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Auch in den Ferien kommt Holmes wieder mal nicht zur Ruhe. Bei den Cunninghams ist eingebrochen und ein Kutscher ermordet worden. In der Hand hält dieser einen Zettel für eine Verabredung – doch ein Teil ist abgerissen worden.

Arthur Conan Doyle

Die Squires von Reigate

Die Memoiren von Sherlock Holmes

Kriminalroman

Aus dem Englischen
von Alice und Karl Heinz Berger

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Über Arthur Conan Doyle

Impressum

Es war, ehe sich mein Freund Sherlock Holmes von den Anstrengungen des Frühjahres 1887 erholt hatte. Die Angelegenheit mit der Holland-Sumatra-Company und der ungeheuren Intrige des Barons Maupertuis ist noch zu frisch in Erinnerung und auch zu eng mit der Welt der Politik und der Finanzen verknüpft, als daß sie einen geeigneten Gegenstand für diese meine Skizzen abgeben könnte. Jedoch führte dieser Fall indirekt hin zu einem ungewöhnlichen, verzwickten Problem, das meinem Freund Gelegenheit bot, den Wert einer neuen Waffe unter den vielen, mit denen er in seinem lebenslangen Kampf gegen das Verbrechen stritt, zu demonstrieren.

Wenn ich meine Notizen zu Rate ziehe, sehe ich, daß es der 14. April war, als ein Telegramm aus Lyon mich in Kenntnis setzte, Holmes liege krank im Hotel »Dulong«. Noch vor Ablauf von vierundzwanzig Stunden befand ich mich an seinem Krankenlager und konnte mich über seinen Zustand beruhigen, da die Symptome auf nichts Schlimmes deuteten. Seine eiserne Gesundheit war unter den Anstrengungen einer sich über zwei Monate erstreckenden Nachforschung zusammengebrochen. In der Zeit hatte er nie weniger als fünfzehn Stunden pro Tag gearbeitet und war, wie er mir versicherte, mehr als einmal fünf Tage hintereinander mit seiner Aufgabe beschäftigt gewesen. Der triumphale Erfolg konnte ihn indes vor einer körperlichen Reaktion auf die fürchterlichen Mühen nicht bewahren, und so fand ich ihn, während ganz Europa von seinem Namen widerhallte und sein Zimmer mit Glückwunschtelegrammen buchstäblich überflutet wurde, als eine Beute schwärzester Niedergeschlagenheit. Sogar das Wissen darum, daß er erfolgreich blieb, wo die Polizei dreier Länder versagt hatte, daß es ihm gelungen war, den vollendetsten Betrüger Europas auszumanövrieren, reichte nicht hin, ihm aus der Nervenerschöpfung aufzuhelfen.

Drei Tage später waren wir wieder in der Baker Street, aber es lag klar am Tage, daß meinem Freund eine Abwechslung guttun würde, und auch auf mich wirkte die Vorstellung von einer Woche auf dem Lande höchst anziehend. Mein alter Freund Colonel Hayter, den ich in Afghanistan medizinisch betreut hatte, besaß jetzt ein Haus in der Nähe von Reigate in Surry; er hatte mich häufig gebeten, ihm einen Besuch abzustatten. Beim letzten Mal hatte er hinzugefügt, daß er meinen Freund ebenfalls gastlich aufnehmen würde, wenn er mitkommen wolle. Ein bißchen Diplomatie war schon vonnöten, doch als Holmes erfuhr, daß es sich um einen Junggesellenhaushalt handle und ihm volle Freiheit garantiert sei, stimmte er meinem Vorschlag zu. So kam es, daß wir schon eine Woche nach der Rückkehr aus Lyon unter Colonel Hayters Dach weilten. Hayter war ein tüchtiger alter Soldat, weit in der Welt herumgekommen, und so entdeckte er bald, wie ich gehofft hatte, daß ihn vieles mit Holmes verband.

Den Abend des Tags unserer Ankunft verbrachten wir nach dem Dinner im Gewehrzimmer des Hausherrn; Holmes rekelte sich auf dem Sofa, und Hayter und ich betrachteten das kleine Arsenal von Handfeuerwaffen.

»Übrigens«, sagte der Colonel plötzlich, »nehme ich eine der Pistolen mit hinauf, für den Fall, daß man uns alarmiert.«

»Alarmiert!« sagte ich.

»Ja, in letzter Zeit ist das vorgekommen. Beim alten Acton, einem der Grundbesitzer hier in der Nähe, wurde letzten Montag eingebrochen. Es ist kein großer Schaden angerichtet worden, aber die Kerle sind noch auf freiem Fuß.«

»Keine Spuren?« fragte Holmes und richtete den Blick interessiert auf den Colonel.

»Bis jetzt nichts. Aber es ist nur eine Bagatelle, eines der kleinen Verbrechen, die auf dem Lande geschehen; derartiges, Mr. Holmes, dürfte nach Ihrem bedeutenden internationalen Erfolg Ihrer Aufmerksamkeit kaum wert sein.«

Holmes wehrte das Kompliment mit einer Geste ab, wenngleich sein Lächeln erkennen ließ, daß er es angenehm empfand.

»Gibt es etwas Besonderes an dem Fall?«