Informationen zum Buch

Wie kam die Anmut in die Mark?

Kaum eine Dynastie hat die Geschicke Preußens so geprägt wie die Familie der Hohenzollern. Unter ihrer Ägide wurde aus dem kargen Landstrich ein prosperierendes Königreich, mit enormer militärischer Schlagkraft einerseits und Toleranz, Bürgernähe, Förderung der Wissenschaft und Künste andererseits. Was an Preußen heute beeindruckt, ist vor allem das kulturelle Erbe, das das Land weit über seine Grenzen hinaus bekannt machte: herrliche Schloss- und Parkanlagen, Theater, Museen oder Universitäten. Christine von Brühl schildert den Einfluss gerade der Frauen der Hohenzollern, die als Zugereiste und Eingeheiratete die Impulse und Ideen mitbrachten, die für die kulturelle Weiterentwicklung des Landes erforderlich waren.

Christine von Brühl

Anmut im märkischen Sand

Die Frauen der Hohenzollern

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Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Stammbaum

I. Vorwort

II. Wie kamen die Hohenzollern nach Brandenburg? Eine Einführung

1. Die Große Kurfürstin – Louise Henriette von Nassau-Oranien (1627–1667)

2. Die Tabakpflanzerin – Dorothea von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1636–1689)

3. Heirat aus Liebe – Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel (1661–1683)

4. Die erste Königin – Sophie Charlotte von Hannover (1668–1705)

5. Die Gemeindestifterin – Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin (1685–1735)

6. Königin im Schatzkästlein – Sophie Dorothea von Hannover (1687–1757)

7. Liebe ohne Gegenliebe – Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715–1797)

8. Leben in Verbannung – Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel (1746–1840)

9. Ehe zu dritt – Friederike Luise von Hessen-Darmstadt (1751–1805)

10. Königin der Herzen – Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

11. Morganatische Ehefrau – Auguste von Harrach (1800–1873)

12. Herrscherin von Siam – Elisabeth Ludovika von Bayern (1801–1873)

13. Die erste Kaiserin – Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811–1890)

14. Die Engländerin – Victoria von Großbritannien (1840–1901)

15. Die Kirchenjuste – Auguste Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921)

16. Kaiserin ohne Thron – Hermine von Reuß ältere Linie (1887–1947)

III. Schluss

Anmerkungen

Bibliographie

Bildnachweis

Dank

Über Christine von Brühl

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

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Für Gisela Pucher,
Spezialistin für Königinnen, Prinzessinnen und
manch anderweitig gekröntes Haupt

I.
Vorwort

Mit Preußen wird gemeinhin soldatische Strenge und Disziplin assoziiert. Unvergessen bleibt das Urteil, mit dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) seinen Ältesten, Friedrich (1712–1786), bestrafte, weil der Junge mit seinem Freund Hans Hermann Katte (1704–1730) versucht hatte, dem Militärdienst zu entfliehen. Friedrich musste dabei zusehen, wie der Leutnant zum Tod verurteilt und enthauptet wurde.

Ungerecht waren auch die Anschuldigungen, mit denen derselbe Friedrich später, als er König geworden war, seinen Bruder August Wilhelm von Preußen (1722–1758) im Siebenjährigen Krieg mit seinen Generälen konfrontierte. Der König behauptete, der Bruder habe den Abzug seiner Soldaten verzögert und sie absichtlich ins Verderben geführt, dabei war es Friedrich selbst gewesen, der den Aufenthalt befohlen hatte. Sie hätten alle miteinander verdient, ließ Friedrich seinen Stab wissen, die Köpfe zu verlieren. Die öffentliche Abfuhr löste bei August Wilhelm ein seelisches Debakel aus, von dem er sich nie wieder erholte. Noch vor Ende des Krieges verstarb er.

Wer jedoch heute das Land besucht, in dem die Hohenzollern einst herrschten, interessiert sich weder für Disziplin noch für soldatische Strenge. Er besichtigt Potsdam mit seinen Schlössern und Parks, besucht die Museumsinsel in Berlin mit ihren Sammlungen von Weltrang, spaziert die Prachtstraße Unter den Linden entlang und bewundert die klassizistischen Bauten. Eine Vielzahl dieser Schönheiten des Landes verdanken wir allerdings nicht seinen Herrschern, sondern deren Ehefrauen. Während sich die Kurfürsten, Könige und Kaiser um Politik und Machterhalt kümmerten, bemühten sich ihre Ehegattinnen um den Bau von Schlössern, Gärten und Kirchen, die Förderung von Künstlern und Literaten oder stifteten soziale Einrichtungen. Wenn die Bürger eine neue Kirche brauchten, wandten sie sich nicht an den König, sondern an die Königin.

So ist es der Initiative von Louise Henriette von Oranien, der Frau des Großen Kurfürsten (1620–1688), zu verdanken, dass eine Fülle bedeutender Architekten und Landschaftsgestalter, Künstler und Gelehrter, ja nicht zuletzt von Ingenieuren und Fachleuten im 17. Jahrhundert ihren Weg aus den wirtschaftlich blühenden Niederlanden nach Brandenburg fand. Sie bauten das nach dem Dreißigjährigen Krieg zerstörte und entvölkerte Land wieder auf, halfen beim Einrichten von Wohnbauten und Entwässerungsanlagen und brachten Gewerke und Fertigkeiten in die Region, die hierzulande noch keiner kannte. Auch Sophie Charlotte von Hannover, zweite Ehefrau Friedrichs I. (1657–1713), konnte einbringen, was sie ihren neuen Untertanen an Bildung und Weltoffenheit voraus hatte. Sie ließ sich in Lietzenburg ein Lustschlösschen bauen und gründete dort einen Musenhof von europäischem Rang. Nach ihrem Tod wurde das Anwesen nach ihr Charlottenburg genannt. Luise von Mecklenburg-Strelitz subventionierte Heinrich von Kleists literarisches Schaffen mit Geldern aus ihrer Privatschatulle. Victoria von Großbritannien ließ das Neue Palais in Potsdam renovieren und englische Bäder einrichten und Auguste Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, die sogenannte »Kirchenjuste«, sorgte für den Bau und die Einweihung unzähliger neuer Kirchen.

Dieses Engagement war keine Selbstverständlichkeit, denn ursprünglich stammte keine dieser Frauen aus Preußen. Meist waren sie bei ihrer Heirat noch sehr jung, Sophie Charlotte war beispielsweise erst fünfzehn, und selbstverständlich galten solch eine Heirat und die damit verbundene Trennung von der Familie für die Ewigkeit, denn Scheidung war eigentlich keine Option. Hinzu kam, dass das neue Zuhause meist weit weg und mangels guter Straßen und moderner Fortbewegungsmittel schwer erreichbar war. Je weiter die einstige Heimat von der neuen Residenzstätte entfernt war, desto unwahrscheinlicher war es, dass die junge Braut ihre Familie jemals wiedersehen würde.

