Hazel Rosenstrauch

Wahlverwandt und ebenbürtig

Caroline und Wilhelm von Humboldt

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Herausgegeben von
Klaus Harpprecht und Michael Naumann

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ISBN 978-3-8477-5292-9

© für die deutschsprachige Ausgabe: AB – Die Andere Bibliothek GmbH & Co. KG, Berlin www.die-andere-bibliothek.de

Wahlverwandt und ebenbürtig von Hazel Rosenstrauch ist Juli 2009 als zweihundertzweiundneunzigster Band der Anderen Bibliothek erschienen und inzwischen vergriffen.

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Covergestaltung: Ute Henkel

Herausgabe: Klaus Harpprecht und Michael Neumann

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Inhaltsübersicht

Impressum

DIE ANDERE BIBLIOTHEK

Erster Teil Aufklären und Aufwärmen

Vorspiel: Ein modernes Paar

Freiheit und Nähe

Die Vermessung der Innenwelt

Ich und wir, wir und sie, Du und ich

Welterfahrung, Netzwerke, Geist und Geld

Revolution und Inspiration: Paris im August 1789

Rituale und Familienennui

Pygmalionsyndrom

„… mit dieser Liebe hat sich so eine himmlische Ruhe, so ein froher Genuß gegattet“

„Offenbar sind wir im Werden“

Auf Schillers Schloß

Das gestörte Gleichgewicht, die Kunst und die Frauen

„Wo Jugend und Reife noch miteinander streiten …“

Hinaus in die Welt

Ein Sammelpunkt für Dichter und Politiker, Franzosen und Deutsche

Vernunft und Kunst, Kritik und Begriff

Spanien: Eine ganz andere Étiquette

„Der Himmel war göttlich gestirnt und das Mondlicht zitterte auf schwarzen Wellen“

Auf der Suche nach einem Platz

Endlich Rom

Zweiter Teil Eintritt in die Weltgeschichte

Zwischen Politik und beschaulichem Leben

Bilder und Bildübermalungen

Entweder – oder und sowohl – als auch

Gemütlichkeit und Kriegsvorbereitung

Die Verwandlung

Gesinnung, Patriotismus, Enthusiasmus

Judaeophobie – eine deutsche Affäre

Unvermeidbarer Exkurs

In Einsamkeit und Freiheit

Die Schlacken der Wirklichkeit

Geist und Tat und Illusion

„Bruchstück einer Selbstbiographie“

Geschäftige Muße

Stimmengewirr

Spieler und Spielgefährtin

Epilog: Rom im April 2008

Personenverzeichnis

Literatur

Dank

DIE ANDERE BIBLIOTHEK

Die 1984 von Hans Magnus Enzensberger und dem Verleger und Buchgestalter Franz Greno begründete Buchreihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK ist längst zum Bestandteil unserer deutschsprachigen Lesekultur geworden. Monat für Monat ist seit Januar 1985 ein Band erschienen – »Gepriesen und geliebt« (Frankfurter Allgemeine Zeitung). An dem Anspruch, intellektuelles und visuelles Vergnügen zu verbinden, hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert:

DIE ANDERE BIBLIOTHEK ist die »schönste Buchreihe der Welt« (Die Zeit).

Seit Januar 2011 wählt der Herausgeber Christian Döring monatlich sein Buch aus und gibt es im Verlag DIE ANDERE BIBLIOTHEK unter dem Dach des Aufbau Hauses am Berliner Moritzplatz heraus. In Haltung, Gestaltung und Programm hat sich am Anspruch seit drei Jahrzehnten nichts geändert: »Wir drucken nur Bücher, die wir selber lesen möchten.«

Das Programm der ANDEREN BIBLIOTHEK folgt inhaltlich seit Anbeginn nur einem Maßstab: Genre-, epochen- und kulturraumübergreifend wird entdeckt und wiederentdeckt, die branchenübliche Einteilung in Sachbuch und Literatur hat nie interessiert, der Klassiker zählt so viel wie die Neuerscheinung. Es gilt der »Kanon der Kanonlosigkeit«, nur Originalität und Qualität sollen zählen.

– Jeden Monat erscheint ein neuer Band, von den besten Buchkünstlern gestaltet.

– Die Originalausgabe erscheint in einer Auflage von 4.444 Exemplaren – limitiert und nummeriert.

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Ich widme dieses Buch meinem Vater Oskar Rosenstrauch, der die Fertigstellung nicht mehr erlebt hat. Er ist im Juli 2008 gestorben.

Die Arbeit wurde gefördert von der Stiftung Baumgart, der Frankfurter Stiftung maecenia für Frauen in Wissenschaft und Kunst und der Stiftung Preußische Seehandlung.

ERSTER TEIL
AUFKLÄREN UND AUFWÄRMEN

Eine neue Schöpfung muß aus dem Chaos

gesammelter Materialien hervorgehen.

W. von Humboldt an Chr. G. Körner, 19. November 1793

Vorspiel: Ein modernes Paar

Wilhelm von Humboldt gehört zu den Monumenten der deutschen und der preußischen Geschichte. Ist er berühmt, weil er die Berliner Universität gegründet und das deutsche Bildungsideal erfunden hat, das bis vor kurzem als Exportschlager galt? Ist er bis heute präsent, weil Absolventen humanistischer Gymnasien ihr Elitebewußtsein mit ihm in Verbindung bringen? Oder weil er als Dritter im Bunde der deutschen Klassiker gilt? Kennt man ihn heute vor allem als Bruder Alexander von Humboldts? Und welche Frau(en) stand(en) hinter ihm, als er diesen Ruhm erwarb?

Wilhelm war ein Mann von Welt und eine Autorität auf dem Gebiet der Antike, er wird als früher Anthropologe und Vorläufer der Linguistik gefeiert. Der Titel „geistiger Urheber der Wiederherstellung Preußens, Deutschlands und Europas“ eignet sich nicht mehr als Inschrift für ein Denkmal. Er hatte Witz, was seine Zeitgenossen bezeugen, aber in seinen Schriften hat sich das kaum niedergeschlagen. Auch seine besten Freunde fanden, daß er sich schwerfällig ausdrücke. Sein Engagement als „Geheimer Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht“ im preußischen Ministerium des Inneren dauerte nur 14 Monate, aber dieser Tätigkeit verdankt er seinen Ruf als wichtiger Reformer, der in einem Atemzug mit Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Staatskanzler Karl August – seit 1814 Fürst – von Hardenberg genannt wird. Er hat viel Schriftliches hinterlassen, nur wenig zu Lebzeiten veröffentlicht, er hat vieles angefangen, was er nicht zu Ende führte, und wurde doch schon zu Lebzeiten als überragender Kopf gerühmt. Vielleicht hat er seinen Platz im deutschen Gedächtnis, weil er ein Reformer in Worten und Taten war – ein Intellektueller, der praktisch gewirkt hat.

