Über Katharina Peters

Katharina Peters, 1960 geboren und in Wolfsburg aufgewachsen, schloss ein Studium in Germanistik und Kunstgeschichte ab. Sie ist eine passionierte Marathonläuferin, trainiert Aikido und lebt als freie Autorin in Berlin.

Bei atb erschienen die Rügen-Krimis: »Hafenmord«, »Dünenmord«, »Klippenmord« und »Bernsteinmord«. Mit der Protagonistin Hannah Jakob liegen bisher vor: »Herztod« und «Wachkoma«. »Vergeltung« erscheint im Sommer 2015.

Informationen zum Buch

Die Sonderermittlerin Hannah Jakob, ausgebildete Kriminalpsychologin, ist bundesweit im Einsatz. Ihr Spezialgebiet: vermisste Frauen und Kinder.

Dabei hat sie einen ungewöhnlichen Partner: ihr Hund Kotti. Ihr neuester Fall fordert ihren Einsatz in ihrer Heimatstadt Berlin. Ein Anwalt ist spurlos verschwunden. Eigentlich nichts für Hannah, doch Robert Bleichert ist eine überaus zwielichtige Figur. Er war nicht nur Berater im Rotlichtmilieu, sondern übernahm auch die Vertretung von Eltern, gegen die wegen des Verdachts der Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung ermittelt wurde.

Dann wird eine tote junge Frau gefunden – und der Fall nimmt ungeahnte Ausmaße an.

Ein rasanter Thriller von der Autorin der Bestseller »Hafenmord« und »Bernsteinmord«.

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Katharina Peters

Vergeltung

Thriller

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Inhaltsübersicht

Katharina Peters

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Hauptpersonen

1 Das Mädchen

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

2 Carnifex

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

3 Das Zweite Opfer

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

4 Das Medaillon

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

5 Friedhof der Tiere

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

6 Das Verhör

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Impressum

HAUPTPERSONEN

Hannah Jakob, Anfang vierzig, Kriminalpsychologin, gebürtige Hamburgerin, lebt seit Anfang der 90er Jahre in Berlin und ist als Sonderermittlerin beim BKA tätig (direkter Vorgesetzter: Abteilungsleiter Bernd Krüger), das sie bundesweit in Fällen vermisster Frauen und Kinder einsetzt. Ihre jüngere Schwester Liv verschwand vor gut zwanzig Jahren nach einem Streit spurlos – ein Drama, dessen Umstände die Familie entzweite und ihr Leben entscheidend mitprägte. Hannah ist selten ohne Windhundmischling Kotti unterwegs.

Mark Springer, Anfang dreißig, Kommissar beim LKA – neigt zu Eigensinn und Arroganz, direkt, unangepasst, hitzköpfig, kein guter Teamplayer. Ermittelt mit Herzblut und beachtet nicht immer alle Dienstvorschriften. Lebt im Schillerkiez in Neukölln, auch privat Einzelgänger.

Oberstaatsanwältin Gesine Hilt, Mitte fünfzig, engagiert, scharfzüngig, loyal zu ihren Leuten. Scheut weder die Auseinandersetzung mit großen Namen noch das damit verbundene Risiko.

Paul Luschinsky, genannt Lusche, Mitte fünfzig, Fahndungsleiter, Einsatz-Koordination, robust-bärbeißiger Typ, exzessiver Kaugummikauer, ist der geborene Motivator, hält immer seinen Kopf hin.

Loni Geising, Ende zwanzig, macht wenig Worte, Innendienst, Recherche, gründlich, wach, unauffällig, wird häufig unterschätzt und übersehen.

Jannick Wintar, vierzig, leitender Ermittler in der OGJ (operative Gruppe gegen Jugendgewalt), ein überzeugter Streetworker, kann Menschen überzeugen und zum Reden bringen.

Martha Sund, 30, verdeckte Ermittlerin mit eigenwilligen Methoden, in die sie sich niemals hineinreden lässt.

Robert Bleichert, 52, Anwalt, seit Ende Juli spurlos verschwunden; in zweiter Ehe seit zehn Jahren verheiratet mit Katrin Bleichert, 42, Gartenarchitektin, gemeinsamer Sohn Nico, acht Jahre alt.

Corinna Mirbach, 18, Kellnerin, wurde als knapp Sechzehnjährige im Rahmen von Ermittlungen um Vergewaltigung minderjähriger Mädchen aktenkundig; wie auch die gleichaltrige Freundin Eva Grohn, die seit einigen Monaten verschwunden ist.

1
DAS MÄDCHEN

PROLOG

Sie erkannte ihn schon von weitem am Klang seiner Schritte. David bog von der Skalitzer Straße in den Erkelenzdamm ein und lief eilig Richtung Wohnhaus. Sein schmales Kindergesicht leuchtete im trüben Licht der Eingangstür für einen kurzen Moment auf, und sie hielt das Bild so lange wie möglich fest, bevor sie sich mit klopfendem Herzen wieder tief ins Gebüsch duckte – zur Rechten quoll ein Mülleimer über, hinter ihr vergammelte eine Parkbank. Es tat gut, ihn zu sehen, und es tat weh, ihn nicht ansprechen zu können.

Sandra hob den Kopf, noch bevor das Licht in der Wohnung im dritten Stock aufflammte. Küche und Bad, dachte sie. David würde in größter Eile ein Glas Wasser hinunterstürzen und anschließend seine Sportwäsche über der Badewanne aufhängen. Tat er es nicht sofort, drohte Ärger – im besten Fall eine ruppige Ermahnung, im schlimmsten eine Ohrfeige. Viel mehr hatte David in den acht Jahren seines Lebens allerdings nicht ertragen müssen. Er war Mutters Liebling, schon immer gewesen – das Kind, das sie selten anrührte, das meist mit einem Anschnauzer davonkam oder einem Schubser, während Sandra und der jüngere Bruder das meiste auszubaden hatten. Colin lebte nicht mehr. Er war im Alter von vier Jahren vor einigen Monaten gestorben, im Dezember, vor Weihnachten – nach zahllosen Tritten und Schlägen. Sandra, die älteste, hatte die Schuld auf sich genommen, als Polizei und später das Jugendamt aufkreuzten und dann ihr Vater – der Typ, der nie da war, schon gar nicht wenn man ihn brauchte – diesen Anwalt anschleppte. Ein guter Deal, hatte sie gedacht, als klar wurde, worauf das Ganze hinauslaufen würde. Einer, der sie in Zukunft schützen und die Alpträume vertreiben würde, in denen Colins lebloser Körper und die entsetzten Augen einer Rettungssanitäterin die Hauptrolle spielten. Ein fataler Irrtum.

