Über Katharina Peters

Katharina Peters, Jahrgang 1960, schloss ein Studium in Germanistik und Kunstgeschichte ab. Sie begeistert sich für Aikido, ist passionierte Marathonläuferin und lebt in Berlin.

Aus der Serie um Romy Beccare sind bisher erschienen: »Hafenmord«, »Dünenmord« und »Klippenmord«.

Daneben sind von Katharina Peters zwei Thriller mit der Kriminalpsychologin Hannah Jakobs lieferbar: »Herztod« und »Wachkoma«.

Bisher nur als E-Book ist der Episodenroman »Vergeltung« lieferbar.

Informationen zum Buch

Mörderisches Rügen

Ein Touristenpaar entdeckt in einem Erlensumpf am Schmachter See die Leiche der in Stralsund lebenden Physiotherapeutin Mona Gluek. Da die Frau gefesselt war und ihr Gesicht im Sumpf lag, so dass sie erstickte, wird umgehend die Stralsunder Polizei eingeschaltet. Es stellt sich heraus, dass das Opfer am Abend zuvor als vermisst gemeldet wurde, nachdem sie ihren vierjährigen Sohn nicht bei ihrer Babysitterin abgeholt hatte. Jan Riechter, Leiter der Polizeiinspektion, und Romy Beccare müssen ihren Urlaub abbrechen, als erste Nachfragen ergeben, dass Monas Lebensgefährtin Sabine Lorant seit gut einem Monat spurlos verschwunden ist.

Kommissarin Romy Beccare und ihr schwerster Fall

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Katharina Peters

Bernsteinmord

Ein Rügen-Krimi

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Inhaltsübersicht

Über Katharina Peters

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Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Impressum

Prolog

Charly hätte die Strecke mit verbundenen Augen im Schlaf fahren können, sein Kumpel Ralle ebenfalls. Das Profil des Zwölf-Kilometer-Rundweges um den Schmachter See war reizvoll und abwechslungsreich, wenn auch nicht besonders anspruchsvoll, zumindest nicht für geübte Biker. Sandige und hügelige Wege führten durch die verträumten Küstenbuchenwälder des Westufers, von dort ging es in einem weiten Bogen bis runter nach Pantow und Serams und dann wieder Richtung Norden zurück nach Binz, entlang des östlichen Schilfgürtels und der schummrigen Bruchwälder.

Irgendwann in einem der letzten Sommer hatten sie ihre Bikes aufgemotzt und angefangen, immer schneller und waghalsiger zu fahren und die Tour, für die Radausflügler neunzig gemütliche Minuten brauchten, deutlich unter einer Stunde zu bewältigen. Manchmal fuhren sie ohne Unterbrechung ein zweites Mal herum, dicht hintereinander, schweißüberströmt, mit fliegendem Atem und kraftvollem Puls und in einer guten Zeit – sofern die Strecke frei war, und das war sie zu den üblichen Tageszeiten, besonders im Sommer, leider viel zu selten. Touristenströme und Wandervolk, die in gemächlichem Tempo mit Ferngläsern, Fotoapparaten und prallgefüllten Proviantrucksäcken unterwegs waren und an den verschiedenen Stationen des Erlebnispfades für Naturphänomene in großen Pulks Halt machten oder am Aussichtsturm Schlange standen, verstopften regelmäßig den Hauptweg, und es gab mehrfach Ärger. Charly und Ralle wurden als »rücksichtslose Raser« beschimpft, was ein durchaus berechtigter Vorwurf war. Charlys prompte Entgegnung, dass seine achtundneunzigjährige Urgroßmutter flinker unterwegs sei als diese fußlahmen Seniorenwanderdünen aus Bottrop, Wanne-Eickel oder woher auch immer sie stammten, war allerdings auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Schließlich blieb ihnen nichts anderes übrig, als entweder in aller Herrgottsfrühe oder am Abend rauszufahren, um unbehelligt ihre Temporunden drehen zu können.

Mit siebzehn, achtzehn Jahren war frühmorgendliches Aufstehen aber so eine Sache, abends klang schon deutlich entspannter, doch zu der Zeit fuhr häufig jemand vom Forstamt oder der Naturschutzbehörde durch die Gegend, und die verstanden gar keinen Spaß, wenn sie bei ihren Kontrollfahrten Mountainbiker erwischten, die abseits der Wege wie die Berserker herumrasten und Tiere aufscheuchten. Nachdem sie zweimal von der Polizei aufgegriffen und energisch verwarnt worden waren, schlug Ralle schließlich vor, nachts auf Tour zu gehen; und es war Charlys Idee, ohne Licht zu fahren und sich damit einer völlig neuen Herausforderung zu stellen.

Er war erstaunt, wie schnell sich sein Auge an die Finsternis gewöhnte, die weder schwarz noch einheitlich dunkel war, und wie sehr er es genoss, mit der Umgebung zu verschmelzen und im Fahrtwind die nächtlichen Gerüche und Geräusche des Sees und des Waldes herauszufiltern und von Mal zu Mal besser zuordnen zu können. Auf einmal war es nicht mehr wichtig, so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen, sondern leise und hochkonzentriert dahinzugleiten, jede Unebenheit rechtzeitig zu spüren und Veränderungen in der dichten Atmosphäre der Dunkelheit intuitiv zu erkennen. Ralle fand es ganz spannend, hin und wieder die dunkle Nachttour gemeinsam zu fahren, aber die Faszination, die Charly ergriffen hatte, teilte er nicht. Es dauerte nicht lange, und Charly fuhr diese Route meist alleine, und er liebte diese einsamen Ausflüge ganz besonders – bis zu jener Nacht Ende September.

Charly war nach kurzem Überlegen eine zweite Runde gefahren, nachdem er während der ersten Umrundung in der kühlen Herbstnacht kaum warm geworden war. Er trank die Hälfte seiner Apfelsaftschorle, aß einen Riegel und startete nach kurzer Verschnaufpause erneut, diesmal entgegen dem Uhrzeigersinn. An der Südspitze des Sees entschied er sich diesmal, den Hauptweg zu verlassen und querfeldein zum Westufer durchzustoßen. Das war nicht nur verboten, sondern deutlich anstrengender, aber diese Route führte dichter ans Ufer, wo er manchmal in der klangvollen Stille einige Augenblicke lauschte. In dieser Nacht leuchtete ein halber Mond; der Schrei einer Eule ließ ihn erschaudern; Windböen strichen übers Wasser und entlockten dem Schilf ein raues Flüstern.

Das andere Geräusch nahm er erst einige Minuten später wahr, als er nördlich vom Weiler Schmacht wieder auf den Hauptweg zurückkehrte, und er war sicher, dass er es nur bemerkt hatte, weil das kraftvolle dunkle Vibrieren, so leise es auch war, nicht in die Umgebung passte. Er ließ sein Rad ausrollen und lauschte irritiert. Ein Zug, dessen Rattern der Wind hinübertrug? Um diese Zeit nachts fuhren keine Züge, schon gar kein Rasender Roland. Vielleicht doch, ein Güterzug, und es war ihm bisher nie aufgefallen, weil der Wind anders gestanden hatte. Möglicherweise, aber das Rattern eines Zuges klang anders. Charly stieg wieder in den Sattel und radelte langsam weiter. Das Geräusch verlor sich in der Ferne, verstummte dann ganz, und er schob es beiseite – für den Augenblick.

