … Der Chief Constable hatte Steve Doherty als Honeys Kontaktmann bei der Polizei ausgesucht, als sie gerade ihre Aufgabe als Verbindungsperson des Hotelfachverbands von Bath zur Kripo übernommen hatte. Er war gewieft und beinhart und sah mit und ohne seine Klamotten blendend aus. Er bevorzugte lässige Kleidung: Jeans (teure), schwarzes T-Shirt, schwarze Lederjacke, Schuhe mit weichen Sohlen, auf denen man sich rasch bewegen konnte, wenn es darum ging, einen Verbrecher zu stellen.

Seine Augen waren kobaltblau und wurden noch eine Schattierung dunkler, wenn die Angelegenheit ernst wurde. Sie wurden auch dunkler, wenn er an Honey dachte, geheime Gedanken, die er nur ihr gegenüber aussprechen würde. Sie fuhr ihm gern mit den Fingern durchs Haar, besonders im Nacken. Er zog sich auch bei der Arbeit lässig an und ging nirgends ohne seine Lieblingslederjacke hin, die schon einige Jahre alt war, aber hervorragend zu seinem Körperbau und seinem lässigen Stil passte.

Ursprünglich war er nicht gerade erfreut darüber gewesen, dass er zu irgendeinem Mitglied des Hotelfachverbands Kontakt halten sollte. Er hatte sich den Vertreter dieser Vereinigung als einen aalglatten Hotelmanager mit politisch korrekten Ideen vorgestellt. Diese Sorgen hätte er sich nicht zu machen brauchen.

Stattdessen war Honey Driver aufgetaucht. Eine Frau in den besten Jahren, mit einer griffigen Figur, das heißt gut gepolstert und kurvenreich, und mit einem ausgeprägten Sinn für Humor.

Ehe sie sich kennengelernt hatten, hatte er die Idee abgelehnt und sich am Kinn gekratzt. Er hatte dem Chief Constable sehr deutlich mitgeteilt, was er von dieser Neuerung hielt.

»Ich hab was gegen Amateure«, hatte er verkündet. Nachdem er Honey kennengelernt hatte, hatte er seine Meinung schnell geändert.

Sie war auf angenehme Art sexy, hatte einen wachen Verstand und war ziemlich fit. Und sie sah, genau wie er, mit und ohne Kleidung gut aus.

Sie hatte nichts für winzige Tangas übrig. Sie lebte auch nicht nur von Salat-Sandwiches. Und er wusste, dass sie manchmal sogar figurformende Unterwäsche trug. Dann sah sie in hautengen Kleidern sensationell aus.

Erst hatte er sie kennengelernt, dann hatte er sie lieben gelernt, und dann hatte er mit ihr geschlafen. Und jetzt dachten sie über eine Heirat nach. Sie hatten beide ihre Vorgeschichten, Töchter etwa im gleichen Alter. Die letzte Neuigkeit von seiner Tochter war, dass sie mit dem Rucksack durch Europa reiste.

Er hatte sich nie auch nur im Traum vorgestellt, dass es mit der Heirat Probleme geben könnte – bis heute.

Im Augenblick war er eher verärgert als neugierig, faltete das Blatt wieder zusammen und dachte nach. Er schnippte mit dem Finger an das Papier.

»Pappt was an den Fingern, Chef?«

Der Sprecher trug den Spitznamen Wizard. Eigentlich hieß er Harold Potter, und bis J. K. Rowling ihren Riesenerfolg hatte, war er für alle nur Harry oder Potter gewesen. Seit man dem Zauberlehrling an allen Bücherständen und im Kino begegnete, hatte Potter den Spitznamen Wizard weg.

Er war einundfünfzig Jahre alt und hatte nicht nur jahrelange Erfahrung mit der Polizeiarbeit auf dem Buckel, sondern auch dank vieler Besuche in der Kantine und der wirklich ausgezeichneten Cornish Pasties einige Pfunde zu viel auf den Rippen und ähnelte eher dem Riesen Hagrid als Harry Potter, aber die Jungs in Blau hatten sich nun mal entschieden. Also war er Wizard.

Wizard wollte sich wahrscheinlich nicht erkundigen, ob Doherty klebrige Süßigkeiten gegessen hatte, sondern vorsichtig anfragen, ob Doherty ihm vielleicht den Inhalt der Nachricht anvertrauen wollte – aus rein freundschaftlicher Neugier natürlich.

Doherty wollte das nicht. Diese Sache ging nur ihn persönlich an.

»Könnte ich vielleicht 'ne Tasse Tee bekommen?«, fragte er fröhlich.

Sicher doch. Bei Wizard kochte eigentlich immer der Wasserkessel, und gleich daneben stand auch eine Dose mit Schokoladenkeksen.

»Immer noch keinen Zucker für Sie?«, fragte Wizard.