Fortan hatte der Ehemann für sie zu sorgen, und sie hatte dem Angetrauten und seinen Verwandten treu ergeben zu sein, denn sie gehörte von einem Tag auf den anderen zu einer neuen Familie. Sie musste die vielen Gesichter kennen lernen, die durch ihre Heirat neu in ihr Leben gekommen waren, die Zusammenhänge und Verwandtschaftsgrade zwischen den unterschiedlichen Menschen erfassen, die dazu gehörten, und sich bald auch in der Geschichte und den Traditionen der Schwiegerfamilie auskennen. Sie musste lernen, ihre Sprache zu sprechen und sich den Ritualen unterzuordnen, die hier herrschten. Manch eine wechselte dafür sogar ihre Konfession.

Das war insbesondere von Bedeutung, da jede von ihnen gerade den Ältesten der Familie geheiratet hatte. Er übernahm traditionsgemäß die Hauptverantwortung für den Fortbestand der Familie, verwaltete das Erbe und war überdies der Thronfolger. Früher oder später würden diese Frauen an der Seite ihres Mannes über die Geschicke eines ganzen Landes mitbestimmen.

Ihre vorrangigste Aufgabe war, möglichst bald möglichst viele Kinder zu gebären, insbesondere Jungen. Viele Herrscherinnen, von denen in diesem Buch die Rede sein wird, brachten Jahr um Jahr ein Neugeborenes zur Welt. Das war eine Selbstverständlichkeit. Wer als Frau diese Aufgabe, deren glücklichen Ausgang schließlich niemand in der Hand hat, nicht erfüllen konnte, hatte ein unlösbares Problem.

Bei jeder Geburt ging es um Leben und Tod – sowohl für den Säugling als auch für die Mutter. Doch bei der hohen Rate an Säuglings- und Kindersterblichkeit durfte es keinesfalls nur einen möglichen Thronfolger geben. Bei der Heirat Luises von Mecklenburg-Strelitz wurde beispielsweise vertraglich vereinbart, dass sie eine festgelegte Summe zur Disposition erhalten solle, die sich bei der Geburt eines Sohnes erheblich erhöhen würde. Bei der Geburt einer Tochter war derlei nicht vorgesehen.

Aus der Perspektive einer Monarchie waren Frauen, die keine Kinder gebaren, eine Existenzbedrohung. Es ging um den unbedingten Erhalt der Familie, gleichzeitig um die wachsende Zahl ihrer Mitglieder. Nur dann waren die jeweiligen Erstgeborenen in der Lage, den Hegemonialanspruch ihres Hauses dauerhaft aufrecht zu erhalten. Erbe wurde immer nur der älteste Sohn, der aus der Verbindung mit der standesgemäß ersten, rechtmäßigen Ehefrau entstanden war. Lieblingsneffen galten nicht, Kinder, die in außerehelichen Verbindungen entstanden waren, gleich gar nicht, Adoptionen waren ausgeschlossen. Starb der Älteste, rückte der im Alter nächste Bruder nach. Die Verantwortung wurde nie geteilt. Diese Regelung war, insbesondere in Preußen, oberstes Gesetz.

Darüber hinaus hatte die Eheschließung mit einem Thronfolger ihre eigene Brisanz. Heirat war immer auch mit Politik verbunden, mit Macht und der Erschließung dauerhafter Netzwerke. Von Gefühlen konnte hier kaum die Rede sein. Es war die Möglichkeit, zwei Herrschaften im Frieden miteinander zu vereinen und den Besitz eines der beiden Häuser zu mehren. Während es in dieser Zeit primär um den Erhalt einer Herrschaft ging, war es in zweiter Linie wichtig, sie geographisch zu erweitern und ihre Einflussnahme zu vergrößern.

Hatten die Frauen alle Anfangsschwierigkeiten überwunden, hatten sie sich im Haus und vor ihren Angestellten Respekt und Ansehen erworben und einen ersten potentiellen Thronfolger geboren, hatten sie eine Persönlichkeit entwickelt, die ihnen kraftvolles Auftreten und ein selbstbestimmtes Wesen erlaubte, konnten sie sich schließlich vielleicht auch noch dem Bau von Schlössern und Kirchen widmen. Dabei halfen ihnen die finanziellen Mittel, die sie mit in die Ehe gebracht hatten. Um ihnen den Neubeginn zu erleichtern, waren sie – im besten Fall – mit kostbaren Gütern und hohen Geldbeträgen ausgestattet worden: der sogenannten Mitgift. Sie war innerhalb der Familie gesammelt und angeschafft worden, während die Braut heranwuchs. Vorzugsweise handelt es sich um Gegenstände von besonders guter Qualität und hohem Wert, denn sie sollten möglichst lang, wenn nicht gar ewig halten. Es waren, was das Wort Mit-Gift auch etymologisch bedeutet, Geschenke, kostenlose Gaben, die keinesfalls zurückgefordert werden konnten.

Die Eheschließung fand auf der Basis eines Vertrags statt. Die Lebensumstände der jungen Frau wurden genau festgelegt. Es sollte ihr auch in Zukunft an nichts mangeln. Je vornehmer und wohlhabender das Haus war, aus dem sie stammte, je umfassender die Mitgift und reicher die Geschenke, desto präziser waren die Verträge. Alle Einzelheiten wurden vorab geregelt und festgeschrieben, Ausstattung, Anzahl des Personals, Schmuck und andere Gegenstände, die auch nach der Heirat im Besitz der Frau zu verbleiben hatten – jedes Detail wurde vereinbart und gesichert. Insbesondere der Witwensitz und seine angemessene Qualität wurden vorab festgehalten.

Die Mitgift war viel wert, manche Frauen brachten ganze Ländereien und Güter mit in die Ehe. Es waren Geschenke für ihre neuen Familien. Sie wurden der Herrschaft des Ehemannes zugeschlagen und gingen der ursprünglichen Kernfamilie verloren. Es waren nun keine Oranier, keine Welfen mehr, die in diesen Gebieten regierten, sondern Brandenburger. Die dortigen Bewohner hatten sich damit abzufinden. Preußen verdankt sogar seine Ursprünge, das Land, von dem es seinen Namen bekam, dem Mitbringsel einer Ehefrau. Anna von Preußen (1576–1625) brachte das Herzogtum mit in die Ehe, auf dessen Basis später das Königreich Preußen entstand. 1594 heiratete sie Johann Sigismund von Hohenzollern (1572–1619), Kurfürst von Brandenburg, und da ihre Brüder das Erwachsenenalter nicht erreichten, erbte sie 1618, als ihr Vater verstorben war, das Land ihrer Herkunft. Obwohl es dorthin keine geographische Verbindung gab, nannten sich die Hohenzollern fortan Kurfürsten von Brandenburg und Herzöge von Preußen.

Die Herrschaft war erblich. Zahlreiche Erstgeborene der Familie kamen in Königsberg, der Residenzstadt Preußens, auf die Welt. 1701 ließ sich Friedrich I. dort als erstes Mitglied der Dynastie zum König in Preußen krönen. Sämtliche Thronfolger der Familie Hohenzollern folgten diesem Beispiel und reisten zu ihrer Krönung nach Königsberg.