Caroline, geborene von Dacheröden, war wie ihr Mann ein starker Charakter, hoch gebildet und der Idee der – individuellen – Freiheit zugetan. Sie war, schreibt er, „die lebendige Kraft“, die auf ihn eingewirkt hat. Falls die Überlieferung ein korrektes Bild zeichnet, war sie Wilhelms Anker, ein Gegenüber, an dem er Begriffe und Gedanken, Moral und Gemüt am intimsten erprobt hat, das „Du“, das in Humboldts Sprachwissenschaft eine zentrale Rolle spielt: „Im Menschen aber ist das Denken wesentlich an gesellschaftliches Daseyn gebunden, und der Mensch bedarf […] zum blossen Denken eines dem Ich entsprechenden Du […]. Der Begriff erreicht seine Bestimmtheit und Klarheit erst durch das Zurückstrahlen aus einer fremden Denkkraft.“ [GS VI, S. 160]

Carolines weibliche Wärme und männliche Klugheit wird von Friederike Brun, einer dänischen Schriftstellerin, selbst sehr klug und stolz, beschrieben. Sie nennt die Mittdreißigerin „eine jener seltenen Frauen, auf deren Art Deutschland unter allen mir bekannten Nationen vielleicht einzig das Recht hat, stolz zu sein. Kenntnisreich in einem Grade, daß sie nur, für eine Gelehrte gehalten zu sein, wollen dürfte; einen Verstand besitzend, der die Region männlichen Ernstes und männlicher Umfassungskraft so erreicht, daß nur liebenswürdige Weiblichkeit es uns verbirgt, wie bedeutend die Eroberungen auf diesem streng von den Herren der Welt bestrittenen Boden seien; mit einem Sinn für das Höchste und Schönste in Poesie und Kunst begabt, wie ihn der Himmel nur seinen Lieblingen verleiht; dazu kommt eine Persönlichkeit, welche diese seltenen Gaben des Geistes ankündigend, solche mit dem gewinnendsten Ausdruck einer Herzensgüte vereinigt, welcher noch nie über das reiche Vermögen zugemutet ward.“ [Haarbeck, Familie, S. 76]

Beide Partner wuchsen in adeligen, begüterten Familien auf. Das große Geld und ansehnlicher Grundbesitz kamen im Falle Humboldts von der – tüchtigen, eher kühlen – Mutter, die einer reichen hugenottischen Familie entstammte, eine schottische Großmutter und Spiegelfabrikanten zu ihren Vorfahren zählte. Sie hatte Geld und Güter aus ihrer ersten Ehe mitgebracht. Ihrem ersten Mann gehörten neben einem Haus in Berlin, Jägerstraße 21, die Güter Ringenwalde, Falkenberg und Tegel, letzteres – das Wilhelm erbte – etwa 185 Morgen groß, mit Acker- und Gartenland, Wiesen, einem Werder im Malchsee, einem Wirtshaus, einer Mühle und einem Weinberg. Über das Vermögen konnten Wilhelm und Alexander erst nach dem Tod der Mutter verfügen. Zu den Haupteinnahmequellen des Vaters Alexander Georg von Humboldt zählten der Holzhandel, die Pacht des Zahlenlottos und die Tabakregie. Als Trabanten, Amtsschreiber, Bürgermeister, Offiziere und Kammerherrn standen Wilhelms Vorfahren seit Anfang des 17. Jahrhunderts dem brandenburgischen und preußischen Hof nahe, angesehenes, oberes Bürgertum. Der Adelstitel des Vaters, ein einfaches „von“, war noch frisch, erst 1738 verliehen. Den Freiherrntitel bekamen erst die Enkel 1875, was weder Wilhelm noch Alexander hinderte, ihn zu tragen.

Carolines Stammbaum ist gewichtiger, sie entstammt einem „altthüringischen wehrhaften Geschlecht“ mit einem Wappen, auf dem ein wilder Mann mit Keule abgebildet ist. Ihr Vater besaß mehrere Güter (samt Dörfern und dazugehörigen Bauern, um die sich Caroline, heißt es, rührend gekümmert habe) und ein repräsentatives Stadthaus in Erfurt.

Zu den Gemeinsamkeiten gehört, daß beide den identitätsstiftenden Elternteil früh verloren haben – Wilhelm den Vater, als er zwölf, Caroline die Mutter, als sie acht Jahre alt war. Beide haben ihre Kindheit „unglücklich“ genannt, beide haben Wärme und Verständnis vermißt. Wilhelm wurde zuviel beaufsichtigt und mußte, wird er mehrfach klagen, jede spontane Regung unterdrücken, Caroline wurde von einer ältlichen französischen Erzieherin mehr bewacht als erzogen. Sie lebte bis zur Hochzeit die meiste Zeit abgeschieden auf dem Land. Vater und Bruder sah sie angeblich nur bei den Mahlzeiten, andererseits habe sie sich, wie Wilhelm nach ihrem Tod in einer biographischen Skizze seiner Frau bemerkte, durch den Umgang mit den Freunden ihres Vaters an Selbständigkeit gewöhnt und „an männlichen Gegenständen“ gebildet.

Stärker als ehrfurchtgebietende Stammbäume haben die „modernen“ Leidenschaften die beiden verbunden: Bildung, Vervollkommnung der Persönlichkeit, das Interesse an Kunst und genauer Beobachtung, Beschreibung und Entwicklung ihrer zarten Empfindungen. Beide sind von modernen, aufgeklärten Erziehern geformt worden: Caroline von Rudolf Zacharias Becker, Hofmeister bei der Familie von Dacheröden, dem sie, wie sie in einem ihrer Briefe formuliert, alles verdankte. Wilhelm stand in den ersten Jahren seiner Erziehung unter dem Einfluß von Joachim Heinrich Campe, der von 1769 bis 73 und nochmals 1775 bis 76 Hauslehrer der Brüder Humboldt war. Campe – Sprachforscher, Pädagoge, Verleger, Übersetzer und Bearbeiter des „Robinson Crusoe“ – hat den 22jährigen auf dessen erste große Reise begleitet: in das Paris der Revolution, 1789, knapp drei Wochen nach dem Sturm auf die Bastille. Sowohl Campe wie Becker wurden später Lehrer am Basedowschen Philantropin in Dessau, der modernsten pädagogischen Anstalt am Ende des 18. Jahrhunderts. Geleitet und richtungweisend organisiert wurde die Bildung der Humboldt-Brüder von Gottlob Johann Christian Kunth, der die Knaben in den Kreis der Berliner Aufklärer wie Johann Jakob Engel, Christian Wilhelm Dohm und Marcus Herz einführte und von den besten unter ihnen unterrichten ließ. Die Erziehung durch aufgeklärte Pädagogen war einflußreicher als ein Adel, den man sich für die Jahre zwischen Französischer Revolution und Napoleonischen Kriegen nicht als Gegensatz zu bürgerlicher Emanzipation denken sollte. Campe, Becker und Kunth haben die Tür zur Moderne, zu aufregenden neuen Gedanken und Verhaltensweisen aufgestoßen.

