Jean G. Goodhind

Der Tod ist kein Gourmet

Honey Driver ermittelt

Kriminalroman

Aus dem Englischen von Ulrike Seeberger

Impressum

Die Originalausgabe unter dem Titel

Wicked Words

erschien 2010 bei Severn Publishing House Ltd., Sutton, Surrey.

ISBN 978-3-8412-0376-2

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, August 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Erstausgabe erschien 2012 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Copyright © by Jean Goodhind 2010

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© Laralova, © Martin Surny und © Brandi Powell

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

Inhaltsübersicht

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechzehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Einundzwanzig

Zweiundzwanzig

Dreiundzwanzig

Vierundzwanzig

Eins

Der Löffel des Baggers hatte gefährlich aussehende Spitzen, die mit schrecklichem Knirschen in die Betonplatte über der Senkgrube eindrangen. Zuerst sah man nur ein feines Netz von Rissen, Zement, der wie Knochen zerbarst. Die Platte war etwa fünfzehn Zentimeter dick, und allmählich kam die Metallarmierung zutage, die sie zusammenhielt.

Die Senkgrube wurde nicht mehr benutzt, seit die Toiletten bei der Kirche von St. Luke im Dörfchen Much Maryleigh fließendes Wasser hatten und an die Hauptkanalisation angeschlossen waren. Die Grube lag jenseits der Friedhofsmauer auf einem Feld, in der nötigen Entfernung von den Gräbern der Dorfbewohner aus Vergangenheit und Gegenwart. Das Feld selbst war kein Acker mehr, sondern inzwischen eine umweltfreundliche Begräbnisstätte. Hier gab es keine Grabsteine, sondern nur junge Bäume, die aus den Gräbern der kürzlich Verstorbenen sprossen. Bald würde hier ein Wäldchen gewachsen sein.

Zwei Männer führten die Arbeiten durch. Der eine fuhr den Bagger, der andere schaute zu. Der Letztere, der ältere von beiden, schaute auf und sah einen Mann, den er als Peter Pierce erkannte, auf sich zukommen. Seine Oberlippe verzog sich zu einem verächtlichen Grinsen. Pierce war einer der jüngst Zugezogenen im Dorf. Er kam, mit den Armen wedelnd, über das Feld gelaufen.

Der ältere Mann blickte nun außerordentlich grimmig, wies seinen jüngeren Gefährten mit einer Geste an, den Bagger auszuschalten, und wandte sich ihrem Nachbarn zu.

»Das können Sie nicht machen!«, rief Pierce, nachdem er heftig schnaufend, mit hochrotem Kopf und weit offenen Mund stehen geblieben war. »Das ist mein Land. Es steht in meiner Grundbuchurkunde«, schrie er keuchend. »Mein Rechtsanwalt hat Ihnen deswegen schon geschrieben.«

Ned Shaw bemühte sich nicht einmal, freundlich zu schauen. Pierce bluffte nur. Wenn einer wie er mit irgendwas nicht einverstanden war, ließ er gleich seinen Rechtsanwalt einen Brief verfassen, griff zu Unterlassungsklagen und wer weiß was noch, nur um zu verhindern, dass es mit einer Unternehmung voranging.

»Das war mein Feld, Pierce. Lange, ehe Sie hierhergekommen sind, war es meines.«

»Es war Gemeindeland«, erwiderte Pierce. »Alle haben es genutzt.«

»Und Sie auch«, antwortete Ned mit mürrischer Miene. »Damit hatte ich kein Problem, solange wir das Land nicht gebraucht haben. Aber jetzt ist es verkauft.«

»Aber es ist von historischer Bedeutung«, platzte Pierce heraus.

Neds Züge verhärteten sich. »Kompletter Schwachsinn!«

Seine Familie lebte seit vielen Generationen im Dorf. Er machte kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegen Zugezogene wie Peter Pierce. Ihnen gab er die Schuld für seine veränderten Trinkgewohnheiten. Früher war er ein treuer Stammgast im Poacher gewesen, aber diese Kneipe war nun schrecklich schickimicki geworden, nichts als überteuerter Edelfraß und indirekte Beleuchtung.

Jetzt trank er sein Bier öfter im Rose and Crown, einem traditionelleren Gasthaus, wo noch Darts gespielt wurde und die Höchstleistung der Küche ein Steak mit Pommes frites war.