Anna war eine eigenwillige Frau. Sie galt nicht als sonderlich attraktiv, hatte einen starken Willen und war äußerst temperamentvoll. Wenn sich ihr Mann, der Kurfürst, ausschweifenden Trinkgelagen hingab, bewarf sie ihn gelegentlich vor Wut mit Tellern und Krügen. Sie war zudem schlau und ihrem Mann intellektuell überlegen. Nicht nur das Herzogtum Preußen brachte sie mit in ihre Ehe, sondern auch Ansprüche auf die vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg, die Grafschaften Mark und Ravensberg sowie die Herrschaft Ravenstein im Westen des Landes. Bei den Verhandlungen um die Erbfolge saß sie mit am Tisch, setzte sich erfolgreich gegen ihre Konkurrenten durch und musste ihre Rechte am Ende lediglich mit den Fürsten von Pfalz-Neuburg teilen. Im Vertrag von Xanten wurden Brandenburg 1614 zusätzlich zu Preußen die Herrschaften Kleve, Mark und Ravensberg zugesprochen.

Selbstredend kam die eigenwillige Anna auch ihren Fähigkeiten als Lebensstifterin nach. Sie gebar acht Kinder, von denen die drei Jüngsten allerdings kurz nach der Geburt wieder verstarben.

Doch zurück zum Thema Mitgift: Was für Gedanken müssen die Eltern bewogen haben, wenn ihre Töchter derart ausgestattet von dannen zogen? Wie müssen sie sich gefühlt haben, da sie wussten, dass die Güter, die sie ihnen mitgaben, der eigenen Familie für immer verloren gingen, nicht zuletzt ihr wohlerzogenes, im besten Fall hervorragend ausgebildetes Kind? Und was muss die Tochter empfunden haben, wenn sie ihre Familie zum letzten Mal sah? Nach außen hin zeigten sie sicherlich Stolz und Freude, doch auch von der Einsamkeit und dem Heimweh, mit denen sich die jungen Bräute zu Beginn ihrer Ehe plagten, zeugen unzählige Korrespondenzen. Nicht allen gelang es, sich vor Ort durchzusetzen. Allein gut ausgebildete Frauen mit einem starken Charakter kamen mit der Herausforderung zurecht und entwickelten sich zu selbstbestimmten, kraftvollen Herrschersgattinnen.

Daher wird im Folgenden keineswegs nur von materiellen Gütern die Rede sein. Eindeutig ist, dass auch oder gerade der Teil der Mitgift den Töchtern zu Rang und Ansehen verhalf, der eher im ideellen, persönlichkeitsstiftenden Bereich anzusiedeln ist: Bildung, Charakterstärke, Herzensgüte. Gerade daran hat es Preußens Herrschern aufgrund der rigiden Vorstellungen von Erziehung und Strenge in diesem Land immer gemangelt. Die ideellen Mitbringsel der Frauen, die Liebe zur Musik und zur Literatur, die Überzeugung, dass Hilfsbereitschaft unabdingbar ist und Bildung ein Zeichen von Niveau, waren letztlich die Eigenschaften, die dem Land zu Ansehen und kultureller Blüte verhalfen.

Dazu zählt, auch wenn es zweitrangig erscheint, die Art der Erziehung der Kinder, das Zeremoniell und die Umgangsformen, auf die einzelne Herrscherinnen in ihrer Entourage Wert legten (oder eben nicht!), ihr Stil und ihre Vorlieben, die Einrichtung der Räumlichkeiten und Salons, die Wahl ihrer Gäste, der intellektuelle Austausch mit Denkern aus anderen Regionen und Ländern. Allein durch den intensiven, persönlichen Kontakt Sophie Charlottes zu dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) kam dieser auf die Idee, 1700 in Berlin nach englischem und französischem Vorbild eine Akademie der Wissenschaften zu gründen. Nachdem Luise auf Anhieb Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) ins Herz geschlossen hatte und diese Freundschaft sich dem König als Erinnerung an seine geliebte Frau einprägte, erhielt der Künstler selbst über ihren Tod hinaus zahlreiche Aufträge und fand Gelegenheit, seine künstlerischen Ambitionen in Preußen zu verwirklichen. Bis heute prägen seine Bauten das historische Zentrum Berlins.

Das Gute an dem fremden Blick, den die Frauen nach Preußen mitbrachten, war, dass sie vor Ort Tendenzen und Strömungen aufspüren sowie Besonderheiten entdecken konnten, die den Alteingesessenen nicht auffielen. Sie konnten Stile und Neuheiten einführen, die sie aus ihrer Heimat kannten, Wissen nutzen, das dort längst bekannt war. Sie waren diejenigen, die Kleider- und Frisurmoden kreierten, phantasievolle Feste initiierten und stimmungsvolle Konzerte veranstalteten. Sie zeichneten Theateraufführungen und Ausstellungen durch ihren Besuch aus, stifteten Preise und wirkten im gesamten Land und weit über dessen Grenzen hinaus stilbildend und kulturfördernd.

Wenn die Herrscherin starb, weinte das ganze Land. Manch kostbares Grabmal wurde gestiftet, kunstvolle Sargmonumente wurden für sie gefertigt, die wiederum die kulturelle Blüte des Landes spiegelten. Einzelne Königinnen hinterließen Stiftungen und Gelder, die über ihren Tod hinaus soziale Einrichtungen förderten oder Kunst und Künstler unterstützten.

Von all diesen guten und großen Taten soll in diesem Buch ebenso die Rede sein wie von Missgriffen und Ungeschicklichkeiten. Sämtliche 16 Herrscherinnen wurden in Augenschein genommen, die in den letzten dreihundert Jahren bis Ende der Monarchie in das Haus Hohenzollern einheirateten. Angefangen mit Louise Henriette von Oranien bis in die Neuzeit zu Hermine Reuß ältere Linie, der zweiten Frau Wilhelms II. (1859–1941), wird jede der Frauen einzeln vorgestellt und beschrieben, was sie neben ihrer Tätigkeit als Mutter und Repräsentantin des Landes kulturell zu dessen Fortbestand beigetragen hat. Um ihr Wirken zu versinnbildlichen, wurde jeder Einzelnen die Abbildung eines kunsthistorisch bedeutenden Baus zur Seite gestellt, der unmittelbar mit ihrem Dasein zu tun hat. Geachtet wurde darauf, dass es sich dabei möglichst um Anlagen handelt, die heute noch existieren. Daran lässt sich zeigen, wie lange die Wirkung der Frauen andauerte und Bestand hatte. Einige der genannten Schlösser trugen gerade nach der Wende wieder neu zur Bildung eines kulturellen Selbstverständnisses bei. In Zeiten von Umbrüchen und starken Veränderungen stifteten sie dauerhaft Identität.