Das Paar fügt sich nicht gut in die Vorstellungen von klassischer Rollenverteilung. Wilhelm von Humboldt ist nicht gerne hinausgegangen ins feindliche Leben, er hat lieber um seine moralische Vervollkommnung gekämpft und stets versucht, Geschäfts- und Gelehrtentätigkeit, privates und öffentliches Glück in Einklang zu bringen. Er hat sich am Anfang der Ehe trotz des äußeren Drucks der Familien gar nicht erst auf eine solide Beamtenlaufbahn eingelassen und sich 1819 (nach Verabschiedung der Karlsbader Beschlüsse, dem Versuch, das Rad der Geschichte zur Ständegesellschaft zurückzudrehen) erzwungenermaßen und froh darüber ins Privatleben zurückgezogen. Die „profane Machtausübung“ hat ihn gelangweilt, auch wo er seine Pflicht für Staat und Volk erfüllte, wollte er Freiheit, Schönheit und die Entfaltung der Persönlichkeit befördern. Im Unterschied zu anderen Intellektuellen seiner Zeit – wie dem Jugendfreund Friedrich von Gentz, dem Dichter Ludwig Tieck, Brendel Veit, der Tochter von Moses Mendelssohn, und deren zweitem Mann Friedrich Schlegel – ist er weder der Ruhmsucht noch der Wende zum Mystizismus erlegen.

Caroline war nicht nur Gattin und Göttin Wilhelm von Humboldts. Das haben Goethe, Schiller und viele andere bezeugt. Sie konnte sehen. Ihre Kunststudien haben Goethe so beeindruckt, daß er sie um Nachrichten über Kunstwerke und Künstler bat und ihre Bildbeschreibungen – allerdings anonym – drucken ließ. Sie sprach Französisch, Italienisch, Spanisch und Englisch und hat das Griechische gelernt, um mit Wilhelm gemeinsam an den Übersetzungen (Pindar, Aischylos) zu arbeiten. Sie wurde im Zeichnen und Klavierspiel unterrichtet, hat Gedichte verfaßt, hat Übersetzungen – ebenfalls nicht unter ihrem Namen – veröffentlicht und war Mäzenin vieler Künstler, denen sie Aufträge verschafft und seelischen Beistand gegeben hat. Ihr selbständiges Urteil und ihr charmantes Auftreten fanden viele Bewunderer. Schiller nannte sie „eine starke Seele bei aller feinen zarten Fühlbarkeit“. Sie hatte dezidierte Ansichten über künstlerische wie politische Angelegenheiten und war auch an Naturwissenschaften interessiert. Sie berichtete ihrem Gatten über Ereignisse, die für seine Tätigkeit als Gesandter wichtig sein konnten, schätzte, während sie in Wien und er in Prag, sie in Berlin und er in Wien lebte, die politische Lage ein und gab ihm Ratschläge für seine Auseinandersetzungen mit Hardenberg. Wilhelm ließ sich von ihr gern beraten.

Die beiden haben ihre Liebe entworfen, lange bevor Gefühle ein unverzichtbarer Bestandteil der Ehe wurden. Caroline hat acht Kinder geboren, getröstet, beweint oder unter die Haube gebracht. Sie hat, wie das die modernen Frauen der Oberschicht damals rousseauisch beeinflußt taten, ihre Kinder selbst gestillt. Von den acht Kindern sind drei im Kindesalter gestorben. Das war zu ihrer Zeit nicht ungewöhnlich, aber ungewöhnlich war die Art, in der sich Wilhelm an ihren Gefühlen und auch an der Erziehung beteiligte. Abgesehen von Ammen und Erziehern, die stets zur Verfügung standen, waren beide Eltern für die Kinder da, beide haben die Kinder unterrichtet, wenn es gerade an einem Hauslehrer fehlte. Wilhelm ließ die Kleinen in seinem Arbeitszimmer spielen und unterrichtete auch die Mädchen. Ein großer Teil der Korrespondenz besteht aus Nachrichten über die Kinder, wobei auffällt, daß die Mädchen in den Briefen einen viel stärkeren Eindruck hinterlassen als die beiden überlebenden Knaben – was mit dem Tod des ältesten Sohnes zusammenhängen könnte. Die Eltern haben die Trauer, vielleicht sogar noch mehr als den Genuß, miteinander geteilt.

Während Wilhelm noch 1809, als das auch in Kreisen des Hofs nicht mehr üblich war, einen gepuderten Zopf trug, war Caroline – nach den Maßstäben ihres Standes – oft salopp gekleidet. Ihr Haar war dunkelblond (manche schreiben: kastanienbraun), die Augen waren hellblau, mit jenem besonderen Glanz, der damals allen liebreichen Frauen zugeschrieben wurde. Wilhelm wird als schmal, blaß, später auch mit hervorquellenden Augen beschrieben.

Sowohl Caroline wie auch Wilhelm haben ihre Liebe nicht auf den Ehepartner beschränkt. Es war eine moderne Ehe, Freiheit war beider Lieblingsgöttin – neben, ja vielleicht noch vor Schönheit, Genuß und dem innigen Gemüt, das Wilhelm an seiner Frau so sehr schätzte. Sein Bild als Mann und Ehemann ist befleckt, weil er regelmäßig ins Bordell ging – was überliefert ist, weil er über die Ausgaben ebenso genau Buch geführt hat wie über seine Besuche bei berühmten Persönlichkeiten.

Das Paar ist vierzig Jahre beisammengeblieben – wobei das „beisammen“ einschloß, daß Caroline und Wilhelm oft eine Fernehe führten, abwechselnd zwischen Berlin, Paris, Rom, Jena, Erfurt, Burgörner (einem der Güter der Dacheröden) oder London – weshalb auch so viele Briefe überliefert sind: 7 Bände, 3200 Seiten macht nur der Briefwechsel zwischen den beiden aus, von Wilhelm sind – nach einer mittlerweile überholten Zählung – über 12 400 Briefe erhalten, und auch Caroline hat Hunderte Briefe an Freundinnen und Freunde geschickt. Er richte, schreibt Wilhelm seiner Frau in einer schwierigen Zeit, „alle meine Urteile, meine Betrachtungen, meine Gefühle immer an Dich, und Du weißt gar nicht –, man kann es sich nie von einem anderen so vorstellen –, wie Du mir in meinen Gedanken ein Wesen bist, die über alles, was mich umgibt, und über mich selbst immer belebend, immer lenkend, treibend und mahnend waltet“ [London, 14. Juni 1814].

Die Sympathien für den Umsturz in Frankreich und die Skepsis gegenüber revolutionären Parolen, die Entstehung eines deutschen Patriotismus, die enge Freundschaft mit prominenten Figuren der jüdischen Emanzipation und später die Aversion (vor allem Carolines) gegen Juden, das Engagement für den Staat und der Rückzug ins Private wurden in den vergangenen zweihundert Jahren unterschiedlich bewertet. Caroline galt als Repräsentantin deutscher Weiblichkeit, Wilhelm als Vertreter des preußischen Griechentums, man sah „deutsches Sein und Wesen“ in beiden verkörpert, sie wurden gelobt und geschmäht – als adelig und innerlich, weltabgewandt und individualistisch, Reformen und Fortschritt befördernd oder auch bremsend: viele Attribute, die wenig erklären.