»Ich muss an meine Figur denken.«

Wizard reagierte auf diese knappe Antwort mit einem Lächeln.

»Ich kann mir gar nicht vorstellen, für wen Sie sich so kasteien«, fügte er hinzu, als er sich seitlich durch die Tür quetschte und dabei kaum zwanzig Zentimeter Luft blieben.

Als Doherty wieder allein war, musterte er den Umschlag, in dem der Brief gekommen war, noch einmal genauer. Der Poststempel war ganz schwach zu lesen: Edinburgh. Er spitzte die Lippen. In Edinburgh war er noch nie gewesen, und er konnte sich auch nicht erinnern, dass er dort jemanden kannte.

Der schlichte braune Umschlag war unauffällig und billig, wahrscheinlich irgendwo in einem 1-Pfund-Laden in einem ganzen Päckchen gekauft.

Er war an ihn persönlich adressiert und ging nur ihn was an – ihn und natürlich Honey –, also würde er ihn nicht ins Eingangsbuch einschreiben. Er würde auch niemandem davon erzählen.

Der Umschlag mitsamt dem Brief verschwand in seiner Jackentasche, ehe Wizard mit dem Tee zurückkam.

Doherty bedankte sich für den Tee und die beiden Schokoladenkekse, die auf einer Untertasse mit gelben Punkten lagen. Früher waren es mal vier Schokoladenkekse gewesen, aber inzwischen dachte Wizard erst an sich und dann an alle anderen. Mit dem Leibesumfang war auch sein Appetit gewachsen. Oder war es umgekehrt?

Doherty schaute in seine Teetasse, während er zu dem Schluss kam, dass der Brief ein übler Scherz war. Und doch ärgerte er ihn.

Jemand hatte sich die Mühe gemacht, ihn zu schicken. Er konnte am Umschlag einen DNA-Test vornehmen lassen, aber irgendwie vermutete er, dass dabei nichts rauskommen würde. Wer nicht seit Jahren auf einer einsamen Insel wohnte, die auf keiner Karte verzeichnet war, der wusste einfach, dass sich die DNA zurückverfolgen ließ. Allerdings konnte es sich ohnehin nur um einen Verrückten handeln, der was gegen ihn hatte.

Aber was, wenn es anders war? Wenn der Absender ihn beobachtete oder auf eine Gelegenheit lauerte, nah genug an ihn heranzukommen und seine Drohung wahrzumachen? Oder die Absenderin ihre Drohung?

Er war sich nicht bewusst, dass ihm jemand in letzter Zeit gefolgt war. Honey hatte auch keine Stalker erwähnt, die sich hinter ihr in Ladeneingänge drückten.

Was jetzt? Es saß mit verschränkten Armen da und dachte nach. Die Sache war: Er konnte es nicht über sich bringen, Honey den Brief zu zeigen. Erstens würde sie es bestimmt nicht freuen, dass sie jemand als überreife Schlampe titulierte. Und dann war da die Angst. Er wollte nicht, dass sie sich fürchtete. Er wollte, dass sie lustig und sexy blieb wie immer.

Mach einfach weiter, als wäre nichts geschehen, sagte er sich entschlossen, bis was passiert und du umdenken musst.

Kapitel 2

»Mein Name ist Trevor Templeton. Ich bin zur Hochzeit meiner Enkelin hier.«

Seine Stimme war so dunkel wie seine Haut. Das Haar war kraus, ganz kurz geschnitten und an manchen Stellen schon ein wenig grau. Zum weichen Grau seines Cut trug er eine zartgelbe Weste und ein burgunderrotes Halstuch. Aus den seidigen Falten des Tuchs blitzte eine winzige Diamantnadel in Form eines T, seiner Initiale, hervor. Er hatte einen grauen Zylinder unter den Arm geklemmt.

Honey überlegte, wo sie ihn schon mal gesehen hatte.

Oder gehört? Seine Stimme war so einprägsam wie seine Erscheinung. Er sprach in einer angenehmen Baritonlage und ziemlich leise. Das ist fast wie ein Raunen ganz nah an meinem Ohr, überlegte sie.

Nur mit der Ruhe, Mädel. Du bist vergeben, okay?

Ehe sie auch nur eine Chance hatte, darüber nachzudenken, sprudelten ihr die Worte aus dem Mund: »Sie sind wirklich …«

»Groß? Dunkel? Attraktiv?«

Sein Lächeln war unglaublich aufregend, und obwohl Honey kürzlich einen Heiratsantrag erhalten hatte, war sie doch fest von dem alten Spruch überzeugt, dass es selbst Menschen, die eine Diät machten, sehr wohl gestattet war, einen Blick auf die Speisekarte zu werfen. Und Trevor Templeton war eindeutig eine Sahneschnitte.

