Klaus Seehafer

Johann Wolfgang Goethe

Biografie

Bild

Impressum

Mit 22 Abbildungen

ISBN 978-3-8412-0702-9

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Mai 2013

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 1998 bei Aufbau, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

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Umschlaggestaltung Preuße & Hülpüsch Grafik Design unter Verwendung eines Gemäldes „Goethe in der Campagna“ von August Wilhelm Tischbein, 1787

E-Book Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

www.aufbauverlag.de

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Inhaltsübersicht

Cover

Impressum

Auffrischen und lesen

Kindheit in Frankfurt am Main 1749–1765

Frankfurter Spaziergänge

Studium in Leipzig 1765–1768

Bummel durch Leipzig

Frankfurter Zwischenspiel 1768–1770

Studium in Straßburg 1770–1771

Tage im Elsaß

Vom Anwalt zum Autor 1771–1773

Durch Wetzlar auf Werthers Spuren

»Das durchaus Scheisige dieser zeitlichen Herrlichkeit« 1773–1775

Die ersten Jahre in Weimar 1775–1786

Weimarer Spaziergänge I

Italienische Reise 1786–1788

Mit Goethe in Rom

Wieder in Weimar. Revolution und Krieg 1788–1794

Tagestouren auf Goethes Spuren: Thüringen

Neue Begegnungen und Freundschaften 1794–1805

Weimarer Spaziergänge II: Hausbesuche

Fortschreitendes Leben 1805–1814

Tschechien – Böhmen und zurück

Alltag und Überraschungen des Alters 1814–1823

»Faust«. Eine Lebensreise 1765–1832

Die letzten Jahre 1824–1832

Weimarer Spaziergänge III: Grabbesuche

Anhang

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Abschließende Notwendigkeiten

Personenregister

Register der erwähnten Werke Goethes

Informationen zum Buch

Informationen zum Autor

»Goethe ist der deutschen Nation

gar nicht der Dichterei usw. wegen gegeben,

sondern daß sie aus seinem Leben

einen ganzen vollen Menschen

vom Anfang bis zum Ende kennenlerne.«

Wilhelm Raabe, 26. Oktober 1880

Auffrischen und Lesen

Was in der Zeiten Bildersaal

Jemals ist trefflich gewesen,

Das wird immer Einer einmal

Wieder auffrischen und lesen.

»Sprichwörtlich« (1815)

Vor einigen Jahren war viel die Rede von einem jungen Mann, der seine Lehre schmiß, sich eine Weile ausklinkte und in einer Schrebergartenlaube versteckte. Gleich in der ersten Nacht muß er im Finstern aufs Klo, sucht natürlich Papier, greift neben sich und ertastet ein Reclam-Heft, dessen erste und letzte Seite er für sein dringliches Anliegen verwendet. Als er das Buch ohne Titel später zu lesen beginnt, hat er keine Ahnung, was es ist, noch von wem es ist. Sein erster Eindruck: »Leute, das konnte wirklich kein Schwein lesen.« Sein nächster: »Dieser Werther hatte sich wirklich nützliche Dinge aus den Fingern gesaugt.« Nützlich, weil das, was der Ich-Erzähler da von sich gibt, ganz offenbar auch auf die Lebenskrise des jungen Mannes – Edgar Wibeau heißt er übrigens – zutrifft.

Gott sei Dank weiß er nicht, daß er ein Buch von Goethe vor sich hat, denn Goethe – du liebes bißchen! Schon vor 60 Jahren malte sich Hermann Hesse aus, wie er den Schülern Goethe glatt verbieten würde, wenn er Schulleiter wäre. Verbieten, damit sie nicht vor der Zeit von ihm angeödet würden, sondern sich ihre Neugier auf ihn erhalten. »Welchen Leser ich wünsche?« hat sich Goethe einmal gefragt und geantwortet: »Den unbefangensten, der mich, sich und die Welt vergißt, und in dem Buche nur lebt.« So einen wie Edgar Wibeau also, den Helden aus Ulrich Plenzdorfs Erzählung »Die neuen Leiden des jungen W.«

Vielleicht erlaubt mir diese wünschenswerte Haltung, auch als Biograf mit einer gewissen Unbefangenheit an die Arbeit zu gehen: »Das Jahrhundert ist vorgerückt; jeder Einzelne aber fängt doch von vorne an.« So ist es zu Goethes Zeiten gewesen, und heute ist es nicht anders. Indem ich mich also auf den Weg mache, folge ich dem, was andere vor mir entdeckt haben, schau’s mir auf meine Weise an und erzähle davon. Immer neugierig und ohne falschen Respekt, denn wer Goethe nicht aufs Podest stellt, muß ihn später auch nicht herabstürzen. Vielleicht gibt’s dann am Ende ein paar Mitwanderer mehr.

Dieser Mann hat zweierlei Werk geschaffen: ein niedergeschriebenes und ein gelebtes. An seiner persönlichen Entwicklung hat er mindestens so gearbeitet wie an seinen Gedichten. Hat auch zeit seines Lebens eine Menge Begabungen und Gefährdungen mit sich herumgetragen und sie auf mitunter ungewöhnliche Weise zum Ausgleich gebracht. Anders als so mancher seiner Weggefährten ist er darum auch nicht zerbrochen oder irgendwann einmal im Mittelmaß steckengeblieben.

Und wie Goethes Werk von zweierlei Art ist, so ist es auch die vorliegende Biografie, die wechselnd den Spuren seines Lebens und seiner Lebens-Landschaften folgt, wie er es selber im »West-östlichen Divan« empfiehlt:

Wer das Dichten will verstehen,

Muß ins Land der Dichtung gehen;

Wer den Dichter will verstehen,

Muß in Dichters Lande gehen.

Es muß beim Lesen dieses Buches nicht unbedingt Liebe zu Goethe entstehen. Der Alte von Weimar konnte sehr unliebenswürdig sein. Aus dem Überlieferten ließe sich leicht auch die Geschichte eines selbst- und ungerechten Ekels entwerfen. Aber selbst dann könnte die Geschichte seines Lebens Lust auf ein unabhängigeres Anschauen der Dinge im eigenen Leben machen. Denn wenigen Menschen ist es gelungen, sich die Welt derart frei und eigenwillig anzueignen, wie dem Dichter und Naturforscher Goethe. Die besten Verehrer Goethes schienen mir immer jene zu sein, die sich von der Existenz dieses Menschen auf eine Weise bereichern lassen konnten, daß sie dabei nicht sich selbst aufgaben, sondern im Gegenteil noch mehr sie selber wurden. Ein so getreuer Altersgefährte wie der weimarische Staatskanzler von Müller hat sich nach einem Besuch aufnotiert: »Lebhaft trat es mir vor die Seele: seine heiligsten Überzeugungen darf man nicht von irgend eines Menschen Ansichten abhängig machen – auch nicht von denen Goethes.«

Einem Wunderkind werden wir nicht begegnen. Ein Wunderkind war jener kleine, blasse Siebenjährige, dessen Konzert der 14-jährige Goethe mit seiner Familie am 25. August 1763 im Saal der Scharf ’schen Weinwirtschaft zu Frankfurt am Main besucht hat. Das Kerlchen mußte allerlei musikalischen Firlefanz virtuos herunterspielen und mit seinem absoluten Gehör die Töne von Gläsern, Glocken und Uhren bestimmen. Dieser Mozart, das war ein Wunderkind. 67 Jahre später kam einmal die Rede auf den frühen Tod des Komponisten. Da meinte Goethe: »Jeder außerordentliche Mensch hat eine gewisse Sendung, die er zu vollführen berufen ist. Hat er sie vollbracht, so ist er auf Erden in dieser Gestalt nicht weiter vonnöten, und die Vorsehung verwendet ihn wieder zu anderem […]«

Ihm selber waren am Ende für seine Sendung fast 83 Jahre zugemessen.

