Über Katharina Peters

Katharina Peters, Jahrgang 1960, schloss ein Studium in Germanistik und Kunstgeschichte ab. Sie begeistert sich für Aikido, ist passionierte Marathonläuferin und lebt in Berlin.

Aus der Serie um Romy Beccare sind bisher erschienen: »Hafenmord«, »Dünenmord« und Klippenmord«. »Bernsteinmord« erscheint im Frühjahr 2015.

Daneben sind von Katharina Peters zwei Thriller mit der Kriminalpsychologin Hannah Jakobs lieferbar: »Herztod« und »Wachkoma«.

Bisher nur als E-Book ist der Episodenroman »Vergeltung« lieferbar.

Informationen zum Buch

Mit Tim Kilbart hat Hannah Jakob nun einen Verdächtigen, auch wenn er sich als sehr abgeklärt zeigt. Er hatte eine Verbindung zu Bleichert, doch in welcher Beziehung stand er zu den anderen Opfern? Hannah gibt nicht auf. Weitere Überschneidungen bringen den Fall entscheidend weiter: Kann Kilbart der Kontakt zu einer Sozialarbeiterin nachgewiesen werden, die sowohl zu Nico Bleichert als auch zu den Muhlt-Kindern Kontakt hatte?

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Katharina Peters

Vergeltung

6. Das Verhör

Thriller

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Inhaltsübersicht

Über Katharina Peters

Informationen zum Buch

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Hauptpersonen

6 Das Verhör

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Impressum

HAUPTPERSONEN

Hannah Jakob, Anfang vierzig, Kriminalpsychologin, gebürtige Hamburgerin, lebt seit Anfang der 90er Jahre in Berlin und ist als Sonderermittlerin beim BKA tätig (direkter Vorgesetzter: Abteilungsleiter Bernd Krüger), das sie bundesweit in Fällen vermisster Frauen und Kinder einsetzt. Ihre jüngere Schwester Liv verschwand vor gut zwanzig Jahren nach einem Streit spurlos – ein Drama, dessen Umstände die Familie entzweite und ihr Leben entscheidend mitprägte. Hannah ist selten ohne Windhundmischling Kotti unterwegs.

Mark Springer, Anfang dreißig, Kommissar beim LKA – neigt zu Eigensinn und Arroganz, direkt, unangepasst, hitzköpfig, kein guter Teamplayer. Ermittelt mit Herzblut und beachtet nicht immer alle Dienstvorschriften. Lebt im Schillerkiez in Neukölln, auch privat Einzelgänger.

Oberstaatsanwältin Gesine Hilt, Mitte fünfzig, engagiert, scharfzüngig, loyal zu ihren Leuten. Scheut weder die Auseinandersetzung mit großen Namen noch das damit verbundene Risiko.

Paul Luschinsky, genannt Lusche, Mitte fünfzig, Fahndungsleiter, Einsatz-Koordination, robust-bärbeißiger Typ, exzessiver Kaugummikauer, ist der geborene Motivator, hält immer seinen Kopf hin.

Loni Geising, Ende zwanzig, macht wenig Worte, Innendienst, Recherche, gründlich, wach, unauffällig, wird häufig unterschätzt und übersehen.

Jannick Wintar, vierzig, leitender Ermittler in der OGJ (operative Gruppe gegen Jugendgewalt), ein überzeugter Streetworker, kann Menschen überzeugen und zum Reden bringen.

Martha Sund, 30, verdeckte Ermittlerin mit eigenwilligen Methoden, in die sie sich niemals hineinreden lässt.

Robert Bleichert, 52, Anwalt, seit Ende Juli spurlos verschwunden; in zweiter Ehe seit zehn Jahren verheiratet mit Katrin Bleichert, 42, Gartenarchitektin, gemeinsamer Sohn Nico, acht Jahre alt.

Corinna Mirbach, 18, Kellnerin, wurde als knapp Sechzehnjährige im Rahmen von Ermittlungen um Vergewaltigung minderjähriger Mädchen aktenkundig; wie auch die gleichaltrige Freundin Eva Grohn, die seit einigen Monaten verschwunden ist.

6
DAS VERHÖR

1

Margret Kollwitz hatte Tim bei ihrem ersten Besuch in den höchsten Tönen gelobt und wich keinen Millimeter von ihrer Einschätzung ab, als Hannah sie am Sonntagnachmittag ein zweites Mal befragte, wobei sie Kotti diesmal im Wagen zurückließ – die geballte Ladung Mops-Empörung wollte sie ihm diesmal ersparen.

Interessant wurde es erst, als Hannah das Gespräch auf Lunas Tod lenkte, die »irgendwo Gift aufgenommen hatte«, wie Kollwitz immer noch sichtlich betroffen schilderte.