Interessant ist, wie unterschiedlich ausgeprägt das Vergnügen einzelner Herrscherinnen an der persönlichen Einflussnahme war und wie stark das jeweilige persönliche Engagement divergierte, unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht auf ihre Aufgabe vorbereitet worden war. Eine Ehefrau wie Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach beispielsweise, die mit Wilhelm I. (1797–1888) verheiratet und für die Position einer Regentin exzellent ausgebildet worden war, bewies bei der Erfüllung ihrer Aufgaben kein sonderliches Geschick. Auguste Harrach hingegen, zweite Frau Friedrich Wilhelms III. (1770–1840), traf der Heiratsantrag des Königs vollkommen überraschend. Gänzlich unvorbereitet gelangte sie in die Position einer königlichen Ehefrau. Gerade sie aber führte als Herrscherin eine Kultur des Umgangs miteinander ein, die in seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung beispielgebend war. Am ungewöhnlichsten war dahingehend zweifelsohne Luise, doch auch eine Frau wie Friederike Luise überraschte alle Welt nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem plötzlich erwachenden Gestaltungseifer. Erst als Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) nicht mehr lebte, war sie mental dazu in der Lage.

Louise Henriette von Oranien macht in dem Reigen den Anfang, denn sie sticht in allem hervor. Kaum eine eingeheiratete Herrschergattin hat derart selbstverständlich und bescheiden ihr Wissen, ihr Vermögen und ihre persönliche Charakterstärke genutzt, um dem Land ihres Mannes Gutes zu bringen. Keine andere wusste den Raum, der ihr dank ihrer neuen Position zur Verfügung stand, sinnvoller zu nutzen. Dem Gestaltungswillen solcher Frauen wie ihr ist es zu verdanken, dass die Region, die einst Preußen hieß, bis heute eine fruchtbare und reiche Kulturlandschaft geblieben ist.

II.
Wie kamen die Hohenzollern nach Brandenburg?

Eine Einführung

Kaum eine Dynastie hat die Geschichte Deutschlands so geprägt wie die Familie der Hohenzollern. 1415 dank der Gunst Kaiser Sigismunds I. (1368–1437) zum Lehnherr der Markschaft Brandenburg geworden, engagierte sich Friedrich I. von Hohenzollern (1371–1440) für die unspektakuläre Region am äußersten Rand des Heiligen Römischen Reiches, seine Nachfahren taten es ihm gleich und bauten peu à peu ihre Vormachtstellung aus. Mehr als fünfhundert Jahre in Folge hielt sich die Familie in der Mark. Unter ihrer Ägide entstand aus dem kargen, wenig ertragreichen Landstrich eine klar strukturierte, gut funktionierende europäische Großmacht. Jeweils der Älteste in der Familie wurde Kurfürst von Brandenburg, später nannte er sich König in Preußen, und schließlich war er außerdem noch Deutscher Kaiser. Als es mit der Monarchie in Deutschland 1918 für immer vorbei war, war es ebenfalls ein Mitglied dieser Familie, das die Abdankungsurkunde unterschrieb: Wilhelm II.

Als Friedrich I. die Markschaft übernahm, waren die Hohenzollern im Vergleich zu den Welfen, Wettinern, Wittelsbachern oder Habsburgern ein verhältnismäßig unbedeutendes Herrscherhaus. Ursprünglich aus dem Allgäu stammend, wo sich heute noch weithin sichtbar über bewaldeten Hügeln bei Hechingen die Burg Hohenzollern erhebt, wurden sie wahrscheinlich schon 1191 mit der Burggrafenschaft Nürnberg belehnt. Daraufhin teilte sich die Familie: Friedrich IV. (1188–1255) verblieb im Allgäu und übernahm die schwäbische Linie mit heute noch so bekannten Namen wie Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen. Sein älterer Bruder Konrad I. (1186–1260) nahm sich des neuen Lehens an und gründete die fränkische Linie. Durch Ankauf oder Belehnung weiterer Territorien wie Bayreuth, Ansbach und schließlich Kulmbach entwickelten sich die Nachkommen dieser Linie allmählich zu einflussreichen und vor allem vermögenden Regenten. Zentrum ihrer Herrschaft wurde die mächtige Plassenburg.

Auch Brandenburgs Geschichte war wechselvoll gewesen, bevor die Hohenzollern sich hier engagierten. Die Langobarden hatten dort gesiedelt und die Burgunder. Nach der Völkerwanderung drangen slawische Stämme ein, wie die Askanier. Als sie 1320 ausstarben, gelangte Brandenburg in den Besitz der bayerischen Wittelsbacher und schließlich der Luxemburger. 1378 erbte es Sigismund I., selbst ein Luxemburger, und schenkte es Friedrich von Hohenzollern als Dank für seine Unterstützung bei der Bewerbung um die römisch-deutsche Königskrone.

Attraktiv an dieser Herrschaft war, dass Brandenburg seit 1356 zu den sieben Kurfürstentümern gehörte, deren Herren das ausschließliche Recht der Königswahl zustand. Dieses Privileg gab dem Kurfürsten von Brandenburg eine Bedeutung, die über die Grenzen seines Landes hinaus wirksam war, außerdem einen direkten Zugang zur Macht, denn der römisch-deutsche König war zugleich Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Durch ihren Aufstieg zu Kurfürsten von Brandenburg gehörten die fränkischen Hohenzollern damit unverhofft zu einer kleinen Elite deutscher Fürsten. Sie hatten nicht nur das Privileg, den Kaiser zu bestimmen, sondern damit theoretisch auch selbst die Möglichkeit, dieses Amt zu erlangen. In der Praxis fiel die Wahl vom Ende des Mittelalters bis zur offiziellen Auflösung des Reiches 1806 allerdings fast immer auf den ältesten männlichen Habsburger.

Die Brandenburger Hohenzollern arbeiteten hart und unablässig daran, ihrer neuen Bedeutung gerecht zu werden. Nähe zur Macht war in jenen Jahren, in denen die Wege lang und die Probleme vor Ort für Land und Leute existenziell waren, nicht nur ein Privileg, sondern musste auch durch steten Respekt vor der Machtstellung des Kaisers unter Beweis gestellt werden. Wem es nicht gelang, die Verbundenheit mit der politischen Ordnung, die er verkörperte, in seinem eigenen Territorium unter Beweis zu stellen, konnte dessen auch rasch für unwürdig erklärt werden.

Gleichzeitig bedeutete es nicht, dass der Kaiser die Politik im Reich eigenmächtig bestimmen oder kontrollieren konnte. Es gab keine kaiserliche Zentralregierung, kein kaiserliches Recht auf Steuererhebung, kein stehendes Heer und keine Reichspolizei. Wollte der Kaiser das Reich nach seinem Willen lenken, so kam er nicht umhin, mit den Territorialfürsten zu verhandeln, zu feilschen und geschickt zu taktieren. Umso wichtiger war es, dass die einzelnen Fürsten sich ihrer Position im eigenen Land und auch im Zusammenspiel mit den anderen Kurfürstentümern gewiss sein konnten – ein höchst komplexes Unterfangen und ein ständiger Balanceakt.