Normalerweise schlüpfte Honey so leicht in ihre professionelle Rolle wie in ihre Klamotten. Heute Morgen bestand ihr Hotel-Outfit aus einem dunkelblauen Kleid, dunkler Strumpfhose und ein Paar italienischen Pumps. Die Schuhe waren aus schwarzem Wildleder, hatten sieben cm hohe Absätze und eine Seidenschleife an der Vorderkappe.

Gewöhnlich trug sie bei der Arbeit keine so schicken Modelle. Sieben cm hohe Absätze reservierte man besser für verführerische kleine Augenblicke, ehe man die Schuhe und einiges sonst noch ablegte. Heute hatte Honey jedoch eine Ausnahme gemacht, und sie war froh darüber. Es stellte sich nämlich heraus, dass diese superschicken Pumps so bequem wie Hausschuhe waren.

Hinter dem Empfangstresen verborgen, dehnte sie erst die eine, dann die andere Wade. Ihre Beine konnten sich wirklich sehen lassen.

Sie lächelte Trevor Templeton freundlich an.

»Entschuldigung. Ich kann mich einfach des Gedankens nicht erwehren, dass ich Sie schon mal irgendwo gesehen habe. Sind Sie berühmt?«

Er zuckte die Achseln. »Ich versuche, es nicht zu sein.«

Sie wusste, dass er sie aufzog, und wäre beinahe errötet, bekam sich aber gerade noch in den Griff und gab vor, auf dem Bildschirm des Computers die Reservierung zu suchen.

»Ein Einzelzimmer. Das stimmt doch?«

Er nickte. »Es gibt keine Mrs Templeton – nun ja – nicht mehr.« Sein Lächeln wurde traurig. »Sie ist von mir gegangen.«

»Oh, das tut mir leid«, sagte Honey.

»Nicht nötig. Sie ist von mir weggegangen und zu einem jüngeren Mann mit einem Rennboot und einem Motor mit vielen PS. Die vielen PS hat natürlich das Boot. Bei dem Mann bin ich mir nicht so sicher!«

Honey lachte leise, errötete ein wenig und checkte ihn ein.

Die Hochzeit Templeton-Fox war eine Feier mit zweihundert Gästen. Das junge Paar hatte erklärt, es wolle nur einen kleinen Empfang. Bei Honey liefen Partys mit zweihundert Geladenen nicht unbedingt unter der Rubrik »klein«. Zum Glück kam das Green River Hotel mit dieser Anzahl von Gästen gerade noch klar.

Die Braut Soraya Templeton war beinahe eine Berühmtheit. Sie war nämlich in einer Reality-Show im Fernsehen aufgetreten und als Supermodel der Zukunft entdeckt worden. Sie war bereits Model, allerdings noch nicht sonderlich bekannt, führte zumeist für die Dessous-Industrie auf dem Laufsteg Push-up-BHs vor. Jetzt hatte sie die schwindelerregenden Höhen internationalen Starruhms im Visier. Die gleichen Vorzüge, die ihr auf dem BH-Markt zu bescheidenem Ruhm verholfen hatten, würden ihr wahrscheinlich auch helfen, dieses hehre Ziel zu erreichen.

Ihre Haut war nicht ganz so dunkel wie die ihres Großvaters, hatte eher die Farbe eines sahnigen Milchkaffees, und ihr Haar reichte ihr fast bis zur Taille und schimmerte. Sie schien Beine bis zur Schulter zu haben, die so lang waren, dass sich ihr Körper, wenn sie sich von einem Stuhl erhob, ein köstliches Stück nach dem anderen entfaltete.

Die hat bestimmt was machen lassen, da war sich Honey sicher. Lindsey war auch dieser Meinung.

»Titten wie Kanonenkugeln. Brustwarzen wie Türknäufe.«

Honey hob die Augen so weit, dass sie die beiden Prachtstücke der Braut mustern konnte. Man brauchte schon einige technische Unterstützung, um Brüste dieser Größe so hoch oben zu halten. Als wäre das nicht genug, betonte das Brautkleid diese künstlich vergrößerten Anhängsel noch. Die junge Frau hatte sich für den Empire-Stil entschieden, der vor allem im Regency-Zeitalter sehr beliebt gewesen war. Jane Austen hätte das weiße Kleid bestimmt gefallen. Der Ausschnitt war tief, und der Rock setzte unmittelbar unter den Brüsten an, umspielte die Hüften und war knöchellang.

Die Kleider der Brautjungfern waren im gleichen Stil gehalten, wenn auch in einem blassen Grün.

Die Braut trug einen Schleier und hatte ein Bouquet aus weißen Blüten, zwischen denen lange Efeuranken herunterhingen. Die Brautjungfern hatten Häubchen auf dem Kopf, und ihre kleineren Bouquets waren violett und gelb. Und ohne Efeu.