Auf seine Schaufel gelehnt, sprach Ned in sachlichem Ton mit Pierce. »Wenn Sie nicht vor der Zeit beerdigt werden wollen, sollten Sie machen, dass Sie hier wegkommen. Das Land ist verkauft, Sie können es nicht mehr nutzen. Und ganz gleich, wie sehr Sie sich bemühen, dieses Land stand immer schon in meiner Grundbuchurkunde. Es ist kein Gemeindeland. Es ist meines, und ich kann damit machen, was ich will.«

Peter Pierce hatte zu seinem großen Unglück einen schönen rosa Kussmund. Nun schmollte er wie ein junges Mädchen.

»Die Leute von der Universität haben gesagt, es könnten hier wichtige Artefakte vergraben liegen ...«

Ned Shaw grinste höhnisch. »Die haben schon vor Jahren Ausgrabungen gemacht und rein gar nichts gefunden.«

»Trotzdem könnte doch ...«

»Schwachsinn! Hier sind jetzt nur noch Leichen.«

Peter Pierce sah aus, als könnte er jeden Augenblick platzen.

»Sie hatten nicht das Recht, das Land an diese Leute zu verkaufen, an diese ... Hippies!«, brüllte er. Er warf dem Fahrer des Baggers aus funkelnden Augen einen grimmigen Blick zu, blies seine Wangen auf wie einen rosa Blasebalg.

Ned Shaw wich keinen Fußbreit zurück, hatte die Hemdsärmel aufgerollt und zeigte kampfbereit seine muskulösen, haarigen Arme.

Der Hippie-Kommentar war offensichtlich gegen den Baggerfahrer gerichtet, einen der Leute, die das Land von Ned erworben hatten.

Das Feld war über Generationen im Besitz der Familie Shaw gewesen, die manchmal ihr Vieh darauf weidete, es dann wieder umpflügte, wenn ihr Sinn danach stand, und es sonst brachliegen ließ. Wie Ned Peter Pierce erklärt hatte, hatte er nichts dagegen gehabt, dass andere Leute das Land nutzten, wenn er das nicht tat. Die Kinder hatten dort gespielt, Liebespaare hatten im August hier gelegen, wenn das Gras golden und hoch stand und der Boden warm war.

Ned war nicht völlig überzeugt gewesen, dass das Projekt einer umweltfreundlichen Begräbnisstätte funktionieren würde, aber die hatten ihm einen Haufen Geld geboten, und er hatte ihnen das Feld verkauft. Er hatte das Recht, damit zu machen, was er wollte, aber Peter Pierce blieb eisern, er beharrte darauf, dass das Land ihm gehörte, und alles nur wegen der Form des Grundstücks und einer Mauer. Auf Peters Seite der Mauer jenseits des Kirchengrundstücks stand ein Schuppen aus Ziegelsteinen, den er zu einem Pumpenraum für seinen Swimming Pool umgebaut hatte. Seiner Meinung nach folgte daraus, dass ihm die ganze Mauer gehörte.

»Schauen Sie mal, ich habe es Ihnen doch schon gesagt«, hob Ned an, der langsam die Geduld verlor. »Die Mauer und dieses Land ...«

Peter Pierce schüttelte so heftig den Kopf, dass es aussah, als liefe er Gefahr, ihn zu verlieren. »Davon wüsste ich aber was!«, blaffte er. »Ich werde mich mit meinem Rechtsanwalt in Verbindung setzen. Ich werde der Sache auf den Grund gehen. Das werden Sie schon sehen! Bis dahin hören Sie gefälligst auf mit diesen Arbeiten, oder ich verschaffe mir eine einstweilige Verfügung. Sie können gleich jetzt aufhören, diese Senkgrube zu demontieren!«

Er hatte genau die Argumente vorgebracht, die Ned ohnehin erwartet hatte. Ned riss der Geduldsfaden. Seine Hand schoss vor und packte Peter Pierce am Kaschmirpullover. Jetzt standen die beiden Männer Nase an Nase, Auge in Auge da.

Wut brodelte in Neds Stimme.