Als er wenig später die Nordspitze des Sees erreicht hatte, heulte in unmittelbarer Nähe ein Motor in der Dunkelheit auf, und er schrak zusammen. Ein Auto, dachte Charly verblüfft – hier im Wald, mitten in der Nacht? Beklemmung stieg in ihm auf. Der Wagen war offenbar direkt neben ihm auf einem schmalen Parallelweg unterwegs, aber ein Lichtkegel war nicht zu sehen. Der Gedanke, dass es sich um Leute vom Forstamt handelte, die eine nächtliche Patrouillenfahrt unternahmen, blitzte nur für eine Sekunde auf. Er beugte sich tiefer über den Lenker und drückte aufs Tempo, sein Atem beschleunigte sich. Es war nicht mehr weit bis zur Proraer Chaussee … Im selben Augenblick, in dem er keuchend um die Ecke in Richtung Stadion abbog, schoss links von ihm aus der Dunkelheit ein Fahrzeug heran. Einen verrückten Moment lang sah es so aus, als würde der Wagen direkt aus einem Gebüsch springen, um sich auf ihn zu stürzen. Charly riss sein Rad herum, aber es war zu spät – der Kühler streifte sein Vorderrad, und Sekundenbruchteile später schleuderte er zu Boden. Ein scharfer Schmerz schoss durch seine Schulter, als er aufschlug. Die ist hin, dachte er, die ist hin, die ist völlig hin. Er hatte Mühe zu atmen, vorsichtig hob er den Kopf und sah, dass die Bremslichter des Wagens – eines älteren Jeepmodells – aufglühten und wieder erloschen, als er zum Stehen kam. Das leise Wummern des Motors war plötzlich das einzige Geräusch in der Nacht, neben seinem pochenden Herzschlag.

Charly blieb regungslos liegen. Irgendwas stimmt hier nicht, dachte er. Hau ab, flüsterte er stumm, fahr einfach weiter, und zwar zackig. Ich will nicht wissen, warum du nachts ohne Scheinwerferlicht durch den Wald rast … Ein angesichts seiner eigenen Touren irgendwie widersinniger Gedanke, aber er ließ ihn trotzdem stehen. Ein langer Augenblick verstrich, dann fuhr der Wagen tatsächlich wieder an, und Charly schloss erleichtert die Augen. Den Hauch einer Sekunde später quietschten die Bremsen, und der Geländewagen stoppte erneut.

Scheiße, dachte Charly – scheiße, scheiße … Nicht einen Augenblick lang glaubte er daran, dass der Fahrer sich vergewissern wollte, ob ihm etwas passiert war, was über einige Abschürfungen hinausging. Panik schnürte seine Kehle zusammen, und sein Darm begann zu rebellieren. Beide Türen öffneten sich gleichzeitig, und zwei Männer stiegen aus. Als sie fast bei ihm angelangt waren, erkannte er, dass beide einheitlich schwarz gekleidet und ihre Gesichter unter Strumpfmasken verborgen waren. Er überlegte kurz, sich bewusstlos zu stellen oder besser noch: tot, doch dann erfasste ihn bereits der gleißende Kegel einer Taschenlampe. Charly blinzelte, und einer der beiden hockte sich neben ihn, während der andere ein paar Schritte vor ihm stehenblieb. Der Hinhocker trug Handschuhe, und der Stoff seiner Jacke raschelte. Und wen interessierte das jetzt?

»Was machst du hier – nachts auf dem Rad und ohne Licht? Spinnst du?«, fragte er in scharfem Ton, doch seine Stimme klang ernst und fast ein wenig besorgt.

Charly atmete schnell und flach. Vielleicht träume ich diesen ganzen Mist auch nur, fuhr es ihm durch den Kopf. Die Schmerzen in seiner Schulter strahlten gleichzeitig bis tief in den Rücken und in den Brustkorb aus. So fies konnte kein Traum sein.

»He! Hörst du, was ich sage?«

»Ich …«

»Ja?«

»Ich mach das oft.«

»Was?«

»Nachts am See biken.«

»Und das sollen wir dir glauben?«, mischte sich der andere Typ ein und trat von einem Bein aufs andere. Er schüttelte den Kopf, während er aufmerksam nach allen Seiten Ausschau hielt.

»Ja – ist verboten, mitten durch das Naturschutzgebiet zu fahren … Ich bin schon ein paarmal erwischt worden, darum fahre ich jetzt oft nachts«, entgegnete Charly eilig. O Mann, das ist so ziemlich das Letzte, was die beiden interessieren dürfte.

Die beiden warfen sich einen schnellen Blick zu. »Wo bist du langgefahren?«

»Zweimal um den See.«

»Ist dir irgendwas aufgefallen?«

»Nein, bis jetzt nicht.«

»Bist du verletzt?«

»Die Schulter … aber halb so wild.« Er biss die Zähne zusammen. »Passiert öfter mal, so ein Sturz.« Eher nicht, Charly war ein geschickter Fahrer, und wenn er tatsächlich mal stürzte, verletzte er sich höchstens minimal.

Es blieb still.

»Na, ich weiß nicht …«, meinte schließlich der Mann mit dem unruhig umherschweifenden Blick. »Das könnte ein …«

»Los, gib mir dein Handy«, sagte der andere plötzlich, ohne auf die Worte seines Begleiters zu achten. »Und ich will deinen Ausweis sehen.«

»Warum …«

»Tu, was ich dir sage und beeil dich. Wir haben nicht viel Zeit.«

»In meiner Brusttasche«, flüsterte Charly. »Ich kann mich nicht richtig bewegen.«

Der Mann nestelte nach seinem Phone und dem Ausweis, den er einen Moment aufmerksam studierte. »Karl Sander aus Bergen. Das werde ich mir gut merken, wenn du verstehst, was ich meine.«

Charly nickte sofort. Und ob er das verstand. Halt bloß dein Maul über unsere Begegnung, hieß das, und nichts anderes hatte Charly vor.

Der Mann steckte den Ausweis zurück in Charlys Tasche. »Wir werden für den Schaden an deinem Rad aufkommen. Außerdem behalte ich das Handy, sicherheitshalber, wenn du verstehst. Wir werden uns nie wiedersehen, es sei denn, du legst es darauf an, weil du scharf bist auf sehr viel Ärger.«

»Überhaupt nicht. Ich will keinen Ärger«, flüsterte Charly sofort.