Auch Brandenburg hieß seinen neuen Lehnsherr keineswegs willkommen. Hier herrschten Anfang des 15. Jahrhunderts anarchische Zustände. Faustrecht und Fehdewesen ersetzten ein friedliches Miteinander. Kein Wunder, dass es die Hohenzollern vorzogen, vorläufig im heimischen Franken zu residieren. Erst allmählich konnte sich Friedrich I. gegen alteingesessene Adelsfamilien wie Putlitz und die Quitzows durchsetzen, nicht ohne militärischen Einsatz und den Gebrauch einer besonders starken Kanone namens »Faule Grete«.

Als besonders unwillig erwiesen sich die Bürger der autonomen Städte Berlin und Cölln. Als auf der Spreeinsel eine Burg errichtet werden sollte, widersetzten sich die Berliner Friedrichs Beamten, verwüsteten das Baugelände und setzten die Baugrube unter Wasser. Erst 1448 fanden die Übergriffe ein Ende. Es entstand eine mittelalterliche Burganlage, von der aus die Kurfürsten die Handelswege kontrollieren konnten, die sich auf der Spreeinsel kreuzten. Die Auseinandersetzungen gingen unter dem Begriff »Berliner Unwille« in die Annalen der Geschichtsschreibung ein.

Auch Friedrichs Nachfolger Albrecht Achilles (1414–1486) residierte nicht an der Spree. Er schickte seinen fünfzehnjährigen Sohn Johann Cicero (1455–1499) vor, stellte ihm geschulte fränkische Räte zur Seite und regierte das Land erfolgreich aus der Ferne. Entscheidend für die weitere Geschichte des Landes war das Hausgesetz, das Albrecht verabschiedete, die sogenannte »Dispositio Achillea«, die ausdrücklich untersagte, die Mark aufzuteilen. Ferner legte er für alle Zeiten fest, dass jeweils der älteste Sohn des letzten Herrschers die Kurfürstenwürde erben sollte. Es ist davon auszugehen, dass dieses Gesetz und die Tatsache, dass sich die meisten Nachkommen daran gehalten haben, einer der wesentlichen Gründe dafür ist, dass sich die Familie derart lange in Brandenburg und später Preußen halten konnte. Sobald einer wagte, daran zu rütteln, geriet seine Herrschaft prompt in eine Krise.

Johann Cicero war der erste der Hohenzollern, der seinen Lebensmittelpunkt in Berlin hatte. Die fränkische Herrschaft überließ er seinem Bruder Friedrich II. (1460–1536) und dessen Nachfahren. Es folgte Joachim I. Nestor (1484–1535), bekannt für seine Härte und Entschlossenheit. Er schrieb sich den Kampf gegen das Raubrittertum auf die Fahnen und stärkte so die Macht der Hohenzollern gegen die alteingesessenen Familien, die ihm die Gefolgschaft verweigerten. 1506 ließ er siebzig Raubritter zum Tod durch den Strang verurteilen, darunter vierzig Adlige. In seine Regentschaft fiel auch die Gründung der ersten Landesuniversität, der Alma Mater Viadrina in Frankfurt an der Oder. Sie hatte eine juristische, eine theologische, eine medizinische und eine philosophische Fakultät. Gleich im ersten Jahr immatrikulierten sich 900 Studenten, darunter auch Polen, Schweden und Dänen.

Joachims Sohn und Erbe Joachim II. Hector (1505–1571) wurde vor allem für seine emsige Bautätigkeit bekannt, die allerdings zu einer permanenten Verschuldung des Kurfürstentums führte. Von den zahlreichen Burgen, die unter seiner Ägide entstanden, wird wiederholt die Rede sein. Die mittelalterliche Burg auf der Spreeinsel ließ er zu großen Teilen abtragen und eine prächtige Renaissanceresidenz errichten: das Berliner Schloss.

In seine Regentschaft fiel ferner das Zeitalter der Reformation. Entscheidend für die weitere Geschichte Brandenburgs war die Tatsache, dass sich der Kurfürst auf die Seite Martin Luthers (1483–1546) schlug. Feierlich nahm er im November 1539 in der Spandauer Nikolaikirche das protestantische Abendmahl. Damit zählte er neben den regierenden Häusern in Sachsen und Hessen bald zu den bedeutendsten evangelisch-lutherischen Territorialfürsten des Reiches. Bis 1918 hatten die preußischen Monarchen das Amt des obersten Bischofs der evangelisch-lutherischen Landeskirche inne.

Das Auftreten der Hohenzollern war diesbezüglich weder absolut noch herrisch, denn sie wussten von Beginn an, dass es galt, Brandenburgs und später Preußens Position im Gefüge des mehrheitlich katholischen Reiches nicht zu gefährden. Sie verstanden sich vielmehr als Mittler zwischen den Religionen und gaben diese grundsätzliche Haltung auch ihren eigenen Landsleuten weiter. Bei konfessionellen Auseinandersetzungen im eigenen Land, sei es zwischen den lutherischen Protestanten sowie den Reformierten, die zu Tausenden aus Frankreich gekommen waren, nachdem Preußen ihnen 1685 im Edikt von Potsdam Aufnahme gewährt hatte, sei es zwischen den Reformierten und den Pietisten, bis heute bekannt durch ihren Hallenser Vorreiter August Hermann Francke (1663–1727), suchte das Herrscherhaus immer nach friedlichen Einigungen. Nicht zuletzt diese Haltung zeichnete Preußen als ein Land aus, das nicht nur geprägt war von militärischen Attributen, sondern auch von Eigenschaften, die nichts mit Krieg gemein hatten, wie Toleranz und Bürgernähe. Das Herrscherhaus selbst zählte seit dem 17. Jahrhundert zu den Reformierten. 1817 suchte Friedrich Wilhelm III. mit seinem Aufruf eine Vereinigung der lutherischen mit den reformierten Gemeinden zu erwirken. Die Gemeinden, die dem Aufruf folgten, bezeichneten sich als Mitglieder der »unierten« Kirche.

Joachim Hectors Urenkel war der schon eingangs erwähnte Kurfürst Johann Sigismund, dessen Frau Anna Preußen mit in die Ehe brachte. Annas ältester Sohn und Erbe hieß Georg Wilhelm (1595–1640), ihr Urenkel war Friedrich Wilhelm (1620–1688), der Herrscher über Brandenburg, der nach seinem Sieg über die Schweden in der Schlacht bei Fehrbellin (1675) zum Großen Kurfürsten gekürt wurde. Damit wären wir bei Louise Henriette angelangt, seiner tüchtigen niederländischen Ehefrau.

