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Mord auf der Bühne

Linda Steinberg, eine junge, schöne und faszinierende Rocksängerin, ist auf dem Weg zum Erfolg. Doch bei ihrem ersten großen Konzert bricht sie auf der Bühne zusammen und stirbt. Offenbar wurde sie vergiftet. Ein spektakulärer Mordfall, eine Herausforderung für die Wiener Polizei. Ihre Bemühungen, den Täter zu finden, führen sie zu einem windigen Notar. Als dieser in Untersuchungshaft stirbt, ebenfalls durch Gift, werden die Ermittlungen eingestellt. Allein Bramböck, ein junger, ambitionierter Kommissar, ermittelt weiter – gegen alle Widerstände.

Ein Wien-Krimi mit einem besonderen Ermittler – Otto Bramböck, der den Ruf hat, niemals aufzugeben.

Peter Oberdorfer

Schweres Gift

Ein Wien-Krimi

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Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Über Peter Oberdorfer

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

1

Es gibt entscheidende Momente und Zufälle, Zufälle von großer Kraft, die von einem Punkt aus weitreichende Wirkung entfalten, vergleichbar einer Explosion. Zum Schutz davor sind die Existenzen vieler Menschen so festgefügt, ja gepanzert geradezu, dass sie für die Wirkung von Zufällen kaum erreichbar sind. Das Schicksal anderer dagegen entfaltet sich in freier Wechselwirkung mit jenen unvorhersehbaren Eingriffen von außen. Linda Steinberg war so ein Fall. Es wäre ihr ein Leichtes gewesen, sich irgendein Existenzprogramm mit komplettem Lebenslauf zu eigen zu machen. Viele Varianten wären ihr offengestanden. Aber sie driftete ziellos herum, hatte so viele Talente, dass sie selbst das Gefühl hatte, nichts wirklich zu können, obwohl sie von allen bewundert wurde. Das fing schon einmal rein äußerlich damit an, dass sie umwerfend gut aussah. Ihr Gesicht, ihre Figur entsprachen so sehr dem gängigen Ideal von weiblicher Schönheit, dass sie schon als Halbwüchsige angestarrt worden war, von allen, Männern und Frauen, Mädchen und Jungen. Angenehm war das zu keinem Zeitpunkt gewesen. Auch die Lehrer hatten sie vorsichtig, unsicher behandelt, als gehörte sie einer fremdartigen Spezies an. In der Schule hatte man ihr prophezeit, dass sie einmal Model werden würde, was sie immer energisch von sich gewiesen hatte. Es dauerte, bis man sich in der Klasse so an sie gewöhnt hatte, dass man sie normal behandelte.

Sie hatte erst mit sechzehn begonnen, Gitarre zu spielen, aber dann ziemlich intensiv. Ohne Lehrer und eigentlich fast geheim. Sie begriff schnell, dass sie in der Schule, mit Freunden und Kameraden nur dann einigermaßen zurechtkam, wenn sie die anderen nicht überforderte. Nachdem sie schon einmal die in ihren eigenen Augen völlig überflüssige Gabe der körperlichen Schönheit hatte und Blicke, die auf sie gerichtet wurden, fast automatisch eine neidische Tönung annahmen, hielt sie sich mit dem, was sie sonst so tat, einfach zurück. Dass sie Gedichte schrieb, verdrängte sie selbst.

Sie kritzelte einfach irgendwelche Zeilen in Hefte, wie von selbst fügte sich das dann zu Melodien, Songs zusammen, die sie vor sich hin summte, zaghaft und leise zur Gitarre sang. Wenn sie einmal etwas davon aufnahm, verstand man von den Texten fast nichts. Ihre Stimme war dünn und schwach, traf aber die Töne sehr genau. Alles, was sie konnte, konnte sie immer schon von vornherein, schwer tat sie sich damit, etwas dazuzulernen. Von Anfang an war da diese Fähigkeit gewesen, Gitarrenspiel und Singstimme zu komplizierten Rhythmen zu verbinden. Eigentlich erfand sie eher Rhythmen als Melodien. Aber es war ihr die längste Zeit peinlich, jemandem zu sagen, dass sie Musik machte und auch nichts anderes machen wollte.

Hätte sie gesagt, dass sie Model oder Schauspielerin werden wollte, hätte man betreten genickt und ihr vielleicht zugestanden, dass sie Chancen hatte, aber wenn jemand Musik machen wollte, fanden die Leute das immer von vornherein durchgeknallt. Als könnte man das gar nicht restlos ernst meinen. Und wirklich: Wenn sie sich mit der Gitarre vor den Schlafzimmerspiegel der Eltern stellte, sah das so aus, als posierte sie für ein Photo, und nicht so, als könnte sie im nächsten Moment loslegen.

Ihre Situation entspannte sich, als sie mit achtzehn die Kleinstadt, in der sie aufgewachsen war, verließ, um nach Wien zu ziehen und dort Wirtschaft zu studieren. Sie hätte genauso gut Biologie, Literatur oder irgendein anderes Fach belegen können, weil sie sich das, worauf es ihr ankam, ohnehin nur selbst beibringen konnte. Mit Wirtschaft hatte sie es zufällig gar nicht so schlecht getroffen, weil man dafür nur den Hausverstand brauchte und bei den meisten Lehrveranstaltungen keine Anwesenheitspflicht bestand. Und ganz am Anfang, bei einem gelangweilten Herumsitzen in der Mensa, lernte sie Hannes und Gerhard kennen, beide wie sie planlose Studienanfänger, die Bass und Schlagzeug spielten. Es ergab sich aus dem Zusammenmusizieren, dass der Bassist auch ihr Freund wurde. Hannes glich mit seinen zum Teil fast übermütig herumhüpfenden Bassfiguren Lindas manchmal anämische Melodieführung aus, und Gerhard entpuppte sich als genau der Schlagzeuger, der zu ihr passte. Er konnte Rhythmen exakt durchhalten, auch wenn ihre Songs fast auseinanderzufallen drohten, und probierte selbst wenig, obwohl er viel draufhatte. Er musste, im Gegensatz zum Bassisten, Zurückhaltung üben, den Beat klar vorgeben, an dem sich Linda dann umständlich abarbeitete. Sie spielten die längste Zeit nur, weil es ihnen Spaß machte. Manchmal schnitt sie mit dem Handy mit, aber das Ganze klang dermaßen verwaschen und sie war jedes Mal so enttäuscht, dass die Abstände zwischen den Proben, die sie aufnahm, immer größer wurden. Es klang immer gleich, fand sie, wenn sie sich hörte, obwohl sie beim Spielen das Gefühl hatte, sich immer deutlicher zu artikulieren, immer genauer das zu sagen, was sie meinte.

Irgendwann hatten sie dann ihren ersten Auftritt im Keller eines Studentenheims. Mittlerweile waren zwei Jahre des Übens vergangen, und Linda spielte manchmal schon mit dem Gedanken, alles hinzuschmeißen. Es schien sich nichts zu bewegen, und es war wohl auch wirklich lächerlich zu glauben, von Musik leben zu können. Es gab viel gute Musik, von Leuten, die berühmt waren, aber die Musiker, die sie kannte, die sich in der Szene bewegten, waren mittelmäßig bis schlecht. Es schien fast so, als müsste man schon ein Star sein, damit man gute Songs machen konnte. Und solange man kein Star war, steckte man in einem Sumpf von Mittelmäßigkeit fest, aus dem man nie herauskommen würde.