Für die Braut, ihren Vater und die Brautjungfern standen Oldtimer bereit, moderne Autos für die wichtigsten Gäste. Von den Kosten der Veranstaltung hätte eine hungernde Nation Reis für mindestens eine Woche kaufen können.

Der Bräutigam, der seidene Kniehosen und Frack trug, dazu ein dunkelrosa Halstuch, war Adrian Fox, ein Fernseh-Comedian von zweifelhaftem Ruf und, nach Honeys Meinung, äußerst bescheidenem Talent.

»Sarkasmus ist die niedrigste Form des Witzes«, hatte sie zu ihrer Tochter Lindsey gesagt, die den Mann aus irgendeinem obskuren Grund komisch fand.

Noch bevor die Gäste von der Trauung in der Abbey zurückkehrten, tauchte bereits Honeys Mutter auf. Gloria Cross rauschte herein, eine Augenweide in türkisfarbenem Chiffon, der in Form von zwei dreieckigen Schleiern hinter ihr her wehte. Sie war als Zuschauerin in die Abbey gegangen und mischte sich nun unter die Gäste. Mit ihrem Outfit passte sie hervorragend zu den vielen schönen Menschen in Designerkleidern und mit teuren Zahnimplantaten.

Honey flüsterte Lindsey zu: »Deine Großmutter sieht aus wie ein Segelflosser. Oder täuschen mich meine Augen?«

»Oma sieht wirklich aus wie ein Segelflosser«, flüsterte Lindsey zurück.

»Ich bin ja der Meinung, dass dazu immer zwei gehören«, verkündete Gloria Cross gerade, hatte die Stimme erhoben, damit man sie über das Lachen der Hochzeitsgäste, die interessanten Gespräche und anzüglichen Bemerkungen hinweg gut hören konnte.

Honey hatte keine Zeit, sich die Klatschgeschichten ihrer Mutter anzuhören oder sich über deren neueste gewinnbringende Vorhaben aufklären zu lassen, also bekam sie nicht alles mit, was gesagt wurde. Hätte sie besser aufgepasst, so wäre sie eher auf die kommenden Ereignisse vorbereitet gewesen.

»Tut mir leid, Mutter. Ich habe keine Zeit. Der Sektempfang hat angefangen, und ich muss schauen, ob in der Küche alles bereit ist«, entschuldigte sich Honey bei ihrer Mutter, war sich aber nicht sicher, ob die sie überhaupt gehört hatte.

Es stellte sich heraus, dass Honey sich unnötig Sorgen gemacht hatte. Wenn eines Gloria Cross in Verzückung geraten ließ, dann war das eine Hochzeit in der Bath Abbey, vorzugsweise von Brautleuten mit Geld, die wussten, wie man eine gute Show abzieht.

Ein Gast nach dem anderen begrüßte Gloria wie eine lang verschollene Verwandte, ohne ihren Namen kennen zu müssen. So ging es den Leuten wohl weltweit auf allen Hochzeiten.

»Schätzchen! Wie geht es dir?«

Honeys Mutter war in ihrem Element; sie flüsterte Mary Jane kurz etwas ins Ohr. Ihrer Tochter würde es noch leidtun, dass sie sich nicht die Zeit genommen hatte, ihr zuzuhören. »Wart’s nur ab. Ich bin noch nicht zu alt, um mit Überraschungen zu schocken!«

»Bist du Großtante Periwinkle? Ja natürlich, das musst du sein. Cynthia hat mir gesagt, ich sollte nach dir Ausschau halten. Komm mit, meine Liebe.«

Honeys Mutter lächelte lieblich und machte sich nicht die Mühe, zu erklären, dass sie mit dieser Hochzeitsgesellschaft rein gar nichts zu tun hatte.

Der Mann mit dem marineblauen Anzug und dem glänzenden Gesicht, der sie für Großtante Periwinkle hielt, hörte ohnehin nicht zu. Er hatte sie einfach verwechselt. Gloria Cross wehrte sich nicht dagegen, dass er sie mitten ins Gewühl führte.

Honey überprüfte, ob auch alles da war, was das glückliche Paar an Extras bestellt hatte.

Kristallweingläser, weiße Tischtücher, weiße Stoffservietten – keinesfalls doppellagige Papierdinger, die sich nach der halben Mahlzeit bereits auflösten. Die Tische waren mit silbernen Tischbändern dekoriert, riesige Blumenarrangements hingen an silbernen Ketten von der Decke, und Sträußchen in Vasen prangten zwischen den Gedecken.

Klick, klick, klick klapperten die Tasten der Rechenmaschine, die Honey hinter dem Empfangstresen hatte. Es war ein sperriges, altes Ding, und die Zahlen waren groß und auffällig, genau wie die Endsumme für die Hochzeit Templeton-Fox. »Da«, sagte sie und leckte sich beinahe die Lippen, als sie die köstlich überhöhte Bruttosumme betrachtete.