Vor vier Wochen war sie abgehauen, wenige Tage vor ihrem dreizehnten Geburtstag. Ihre Mutter war ausgetickt, als sie am späten Abend nach Hause gekommen war, und hatte wie eine Furie herumgebrüllt: »Wem hast du davon erzählt, du falsches Miststück?« Sie hatte erst von ihr abgelassen, als sie so kraftlos war, dass sie die Hand nicht mehr heben und Sandra sich aus ihrem Griff befreien konnte. Nachdem es still in der Wohnung geworden war, hatte sie ihren Rucksack gepackt und war mitten in der Nacht aus dem Haus geschlichen, um ihr altes Leben für immer hinter sich zu lassen. Der Gedanke, so ungeheuerlich und absurd er zunächst klang, hatte klar und unverrückbar vor ihrem inneren Auge gestanden.

Die ersten zwei Tage hatte sie in einer leerstehenden Dachwohnung verbracht – nur wenige Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Es roch nach Schimmel und Ratten, nach Pisse und feuchter Wäsche, es war bitterkalt, und die Alpträume fielen über sie her. Das Versteck taugte allenfalls als kurzfristige Lösung, das war ihr schon nach wenigen Stunden klar gewesen. Sie brauchte etwas zu essen, frische Kleidung, ein gutes Versteck, Geld, einen Plan oder auch nur einen Strohhalm, an den sie sich klammern konnte. Der junge Kerl vom Hermannplatz fiel ihr ein, wo sie sich seit geraumer Zeit häufig herumtrieb, Arnas – schwarze Haare, schwarze Augen, Slang-Sprache, Anführergehabe. Sein Blick hatte sie nur kurz und gelangweilt gestreift. Man kannte sich vom Sehen. Mit ihm und seinen Leuten legte man sich nicht an. Niemals. Egal, worum es ging. Er vertickte gemeinsam mit zwei anderen Speed; das Geschäft lief gut, er pfiff zufrieden vor sich hin und bekam nicht mit, dass ihn zwei Typen fixierten und stetig näher kamen. Bullen, die ihn einkassieren wollten, dessen war Sandra sicher gewesen, ohne auch nur eine Sekunde zu zweifeln. Sie hatte die Situation erfasst und ihn gewarnt – einfach so, aus dem Bauch heraus – mit einem Schnalzen und einem unauffälligen Nicken. Er hatte sofort reagiert und war blitzschnell in der Menge untergetaucht. Einige Tage später fing er sie nach der letzten Stunde an der Schule ab. »Du hast was gut«, meinte er. »Frag nach Arnas, wenn du mal Hilfe brauchst. Die Familie vergisst so etwas nicht. Ich mein das ernst, klar?« Klar.

Das Ganze lag erst ein paar Monate zurück. Bis zu diesem Moment war ihr nicht bewusst gewesen, was genau sie bewogen hatte, ihn zu warnen – wahrscheinlich war es ein schlichter Reflex gewesen: gegen die Bullen hielt man zusammen –, aber nun stand fest, dass ihre Reaktion eine hervorragende Idee gewesen war, wenn nicht sogar die beste überhaupt. Arnas hielt sein Versprechen, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Es schien, als sei er beeindruckt, dass sie ihn tatsächlich beim Wort nahm. Sie tauchte mal in dieser, mal in jener Familie unter, putzte, hütete Kinder oder half in Läden aus – von einigen amüsiert belächelt, von anderen misstrauisch beäugt, von den meisten ignoriert. Sie gehörte nicht dazu, aber für eine gewisse Zeit durfte sie sich sicher fühlen, weil Arnas die Hand über sie hielt – sollte sie länger bleiben wollen, musste sie wahrscheinlich auch andere Aufgaben übernehmen. Sie würde darüber nachdenken, wenn es soweit war. Kein tolles Leben, keine allzu guten Aussichten, aber eine Art Plan, ein Leben, das sie vor Polizei, Jugendamt und ihrer Mutter schützte.

Als das Licht in der Küche erlosch, richtete sie sich langsam auf – und duckte sich sogleich wieder. Eine schmale Gestalt kam den gleichen Weg entlang wie David kurz zuvor. Sandra spürte, dass ihr Puls heftig beschleunigte, Furcht kroch in ihr Herz. Auf tausend Meter erkenne ich dich, rieche ich dich, dachte sie. Im nächsten Moment bog ein Wagen um die Ecke und bremste ab; an der Beifahrerseite glitt die Fensterscheibe herunter, und Sandras Mutter blieb stehen. Sie beugte sich herab, um ein paar Worte zu wechseln. Sandra behielt die Szene im Blick. Seltsam, dachte sie, von plötzlicher Unruhe erfasst, den Wagen kenne ich, der fährt hier nicht zum ersten Mal herum. Sie war manchmal in der Gegend, meist abends, als heimliche Beobachterin, um David nahe zu sein, ein Auge auf ihn zu haben, voller Angst, ihn von Schlägen gezeichnet zu sehen, oder in der Dunkelheit Colins weiche Kinderstimme zu hören – getötete Kinder lassen ihre Stimmen zurück, um von denen erhört zu werden, die sie niemals vergessen durften, hatte ihr mal jemand erzählt. Sie war sicher, den dunkelgrünen Golf wiederzuerkennen. Ein bedeutungsloser Gedanke, einer, der belegte, dass sie mit wachen Sinnen durch die Gegend lief, immer auf der Hut, immer auf der Flucht.

Plötzlich schwang die Beifahrertür auf, jemand stieg aus, Sandra glaubte eine Frau zu erkennen, und dann ging alles sehr schnell. Ihre Mutter sackte ohne sichtlichen Grund zusammen, die Frau packte zu, stützte sie, bevor sie zu Boden gleiten konnte, umschlang ihre Taille und bugsierte sie mit Hilfe des Fahrers auf den Rücksitz. Dann stieg sie ein. Die Tür schlug leise zu, der Wagen fuhr behutsam an und beschleunigte in Richtung Oranienplatz. Der ganze Spuk hatte nicht länger als zehn, fünfzehn Sekunden gedauert. Sandra hatte den Kopf gereckt, um das Kennzeichen zu erfassen. Es war leicht zu merken: B – CS 1312.

1

Krüger kam zügig zur Sache, als er wenige Minuten nach Hannahs Dienstbeginn am Montagmorgen in ihrem Büro im BKA aufkreuzte.

»Du kriegst heute Nachmittag Besuch von einem LKA-Kollegen, der Unterstützung bei einem Fall braucht. Ein arroganter, rotznäsiger Spinner«, bemerkte ihr Vorgesetzter, während er sich einen Stuhl heranzog. »Gibt vor, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, und kommt in keinem Team klar – soviel kann ich im Namen seines Kommissariatsleiters vorausschicken.«

»Das klingt vielversprechend.«

Krüger strich über seine Halbglatze und deutete ein Lächeln an. »Es geht um einen Vermisstenfall hier in Berlin. Vielleicht hast du davon gehört – ein Anwalt, Anfang Fünfzig. Trotz wochenlanger Suche und Recherchen einer Sonderkommission hat man nicht den geringsten Hinweis gefunden, jedenfalls keine konkrete Spur, die eine weitere Beschäftigung mit dem Fall in großem Stil rechtfertigen würde.«

Nein, davon Hannah hatte nichts mitbekommen. Nach dem aufreibenden Fall in Lübeck war sie Anfang August nach Berlin zurückgekehrt, um auszuspannen und ihre Beziehung mit Achim zu kitten. Dieses Vorhaben war, um es kurz und bündig auf den Punkt zu bringen, gescheitert. Auch Korsika hatte ihren tiefsitzenden Konflikten nicht die Schärfe nehmen können, ganz im Gegenteil. Nicht den Hauch einer vagen Chance hatte Hannah ihrer Partnerschaft noch eingeräumt, und sie war nach wenigen Tagen alleine in die Hauptstadt zurückgeflogen, um während des restlichen Urlaubs ihren Umzug zu managen.