Den Auftritt im Studentenheim nahm sie an, weil sie Lust hatte auf Selbstdemontage. Denn der Keller war eng, dunkel, ohne Atmosphäre und ohne Akustik. Zu erwarten war eine grölende Menge von Studenten, die sich mit billigem Bier aus Plastikbechern besoff. Sie würden kommen, um Musik mit stampfenden Rhythmen zu hören; wenn da eine Band daherkam mit schrägen, selbstfabrizierten Liedern, konnte das nur schiefgehen. Sie waren so unsicher, dass sie den Auftritt spät, für Mitternacht, ansetzten, in der Erwartung, dass dann die Mehrheit schon weg sei. Aber die besseren Feste durchliefen gerade da ihren Höhepunkt, und genau so war es dann auch, als sie ihre Instrumente in einer Ecke aufbauten.

Sie wurden angepöbelt und Linda so blöd angemacht, dass Hannes vorschlug, gleich wieder nach Hause zu gehen. Er hatte Angst um Instrumente und Verstärker. In diesem Moment hing alles an Linda. Und sie hatte keine Lust, einfach wieder einzupacken. Der Keller war gerammelt voll, die Musik wurde ausgemacht, es folgte Protestgeschrei, das sich langsam legte, als die Band damit anfing, die Instrumente zu stimmen, und allen klar wurde, dass jetzt Live-Musik kommen würde. Die Stimmung war aufgewühlt, roh, aber gut. Man wollte etwas geboten bekommen. Es war das erste Mal, dass Linda einer Menge gegenüberstand, und sie spürte, noch bevor sie loslegte, dass sie diese Leute packen und verzaubern konnte. Und es gelang. Nach dem Konzert war allen klar, dass weitere folgen mussten. Ein Konzert brachte für Linda mehr als tausend Proben, weil sie nur während eines Auftritts, durch die Resonanz des Publikums, spürte, was schon gut war und woran sie noch arbeiten musste. Außerdem schien ihre Stimme zu gefallen. Die Band brauchte noch einen Namen, sie nahmen kurzerhand Lindas: Steinberg.

Dann geschah einer dieser Zufälle: Ron Razorblade kam in die Stadt. Er hatte Ende der Siebziger in San Francisco eine kurzlebige Punkband gehabt, war Anfang der achtziger Jahre in Portland, Oregon, auf der New-Wave-Welle mitschwimmend, eine lokale Berühmtheit gewesen und ziemlich schnell wieder in Vergessenheit geraten, weil ihm das entscheidende Quäntchen Glück und Entschlossenheit gefehlt hatte, den Durchbruch wirklich zu schaffen. Ron hatte gar nicht lange weiterprobiert, sondern sich, fast erleichtert darüber, gescheitert zu sein, in eine Familienexistenz zurückgezogen und war darin, für ein gutes Jahrzehnt, auch glücklich gewesen.

Seine Musik wäre bestimmt für immer in Vergessenheit geraten, wenn er zu seiner wilden Zeit nicht mit Courtney Lost zusammen gewesen wäre, die es später zunächst einmal als Frau von Kurt Carlsen, aber dann auch als Schauspielerin und Musikerin schaffte, sich als A-List-Celebrity zu etablieren. Dass Carlsen den Rummel irgendwann nicht mehr aushielt und sich erschoss, führte zu Legendenbildungen aller Art, unter anderem auch dazu, dass sich Mordtheorien im Internet verbreiteten.

Eine davon besagte, dass Courtney selbst den Mord an ihrem Mann in Auftrag gegeben habe, um sich die Tantiemen, die dessen Musik abwarf, zu sichern. Carlsen hatte nämlich angeblich knapp vor seinem Tod geplant, sich scheiden zu lassen. Ein ehrgeiziger ehemaliger BBC-Reporter drehte einen Dokumentarfilm über diese Gerüchte, über das ganze elende Celebrity-Dasein von Kurt und Courtney, und stöberte zu diesem Zweck in den Biographien der beiden herum und stieß so auf Ron.

Im Film steigt Ron in den Keller seines Einfamilienhauses, in dem er die Relikte seines Musikerlebens lagert, wühlt in seinen Aufzeichnungen nach Spuren von Courtney und zieht über sie her. Er klingt dabei aber nicht bitter, sondern witzig, als ginge ihn das alles längst nichts mehr an. Unter anderem sagt er, dass er froh sein müsste, aus der ganzen Scheiße rechtzeitig rausgekommen zu sein, sonst wäre vielleicht er, und nicht Kurt, es gewesen, der sich das Gewehr in den Rachen gesteckt hätte.

Der Film erregte ziemliches Aufsehen, nicht zuletzt weil Courtneys Anwälte seine Premiere beim Sundance Film Festival verhinderten. Ein wenig von der Aufmerksamkeit, die in erster Linie Courtneys monströse Persönlichkeit erregte, bekam dann auch ihr Ex Ron Razorblade ab. Die frühen Achtziger waren ja in der Zwischenzeit schon so weit weg, dass man sich wieder gerne daran zu erinnern begann, außerdem hatte Ron gerade seine Scheidung hinter sich gebracht und deswegen Zeit und Lust, sich auf Abenteuer einzulassen, und also begann er damit, wieder Konzerte zu geben. Und jetzt, nachdem er das alles schon so endgültig aufgegeben hatte, schien es doch noch zu laufen. Vielleicht lag es auch daran, dass er sich damals nicht verausgabt hatte und alles noch irgendwie frisch in sich drinnen hatte, zum Rausschreien. Außerdem war er mittlerweile wirklich cool und abgeklärt.

Die Art und Weise, wie amerikanische Popkultur in Europa rezipiert wird, ist rätselhaft. Das Beste bleibt oft völlig unbekannt, der billige Mainstream schafft es immer über den Atlantik, und manchmal kommt es zu dem sonderbaren Phänomen, dass Amerikaner, von denen man glaubt, dass sie in den Staaten berühmt wären, gewissermaßen irrtümlich in Europa eine Beachtung finden, die sie in den Staaten nie hatten, nie haben könnten. Zu so einem Fall entwickelte sich Ron. Musikmagazine entdeckten seine einzige Platte wieder, sie wurde seitenweise besprochen, und schließlich durfte Ron auf Europatournee gehen, und diese Tournee, die ein gewaltiger Erfolg werden sollte, startete unauffällig in Osteuropa.

Man wollte dort das Material erst einmal austesten, die Gemüter der verstockten Europäer erkunden, bevor man sich dann in den Westen wagte, nach Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Finnland. Nachdem man in Belgrad, Krakau und Budapest vor insgesamt kaum tausend Leuten gespielt hatte, reiste Ron ziemlich genervt in Österreich ein.