Kindheit in Frankfurt am Main
1749 – 1765

Vom Vater hab ich die Statur,

Des Lebens ernstes Führen,

Vom Mütterchen die Frohnatur

Und Lust zu fabulieren.

Urahnherr war der Schönsten hold,

Das spukt so hin und wieder,

Urahnfrau liebte Schmuck und Gold,

Das zuckt wohl durch die Glieder.

Sind nun die Elemente nicht

Aus dem Komplex zu trennen,

Was ist denn an dem ganzen Wicht

Original zu nennen?

»Zahme Xenien«

»Rätin«, ruft Kornelia Göthe zu ihrer 19-jährigen Schwiegertochter hinüber, die gerade von ihrem ersten Kind entbunden worden war, »Rätin, er lebt!« Nach schwerer Geburt ist der Junge Donnerstag, den 28. August 1749, bald nach Mittag auf die Welt gekommen, mit einer Kreislaufstörung und ganz blau vor Atemnot. Ärzte werden damals bei Geburten noch nicht hinzugezogen, und die Hebamme erweist sich als keine große Hilfe. Die beherzte Großmutter nimmt die Sache darum selber in die Hand, wäscht das Kind in warmem Wasser, reibt ihm die Herzgrube mit Wein ein. Endlich schlägt es seine großen Augen auf. Es ist geschafft.

Im 18. Jahrhundert wächst die Bevölkerung in Deutschland so gut wie gar nicht. Allzu hoch ist die Sterblichkeit. Der Tod kommt häufig und früh. Am gefährlichsten ist – gleichermaßen für Mutter und Kind – schon die Geburt. Deshalb wird der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth, geborene Textor, auch gleich am nächsten Tag getauft. Pastor Fresenius kommt in das Haus am Großen Hirschgraben Nr. 23 und gibt ihm die Namen seines Paten, des Großvaters Johann Wolfgang Textor. Es ist derselbe Geistliche, der schon die Mutter konfirmiert und die Eltern getraut hat und der dann 14 Jahre später auch den jungen Goethe konfirmieren wird.

»Ich habs im Mutterleib schon gespürt, was aus meinem Kind wird werden«, schreibt Frau Goethe später, »und hab auch keinen Augenblick dran gezweifelt, seit er auf der Welt war, daß es zu ihrem Heil werde sein.« Das Kirchenbuch protokolliert die Ankunft des neuen Erdenbürgers ungleich nüchterner, wenngleich im umständlichen Aktendeutsch jener Jahre. Da ist der Vater »Ihro röm. Kayserl. Majest. würckl. Rath und beider Rechten Doct.« und der Herr Gevatter der »Hochansehnliche Schultheiß allhier wie auch Ihro Röm. Kayserl. Majest. würcklicher Rath«. Ein Söhnchen, nicht von schlechten Eltern!

Tatsächlich sind Goethes Vorfahren in den letzten Jahrzehnten die soziale Leiter immer höher hinaufgeklettert. Urgroßvater Göthe war Hufschmiedemeister und Ratsdeputierter. Sein ältester Sohn wurde Schneider und kam bis nach Paris und Lyon, wo er sich die Kenntnis der feinen französischen Mode erwarb. In Frankfurt heiratete er dann in erster Ehe eine Meisterstochter und nach deren Tod eine Witwe, die Besitzerin eines Gasthofs war. Offenbar auch als Wirt und Weinhändler erfolgreich, hinterläßt er, der sich dreisprachig Fridericus Georg Göthé schreibt, ein Kapital von 90 000 Gulden, von dem Goethes Vater und schließlich auch noch Goethe selber zehren werden.

Die Textors waren schon generationenlang eine angesehene Juristenfamilie gewesen, der Urgroßvater Kurpfälzischer Hofgerichtsrat in der Freien Reichsstadt Frankfurt, sein ältester Sohn – Goethes Großvater mütterlicherseits – als Reichs-, Stadt- und Gerichtsschultheiß der erste Mann am Ort.

Goethes Vater legt eigentlich über das solide Fundament von Geld und Ansehen nur noch ein wenig Glanz, indem er es zum Doktor beider Rechte bringt und sich von Kaiser Karl VII. – einflußreiche Freunde sind bei der Vermittlung behilflich – für 313 Gulden, 30 Kreuzer den Titel eines Kaiserlichen Rates erwirbt. Damit hat er es zu höchst respektablem Ansehen gebracht, ohne auch nur ein einziges Mal in seinem Leben durch eigene Arbeit das Vermögen der Vorfahren vermehrt zu haben. Kaiserliche Räte gibt es nur noch neun weitere in der Stadt.

Die genannten Berufs- und Standesbezeichnungen öffentlichen Dienstes klingen heute fremd. Aber Goethe wird in einen fast noch mittelalterlich geprägten Stadtstaat hineingeboren – wohingegen sich die Welt, als er alt ist, völlig verändert hatte. Das läßt sich schon an einigen Interessen seiner letzten Lebensjahre ablesen: Er interessiert sich für den Bau von Suez- und Panamakanal, für Dampfmaschinen und die ersten Eisenbahnen.

Frankfurt am Main ist ein Ländchen für sich und als Freie Reichsstadt nur dem Kaiser in Wien untertan. Mauern umschließen sie. Abends werden die Tore zugesperrt und die Schlüssel beim Bürgermeister hinterlegt. Winklige Gassen bestimmen das Stadtbild. Die Zünfte sind streng geordnet. Es gibt eine Judengasse. Zweimal im Jahr, während der berühmten Frühjahrs- und Herbstmessen, weht freilich europäischer Wind durch die berühmte Handelsstadt. Und seit 1562 ist sie auch Ort der Kaiser- und Königswahl. Johann Caspar hat das schon 1742 (Karl VII.) und 1745 (Franz I.) erlebt. Sein Sohn genießt 1764 als 14-Jähriger die Festlichkeiten, die mit der Krönung Josephs II. verbunden sind.