Erst wenn die Kästchen, in die „Bill“ und „Li“ – wie sie einander zärtlich nannten – eingeordnet worden sind, geöffnet und manche der Erzählungen umsortiert werden, kann das nicht immer nur harmonisch tändelnde Paar viel erzählen von seinem Umgang mit einer Welt im Umbruch, von den Konflikten zwischen Wirken und Selbstverwirklichung, Staat und Individuum, von der Liebe unter Gleichen und der Vervollkommnung in einer unvollkommenen Welt – einschließlich der Kämpfe mit einem bigotten König (Friedrich Wilhelm III.) und einem eitlen Reformer (Karl August von Hardenberg). Dann läßt sich vielleicht besser verstehen, wieso Humboldt nach all den Beschäftigungen – mit Anthropologie, Antike, Religion, mit der Rolle des Staates und der Entwicklung der Ästhetik – beim Studium von vielen, zum Teil sehr ausgefallenen Sprachen landet (nicht nur Gälisch und Isländisch, auch Muhhekaneew oder Tonganisch). Dann erst läßt sich fragen, ob sich Humboldt von den Welthändeln zurückgezogen hat oder ob er ins Zentrum jenes „Zwiespalts“ zwischen Tat und Idee, Individualismus und sozialer Gesinnung vorgestoßen ist, der bis heute als deutsches Dilemma gilt.

In der Vielfalt seiner Interessen lassen sich – wenn auch nur vage – rote Fäden erkennen, die seine frühen Schriften „Über die männliche und weibliche Form“, seine sich an Schiller und Goethe abarbeitende Ästhetik, seine Ideen über Staatsverfassung, die Reformvorschläge, die Beschäftigung mit Grammatiken und sein Verhältnis zu Frauen verknüpfen – kein System, aber eine immer noch inspirierende Aneignung von Welt in Zeiten des Chaos. Ein wenig Übersetzungsleistung macht sichtbar, wie sehr wir immer noch mit den Entwürfen spielen, die damals erprobt wurden.

Vielleicht besteht Humboldts größtes Verdienst darin, daß er sich bis heute nicht einordnen läßt, er „gehörte zu keiner Disziplin“, läßt sich „schwer systematisieren“ (wie der Historiker Friedrich Meinecke schrieb). Er hat eine Fülle von Themen in immer neuen Formen angepackt; und er hat manches zu früh oder zu differenziert gedacht, um schon zu Lebzeiten dafür gefeiert zu werden. In Rom und Paris, in Wien und London, in Berlin, in Königsberg und Weimar und wo immer das Paar auf seinen Reisen durchkam, hinterließ Wilhelm einen tiefen Eindruck. Die Anerkennung galt stets auch Caroline, deren Klugheit und geselliges Talent von allen geschätzt wurden. Sie war ihm eine ebenbürtige – manche sagen, ihm überlegene – Partnerin.

Der Natur der Überlieferung gemäß wurde über Caroline von Dacheröden nie so viel geredet und geschrieben wie über Wilhelm von Humboldt. Allerdings wächst das Interesse an ihr, es gibt neue Forschungen über sie, über die Güter, auf denen sie aufgewachsen ist, und die Landschaft, in der sie sehen gelernt hat, neue Veröffentlichungen und vermutlich auch noch Archivschätze. In Berlin wurde eine (kleine) Straße nach ihr benannt, die Humboldt-Universität vergibt einen Preis in ihrem Namen, Erfurt und andere Orte verwenden ihren Namen in der Stadtwerbung. Nach einem zu ihrer Zeit besonders gepflegten Vorurteil ist die Frau die Empfangende. Die frühe Korrespondenz zwischen Wilhelm und Caroline zeigt, wie aktiv sie ihn empfangen hat.

Freiheit und Nähe

Wie wichtig Caroline für ihren berühmten Mann war (eine Frage, die immer wieder gestellt wurde), zeigt sich nach ihrem Tod am 26. März 1829. Humboldt zieht sich in die Einsamkeit seines Schlosses in Tegel zurück. Er ordnet die Briefe, die sie einander geschrieben haben, und läßt die Grabstätte im Garten des Schlosses bei der „Eiche unter dunklen Tannen“ von Karl Friedrich Schinkel gestalten: ein Denkmal, keine Gruft. Nach einem Jahr wird eine Kopie der Statue der Spes, der römischen Göttin der Hoffnung, aufgestellt, ein Werk des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen, das Caroline besonders mochte. Es ist ein schwieriges Unterfangen, die Skulptur auf einer Granitsäule mit marmornem Kapitell in den märkischen Sand zu setzen, aber Wilhelm hat schon Erfahrung mit der Überwachung solcher Arbeiten: Fünf Jahre zuvor sind schwere Figuren, teils aus Gips, teils aus Marmor, in den Antikensaal im ersten Stock des Schlosses gehievt worden. Erst 1820, nach vielen Ortswechseln, hatten Caroline und Wilhelm das von Marie Elisabeth von Humbolt geerbte Schloß bezogen (der Bruder Alexander wurde ausbezahlt). Der Umbau wurde nach der Entlassung Humboldts aus dem Staatsdienst 1820 begonnen und 1824 beendet. Die Sammlung antiker und zeitgenössischer Kunst, die heute noch und zum Teil wieder zu bewundern ist, entstand primär durch Carolines Aufträge und Ankäufe.

Wilhelm besucht ihr Grab „allabendlich bei jeder Witterung“. Wie alles in seinem Leben seziert er auch die Gefühle, die er während ihres Sterbens und vor dem offenen Sarg empfand. „Ich bin bei allem gegenwärtig gewesen, ich habe jeden Tag fünf- sechsmal sie besucht und halbe Stunden bei ihr gesessen. Es ist ein unendlich schmerzliches, aber auch unendlich anziehendes Gefühl, sich die Züge, die einem das Grab nun auf ewig entreißt, noch einmal recht tief einzuprägen. Aber das Zumachen des Sarges, das Wegtragen, das sind die fürchterlichen Momente, und nun lagert sich die Öde über das Haus, den Familienkreis, das Dasein, die nie wieder weicht.“ [An Karoline von Wolzogen am 9. April 1829]

Seit seine Frau nicht mehr bei ihm war, diktierte Wilhelm jeden Abend, stets um die gleiche Zeit, um Mitternacht, seinem Schreiber ein Sonett. Er hat knapp 1200 solcher Sonette hinterlassen, sein Bruder Alexander, der sie nach Wilhelms Tod herausgab, nannte sie eine Art Tagebuch eines edlen, still bewegten Seelenlebens. Bäume und Blumen, Reben und Pappeln, Regen und Nebel, Gestalten aus der griechischen Antike oder der Halleysche Komet sind darin Ausgangspunkt für Reflexionen, die oft in die Erinnerung an das Leben mit Caroline münden. Tröstlich war, daß beide eine Begegnung jenseits des Grabes für möglich hielten. Darüber hatten sie schon bei ihrer ersten Begegnung gesprochen.