Obwohl er eigentlich froh sein musste, überhaupt in dieser Weise auftreten zu können und auch nicht schlecht dafür bezahlt zu werden, fand er die ganze Tour beschissen und hätte sie am liebsten abgebrochen. Alles war schlecht organisiert, er musste sich um unzählige Kleinigkeiten selbst kümmern, vor allem hatte er das Gefühl, dass sich kein Schwein für seine Musik interessierte. Wenn die Medien ihn zur Kenntnis nahmen, dann nur als kurioses Relikt einer vergangenen Zeit oder, noch viel häufiger, als Ex von Courtney Lost, auf die er ständig angesprochen wurde. Und man gab ihm immer wieder zu verstehen, dass man sich höfliche, ausführliche Antworten wünschte, oder man würde überhaupt nichts über ihn bringen. Meistens brachte man dann auch nichts über ihn, und Ron war es egal.

Er entdeckte aber langsam seinen musikalischen Ehrgeiz wieder, konzentrierte sich auf die Gitarre. Damit, dass seine zweite Karriere wohl auch im Sande verlaufen würde, hatte er eigentlich von Anfang an gerechnet. In dieser Hinsicht konnte er nicht enttäuscht werden. Nur Europa hätte er sich interessanter vorgestellt. Kaum jemand sprach Englisch, und man war offenbar stolz darauf, dass man in alten Häusern lebte.

In Wien hatten sie ein paar Tage Aufenthalt. Der Plan wäre gewesen, die bisherigen Auftritte zu analysieren, eventuell Änderungen am Programm vorzunehmen, sich vorzubereiten auf die großen wichtigen Städte. Aber dazu kam es eigentlich nicht. Ron wollte seine Ruhe haben und blieb die meiste Zeit über im Tourbus, der übrigens gar nicht in Wien geparkt war, sondern irgendwo außerhalb, auf windigem, flachem Terrain, in der Nähe einer kleinen Ortschaft, in der niemand zu wohnen schien. Die Landschaft, ihre karge, unwirtliche Weite, berührte ihn. Er konnte sich vorstellen, irgendwo in Oregon oder Washington zu sein. Manchmal spazierte er über die Äcker, scheuchte Hasen, Krähen auf und flüchtete sich dann wieder vor der Kälte zurück in den Bus, in dem er sein eigenes Abteil hatte. Mit dem Fahrer, Frank, einem Deutschen, der offenbar untertags den Bus nicht verlassen durfte und also auch wie er immer da war, hatte er sich ein bisschen angefreundet. Der Bursche war immer zu Scherzen aufgelegt und konnte ein paar Brocken Englisch.

Die Band war ihm mehr oder weniger aufgezwungen worden, denn die Leute, mit denen er früher gespielt hatte, waren in alle Winde verstreut. Heutzutage gab es viele in der Branche, die totale Emotionslosigkeit mit Professionalität verwechselten. Außerdem waren diese Musiker, die man ihm da mit auf den Weg gegeben hatte, schon überall gewesen und hatten alles schon gesehen. Er wusste, dass sie ihn nicht respektierten, ihn schnell als das durchschaut hatten, was er ja auch wirklich war: einer, der zufällig ins Rampenlicht geraten war und ziemlich mies Gitarre spielte. Dass er es nicht dabei belassen wollte und seine Unfähigkeit nicht – wie manch anderer – als gehobenes Künstlertum kultivierte, sondern in der freien Zeit herumklampfte und sich durch schwierige Fingerübungen quälte, trug ihm Kopfschütteln ein, was Ron wiederum amüsierte.

Nach ein paar Tagen außerhalb Wiens war das Verhältnis zu den anderen so abgekühlt, dass er irgendwann Hank, den Schlagzeuger, mit dem er noch am ehesten konnte, dazu überredete, abends in die Stadt zu fahren, um ein paar Bier zu trinken. Die anderen hängten sich dran. So hatten sie Gelegenheit zu reden, obwohl eigentlich nichts zu bereden war. Die Orangenmarmelade war alle, und sie rätselten darüber, warum man hier überall Orangensaft, und gar keinen schlechten, bekam, aber kaum Orangenmarmelade, bis Frank ihnen sagte, dass man diese Marmelade hier nicht schätze, was niemand glauben wollte. Richard, der coole Bassist, nickte finster, als wäre damit das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht und das letzte Wort über Kontinentaleuropa gesprochen. Frank lachte schallend und kurvte den Bus vor einen Klub an einer stark befahrenen Straße. Er sagte, der Laden wäre gut.

Die Musiker und Ron sprangen ab, Frank parkte den Bus und kam nach. Vor dem Tor hatte sich eine mittelgroße Menge von Leuten versammelt, alle waren zwanzig Jahre jünger als Ron. Ihm gefielen die Mädchen noch genau wie früher, umgekehrt war es leider nicht mehr ganz so. Wenn sie ihn überhaupt ansahen, dann eher amüsiert darüber, dass ein so alter Sack sich hierher verirrt hatte und den Mädels nachschaute, als käme er ernsthaft in Frage. Der ganze Eingangsbereich war mit Plakaten zugekleistert, aktuellen und alten, hauptsächlich Konzertankündigungen, irgendwo stand auch schwarz auf pink: RON RAZORBLADE, ziemlich groß. Als man fünf Euro Eintritt von ihm kassieren wollte, wies er auf das Plakat und sagte: »Das bin ich.« Dann zeigte er auf seine Leute und sagte: »Das ist meine Band.« Die jungen Typen um den Kassatisch schauten groß und wirkten ratlos. Ron nutzte diesen Moment und ging hinein, seine Leute folgten ihm. Das musste man ihnen lassen: Nach außen hin taten sie so, als wäre er der Leader. Aber das gehörte einfach zum Geschäft.

Genau solche Läden mochte er. Ein bisschen versifft, aber nicht so sehr, dass sich nur Penner drin rumtrieben. Irgendwie mit Stil, aber ungewollt, und: erstklassiges Bier. In solchen Lokalen hatte er seine Jugend verbracht, in Portland, und viele waren im Lauf der Jahre von der Stadtkarte verschwunden. Vorn auf der Bühne machte sich jemand am Mikrophonständer zu schaffen, im Hintergrund stellte sich der Schlagzeuger seine Trommeln zurecht. Das Lokal wurde langsam voll, aufgeregte, heitere Klänge füllten den Raum. Man wartete gespannt auf Musik, nicht auf irgendeinen Star – oder doch? Denn jetzt hob die langhaarige Frau, die sich das Mikrophon zurechtgestellt hatte, den Kopf und schaute kühl ins Publikum. Wow, dachte Ron.