Es muß ihn bis ins Alter beeindruckt haben, denn seine autobiografischen Erinnerungen fallen hier sehr eingehend aus. Freilich verbinden sie sich zugleich mit denen an seine allererste Liebe, eine junge Kellnerin, die er »Gretchen« nennt. Im »Faust«-Drama findet sich nicht nur dieser Name wieder, sondern auch die ganze dunkel-dumpf-prächtige Welt des ausgehenden Mittelalters, wie sie Goethe in seiner Kindheit noch aufgenommen hat, »und es fehlte mitten in der bürgerlichen Ruhe und Sicherheit nicht an gräßlichen Auftritten. Bald weckte ein näherer oder entfernter Brand uns aus unserm häuslichen Frieden, bald setzte ein entdecktes großes Verbrechen, dessen Untersuchung und Bestrafung die Stadt auf viele Wochen in Unruhe. Wir mußten Zeugen von verschiedenen Exekutionen sein, und es ist wohl wert zu gedenken, daß ich auch bei Verbrennung eines Buches gegenwärtig gewesen bin.«

Die Judengasse beschäftigt den Heranwachsenden gleichfalls sehr. Düster schweben die alten Geschichten von der Grausamkeit der Juden gegenüber Christenkindern in seinem Gemüt. Andererseits seien sie aber doch auch das auserwählte Volk Gottes! Enge, Schmutz und Gewimmel der Gasse und ihrer Seitengassen – das ist schon die ganze »Judenstadt« – stoßen ihn zunächst ab. Aber neugierig, wie er ist, läßt er nicht locker, bis er »ihre Schule öfters besucht, einer Beschneidung, einer Hochzeit beigewohnt und von dem Laubhüttenfest mir ein Bild gemacht«. Dabei lernt er ein wenig Jiddisch und bittet den Vater zur Vertiefung um Hebräisch-Stunden.

Frankfurt hat damals 36 000 Einwohner und gilt als eine der schönsten Städte im Deutschen Reich. In einer Beschreibung von 1741 heißt es, daß sie zwar nur mittelmäßig groß sei, »aber sehr angebauet und volckreich: die Lage derselben ist unvergleichlich und die Gegend daherum ist eine der angenehmsten in der Welt. Der Mayn formiret gegen den Aufgang von Seiten der Brücke ein rechtes Schaugerüste, wo sich die Stadt auf beyden Seiten in einem prächtigen Ansehen zeiget. Sowohl in der Stadt, als ausserhalb derselben sind die schönsten Spaziergänge. Man sieht allenthalben Höfe und Lustgärten, deren einige sehr wohl angelegt sind, und kostbar unterhalten werden.« Die Seele dieser reichen Stadt aber sei der Kaufmannsstand: Er allein »hält sie empor und giebt ihr einen Rang unter den vornehmsten Städten der Welt. Unter den Kaufleuten selbst giebt es grosse und ehrwürdige Männer, die als wahre Patrioten ihre erworbene Reichtümer zur Aufnahme der Stadt und zum besten ihrer Mitbürger, insonderheit der Armen, mit vielen Ruhm zu gebrauchen wissen. Diese Leute haben meistens in ihrer Jugend schöne Reisen gethan, verstehen die vornehmsten europäischen Sprachen, lesen gute Bücher und zeigen in ihrem ganzen Umgang eine edle Lebensart.«

Das »Heilige Römische Reich Deutscher Nation« setzt sich damals aus über 300 nahezu selbständigen Kleinstaaten und Freien Städten zusammen. Die obersten Behörden sind dementsprechend auch auf verschiedene Orte verteilt: In Wien residiert der Kaiser. Dort ist auch der Reichshofrat, eine Art Oberster Gerichtshof. In Regensburg treffen sich die Obrigkeiten der einzelnen Staaten zum »immerwährenden Reichstag«. Und Wetzlar schließlich beherbergt seit 1693 das Reichskammergericht. Dort hat Großvater Textor nicht nur zehn Jahre seines Lebens gearbeitet, sondern auch seine Frau kennengelernt. Der Ort ist Station auf der Studienreise seines Schwiegersohnes, und endlich wird dessen Sohn hier den letzten Schliff für den Anwaltsberuf erwerben.

Obwohl der Kaiser nach wie vor an der Spitze des Reiches steht, hat er doch längst nicht mehr die großen Befugnisse von ehedem. Sie sind an die einzelnen Territorialherrscher übergegangen. Nur im Reichstag und im Reichskammergericht vereinen sich Kaiser und Reichsstände noch zu gemeinsamer politischer Arbeit. Sie verläuft mühselig, zeitraubend und ist politisch nicht gerade effektiv. Als Goethe nach Wetzlar kommt, liegen dort 16 233 zum Teil absichtlich verschleppte Prozesse. Jährlich werden davon etwa 60 erledigt – und doppelt so viele kommen hinzu! Da geht es in den Freien Städten etwas straffer zu, obwohl auch Stadtluft ihre Bürger nach heutigen Maßstäben noch nicht sonderlich frei macht. Die nach Ständen geordnete Hierarchie ist relativ unflexibel. Der Frankfurter Rat zum Beispiel besteht aus drei »Bänken« zu je 14 Mitgliedern: Schöffen, Ratsherren und Handwerkerräte. Die Patrizier der ersten beiden Bänke werden noch lange unter sich bleiben, weil das Prinzip der Hinzuwahl herrscht und ein Aufrücken aus der Handwerkerbank nicht möglich ist. Auch wer in die dritte kommt, bestimmen die übrigen Ratsherren.

Jedem der 14 Frankfurter Stadtteile steht ein Bürgeroffizier vor. Beschwerden dürfen dem Rat nur über ihn vorgebracht werden. Aus den ersten beiden Bänken werden jährlich zwei Bürgermeister bestimmt. Der Schultheiß leitet das Frankfurter Reichsgericht und gilt mehr als die übrigen Ratsmitglieder. Im »Römer«, dem Frankfurter Rathaus, hat er einen hervorgehobenen Sitz im Rat, gilt als Vertreter des Kaisers am Ort und ist damit der vornehmste Beamte der Stadt. Johann Wolfgang Textor spielt also eine bedeutende Rolle in Frankfurt – und das, obwohl er weder aus einer vornehmen noch besonders reichen Familie stammt. Sachverstand und persönliches Ansehen haben seine Karriere bewirkt.

Großvater Göthe – der erfolgreiche Schneidermeister, der sich mit den Jahren langsam in die höchste Steuerstufe seiner Stadt vorgearbeitet hat – wird 1700 Witwer und heiratet fünf Jahre später Kornelia Schellhorn. Auch sie ist Witwe und hat von ihrem ersten Mann den »Weidenhof« geerbt. Von seinen insgesamt elf Kindern überleben ihn drei. Goethes Vater Johann Caspar entstammt der zweiten Ehe. Er soll durch äußeren Stand abrunden, was der Vater durch Kapital und persönliche Respektabilität erreicht hat, und studiert in Gießen und Leipzig mehr fleißig als begabt Jura. Mit 28 Jahren besitzt er den Doktor beider Rechte (Doctor juris utriusque). Er kennt sich also im römischen Recht, dessen Fortschreibung und komplizierte Kommentierung immer noch gelten, ebenso aus wie im kanonischen, d. h. kirchlichen Recht, mit dem zum Beispiel alles geregelt wird, was Ehe, Todesfälle, testamentarische Verfügungen betrifft.