»Wenn Sie nicht sofort machen, dass Sie mir aus den Augen kommen, verdammt noch mal, dann fliegen Sie gleich selbst in die Senkgrube und können sich in der Scheiße suhlen, von der Sie behaupten, es wäre Ihre. Kapiert?«

Ganz plötzlich ließ Ned Peter Pierce los, damit erwischte er ihn auf dem falschen Fuß. Es war, als hätte ihn ein riesengroßes Gummiband festgehalten, das ihn nun plötzlich freigab und ins Stolpern brachte. Er taumelte und fiel der Länge nach auf einen Haufen mit Laub und Abfällen, den Grundstock für den neuen Komposthaufen.

»Da wird Ihre bessere Hälfte zu Hause sich aber freuen, wenn Sie so gut riechen«, höhnte Ned.

Peter rappelte sich auf und deutete mit zitterndem Finger auf Ned. »Das werden Sie noch bereuen, Ned Shaw. Sie kriege ich noch beim Wickel.«

Ned stürzte auf ihn zu – nur ein paar Schritte, aber genug, um Peter Pierce in die Flucht zu schlagen, der nun ungeschickt, aber schnell zurückwich.

»Sie werden von meinem Rechtsanwalt hören«, brüllte er, sobald er außerhalb der Reichweite von Neds großen, furchterregenden Händen in Sicherheit war. »Und ich zeige Sie an. Wegen Bedrohung und tätlichem Angriff. Dann werden wir ja hören, was Sie zu sagen haben.«

Joss, der jüngere Mann, sprang aus der Kabine des Baggers, schüttelte sich die Dreadlocks aus den Augen und legte Ned beruhigend die Hand auf die Schulter.

»Nehmen Sie gar keine Notiz von dem Wichser.«

Neds Augen waren nur noch schmale Schlitze, seine Miene wirkte besorgt. Er schüttelte die Hand von seiner Schulter und antwortete finster: »Sie sind ja auch nicht vorbestraft.«

Zwei

Gloria Cross sah traumhaft aus in ihrem schwarzen Kostüm mit der frischen weißen Bluse, den schwarzweißen Kitten Heels und der farblich passenden Handtasche.

Ihre Tochter Hannah Driver, von ihren Freunden Honey genannt, stand neben ihr. Ihre weiße Baumwollschürze war über und über mit Ketchup und Soße bespritzt.

»Du siehst toll aus, Mutter. Schwarz steht dir.«

Sie sprach die Wahrheit. Wenn es um die Auswahl von Kleidung und um tolles Aussehen ging, war Honeys Mutter Weltspitze. Honey dagegen fand selten die Zeit, sich so schick herzurichten. Oder so gut zu duften. Ihre Mutter roch nach einem sehr teuren französischen Parfüm.

»Wunderbares Parfüm«, sagte Honey.

»Das kann man von deinem nicht behaupten«, erwiderte ihre Mutter und rümpfte die Nase. »Du stinkst nach Speck und Grillwürstchen.«

Honey schnupperte an ihrem Ärmel. Ihre Mutter hatte recht.

Gloria Cross strich sich den Rock elegant über die schmalen Oberschenkel und setzte sich auf dem besten, vielmehr dem einzigen Stuhl, den das Büro ihrer Tochter zu bieten hatte, noch ein wenig bequemer zurecht. Honey hockte auf der Schreibtischkante.

Die Miene ihrer Mutter war ein wenig betrübt. Daraus und aus dem schwarzen Outfit schloss Honey, dass ein trauriger Anlass auf der Tagesordnung stand.

Und da kam’s auch schon.

»Sean O’Brian ist tot.«

»O je.«

»Aber zumindest ist er mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben.«

»Ach, wirklich?«

»Er war auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau im Bett. Du weißt doch, dass er wieder geheiratet hat, nicht? Ich habe dir davon erzählt.«

»Ja, natürlich hast du das«, antwortete Honey und setzte eine angemessene Trauermiene auf, verschränkte die Arme und nickte, als sei sie von diesem Verlust tief betroffen – was sie, ehrlich gesagt, überhaupt nicht war. Ihrer Meinung nach war Sean O’Brian ein alternder Lustmolch gewesen. Sie hatte blaue Flecke am Hintern, die das klar bezeugten. Trotz seines Alters hatte er noch einen ziemlich festen Griff gehabt.

»Wir werden ihn sehr vermissen«, sagte Gloria Cross mit einem Seufzer.