Dass sie eine unförmige und billige Gitarre umhängen hatte, wirkte grotesk und irgendwie cool. Die Bandmitglieder nickten einander zu. Frank, der sich mittlerweile zu ihnen gesetzt hatte, grinste sein breitestes Grinsen. Hank beugte sich zu Ron: »Eine, die so aussieht, kann nur verlieren, wenn sie den Mund aufmacht, das sag ich dir.« Ron nickte abwägend und erwiderte nichts. Die Frau stand ruhig und unbefangen da und wartete, bis die anderen so weit waren. Ron kannte diese Momente, das Rumstehen und Warten konnte ziemlich peinlich sein, besonders dann, wenn man versuchte, locker zu wirken oder einen auf Star zu machen, aber Linda stand einfach nur schlicht da und schaute vor sich hin. Man sah, wie sich ihre Nasenflügel bewegten. Und bereits jetzt wusste Ron, dass Hank unrecht hatte. Das Mädchen konnte was, weil sie Sicherheit ausstrahlte. Eine solche unaufdringliche Sicherheit hatte nur, wer gut war.

Als es still wurde, bückte sie sich, hob ein Glas Wasser auf und trank, indem sie ihren langen, schlanken Körper zurückbog. Das hocherhobene Glas glitzerte im Scheinwerferlicht. Und als sie mit dem Spielen anfing, berührte ihn das noch mehr als ihre Schönheit, obwohl er kein Wort verstand. Ron hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass Deutsch schön, fremdartig schön klingen konnte. Worüber sang sie nur?

Als das Konzert endete, brach, aus völliger Stille heraus, frenetischer Applaus los. Die Sängerin schaute überrascht auf, fast ein wenig angewidert, und verbeugte sich linkisch, wobei ihre No-name-Gitarre krachend gegen den Mikrophonständer schlenkerte. Schön und ungeschickt – diese Frau hatte eine rätselhafte Ausstrahlung. Als sie sich wieder aufrichtete und ins Publikum schaute, blinzelte sie wiederholt, wie ein Kind, das probiert, in die Sonne zu schauen. Erst jetzt merkte Ron, dass auch er applaudierte. Er hatte sich so lange mit Musik beschäftigt, auch und gerade in der Zeit, als er nur Hörer gewesen war, dass ihn fast nichts mehr umhaute. Es kam kaum noch vor, dass er sich für etwas begeistern und zugleich nicht ganz nachvollziehen konnte, was er da eigentlich gehört hatte. Diese Musik war einfach und kompliziert, offen, zugänglich – und doch rätselhaft. Sein Blick kreuzte sich mit dem von Hank, auch der applaudierte mit gewichtiger Miene und nickte mit dem Kopf.

»Sind die Texte gut?«, fragte Ron den Busfahrer.

Der dachte nach, was er sagen sollte. »Sie sind ziemlich gut, glaube ich. Aber das meiste hab ich nicht verstanden.«

Irgendwann kam einer vom Management des Lokals auf Ron zu und quatschte ihn an. Er war einfühlsam genug, nicht den Namen Courtney Lost zu erwähnen. Schon bald redeten sie über das Konzert, und Ron begann von der Band – sie hieß Steinberg – zu schwärmen. Der Typ fand das sehr schmeichelhaft, als hätte er selbst mitgespielt, und fragte ihn, ob er die Leute von Steinberg kennenlernen wollte. Unbedingt, sagte Ron, und auf einen Wink des Veranstalters lösten sich zwei unauffällige junge Männer von der Bar und kamen zu ihnen rüber, es waren Hannes, der Bassist, und Gerhard, der Schlagzeuger. Sie hatten übergroßen Respekt vor den Musikern aus Amerika und wurden von den Profis natürlich auch ein wenig von oben herab behandelt, nur Ron plauderte locker drauflos. Er lobte vor allem Gerhard, den unprätentiösen, präzisen Schlagzeuger, der rot im Gesicht wurde, wie ein kleines Mädchen.

»Wo ist denn die Sängerin?«, fragte Ron irgendwann so nebenbei.

Hannes zuckte mit den Schultern. »Auf der anderen Straßenseite ist auch ein Lokal, da sitzt sie wahrscheinlich.«

Ron nickte. »Ich würde sie gern kennenlernen.«

»Sollen wir rübergehen?«

»Okay.«

Ron sagte zu den anderen, dass er gleich wieder zurück sei, und folgte dem Bassisten, der durch die Menge wieselte, hinaus, sie liefen über die stark befahrene Straße, Ron fühlte sich zwanzig Jahre jünger in diesem Moment, und drüben betraten sie ein Wirtshaus, in dem eine völlig andere, der vorigen entgegengesetzte Stimmung herrschte: trübe, traurige Stille. Man hörte nur Gemurmel und Tellerklappern aus der Küche. Einziger Lichtblick: Linda. Es schien, als ob ein Extraspot auf sie gerichtet wäre.

Sie war einfach nur schön, schaute verträumt vor sich hin, als sei sie ganz woanders. Neben ihr am Tisch saß missmutig ein Mädchen, das ihn sonderbar irritiert anstarrte. Hannes sagte irgendwas auf Deutsch zu ihr. Linda zog an ihrer Zigarette und warf Ron einen amüsierten Endlosblick zu, der ihn nicht kaltließ. Er überspielte das und brachte mit einem langen Redeschwall ein wenig Leben in die Bude. Linda musterte ihn aufmerksam, und zugleich schien alles, was er sagte, ungehört an ihr vorbeizuziehen – obwohl oder weil er ihre Musik in höchsten Tönen lobte. Sie erwiderte nichts, überließ das Reden ihrer Freundin, die ein eigenartig geblümtes Kleid trug und im Übrigen geradezu bestürzend unattraktiv schien. Ihr Blick hatte etwas Zerquetschtes, sie war klein und mollig, in allem das Gegenteil der strahlenden Linda.

»Der Erfolg so eines Konzertes ist wenig wert«, sagte Martha kühl.

»Bist du die – Managerin?«, fragte Ron, immer noch Linda anstarrend, deren Blick jetzt abglitt und den Autos vor dem Fenster folgte.

»Ich helfe bei der Organisation, ja«, sagte Martha.

»Ihr braucht Auftritte, viele Auftritte, und ihr müsst durchhalten, lasst euch das von mir gesagt sein, ihr seid gut. Ihr könnt es schaffen. Das meine ich ernst. Vielleicht kann ich euch ja helfen.«

Linda überschwemmte ihn mit ihrem Lächeln. »Wie?«, fragte sie.

»Ich bin gerade auf Europatournee, wir haben noch gut zwanzig Auftritte, in großen Städten. Wenn ihr wollt, könnt ihr als Vorgruppe mitkommen. Wir haben nämlich keine.«

»Ihr habt keine Vorgruppe?«, fragte Martha herablassend.

»Nein. Das Ganze ist irgendwie nicht gut organisiert, offensichtlich, es war nicht klar, wer das mit der Vorgruppe auf die Beine stellen soll, das ist immer auch ein Geldproblem. Aber ich finde, wir sollten eine Vorgruppe haben, und wenn ihr wollt, könnt ihr spielen.«

»Cool«, platze Hannes heraus, »das ist doch genau das, was wir brauchen. Publikum, Aufmerksamkeit, ich meine –«

Martha wiegte skeptisch den Kopf hin und her, schaute zu Linda. Die zog an der Zigarette und ließ unter halbgeschlossenen Lidern ihren Blick ins Leere wandern.