Seit einigen Tagen wohnte sie in einem Dachgeschossapartment in Treptow, ganz in der Nähe ihrer Dienststelle, und fühlte sich dort zu ihrer eigenen Verblüffung seit der ersten Stunde wohl. Nach sechs Jahren Beziehung und Zusammenleben im gediegenen Idyll am Nikolassee schien ihr der Nachhall der Trennung auffällig still oder genauer gesagt: Sie hatte deutlich Schlimmeres erwartet als ein paar unruhige Nächte, in denen sie ihre Entscheidung immer wieder durchkaute. Auch Windhundmischling Kotti wirkte – ja: unbeeindruckt. Allerdings war Kotti immer ihr Hund gewesen, ihr ständiger Begleiter, seit sie ihn vor Jahren am Kottbusser Tor aufgegabelt hatte, und für ihn war die Sache ganz einfach: Er blieb schlicht an ihrer Seite, egal, wohin sie ging und mit wem. Oder ich mache mir etwas vor und träume klammheimlich von einer zweiten Chance, grübelte sie. Möglicherweise erwischt mich der Schock in den nächsten Tagen oder Wochen völlig unvermutet, und mein Leben bricht dann wie ein Kartenhaus zusammen … Abschied, Trennung, Verlust, Vermisste. Scheint durch und durch mein Lebensthema zu sein. Dagmar hatte bei ihrem letzten Telefonat so etwas angedeutet. Der Kontakt zur Lübecker Kommissariatsleiterin, die ihr nach anfänglichen Reibereien im Laufe der gemeinsamen Ermittlungen in der Hansestadt immer mehr ans Herz gewachsen war, gestaltete sich erfreulich lebhaft.

Krüger will mich ablenken, wurde Hannah plötzlich klar – natürlich wusste er, dass sie ausgezogen war, aber es war nicht seine Art, viele Worte darüber zu verlieren oder sich als Gesprächspartner für Liebeskummer anzubieten. Was hatte eigentlich sie, deren Spezialgebiet vermisste Frauen und Kinder waren, und zwar bundesweit, mit dem Verschwinden eines Berliner Anwalts zu schaffen, nachdem eine LKA-Sonderkommission mit ihren Recherchen erfolglos geblieben war und ein junger Ermittler schlechte Manieren bewiesen hatte? Beschäftigungstherapie?

Krüger räusperte sich, und Hannah wurde plötzlich klar, dass er seit geraumer Zeit auf eine Entgegnung von ihr wartete. »Tut mir leid, die Sache muss an mir vorbeigegangen sein. Aber verrat mir doch mal, warum der Kollege …«

»Mark Springer.«

»Okay, warum der Kollege Springer sich immer noch damit befasst, wenn nicht einmal eine Sonderkommission fündig und der große Alarm abgeblasen wurde.«

Krüger verschränkte die Hände. »Es gab und gibt einiges an Aktenmaterial aufzuarbeiten, wenn ich seinen Vorgesetzten richtig verstanden habe.«

Hannah hob eine Braue. »Ach? Braucht der rotznäsige Spinner – deine Worte – dafür eine Beraterin? Womöglich eine Erziehungsberaterin?«

Krüger deutete ein Lächeln an. »Vielleicht. Aber möglicherweise ist ihm etwas aufgefallen, denn dumm ist der Knabe nicht. Das nur so nebenbei.« Er erhob sich abrupt. »Ich halte es jedenfalls für eine gute Idee, wenn du dich da mit einklinkst.«

»Ähm …«

»Hör dir doch einfach mal an, was er vorzubringen hat, okay? Ich lass dir die Akte zukommen. Wegschicken kannst du ihn immer noch und dir dann irgendwo einen anderen Fall herauspicken, der vielversprechender oder dringender klingt.«

Bevor Hannah zu einer weiteren Erwiderung ansetzen konnte, war Krüger zur Tür hinausgeschlüpft, vergleichsweise elegant, wenn man berücksichtigte, dass der Mann knapp zwei Meter groß war und gut und gerne hundertzwanzig Kilo auf die Waage brachte. Sie seufzte, und Kotti warf ihr einen langen fragenden Blick zu, bevor er sich wieder ausstreckte und die Augen schloss.

Sehr wahrscheinlich war es seine letzte Chance beim LKA – setzte er die auch in den Sand, würde man ihn durchreichen, nach unten, versteht sich. Wahrscheinlich würde er bei irgendeiner Raub- und Einbruchtruppe in Charlottenburg landen und Dienst nach Vorschrift schieben oder in Rudow zum Einsatz kommen, Spezialgebiet: Kleingartenanlagen, was die Sache auch nicht besser machte.

Mark traf diese Feststellung nahezu sachlich, allenfalls mit einem zynischen Unterton durchsetzt. Im letzten Team hatte er sich tatsächlich mit jedem angelegt, und davor war es auch nicht viel besser gewesen. Er vergriff sich häufig im Ton, weil er selten mit seiner Meinung hinterm Berg hielt und kaum etwas mehr ausstehen konnte als Inkompetenz, Trägheit und Duckmäuserei, womöglich vereint in einer Person. Er würde niemanden aus dem Trupp vermissen, na ja, die meisten jedenfalls nicht, und umgekehrt galt natürlich Ähnliches. Was ihm allerdings fehlen würde, war die Herausforderung, knifflige Fälle, an denen man sich die Zähne ausbeißen konnte, weil jegliche Hinweise fehlten oder die wenigen vielversprechenden Spuren dann doch ins Leere führten. Die Sache mit Bleichert war so ein Fall.

Mark wunderte sich nicht, dass die Ermittlungen im Sande verlaufen waren. Es hatte, zumindest seiner Ansicht nach, an allem gefehlt: Koordination, Übersicht, einer Soko-Leitung, die engagiert und zielstrebig handelte und nicht in jeder Einbahnstraße stehenblieb, durchsetzungsfähigen und fantasievollen Ermittlern, die sich auch nicht von einem Sam Windhoff und seinen Bodyguards ans Bein pinkeln ließen. Windhoff war Besitzer mehrerer Erotikclubs, Bordelle und einschlägig bekannter Bars, und der vermisste Anwalt hatte auch für ihn gearbeitet. Mark war felsenfest davon überzeugt, dass sein Verschwinden direkt oder indirekt mit seinem Engagement im Rotlichtmilieu zusammenhing und sich entsprechende Indizien auf den zweiten oder dritten Blick erschließen würden – wenn man ihn denn endlich wagte.