Anna von Sydow, Urenkelin und Herausgeberin des Briefwechsels, fand für die Jahre nach Carolines Tod die Formulierung: „Es war, als sei mit dem Tode seiner Frau in dem Uhrwerk seines Körpers eine Feder gebrochen. Der noch nicht 62jährige alterte danach schnell. Er war auf dem rechten Auge fast blind, ging gebückt und wurde mager, sein ganzer Körper zitterte, und die Handschrift wurde unleserlich. Wilhelm von Humboldt beschrieb auch dieses Zittern und war, soweit wir wissen, der erste, der die Symptome der Parkinsonschen Krankheit genau beobachtet und überliefert hat. Als sechs Jahre später Wilhelm im Sterben liegt – nicht zuletzt, weil er sich beim Gang zu Carolines Grab bei schlechtem Wetter eine Erkältung zugezogen hatte –, schreibt sein Bruder Alexander, er hatte bis zuletzt die „Klarheit des großen Geistes, der alles faßt und sondert, seinem Zustande nachspäht“. [Alexander von Humboldt an Varnhagen, 5. April 1835]

Die vielen Briefe an und von Caroline, die – so hat es der Witwer verfügt – ausschließlich in weiblicher Linie weitergegeben wurden, bezeugen, daß dieses Paar immer im Dialog gewesen ist. Sie haben Erlebtes und Gedachtes, moralische, ästhetische und politische Überlegungen ausgetauscht, über ihre Gefühle, über Gedichte, Kunstwerke, Gäste und Freunde geschrieben und einander über die Kinder, später auch die Enkel berichtet und beraten. Daß es so viele Briefe gibt, die wir heute nachlesen können, ist nicht zuletzt Ergebnis der häufigen Trennungen des Paares. In den vierzig Jahren ihrer Beziehung haben sie etwa zehn Jahre an unterschiedlichen Orten gelebt. Sie bleibt in Paris, als er für mehrere Wochen ins Baskenland reist. Sie fährt 1804 mit zweien der Kinder erst nach Erfurt und von dort nach Paris (wo sie auch Geschäfte für ihn erledigt), während er mit den beiden Mädchen in Rom bleibt. 1808 wiederum fährt er mit dem elfjährigen Sohn Theodor zum Schwiegervater, von dort nach Berlin und weiter nach Königsberg, und sie bleibt bis 1810 in Rom. Und selbst wenn Wilhelm nur von Burgörner (einem der Dacherödischen Güter in Thüringen, auf dem sie die ersten Jahre der Ehe verbrachten) hinüber zu Goethe nach Weimar reitet, schreibt er Caroline täglich. Manchmal trennt sie die Politik, manchmal sind die Kinder krank, sie muß zur Kur oder begleitet die kränkelnde Tochter, und er eilt im diplomatischen Dienst quer durch Europa. Von 1809 bis 1819 sind sie mehr getrennt als beisammen. Er hält sich in Königsberg, dem Fluchtort der preußischen Regierung auf, sie ist noch in Rom; sie bleibt in Wien, während er beim Prager Kongreß die Verhandlungen führt; als er in Wien, dann in Paris und danach in Frankfurt die preußischen Interessen vertritt, lebt sie mit den Kindern in Berlin. Sie fährt, um ihn zu treffen, mit den Töchtern in die Schweiz, wo sie einander aber nur kurz sehen, weil er neue Ordres erhält. Als er 1817 nach England „verbannt“ wird, kehrt sie in das geliebte Rom zurück.

In der Korrespondenz der beiden spielen Liebe und Klatsch eine ebenso wichtige Rolle wie die Frage, ob Denken oder Tat, das Schöne oder das Nützliche, die Vervollkommnung als Mensch oder die Aktivitäten fürs Vaterland Vorrang haben sollten. Ein ständiges Thema ist: Freiheit. In dem Brief, den Wilhelm kurz nach Carolines Tod an Karoline von Wolzogen schreibt, heißt es: „Sehr wahr sprechen Sie das Wesen der Frauen und vorzüglich der Verstorbenen aus, wenn Sie sagen, daß ihnen keine Lebensstunde ohne Freiheit und Zartheit zum Genusse gedeiht. Die Li wäre ohne diese Freiheit nichts gewesen; sie bedurfte dieses einen Elements, um ihr auf seltne Weise großes und liebendes Gemüt in aller Fülle der Empfindungen zu entfalten, und sie ehrte mit gleicher Zartheit auch die Freiheit an andern.“

Man kennt Wilhelm von Humboldt vor allem als Reformer und Forscher, er selbst hat die Beziehung zu seiner Frau höher bewertet als seine wissenschaftlichen und politischen Unternehmungen: „Es ist mir ein beruhigendes Gefühl, daß ich den größten Teil der langen Zeit hindurch, in der wir verbunden durch das Leben schritten, fast ganz ihr und mit Rücksicht auf sie leben konnte. […] Von 1813 bis 1819 waren wir sehr viel getrennt, aber ungeachtet dieser Trennung waren wir im Geist und unsrer Empfindung nie enger verbunden als in den verhängnisvollen Jahren dieser Epoche [d. h. des Krieges gegen Napoleon]. Wir schrieben uns lange sogar täglich, und ich weiß wie viel ich ihr damals in Ansichten, Richtungen, Bestrebungen verdankte. Seit 1820 störte mich nichts im wahrhaft nur ihr gewidmeten Leben.“ [An Karoline von Wolzogen, 9. April 1829]

Für die Jugendfreundin Karoline von Wolzogen und auch für den Staatsmann Wilhelm von Humboldt lag der Akzent auf der inneren Freiheit. Sie schloß die äußere ein, bezog sich auf Kunst und Bildung, auf die Sinnlichkeit wie auf die Vorstellungen von den Aufgaben des Staates. Freiheit hieß in diesem Kreis: ein bewußt gestaltetes Leben, und dazu gehörte, was noch lange nicht selbstverständlich sein wird: die Freiheit, seine Partner selbst auszuwählen. Da Caroline wie Wilhelm aus wohlhabenden Familien kamen, hatten sie die Möglichkeit, ihr Leben weitgehend nach ihren Ideen zu gestalten.