Honey schaute weg und verdrehte die Augen. Ihr jedenfalls würde der Kerl bestimmt nicht fehlen. Ihr kam in den Sinn, dass sie ihre Mutter nie gefragt hatte, ob Sean seinen tödlichen Kneifgriff auch mal an ihrem Hinterteil erprobt hatte. Das würde sie niemals wagen, und außerdem war der Mann ja jetzt tot. Er würde niemanden mehr zwicken, und man sollte ja von Toten nicht schlecht reden.

Sie gab sich alle Mühe, Mitgefühl zu zeigen. »Da bin ich mir sicher. Was für ein Pech, ausgerechnet auf der Hochzeitsreise.«

Es klopfte an der Tür, und Steve Doherty kam herein, der ein wenig blasser als gewöhnlich aussah und außerdem außerordentlich adrett und glattrasiert. Obwohl sein vertrauter Dreitagebart fehlte und die Anwesenheit ihrer Mutter der Sache einen Dämpfer aufsetzen würde, sah Honey in seinen Augen ein lüsternes Versprechen aufblitzen.

Sie lächelte ihn an.

Er lächelte zurück, wenn er auch nervöser als sonst wirkte.

»Ich hoffe, ich bin nicht zu spät dran.«

Er schien seine Nervosität in den Griff zu bekommen, und auch sein Lächeln war ein wenig tapferer geworden.

Das gefiel Honey, und sie zwinkerte ihm aufmunternd zu.

»Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du das machst.«

Er zuckte die Achseln. »Kein Problem.«

Sie hatte ihn um den Gefallen gebeten, etwas zu tun, was er noch nie getan hatte. Und er war gekommen und würde es machen.

»Hast du schon Kaffee getrunken?«, fragte Honey.

Er schüttelte den Kopf. »Nein, lieber nicht. Ich habe Smudger rausgehen sehen. Ich soll dir von ihm sagen, dass er sich einen Salamander anschauen geht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass er sich für Reptilien interessiert.«

Honey grinste. Sie würde ihm später erklären, dass ihr Steakgrill – in der Gastronomie Salamander genannt – bald den Geist aufgeben würde.

Ihre Mutter unterbrach sie. »Wir haben gerade von Sean gesprochen, bitte!«

Gloria Cross mochte es gar nicht, wenn man sie nicht beachtete. Ihre mit Botox aufgepolsterten Lippen waren zu einer grellroten Linie zusammengekniffen. Von Steve Doherty nahm sie nur mit einer winzigen Bewegung ihres Kinns Notiz, ehe sie weiterplapperte, als wäre er nicht da.

»O ja, Sean war so ein liebenswerter Mann. So romantisch und von Kopf bis Fuß ein Gentleman.«

»Stille Wasser sind tief«, antwortete Honey.

Die Atmosphäre zwischen Doherty und ihrer Mutter war aufgeladen, aber die Blitze schleuderte Gloria Cross. Seit dem Ableben von Carl, Honeys Ehemann, befand sich Gloria Cross auf einer Art Kreuzzug, um angemessenen Ersatz für ihn zu finden – das heißt: in ihren Augen angemessener Ersatz. Obwohl Sean O’Brian tot war, schwärmte sie immer noch von ihm und seinem beträchtlichen Vermögen.

»Natürlich hätte es, wenn du ein bisschen geschickt vorgegangen wärst, letzte Woche deine Hochzeitsreise sein können. Wenn du dich recht erinnerst, er hat dich oft genug eingeladen, dich auf die Arktiskreuzfahrt mitzunehmen, die wir alle gemeinsam gemacht haben – wir vom Sechzig-Plus-Klub. Du hättest mitkommen sollen. Sean war sehr gut betucht.«

Honey schaute zu Steve und verdrehte die Augen. Diese Erwähnung von Seans Interesse an ihr war für Steves Ohren gedacht. Der erfüllte nämlich in keiner Weise die Standards, die Gloria für ihre Tochter verlangte. Er trug keine Rolex, fuhr ein japanisches Auto und hatte eine ausgeprägte Abneigung gegen das Rasieren.

Aber Doherty nahm den Schlag hin wie ein Mann. Er wusste aber auch, wie man austeilt. Diesmal nicht mit der Faust, sondern mit dem Finger, den er tadelnd vor Honeys Nase schwenkte. »Honey, du hättest auf deine Mutter hören sollen. Der Mann hatte alles zu bieten, was du nur wolltest – sogar seine eigenen Zähne. Und er konnte noch allein sein Bruchband zumachen.«

Honey unterdrückte nur mit Mühe ein Kichern.