»Weiser Entschluss. Du vergisst uns und den Zusammenstoß mit dem Wagen und denkst nicht einmal im Traum daran, mit der Polizei zu sprechen – hast du verstanden?«

»Na klar – ich bin ganz dämlich gestürzt. Ende.«

»So ist es.«

Das ist ein Trick, dachte Charly. Wahrscheinlich erschießt er mich, sobald ich mich in Sicherheit wiege. Aber es war kein Trick. Der Typ forderte den anderen auf, ihm sein Portemonnaie zu geben, was dem sichtlich gegen den Strich ging, und steckte ihm kurz darauf zwei zusammengefaltete Hunderter in die Innentasche seiner Jacke, wie er am nächsten Tag verblüfft feststellen würde. Zwei Minuten später saßen die beiden wieder in ihrem Geländewagen, obwohl der andere Mann nicht hundertprozentig von der Idee überzeugt schien, Charly einfach laufen oder vielmehr liegen zu lassen. Aber der zweite Typ hatte wohl das Sagen.

Charly brauchte anschließend eine gefühlte Ewigkeit, bis er sich soweit beruhigte, dass er sich aufrappeln und entlang des Stadions bis zur L 29 schleppen konnte. Das Fahrrad hatte er schweren Herzens liegen gelassen. Das musste bis morgen warten, falls es bis dahin nicht geklaut war. An der Straße angelangt, geriet er ins Stolpern, stürzte erneut auf die Schulter und verlor gnädigerweise das Bewusstsein, bevor er den Schmerz registrieren konnte. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als er mehr spürte als sah, dass sich jemand über ihn beugte. Dann war da noch ein anderer, dessen Mund sich bewegte; blaues Licht umkreiste seinen Kopf wie ein feuerspuckender Lichtkranz. Charly schloss die Augen.

1

Sie hatte einen schweren Tod, und ihre letzten Stunden waren grausam, wiederholte Kommissar Kasper Schneider lautlos die behutsam gewählten Worte des Rechtsmediziners, während er den Hörer auflegte. Mitgefühl durchströmte ihn, durchsetzt mit Resignation und Fassungslosigkeit. Er hielt kurz inne, bevor er seinen Blick wieder in den Ordner heftete, um Fotomaterial und erste vorliegende Ermittlungsergebnisse zu studieren, die die Kommissariate in Stralsund und Bergen seit dem Vortag gemeinsam zusammengetragen hatten.

Das Opfer hieß Mona Gluek und war gerade einmal achtunddreißig Jahre alt geworden, eine Physiotherapeutin aus Stralsund, Mutter eines vierjährigen Sohnes – eine schlanke, attraktive Frau mit dunklem Haar und hohen Wangenknochen; der durchdringende Blick aus klaren blauen Augen schien den Betrachter aufmerksam, vielleicht sogar mit dezentem Spott abzuschätzen. Eine energische Persönlichkeit, die es verstanden hatte, sich durchzusetzen, darauf wettete Kasper, während er das Bild, das im letzten Sommer entstanden war, erneut zur Hand nahm und schließlich beiseitelegte. Die Fotos vom Zustand ihrer Leiche sah er sich kein zweites Mal an. Es genügte der Hinweis von Doktor Möller, dass sie vor ihrem Tod schwer misshandelt und vergewaltigt worden war. Ein Detail erschütterte Kasper besonders: Der Rechtsmediziner hatte in ihrem Mund, der mit Paketband zugeklebt worden war, bizarrerweise ein zierliches Bernsteinarmband entdeckt – die Namensgravur belegte eindeutig, dass es Mona Gluek gehört hatte.

Ein Touristenpaar hatte die Leiche tags zuvor am frühen Morgen nordwestlich des Schmachter Sees in morastigem Erdreich entdeckt. Sie war gefesselt gewesen und hatte mit dem Gesicht im Sumpf gelegen, so dass sie erstickte – in der Nacht zum Donnerstag, wahrscheinlich zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh. Genauer konnte der Rechtsmediziner sich noch nicht festlegen. Das Bergener Kommissariat hatte nach ersten gemeinsamen Maßnahmen mit den Binzer Kollegen am Tatort umgehend die zuständige Stralsunder Polizeiinspektion eingeschaltet, die als leitende Dienststelle nun das Sagen hatte und die Ermittlungen koordinierte.

Erste Nachforschungen in Stralsund ergaben, dass die junge Frau am Abend zuvor als vermisst gemeldet wurde, nachdem sie ihren Sohn weder bei ihrer Babysitterin abgeholt hatte noch erreichbar gewesen war. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass es sich bei Monas Lebensgefährtin um die seit gut einem Monat spurlos verschwundene Sabrina Lorant handelte.

Kasper setzte die Brille ab und rieb sich die Augen. Gab es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen? Selbstverständlich, würde Romy prompt und ohne den geringsten ermittlungstechnisch relevanten Beweis vollmundig und mit herumfuchtelnden Händen behaupten – das ist doch kein Zufall! Kasper seufzte. Romy war seit knapp zwei Wochen im Urlaub, gemeinsam mit Jan Riechter, der das Kriminalkommissariat der Stralsunder Polizeiinspektion leitete. Die beiden waren seit den Ermittlungen im Mordfall Holger Bruhlstedt, der im Frühsommer von den Klippen gestürzt worden war, ein Paar und hatten sich die Auszeit mehr als verdient. Italien und München standen auf dem Reiseplan, soweit Kasper wusste. Er hatte Romy schon nach wenigen Tagen vermisst, aber das musste er ihr ja nicht unbedingt auf die Nase binden.

Er zuckte zusammen, als das Telefon klingelte. Auf dem Display leuchtete die Nummer der PI Stralsund auf. »Ja?«

»Ich bin’s, Simon. Es gibt unerfreuliche Neuigkeiten.«

Der junge Kommissar aus Jans Team war ganz nach Kaspers Geschmack. Simon hielt sich selten mit langen Vorreden auf, sondern kam meist direkt zum Kern der Sache, wie es nun mal an der Küste in der Regel so üblich war. »Kann ich mir nicht vorstellen. Noch unerfreulicher geht’s ja kaum noch«, brummte Kasper.

»Leider doch. Es waren mehrere Täter, soviel steht inzwischen zweifelsfrei fest. Sie haben Kondome benutzt und keine DNA-relevanten Spuren hinterlassen, auch nicht auf dem Armband und den Fesseln. Zum anderen müssen wir von einem homophoben Hintergrund ausgehen …«

»Was?«

»Ja. Bereits in der Mordnacht kursierte ein widerliches Video im Netz – die BKA-Zentralstelle für Recherchen in Datennetzen hat uns gerade informiert und den Film zur Verfügung gestellt«, berichtete Simon. »Das Machwerk ist schon auf dem Weg zu euch.«

»Was genau meinst du mit widerlich?«, fragte Kasper, obwohl er ahnte, worauf das Ganze hinauslief.