Es war wichtig, dass alles reibungslos lief. Um das zu überprüfen, flitzte Honey ständig zwischen dem Speisesaal und der Küche hin und her.

Erst als die Reden gehalten wurden und man Kaffee und winzige Stücke der Hochzeitstorte herumreichte, hatte sie ein wenig Zeit zum Ausruhen. Die Gäste waren mit Essen und Trinken reichlich versehen und wurden durch langweilige Reden und lahme Witze, die ohne jeden Lacher verpufften, in einen komaähnlichen Zustand gelullt. Die Pause zwischen dem Empfang am Nachmittag und der Disco am Abend gab dem Personal und dem Management die Chance, auch ein wenig auszuspannen.

»Ich geh mal eine Weile nach hinten ins Kutscherhäuschen«, sagte Honey zu ihrem Oberkellner.

Ihr taten die Füße höllisch weh. Das hat überhaupt nichts mit den Schuhen zu tun, redete sie sich ein. Die waren schließlich aus Italien. Das wusste doch jeder, dass man nur in Italien einen anständigen Haarschnitt und tolle Schuhe bekam.

In der Abgeschiedenheit ihrer Privatwohnung kickte sie die Pumps von den Füßen, zog die Strumpfhose aus, machte sich eine Tasse Tee und steckte die Füße in ein massierendes Fußbad. Sie hatte jetzt Zeit bis acht Uhr. Und sie hatte vor, es sich richtig gutgehen zu lassen. Die Füße einzuweichen, das war eine Top-Priorität.

Auch Lindsey nutzte die Pause. Sie schenkte sich eine Tasse Tee ein und stürzte sie beinahe in einem Zug herunter, ehe sie sich auf ihr Bett fallen ließ und die Stöpsel ihres iPods in die Ohren steckte.

Während Honey die Augen schloss und sich mit drei Petit Fours aus Marzipan entspannte, die sie von einem Tablett in der Küche gemopst hatte, wedelte Lindsey hingebungsvoll zu irgendwas Mittelalterlichem mit den Armen, das auf einer Laute gespielt wurde. Die beiden waren im Frieden mit der Welt. Die Mühen und Plagen in Gestalt der Hochzeits-Disco und des Saufgelages fingen erst um acht Uhr wieder an.

Bereit zum vollen Einsatz – Hochzeits-Discos endeten ja kaum mal vor Mitternacht –, kamen Honey und Lindsey ins Hotel zurück und hörten bereits Musik. Die eigentliche Hochzeitsparty hatte angefangen. Anstelle der gedeckten Tische war nun ein Büfett aufgebaut, dessen prächtiger Mittelpunkt eine große silberne Punschschüssel war. Die Gäste waren glücklich. Braut und Bräutigam waren glücklich. Und das Allerbeste, der Vater der Braut, der die Rechnung bezahlen sollte, war am allerglücklichsten. Keine einzige Person – mit Ausnahme der Kinder, die man nicht schon früh mit den Großeltern ins Bett geschickt hatte – grinste irgendwie dämlich oder kicherte albern. Es schien alles in Ordnung zu sein.

Das erste Anzeichen dafür, dass etwas mit der Hochzeitsgesellschaft nicht stimmte, war die Musik.

Man hatte eine Combo mit dem klingenden Namen Corsham Cupcakes engagiert, eine ziemlich förmlich gekleidete, professionelle Truppe, die im Hotel auch schon vorher bei Hochzeitsfeiern aufgetreten war.

Normalerweise spielte die Band melodiöse Stücke. Doch die Nummer, die sie im Augenblick zum Besten gab, bestand eher aus verkorksten Akkorden als aus getroffenen Tönen. Die Melodie war kaum noch zu erkennen.

Bisher war das überaus anzügliche Lied We’re Having a Gang Bang auch nie Bestandteil ihres Repertoires gewesen. Es war einfach keine normale Musik für eine Hochzeitsparty, doch dann erinnerte sich Honey daran, dass unter den Hochzeitsgästen einige Rugbyspieler waren. Die hatten oft ihre ganz eigenen Pläne.

Honey legte das Stück Hochzeitstorte, an dem sie heimlich hinter dem Tresen geknabbert hatte, auf den Teller zurück und fragte Lindsey: »Klingt das auch in deinen Ohren ein bisschen schräg?«

Lindsey schaute vom Computerbildschirm hoch, die Hände über der Tastatur. Sie war genauso verdutzt wie ihre Mutter.