Das Gesicht ihrer Mutter war bitterböse. »Das ist ja mal wieder typisch für deinen Wachtmeister. Scherze auf Kosten eines Toten, eines Mannes, der sich zu verteidigen gewusst hätte, wenn er hier wäre. Sarkasmus soll ja die niedrigste Form von Humor sein.«

Doherty hob beschwichtigend die Hände, brachte aber keinen reuigen Blick zustande. Er sah eher aus, als wollte er laut loslachen.

Gloria Cross erhob sich von ihrem Stuhl und baute ihre ganzen einssiebenundfünfzig vor ihm auf – einsfünfzig, wenn man die Kitten Heels abzog.

Dies war einer der Augenblicke, in denen sich Honey am liebsten die Ohren zugehalten hätte. All die guten Ratschläge und all die Kritik hatte sie schon oft gehört, und sie kannte das aufziehende Gewitter und die wie Blitze einschlagenden Kommentare nur zur Genüge.

Ihre Mutter war der Meinung, dass ein gut gepolstertes Bankkonto einen über das Alter, das Aussehen und das allgemeine Verhalten eines Mannes hinwegtrösten konnte, obwohl selbst sie wahrscheinlich nicht so weit gegangen wäre, einen schlampigen, schmuddeligen Mann in Erwägung zu ziehen. Was andere seltsame Vorlieben anging, so war das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Honey machte sich keine Illusionen. Sean O’Brian war ein Schürzenjäger gewesen und hatte es bei jeder versucht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagte man ja wohl, doch Sean O’Brian hätte wohl längst jegliche Hoffnung aufgeben sollen.

Honey erinnerte sich peinlich berührt an ihn. Er war der Typ Mann gewesen, der sich immer noch für einen fantastischen Tänzer hielt, obwohl er zweimal so alt war wie John Travolta und schon damals, als in den Diskos Saturday Night Fever der große Hit war, zu alt dafür gewesen war.

Er versuchte immer noch, alles zusammenzuhalten, indem er hautenge Jeans trug, wenn sie modern waren, und dazu zweifarbige Schuhe. Seine weißen Locken hingen ihm wie aufgedröselte Seile auf die Schultern oder waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Er hatte auch eine Vorliebe für offene Hemdkragen gehabt und auf seinem weißen Brusthaar ein goldenes Medaillon getragen.

Da er selbst mit Plateausohlen kaum größer als einssechzig war, hatte beinahe jedermann eine gute Aussicht auf seine kahle Stelle, über die er verzweifelt und vergeblich einige Strähnen kämmte, um sie zu verbergen.

Der Traum ihrer schlaflosen Nächte war er gewiss nicht. Und doch durfte sie nicht unbarmherzig sein. Sie versteckte sich hinter ihrer Kaffeetasse und riss sich zusammen, ehe sie ein Wort sprach.

»Also dann«, sagte sie fröhlich, obwohl sie, ehrlich gesagt, Doherty liebend gern für sich allein gehabt hätte, um ihm ein paar aufmunternde Worte mitzugeben, und was er sonst noch brauchte, um die Aufgabe, die sie ihm gestellt hatte, leichter zu bewältigen. Aber zunächst einmal musste sie ihre Mutter bei Laune halten. »Wie alt war denn der liebe alte Sean?«

Ihre Mutter seufzte. »Gar nicht so alt.«

Honey warf Steve Doherty einen warnenden Blick zu. Seine Ausgelassenheit war nun ein wenig gedämpft, weil er sich auf seine Sonderaufgabe konzentrierte, eine Aufgabe für die tapfersten unter den Polizisten, eine Aufgabe, die er wirklich nur ihr zuliebe übernommen hatte.

Honey hatte mit ihrer Frage den richtigen Ton getroffen. Glorias Gesicht hellte sich auf bei der Aussicht, ihr etwas mitzuteilen, das nur sie allein wusste. Es hatte damit zu tun, dass sie sich etwas auf ihr gutes Gedächtnis einbildete. »Mein Gedächtnis ist noch so gut wie mit zwanzig«, pflegte sie jedem zu beteuern, der es gewagt hatte, das Gegenteil zu vermuten.

»Er ist 1935 geboren«, erklärte sie ihnen, ob sie es wissen wollten oder nicht.