Nach dem Tode ihres Mannes gibt Frau Göthe Gasthof und Weinhandlung auf und zieht 1733 in jenes alte Haus, das fortan auch Johann Caspars Heimat ist und wo er seine Familie gründen wird. Zunächst aber rundet er seine Ausbildung mit einer zweijährigen »Kavaliersreise« ab, die ihn zwischen 1739 und 1741 über Wien nach Italien und zurück über Paris und Straßburg führt. Er bewirbt sich um eine Stelle in der reichsstädtischen Verwaltung, ist sogar bereit, ohne Einkünfte zu arbeiten, aber der üblichen geheimen Wahl mag er sich aus Stolz nicht unterziehen. Seine Bewerbung wird abschlägig beschieden, worauf er schwört, sich um keine andere Stelle mehr zu bemühen. Mit der Erwerbung des »Kaiserlichen Rates« ist er den Oberen der Stadt ebenbürtig und schließt damit ganz bewußt und für alle Zeit aus, daß er ein Verwaltungsamt bekleidet, in dem er sich hinaufdienen muß. In den Rat kann er auch nicht, weil einer seiner beiden Halbbrüder, der Zinngießermeister Hermann Jacob Göthe, dort schon einen Sitz innehat und verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb des Rates nicht statthaft sind. Also privatisiert Johann Caspar bis an sein Lebensende.

Erst neuerdings beginnt sich die Ansicht durchzusetzen, daß er dabei dennoch ein erfülltes Leben geführt habe. Er verfaßt eine voluminöse »Viaggio per l’Italia« (Reise durch Italien im Jahre 1740), wozu er einen Italienischlehrer engagiert, der ihm hilft, seine Sprachkenntnisse zu vervollkommnen. Er baut eine Privatbibliothek auf, die schließlich einen Umfang von 1 800 Bänden hat und außer persönlichen Vorlieben auch das Bedürfnis nach umfassender Bildung verrät. Jahrzehntelang trägt er eine Sammlung von Dokumenten zur Frankfurter Rechtsgeschichte zusammen, die am Ende 21 große Bände umfaßt. In den Künsten nicht begabt – er »stimmte seine Laute länger, als er darauf spielte«, erinnert sich der Sohn später –, hat er doch viel Sinn für sie. Er vergibt viele Aufträge an Frankfurter Maler, was seiner Bildersammlung nach einigen Jahren den Ruf einträgt, zu den interessantesten der Stadt zu gehören. Es ist übrigens die einzige, die sich ganz auf zeitgenössische Kunst spezialisiert hat. An Hand des penibel geführten Haushaltsbuches ist errechnet worden, daß Johann Caspar Goethe nicht weniger als 10 Prozent seiner jährlichen Ausgaben für Kunst, Literatur und Ausbildung verwendet hat.

Mit 38 Jahren heiratet der nun schon etwas ältliche Junggeselle die 18-jährige Tochter des Schultheißen Textor. Catharina Elisabeth ist lebenslustig, zieht sich gerne hübsch an und liebt das Theater. Es ist damals nicht üblich, daß die Mädchen sonderlich ausgebildet werden; ein bißchen Lesen, Schreiben, Rechnen, etwas Klavierspielen und Spitzenklöppeln, das hat zu reichen. Aber bei dieser Frau ist doch zeitlebens zu merken, daß sie was zu sagen weiß (wenn’s dann auch in schauerlicher Rechtschreibung geschieht!), daß sie einen wendigen Geist und ein warmes Herz hat. »Ich habe die Menschen sehr lieb – und das fühlt alt und jung gehe ohne pretention durch diese Welt und das behagt allen Evens Söhnen und Töchtern – bemoralisire niemand – suche immer die gute seite aus zuspähen – überlaße die schlimme dem der den Menschen schufe und der es am besten versteht, die scharffen Ecken abzuschleifen, und bey dieser Medote befinde ich mich wohl, glücklich und vergnügt.«

Als Ehefrau, Mutter und Vorsteherin eines großen Hauses hat sie alle Hände voll zu tun. Ihrem Mann, der anfangs mit großem Eifer nicht nur die Kinder, sondern auch sie selber nach seinem Bildungsideal formen will, entzieht sie sich in dieser Hinsicht bald mit sanfter Bestimmtheit. Sie liest gern und viel, eigentlich alles, was ihr vor die Augen kommt: manches aus den herrlichen Bücherschätzen ihres Mannes, aber auch alle möglichen Modezeitschriften, Tagesromane und Almanache. Als junges Mädchen mit einem schon älteren Mann verheiratet, der sie zunächst wie ein Kind behandelt, findet sie sich als reife Frau neben einem Greis, der nach zwei Schlaganfällen »pflanzenhaft« dahinvegetiert und noch drei lange Jahre gepflegt werden muß, weil er nicht mehr selber essen, nur schwer sprechen kann und immer größere Mühe mit dem Gedächtnis hat.

Aber die Frau Rätin ist eine starke Frau und eine »Frohnatur« überdies. Herrlich vorurteilsfrei, findet sie leicht Kontakt zu jedermann und hat »die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist – weß Standes, alters, und Geschlecht sie auch geweßen ist«. Später ist sie sehr stolz, wenn man sie ihres »Hätschelhanses« wegen besucht; »bei mich kommen sie Alle ins Haus«. Als es ihr im Alter in dem großen, leer gewordenen Haus zu ungemütlich wird, verkauft sie es 1795 ohne Bedenken samt »allen kling klang« und zieht in eine hübsche kleine Mietwohnung am Roßmarkt.

Sie versteht zu leben, und am Ende hat sie es auch beispielhaft verstanden, zu sterben. Nichtsahnende Gastgeber schicken ein Dienstmädchen, um sie einzuladen. Ihre schlichte Antwort: »Sagen Sie nur, die Rätin kann nicht kommen, sie muß alleweil sterben.« Nachdem Frau Rat noch für den Leichenschmaus gesorgt hat, segnet sie das Zeitliche und geht am 13. September 1808 getrost ins nächste Leben hinüber.

Johann Wolfgang Goethe wird noch vier Geschwister haben, aber bis auf die anderthalb Jahre jüngere Cornelia sterben sie früh. Eine Überlieferung hilft uns, ihn sich als »großen Bruder« vorzustellen. Der Mutter ist aufgefallen, daß der Zehnjährige »bei dem Tod seines jüngeren Bruders Jakob, der sein Spielkamerad war, keine Tränen vergoß, er schien vielmehr eine Art Ärger über die Klagen der Eltern und Geschwister zu haben. Da die Mutter nun später den Trotzigen fragte, ob er den Bruder nicht liebgehabt habe, lief er in seine Kammer, brachte unter dem Bett hervor eine Menge Papiere, die mit Lektionen und Geschichtchen beschrieben waren. Er sagte ihr, daß er dies alles gemacht habe, um es dem Bruder zu lehren.«