Keine zwei Tage nach Auflösung der Kommission war Mark mit der Aufgabe betraut worden, die Akte nachzuarbeiten, wie es sein Chef im Ton höflich, aber süffisant grinsend formulierte … Man hätte ihn auch zum Fegen in den Keller schicken können. Das Ganze war selbstverständlich als Strafmaßnahme gedacht, bei der nichts anderes herauskommen sollte, als dass er sich zu Tode langweilte, aber dafür niemandem mehr in die Quere und stattdessen endlich zur Einsicht kam. »Mach dir ein paar ruhige Wochen«, war noch die netteste Kollegenbemerkung gewesen, mit der man ihn schulterklopfend hinauskomplimentiert hatte. Irgendein Scherzkeks hatte ihm Bleistift, Anspitzer, eine Schachtel mit Büroklammern und einen Smiley-Notizblock auf den Schreibtisch gelegt – für zukünftige wichtige Aufgaben. Sehr witzig.

Niemand hatte damit gerechnet, dass er das Ganze ernst nehmen, geschweige tatsächlich einzelne Ermittlungsaspekte herausgreifen und prüfen würde. Für den Kontakt zum BKA hatte schließlich zu seiner eigenen Verblüffung der stellvertretende Soko-Leiter Torsten Baumann gesorgt – einer der wenigen Kollegen, mit denen Mark es sich noch nicht komplett verscherzt hatte und dem offensichtlich auch etwas daran lag, dass der Fall noch einmal unter die Lupe genommen wurde. Mit kritisch abwiegelnden Einwänden hatte er sich jedenfalls bemerkenswert zurückgehalten, als Mark seine Einschätzungen vor ihm ausbreitete.

»Da sitzt eine Kriminalpsychologin, die sich vorrangig mit Vermisstenfällen beschäftigt«, hatte Baumann schließlich erklärt. »Sie hat früher auch beim LKA gearbeitet – Schwerpunkt: Verhöre, Motivforschung. Sie ist ausgebildete Kommissarin, also keine Sesselfurzerin, ziemlich taff. Sie hat gute Ideen und Möglichkeiten abseits der üblichen Routinen. Versuch, sie zu überzeugen.«

»Okay, mach ich.«

»Noch was – benimm dich!«

»Wie immer.«

»Besser nicht.«

Mark lächelte.

»Ich meine es ernst. Sie vergisst keinen einzigen dummen Spruch, der dir fatalerweise über die Lippen kommen sollte, und keine Bemerkung, egal zu welchem Thema, und das darfst du wörtlich nehmen. Überleg dir also gut, was du sagst.«

»Aha.« Du spinnst, Baumann, aber gut, ich gebe mir Mühe. Offensichtlich hat die Lady einen guten Stand und einen noch besseren Ruf, und sie wird respektiert. Kann man von mir nicht gerade behaupten.

Als Mark wenige Tage nach dieser energischen Einweisung das Büro von Hannah Jakob betrat, fiel ihm als Erstes der Hund auf. Sanfte Bernsteinaugen, die ihn einen Moment fixierten, bevor sie sich gleichgültig abwandten – so schien es Mark zumindest.

Die Kriminalpsychologin nickte ihm zu und erhob sich hinter ihrem Schreibtisch, um ihn zu begrüßen. Sie war höchstens mittelgroß, zierlich, brünett, direkter Blick aus dunklen Augen; für eine Frau Anfang vierzig, wie er in Erfahrung gebracht hatte, sah sie ganz passabel aus, aber auf der Straße hätte er sich wahrscheinlich nicht nach ihr umgedreht. Ihr Händedruck war fest.

»Lassen Sie uns sofort zur Sache kommen, Herr Springer«, ergriff sie das Wort und bedeutete ihm, Platz zu nehmen. »Ich kümmere mich normalerweise um vermisste Frauen und Kinder, in der Regel bundesweit. Warum sollte ich mich mit Robert Bleichert beschäftigen? Und warum tun Sie es?«

Ihre Stimme ließ ihn aufhorchen – warm, dunkel, angenehmes Timbre. »Weil der Fall meiner Ansicht nach noch nicht abgeschlossen ist und ich für jede kompetente Unterstützung dankbar bin«, erwiderte Mark.

»Mit der Meinung stehen Sie allerdings weitgehend alleine da. Der Verdacht auf ein Verbrechen ließ sich nicht erhärten, trotz mancher Irritationen und intensiver Nachforschungen.«

»Man fand lediglich keine eindeutigen Beweise.« Definiere intensiv, schob er stumm nach.

»Das ist juristisch das Gleiche, wie ich Ihnen kaum zu erläutern brauche.« Sie warf einen kurzen Blick in die aufgeschlagene Akte, die vor ihr auf dem Tisch lag. »Der Zeuge, der sich auf die Vermisstenanzeige in den Medien meldete …«

»War ein Wichtigtuer«, fiel Mark ihr ins Wort. »Ich habe ihn persönlich zweimal vernommen und ihm ein bisschen auf den Zahn gefühlt. Seine ursprüngliche Behauptung, er habe gesehen, wie Bleichert vor einer Kneipe von mindestens zwei Leuten in einen Wagen gezerrt wurde, löste sich in Wohlgefallen auf. Zum Schluss ruderte er zurück und meinte er, dass er sich geirrt habe. Ein paar Tage später stellte sich heraus, dass der Mann kürzlich einen Prozess verloren hatte, bei dem Bleichert ihn vertrat, und ziemlich stinkig war. Na, so ein Zufall aber auch.« Er hob eine Braue.

»Worum ging es dabei?«

»Um den Unterhalt für seine Exfrau, ein nettes Sümmchen, nebenbei bemerkt.«

»Verstehe.«

Gut zu wissen, dachte Mark.

»Dieser Hinweis führte also ins Leere.«

»Komplett. Der Zeuge hätte wohl zu gerne gesehen, dass es Bleichert an den Kragen geht, und sich in seinem Wunschtraum verfangen. Doch es gibt einen anderen Ansatz – der brave Familienanwalt Bleichert agierte auch mal ganz gerne als Berater im Rotlichtmilieu«, fuhr Mark fort. »Und dieser Aspekt, auf den wir erst spät gestoßen sind, weil er damit natürlich nicht hausieren ging, ist für meinen Geschmack bei der Suche nach ihm und den Anhaltspunkten, die für ein Verbrechen sprechen, ein bisschen untergegangen.«

Sie fing seinen Blick ein. »Nennen wir die Dinge beim Namen«, forderte sie ihn auf. »Sie möchten Sam Windhoff auf die Pelle rücken. Wo genau vermuten Sie einen Zusammenhang?« Sie hob rasch eine Hand. »Bleichert hat ihm aus der einen oder anderen juristischen Patsche geholfen …«

»Juristische Patsche klingt ja fast verspielt«, unterbrach Mark sie. »Windhoff hat Minderjährige zur Prostitution gezwungen. Und der biedere Familienanwalt hat ihm tatkräftig zur Seite gestanden, als es eng wurde, so dass es nicht einmal zur Anklage kam.«

»Ersteres konnte eben nicht bewiesen werden. Letzteres ist nicht verboten«, meinte Jakob kühl.