»Ihr könnt mitkommen«, sagte Ron, »aber auf eure Kosten. Es gibt keine Gage. Ihr bekommt die Chance, vor Publikum zu spielen. Das ist alles.«

»Keine Gage?«, fragte Linda.

Ron schüttelte den Kopf. »Wie sollte ich die auch zahlen? Aus meiner eigenen Tasche?«

»Na, du willst doch eine Vorgruppe haben«, versetzte Martha trocken.

Ron erwiderte nichts darauf und verschränkte die Arme. »Überlegt es euch. Wir spielen in knapp einer Woche hier irgendwo.«

»Ihr spielt in der Stadthalle«, betonte Hannes.

»Wir könnten es so machen«, sagte Linda. »Wir spielen in der Stadthalle vor euch. Dann sehen wir, wie das läuft, und bis dahin haben wir geklärt, ob wir eine Gratistour auf die Beine stellen können.«

»Okay«, sagte Ron, »das klingt vernünftig.«

Er hielt Linda die Hand hin, die im ersten Moment nicht verstand und dann einschlug. Ihr Griff war kühl, aber energisch. Eigentlich hätten diese Nobodys über den Deal froh sein sollen, stattdessen war er es, als er das Lokal wieder verließ und zu den anderen hinüberging.

Als er seinen Leuten auf dem Heimweg im Bus erzählte, was er abgemacht hatte, reagierten sie skeptisch. Sie gaben zu bedenken, dass er gar kein Recht habe, auf eigene Faust eine Vorgruppe zu engagieren, dass sie die Anlage versauen könnten, dass sie vom Stil her überhaupt nicht zu ihnen passten und, und, und.

»Die sind besser als wir«, sagte Ron nur, und die anderen schwiegen betreten.

Richard musste das letzte Wort haben: »Das war ein Fehler, Ron, hundertprozentig.«

In den Tagen nach dem Auftritt musste Ron ständig an Linda denken. Nicht dass er sich in sie verliebt hätte – es war eigentlich erstaunlich, dass das überhaupt nicht der Fall war –, vielmehr ging ihm ihre Musik nicht mehr aus dem Kopf. Er wollte sie einfach kennenlernen, und dafür würde ja Gelegenheit sein, wenn man gemeinsam auf Tour ging. Und sonderbar: Obwohl es undenkbar schien, dass die Band sein Angebot ablehnen könnte, hatte Ron nicht das Gefühl, dass es zu einer gemeinsamen Tour kommen würde.

Er sah Linda erst wenige Stunden vor dem Auftritt in der Stadthalle wieder. Die Band war dabei, ihr Set aufzubauen. Die drei schienen nervös. Sie hatten kaum Hilfe. Ron spazierte ein wenig in der hässlichen, halbleeren Halle herum, schlenderte dann nach vorn zu den Eingängen. Kaum zu glauben, was da schon los war. Wie ein Magnet zog das Gebäude Leute an, die von allen Seiten herbeiströmten. Ron wurde nostalgisch zumute, das erinnerte ihn an seine besten Zeiten. Er rauchte eine Zigarette, neben ihm wartete ein Mann im Anzug, wahrscheinlich war er von der Verwaltung oder stand nur zufällig so rum. Über den Dächern der Stadt wurde es dunkel, Ron starrte noch eine Zeitlang in den violettblauen Abendhimmel und ging dann wieder hinein – mit einem guten Gefühl, weil er diese Band entdeckt hatte.

Gegen sieben wurde die Halle immer voller. Razorblades Auftritt war für acht angesetzt, und erstmals schienen wirklich Leute zu kommen. Ron hatte am Vorabend ein langes Fernsehinterview gegeben, für ein seriöses Kulturmagazin, in einem anständig ausgeleuchteten Studio. Die Interviewerin hatte ihn ehrfürchtig angeschaut, jede seiner Antworten schweigend abgewartet und ihm dann wieder eine vorformulierte Frage gestellt. Ein wenig verkrampft und unspontan war das Ganze gewesen, aber dafür sehr höflich und respektvoll. Die Frau hatte ihn über die amerikanische Hardcore- und Punk-Rock-Szene der Achtziger ausgefragt und Courtney Lost nur ganz am Schluss nebenbei erwähnt.

Aber vielleicht hatte das Interview gar keine Rolle gespielt und die Leute kamen in Scharen wegen Steinberg. Denn in der Szene hatte sich rasch rumgesprochen, dass Steinberg als Vorgruppe für Razorblade in der Stadthalle auftreten würde, und die Veranstalter hatten einsichtsvoll ein paar Tage vor dem Auftritt Plakate neu gedruckt, auf denen auch der Auftritt von Steinberg vermerkt war. Fans von Steinberg und Fans von Razorblade hätten sich vor zwanzig oder dreißig Jahren noch eine wüste Keilerei geliefert, oder vielmehr: Fans von Razorblade hätten die Fans von Steinberg gnadenlos auseinandergenommen. Hier und heute konnte man sie gar nicht mehr auseinanderhalten.

Früher wäre es Ron nie in den Sinn gekommen, schon aus Sicherheitsgründen, sich vor einem seiner Konzerte ins Publikum zu mischen, noch dazu mit einer Flasche Bier in der Hand, an diesem Abend tat er es, weil ihn Lindas Auftritt interessierte. Noch war die Bühne leer. Ron kletterte unbehelligt auf das Gerüst und entdeckte in einem abgeschiedenen Winkel Linda, die beiden Jungs und Martha. Sie hockten schweigend beieinander. Nahmen sie was? Ein süßlicher Geruch wehte ihm entgegen.

»Kann ich auch was haben?«, frage Ron scherzhaft.

Die vier blickten erschrocken auf, wie äsende Rehe, an denen ein Zug vorbeifährt.

»Was?«, fragte Linda verwirrt. Ihr Blick hatte etwas Zerbrechliches, sie war kreideweiß. Und wie hätte sie auch nicht Lampenfieber haben sollen?

Ron setzte sich zu ihnen. »Ihr habt noch über zwanzig Auftritte. Wollt ihr euch vor jedem so in die Hosen machen?«

Martha bot ihm eine violette Tablette an. »Magst du?«

»Was soll denn das sein?«, fragte Ron angewidert.

»Eine Art Speed, neue Mischung aus Asien.«

Ron lächelte kopfschüttelnd. »Ich weiß, ich kling wie eure Oma, aber lasst das bleiben. Wir gehen besser nachher ein stinknormales Bier trinken und besprechen, wie es weitergeht. Okay? Und vergesst nicht, eure Pampers zu wechseln.«

Er klopfte Linda aufmunternd auf die Schulter. Sie nickte tapfer und schaute ihn mit einem glasigen Blick an, einer Mischung aus Panik und Benommenheit.

Wen die Musik in sich aufnimmt, einhüllt, der fühlt sich auf der Bühne plötzlich wohl, nicht mehr nackt und verloren wie vor dem Auftritt. Wenn es losgeht, ist alles urplötzlich völlig in Ordnung, und die ganze Aufregung, das ganze Drumherum wird auf einen Schlag hinfällig. Linda war knapp vor ihrer Erlösung und stand bereit mit umgehängter Gitarre auf der Bühne. Sie schien auf Ruhe zu warten, aber die kehrte nicht ein, weil ein Großteil des Publikums gar nicht ihretwegen gekommen war. Vor ihr auf dem Boden stand ein Glas Wasser. Sie bückte sich, ungeschickt, linkisch, hob es auf und trank es in einem Zug leer.