1.
Die Große Kurfürstin – Louise Henriette
von Nassau-Oranien
(1627–1667)

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Die Große Kurfürstin – Louise Henriette
von Nassau-Oranien
(1627–1667)
Erste Ehefrau von Friedrich Wilhelm
Kurfürst von Brandenburg
(1620–1688)

Schloss Oranienburg, etwa vierzig Autominuten nördlich von Berlin gelegen, bildet mit seiner cremeweißen Fassade und der weitläufigen Platz- und Brückenanlage, die man passieren muss, um zu dem herrschaftlichen Bau zu gelangen, ein wahres Schmuckstück der Region. Links ist hinter hohen Mauern und schmiedeeisernem Tor ein Lustgarten auszumachen, rechts vom Schloss öffnet sich der Blick weit in Richtung Havellandschaft und erinnert daran, dass der Bau ursprünglich auf einer Schwemmsandinsel errichtet wurde und noch bis ins 18. Jahrhundert komplett von dem Fluss umgeben war. Der wuchtigen Architektur merkt man die einstige Wasserburg noch an.

Im Schatten alter Linden, die den gepflasterten Platz vor dem Eingang schmücken, steht, weithin sichtbar, eine Statue, geschaffen von Bildhauer Wilhelm Wolff (1814–1887). Sie stellt Louise Henriette von Nassau-Oranien dar, erste Frau Friedrich Wilhelms von Brandenburg, jenes Regenten aus der langen Linie der Hohenzollern, dessen reformfreudige und entschlossene Politik den Weg zur Großmacht Brandenburg-Preußen ebnete. Louise Henriette konnte maßgeblich dazu beitragen.

Sie stammte aus den Niederlanden, und ihr Großvater war Wilhelm I. von Nassau-Oranien (1533–1584), bekannt als der Befreier seines Landes. In jahrzehntelangen Kämpfen hatte er für seine Landsleute die Unabhängigkeit von der spanischen Krone erworben. Im Rahmen der Verhandlungen um den Westfälischen Frieden (1648) wurde sie dem Land endlich gewährt. Bis heute stimmen die Niederländer bei festlichen Anlässen das Loblied auf diesen Mann an, eine Melodie, die zart klingt, aber auf einen Reim komponiert wurde, der von trotzigem Stolz zeugt: »Wilhelm von Nassau bin ich, von deutschem Blut, dem Vaterland treu bleib ich bis in den Tod. Ein Prinz von Oranien bin ich, frei, unerschrocken, den König von Spanien hab’ ich immer geehrt.« Es ist die Nationalhymne des Landes.

Aus der Familie Nassau-Oranien stammen auch die Mitglieder des heutigen Königshauses, der junge König Willem-Alexander mit seiner ausgesprochen beliebten Frau Máxima und seine Mutter Beatrix, die 2013 nach 43 Jahren Regentschaft ihrem Sohn den Thron übergab. Königin Beatrix galt als Monarchin, die nicht nur repräsentieren wollte. Sie empfand ihr Amt als Pflicht, das mit regelmäßiger Büroarbeit verbunden war. Jeden Montagmorgen traf sie sich mit ihrem Stab und ging alle anstehenden Aufgaben bis ins Detail durch. Nichts wurde dem Zufall überlassen.

Da in den Niederlanden für gewöhnlich keine Partei klar dominiert, war es jahrelang an Königin Beatrix, nach Neuwahlen einen bestimmten Politiker mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Nach langen Diskussionen beschloss das niederländische Parlament im Jahr 2012, seinem Staatsoberhaupt diese Aufgabe zu entziehen – eine herbe Enttäuschung für die Regentin.

Zu dieser Familie gehörte nicht zuletzt auch Wilhelmina Königin der Niederlande (1880–1962), die Regentin, die Wilhelm II. von Preußen nach Ende des Ersten Weltkriegs politisches Exil gewährte. Das Land, aus dem die Ehefrau des Großen Kurfürsten einst stammte, wurde 300 Jahre später für dessen Nachfahren Zufluchtsort und Heimatersatz. Hier unterschrieb der Kaiser seine Abdankungsurkunde, hier verstarb er und fand hier auch seine letzte Ruhestätte. Bis heute befindet sich das Grabmal des letzten Hohenzollernherrschers nicht in Berlin oder Brandenburg, sondern im niederländischen Doorn.

Hübsch anzusehen ist Kurfürstin Louise Henriette auf ihrem steinernen Sockel vor dem Oranienburger Schloss. Sie wirkt kräftig und ähnlich entschlossen, wie ihr Großvater es gewesen sein muss. In der rechten Hand hält sie eine Stiftungsurkunde, während die Linke das Kleid schürzt, damit es sie nicht am Vorwärtsschreiten hindert. Die Haare sind hochgesteckt, gehalten von einem schmuckvollen Reif, während einige der dichten Locken auf die Schultern herabfallen.

Die Einweihung des Denkmals am 18. Juni 1858 geriet zum Volksfest, derart groß war die Beliebtheit der Herrscherin. In der Festrede des Oranienburger Bürgermeisters Wilhelm Kahlbaum (1822–1884) hieß es: »Die Stadt hat hier ein Denkmal errichtet, damit der Wanderer an dieser Stelle still stehe und erfahre, dass dies der Schauplatz sei, auf welchem eine Frau in Diadem und Fürstenmantel gewandelt und welchen sie in dem Tempel christlicher Liebestätigkeit als Hohepriesterin ihre Opfer dargebracht. Kurfürstin Luise Henriette gehörte zu den Frauen, welche die Zierde der Krone und einen Segen der Völker bilden und deren Vorbild allen späteren Geschlechtern zur Leuchte dienen könne.«1

In Wahrheit war Louise Henriette schmal und zierlich gebaut sowie von kleinem Wuchs. Erst später, nach den ersten Geburten, nahm sie zu, aber sie blieb schlank und zart. Auch gesundheitlich war die Kurfürstin nicht sonderlich stabil, sie hatte eine schwache Lunge und litt unter dem rauen Klima in Brandenburg. Wiederholt musste sie in ihre niederländische Heimat zurückkehren, um dort im heute noch für seine Kuren bekannten belgischen Spa zu regenerieren. In den knapp 21 Jahren, in denen sie Kurfürstin von Brandenburg war, erlitt sie mehrere Fehlgeburten und gebar sechs Kinder, von denen aber nur drei das Erwachsenenalter erreichten: Karl Emil (1655–1674), Friedrich (1657–1713) und Ludwig (1666–1687). Unendlich groß war der Schmerz schon beim Tod ihres Erstgeborenen Wilhelm Heinrich (1648–1649), der nur siebzehn Monate alt wurde. Aber Louise Henriette war zäh und fleißig, sie hatte einen starken Willen und ließ sich keinesfalls unterkriegen.