»Sie haben die Misshandlung und Vergewaltigung der Frau gefilmt. Verantwortlich zeichnen Vertreter einer Gruppe, die sich »Aktion aufrechter Russen« nennt und Schwule und Lesben jagt, entführt, misshandelt und die Videos anschließend ins Netz stellt.«

Kasper schwieg einen Moment betroffen, bevor er tief Luft holte. »Und woher weiß das BKA …«

»Ganz einfach – die Typen, sie sind übrigens zu zweit gewesen plus dem Kameramann, nennen Monas Namen mehrfach. Sie legen es darauf an, dass der Film zugeordnet wird und das Motiv klar ist. Es ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn wir davon ausgehen, dass das Verschwinden der Lebensgefährtin auch auf das Konto dieser Gruppe geht.«

»Nein, nicht allzu weit, nur verrate mir doch bitte mal, was Mona Gluek und ihre Freundin mit kranken russischen Hetzern und Gewalttätern zu tun haben – hier auf Rügen?«

»Mach ich. Die Gluek ist als Physiotherapeutin ins Leichtathletik-Betreuerteam der deutschen Mannschaft nachgerückt und im August bei der Weltmeisterschaft in Moskau dabei gewesen«, berichtete Simon. »Es gab ja schon im Vorfeld Ärger, was die diskriminierende russische Gesetzgebung bezüglich lesbischer und schwuler Lebensweisen angeht, wie du vielleicht mitgekriegt hast.«

»Hab ich, ja.«

»Einige Äußerungen von Sportlern und Promis haben für Aufsehen gesorgt und viele Diskussionen ausgelöst, weltweit. Vielleicht hat sie sich unbeliebt gemacht.«

»Tja … Aber warum Rügen? Und wieso lassen sie ihr Opfer ausgerechnet am Schmachter See liegen? Gibt es dafür auch schon einen Ansatz? Mal abgesehen davon, dass eine Leiche dort über Nacht offensichtlich völlig unbemerkt abgelegt werden konnte.«

»Damit bin ich zurzeit überfragt. Auch der Aspekt mit dem Armband erschließt sich noch nicht. Vielleicht sind wir schlauer, wenn die Techniker die Ergebnisse der Wohnungsdurchsuchung vorlegen und die Auswertung des Laptops abgeschlossen ist, der sich übrigens nicht in der Wohnung, sondern im Physio-Zentrum befand. Max kümmert sich bereits um die Handydaten des Opfers …«

»Du meinst, die Verbindungsnachweise?« Kasper runzelte die Brauen. »Oder habe ich was verpasst? Es wurde doch kein Handy gefunden.«

»Stimmt. Aber sie hat Daten und Fotos vom Smartphone auf dem Laptop gesichert. Die letzte Synchronisation liegt allerdings schon eine Weile zurück, wie der IT-Spezi von Buhl vorab meinte. Er schaut sich das alles noch sehr genau an, und das braucht seine Zeit. Dennoch geben vielleicht ihre Bilder was her. Wenn es etwas zu finden gibt, das uns weiterhilft, wird Max ganz sicher darauf stoßen.«

Kasper rieb sich übers Kinn. Keine Frage. Maximilian Breder war der Datenexperte des Teams – berüchtigt für seine detaillierten und umständlichen Erklärungen, die, um Romy zu zitieren, grundsätzlich beim Urschleim anfingen, aber mindestens ebenso berühmt für seine ausgefeilte Technik, mittels aufwendiger Informationserfassung auf wichtige und häufig entscheidende Hinweise zu stoßen.

»Nach dem Video und den ersten Einschätzungen der Technik und des Spurensicherungsteams zu urteilen, fand die Vergewaltigung wahrscheinlich nicht am Fundort statt«, fuhr Simon fort. »Aber auch zu diesem Aspekt liegt noch nichts Endgültiges vor.«

»Ja, ich weiß.« Der Leiter der Kriminaltechnik Marco Buhl hatte Kasper zwei Stunden zuvor nur berichten können, dass die Spuren noch lange nicht ausgewertet seien und der Radius der Suche unbedingt ausgeweitet werden müsse, um die Route der Täter rekonstruieren zu können. Da es zwischenzeitlich jedoch geregnet hatte, schätzte er die Chance, verwertbare Reifenspuren zu entdecken, allerdings als gering ein. Aber man sollte ja bekanntlich die Hoffnung niemals aufgeben.

»Weißt du was? Ich glaube, wir sollten Jan und Romy anrufen«, meinte Simon plötzlich. »Das scheint einer von diesen ausufernden Fällen zu werden.«

»Gut möglich.«

»Sie werden beide toben und schimpfen, aber …«

»Sie würden auch toben und schimpfen, wenn wir uns nicht melden.«

»So ist es.«

Sie waren am späten Abend in München aufgebrochen und würden bei freier Fahrt gut sieben Stunden benötigen, vielleicht acht. Alle zwei Stunden wechselten sie sich in stillem Einvernehmen am Steuer ab. Vieles zwischen ihnen geschah in stillem Einvernehmen. Nach Simons Anruf hatten sie keine Sekunde gezögert, vorzeitig abzureisen, ohne Wenn und Aber.

Du tust mir gut, dachte Romy, als sie kurz hinter Berlin wieder das Steuer übernahm, während Jan sich gähnend neben ihr ausstreckte und die Augen schloss. Deine Morgenmuffeligkeit finde ich nicht immer charmant, aber dieses Grübchen am Kinn macht einiges wett – zumindest im Moment noch. Die rosaroten Wolken würden vorüberziehen, irgendwann, und die berufliche Zusammenarbeit dürfte auf Dauer nicht ganz einfach werden, doch sie hatten beschlossen, sich auf das Wagnis einzulassen. Romys Mutter war begeistert gewesen, und ihr Vater hatte nichts an Jan auszusetzen gehabt, was quasi einer Heiligsprechung gleichkam.

In den ersten beiden Stunden hatten sie über den Fall gesprochen, der ihren Urlaub abrupt beendet hatte, mittlerweile herrschte nachdenkliches Schweigen oder die friedvolle Stille der kurzen Schlafpausen. Romy setzte Jan um halb sieben in Stralsund ab, fuhr zum Duschen und Umziehen nach Binz weiter und traf gegen acht auf ihrer Bergener Dienststelle ein, wo Kasper, Fine Rohlbart – das Urgestein der Bergener Polizei und Mädchen für alles im Innendienst – und Max sie bereits erwarteten.

»Tut mir leid«, setzte Kasper mit verlegener Miene an, während Fine starken Kaffee servierte und einen Frühstücksimbiss bereitstellte, der locker für ein Dutzend Hungriger ausgereicht hätte. »Aber wir sind ein bisschen überfordert und …«

»Ist in Ordnung.« Romy lächelte in die Runde. »Ich war ja immerhin fast zwei Wochen außer Dienst, noch dazu weit weg von Rügen. Das reicht, oder? Der Aufbruch war etwas abrupt, aber ich freue mich, euch zu sehen.«

»Wenn du meinst.« Kasper schmunzelte.

»Sag ich doch – Romy ist froh, wieder im Norden zu sein. Da weiß sie, was sie hat«, schätzte Fine.