»Sie war nicht mehr zu retten. Immer wieder sind solche kranken Tierhasser unterwegs und legen Köder aus«, berichtete sie stockend. »Wir waren beide zutiefst schockiert. Tim erzählte, dass er schon mal einen Hund, den er regelmäßig betreute, auf schreckliche Weise verloren hatte …«

Kollwitz brach ab, um sich kurz zu sammeln. »Sogar seine Freundin war wie betäubt.«

»Kannten Sie Tims Freundin näher?«

»Nein, das nicht, aber manchmal begleitete sie ihn auf längeren Runden, wenn ich das richtig mitbekommen habe, vor allen Dingen am Wochenende. Ich glaube, sie hat auch studiert. Auf jeden Fall mochte sie Luna sehr.«

»Können Sie sich an den Namen erinnern?«

»Ach du liebe Güte, nein, mit Namen habe ich es nicht so, aber … warten Sie.« Kollwitz stand auf. »Sie hat mir ein paar Wochen nach der Beerdigung ein Foto geschickt – es zeigt sie und Tim mit Luna bei einem Ausflug an die Havel. Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie ihren Namen vermerkt. Sind Sie sicher, dass das wichtig für Ihre Ermittlungen ist?«

Hannah nickte, und Kollwitz, nicht sonderlich überzeugt wirkend, verschwand dennoch im Nebenzimmer, um wenig später mit einem klassischen Fotoalbum zurückzukommen. Sie blätterte einige Minuten vor und zurück, und ihre zitternden Fingerspitzen verrieten den schmerzvollen Aufruhr in ihrem Inneren. »Hier«, sagte sie schließlich leise und löste ein Bild aus den Fotoecken.

Hannah nahm es entgegen. Tim – etliche Jahre jünger, mit dunklem, deutlich längerem Haar, entspannt lächelnd – hockte am Havelufer neben einer zierlichen, blondgelockten Frau, die am Boden kniete, eine Labradorhündin umarmte und in die Kamera strahlte. Erinnerung an glückliche Stunden, stand auf der Rückseite, unterschrieben mit: Jule Kahn.

Hannah lichtete die Aufnahme mit ihrer Handykamera ab, verabschiedete sich und bat Lone um zügige Recherche. Mark hatte sich bereits auf den Weg zu Kilbart gemacht, um gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem Lusche-Team eine lückenlose Observierung zu gewährleisten. Er will seine Scharte auswetzen, dachte Hannah und wollte die Verbindung gerade kappen, als Lone sich noch einmal zu Wort meldete. »Ich sehe mir gerade mal genauer an, wo er überall gejobbt hat«, sagte sie.

»Gute Idee. Vielleicht finden sich Auffälligkeiten im Umfeld der Firmen und ihrer Angestellten.«

»Ja, darauf wollte ich hinaus.«

Hannah kappte die Verbindung und wartete mit heruntergekurbelter Scheibe. Der Himmel war von sattem Septemberblau, ein Sonntag wie gemalt für Ausflüge, lange Spaziergänge an der Havel, Kaffeetrinken im Kreis der Familie. Familie? Sie schob die unguten Gefühle beiseite, die prompt in ihr hochstiegen.

Lone schickte Jule Kahns Adresse fünf Minuten später aufs Handy. Die Frau war inzwischen verheiratet, hieß nun Kahn-Rieber, war Mutter von zwei Kindern und betriebswirtschaftliche Leiterin einer stadtbekannten Fitnesskette. Sie wohnte mit ihrer Familie in einer Villa in bester Zehlendorfer Lage. Auf die telefonische Gesprächsanfrage reagierte sie ebenso souverän wie freundlich und bat Hannah wenig später in den Wintergarten.

»Sie haben einen guten Zeitpunkt erwischt. Mein Mann ist mit den Kindern bei seinen Eltern«, erklärte sie und wies auf eine Sitzecke inmitten hochgewachsener und beneidenswert gepflegter Palmen.

»Nicht mein Verdienst«, sagte sie eilig, als sie Hannahs anerkennenden Blick bemerkte. »Mein Mann ist der Gartenprofi.«

Hannah lächelte. Die Frau – immer noch blondgelockt und fast genauso zierlich wie auf dem Foto – war ihr auf Anhieb sympathisch. Sie trug legere Freizeitkleidung, war ungeschminkt und wirkte in sich ruhend. Für eine Frau Anfang dreißig eine bemerkenswerte Ausstrahlung, dachte Hannah. Ruhe ich in mir? Doch, das schon, aber … Was aber? Keine Zeit für tiefschürfende persönliche Gedanken.

Kahn-Rieber goss Tee ein. »Was kann ich für Sie tun, Frau Jakob?«

Hannah beschränkte sich auf wenige erklärende Sätze, bevor sie ihr Handy zückte und das Foto aufrief. »Können Sie sich daran erinnern?«

»Luna«, sagte sie sofort. »Ja, natürlich.« Sie war verblüfft.