Honey nickte. »Hm, das hatte ich mir schon gedacht.« Verdammt viel zu alt für mich, überlegte sie. »Und wie geht es der Witwe?«

Ihr Mutter nickte nachdenklich. »Soso, lala. Es war eine gute Ehe, wenn auch keine lange. Arlene ist natürlich jünger als er und noch sehr aktiv. Wirklich sexy für ihr Alter.«

Honey war sich ziemlich sicher, dass Seans zweite Frau – jetzt seine Witwe – auch mindestens sechzig war. Die Hochzeitsreise war ein All-Inclusive-Urlaub auf irgendeiner Mittelmeerinsel gewesen, wo der alte Sean den Löffel abgegeben hatte.

Honey war nicht zur Hochzeit gegangen. Ihre Mutter dagegen schon.

»Er ist immer noch super im Bett«, hatte sie Honey informiert. »Arlene wird ihm guttun. Die mag einen Mann, der auf dem Gebiet was zu bieten hat.«

Honey lag auf der Zunge, dass es sein Tod gewesen war, ihr im Bett was geboten zu haben. An Dohertys Nasenspitze konnte sie ablesen, dass ihm ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen.

»Wann ist also die Beerdigung?«, fragte Honey und schaute Doherty vorsichtshalber nicht an. Sonst wäre jeglicher Respekt vor dem Verstorbenen dahin, und sie würden laut loslachen.

Ihre Mutter wühlte schon in der Handtasche herum, um das Taxigeld für die Fahrt zu ihrem nächsten Bestimmungsort herauszukramen – Mittagessen mit Freundinnen. Sie aß oft mit Freundinnen zu Mittag. Wenn sie nicht gerade im Second Hand Rose aushalf, dem Second-Hand-Laden für Designerkleidung, den sie mit einer Reihe älterer Freundinnen führte.

»Die Beerdigung ist am Dienstag. Deswegen bin ich ja zu dir gekommen. Es muss mich jemand hinfahren, also musst du mit. Es soll dir nicht leidtun. Hinterher gibt es ein tolles Büffet im Poacher, dem Gasthaus mitten im Dorf. Es ist ein bisschen wie das George in Norton St. Philip, allerdings nicht ganz so alt.«

Honey stöhnte innerlich auf. Sie wollte ja gern die brave Tochter sein, aber Beerdigungen waren nun einmal nicht ihre Lieblingsveranstaltungen.

»Ich bin mir nicht so sicher, Mutter ...«

Sie war schon im Poacher gewesen, und es hatte ihr dort gefallen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter konnte sie jedoch keinen Geschmack am geselligen Aspekt einer Beerdigung finden. Ihrer Meinung nach sollte ein Begräbnis traurig sein und einem Zeit zum Nachdenken geben. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass ihre Mutter und deren Freundinnen das anders handhabten. Für die waren Beerdigungen Teil ihres geselligen Treibens geworden. Wie bei Hochzeiten musste man darüber nachdenken, was man anziehen wollte, wie extravagant die Blumen und Kondolenzkarten sein durften und wie viel man dafür ausgeben wollte. Das ließ nämlich auf den sozialen Status schließen. Außerdem waren Beerdigungen wunderbare Anlässe, noch einmal die alten Geschichten aufzuwärmen, von Liebhabern, die man ausprobiert, verloren und denen man manchmal nachgetrauert hatte, und von möglichen zukünftigen Eroberungen. Honeys Mutter und ihre Freundinnen wurden älter, aber der alte Spruch stimmte offenbar, dass sehr wohl noch ein Feuer im Kamin lodern kann, auch wenn schon Schnee auf dem Dach liegt.

»Die Mädels kommen alle«, verkündete Gloria Cross, als wäre es schon Belohnung genug für Honey, mit einem Haufen alter Damen zu Mittag zu essen. Die Mädels, auf die Honeys Mutter angespielt hatte, bezogen alle schon Rente. Ihre Gesellschaft war angenehm, wenn auch nicht für Honey. Die hoffte, dass der Geschirrspüler wieder Zicken machen würde. Dann müsste sie zu Hause bleiben. Geschirr von Hand spülen, das hatte auch seine Vorteile.