Mit sieben Jahren hat er vier Geschwister, mit zwölf Jahren nur noch zwei und danach einzig Cornelia. Mit ihr zusammen wird er – zunächst vom Vater, später auch von Hauslehrern – unterrichtet. Unleugbar profitieren die Kinder von dem etwas überschießenden Bildungsdrang des Vaters. Andererseits leidet die Familie auch unter seinem Starrsinn. Der alte Goethe erinnert sich an seinen Vater als an einen »zwar liebevollen und wohlgesinnten, aber ernsten Vater, der, weil er innerlich ein sehr zartes Gemüt hegte, äußerlich mit unglaublicher Consequenz eine eherne Strenge vorbildete, damit er zu dem Zwecke gelangen möchte, seinen Kindern die beste Erziehung zu geben«. Ihm gegenüber nun also die Mutter – »fast noch ein Kind, welche erst mit und in ihren beiden Ältesten zum Bewußtsein heranwuchs« – und die »nach gegenwärtigem Genuß verlangenden« Kinder: »Ein solcher in der Familie schwebender Widerstreit vermehrte sich mit den Jahren. Der Vater verfolgte seine Absichten unerschüttert und ununterbrochen; Mutter und Kinder konnten ihre Gefühle, ihre Anordnungen, ihre Wünsche nicht aufgeben.« Mit anderen Worten: Es gibt oft lautstarken familiären Streit.

Für den Besuch der Universität ist damals kein Abitur notwendig. Man schreibt sich ein, wenn man alt genug dafür ist und sich genügend vorbereitet glaubt – durch den Besuch eines Gymnasiums, durch Privat- oder Selbstunterrichtung. Im Hinblick darauf ist Johann Caspar Goethe damals geradezu der Idealfall eines Vaters: kein Lehrer, kein Buch zu teuer, alle Kinderwünsche, die im weitesten Sinne mit Bildung zu tun haben, werden gewährt.

1752 kommt Goethe in eine nahe gelegene Spielschule. Schon damals lernt er lesen. 1756 geht es in die öffentliche Schule, in der Lesen, Schreiben, Rechnen und protestantische Glaubenslehre auf dem Lehrplan steht. Schon der Siebenjährige muß von 7 bis 10 Uhr und von 13 bis 16 Uhr in die Schule, was ihm nicht leichtfällt. Zwar erweitert sich nun sein Aktionsradius über die unmittelbare Hirschgrabenumgebung hinaus, aber in der Schule gilt noch die Prügelstrafe, und auch der Zusammenprall mit den anderen Schülern ist nicht immer leicht für ihn.

Noch in den Erinnerungen des alten Mannes spürt man allerdings die detailvergnügte Zufriedenheit des eigentlich wohlerzogenen Jungen über eine erfolgreich bestandene Prügelei: Drei Mitschüler peitschen ihm, als der Lehrer einmal nicht gekommen ist, die Beine fürchterlich mit den Weidenruten eines zerschnittenen Kehrbesens aus. Er will nun zwar als Beweis seiner Zähigkeit den Schmerz bis zum Ende der Schulstunde aushalten, aber seine Wut gegen die Peiniger wächst während dieser Zeit beträchtlich. Als es endlich soweit ist, »fuhr ich dem einen, der sich’s am wenigsten versah, mit der Hand in die Nackenhaare und stürzte ihn augenblicklich zu Boden, indem ich mit dem Knie seinen Rücken drückte; den andern, einen jüngeren und schwächeren, der mich von hinten anfiel, zog ich bei dem Kopfe durch den Arm und erdrosselte ihn fast, indem ich ihn an mich preßte. Nun war der letzte noch übrig und nicht der schwächste, und mir blieb nur die linke Hand zu meiner Verteidigung. Allein ich ergriff ihn beim Kleide, und durch eine geschickte Wendung von meiner Seite, durch eine übereilte von seiner brachte ich ihn nieder und stieß ihn mit dem Gesicht gegen den Boden. Sie ließen es nicht an Beißen, Kratzen und Treten fehlen; aber ich hatte nur meine Rache im Sinn und in den Gliedern.«

Das Wehgeschrei der Besiegten ruft Erwachsene auf den Plan, aber Goethes Beine sprechen für ihn. Dennoch wird ihm Strafe angedroht. Da erklärt dieses Kerlchen doch wörtlich, »daß ich künftig bei der geringsten Beleidigung einem oder dem andern die Augen auskratzen, die Ohren abreißen, wo nicht gar ihn erdrosseln würde«.

Im übrigen ist Goethe nicht ganz schuldlos an dem Vorfall. Damals wie heute gibt es unter Jungs eine Zeit, in der man sich viel aufs Schmerzenertragen zugute hält und Spiele pflegt, die darauf abzielen. Auch ihm ist zum Beispiel jener Quälspaß nicht unbekannt, bei dem man »mit zwei Fingern oder der ganzen Hand sich wechselweise bis zur Betäubung der Glieder schlägt«. Da er aber »von einem solchen Leidenstrotz gleichsam Profession machte, so wuchsen die Zudringlichkeiten der andern; und wie eine unartige Grausamkeit keine Grenzen kennt, so wußte sie mich doch aus meiner Grenze herauszutreiben«.

Dabei zeigt sich schon früh ein Charakterzug, den wir namentlich am jungen Goethe noch häufig bemerken werden: Wo er sich empfindlich und unsicher wähnt, geht er mit großer Energie dagegen an. Als Student in Straßburg unterwirft er sich einer regelrechten Selbsterziehung gegen Ängste und Abneigungen. Ihn schwindelt leicht – also steigt er aufs Münster und blickt immer wieder tapfer in die Tiefe. Lärm macht ihm zu schaffen – also geht er beim Zapfenstreich neben den Trommlern einher. Seine medizinischen Studien treibt er mit einem Hintersinn: Er will den Anblick von Toten, von Operationen und Blut ertragen lernen. Nachts sucht er einsame Orte auf, an denen es ihm gruselt, Friedhöfe und nächtliche Kapellen. Offenbar hat er mit seinen Übungen Erfolg, denn immer wieder wird es Augenblicke im Leben des erwachsenen Goethe geben, in denen er großen persönlichen Mut unter Beweis stellt.

Sein Lernpensum in der Schule und später daheim ist umfangreich und von ganz anderem Aufbau, als ihn der Schüler heute kennt. Natürlich steht Geschichte auf dem Plan, aber sie ist ihm damals »ein Mischmasch von Irrtum und Gewalt«. Auch Mathematik entzückt ihn wenig. Physik gefällt ihm schon besser – vor allem wenn er von der Frankfurter Messe eine kleine Elektrisiermaschine mitgebracht bekommt oder ein Prisma, mit dem er das Licht brechen kann. Sein Geometrie-Unterricht scheint sich im wesentlichen auf das Entwerfen, Falten und Kleben von Kästchen zu beschränken. Dafür gilt Schönschreiben als besonders wichtiges Fach. Von der Bedeutung einer guten Schrift kann man sich heute, da fast jeder Haushalt über eine Schreibmaschine oder einen PC verfügt oder gleich aufs Telefonieren ausgewichen wird, kaum mehr eine Vorstellung machen. Deutliches Schreiben war einfach wichtig, wenn Briefe richtig verstanden, amtliche Schriften klar und Anordnungen eindeutig bleiben sollten. Im Herbst 1756 engagiert Goethes Vater sogar einen Meister dieses Faches, den »Magister artis scribendi« Johann Heinrich Thym, der dem Jungen ein Büchlein mit Vorschriften zeichnet. Noch die ausgebildete Schrift des reifen Goethe hat erstaunliche Ähnlichkeit mit dem damals Geübten.