»Ganz genau.« Romy genehmigte sich ein dick belegtes Schinkenbrötchen und setzte sich an ihren üblichen Platz am Besprechungstisch. Sie hatte innerhalb weniger Augenblicke das Gefühl, zu Hause und am richtigen Platz zu sein. Das würden ihre Eltern nie verstehen – wie kann man sich da oben an der rauen Ostsee heimisch fühlen, wenn man in München aufgewachsen war und italienische Wurzeln hatte? Keine Ahnung. Es ist so. Unwichtig, warum. »Gibt es schon Ergänzungen zum letzten Stand der Dinge, seit wir gestern Abend unterrichtet wurden?«, hob sie an.

Max nickte und schlug ein Bein über das andere. Er trug wie meistens einen legeren Anzug mit passenden Schuhen, hatte aber an diesem Morgen auf die Krawatte verzichtet und sich stattdessen für einen dunkelblauen Rolli entschieden. »Ich habe schon mal ein paar Daten und Infos geordnet, damit wir die Ermittlungen nahtlos fortsetzen können«, erklärte er.

»Alles andere hätte mich jetzt stark gewundert«, kommentierte Romy mit leiser Ironie.

Max hob eine Braue, ließ sich aber ansonsten nicht ablenken. »Monas Handydaten vom Laptop sind zwar nicht auf dem letzten Stand, weil sie offensichtlich nur sporadisch synchronisierte, aber fest steht, dass sie häufig mit ihrem Smartphone fotografierte. Wie es aussieht, war sie oft mit ihrer Freundin auf Rügen, deren Eltern übrigens ein Ferienhaus in Thiessow besitzen«, fuhr er fort. »Es gibt die üblichen Strand- und Inselschnappschüsse und auffällig viele Aufnahmen von gemeinsamen Wanderungen rund um den Schmachter See und das Naturschutzgebiet. Das war ohne Frage einer ihrer Lieblingsplätze auf Rügen. Die beiden sind mehrfach auch gemeinsam abgebildet – Arm in Arm, Hand in Hand, glücklich lächelnd, mit Kind und ohne. Gut denkbar, dass sich daraus das Motiv für den Tatort ableitet. Darüber hinaus scheint das Armband ein Geburtstagsgeschenk der Lebensgefährtin zu sein, wie mehrere Bilder vermuten lassen.«

»Aber der Lebensmittelpunkt der beiden war Stralsund?«, fragte Romy.

»Ja. Das Paar lebte mit dem Sohn von Mona in einer gemeinsamen Wohnung in der Hansestadt. Sabrina Lorant war als Beraterin bei der Arbeitsagentur tätig und hatte häufig auch auf Rügen zu tun«, erläuterte Max weiter. »Sie verschwand Ende August nach ihrer Rückkehr von der Außenstelle Bergen – ihr Wagen stand auf dem Parkplatz der Arbeitsagentur in Stralsund und war laut GPS-Daten eindeutig die Strecke Stralsund-Rügen und retour gefahren. Mona Gluek gab erst am nächsten Tag eine Vermisstenmeldung auf, weil sie davon ausgegangen war, dass ihre Lebensgefährtin im Anschluss an ihren beruflichen Termin noch nach Thiessow gefahren war. Die Spurenlage erwies sich als ausgesprochen dürftig, wie es in der Akte heißt. Niemand hatte etwas beobachtet oder konnte sich die Hintergründe erklären, die Verbindungsnachweise des Handys gaben nichts her, und auch im Job war nicht das Geringste über Konfliktstoff bekannt. Die Frau war und blieb einfach verschwunden, bis heute.«

Romy lehnte sich zurück. »Und zirka fünf Wochen später verschwindet Mona, ebenfalls im Anschluss an einen beruflichen Termin in Stralsund«, resümierte sie nachdenklich. »Auch bei ihr hat niemand etwas bemerkt – so jedenfalls das bisherige Ergebnis der Befragungen –, aber …«

»Die Frau wird brutal misshandelt und vergewaltigt – von einer russischen Gruppe, die Homosexuelle überfällt, entführt und quält – und anschließend ermordet«, ergriff Kasper das Wort.

»Das Video, das die brutale Vorgehensweise dokumentiert, wird noch in der gleichen Nacht ins Netz gestellt. Über einen russischen Server«, fuhr Max fort. »Es existieren jede Menge solcher widerlichen Filme, unter ähnlichen Namen und stets mit dem gleichen Motiv. Es dürfte ziemlich schwierig werden, etwas über diese Leute und Gruppen herauszubekommen. Die strafrechtliche Verfolgung geht gegen null, zumindest in Russland, aber das wundert uns jetzt nicht, oder?«

Schweigen.

»Ich fürchte, wir müssen es uns ansehen«, sagte Kasper schließlich leise. Max drehte seinen Laptop herum und startete den Film. Niemand sagte etwas, während zwei maskierte und schwarz gekleidete Männer die gefesselte Frau erniedrigten, verhöhnten, schlugen, abwechselnd vergewaltigten und die Kamera jedes Detail ihrer Qual in klaren Bildern festhielt, mal in Großaufnahme, mal in Zeitlupe.

Fine atmete mehrmals laut aus, und Romy hatte Mühe, den Blick nicht entsetzt abzuwenden; schließlich konzentrierte sie sich auf die Details, um die grausame Wucht des Geschehens auszublenden. Beide Männer sprachen wenig, bezeichneten Mona jedoch als »Lesbenschlampe, die bestraft werden müsse«, und nannten die Bezeichnung der Gruppe. Sie erweckten den Eindruck, als seien sie gut aufeinander eingespielt, und sie sprachen mit leichtem Akzent. Von der Umgebung war kaum etwas zu erkennen, stellte Romy fest und versuchte, ihren hochgeschnellten Puls zu ignorieren.

»Gibt es schon Erkenntnisse oder Vermutungen, wo das Ganze stattfindet?«, fragte sie, kaum dass der Film beendet war und bevor drückende Stille eintreten konnte. »Man kann nicht allzu viel sehen, aber ich habe den Eindruck, dass sie sich in einem geschlossenen Raum befinden.«

Max schüttelte den Kopf. »Bislang liegt nur die Einschätzung vor, dass die aufgezeichneten Gewalttaten und der Mord nicht am selben Ort stattfanden. Buhl tut sein Möglichstes, und die IT-Leute kümmern sich bereits um das Video, um Einzelheiten herauszufiltern, die uns Genaueres über die Räumlichkeiten sagen können.«

»Wäre ja auch ein bisschen riskant da draußen«, bemerkte Kasper. »Selbst mitten in der Nacht. Außerdem legen die Typen ja Wert darauf, das Ganze so zu filmen, dass es Netzqualität hat. Der Kameramann scheint das auch nicht zum ersten Mal zu machen.«

Romy nickte nachdenklich. »Zusammenfassend können wir demnach feststellen, dass die Täter Mona zunächst an einen Ort entführen, wo die Vergewaltigung stattfindet und gefilmt wird. Anschließend fahren sie mit der Frau an den Schmachter See und ermorden sie dort. Sie wurde im Sumpf erstickt, wenn ich das richtig verstanden habe. Danach hauen die Typen ab, ohne dass irgendjemand etwas gesehen, beobachtet oder zufällig mitbekommen hat.«