»Sie waren damals mit Tim Kilbart zusammen.«

»Ja, wir waren ungefähr sechs, sieben Monate ein Paar. Wir hatten uns an der Uni kennengelernt.«

Hannah schlug ein Bein über das andere. »Erinnern Sie sich an die Umstände des Todes von Luna?«

Tims Ex hob beide Brauen. »Den Zusammenhang mit Ihren Recherchen muss ich nicht verstehen, oder?«

»Aus ermittlungstechnischen sowie Gründen der Diskretion wäre es besser, wenn Sie völlig ahnungslos blieben. Ich gehe einer Spur nach, die ich für wichtig halte, aber natürlich könnte ich damit falsch liegen.«

»Nun gut – Luna: eine tolle Hündin. Ich mochte sie sehr. Tim hat sie regelmäßig ausgeführt. Ich war damals nicht gerade als begeisterte Spaziergängerin verschrien, aber als Tim mit Luna vor der Tür stand, wurde das prompt anders. Sie hatte wirklich Charme und war sehr klug, allerdings nicht klug genug, wenn es ums Fressen ging. Sie starb an einer Vergiftung – Tim erzählte mir davon, zwei Tage nachdem es passiert war.«

»Warum erst zwei Tage danach?«

»Das habe ich ihn auch sofort gefragt. Er meinte, dass er das erst mal verarbeiten musste. Damals kam es häufiger zu Giftköderattacken in der Stadt, denen bereits mehrere Tiere zum Opfer gefallen waren. Er erwähnte in dem Zusammenhang, dass schon mal ein Hund in seinem Bekanntenkreis auf schreckliche Weise gestorben sei. Ob er auch Gift zu sich genommen hatte, weiß ich jedoch nicht.«

»Näheres können Sie nicht dazu sagen?«

»Nein, tut mir leid. Er sprach das nur beiläufig an.«

Hannah nickte nachdenklich.

»Einige Wochen später haben wir uns übrigens getrennt.«

»Darf ich indiskret nachfragen, wie es dazu gekommen ist?«

Kahn-Rieber zögerte nur kurz. »Es passte nicht mehr, ganz einfach. Jedenfalls für mich nicht mehr.«

»Tim war anderer Auffassung?«

»Ja. Er wirkte sogar ziemlich schockiert, als ich ihm meine Entscheidung mitteilte … und er hat es mir nicht leichtgemacht.« Sie lehnte sich zurück und wirkte plötzlich zerstreut.

Hannah wartete.

»Um genau zu sein – er hat mich eine ganze Weile ziemlich übel gestalkt«, fuhr sie einige Momente später fort. »Merkwürdig, ich hatte das Ganze offensichtlich völlig verdrängt. War keine schöne Zeit, nein, ganz und gar nicht.«

Interessant, dachte Hannah. »Konnten Sie ihn schließlich davon überzeugen, Sie in Ruhe zu lassen?«

Kahn-Rieber stellte ihre Tasse beiseite. »Wie man es nimmt.«

Hannah wartete.

»So ohne weiteres nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe meinen Bruder gebeten, mit ihm zu reden.«

»Danach war Ruhe?«

»Ja.« Sie räusperte sich. »Mein Bruder kann überaus überzeugend auftreten, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

»Durchaus.«

»Darf ich Ihren Bruder auf die Situation ansprechen?«

Kahn-Rieber atmete tief ein. »Nun … muss das wirklich sein?«

»Es wäre hilfreich.«

»Wofür?«

»Ich möchte, dass er mir sein Bild von Kilbart vermittelt.«

Sie überlegte lange. »Na schön, ich rufe ihn an und bitte ihn, offen mit Ihnen zu sprechen. Sofort, wenn Sie Wert darauf legen.«

»Danke. Auch für Ihre Gesprächsbereitschaft und Ihr Vertrauen.«

»Erlauben Sie mir eine Nachfrage?«

»Ja, aber möglicherweise darf ich sie nicht beantworten.«

»Hat Tim was den Morden zu tun?«

Hannah schüttelte den Kopf. »Dazu darf ich zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Angaben machen – bitte haben Sie Verständnis dafür.«

»Ja, ich verstehe, aber …« Sie zog die Schultern zusammen. »Es wäre ein fürchterliche Vorstellung, mit einem Menschen zusammen gewesen zu sein, der …« Sie schüttelte sich, dann griff sie nach ihrem Handy, schickte ihrem Bruder eine SMS und stellte Hannah die Kontaktdaten zur Verfügung.

Kahn-Riebers Bruder Daniel war drei Jahre älter und ging sofort ans Telefon, als Hannah ihn wenige Minuten später vom Auto aus anrief.

»Hat der Kerl schon wieder eine Frau belästigt?«, fragte er, kaum dass Hannah sich vorgestellt hatte. »Ich habe nicht das geringste Problem, über die Geschichte zu sprechen, nachdem meine Schwester mich quasi dazu aufgefordert hat, Ihre Fragen zu beantworten«, fuhr er übergangslos fort.

»Das klingt vielversprechend.«

»Wissen Sie, der Kerl ist ein richtiges Arschloch, wobei ich fairerweise wohl einschränkend hinzufügen muss: Er war damals ein richtiges Arschloch, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass er es immer noch ist. Ich habe übrigens nicht lange gefackelt, um auf den Punkt zu kommen.«

»Macht es Ihnen etwas aus, konkreter zu werden?«

»Ich habe ihn verdroschen, und ich bereue nicht einen einzigen Schlag. Aber die Geschichte müsste inzwischen verjährt sein – wenn ich richtig informiert bin.«