»Ach, kommen Sie! Sie wissen doch genau, wie so was läuft! Die Mädchen und eventuelle Zeugen sind massiv eingeschüchtert worden.«

»Nicht auszuschließen, aber wo ist die Verbindung zu Bleicherts Verschwinden?«

»Keine Ahnung. Wir wissen nicht, wie tief und umfassend Bleichert mit dem Milieu verbandelt ist. Möglicherweise sehr tief. Er könnte sich dort Feinde gemacht haben, und vielleicht ist genau das …«

»Auf gut Deutsch: Sie gehen nach wie vor von einem Verbrechen, sprich: einem Gewaltdelikt, aus, obwohl die Zeugenaussage sich als irreführende Spur herausstellte?«

»Ja, natürlich.« Mark hob das Kinn. »Der Typ ist nach einem Abendtermin mit anschließendem Geschäftsessen spurlos verschwunden, und alle, die in den Stunden zuvor mit ihm zu tun hatten, konnten ein astreines Alibi vorweisen. Jegliche Überprüfungen haben nichts ergeben …«

»Ich kenne die Akte«, wandte Jakob rasch ein. »Handy, PC, Konten und so weiter und so fort – keine Spur, kein Verdachtsmoment, nichts, was sich greifen und vertiefen ließ, einschließlich der Ehefrau.«

Mark nickte. »Er ist ab zirka zehn Uhr abends nicht mehr erreichbar, obwohl der Mann niemals sein Handy ausschaltete, und niemals bedeutete bei ihm: zu keiner Zeit. Außerdem ergaben mehrere Ortungsversuche keinerlei Hinweise. Es spricht alles für einen sehr gut inszenierten Überfall.«

»Motiv?«

»Das ist die entscheidende Frage, der ich mit Ihrer Hilfe nachgehen möchte.«

»Könnte er nicht einfach untergetaucht sein? Und zwar aus Gründen, die uns nicht das Geringste angehen?«

»Mehr als unwahrscheinlich.«

Hannah Jakob runzelte die Stirn. »Das ist kein schlagkräftiges Argument, Herr Springer …«

»Einen kompletten Abgang hätte ein Mann wie er detailliert vorbereitet«, wandte Mark ein. »Und so etwas hinterlässt immer Spuren.«

»Sie meinen Überweisungen auf Auslandskonten, versteckte Reisevorbereitungen und dergleichen?«

»Zum Beispiel, und das haben wir alles geprüft – mit Hilfe der Kanzlei und der Ehefrau.«

»Nun, vielleicht hat er es besonders geschickt angestellt und von sehr langer Hand vorbereitet.«

Mark atmete tief ein. »Er hat sehr an seinem Sohn gehangen. Den hätte er mitgenommen, wenn es um eine geplante Flucht gegangen wäre, meinte seine Frau, und sie klang überzeugend.«

»Dennoch können Sie ein solches Szenario nicht komplett ausschließen, Herr Springer«, betonte Jakob. »Und da sich keine kriminellen Hintergründe erschlossen haben, kann der Mann tun und lassen, was er will – zum Beispiel spurlos und ohne ein Wort des Abschieds oder eine Erklärung verschwinden. Denken Sie mal über Ihr eigenes Motiv nach, an dem Fall festzuhalten, der gar keiner mehr ist.«

Das ist wohl der heiße Tipp der Psychologin, dachte Mark entnervt und schluckte eine hitzige Bemerkung im letzten Moment hinunter.

»Sie kennen Windhoff. Er ist bislang bei mehreren Ermittlungen durchgeschlüpft, an denen auch Sie mitgewirkt haben, nicht wahr? Möchten Sie ihn endlich festnageln, egal wie?«

Er atmete einmal tief durch und hielt ihrem Blick stand. »Ich hätte nichts dagegen, den Kerl aus dem Verkehr zu ziehen oder ihm auch mal kräftig auf die Füße zu treten – keine Frage –, aber Sie dürfen getrost davon ausgehen, dass das allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Außerdem dürfte ihm persönlich wenig am Verschwinden des Anwalts gelegen sein, falls er und Bleichert dicke Freunde und/oder Geschäftspartner waren – es sei denn, es fänden sich Streitpunkte und Konfliktstoff, welcher Art auch immer, die bislang übersehen wurden, weil die Soko …«

»Ja?«

»Nicht besonders eifrig war, an diesem Punkt nachzuhaken«, vervollständigte Mark den Satz. Um genau zu sein: Sie hatte nicht genug Arsch in der Hose gehabt, aber die Beschreibung sparte er sich besser.

»Ihren Ermittlungseifer in allen Ehren – aber auch er unterliegt juristischen Voraussetzungen.«

Ach ja? Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört, dachte Mark. So kommen wir nie auf einen grünen Zweig, und jeder halbwegs intelligente Mensch mit krimineller Energie lacht sich ins Fäustchen. Einen Moment blieb es still. Er hatte sie nicht überzeugt, das lag auf der Hand. Sie würde ihn abblitzen lassen, kühl und von oben herab, und ihn dabei aussehen lassen wie einen dummen Jungen, der nichts anderes im Kopf hatte, als im Stil von Bruce Willis alte Rechnungen zu begleichen.

»Machen Sie einen Vorschlag«, forderte Jakob ihn plötzlich auf. »Was genau schwebt Ihnen vor? Wo wollen Sie ansetzen?«

»Ich möchte mit den beiden Mädchen sprechen, die seinerzeit im Mittelpunkt des Prostitutionsverdachts standen. Das Ganze liegt knapp zwei Jahre zurück. Vielleicht stoßen wir auf Anhaltspunkte, die eine Rolle spielen. Und ich bin dafür, Windhoff noch einmal mit Bleicherts Verschwinden zu konfrontieren. Bei der ersten Befragung gab er sich völlig ahnungslos, aber Typen wie er sind das nie. Das können die sich gar nicht leisten.«

Jakob überlegte nur kurz, dann nickte sie. »Gut, ich bin dabei – unter zwei Bedingungen: Fördern die Gespräche keine neuen Aspekte zutage – zum Beispiel weil Windhoff schlichtweg die Aussage verweigert –, ziehe ich mich wieder zurück, und Sie klären alles Weitere mit Ihrem Vorgesetzten. Das Ganze wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit endgültig eingestellt.«

»Okay. Wie lautet Ihre zweite Bedingung?«

»Ich leite die Befragungen.«

Mark knirschte mit den Zähnen, rang sich aber ein Lächeln ab. »Alles klar.« Du bist die Chefin.