»Die ersten Befragungen in der Umgebung haben bislang jedenfalls nichts ergeben, was mich, ehrlich gesagt, auch nicht weiter wundert«, führte Kasper aus. »In einer kühlen Herbstnacht ist da draußen kaum jemand unterwegs, um nicht zu sagen: niemand. Aber die Kollegen aus Binz klappern die Gegend noch einmal ab – einschließlich der Garagenanlage gegenüber dem Stadion sowie Zirkow und Pantow. Die Spurenlage im Morast ist jedoch ziemlich bescheiden, wie ihr euch denken könnt.«

Romy nickte. »Womit haben wir es hier zu tun?« Sie blickte in die Runde. »Sabrina Lorant verschwindet spurlos und ohne Aufsehen, Mona Gluek wird einige Wochen später quasi öffentlich hingerichtet – die Täter wissen sogar vom Bezug des Paares zu Rügen, ihr Tod wird an jenem Ort inszeniert, der für sie und ihre Lebensgefährtin bedeutsam oder wenigstens, ja, ein Quell der Freude war. Der persönliche Bezug wird mit dem Armband zusätzlich betont. Die unterschiedliche Behandlung der Frauen – tut mir leid, ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein – dürfte sehr wahrscheinlich mit Monas Aufenthalt in Moskau zusammenhängen. Zumindest müssen wir da nachhaken.«

»Sabrina verschwindet übrigens gerade mal einen Tag nach Monas Rückkehr von der Weltmeisterschaft«, bemerkte Max. »Würde ich auch nicht gerade für einen Zufall halten.«

Kasper runzelte die Stirn. »Ein homophober Zusammenhang wurde zu diesem Zeitpunkt aber nicht in Erwägung gezogen, oder? In der Vermisstenakte steht jedenfalls kein einziges Wort dazu. Niemand, einschließlich Mona, konnte sich erklären, was geschehen war.«

»Vielleicht ahnte sie etwas, ohne es zu erwähnen?«, schlug Romy vor. »Oder weil sie Angst hatte. Vielleicht wurde sie bereits eingeschüchtert.«

»Nicht auszuschließen. Aber davon müssten doch auch andere etwas mitbekommen haben – Kollegen, Freunde. Und schließlich vergehen fünf Wochen, bevor die Typen erneut zuschlagen?« Kasper wiegte den Kopf. »Bisschen merkwürdig, oder?«

Romy hob die Hände. »Tja, warum nicht? Was die veranstaltet haben, bedarf schon einiger Vorbereitung – die haben sich ja sogar die Mühe gemacht, ihr Umfeld und ihre Vorlieben auszuspionieren, einschließlich der Begeisterung des Paares für den Schmachter See. Und warum sollten sie ihr Vorhaben überstürzen? Unter Umständen sollte Mona sich sogar in Sicherheit wiegen.«

Kasper setzte eine skeptische Miene auf. »Wir wissen noch viel zu wenig, um eine solche Wertung vorzunehmen.«

»Stimmt, und das werden wir umgehend ändern. Wie geht es heute eigentlich weiter? Was liegt als Nächstes an?«

»Die Stralsunder planen, eine ganze Reihe von Befragungen durchzuführen, wobei der Schwerpunkt der Ermittlungen logischerweise im Moment auf Mona liegt«, antwortete Kasper. »Da sollten wir uns einklinken. Wenn es dir recht ist, fahre ich mal raus nach Thiessow, red mit ein paar Leuten und gucke mich auch noch mal genauer am See um. Dann könntest du erst mal nach Stralsund düsen.«

»Das ist mir sehr recht.« Romy blickte Max und Fine an. »Eure Aufgabe ist klar, oder?«

»Sicher.« Fine nickte. »Alle verfügbaren Infos zusammenstellen. Und die nicht verfügbaren natürlich auch, und alle beteiligten Dienststellen stets auf dem Laufenden halten.«

»So ist es.«

Das Stralsunder Physio-Zentrum, das als eines der angesehensten im Norden der Republik galt und auf Hochleistungssport spezialisiert war, beschäftigte rund ein Dutzend qualifizierter Mitarbeiter. Die Hälfte hatte in den vergangenen beiden Tagen bereits eine Aussage gemacht, und der Tenor war immer der gleiche: Mona war richtig gut in ihrem Job gewesen, so gut, dass sie ins DLV-Team nachrückte, als zwei Leute krankheitsbedingt ausfielen, obwohl sie erst seit Anfang des Jahres in der Firma war. Sie galt als hoch motiviert und durchsetzungsfähig und verfügte über ein flinkes Mundwerk. Über ihr Privatleben hatte sie wenig gesprochen. Auf einer Beliebtheitsskala von null bis zehn erreichte sie eine durchaus passable, aber nicht unbedingt grandiose Sieben. Jan schätzte, dass sie keine angepasste, konfliktscheue Mitarbeiterin war, die jedem nach dem Mund redete und stets darauf bedacht war, niemandem auf die Füße zu treten. Der Wert könnte allerdings auch widerspiegeln, dass sie mit dem einen oder anderen Kollegen gar nicht klargekommen war, während sie von anderen die volle Punktzahl erhalten hatte.

Wie dem auch sei – das Video hatte die Ausgangssituation völlig verändert, und es wurde Zeit, die noch fehlenden Mitarbeiter und Einzelne sogar ein zweites Mal zu befragen sowie dem Aufenthalt in Moskau auf den Grund zu gehen. Jan hielt es für vorstellbar, dass die selbstbewusste Frau offen, möglicherweise provokativ ihre Meinung geäußert und sich Feinde gemacht hatte. Das aber dürfte den anderen nicht verborgen geblieben sein.

Romy war bereits vor ihm am Zentrum eingetroffen, einem aufwendig im klassizistischen Stil sanierten mehrstöckigen Altbau in der Hainholzstraße, und wartete an ihren Roller gelehnt auf Jan. Sie sah etwas müde um die Augen aus, wirkte aber ansonsten hellwach und, ja – betroffen. Er trat nahe an sie heran und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. »Lange nicht gesehen, Frau Kommissarin. Viel zu lange, wenn du mich fragst. Alles in Ordnung?«

»Na ja, dieses Video geht mir ganz schön an die Nieren, und ich hoffe wirklich …«

»Wir kriegen die Kerle«, unterbrach er sie rasch. »Jedenfalls tun wir alles dafür, okay?« Doch Jan wusste, dass die Chancen nicht sehr gut standen, falls die Täter oder Auftraggeber einem organisierten Milieu angehörten, wofür die zielgerichtete und geplante Vorgehensweise sprach.