Man sah, dass sie sich zutiefst unwohl fühlte, sie blickte verloren um sich, schwankte und öffnete den Mund, als wollte sie sich übergeben. Dann legte sie doch noch los. Es war natürlich ein Fehler, gleich am Anfang mit einer rein akustischen Nummer gegen das unruhige Publikum anzukämpfen. Ron schaute sich unter den Leuten um, er sah zufälligerweise den Typen im Anzug wieder, er war tatsächlich reingekommen und starrte gebannt nach oben. Linda wurde lauter, griff ziemlich in die Saiten, spielte ein Gitarrenriff wieder und wieder, als wollte sie dem Publikum sagen: Erst wenn ihr ruhig seid, spiele ich weiter. Aber irgendwas stimmte heute einfach nicht: Ihr Gesicht war nicht mehr weiß wie vor dem Auftritt, sondern steingrau, was vielleicht auch am Licht lag, ihre Lippen schienen blutleer, gar nicht mehr als Lippen erkennbar, und das Gesicht war von Schweiß überströmt.

Nach wenigen Minuten Spielzeit schien sie am Ende. Nahm sie das Ganze dermaßen mit? Es gab auch solche, die, wenn es darauf ankam, ihre Sache einfach nicht rüberbrachten. Linda hatte auf der Bühne noch vor wenigen Tagen so souverän und gleichgültig gewirkt. Jetzt war sie nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Als sie mit dem ersten Song fertig war, stand sie schief da, mit halboffenem Mund, und schnaufte. Sie hielt sich mit beiden Händen den Bauch, wobei die Gitarre gegen das Mikrophon stieß. So verharrte sie eine Zeitlang, dann setzte sie sich auf den Boden, im Schneidersitz, hielt sich immer noch den Bauch, krümmte sich nach vorn und legte sich am Ende hin. Was war da los? Hatte sie wegen des speziellen Anlasses zu viel von dem Zeug genommen und klappte jetzt zusammen? So etwas kam vor, und es sah ganz danach aus. Wie peinlich und jämmerlich. Das Publikum war beinhart und buhte. Hannes und Gerhard gingen zu ihr. Halfen ihr auf, stützten sie und führten oder eigentlich trugen die völlig erledigte Linda hinter die Bühne.

So etwas durfte einfach nicht passieren. Das Publikum fand sich allerdings rasch mit dem abgebrochenen Auftritt ab, beschäftigte sich wieder mit sich selbst, und Rons Ärger klang ab. Das Mädchen war einfach nervös und sensibel, man musste ihr Zeit lassen. Hinter der Bühne hatte man Steinberg ein kleines Zimmer zur Verfügung gestellt, und da war die Band auch jetzt. Ron trat, ohne anzuklopfen, ein, es roch nach Kotze, und Linda reiherte gerade, als er eintrat. Dass die Kotze Blutschlieren aufwies, gefiel ihm nicht. Er nahm Martha beim Arm und zog sie auf die Seite.

»Was habt ihr da überhaupt genommen?«

Sie schaute ihn mit ihren großen braunen Augen unschuldig an wie ein Schulmädchen. »Nichts. Speed. Das ist praktisch wie Speed.«

»Und wie viele?«

»Jeder nur eine Tablette. Ich schwörs.«

Linda krümmte sich und wimmerte sonderbar, sie schien gar nicht ganz bei Bewusstsein. Ron schüttelte den Kopf.

»Hat sie sonst noch was genommen? Vielleicht vorher, allein?«

Martha zuckte mit den Schultern.

»Brauchst du einen Arzt, Mädchen? Willst du ins Krankenhaus?« Ron griff an Lindas Stirn, die sich kalt anfühlte. Sie reagierte gar nicht auf das, was er sagte. »Wow, das sieht gar nicht gut aus, wenn ihr mich fragt. Ihr solltet mit ihr ins Krankenhaus.«

Linda schien sich zu entspannen. Sie legte sich auf den Rücken, streckte sich durch, die Krämpfe schienen nachzulassen. Hannes versuchte ihr Wasser einzuflößen, aber das gelang nicht. Linda atmete tief und schwer, als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen. Auch Kotzen war anstrengend, und Linda hatte wahrscheinlich eine halbe Stunde lang durchgekotzt. Aber der Eindruck, dass sie das Schlimmste hinter sich hatte, trog. Ihr Atem ging immer noch schwerer, sie japste richtiggehend, keiner wusste, was da abging und was zu tun war. Irgendwann brach das wilde Atmen und Schnaufen und Stöhnen einfach ab. Und Linda war tot.

Dann erst, als es schon zu spät war, rief man den Notarzt, der prompt mit Blaulicht kam und mit den Sanitätern durch den Haupteingang quer durch das still gewordene Publikum eilte. Als das Team bei Linda angekommen war, verflog die Hektik und die Bewegungen wurden langsamer. Der Arzt konnte nur mehr den Tod feststellen. Die Schönheit der jungen Frau, die da lag, gab ihm einen Stich ins Herz. Er fragte, ob die Verstorbene Drogen genommen habe. Hannes, der immer noch wie versteinert neben Linda saß, wusste nicht, was er sagen sollte. Martha schüttelte trotzig den Kopf. Daraufhin suchte der Arzt zuerst Lindas Arme nach Einstichstellen ab und dann die Zwischenräume zwischen den Zehen.

»Gespritzt hat sie nicht. Was ist hier passiert, was hat sie genommen?«

Das Schweigen der Umstehenden ärgerte den Arzt, und Ron mischte sich ein.

»Sie haben irgendwelche Pillen geraucht, harmloses Zeug. Ich hab’s selbst gesehen.«

»Irgendwelche Pillen. Was für Pillen?«, wollte der Arzt wissen. »Was für Pillen?«, schrie er. »Habt ihr schon mal was von der ärztlichen Schweigepflicht gehört? Ich werde euch bei der Polizei sicher nicht anscheißen. Also was jetzt?«

Martha kramte in ihren Hosen herum und zeigte ihm eine der Pillen.

»Ah, das Zeug kenn ich.« Der Arzt machte eine wegwerfende Handbewegung. »Das kann’s nicht gewesen sein. Wie viel hat sie von dem Scheiß geraucht?«

»Eine Tablette«, sagte Hannes. »Jeder eine Tablette.«

»Okay«, sagte der Arzt. »Verstaut das irgendwo, wir rufen jetzt die Polizei, die werden sich das Ganze da anschauen wollen. Die Tote nehmen wir mit zur Obduktion.«

Ron hatte angestrengt hingehört, aber nichts verstanden. Er wusste nur, dass ihm dieser Arzt irgendwie sympathisch war. Der bückte sich und sah sich Lindas Kotze genauer an.