»Dass es schräg ist, ist hier nicht das Problem. Aber das Lied passt einfach nicht zu den Cupcakes. Darf ich mal fragen, was ihr in den Punsch getan habt?«

Honey zuckte die Achseln. »Das Übliche. Alle möglichen Reste von uralten Likören, die wir nie verkauft haben, gemischt mit Obstsaft und einer Flasche billigem Sherry.«

»Klingt ganz schön stark. Nimmt irgendwer in dem Haufen vielleicht Viagra?«

Honey runzelte die Stirn. Sie hatte noch nie erlebt, dass eine Hochzeit in ihrem Hotel völlig außer Rand und Band geriet, und sie wollte diese Erfahrung auch jetzt nicht nachholen.

»Ich seh mir das mal an.«

Lindsey wandte sich wieder dem Computer zu und klickte auf eine andere Website, sobald ihre Mutter aus dem Weg war. Der Titel der Seite lautete: Sie wollen also Nonne werden? Was war das denn? Beabsichtigte Lindsey eine berufliche Veränderung? Oder wollte sie nur wieder einmal einen Schritt in die Vergangenheit tun?

Als Honey die Tür zum Speisesaal öffnete, in dem die Party stattfand, fielen ihr beinahe die Augen aus dem Kopf. Verglichen mit dieser Meute war Patrick Swayzee in Dirty Dancing ein Dreck.

Auch so manche römische Orgie wäre dagegen verblasst. Die Braut trug nur noch Strumpfbänder, Strümpfe und Unterwäsche, allerdings immer noch 10-cm-Absätze.

Der Bräutigam hatte die Hose ausgezogen, und das glückliche Paar tanzte etwas, das wie Tango aussah, wenn auch wesentlich erotischer, als Honey das je gesehen hatte.

Unter einigen Tischen konnte man schwach Beine und sich windende Körper ausmachen.

Die Corsham Cupcakes schienen sich auf die Anfangszeit ihrer Karriere zurückbesonnen zu haben, als die Punk-Ära gerade ihrem Ende entgegenging. Sie brüllten die Wörter des Songs mit Inbrunst, verfehlten dabei allerdings mehr Töne, als sie trafen. Das war eigentlich in Ordnung, denn es passte blendend zur Musik. Die passte allerdings gar nicht zur Veranstaltung.

Trevor Templeton, der Großvater der Braut, den Honey für eine ziemliche Sahneschnitte gehalten hatte, jagte hinter einer kichernden Frau her, und die beiden kamen auf Honey zugerannt. Honey schluckte. Dieses Flatterkleid würde sie überall erkennen.

Honey packte die Frau, als sie versuchte, unbemerkt an ihr vorbeizuhuschen.

»Mutter! Was machst du da?«

Die Augen ihrer Mutter waren glasig, ihre Wangen hochrot, ihr Lächeln war einfältig.

»Ich habe getanzt, aber dieser große, dunkle Typ hier wollte mit mir vor die Tür gehen.«

Ihre Mutter beugte sich näher. »Ich habe gesagt, erst muss er mich fangen. Der hat ganz schön arbeiten müssen für sein Geld. Ist er verheiratet?«

Honey kniff die Augen fest zusammen und schlug sie wieder auf. Nein. Der Alptraum war nicht verschwunden.

Trevor Templeton schaute genauso entrückt wie ihre Mutter. Die Gäste, die Band, sogar die Bedienungen schienen alle vollkommen zugedröhnt zu sein.

»Du kommst mit mir mit!«, knurrte Honey.

Ihre Mutter war nicht in der Verfassung, Protest dagegen einzulegen. Inzwischen machte sich Trevor Templeton bereits an eine große Blondine mit Riesenhänden heran, von der Honey sicher wusste, dass es ein Transvestit war.

»Komm mit mir vor die Tür, dann erlebst du eine große Überraschung«, nuschelte er.

»Die Überraschung wird ganz deinerseits sein«, murmelte Honey vor sich hin, ehe sie ihre Mutter durch die Doppeltür und in den Empfangsbereich bugsierte.

Nachdem sie Gloria bei Lindsey geparkt hatte, machte sich Honey sofort auf in die Küche. Noch nie zuvor hatte die Mischung aus uralten Likören und Obstsaft in einer Punschschüssel solche Folgen gezeigt. Jemand hatte irgendwas dazugeschüttet. Aber wer?

Sie stürmte in die Küche, pflanzte sich mitten im Raum auf, verschränkte die Arme und machte sich zum Kampf bereit.

»Okay! Wer war’s?«

Die Küchenangestellten sahen einander verwirrt an. Smudger Smith, ihr Chefkoch, runzelte die Stirn und fragte, was zum Teufel ihr einfiele, hier in seine Küche hereinzuplatzen und nach irgendeinem Schuldigen zu fahnden.