»Was ist eigentlich mit ihrer Familie?«, fragte Romy. »Liegen schon Aussagen vor?«

»Ihre Mutter ist vor zwei Jahren gestorben, eine jüngere Schwester ist nach Finnland ausgewandert. Der Vater lebt in Schwerin und leitet ein kleines Bauunternehmen«, erläuterte Jan. »Es gab seit Jahren kaum Kontakt zwischen Mona und ihm – das berichtete der Schweriner Kollege, der ihn über das Geschehen in Kenntnis setzte. Die beiden waren sich nicht grün, das war wohl deutlich zu spüren.«

»Aufgrund ihrer Sexualität?«

Jan zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung. Der Mann war nicht bereit zu einer tiefschürfenden Aussage – um genau zu sein, wollte er gar nicht über seine Tochter reden.«

»Was ist eigentlich mit ihrem Sohn? Wer ist der Vater?«

»Unbekannt – so steht es zumindest in der Geburtsurkunde, aber wir sollten da noch mal genauer hingucken.«

Jan öffnete die Tür und ließ ihr den Vortritt. »Wie würden eigentlich deine Eltern reagieren?«, schob er nach, während sie durch den hellen Flur, dessen Wände in frischem Rauputz erstrahlten, in Richtung Empfangsraum gingen.

»Gute Frage. Mein Vater würde wahrscheinlich annehmen, dass es vom Boxen kommt und dem harten Job …« Romy verdrehte die Augen. »Von wegen Vermännlichung oder so. Meine Mutter würde sich Sorgen machen, weil ich mir einen schweren Weg ausgesucht hätte, ihrer Ansicht nach. Schlimmer wäre es allerdings, glaube ich, wenn mein Bruder schwul wäre. Der einzige Sohn ein Homosexueller – damit hätte mein Vater ein echtes Problem.«

»Meiner auch.« Jan nickte. »Aber vielleicht tue ich ihm auch Unrecht. Wir sollten mal wieder zu meinen Eltern rausfahren, und dann kann ich ihn ja bei der Gelegenheit einfach mal fragen.« Jans Eltern lebten seit ihrer Pensionierung im nördlich von Stralsund gelegenen Klausdorf. Sein Vater war ebenfalls bei der Polizei gewesen, seine Mutter hatte in der Buchhaltung der Volkswerft gearbeitet.

»Wie viele Leute befragen wir jetzt eigentlich?«, wechselte Romy das Thema.

»Fünf, mindestens, je nachdem wie sich das Ganze so entwickelt.« Jan nestelte sein Handy aus der Brusttasche und öffnete die Notizfunktion. »Und einer davon, Michael Keyser, ist gar nicht mal uninteressant. Der Mann hat bei der ersten Befragungsrunde behauptet, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und Mona harmonisch gewesen sei. Kollegin Frauke, die am Donnerstag mit Simon hier war und die Angestellten befragte, die gerade verfügbar waren, bezweifelt das aber. Keyser ist durch Monas rasanten Aufstieg hier im Zentrum deutlich ins Abseits geraten – ursprünglich war er sogar als Nachrücker für die Moskauer WM vorgesehen –, und zwei Kollegen weisen zumindest dezent auf Misstöne zwischen den beiden hin. Die mochten sich grundsätzlich nicht besonders, meinte eine junge Kollegin sogar, die aber nicht zitiert werden will.«

»Klingt nach dem üblichen Konkurrenzkampf, aber das sollten wir uns trotzdem ruhig mal genauer ansehen.«

»Finde ich auch.«

Das Fischerhäuschen von Familie Lorant befand sich am Südperd von Thiessow auf der Mönchguter Landzunge, unweit des Lotsenturms. Was für ein schönes Fleckchen Erde, dachte Kasper, während er die Strandstraße hochfuhr und anschließend die Blicke bei einem kurzen Rundgang über die Dünen schweifen ließ. Die lebendig satten Farben des Dünenwaldes wirkten bereits ausgeblichen, sommermüde, die See war unruhig, ein kalter Wind drückte tiefhängende Wolken zusammen und zog Bäume und Buschwerk in eine bedrohliche Schieflage. In der Ferne tanzten Kitesurfer auf den Wellen.

Kasper hatte gleich nach Romys Aufbruch mit Sabrinas Eltern Kontakt aufgenommen. Das Ehepaar verbrachte viel Zeit in Thiessow.

»Wir blühen hier auf«, hatte Sabrinas Vater Wolfgang Lorant am Telefon gesagt. »Unsere Tochter hat uns oft besucht … Gibt es eine Spur von ihr«, hatte er nach einer langen Pause hinzugefügt, und in seiner Stimme schwangen zugleich Hoffnung und Angst.

»Nein.«

»Sie wollen wegen Mona mit uns sprechen, nicht wahr?«

»Ja. Wir nehmen an, dass es möglicherweise einen Zusammenhang gibt.«

»Das hoffe ich nicht.«

Kasper verstand natürlich sofort, was er meinte. »Würden Sie sich eine halbe Stunde Zeit nehmen, um ein paar Fragen zu beantworten? Ich würde das ungern am Telefon machen.«

»Warum nicht? Kommen Sie einfach vorbei, wenn Sie meinen, dass es nützlich sein könnte.«

Die Eingangstür stand auf, wie Kasper feststellte, während er über einen schmalen Seitenweg auf das reetgedeckte Haus zuging. Eine Frau in ausgeblichenen Cordhosen nahm Wäsche von der Leine, Gartengeräte lagen verstreut in den Beeten, einige Häuser weiter ratterte ein Rasenmäher. Wolfgang Lorant, ein schlanker Mittsechziger mit eisgrauem Haarschopf und kräftigem Kinn, stand plötzlich am Zaun und winkte ihm mit knapper Geste zu. »Sie sind Kommissar Schneider, nicht wahr?«

Seine Frau drehte sich langsam um. Ihr Gesicht war verhärmt, die Sonnenbräune wirkte stumpf. Sie nickte kaum wahrnehmbar. »Ich koche Tee.« Sie blickte ihren Mann an. »Setzt euch in den Wintergarten.« Das klang weder nach einem Angebot noch nach einer Bitte.

Wolfgang Lorant wies Kasper den Weg über die Veranda, von der eine schmale Seitentür in den Wintergarten führte. Er zeigte auf einen runden Bauerntisch und zwei bequeme Schaukelstühle. »An klaren Tagen können Sie von hier aus das Meer nicht nur erahnen«, sagte er. »Ich sitze oft hier, und nur selten komme ich zum Lesen. Meist gucke ich. Mein Bruder hat immer Fotos gemacht, wenn er hier war …« Er brach ab. »Ich rede zu viel. Ist eigentlich gar nicht meine Art. Setzen Sie sich doch bitte.«

Kasper ließ sich in einem der Schaukelstühle nieder. Die Lorants haben ihre Tochter bereits begraben, dachte er, aber sie wissen nicht, wo, und das lässt die beiden nicht zur Ruhe kommen. Vielleicht niemals.

»Wo ist Benjamin eigentlich?«

Kasper blickte Lorant fragend an.