»Das muss irgendwas extrem Aggressives gewesen sein.« Dann sah er Rons fragenden Blick und redete auf Englisch weiter. »Sieht wie eine Vergiftung aus. Wann hat das angefangen? Ich meine, das Kotzen, die Krämpfe.«

Ron schaute auf die Uhr. »Vor einer knappen Stunde. Fünfzig Minuten. Ziemlich am Anfang des Konzerts. Sie spielte eine Nummer, dann brach sie zusammen.«

Der Arzt gab den Sanitätern mit einem Kopfnicken zu bedeuten, dass er fertig sei. Obwohl man die Leiche durch den Hinterausgang hinaustrug, verbreitete sich im Saal rasch die Kunde, dass Linda Steinberg tot sei. Überdosis, hieß es. Die Lichter gingen an, aber man blieb, stand in dem schalen, hässlichen Kunstlicht herum und wartete, bis jemand die Bühne bestieg, mit halb verschluckter Stimme von einem tragischen Zwischenfall redete und das Konzert absagte. Ein allgemeines Murren folgte. Der Mann fügte hinzu, dass Razorblades Auftritt nachgeholt würde und man deshalb die Karten für den heutigen Termin nicht wegschmeißen sollte. Ein allgemeines Suchen und Kramen nach den Tickets ging los, stellenweise kroch man auch auf dem Boden herum, dann begann sich der Saal langsam zu leeren.

Am nächsten Tag stand der Vorfall groß in allen Zeitungen. Die Journalisten, die eine Besprechung des Konzerts liefern sollten, schrieben jetzt über die unbekannte Sängerin, die auf der Bühne zusammengebrochen und dann backstage in einem kleinen, schmutzigen Raum verstorben war, mit nur einundzwanzig.

In den unvermeidlichen Nachrufen wurde Linda zum Geheimtipp und dann auch gleich zur großen Nachwuchshoffnung der heimischen Musikszene erklärt. Linda hatte zum Geldverdienen zwischendurch immer wieder mal gemodelt, und so gab es Photos von ihr, auf denen ihre Schönheit voll zur Geltung kam. Wie hätte jemand, der so aussah und so großartige, eigenwillige Songs schrieb, eine so zarte verträumte Stimme hatte, über kurz oder lang nicht zum Star werden sollen?, fragte man sich. Ein Journalist machte sich die Mühe, in der Szene herumzufragen, unter anderem hatte er mit dem Veranstalter gesprochen, der seinerzeit Ron Razorblade mit Linda bekannt gemacht hatte, und der wies im Interview auf die Tragik der Situation hin, dass die Band relativ lange unbemerkt oder nur einem kleinen Kreis bekannt hier in Wien gespielt habe, dann von Ron Razorblade als Vorgruppe engagiert worden sei und also unweigerlich knapp davorgestanden habe, einem größeren Publikum bekannt zu werden – und dann das.

»Wenn ich irgendjemandem den Erfolg, den größten Erfolg gegönnt hätte, dann ihr«, wurde der Veranstalter zitiert. »Ich habe viele kommen und gehen sehen, sehr viele, aber niemanden, der so begabt war wie Linda. Allein die Texte, die sie schrieb, waren ein Hammer. Jetzt reden alle von Drogen. Aber mit Drogen war nicht viel. Sie war ein verschlossenes, eigenwilliges Mädchen. Du hast das Gefühl gehabt, dass sie diese Musik, diese Kunst mit sich herumträgt und dass das nicht leicht sein kann. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass sie es schafft.«

2

Dr. Ferdinand Rahl, 59, Wiener Kripochef, legte die Zeitung aus der Hand und trank noch einen Schluck von dem Kaffee, der schon nicht mehr richtig warm war. Er betrachtete das Photo von Linda Steinberg. Dann nahm er den vorläufigen Obduktionsbericht wieder in die Hand. Die Frau war vergiftet worden, mit Akonitin, einem starken Pflanzengift. Noch wussten das ganz wenige. Noch gehörte der Fall, die Geschichte, ihm. Niemand hatte, und das war interessant, über einen Mord spekuliert, obwohl mehrfach gesagt worden war, dass Linda keine Drogenprobleme hatte. Der Tod dieser Frau hatte so schon für gewaltiges Aufsehen gesorgt. Was würde da erst los sein, wenn bekannt wurde, dass aller Wahrscheinlichkeit nach ein Giftmord vorlag? Rahl wurde nervös. Er stand auf, ging zum Spiegel, der über dem Waschbecken in seinem Büro hing, und betrachtete sich wie ein Schauspieler vor dem Auftritt. Um Punkt zehn würden es alle wissen. Er atmete tief durch und machte sich auf den Weg zur Pressekonferenz.

Der Saal war gerammelt voll. Rahl ging durch ein Blitzlichtgewitter und strebte nach vorn, wo die Tische in einer Reihe aufgestellt waren. Die Blitze blendeten so stark, dass er fast die Orientierung verlor. Er taumelte, wäre in dem Gedränge fast über ein Kabel gestolpert, und hielt sich an Messner fest, dem Pressesprecher der Bundespolizei, der sich kurz umdrehte und dann langsam, gemessenen Schrittes vor ihm herging wie ein Blindenführer. Messner hatte es auch leicht, er machte nur die Einleitung und musste hinterher nicht seinen Kopf für die Ermittlungen hinhalten. Sie erreichten die Tischreihe, die mit weißen Tüchern bezogen war. Überall standen Mineralwasser- und Fruchtsaftflaschen, dazu an jedem Platz ein Namensschild. Dass er sich hinter diesen Tischen verschanzen konnte, verschaffte ihm Platz und Abstand. Scheinwerfer wurden auf ihn gerichtet, wieder ging das irrsinnige Photographieren los, ihm wurde warm. Rahl hatte das Gefühl, er würde mit dem grellen Licht aus der Welt hinausgeleuchtet, irgendwo anders hin, wo er jetzt ganz allein war, mit Messner, der ihn aber verlassen, nach dem Eingangsstatement abtauchen würde in jenes Dunkel, aus dem heraus die anderen auf seine Worte lauerten. Er versuchte Messner zuzuhören. Die einzelnen Wörter kamen wohlüberlegt und schön moduliert, fernsehsprecherhaft aus dessen Mund, aber Rahl war nicht in der Lage, sie aufzunehmen. Es war auch egal, was Messner sagte, Messners Job war es ja, nichts zu sagen. Alles wartete nur darauf, dass er das Wort an Rahl weitergab, damit der sagen konnte, woran und warum die schöne Sängerin gestorben war.

Rahl rückte mit einem schrillen Laut den Stuhl näher zum Tisch heran – was durch den Körper eines Tonmannes in der ersten Reihe ein spastisches Zucken jagte – und begann. Irgendein kleiner Privatsender, der sich wichtigmachen wollte, übertrug die Pressekonferenz sogar live. Rahl bestätigte zunächst den Tod der Sängerin und fügte hinzu, dass Linda Steinberg, nach derzeitigem Stand der Ermittlungen, nicht drogensüchtig gewesen sei. Sie habe Drogen, wie bedauerlicherweise so viele junge Leute, allerdings gelegentlich konsumiert. Ein Tod durch Überdosis könne aber in jedem Fall ausgeschlossen werden.