Am 7. Dezember 1646 heiratete sie Friedrich Wilhelm, der sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt hatte, darunter der Franzose Henri Charles de la Trémoille, Prinz von Talmont und Tarent (1620–1672), dem Louise Henriette glühende Liebesbriefe geschrieben hatte – bis ihre Mutter eingeschritten war, denn die Verbindung entsprach nicht im geringsten den politischen Interessen des Landes. Louise Henriettes Vater, Friedrich Heinrich von Oranien (1584–1647), war Statthalter der Niederlande und nebst Ehefrau Amalie streng darauf bedacht, das Ansehen des Hauses Oranien durch die Eheschließungen seiner Kinder zu mehren. Entsprechend großzügig war seine Mitgift. Anlässlich der Hochzeit erhielt seine Älteste 120 000 Reichstaler sowie eine umfassende Aussteuer. Dazu gehörte Silberzeug, das allein auf 60 000 Gulden geschätzt wurde. Auch der Bräutigam zeigte sich nicht kleinlich: Sein Hochzeitsgeschenk umfasste 80 000 Gulden. Als Witwensitz wurden Louise Henriette die niederrheinischen Ämter Huyssen, Lobith, Dinslaken und Orsoy zugesprochen.

Derart vortrefflich ausgestattet machte sich die Niederländerin nach der Hochzeit auf den Weg in ihre neue Heimat. Ihre erste Station war Kleve, gar nicht weit von Den Haag entfernt. Die Stadt war nach dem jülisch-klevischen Erbfolgestreit 1614 Brandenburg zugesprochen worden, und Friedrich Wilhelm hatte beschlossen, hier während der westfälischen Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster zu residieren. Um die Verbindung zu seinem Stammland aufrechtzuerhalten, installierte er einen regelmäßigen Postdienst über Hamm, Bielefeld, Minden und Magdeburg bis nach Berlin.

Der junge Kurfürst hatte keine einfache Herrschaft angetreten. Als er das Land 1640 im Alter von zwanzig Jahren von seinem Vater übernahm, war sein weitläufiges und keineswegs zusammenhängendes Regierungsgebiet durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges verwüstet und teilweise völlig entvölkert. Die Finanzen waren zerrüttet, die Söldner begehrten auf, und schwedische Truppen hielten Brandenburg besetzt. Der Fortbestand Preußens hing von der Gunst des polnischen Königs ab.

Friedrich Wilhelms Eltern hatten allerdings Weitsicht bewiesen und ihren Sohn mit vierzehn Jahren zur Ausbildung in die Niederlande geschickt. Er hatte in dem damals wirtschaftlich florierenden Land an der Universität Leiden studiert und konnte sich von der Handelsmacht mit ihrem hoch entwickelten Staatswesen vieles abschauen. Nach der Regierungsübernahme entledigte sich der junge Kurfürst kurzerhand seines Intimfeindes, des Grafen Adam von Schwarzenberg (1583–1641), der sich in Berlin gegenüber den Ständen eine Vormachtstellung ausgebaut hatte. Im Westfälischen Frieden einigte sich Friedrich Wilhelm – in Absprache mit dem Kaiser und den anderen Kurfürsten – mit Schweden und sicherte sich in lang andauernden Verhandlungen mit seinem Landtag finanzielle Unterstützung von den Vertretern der Stände zwecks Aufbaus eines stehenden Heeres. Dank dieses innenpolitischen Erfolges konnte er dem Land dauerhaft Schutz und militärische Sicherheit bieten.

Glockengeläut und Böllerschüsse begleiteten den Einzug des jungen Kurfürstenpaares in die hübsche Residenzstadt Kleve. Die beiden bezogen Quartier auf der Schwanenburg, damals noch »het slot van Cleef« genannt, und Louise Henriette schloss die hübsche Stadt bald ins Herz. Dort wurde ihr erster Sohn geboren, und mehrfach noch kehrte sie hierher zurück. Allein die Hochzeitsfeierlichkeiten von zwei ihrer Schwestern, die beide hier auf der Burg stattfanden, gaben ihr dafür Grund genug.

Kleve, knapp vor der holländischen Grenze, wirkt heute verzagt und leicht destrukturiert. Zu heftig haben hier die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs gewütet. Zwei Angriffe im Oktober 1944 und Februar 1945 legten einen Teppich aus Spreng- und Brandbomben über die Ansiedlung und zerstörten die 700-jährige Stadt zu achtzig Prozent. Hunderte von Menschen kamen dabei ums Leben. Die Häuser, Wohnanlagen und Plätze, die aus den Ruinen erstanden sind, insbesondere die verkehrsberuhigte Einkaufszone im Zentrum, entsprechen dem schaurigen Geschmack der Nachkriegszeit, doch die Schwanenburg hebt sich trutzig und prächtig wie eh und je weithin sichtbar über den vielen Dächern. Hat man den steilen Weg dorthin erklommen, findet sich tatsächlich auf dem Platz vor der Burg ein mächtiges Standbild des Großen Kurfürsten zu Pferd. Zwischen Berlin und Kleve liegen gut 600 Kilometer, doch hier wie dort wird der erfolgreiche Hohenzoller hoch geehrt.

Von der Schwanenburg gäbe es viel zu berichten, heißt es doch, dass von hier der Schwanenritter gestammt haben soll, den Richard Wagner (1813–1883) in seiner Oper Lohengrin verewigte. Auf einem Schwan wird der Ritter der Herzogin von Brabant zur Hilfe geschickt, die von Friedrich von Telramund bedrängt wurde. Doch selbst wer sich bei der Spurensuche in Kleve allein auf die Geschichte Preußens konzentriert, wird schon reich belohnt. Hier nahm vieles seinen Anfang.

In den drei Jahren, in denen das Kurfürstenpaar in Kleve lebt, ist Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen (1604–1679) ihr Gastgeber, ein Mann, dessen Biographie derart abenteuerlich und atemberaubend ist, dass man sich kaum vorstellen kann, dass ein Mensch des 17. Jahrhunderts all das in einem einzigen Leben hat vereinen können. Johann Moritz stammte aus dem Siegerland und wurde als dreizehntes Kind seines Vaters in Dillenburg geboren. Nach Lehrjahren an der Universität Basel und der Ritterschule Collegium Mauritianum in Kassel begab er sich mit sechzehn Jahren in die prosperierenden Niederlande und trat 1621 ins Kavallerieregiment ein. Dank seiner militärischen Erfolge wurde er 1636 zum Generalgouverneur der Niederländischen Westindien-Kompanie ernannt, schiffte sich nach Brasilien ein und ließ in unmittelbarer Nähe der Stadt Recife eine Residenz errichten. Von dort aus verwaltete er erfolgreich die Besitzungen der niederländischen Krone und widmete sich gleichzeitig ausgiebig der Erforschung von Fauna und Vegetation des Landes. Seine umfangreiche in Brasilien zusammengetragene naturhistorische und ethnographische Sammlung – nicht zuletzt erfasst und verbreitet durch das zwölfbändige Druckwerk Historia Naturalis Brasiliae – veränderte im alten Europa das Bild von der Neuen Welt nachhaltig.

1644 kehrte er nach Holland zurück. Seine Freundschaft zu Friedrich Wilhelm, den er 1635 in Den Haag kennen gelernt hatte, brachte ihm den Posten als Statthalter von Kleve ein.