»Monas Sohn.«

»Entschuldigen Sie, dass ich den Namen nicht gleich zuordnen konnte – ich denke, er ist im Moment in staatlicher Obhut.« Kasper machte sich innerlich eine Notiz. Max sollte da mal nachhaken.

Sabrinas Mutter trat ein und stellte ein Tablett auf den Tisch. Ohne ein weiteres Wort oder auch nur einen flüchtigen Seitenblick verschwand sie wieder, und ihr Mann goss den Tee ein. Er reichte Kasper eine Tasse. »Wir haben nur ein Kind gehabt«, sagte er leise. »Sie kann nicht darüber reden, sie ist wie erstarrt. Das müssen Sie verstehen.«

Kasper nickte. »Natürlich.« Er trank einen Schluck. »Ist Benjamin so etwas wie ein Enkelkind für Sie?«

»Ja, durchaus, auch wenn die beiden nicht – wie heißt es doch gleich: verpartnert waren. Blödes Wort, wenn Sie mich fragen, aber egal. Wir mögen den Kleinen. Das ist ein hübscher, aufgeweckter Junge.«

Kasper trank einen Schluck. »Wissen Sie eigentlich, wer der Vater ist? Oder kennen Sie ihn womöglich?«

Lorant schüttelte den Kopf. »Nein, über ihn sprach Mona nie und Sabrina auch nicht. Sie war wohl schwanger, als die beiden sich kennenlernten, aber vielleicht täusche ich mich auch, und die Frauen kannten sich schon länger. Jedenfalls freuten sie sich beide auf das Kind, das war sehr deutlich.«

»War die Beziehung glücklich?«

Lorant überlegte kurz. »Ich weiß es nicht. Manchmal ja, manchmal nein. Mona war, glaube ich, ein ziemlich wildes Ding. Sabrina hat sich nie beschwert, nicht bei uns, doch die beiden waren sich nicht immer grün, da hat es häufiger mal gekracht – warum sollte es ihnen anders ergehen als anderen Paaren?« Er versuchte ein Lächeln, aber es erstarb schon auf halbem Wege und erreichte die Augen nicht. »Was ist mit Mona passiert? Ihr Stralsunder Kollege, der vorgestern anrief, konnte oder wollte nicht in die Einzelheiten gehen. Er sprach von einem grausamen Verbrechen, aber das kann alles Mögliche bedeuten.«

Kasper ließ sich Tee nachgießen und rührte Kandis hinein. »Wir haben Anlass zu der Vermutung, dass Mona in die Hände von homophoben Gewalttätern geriet«, sagte er schließlich.

Lorant stellte seine Tasse mit lautem Klirren ab. »Das ist nicht Ihr Ernst!«

»Im Moment sieht es so aus. Sehr wahrscheinlich hat Mona sich in Moskau unbeliebt gemacht. In Russland herrscht ein feindseliges Klima gegenüber Homosexuellen. Hat sie vielleicht etwas erwähnt nach ihrer Rückkehr von der Weltmeisterschaft, oder wirkte sie in irgendeiner Weise beunruhigt?«

»Wie meinen Sie das?« Lorant war perplex.

»Nun, hat sie von Streit oder Anfeindungen berichtet oder sogar von Übergriffen? Oder hat Ihre Tochter etwas erzählt? Vielleicht haben die beiden zwischenzeitlich telefoniert, und Mona erwähnte so etwas in der Richtung, worüber Sabrina wiederum mit Ihnen sprach.«

Er schüttelte langsam den Kopf. »Nichts dergleichen, und an so was würde ich mich ganz bestimmt erinnern. Wissen Sie, sie war ja kaum zurück, als Sabrina verschwand … Seitdem haben wir einige Male telefoniert, und sie war einmal hier, mit dem Jungen. Sie stand unter Schock, wie wir auch, und Moskau erwähnte sie lediglich am Rande – sie hätten viel zu tun gehabt, und es wäre eine schöne und aufregende Zeit gewesen. So etwas in der Art, aber auch nur in ein, zwei Nebensätzen. Das war ja plötzlich alles vollkommen unwichtig geworden, verstehen Sie?« Er starrte Kasper mit schmalen Augen an. »Wie kommen Sie überhaupt darauf, dass es einen solchen Hintergrund geben könnte?«

»Sie wurde vergewaltigt, und es gibt ein Bekennervideo.« Kasper schluckte, als Lorant erbleichte. Natürlich dachte der Mann sofort an seine Tochter. Seine Hände zitterten.

»Sagen Sie das bitte nicht meiner Frau«, flüsterte Lorant schließlich. »Nicht jetzt, bitte! Besser, die beiden wären sich nie begegnet, meinte sie erst letztens. Mona hat unserer Lütten kein Glück gebracht. Das klingt nicht fair, aber …« Er starrte ins Leere. »Warum tun Menschen so etwas?«

Kasper ließ die Frage stehen.

2

Geschäftsführer Peter Dorn leitete das Physio-Zentrum seit gut drei Jahren. Er machte auf Romy den Eindruck eines vielbeschäftigten Managers mit straffem Terminplan und wäre bei ihr jederzeit als Banker oder Firmengründer, in welcher Branche auch immer, durchgegangen. Er wirkte ungehalten, als Romy und Jan in der Tür zu seinem Büro standen. »Ich habe doch bereits mit der Polizei gesprochen …«

»Ich weiß. Ich habe die Akte gelesen.« Jan lächelte. »Aber es gibt Neuigkeiten, die weitere Nachfragen erforderlich machen.«

Dorn sah auf die Uhr, warf Romy einen beiläufigen Blick zu und wies dann auf den Besprechungstisch am Fenster. »Nun gut, zehn Minuten kann ich erübrigen.«

»Wie schön.« Jan gab sich keine Mühe, die ironische Note zu überdecken, und sparte sich jegliche einleitende und behutsame Worte. In knappen Sätzen erläuterte er die aktuellen Ermittlungserkenntnisse.

Der Mann erblasste, und innerhalb von Sekunden war von seinem Geschäftsführergehabe nicht mehr das Geringste zu erkennen. »Das ist ja … schrecklich. Um Gottes willen.« Er blickte Romy hilfesuchend an, als erhoffte er bessere Nachrichten von ihr.

»Wir müssen in Erfahrung bringen, was bei der WM in Moskau vorgefallen ist«, ergriff sie das Wort. »Wissen Sie von Problemen, die Mona dort hatte?«

»Was? Nein! Sie meinen tatsächlich, dass sie aufgrund ihrer lesbischen Lebensweise ins Visier solcher Gewalttäter geraten sein könnte und sich falsch verhielt – im Sinne dieser Leute und der russischen Gesetzgebung?«

»Genau das meinen wir. Vielleicht gab es Konflikte, und Mona trat in besonders provozierender Weise auf.«

Dorn überlegte nur kurz und winkte dann ab. »Das können Sie gleich wieder vergessen. Es gab keinerlei Ärger wegen solcher Geschichten. Das DLV-Team hat sich völlig auf den Sport konzentriert und die Betreuer natürlich ebenfalls.«