Das Wort Freiheit hatte damals ein anderes Pathos, andere Implikationen als heute, und es hat seine Bedeutung in dem halben Jahrhundert zwischen der Verlobung 1789 und Wilhelms Tod 1835 stark verändert – im allgemeinen und besonders für die Protagonisten dieses Buchs. Sie haben sich kennen- und liebengelernt, als die Französische Revolution ausbrach, und wurden getrennt, als sich die meisten (deutschen) Dichter, Denker und Gelehrten aus Resignation, und weil sie ohnehin keine Chance hatten, aus der Welt zurückzogen – ins Innen, das zur Innerlichkeit wurde. Romantik, Mystik, Biedermeier sind die bekanntesten Erschlagworte für diese Haltung. Aber Wilhelm von Humboldt – und mit ihm Caroline – wird gewöhnlich zur Klassik gezählt, schon weil man ihn vor allem als Gründer der Berliner Universität, als Freund Schillers und Goethes und als Wissenschaftler kennt. Es sind die stets unzureichenden Schubladen für eine Zeit, die sich mit der Auflösung zuvor gültiger Ordnungen herumgeschlagen hat.

Nähe und Freiheit, Liebesheirat und Pflicht wurden damals neu austariert, und es hat alle Biographen gereizt, die Frage nach Wilhelms Abhängigkeit von seiner Frau zu stellen – ob Haym, Scurla, Berglar oder Sweet. „Li“ war nicht die Frau hinter oder neben ihm, sie war, wenn man seinen Erklärungen glauben darf, sein Leben, die Ergänzung seiner manchmal toten Seele. „In Deinem reinen und einfachen Wesen, das zugleich mit allem Menschlichen so vertraut und über alles Menschliche so erhaben ist, ist alles, was in andern nur als toter Stoff, höchstens zu einzelnem Gebrauche da liegt, zu etwas Lebendigem, das für sich selbst besteht und sich für sich fortpflanzt, geläutert und erhöht; das Schönste und Beste, dessen der Mensch fähig ist, ist ewig in Dir wirksam und rege, in die Anmut der Weiblichkeit verschmolzen, ergießt es sich von Dir aus auf alles, was Dich umgibt.“ [16. Mai 1797]

Er spricht von ihr wie von einem chemischen Element, das ihm fehle, das seine Gefühlswelt erst anstoße und ihn lebendig mache. Und Caroline macht Wilhelm zu ihrer Lebensaufgabe. „O, Bill, Du sollst ein Glück genießen, ein unentweiht heiliges Glück, das noch in keines Menschen Herz gekommen, das die kühnsten Hoffnungen nicht ahndet – meine Seele fliegt wieder empor, neuer Lebensmut glüht in ihr und verjüngte, göttliche Kraft. […] O, wenn mein Leben nicht Liebe für Dich wäre, so wäre es Dank, Du heiliges, nie ausgesprochenes Wesen.“ [Caroline am 29. November 1790, zwischen Verlobung und Hochzeit]

Das Paar galt schon unter Freunden – und bevor das 19. Jahrhundert sie postum idyllisiert hat – als Glücks- und Idealfall einer modernen Ehe. Sie blieben einander nahe, wenn sie getrennt waren, und auch, wenn andere Lieben ins Spiel kamen – eine Nähe, zu der, erst theoretisch und später auch praktisch, die Freiheit gehörte, die Beziehung den jeweiligen Empfindungen anzupassen. Das Ausleben der wahren Gefühle sollte Vorrang haben: „Zwischen Lina und mir wird nie etwas anderes als die Empfindung das Verhältnis bestimmen, und sollte sie es je weiter wünschen, sollte einer von uns nicht mehr in dem anderen, sondern in einem Dritten das finden, worin er seine ganze Seele versenken möchte, nun, so werden wir beide genug Wunsch, einander glücklich zu sehen, und genug Ehrfurcht für ein so schönes, großes, wohltätiges Gefühl, als das der Liebe ist, von wem es auch genossen werde, besitzen, um nie auch durch die mindeste Undelikatesse die Empfindung des anderen zu entweihen.“ Das war ein kühner Vorsatz, Wilhelm schrieb dieses Bekenntnis (am 10. Januar 1790) an den Freund Georg Forster, dessen Ehe mit Therese kurz vor dem Scheitern stand. Er hat sich an diese Devise gehalten, als seine Frau – mit Friedrich Wilhelm von Burgsdorff, mit David Ferdinand Koreff, Jakob Alexander von Rennenkampff oder Graf Gustav von Schlabrendorff – sehr innig-freundschaftliche und auch leidenschaftliche Beziehungen einging. Es ist schwer nachvollziehbar, ob und wieviel er dabei gelitten hat, er war selbst ein „Leichtfuß“, dessen amouröse Abenteuer auch unter Libertins Aufsehen erregten; vielleicht hat die aristokratische Erbschaft des sinnenfreudigen 18. Jahrhunderts diese Toleranz erleichtert.

Sie haben einander idealisiert und wurden schon zu Lebzeiten und mehr noch danach verklärt – der „große Humanist und zukunftsweisende Staatsmann“ und die kluge, graziöse Caroline. Herbert Scurla, der Biograph großer Bürgerlicher unter den Bedingungen des DDR-Verlagswesens, schwärmt: „Keiner hat eine ihm so ebenbürtige und ihn so fördernde Lebensgefährtin gefunden wie er, keiner hat in so rückhaltlosem Vertrauen mit seiner Ehefrau gelebt, keiner in einer so glücklichen, […] bei allen Konflikten so schöpferischen Lebensgemeinschaft mit seiner Ehefrau gewirkt wie er.  [Scurla, Humboldt, S. 87 f.]

Caroline, versichert Wilhelm nach vielen Jahren Ehe, hat ihn vor der Verkümmerung bewahrt. Er litt darunter, daß – wie sein Freund und Idol Friedrich Schiller es ausdrückte – „seine Einbildungskraft vom Verstande gefangen gehalten wurde“. Er wäre gerne genial gewesen und suchte sein Leben lang nach den Quellen der Imagination. Er fand für seine Gefühle und auch für die Sehnsucht nach Poesie bei Caroline die nötige Resonanz.

Damit sind wir mitten im Thema romantische Liebe – wobei man staunend anerkennen muß, daß sich dieses Paar in seinem gelebten Roman auffallend früh mit den neuen Rollen arrangiert und die Modelle nach eigenem Gusto variiert. Sie ist nicht nur Natur, sondern auch Geist, er ist nicht Tat, das ist manchmal eher ihr Part. Er findet wirklich seinen Halt in dieser Liebe, nicht nur literarisch wie manche „echten“ Romantiker.

Alle, die Kant gelesen hatten – und Wilhelm hatte ihn mehrfach studiert –, suchten nach einem Weg, auf dem Sinnliches und Sittliches, Neigung und Pflicht zusammenfinden. Neben der Kunst barg die Liebe diese Hoffnung auf Synthese, und Wilhelm sah sie in Caroline verkörpert. Die Balance zwischen sinnlicher Anschauung und begrifflichem Erfassen, zwischen lebendigem Fühlen und vernunftgeleiteter Kontrolle wird eines seiner Lebensthemen, und er wird sie analytisch zu fassen suchen. Nicht nur in den Liebeserklärungen, auch in seinen anthropologischen Schriften, in den politischen Entwürfen und in seiner Sprachphilosophie beschwört er immer wieder das Lebendige, die Energie und die Empfindung. Bei Humboldt ist die Frau nicht nur der Hort für Gefühl und Zartheit. Er liebt es, wenn sie die Entscheidungen fällt, sein Thema sind die Wechselbeziehungen – zwischen Weiblichem und Männlichem, Stoff und Form, Ich und Welt, Licht (also Aufklärung) und Wärme (sprich Gefühl).