Als er das Büro kurz darauf verließ und sich nach einer Stippvisite in seiner Dienstelle am Platz der Luftbrücke auf den Heimweg machte, war er sicher, dass es eine Schnapsidee gewesen war, Kontakt zum BKA aufzunehmen. Die Lady würde sich höchstpersönlich dafür starkmachen, den Fall eintüten zu lassen, sobald Windhoff auch nur blöd grinste, oder sie würde ihn sich unter den Nagel reißen, falls sich abzeichnete, dass da doch ein dickes Ding am Laufen war, das ihrer Karriere nützlich sein könnte.

Baumann, die Idee war scheiße, schimpfte er halblaut und fuhr Richtung Neukölln, in den Schillerkiez, wo er seit einigen Jahren zu Hause war. Die Wohnung in der Nähe des Herrfurthplatzes und des Tempelhofer Feldes war eigentlich viel zu groß, seit Luisa in Dresden arbeitete und nur noch jedes zweite Wochenende nach Berlin kam, wenn überhaupt. Halbherzig, dachte er. Sie war auf dem Absprung, das spürte er nur allzu deutlich. Der neue Job in der Unternehmensberatung hatte ihr viel Auftrieb gegeben, sie fühlte sich wohl in ihrer neuen Umgebung – neue Aufgaben, neue Herausforderungen und Reize, in jeder Hinsicht. Mark zwängte den Wagen in eine enge Parklücke. Und er? War auch kein Kind von Traurigkeit. Lassen wir es einfach austrudeln. Die ganz große Nummer war es eh nicht mit uns. Am letzten Wochenende hatte er in einem Club in Mitte ein Mädchen kennengelernt und die Nacht mit ihr verbracht. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal derart hemmungslos gevögelt hatte – ohne die Spur eines schlechten Gewissens zu spüren, auch nicht am nächsten Tag.

Es roch muffig in der Wohnung, er riss die Balkontür auf, um spätsommerliche Kühle hereinzulassen, holte sich ein Bier und schlug die Kopie der Akte auf, die er aus dem Büro mitgenommen hatte, was natürlich gegen jede Dienstvorschrift verstieß. Corinna Mirbach war eines der beiden Mädchen gewesen, die damals für Windhoff gearbeitet hatte – als stundenweise Aushilfe in einem Studentencafé, wie sie bei der Vernehmung ausgesagt hatte, was ihr niemand abgenommen hatte. Die Kleine war keine sechzehn gewesen und aufgemacht wie eine Straßennutte. Sie wirkte verstört und ängstlich, war aber bei ihrer Aussage geblieben. Das zweite Mädchen hieß Eva Grohn, ebenfalls knapp sechzehn, und sie hatte das Gleiche wie Corinna behauptet. Natürlich klangen ihre Antworten einstudiert und abgesprochen, aber wem nützte diese Erkenntnis?

Mark trank einen Schluck und starrte eine Weile auf den überdimensionalen, knallbunten Wandkalender, den Luisa Anfang des Jahres in der Küche aufgehängt hatte, damit sie beide ihre Termine eintragen konnten – sie in Grün, er in Blau. Viel hatte sich nicht angesammelt … Er heftete den Blick wieder in die Akte. Corinna war inzwischen achtzehn Jahre alt geworden, wohnte laut Meldeadresse im Wedding und verdiente ihren Lebensunterhalt als Kellnerin in einem Kreuzberger Lokal am Südstern. Das dürfte nicht ihr einziger Job sein. Abgesehen davon, dass sie mehrfach beim Schwarzfahren sowie mit kleineren Mengen Drogen erwischt worden war, lag nichts gegen sie vor.

Eva hatte die Hauptstadt vor einigen Monaten verlassen und tauchte bundesweit in keinem Melderegister auf, wie ein Kollege aus dem Innendienst lapidar vermerkt hatte. Auch sie war mehrfach mit Drogen aufgegriffen worden und hatte sich einmal vor Gericht verantworten müssen. Eine Vermisstenanzeige war nicht erstattet worden. Spezialgebiet verschwundene Frauen und Kinder, fuhr es Mark durch den Kopf. Bitte schön, Frau Kriminalpsychologin – hier ist die Nächste. Aber ob dich wirklich interessiert, dass ein Strichmädchen auf dem Weg von Berlin nach Nirgendwo verschwunden war, möchte ich bezweifeln. Kein Mensch interessierte sich dafür. Die einzigen Spuren von ihr befanden sich in der DNA-Datenbank und würden dort verrotten, bis vielleicht eines Tages zufällig ihre Leiche auftauchte oder Reste davon abgeglichen werden konnten. Danach würde man die Akte schließen. Wenigstens etwas.

Er klappte den Hefter mit einer unwirschen Bewegung zu und machte sich nach kurzem Zögern zu Fuß auf den Weg zur Hermannstraße, um einen fetttriefenden Döner mit extra Knoblauch und Zwiebeln zu verdrücken, während sich der Lärm der Straße über ihn ergoss und Jugendliche laut lamentierend ihre Gebiete absteckten. Wie markierende Hunde, womit wir wieder bei Hannah Jakob angelangt wären. Was genau macht mich eigentlich so aggressiv? Ihre Abgeklärtheit? Ihre selbstverständliche Präsenz als Vorgesetzte? Ihr sozialer Status? Alter, du bist neidisch. Ja, ein bisschen vielleicht.

2

Ein überzeugender Auftritt sah etwas anders aus, resümierte Hannah, als sie am nächsten Vormittag ihren Wagen in einer Seitenstraße am Südstern parkte. Sie war mit Springer in dem Frühstückscafé verabredet, in dem Corinna Mirbach arbeitete. Der junge Kollege war übereifrig, ließ sich von seinen Bauchgefühlen leiten, und natürlich hatte er einiges mit Windhoff zu klären. Das waren nicht unbedingt die schlagenden Argumente, wenn es darum ging, weitere Ermittlungen zu rechtfertigen. Andererseits bewertete sie persönliches Engagement nicht grundsätzlich als negatives Vorzeichen – das war ihr weitaus sympathischer als eine betont lockere und gleichmütige, womöglich coole Grundhaltung. Man musste sich lediglich darüber im Klaren sein, dass emotionaler Antrieb den objektiven Blick verstellen konnte.

Darüber hinaus wusste sie aus eigener Erfahrung nur allzu gut, dass es manchmal einen zweiten und dritten Anlauf brauchte, um eine Spur zu entdecken, von deren Existenz man intuitiv überzeugt war – im Gegensatz zu allen anderen. Wenn sie bundesweit unterwegs war und als die BKA-Spezialistin für Vermisstenfälle auftrat, musste sie in den örtlichen Dienststellen oftmals mit Engelszungen Überzeugungsarbeit leisten und um Aufmerksamkeit förmlich ringen. Die Sache mit den Engelszungen war bei Springer allerdings noch ausbaufähig. Er wirkte tendenziell angriffslustig, erfüllt von unterdrückter Wut und stand sich damit selbst im Weg. Wir werden sehen, dachte Hannah, er ist gerade mal Anfang dreißig, da kann noch viel passieren. Sie ließ Kotti aus dem Wagen und überquerte die Straße.

