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Der junge Arzt Percy Trevelyan findet tatsächlich jemanden, der die Kosten seiner Praxis gegen einen Anteil an seinem Gewinn übernimmt. Sein Gönner Blessington begeht jedoch Selbstmord. So könnte es sein, oder aber sein Tod steht in Zusammenhang mit einem merkwürdigen Besuch in seiner Praxis.

Arthur Conan Doyle

Der Dauerpatient

Die Memoiren von Sherlock Holmes

Kriminalroman

Aus dem Englischen
von Alice und Karl Heinz Berger

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Über Arthur Conan Doyle

Impressum

Wenn ich in den einigermaßen unzusammenhängenden Memoiren stöbere, mit denen ich versucht habe, einige geistige Besonderheiten meines Freundes Mr. Sherlock Holmes zu illustrieren, überrascht mich immer wieder die Schwierigkeit der Auswahl von Beispielen, die meinem Zweck entsprechen. Bei den Fällen nämlich, in denen Holmes in einer tour de force analytischen Schlußfolgerns den Wert seiner besonderen Untersuchungsmethoden vorführt, sind die Umstände oft so unbedeutend oder alltäglich, daß es nicht gerechtfertigt wäre, sie vor der Öffentlichkeit auszubreiten. Auf der anderen Seite ist es häufig geschehen, daß er Untersuchungen durchführte, denen äußerst bemerkenswerte und dramatische Umstände eigneten, während der Anteil, den er an der Aufdeckung der Ursachen hatte, weniger auffiel, als ich, sein Biograph, wünschen würde. Die geringfügige Sache, über die ich unter dem Titel »Späte Rache« berichtet habe, oder die später geschriebene Geschichte, die sich mit dem Untergang der »Gloria Scott« befaßt, mögen als Beispiele für diese Scylla und Charybdis dienen, die derjenige drohend vor sich hat, der Sherlock Holmes’ Leben und Wirken beschreibt. Möglicherweise stellt die Angelegenheit, die ich hier wiedergeben will, die Rolle meines Freundes nicht genügend heraus; dennoch erscheinen die Umstände so wesentlich, daß ich es nicht übers Herz bringe, sie völlig aus der Serie fortzulassen.

Es war an einem trüben, regnerischen Oktobertag. »Ungesundes Wetter, Watson«, sagte mein Freund. »Aber der Abend hat einen kleinen Wind aufgebracht. Was würden Sie von einem Bummel durch London halten?«

Ich war unseres kleinen Wohnzimmers überdrüssig und nur zu gern einverstanden. Drei Stunden bummelten wir umher und beobachteten das pulsierende Leben auf der Fleet Street und in der Strand. Holmes’ treffende Art zu erzählen, seine scharfe Beobachtung der Einzelheiten und seine Gabe, scharfsinnig zu schlußfolgern, amüsierten und fesselten mich.

Es war zehn Uhr, als wir wieder in der Baker Street eintrafen. Vor unserem Haus wartete ein Brougham.

»Hm! Ein Arzt – ein praktischer Arzt, nehme ich an«, sagte Holmes. »Noch nicht lange im Beruf, hat aber schon ziemlich viel zu tun. Will sich bei uns Rat holen, scheint mir. Glücklicherweise sind wir zurück.«

Ich war mit Holmes’ Methoden ausreichend vertraut, um seiner Beweisführung folgen zu können und zu bemerken, daß die Art und der Zustand der medizinischen Instrumente in dem Weidenkorb, der im erleuchteten Innern des Brougham stand, ihm das Material für die schnelle Schlußfolgerung geboten hatte. Das Licht hinter unseren Fenstern zeigte an, daß der späte Besuch wirklich uns galt. Neugierig darauf, was einen frater medico zu dieser Stunde zu uns getrieben haben mochte, folgte ich Holmes in unser Arbeitszimmer.