Daß diese Ehe hielt und glücklich war, ist hervorhebenswert, weil Scheidungen in diesen Jahren – auch im Freundeskreis der beiden – epidemisch wurden. Karoline von Wolzogen, die Schwester von Charlotte Schiller, die zur Ehe des Dichters eine Zeitlang dazugehörte, Dorothea Schlegel, vormals Veit, davor Brendel Mendelssohn, die Lieblingstochter des berühmten Philosophen, Therese Huber, vormals Forster, die Tochter des Göttinger Altphilologen Christian Gottlob Heyne, der Humboldt die Welt der Antike erschlossen hatte, Johanna Motherby und Charlotte Diede, denen sich Wilhelm besonders eng verbunden fühlte, und viele andere im Freundes- und Bekanntenkreis hatten sich scheiden lassen. Als eine nur scheinbar nebensächliche Folge der Französischen Revolution waren Konventionen, Standesrücksichten und finanzielle Erwägungen für Frauen nicht mehr Grund genug, um bei ungeliebten und oft erheblich älteren Männern zu bleiben. Außerdem hatte das preußische Landrecht von 1794 die Scheidung für Frauen erleichtert.

Die Vermessung der Innenwelt

Wilhelm von Humboldts Briefe und Tagebücher sprechen die Sprache einer Generation, die – ziemlich reflektiert – ihre Gefühlswelt erkundet. Diese Generation entwächst gerade einer Anbetung der Vernunft, die ihr nüchtern und trocken erscheint. Geist und Gemüt der lesenden Deutschen werden von der aus England herübergeschwappten Empfindsamkeit, von pietistischen und von stürmisch-drängenden Seelenerkundungen beeinflußt. Das Innen ist Neuland, das es zu entdecken gilt: eigene Empfindungen, eigenes Sehen und nicht von Zwecken oder Autoritäten oder Religionen definierte Wahrnehmung. Der junge Humboldt beschreibt sich gern als sensibel, ungeliebt und unverstanden und klagt über eine pedantische Erziehung, in der Gefühlsäußerungen verpönt sind. Daß Etikette wichtiger war als Seele, war in den Kreisen, aus denen Wilhelm kam, nicht ungewöhnlich, man orientierte sich an höfischen und calvinistischen Idealen. Wilhelms Briefwechsel mit Caroline wie mit anderen Frauen – die weniger klug, aber hingebungsvoller waren als Li – und die Erzählungen über seine Kindheit führen vor, wie das Beschreiben von Gefühlen der Entdeckung eines noch wenig kartographierten Kontinents gleicht. Daß Rudolf Zacharias Becker seiner Schülerin Caroline Fühlen nahegebracht hat, ist überliefert, ob Wilhelms Erzieher Campe und Kunth ihren Schüler in ähnlicher Weise unterrichtet haben, wissen wir nicht, aber in Wilhelms Beziehung zu Kunth haben intensive Gefühle eine wichtige und offenbar auch eine problematische Rolle gespielt. Er erzählt von seiner Abhängigkeit „wirklich verbunden mit einer Art von Liebe, und überladen mit Liebesäußerungen“ im Verhältnis zu seinem Erzieher. [2. April 1790] Die mehrfach wiederholten Beschreibungen seiner unterdrückten Empfindungen und die Bedeutung, die er dieser Erfahrung zumißt, lassen den Zwiespalt erkennen, in den ein junger Mann seiner Herkunft geriet, wenn er die neuen Ideen aufnahm: John Lockes Ansichten über sinnliche Erfahrung, Rousseaus „Bekenntnisse“ und Goethes „Werther“, Samuel Richardson oder der gefälschte Ossian und nicht zuletzt die „Erfahrungsseelenkunde“ von Karl Philipp Moritz. Wenn Wilhelms Bruder Alexander von ihrer Jugend auf „Schloß Langeweile“ berichtet und Wilhelm den Ennui im Kreis der Familie beschreibt, greifen sie damit einen Topos der Zeit auf. Langeweile ist ein Name für Stillstand des Geistes, der beschäftigt werden will. Spezifisch war nicht die neurotisierende Atmosphäre im Hause Humboldt, die dem Stand und der Zeit entsprochen haben mag, sondern der Umstand, daß es nun Worte, Bücher, Theorien gab, die religiöse Interpretationen ersetzten und den Vorhang wegzogen, der Gemüt, Gefühl und Seele bedeckt hatte.

Die Diskrepanz zwischen den Einschränkungen menschlicher Freiheit und den greifbaren Möglichkeiten von Teilhabe – an der Macht, an individuellem Glück und an der Weltwahrnehmung – wurde in England, in Frankreich und mit einigen Jahrzehnten Verspätung nun auch in den deutschen Staaten neu formuliert und diskutiert. Das Genre, in dem die Gedanken erprobt wurden, war – neben den Romanen und Gedichten – der Brief. Das Herumreichen von Briefen, das Abschreiben und Weiterschicken war um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch ein Ersatz für Bücher, die in den deutschen Ländern nur schwer einen Verleger fanden. Erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts explodierte der Buchmarkt, Briefe und Briefromane, im Original gelesen oder aus dem Französischen und Englischen übersetzt, wurden eine heißbegehrte Nahrung.

Es ist kaum mehr vorstellbar, wie sehr das Briefeschreiben zum Tageslauf gehörte und mindestens soviel Zeit verschlang wie heute Mails, Telefonate und Fernsehen zusammen. Caroline spricht von zwei Posttagen pro Woche, jeden Tag drei bis vier Stunden Briefe zu schreiben (oder zu diktieren) war üblich; Rudolf Haym, einer der ersten Humboldt-Biographen, meinte, ein Drittel der Zeit wurde Korrespondenzen, ein weiteres Drittel den Besuchen gewidmet.