Es war auch ihrer Ansicht nach befremdlich, dass Bleichert für eine derart unterschiedliche Klientel tätig war – obwohl sie sich in diesem Punkt Springer gegenüber bedeckt gehalten hatte. Falls an den damaligen Vorwürfen tatsächlich etwas dran gewesen war und der Anwalt Windhoff schlicht mit allen Mitteln rausgeboxt hatte, musste sein Engagement vor dem Hintergrund seines Verschwindens in der Tat genauer unter die Lupe genommen werden. Die Soko hatte es lediglich bei verschiedenen allgemeinen Überprüfungen und Befragungen belassen.

Obwohl Hannah zehn Minuten vor der verabredeten Zeit eintraf, saß Springer bereits im Café – ein kleines Bistro, das ab sechs Uhr zwölf Stunden lang Frühstück und Imbisse anbot, ohne jegliche Raffinesse, dafür preiswert und frisch. Der Kollege blickte kurz hoch und legte sein Smartphone beiseite; sie grüßte und bestellte Kaffee, Croissant und Orangensaft, bevor sie sich zu ihm setzte. »Warten Sie schon lange?«

Springer sah auf die Uhr. »Nein. Ich habe die Zeit genutzt und gut gefrühstückt.« Er deutete ein Lächeln an. Dunkler Bartschatten lag über seinem Gesicht. Er wirkte angespannt.

Kotti kroch unter den Tisch. Es war ruhig im Lokal. Ein Pärchen unterhielt sich im Flüsterton, zwei Freundinnen starrten auf ihre Handys, ein Geschäftsmann aß eilig und geräuschvoll.

»Da kommt sie«, bemerkte Springer kaum hörbar, und einen Augenblick später trat eine junge, auffallend magere Frau an ihren Tisch, um die Bestellung zu servieren. Sie trug ein Nasenpiercing, war blass und stark geschminkt. Ihre Fingernägel waren abgekaut. Das schwarze T-Shirt saß genauso eng wie die Jeans. Sie wirkte älter als achtzehn.

»Danke«, sagte Hannah freundlich und trank einen Schluck Saft. »Frau Mirbach, nicht wahr?«

»Ja.« Sie runzelte die Stirn. »Corinna ist mir aber lieber.«

»Kann ich verstehen«, warf Springer in leutseligem Ton ein. »Bringst du mir noch einen Latte?«

»Klar.«

»Super. Wie lange geht deine Schicht noch?« Er zwinkerte. Sie nahm seine Tasse und richtete sich langsam wieder auf. Irritation flackerte über ihr Gesicht.

»Wir sind uns schon mal über den Weg gelaufen, Corinna.«

»Ja?«

Springer nickte, doch bevor er das Geplänkel fortsetzen konnte, ergriff Hannah das Wort. »Wir würden uns gerne ein paar Minuten mit Ihnen unterhalten.« Sie empfand Springers Duzerei als unangemessen, wusste aber, dass ihre Reaktion vor Spießigkeit nur so triefte. In einem kleinen Kreuzberger Café galten andere Spielregeln, zumal die beiden nicht zum ersten Mal miteinander sprachen.

»Aha. Worum geht es denn?«

»Um Eva«, mischte Springer sich wieder ein.

Hannah atmete tief durch und fasste den Kollegen scharf ins Auge.

»Eva?«

»Eva Grohn. Eine Freundin von dir.«

»Aha.«

»Zier dich doch nicht so.«

»Na schön, was soll’s? Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die gesehen habe.« Corinna strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und zuckte mit den Achseln.

»Ungefähr zwei Jahre?«

»Nö, so lange nun auch nicht wieder. Wie kommst du da drauf?«

»Nur so ’ne Vermutung.« Er grinste. »Also hattest du in letzter Zeit doch Kontakt zu ihr?«

»Keine Ahnung, wie lange das her ist, ein paar Monate vielleicht – ich bin nicht so der Kalendertyp, wenn du verstehst … Und jetzt hol ich erst mal deinen Latte, okay?«

Sie verschwand eilig hinterm Tresen, das Fauchen der Kaffeemaschine überdeckte für einen Moment alle anderen Geräusche. Hannah nutzte die Unterbrechung, um sich vorzubeugen und Springer zu fixieren. »Hören Sie …«

»Ich weiß, was Sie sagen wollen«, meinte er ruhig.

»Tatsächlich?«

»Ihre Bedingungen für unsere Zusammenarbeit. Ich nutze nur gerade meinen Informationsvorsprung, um …«

Corinna kam an den Tisch zurückgeeilt und servierte das Glas mit konzentrierter Miene. Der Milchschaum lag perfekt. Sie beäugte Springer. »Was willst du eigentlich von mir?«

»Nur ein kurzes Gespräch – sobald du Feierabend hast, okay?«

Corinna wandte den Kopf und sah Hannah an. »Seid ihr von der Polizei?«, fragte sie mit leiser Stimme.

»Ja, aber es ist nichts Offizielles«, erklärte sie lächelnd. »Wir benötigen lediglich eine Auskunft.«

Corinna zuckte mit den Achseln und nickte in Richtung Tür, die gerade mit hellem Bimmeln aufschwang. »Da kommt meine Ablösung«, erklärte sie und warf dem Eintretenden, einem grauhaarigen dürren Mann mit Oberlippenbart, ein Lächeln zu.

»Setzen Sie sich zu uns?«

»Klar. Was wollt ihr von Eva?«

»Sie hat Berlin vor einiger Zeit verlassen«, erklärte Springer.

Corinna zuckte mit den Achseln. »Und? Ist ja nicht verboten.«

»Sie ist nirgendwo angekommen – zumindest nicht offiziell. Sie taucht in keinem Melderegister auf, um genau zu sein.«

Hannah hielt kurz die Luft an. Daher wehte der Wind … Die Info war offensichtlich aktuell, und Springer hatte vergessen, sie vorab auf den neuesten Stand zu bringen – von wegen Informationsvorsprung. Darüber würde zu reden sein. Wenn sie etwas nicht ausstehen konnte, dann eine Befragungssituation, bei der ihr wesentliche Hintergrunddetails fehlten beziehungsweise vorenthalten worden waren.

»Das muss nichts heißen«, entgegnete Corinna in lapidarem Ton. »Eva hat es nicht so mit den Behörden …«

»Sie ist nicht so der Behördentyp, willst du sagen?«

»Genau. Vielleicht ist sie unterwegs, auf Reisen …«

»Auf Reisen, klar, möglich, nicht auszuschließen.« Springer nickte ernsthaft. »Wo macht Eva denn in der Regel Urlaub und wie lange?« Der Spott war so dezent dosiert, dass man ihn ignorieren konnte, und Corinna entschied sich, genau das zu tun. »Keine Ahnung. Wie gesagt, wir haben uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.« Sie verschränkte die Arme.