Rahl machte eine kurze Pause, er spürte die Anspannung im Raum, es knisterte. Es müsse vielmehr davon ausgegangen werden, sagte er, dass Linda Steinberg einer Vergiftung erlegen sei. In diesem Moment brach reflexhaft ein Blitzlichtgewitter über ihn herein. Er hatte das Gefühl, dass die ganze Pressemeute noch näher an ihn heranrückte, ihn noch mehr bedrängte. Aufgeregtes Gemurmel. Rahl hob die Hand, es wurde wieder still.

»Ein Verbrechen kann nicht ausgeschlossen werden, zumal es keine Anzeichen für Selbstmord oder eine versehentliche Einnahme des Giftes gibt.«

Ein Journalist, der in der ersten Reihe saß und sich besonders wichtig vorkam, weil er vom staatlichen Fernsehen war, platzte dazwischen. »Soll das heißen, dass Frau Steinberg ermordet worden ist?«

Messner schüttelte den Kopf, zum Zeichen, dass die Frage zu früh kam.

»Das Gift, Akonitin, eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt, ist immer wieder einmal bei Verbrechen zur Anwendung gekommen. Mehr kann und will ich dazu zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen.«

Rahl lehnte sich zurück, sein Statement war zu Ende. Die Journalisten redeten aufgeregt durcheinander. Genauso hatte Rahl sich das vorgestellt. Chaos von Anfang an. Es war mit Messner abgesprochen, dass er nun einige Fragen entgegennehmen würde, um die Menge zu beruhigen und den wildesten Spekulationen entgegentreten zu können. Messner, der in der Dressur der Journalisten geübt war, sagte nur kurz »Fragen?« ins Mikrophon und schon schnellten wie in einer Schulklasse mit lauter Strebern die Hände in die Höhe. Messner lächelte herablassend. Der Mann vom öffentlichen Rundfunk hob die Hand lässig nur halb und bekam prompt das Wort erteilt.

»Gibt es bereits Verdächtige?«

Rahl schüttelte kurz angebunden den Kopf. »Ich sagte doch, wir sind uns noch nicht einmal sicher, ob überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Gegenwärtig ermitteln wir in alle Richtungen. Linda Steinberg ist keine vierundzwanzig Stunden tot. Ich bitte Sie, das zu bedenken.«

Wieder zuckten die steil aufragenden Arme.

»Bitte, Frau Ürding.«

Silke Ürding schrieb für eine der besseren Zeitungen. Rahl mochte sie. »Wenn Selbstmord und eine versehentliche Einnahme des Giftes ausgeschlossen werden können, welche Erklärung bleibt dann als die, dass ein Verbrechen vorliegt?«

Rahl nickte. »Sehen Sie, genau so denken wir auch. Aber einstweilen sind das eben nur Gedanken, Schlussfolgerungen, und die müssen durch Fakten erst bestätigt werden.«

»Das heißt, Sie ermitteln in Richtung Mord?«, platzte ein anderer dazwischen.

Rahl sagte nichts dazu. Er wollte sich schon erheben, als Messner Rupert Wagner, einem stillen, aber ehrgeizigen und erfahrenen Polizeireporter, das Wort erteilte.

»Wer wird die Ermittlungen leiten?«

»Die Verantwortung liegt bei mir. Ich habe ein Team von Leuten gebildet, das den Fall bearbeitet. Keiner von unseren Mitarbeitern ist autorisiert, mit Ihnen zu sprechen. Ich persönlich werde Sie auf dem Laufenden halten. Und jetzt entschuldigen Sie mich.«

Rahl stand auf und bewegte sich auf den Ausgang zu. Der Mann vom öffentlichen Fernsehen schaute betreten drein, weil er davon ausgegangen war, noch ein Exklusivinterview zu bekommen, aber Rahl hatte keine Lust dazu.

Der kleine Wagner ging neben ihm her. »Stimmt es, dass ein völlig unerfahrener Mann die Ermittlungen leiten soll? Otto Bramböck?«

Wagner schaute ihn listig an, Rahl erstarrte. Woher zum Teufel wusste er das? Wagner schrieb für eine konservative Zeitung, die für Law and Order eintrat und traditionell beste Beziehungen zur Polizei unterhielt. Allerdings hatte der ehrgeizige Journalist für den kleinen Triumph die Exklusivität seiner Information aufs Spiel gesetzt. Denn einige andere, unter ihnen auch Silke Ürding, hatten die Frage mitgehört. Rahl ging, sichtlich genervt, weiter. Als er sich in ein leeres Nebenzimmer gerettet hatte, ließ er sich auf einen Stuhl fallen und verschnaufte. Messner betrat zur Nachbesprechung ebenfalls den Raum und wirkte locker, als hätte ihm das Bad in der Menge gutgetan.

»Haben Sie das mitgekriegt?«

»Was?«, fragte Messner.

»Wagner weiß jetzt schon, wer die Ermittlungen leiten wird.«

Messner, der mit Wagner sehr gut konnte, sich regelmäßig mit ihm traf, zuckte mit den Schultern. »Ich kann den Leuten nicht verbieten, dass sie ihren Job machen.«

»Das nicht. Aber Sie haben dafür zu sorgen, dass unsere Leute ihr verdammtes Maul halten.«

Gleich im Anschluss an die Pressekonferenz war eine erste Besprechung mit jenen beiden Männern angesetzt, die die Ermittlungen leiten sollten: Otto Bramböck und Emanuel Högner. Rahl war bekannt für eigenwillige Personalentscheidungen, obwohl man ihm nicht absprechen konnte, dass er ein Näschen für gute Leute hatte. Bramböck war ein aufstrebender junger Beamter, dem alles zuzufliegen schien, hatte bisher schwierige und unangenehme Sachen zu bearbeiten gehabt: Menschenhandel, Schlepperwesen, fast aussichtslose Ermittlungen im Dickicht der chinesischen Mafia. Bramböck war einer, der nicht und niemals aufgab, beständig Erfolge erzielte und sehr methodisch arbeitete. Am liebsten hätte Rahl ihn in dieser Unterwelt weiterwühlen lassen, aber er wusste, dass das keinem auf Dauer zuzumuten war. Ihm stand eine Belohnung in Form eines großen Falles zu. Bramböck und sein Kumpel Högner waren ein Team, und ihre Jugend qualifizierte sie in besonderer Weise für gerade diesen Fall. Wer könnte sich besser im Milieu Steinbergs bewegen als die beiden? Einige Neider würden es ihm übelnehmen, dass er diesen Fall Bramböck gab – das war klar. Aber solche Neider gab es immer. Solange nichts schiefging, hörte niemand auf sie. Was ihm an Bramböck am meisten gefiel: Hinter dessen ruppiger Art lag eine altertümliche Form von Anstand verborgen, die bei der jüngeren Generation immer seltener wurde. Bei diesem Grundanstand nämlich durfte Rahl – und dafür hatte er als Machtmensch einen Riecher – ein hohes Maß an Loyalität voraussetzen.