Wilhelm war penibel, er hat nicht nur Briefe, Gutachten und wissenschaftliche Aufsätze geschrieben, er hat auch Tagebuch geführt und notiert, wer ihn besucht und wen er besucht hat, worüber gesprochen wurde, wie die Physiognomie und wie sein Eindruck von dieser und jener Person war. Im Tagebuch von 1794 hat er zusammengestellt, wie viele Briefe er, wie viele seine Frau, wie viele sie zusammen in einem Jahr geschrieben und erhalten haben. Da steht zum Beispiel unter May. 5.: „kam Li mit einem Sohn nieder Nachmittags um 1 Uhr etwa. Die Wehen fiengen etwa um 9 Uhr früh an. Stark Mittags hier. Brief an Papa, an die Tante, an die Cousinen, an den Coadjutor, an Mama, an die Brüger, an die Herz, an die Hagen, an Gentz, an Fräulein Segner, an Wolf, an Ernst, an Carolinen, vom Unterofficier Voigt.“ Und am Ende des Jahres listet er säuberlich für jeden Monat auf, zwölf mal vier Kolumnen, was er und was seine Frau bekommen und geschrieben haben, es sind insgesamt 741 Briefe, davon hat Caroline 119 bekommen und 112 geschickt, unter „meine“ sind „b“ (bekommen) 229 und „g“ (geschickt) 281, auf sie entfallen somit 231, auf ihn 510; Adressaten und Absender stehen unter dem jeweiligen Datum. Erhalten sind von Humboldt aus diesem Jahr nur 26 von den 281 geschriebenen Briefen. [Tagebuch 19.–31. Dezember 1794]

Die Schreiblust, die Notiermanie und das Interesse an Sprachen haben nicht zuletzt damit zu tun, daß die Worte erst gefunden werden mußten, mit denen die neuen Erfahrungen einer ungeborgenen Jugend sich beschreiben ließen. Der Ort, an dem dies innerhalb Berlins vorzüglich erprobt wurde, war der Salon, und von allen Berliner Salons war der im Hause von Henriette Herz – in Theorie und Praxis – besonders von Leidenschaft und Schwärmerei erfüllt. In diesem Kreis entstand der sogenannte „Tugendbund“. Caroline und Wilhelm lernten einander durch diese freimaurerisch inspirierte Verbindung kennen.

Noch gab es in Berlin keine Universität, kein attraktives geselliges Leben rund um den Hof wie in Weimar, Dresden oder Wien, und auch die Kaffeehäuser, die nicht nur in London und Paris, sondern auch in Leipzig und Hamburg ein geselliges Leben unterstützten, waren im Berlin der 1780er Jahre noch rar – unter anderem, weil Friedrich II. die Einfuhr der wach machenden Bohnen aus merkantilistischen Erwägungen erschwert hatte. Die Salons – und nicht nur die von Jüdinnen aus reichem Haus – wurden zum Treffpunkt für junge Leute unterschiedlicher Herkunft.

Wilhelm und sein Bruder Alexander waren von Lehrern aus dem Nicolai-Lessing-Mendelssohnschen Kreis unterrichtet und in deren Gesellschaften eingeführt worden. Die Brüder kannten Moses Mendelssohn und dessen Söhne und Töchter. Moses Mendelssohns Lieblingstochter Brendel, deren Freundinnen Rahel Levin und Henriette Herz waren die Zentralgestirne der neuartigen Geselligkeit. Bei den geistreichen Jüdinnen konnten junge Menschen, die Grenzen überschreiten wollten, verwandte Seelen ohne Rücksicht auf Stand und Rituale treffen.

Die Gruppe von geistig interessierten jungen Leuten in dem Berlin, das damals etwa 150 000 Einwohner hatte, war nicht so groß, daß man aneinander vorbeigehen konnte. Die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt waren von ihrem Hauslehrer Gottlob Johann Christian Kunth schon 1785 zu einer der physikalischen Vorlesungen von Marcus Herz mitgenommen worden und nahmen an der Lesegesellschaft der „ausgezeichnetsten Männer Berlins von den verschiedenen Fächern und Altern“ teil. [H. Herz, Erinnerungen, S. 48 f.] Marcus Herz war nicht nur ein Lieblingsschüler Immanuel Kants, der Königsberger Philosoph hatte ihn bei der Übernahme des Ordinariats zu seinem Respondenten erkoren: Daß Kant für seine Disputation einen jüdischen Studenten als Verteidiger wählte, hatte an der Universität einiges Aufsehen verursacht.

Henriette Herz bewirtete bei diesen Zusammenkünften die Gäste. Sie entstammte einer wohlhabenden sephardischen Familie und hatte mit fünfzehn Jahren den damals doppelt so alten Arzt Marcus Herz geheiratet. Brendel Mendelssohn hatte keine so gute Partie gemacht, ihr Vater war nur Gelehrter und Buchhalter bei einem Seidenfabrikanten (ohne den er in Berlin als mittelloser Jude kein Aufenthaltsrecht bekommen hätte). Sie war – wohl aus Gründen der sozialen Absicherung – mit dem jüdischen, jiddisch sprechenden Kaufmann Simon Veit verheiratet worden, in dieser Ehe unglücklich und besonders enthusiasmiert von der literarisch-poetischen Schwärmerei. Während „die Herz“ als ausnehmend schön und anziehend galt, sagte man von Brendel wie von Rahel, sie seien häßlich – wiewohl anziehend durch ihre Klugheit – gewesen. Im Salon von Henriette Herz entstand dann unter engagierter Mithilfe Wilhelm von Humboldts jener verschworene Freundschaftsbund, dem wir die frühen Herzensergüsse des später eher nüchternen Sprachforschers verdanken – eine sentimentale Erziehung zwischen strengem Reglement und überbordenden Beschreibungen des Innenlebens. Rahel Levin nahm an diesem Tugendbund nicht teil, sie nannte das eine „empfindsame Tändelei“.

Wilhelm kam 1786, er war damals neunzehn Jahre alt, zum ersten Mal in den Salon der Hausherrin in der Spandauer Straße 53, und Henriette Herz wurde zur Lehrerin seiner Herzensbildung. Er möchte sein, wie sie es wünscht, und ist „beneidenswert glücklich, daß ich Sie gefunden, daß ich Sie lieben“ (kann), schreibt er der drei Jahre älteren Freundin in hebräischen Buchstaben, beider Geheimschrift.  [H. Herz, Erinnerungen, S. 225]

Wilhelm, Henriette, Brendel, Karl von La Roche und Brendels Schwester Henriette Mendelssohn gehören zum Kern des sentimentalen Bundes, der Beglückung durch Liebe und moralische Vervollkommnung in sein Programm geschrieben hat. Karl ist der Sohn der vielgelesenen Schriftstellerin Sophie von La Roche, der Jugendfreundin Christoph Martin Wielands und Großmutter von Bettina und Clemens von Brentano. Sophie von La Roche gilt als Anwältin der Empfindsamkeit bei Mann und Frau, die „Teutschlands Töchter“ zu liebevollen, immer hochanständigen, lebenstüchtigen und gottvertrauenden Müttern erzog. Der „betörend schöne“ Karl von La Roche liebt Caroline von Dacheröden, von ihm stammt der Vorschlag, sie und ihre Freundin Karoline von Beulwitz in den Bund aufzunehmen. Durch ihn kommen Wilhelm und Caroline zusammen – und er verzichtet.

: „Im Ganzen geht mein Bestreben bei ihr iezt bloss dahin, zu machen, daß ich sie interessire, ohne doch merken zu lassen, daß ich darauf ausgehe„in Wallung“„Um schnell, wie ich’s wollte, zu wirken, glaubt ich zeigen zu müssen, daß sie auf mich stark gewirkt hätte. Ich schwieg viel, schien unruhig, zerstreut, sah sie oft an, wechselte dann den Blick, kurz trieb das ganze Spiel.“