»Verstehe. Du weißt also nicht, wo sie ist und ob es irgendwelchen Ärger gegeben hat?«

»Nö, ist mir nicht bekannt.«

»Schade.«

»Ja, tut mir leid. Noch was?«

»Durchaus«, ergriff Hannah das Wort und schoss einen warnenden Blick auf Springer ab. Ich bin dran, halt dich zurück. »Können Sie sich an Rechtsanwalt Robert Bleichert erinnern?«

Corinna ließ die Arme sinken. »Wer soll das sein?«

»Ein Anwalt …«

»Das habe ich mir fast gedacht.« Ein vorwitziges Lächeln blitzte für Sekundenbruchteile in ihren Augen auf.

»Er hat für Windhoff gearbeitet, unter anderem.«

»Windhoff?«

»Ich denke, Sie wissen, wer Windhoff ist. Sam Windhoff. Er betreibt mehrere Bars und Clubs, und vor gut zwei Jahren gab es etwas Wirbel um zwei junge Mädchen …«

»Ach so, das meinen Sie.« Corinna winkte mit einem Lachen ab, das ziemlich genau zwei Nuancen zu fröhlich war, um überzeugend zu klingen. »Die Geschichte also.«

»Genau die.« Hannah lächelte.

»Dazu habe ich schon damals alles gesagt.«

Springer beugte sich zu ihr vor. »Sicher?«

Ich hätte nicht übel Lust, ihm vors Schienbein zu treten, durchfuhr es Hannah. Kotti winselte leise unterm Tisch.

»Klar bin ich sicher.«

»Wir würden nicht nachhaken, wenn es keinen Grund gäbe«, schaltete Hannah sich wieder ein. »Rechtsanwalt Bleichert ist nämlich auch seit einigen Wochen spurlos verschwunden. Vielleicht haben Sie davon gehört.«

Corinna schüttelte den Kopf, während Hannah die Hand ausstreckte und Springer auffordernd ansah. »Sie haben bestimmt daran gedacht, ein paar Fotos einzustecken, oder?«

»Na klar.« Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seiner Jacke.

Corinnas Blick huschte über die Porträts, die Springer ihr unter die Nase hielt. Sie runzelte die Stirn. »Wie gesagt … Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen. Ist doch ewig her. Irgendjemand hat sich damals was zusammengesponnen, die Polizei kreuzte auf, es gab Verhöre, ja, und irgendein Anwalt klärte dann alles, soweit ich das mitbekommen habe – vielleicht dieser da, vielleicht ein anderer. Aber was das eine mit dem anderen zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.«

Sie hat Angst, dachte Hannah. Oder sie will mit all dem nicht das Geringste zu tun haben, weil sie grundsätzlich nichts von der Zusammenarbeit mit der Polizei hält. Oder beides. Nur nichts überbewerten.

»Bleiben wir mal bei Bleichert. Vielleicht hat er im Zusammenhang mit seinem Anwaltsjob etwas in Erfahrung gebracht, worüber er besser nicht Bescheid wüsste«, mutmaßte Springer. »Irgendeine Idee dazu?«

»Nein. Sagte ich schon.« Sie schloss kurz die Augen. »Ihr seid bei mir an der völlig falschen Adresse. Was soll ich über diese Typen wissen? Ich habe nichts zu schaffen mit Windhoff. Ich bin eine kleine Kellnerin, und das Ganze ist so lange her – da kräht doch kein Hahn mehr nach.«

»Da wär ich nicht so sicher.«

»Tja …«

»Und was sagst du, wenn wir dich bei der nächsten Razzia in irgendeiner miesen Spelunke aufgreifen, in der ein Freier dich begrabscht und an deren Einnahmen Windhoff auch beteiligt ist?«

Corinna warf ihm einen kühlen Blick zu. »Dass sich die Zeiten ändern«, erwiderte sie ruhig. »Manchmal täglich.« Damit stand sie auf. »Versucht es woanders. Ich hab jetzt Feierabend.«

Hannah wartete, bis sie den Laden verlassen hatte, dann hob sie den Blick und fixierte Springer. »Wenn Sie tatsächlich daran interessiert sind, diesen Fall genauer zu untersuchen – von Lösung spreche ich in dem Zusammenhang ganz bewusst erst gar nicht –, dann lassen Sie ab sofort Ihre Spielchen! Informationsvorsprung? Soll das ein Witz sein? Sie haben immer genügend Zeit, mich auf den neuesten Stand zu bringen, und falls Sie das nicht hinkriegen, suchen Sie sich jemand anderen, der Sie unterstützt. Allzu groß dürfte die Auswahl nicht mehr sein, oder? Und noch eines: Was ist an dem Satz, ich leite die Befragungen, nicht zu verstehen?«

»Sie können ja richtig wütend werden.« Das klang nahezu perplex.

»Ist das alles, was Ihnen dazu einfällt?« Ihre Stimme vibrierte vor Zorn. Er hat recht, ich bin total angefressen, dachte sie. Wann war ich zum letzten Mal so sauer? Kotti winselte erneut und legte eine Pfote auf ihren Fuß.

»Nein … Ich habe die Info zu Eva Grohn auch erst seit gestern Abend, und …«

»Seit gestern Abend? Ich höre wohl nicht richtig!«

»Ich dachte …«

»Den Eindruck habe ich allerdings nicht.« Hannah erhob sich abrupt, war mit wenigen Schritten am Tresen und bezahlte. Ihre Hände zitterten. Der Typ trifft irgendeinen Punkt bei mir, einen verdammt wunden Punkt, der nur in zweiter Linie mit ihm und dieser Situation zu tun hat – auf selbstgefällige Jung-Dynamiker, die mit breiter Brust und à la New York Cop unterwegs waren, reagierte sie normalerweise weitaus gelassener, zumindest distanzierter. Denk doch mal an Korsika … Bravo, Frau Psychologin, wahnsinnig tiefschürfende Erkenntnis.

Sie verließ das Café, Kotti an ihrer Seite, und überquerte die Straße, um an der U-Bahn-Station Südstern stehenzubleiben. Gut eine Minute blieb ihr, um sich abzuregen – schätzungsweise –, ihre Atmung zu kontrollieren und die Verwirrung in den Griff zu bekommen. Springer trat wenig später aus dem Lokal und folgte ihr nach kurzem Zögern. In angemessenem Abstand blieb er vor ihr stehen und musterte sie abwartend; mit einer Hand strich er durch sein kurzes dunkles Haar und schien nach den richtigen Worten zu suchen. Immerhin, ein Anflug von Unsicherheit.

»Bleiben Sie an dem Mädchen dran, und strecken Sie Ihre Fühler aus, was diese Eva angeht«, kam sie ihm in sachlichem Ton zuvor. »Möglichst unauffällig. Wenn es Neues gibt, melden Sie sich, und zwar umgehend.«

»Auch spät abends oder in der Nacht?«

»Selbstverständlich.« Es liegt niemand neben mir, den du wecken könntest, und Kotti lässt sich nicht stören.

Er nickte langsam. »Okay. Und Sie …«

»Ich spreche mit Windhoff – allein – und mit Bleicherts Frau. Die möchte ich gerne persönlich kennenlernen. Dann sehen wir weiter.«

»Was halten Sie von ihr, von Corinna, meine ich?«

»Ich habe mir noch keine Meinung gebildet.«