Gelesen wird viel und von allen Mitgliedern der Familie. Wo die Schullektüre zum Erzählten, zum Märchen- und Bildhaften neigt, da ist der Junge schon gewonnen. Deshalb liebt er auch die Bibel, besonders das Alte Testament sehr. Er kennt den »Robinson« und Schnabels »Insel Felsenburg«, eine damals sehr beliebte deutsche Robinsonade. In Frankfurt gibt es einen Verlag, der die berühmten Volksbücher – »auf das schrecklichste Löschpapier fast unleserlich gedruckt« – in Heftchenform herausbringt. Sie zerlesen sich schnell, aber für ein paar Kreuzer können sich die Kinder immer wieder neu den »Eulenspiegel« und »Die vier Haimonskinder« kaufen, »Die schöne Magelone«, den »Fortunatus«, den »Ewigen Juden« und – das »Volksbuch vom Doktor Faust«.

Sprachbegabt war Goethe von klein auf. Lateinisch kann er wirklich gut. Griechisch liest er meist mit einer lateinischen Parallelübersetzung. Im Französischen ist er nicht schlecht, aber Cornelia besser. Im Italienischen dominiert natürlich zunächst der Vater. Englisch gibt’s nicht nur beim Hauslehrer, sondern ein Weilchen auch bei einem jungen Engländer, mit dem sich die Geschwister und ihre Freunde im Gespräch üben. Grammatiken und trockene Lehrbücher liebt der Junge nicht so sehr. Er schätzt auch hier stets das Anschauliche, und so erfindet sich Goethe eines Tages zum Üben all der Sprachen einen kleinen, heute nicht mehr erhaltenen Roman. Er handelt »von sechs bis sieben Geschwistern, die, voneinander entfernt und in der Welt zerstreut, sich wechselseitig Nachricht von ihren Zuständen und Empfindungen mitteilen«.

Da hat nun jeder seine Sprache: der älteste Bruder deutsch; ein anderer studiert Theologie, schreibt also lateinisch, ab und an mit griechischen Fußnoten; ein Hamburger Handlungsdiener erledigt den englischen Teil der Korrespondenz, einer lebt in Frankreich, der Musikus der Familie ist fürs Italienische zuständig, »und der jüngste, eine Art von naseweisem Nestquackelchen, hatte, da ihm die übrigen Sprachen abgeschnitten waren, sich aufs Judendeutsch gelegt, und brachte durch seine schrecklichen Chiffern die übrigen in Verzweiflung und die Eltern über den guten Einfall zum Lachen«.

Auf so eine Idee muß man erst einmal kommen. Wunderkindmäßig wird sie aber dennoch nicht ausgeführt worden sein, denn was von Goethes frühesten Arbeiten erhalten ist – zwei Gedichte an die Großeltern, die er mit sieben und zwölf schreibt –, sind talentierte Fleißproben eines allenfalls frühreifen Kindes, mehr nicht. Das erste fängt mit den Worten an:

Erhabner Großpapa!

           Ein neues Jahr erscheint,

Drum muß ich meine Pflicht und Schuldigkeit entrichten,

Die Ehrfurcht heißt mich hier aus reinem Herzen dichten,

So schlecht es aber ist, so gut ist es gemeint.

Es endet mit den Worten: »Dies sind die Erstlinge, die Sie anheut empfangen,/Die Feder wird hinfort mehr Fertigkeit erlangen.« Der Vater bemüht sich mit seinem Unterricht, daß sie das auch wirklich tut. Es sind frühe Hausaufgaben des Sohnes erhalten, über die er später als Erwachsener den Titel »Labores Juveniles« (Jugendliche Arbeiten) setzt. Sie umfassen Abschreibübungen, Aufsätze und ihre Übertragung ins Lateinische, darunter auch etliche steife Dialoge zwischen Vater (Pater = P) und Sohn (Filius = F). Einer gibt Aufschluß über ein Ereignis, das den Sechsjährigen sehr beschäftigt hat. Zwei Wochen nach dem Tode der Großmutter 1754 macht sich der Vater daran, das mittelalterlich verwinkelte Heim am Hirschgraben – ein größeres Haus und ein kleines, angrenzendes – vom Keller bis zum Dachgeschoß renovieren und vereinigen zu lassen und ihm eine zeitgemäße Fassade zu geben. Jahre später möchte Goethe den Grundstein des Hauses (lapis fundamentalis) wieder einmal sehen und steigt mit seinem Vater in den großen Keller hinab.

F. Nunmehro sehe ich ihn wohl und erinnere mich, daß ich ihn unter vielen Feyerlichkeiten mit eigener Hand eingemauret habe.

P. Kanstu dich noch mehrer Umstände die dabey vorgefallen erinneren.

F. Warum nicht. Ich sehe mich nehmlich in der Tiefe als einen Maurer gekleidet mit der Kelle in der Hand unter vielen Maurer-Gesellen stehen, und hatte den Steinmetzen Meister zur Seiten.

P. Wurde den dabey sonst nichts geredet?

F. Ja wohl. Es fing der Obergeselle zwar nach Gewohnheit aine Rede an konte sie aber nicht ausfüren und unterlies nicht sich die Haare auszurauffen da er von so vielen Zuschauern inzwischen ausgelacht wurde.

P. Was denckstu den nun gutes bey diesem Stein, nach dem dich so sehr verlanget?

F. Ich gedencke und wünsche daß er nicht eher als mit dem Ende der Welt verrücket werden möge.

Der Vater verwirklicht seine Baupläne zwischen April 1755 und Januar 1756, ohne daß die Familie auszieht. Es gibt zwar ein erhebliches Durcheinander in den Gemütern der Kinder – immerhin wurde nun eingerissen, was früher erhaltenswürdig schien, und beschmutzt, was sonst sauberzuhalten war –, aber Johann Caspars Organisation gerät nie durcheinander. Erst als das Dach an die Reihe kommt und der Regen durch die Wachstuchplanen in die Betten pladdert, werden die Kinder zu Freunden gegeben. Es ist zugleich der Beginn ihrer öffentlichen Schulzeit.

Goethe nimmt das alles mit wachen Sinnen auf, zumal mit offenen Augen. Er ist ein Augenmensch von Anfang an bis hin zu seiner letzten Lebensäußerung. Am Anfang der Kindheit steht eine optische Sensation. Vom Vater auf dem Arm gehalten, wird der Kleine auf den Mond aufmerksam gemacht. Kaum sieht er ihn, fällt er wie erschüttert zurück und gerät außer sich. Johann Caspar muß ihm Luft einblasen, damit er nicht erstickt. Eine andere »Sensation« schließt in gewissem Sinne seine Kindheit ab. In Frankfurt grassieren 1758 die Blattern. Der Neunjährige erkrankt und wird sogar für einige Tage blind. Tapfer übersteht er jene Zeit, die schließlich nicht nur peinvoll ist, weil er sich nicht kratzen darf, sondern vor allem durch die Angst, ob er jemals wieder etwas werde sehen können.