»Ich würde ja auch sehr gern mitkommen, aber ich habe so viele andere Dinge ...«

»Wir wollen Sean mit ein, zwei Gläschen Sherry und mit ein paar Flaschen Chardonnay geziemend verabschieden, deswegen bitte ich dich ja, mich hinzufahren. Mary Jane hat mir angeboten, mich mitzunehmen, aber ich finde, es wäre nicht richtig, in einem rosa Auto da anzukommen. Es sei denn, sie sich kann dein Auto leihen? Das wäre nicht so schlimm.«

»Nein! Du hast recht. Man sollte nicht mit einem rosa Auto zu einer Beerdigung fahren. Zu einer Hochzeit, das ja, aber nicht zu einer Beerdigung. Ich fahr dich.«

Der bloße Gedanke daran, dass Mary Jane am Steuer eines Autos mit Rechtslenkung saß – ihres Autos mit Rechtslenkung –, war ein Unding. Mary Jane hatte ihr rosa Cadillac-Coupé mit Linkssteuerung eigens aus Kalifornien überführen lassen und benutzte es mindestens einmal in der Woche. Sie stellte es in einer Garage ein, die sie vom Fischlieferanten des Hotels angemietet hatte.

»Manchmal riecht es ein bisschen nach Fischmarkt, aber das ist mir immer noch lieber, als dass irgendwelche Halbstarken es klauen, damit Spritztouren machen und es zu Schrott fahren«, hatte Mary Anne verkündet.

Mary Jane hatte überhaupt keine Bedenken dagegen, mit Linkssteuerung auf der linken Straßenseite zu fahren. Doch sie war nicht sonderlich erpicht darauf, zu Sean O’Brians Beerdigung zu gehen.

Honeys Mutter stand vor der halb geöffneten Bürotür. Wenn man in einem bestimmten Winkel hineinschaute, konnte man sich ziemlich gut im Glas spiegeln. Gloria Cross bewunderte ihre Erscheinung, zupfte sich das Haar zurecht und entfernte mit einem eleganten Fingernagel ein winziges Fleckchen Lippenstift aus dem Mundwinkel.

»Es wird dir gefallen«, behauptete sie, während sie die Lippen spitzte. »Erst der Gedenkgottesdienst in St. Luke und dann die Beerdigung auf der Friedwiese.«

»Ist das nicht das Gelände neben der Kirche? Der umweltfreundliche Friedhof, wo man in einem biologisch abbaubaren Sarg beerdigt werden kann?«

»Genau. Aber ich bin mir sicher, dass Sean einen recht anständigen Sarg haben wird. Der hat immer schon etwas für Luxus übriggehabt. Ich glaube, das war Arlenes Entscheidung«, fügte Gloria Cross mit Flüsterstimme hinzu. »Ich bin ja nicht so dafür. Es klingt alles ein bisschen zu schäbig. Es geht doch nichts über ein schönes Mahagoni, wenn ihr mich fragt.«

»Ich hoffe, das sagst du nicht, wenn Lindsey in der Nähe ist. Die hält dir dann gleich einen Vortrag über die Zerstörung der Regenwälder. Ein paar Millionen Menschen, die in Hartholzsärgen beerdigt werden, und futsch sind die Regenwälder. Ich wusste gar nicht, dass Sean so moderne Ansichten hatte.«

Ihre Mutter warf ihr einen finsteren Blick zu. »Das überrascht mich nicht. Du hast dir ja nicht die Mühe gemacht, etwas über ihn herauszufinden.«

Doherty meinte: »Nun, wenn es das ist, was Sean wollte, dann sollte er es auch bekommen.« Ihre Mutter fuhr ihm ins Wort.

»Ich gebe ihr die Schuld. Sie will es so und schwört, das Sean dieses ganze Umweltzeugs wollte. Das wird billiger sein. Dann bleibt mehr von seinem Geld übrig, das sie ausgeben kann.« Sie zuckte die Achseln und zog ihr Halstuch zurecht. »Na ja, sie ist schließlich die Witwe. Da kommt es nicht drauf an, was ich davon halte. Jetzt ist es ihr Geld – wo es doch deines hätte sein können.«

Honey übersah geflissentlich den anklagenden Blick, den ihre Mutter ihr von der Seite zuwarf.

»Sie ist früher nur ein Feld gewesen, und eines mit ziemlich viel Unkraut noch dazu«, sagte Doherty, als die Friedwiese noch einmal erwähnt wurde. »Ein Schulfreund von mir hat da draußen gewohnt. Wir sind auf diesem Feld auf Schatzsuche gegangen.«

»Habt ihr was gefunden?«, fragte Honey.