»Das wisst ihr ganz genau! Da draußen!« Sie deutete ungefähr in die Richtung des Chaos, das in der Hochzeitsgesellschaft ausgebrochen war. »Wer auch immer was auch immer in den Punsch gekippt hat, der kann sein blaues Wunder erleben. Also. Wer war’s?«

Smudger Smith schaute nach wie vor verdutzt drein. »Wer war was?«

»Da draußen findet eine Orgie statt. Die Leute reißen sich die Kleider vom Leib.«

Plötzlich kam Bewegung in die Küche. Eine Traube von Menschen in Kochmontur drängte sich um die Tür und machte sie einen winzigen Spalt auf. Der Lärm des Chaos, das Kichern, die Gesänge und das schreckliche Getöse der Band drangen herein.

»Bleibt hier!«

Es nutzte nichts. Die Küchenmannschaft schlich geschlossen auf leisen Sohlen zu der Tür, die direkt in den Speisesaal führte.

»Wow! Guck dir mal die Titten an!«

Honey kommandierte alle wieder an ihre Arbeitsplätze zurück.

»Habt ihr noch nie Titten gesehen?«, fragte sie ärgerlich, weil jegliche Disziplin den Bach runterging, sobald jemand auch nur eine verhüllte sexuelle Anspielung losließ.

Nach einigem Grinsen und dem gemurmelten Vorschlag, dass man doch auch mitmachen könnte, äußerte Smudger die Idee, man könnte auslosen, wer in den Speisesaal gehen und die Punschschüssel holen sollte.

Das Los fiel auf Kurt, den Küchenhelfer, der darin aber durchaus einen Gewinn sah.

»Und nicht heimlich probieren«, mahnte ihn Smudger.

Kurt versprach, nichts anzurühren.

Honey blieb stehen, wo sie war, die Hände in die Hüften gestemmt, und tappte ungeduldig mit dem Fuß. Als der müde wurde, wechselte sie zum anderen und tappte weiter.

Protestgeheul wurde laut, ehe Kurt wieder auftauchte und die Punschschüssel auf einer Arbeitsfläche aus Edelstahl absetzte.

Der Küchenhelfer war völlig außer Puste. »Die waren alles andere als erfreut, als ich die Schüssel weggenommen habe. Ich dachte, die lynchen mich gleich.«

»Die hätten dir eher die Hosen runtergerissen«, meinte Smudger.

Honey, Smudger und die übrige Küchenmannschaft versammelten sich um den Tisch und starrten auf den traurigen Rest am Boden der Schüssel.

»Sieht okay aus«, sagte Honey. Sie tauchte den Finger in das Getränk und leckte ihn ab. »Schmeckt auch okay.«

Smudger spitzte die Lippen. »Dir vielleicht. Und mir vielleicht auch. Ich tippe auf Cannabis. Wir brauchen jemanden, der den Geschmack sofort erkennt.«

»Da bin ich genau der Richtige.« Diese Antwort kam von der Spüle.

Rodney Eastwoods Spitzname war Clint, aber da hörte die Ähnlichkeit zu dem Hollywoodstar auch schon auf. Er hatte breite Schultern und einen Stiernacken, und sein Kopf war über und über mit Spinnen und ihren Netzen tätowiert. Clint war ihre regelmäßige Spülhilfe, aber nur gegen Bezahlung auf die Hand. Außerdem erkannte er jeden illegalen Stoff sofort. Es ging das Gerücht, dass er in seinem Leben schon ziemlich viel davon persönlich probiert hatte. Er hatte sich das Chaos im Speisesaal nicht mit angesehen, weil er Anna aus dem Weg ging. Anna und er hatten zwei Kinder miteinander. Vor einiger Zeit war sie in ihre Heimatstadt in Polen zurückgekehrt und hatte dort ein Café aufgemacht. Aber sie hatte Heimweh nach Bath bekommen. Inzwischen war sie wieder da und erneut im Green River Hotel angestellt. Honey war sich aber nicht sicher, wie es um die Beziehung zwischen Clint und Anna stand.

»Aber gern, bedien dich«, sagte sie zu Clint.

»Du gestattest.« Er tauchte seinen Finger in das Gebräu und leckte, schaute mit leeren Augen in die Ferne, während er die Flüssigkeit über die Zunge rollen ließ.

Alle blickten ihn erwartungsvoll an.

»Bin nicht sicher. Noch einen.« Wieder tauchte er den Finger in die Punschschüssel und leckte daran.

»Jawohl«, sagte er und nickte. »Jawohl. Gutes Zeug. Superstoff.«

Honey versuchte sich nicht aufzuregen, weil sie vielleicht aus Versehen etwas wirklich Kostbares in den Punsch gekippt hatte.

»Sag bloß nicht, dass die staubige Flasche Sherry ein Château Lafitte war, der Phantastilliarden wert ist!«, rief sie.

Clint schüttelte den Kopf. »Nein. Es hat zwar jemand was extra hinzugefügt. Aber Schnaps war es nicht.«

Honey bemerkte, dass Clint und Smudger, die heimlichen Kumpane, einander breit zugrinsten.