Die Krankheit bedeutet für Goethe übrigens das Ende des Besuchs der öffentlichen Schule. Danach wird er nur noch zu Hause im Hirschgraben unterrichtet. Ein Straßenname übrigens, der den Jungen verwundert, weil er weder Hirsch noch Graben sieht. »Man erzählte sodann, unser Haus stehe auf einem Raum, der sonst außerhalb der Stadt gelegen, und da, wo jetzt die Straße sich befinde, sei ehmals ein Graben gewesen, in welchem eine Anzahl Hirsche unterhalten worden. Man habe diese Tiere hier bewahrt und genährt, weil nach einem alten Herkommen der Senat alle Jahre einen Hirsch öffentlich verspeiset, den man denn für einen solchen Festtag hier im Graben immer zur Hand gehabt […]«

Goethes Eltern sind lutherische Protestanten, aber durchaus keine engen, sonst hätten sie sich nicht im Hause eines reformierten Verwandten trauen lassen, zu einer Zeit, da Haustrauungen eher unüblich und Reformierte in Frankfurt von allen städtischen Ämtern ausgeschlossen sind. Die Mutter holt sich später sogar – zum Mißvergnügen des befreundeten Pfarrers – einen religiösen Freundeskreis ins Haus, welcher der Herrnhuter Brüdergemeine nahesteht. Ihr Glaubensgefühl findet in den Sonntagspredigten voller »Gemeinplätze« nicht die rechte Befriedigung. Oft überschlägt sie währenddessen in Gedanken häusliche Tätigkeiten und wartet ungeduldig darauf, wann der Herr Pfarrer wohl durch seine trockene »Lüneburger Heide« hindurch sei.

Der Junge wird also ganz bestimmt nicht bigott erzogen. Das elterliche Tun und Denken ist von eigenständiger und praktischer Frömmigkeit bestimmt. Der Vater – vielleicht in Erinnerung an einen geistig behinderten Halbbruder – nimmt zum Beispiel einen jungen Mann ins Haus, der, nachdem er schon seinen Dr. jur. geschafft hat, geisteskrank wird. Den Kindern ein wenig unheimlich, wohnt er 25 Jahre lang im Hause, hat ab und zu Tobsuchtsanfälle, tut aber niemandem etwas zuleide und bleibt in dieser Zeit vor den Zellen des damaligen »Tollhauses« bewahrt.

Auch Goethe selber dürfte in einem fraglosen Kinderglauben gestanden haben – bis zu jenem Moment, da er von dem großen Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 erfährt. Was mochte Gott sich dabei wohl gedacht haben: »Eine große, prächtige Residenz, zugleich Handels- und Hafenstadt, wird ungewarnt von dem furchtbarsten Unglück betroffen […] Sechzigtausend Menschen, einen Augenblick zuvor noch ruhig und behaglich, gehen miteinander zugrunde.«

Die Nachricht erfüllt damals ganz Europa mit Entsetzen. Im Januar 1756 hält Pastor Fresenius eine Predigt, in der er bemüht ist, den Schöpfer gegen mögliche Vorwürfe der Menschen zu verteidigen. Johann Caspar fragt hernach seinen Sohn, was er von alledem verstanden habe, und erhält zur Antwort: »Am Ende mag Alles noch viel einfacher sein, als der Prediger meint; Gott wird wohl wissen, daß der unsterblichen Seele durch böses Schicksal kein Schaden geschehen kann.« Wenn’s keine nachträgliche Erfindung der stolzen Mutter im Alter war, zeugt der Ausspruch von erstaunlicher Bewältigung der Glaubenskrise. Das Katechismus-Wissen, das dem Jungen später im Hinblick auf die Konfirmation Ostern 1763 verabfolgt wird, fällt dagegen weniger ins Gewicht. Nach der Feier ist er eher enttäuscht über den Ablauf der Beichte, die er sich ernstlicher, offenbarender, wohl mehr nach katholischem Ritus vorgestellt hat.

Goethes literarische Erziehung beginnt früh, wenn sie auch eher eine Summe glücklich zusammentreffender Umstände ist denn eine gezielte »Ausbildung«. Sie entspricht aber den jeweiligen kindlichen Bedürfnissen und Vorlieben und fällt deshalb auf denkbar fruchtbaren Boden. Das beginnt schon mit dem Geschichtenerzählen der Mutter und wird durch das Weihnachtsgeschenk eines Puppentheaters fortgesetzt. Es gehören die bereits erwähnte Lektüre der Volksbücher dazu, Märchen, Schullektüre voll seltsamer Welthaltigkeit (Bibel, antike Dichter, Spruchweisheiten) und schließlich der Besuch des Theaters.

Die Gutenachtgeschichten der Mutter finden beim »Hätschelhans« natürlich das denkbar aufmerksamste Publikum. Da »verschlang er mich bald mit seinen großen schwarzen Augen, und wenn das Schicksal irgend eines Lieblings nicht recht nach seinem Sinn ging, da sah ich, wie die Zornader an der Stirn schwoll und wie er die Tränen verbiß«. Droht es zu arg zu kommen, wird die Fortsetzung verschoben. In der Zwischenzeit biegt er sich die Geschichten nach seinem Gutdünken zurecht, wendet aufziehende Katastrophen ab und teilt dann alles Oma Göthe mit. Die gibt’s der Mutter weiter, so daß jene vorbereitet ist. »Wenn ich dann am nächsten Abend die Schicksalsfäden nach seiner Angabe weiter lenkte und sagte: ›Du hast’s erraten, so ist’s gekommen‹, da war er Feuer und Flamme und man konnte sein Herzchen unter der Halskrause schlagen sehen.«

Zu Weihnachten 1753 – dem letzten Fest, das die 86-jährige Großmutter Göthe noch erlebt – bekommt der Enkel von ihr ein Puppentheater geschenkt, auf dessen kleiner Bühne schon eine »Saul«-Aufführung vorbereitet ist. Für diesen hölzernen Kasten, der noch heute im dritten Stockwerk des Goethe-Hauses steht, schreibt er seine ersten Stücke, studiert sie mit Freund und Freundin ein, sitzt davor und steht mit noch größerer Begeisterung dahinter. Der schäbige Kasten mit dem perspektivisch sich verjüngenden Schachbrettmuster auf dem Boden, den Vorrichtungen für Haupt- und Zwischenvorhänge ist die »Vorschule« des größten deutschen Dramatikers. Auf diesen Bretterchen wird so manches nachgespielt, was die Kinder aus der Bibel und den billigen Volksbüchern kennen. Hier lernt Goethe, mit den Unzulänglichkeiten jeder Bühne, der Unzuverlässigkeit jeden Ensembles und der Erschöpfbarkeit jeden Publikums umzugehen. 1809 gedenkt er des Geschenks in »Dichtung und Wahrheit« noch ebenso innig wie 1777 in den Anfangspassagen des Romans »Wilhelm Meisters theatralische Sendung«.