Der kunstsinnige Abenteurer jedoch setzte sich hier keinesfalls zur Ruhe. Er ließ die Schwanenburg zu einem bequemen Wohnsitz ausweiten, bezog die hügelige und waldreiche Gegend in seine Park- und Gartengestaltung mit ein und machte Kleve zu einem Herrschersitz europäischen Ranges. Heute noch zeugen Anlagen wie der Lust- und der Tiergarten am Rande der Stadt, Alleen mit weit gespannten Sichtachsen und Kanal- und Wasserbeckensymmetrien von seinem überbordenden Verschönerungsdrang.

Louise Henriette sah sich die Errungenschaften Johann Moritz’ bei ihrem Gastaufenthalt ausführlich an und ließ sich davon nachhaltig inspirieren. Im Herbst 1648 nun, als der Dreißigjährige Krieg zu Ende war und der Westfälische Frieden unterzeichnet wurde, konnte sich die Kurfürstin Anfang des Jahres allmählich auf die Reise Richtung Brandenburg begeben. Unterwegs wurde sie mehrfach aufgehalten, nicht zuletzt durch die Folgen einer Fehlgeburt. Monatelang musste sie in Wesel am Rhein ausharren, bis sie wieder bei Kräften war, doch endlich, am 10. März 1650, zog sie an der Seite ihres Mannes in Berlin ein.

Die Bewohner der Stadt hießen sie stürmisch willkommen. Drei Jahrzehnte lang hatten die Menschen hier unter dem grausamsten Krieg aller Zeiten gelitten, ihre Häuser waren zerstört, viele ihrer Angehörigen und Nachbarn gestorben oder vertrieben. Die Ankunft der jungen Kurfürstin war ein Fanal für den Wiederaufbau. Nun würde endlich wieder Frieden im Land herrschen.

Louise Henriette enttäuschte ihre Erwartungen nicht. Sie war eine kluge und wohlausgebildete Frau, die bereit war, sich sowohl für die sozialen als auch die politischen Belange des Landes einzusetzen. Neben einer perfekten Ausbildung in Wort und Schrift ihrer niederländischen Muttersprache hatte sie ebenso fließende Kenntnisse in Französisch erworben. Auch die »Brandenburgische Landessprache« hatte sie gelernt, zumindest bemühte sie sich, auf Deutsch zu beten. Ihre Eltern waren darauf bedacht gewesen, ihre Kinder von Luxus und Zerstreuungen des sogenannten »Pariser Lebens«, das in einigen herrschaftlichen Häusern gepflegt wurde, tunlichst fernzuhalten, kein einfaches Vorhaben, denn der Hof des Statthalters war zu jener Blütezeit des Landes ein wahrlich wohlhabendes Haus. Zentraler Bestandteil der Erziehung war das Fach Religion. Louise Henriette war streng calvinistisch geprägt, ihr Lehrer André Rivet (1572–1651) war Dozent an der namhaften Universität Leiden und Prediger des Hofes gewesen. Bis an ihr Lebensende blieb Louise Henriette ihrer Religion treu ergeben und besuchte mit ihrem Mann regelmäßig den Gottesdienst.

Was immer Louise Henriette in ihren zwanzig ersten Lebensjahren in ihrem Heimatland gelernt und erfahren hatte, kam Brandenburg nun zugute. In Absprache mit dem Kurfürsten engagierte sie zahlreiche niederländische Handwerker und Architekten und ließ sich von ihnen beim Wiederaufbau beraten. Sie nahmen direkt und unmittelbar Einfluss auf die Neugestaltung der Stadt. Friedrich Wilhelm hatte nichts dagegen einzuwenden, hatte er in seinen Lehrjahren schließlich selbst erfahren, wie entschieden die Entwicklungen in den Niederlanden denen seines Heimatlandes zu diesem Zeitpunkt voraus waren. Eine Adaption der Fremden fiel auch nicht sonderlich schwer, denn rein geographisch fanden die Niederländer in Berlin und Umgebung ähnliche Gegebenheiten vor wie in ihrer Heimat. Hier wie dort ist das Land flach, und wer bauen möchte, muss sich erst darüber Gedanken machen, wie er den wasserreichen, bisweilen sumpfigen Grund trocken legt. Nicht zuletzt sprachen die Fachleute dieselbe Sprache wie die Kurfürstin.

Die damalige Einflussnahme der Niederländer ist in Berlin und Umgebung bis heute nachhaltig spür- und sichtbar. Sie bestimmt Stadt und Land, sowohl in der Gesamtheit als auch in vielen Details. In Potsdam wurde ein ganzes Stadtviertel nach den ausländischen Handwerkern genannt, das sogenannte Holländische Viertel. In Berlin legten die Fachleute nach niederländischem Vorbild eine Straße an, die das Zentrum bis heute nachhaltig beherrscht: den Prachtboulevard Unter den Linden. Johann Moritz hatte dem Kurfürstenpaar den Rat mit auf den Weg gegeben, in ihrer Residenzstadt nach niederländischem Vorbild eine Allee anzulegen. 2000 Nussbäume und Linden sollten in sechs Reihen gepflanzt werden und so eine Sichtachse bilden, die vom Tiergarten direkt auf das Schloss zuführte. Der Kurfürst ließ die Idee umgehend in die Tat umsetzen. Zwar konnten die Brandenburger Förster nicht schnell genug eine derartig große Zahl an Bäumen liefern, doch als das Kurfürstenpaar in die Stadt einzog, war die neue Anlage schon zu bewundern. Auch in zahlreichen anderen Fragen der Gestaltung und Architektur beriet der Klever Statthalter den Kurfürsten und vermittelte ihm und seiner Frau zuverlässige Helfer. So wurde auch das Berliner Schloss mit Hilfe niederländischer Baumeister und Steinmetze instand gesetzt, die neuen Räume der Kurfürstin mit Holz von eigens aus ihrer Heimat importierten Obstbäumen ausgestattet. Die Kamine erhielten eiserne Platten aus Kleve.

Johann Gregor Memhardt (1607–1678) wurde mit der Neugestaltung des Lustgartens beauftragt. Der kurfürstliche Ingenieur war zwar in Linz geboren, doch mit fünfzehn Jahren in die Niederlande emigriert und dort zum Bauzeichner und Festungsarchitekten ausgebildet worden. In Berlin stieg er zum führenden Architekten auf und übernahm ab 1656 die Aufsicht über alle kurfürstlichen Bauten. Sein neuer Lustgarten entstand gleich neben dem Residenzschloss entlang der Spree. In dem weitläufigen Areal kombinierte er nach niederländischem Vorbild Terrassen auf unterschiedlicher Höhe mit einem Blumengarten, Buchsbaumhecken und einem Untergarten, dessen Wege Ulmen und Ligusterbüsche säumten. In der Mitte erhob sich ein Wasserbecken, in dem ein Neptun mit Dreizack auf einem Sandgestein saß. Krönendes Bauwerk war ein zweigeschossiges Gartenhaus mit Kuppeldach, ausgestattet wie eine Grotte mit Muscheln und Korallen. Entlang der Wege ließ Memhardt Skulpturen aus Blei und Marmor postieren.