»Was? War die Mischung zu stark?«, fragte sie und wunderte sich über die selbstgefälligen Gesichter der beiden.

»Erstklassiger Stoff. Wirklich Cannabis. Tödlich, wenn man’s mit Alkohol mischt.«

Honey musterte die grinsenden Gesichter ringsum nach einem Anzeichen von schlechtem Gewissen.

»Wenn einer von euch …«

Alle leugneten.

Smudger stellte die einzigen sachdienlichen Fragen. »Wer hat den Punsch gemacht? Und wer hat ihn reingetragen?«

Honey war sprachlos. Sie hatte den Punsch gemacht. Und sie hatte ihn auch selbst in den Speisesaal getragen.

»Ich war’s nicht! Und wenn ich es nicht war und auch keiner von euch, dann muss es …«, sie legte eine Pause ein, »jemand anders gewesen sein.«

Kapitel 3

Es war gar nicht einfach gewesen, den Hochzeitsgästen ihre Drinks wegzunehmen. Die Party war trotzdem mit rasantem Schwung weitergegangen. Den letzten Gast hatte man gegen drei Uhr morgens ins Bett hinaufgetragen.

Am folgenden Tag waren alle beim Auschecken ziemlich kleinlaut. Die meisten hatten zum Frühstück nur Toast und schwarzen Kaffee zu sich genommen. Niemand wagte sich an Speck, Würstchen, Spiegeleier und Bohnen heran.

Braut und Bräutigam waren in die Flitterwochen aufgebrochen, beide mit Ray-Ban-Sonnenbrillen auf der Nase, damit man ihre übernächtigten Augen und die dunklen Ringe nicht sah. Brautvater Templeton hatte einen prächtigen Bluterguss auf der Wange, und der Transvestit ging so vorsichtig, als hätte man ihm seine edlen Teile in einen Schraubstock gequetscht.

»Gott sei Dank, das ist vorbei«, seufzte Honey, die gemütlich in ihrem Büro saß und beide Hände um eine große Tasse starken schwarzen Kaffee gelegt hatte.

Lindsey stimmte ihr zu. Heute war Sonntag, ihr ruhiger Tag, falls es so etwas überhaupt gab, wenn man ein Hotel in Bath führte. Schließlich gehörte die Stadt zum Weltkulturerbe und wimmelte zu jeder Jahreszeit vor Touristen.

Alexi, eine blonde Litauerin mit kühler Miene und einem knackigen Hinterteil, hielt am Empfang die Stellung. Der Sous-Chef kümmerte sich um das sonntägliche Mittagessen. Smudger, der Chefkoch, war zu einem Kricket-Match gegangen.

Honeys Mutter, Lindseys Großmutter, hatten sie am Abend zuvor mühsam in ein Taxi bugsiert. Bisher hatte das Telefon geschwiegen. Gloria Cross schlief offensichtlich ihren Rausch aus.

Honey seufzte, wackelte mit den Zehen und machte eine Bemerkung darüber, wie glücklich diese Zehen aussahen. Sonntag war ein Tag zum Ausruhen, und ihre Zehen, ach was, ihre ganzen Füße brauchten sicherlich Ruhe.

Lindsey reagierte nicht. Sie saß mit zurückgeworfenem Kopf und geschlossenen Augen da. Honey wusste instinktiv, dass Lindsey sich nicht ausruhte. Ihre Tochter dachte angestrengt über etwas nach, ließ sich etwas mit der Geschwindigkeit und Präzision der Computer durch den Kopf gehen, mit denen sie so gut klarkam.

Lindsey war ein Wunderkind, was moderne Technik betraf, hatte aber auch eine Vorliebe für Geschichte, besonders die des Mittelalters.

Honey vermutete, dass es etwas mit einem Mann zu tun hatte. »Wer ist er also?«

»Was?«

»Der neue Mann in deinem Leben?«

»Fehlanzeige. Eigentlich niemand.«

Honey war so leicht nicht hinters Licht zu führen. Irgendwas an Lindseys Tonfall ließ sie vermuten, dass ihre Tochter etwas vor ihr verbarg.

Honey überlegte, was Lindsey in der vergangenen Woche gemacht hatte, und versuchte daraus Hinweise abzuleiten.

Sie hatte von Montag bis Samstag geschuftet, und zwar von der Frühstücksschicht bis spätabends, weil Alexi im Urlaub gewesen war. Anna, die jetzt wegen ihrer Familienpflichten nur Teilzeit arbeitete, war heute nicht da, weil eines ihrer Kinder Masern hatte.

»Sie wünschen nicht Pickel?«, hatte sie auf ihre unnachahmliche Art gefragt.

»Ich wünsche mir nie Pickel«, hatte Honey geantwortet. Die Vorstellung, dass Hotelgäste und Restaurantbesucher Ausschlag bekommen würden, war ihr gar nicht willkommen.