Überhaupt das Theater! Frankfurt bekommt erst 1782 ein eigenes Komödienhaus; die reife Frau Rätin hat es dann oft und gern besucht. Aber zur Messezeit kamen auch schon früher wandernde Theatergruppen in die Stadt. Auf dem Roßmarkt, hinter der Hauptwache oder auf dem Liebfrauenberg schlagen sie ihre Schaubuden auf und bieten Erschröcklich-Ergötzliches von meist zweifelhaftem Niveau. Man darf es sich wohl so vorstellen, wie’s der junge Goethe später in seiner Posse »Jahrmarktsfest zu Plundersweilern« beschreibt.

Als Frankfurt 1759 von den Franzosen besetzt wird, kommt, sozusagen als Truppenbetreuung, ein französisches Ensemble in die Stadt. Goethe besucht dessen Aufführungen häufig – und heimlich. Der Vater darf nichts davon wissen, die Mutter hingegen duldet es. Aus dem Kreis der Schauspieler gewinnt er sich einen etwa gleichaltrigen Jungen zum Freund. Der nimmt ihn auch hinter die Bühne mit, wo Schauspieler und Schauspielerinnen ihre Kleider wechseln, ohne sich dabei von den Kindern stören zu lassen. Verwirrende Erfahrung für den 10-jährigen Bürgerssohn!

Das französische Theater, obwohl frei für jedermann, ist im Grunde ein Theater von Fremden für Fremde. Goethe bietet es freilich unersetzliche Lehrstunden in Französisch und eine prächtige Einführung in die klassische Dramenliteratur von Molière bis Racine. Von der theaterbegeisterten Mutter ist bekannt, daß sie schon beim Lesen eines Stückes und vollends über dem Anschauen in naiv-herzliche Anteilnahme verfallen kann. Einmal amüsiert sie der bloße Text eines Weimarer Karnevalspiels so, daß er sie zu den Worten hinreißt, das Ding müsse man lesen, »wen der Unterleib verstopt ist und vor die Kur bin ich Bürge«.

Als die Frankfurter Komödie bei sommerlicher Hitze und kaum fünfzig Besuchern ein Stück Goethes spielt, ruft sie von ihrer Loge auf die Bühne hinunter: »Herr Wery, spielen Sie nur tüchtig, ich bin da.« Die Schauspieler geben also ihr Bestes, um der Mutter des mittlerweile berühmten Dramatikers zu genügen, so daß sie ihnen am Ende zuruft, das wolle sie ihrem Sohn schreiben. Darüber fängt ein Gespräch an, das den Zuschauern an jenem Tag sicher weitaus mehr Unterhaltung bietet als die Dialoge des Sohnes. Vielleicht läßt diese Episode aber auch Rückschlüsse auf Goethes Beweggründe zu, sich die Mutter in späteren Jahren gern auf Abstand zu halten; zu einem Umzug nach Weimar ermuntert er die temperamentvolle Dame jedenfalls nicht. Goethes eigene Art illustriert wohl eher eine Anekdote aus der Zeit des Herrn Ministers und Leiters des Weimarischen Theaters, die beschreibt, wie er sich in »seinem« Theater einmal während einer Aufführung erhebt und mit mächtiger Stimme ins Publikum ruft: »Wird’s bald still?«

Die Franzosen sind nicht von ungefähr in die Stadt gekommen. Als die 23-jährige Habsburgerin Maria Theresia nach dem Tode ihres Vaters, Kaiser Karls VI., 1740 den Thron bestiegen hatte, fochten die Kurfürsten von Bayern und Sachsen die Erbfolge an. Diesen Streit nutzt der Preußenkönig Friedrich II., erobert im selben Jahr Schlesien, das zum Reich der Habsburger gehört hatte, und untermauert seinen Sieg 1744/45. Der dritte schlesische Krieg weitet sich dann zum sogenannten Siebenjährigen Krieg aus (1756–1763). Wechselnde Bündnisse bringen es mit sich, daß nun Frankreich und Österreich, Rußland und Schweden gegen Preußen stehen.

Die Frankfurter merken von alledem zunächst nicht viel. Ein paarmal ziehen französische Truppen nach festgelegtem Reglement durch die Stadt: Einzelne Bataillone werden zum einen Tor hineingelassen und zum anderen wieder hinausbegleitet, erst dann dürfen die nächsten durchziehen. Weil das Deutsche Reich bei diesem Krieg sofort die Sache seiner angegriffenen Mitgliedsstaaten Sachsen und Österreich aufgenommen hatte, marschieren bald auch reichsstädtische Soldaten gegen Preußen. Dennoch gehen die Auseinandersetzungen quer durch die Stadt, denn die Protestanten halten natürlich eher zu Friedrich als zum katholischen Habsburg.

Dieser Riß trennt sogar die Familien Goethe und Textor. Vater Goethe ist »fritzisch« gesinnt, Schwiegervater Textor als Schultheiß der Reichsstadt habsburgisch. Jäh wird eines Tages der sonntägliche Brauch der Goethes abgebrochen, mittags bei den Textors zu essen. Während einer Familienfeierlichkeit unterstellt Goethe senior seinem Schwiegervater, er habe sich von den Franzosen bestechen lassen, damit sie die Stadt besetzen konnten. Textor kriegt die Wut und wirft mit dem Messer nach Goethe. Der dringt nun mit dem Degen auf ihn ein, und schließlich müssen sich Umstehende zwischen die Streithähne werfen, um das Schlimmste zu verhüten.

Zu diesem Zeitpunkt sind rund 7 000 französische Soldaten in und um Frankfurt einquartiert. Die Stadt ist ein wichtiger Stützpunkt für sie. Da sie zuvor immer abgewiesen worden waren, wird Anfang 1759 unter Führung Comte de Thorancs ein Bataillon offiziell in die Stadt eingeschleust und sorgt dann handstreichartig dafür, daß weitere Truppen nachdringen können. François de Théas Comte de Thoranc wird von seinem Vorgesetzten zum königlichen Statthalter in Frankfurt erklärt. Der 40-jährige Provenzale erweist sich schnell als ebenso taktvoller wie taktisch geschickter Standortverwalter. Er quartiert sich im Hause Johann Caspar Goethes ein, wo er den ersten Stock in Beschlag nimmt. Das Haus im Hirschgraben ist nun ein öffentliches Gebäude mit amtlichem Charakter und muß Tag und Nacht zugänglich sein, weshalb von Januar 1759 bis Juni 1761 eine Schildwache vor dem Hause steht. Flur und Treppen sind nun von morgens bis abends voller Bittsteller und streitender Parteien, Anordnungen werden getroffen, Befehle erlassen – und Vater Goethe muß bei alledem murrend beiseite stehen.

Thoranc, ein unbestechlicher und den bildenden Künsten zugeneigter Mann, wird zwar später wegen seiner Verdienste um die Stadt Frankfurt zum Reichsgrafen erhoben, von ihren Bewohnern behält er gleichwohl die denkbar schlechteste Meinung. Er findet, sie seien bestechliche und einzig auf ihren Vorteil bedachte Krämerseelen.