»Eine Münze. Eine einzelne römische Münze.«

Er zog die Münze aus der Tasche und zeigte sie ihr. »Aus der Regierungszeit des Kaisers Claudius.«

»Schön«, sagte Honey.

»Dreckig«, mäkelte Gloria und erschauderte.

»Nettes Gasthaus, wenn ich mich recht erinnere.« Honey hatte im Bath Chronicle von der Friedwiese im Dorf Much Maryleigh gelesen. Man hatte das brachliegende Feld, auf dem nichts als ein paar Stücke Wellblech und einige alte Matratzen zu finden waren, vom Unrat und Unkraut befreit und mit Rasen eingesät. Dann war ein Landschaftsgärtner beauftragt worden, es hübsch zu gestalten. Das Ergebnis war eine umweltfreundliche Begräbnisstätte ohne Grabsteine oder irgendein Anzeichen dafür, dass die teuren Verblichenen tatsächlich dort lagen, außer einem Busch oder Baum, der auf dem Grab gepflanzt wurde – neues Leben aus dem Tod oder so.

»Guter Dünger«, murmelte Doherty.

Honey warf ihm einen warnenden Blick zu. Ihr war genau das durch den Kopf gegangen, aber das brauchte ihre Mutter nicht zu wissen. Manche Leute waren da empfindlich, und Gloria war ziemlich altmodisch.

Zum Glück hatte sie nichts gehört.

»Die Mädels treffen sich bei mir«, verkündete sie in einem Ton, der Honey vermuten ließ, dass Gloria die alten Damen dort hinbefohlen hatte.

»Gut«, meinte Honey mit einem knappen Nicken. »Das hast du also organisiert.«

»Selbstverständlich.«

»Wann soll ich euch abholen?«

»Also. Ich brauche zwei Stunden, um mich fertigzumachen, nachdem ich gebadet habe ...«

Es wurden Abmachungen getroffen oder vielmehr Anordnungen ausgegeben.

»Ich gehe davon aus, dass du für die Beerdigung auch Kleidung besitzt, die nicht voller Ketchup-Flecke ist?«, fügte Gloria hinzu und musterte mit kritischen Augen jeden einzelnen Klecks auf Honeys Schürze.

»Ich habe mein kleines schwarzes Kostüm.«

»Das sollte in Ordnung sein«, befand ihre Mutter. »Wir wollen doch nicht, dass Arlene denkt, Sean hätte dich nicht in Betracht gezogen, weil du ungepflegt bist.«

Honey fehlten die Worte.

Ihre Mutter hatte Steve Doherty nur mit einem knappen Nicken begrüßt, als er hereinkam. Nun verabschiedete sie sich ebenso beiläufig, als sie ging.

Doherty schloss die Tür hinter ihr, legte den Kopf in den Nacken und stieß einen erleichterten Seufzer aus.

»Sie mag mich nicht. Sie wird mich nie mögen.«

Honey stand von der Schreibtischkante auf und zog ihm den Schlips zurecht, sein wichtigstes Zugeständnis an die Eleganz der Veranstaltung, die ihm bevorstand. Honey konnte sich nicht erinnern, wann sie ihn das letzte Mal mit einer Krawatte gesehen hatte.

Sie legte ihm die Hand in den Nacken und gab ihm einen schnellen Kuss auf den Mund. »Ist mir egal. Danke, dass du so friedfertig warst.«

Er schaute sie skeptisch an. »Das ist aber ein großes Wort für den frühen Morgen. Außerdem hätte ich es niemals gewagt, ihr zu widersprechen. Deine Mutter war ja voll im Schwung. Merkwürdig, dass Beerdigungen manche Leute so beflügeln.« Er hielt inne. »Kenne ich den Kerl, der vor mir ein Auge auf dich geworfen hatte?«

»Der war uralt«, blaffte Honey.

»Ich weiß doch, dass einige junge Damen sich gern von älteren Herren aushalten lassen.«

»Diese junge Dame hier nicht«, erklärte sie ihm. »Und eines kann ich dir verraten. Sobald ich gehört habe, er hätte ein Auge auf mich geworfen, habe ich meine Turnschuhe angezogen und bin so schnell weggerannt, wie ich nur konnte. Dem bin ich weiträumig aus dem Weg gegangen. Die Italiener hätten von Sean O’Brian noch das eine oder andere darüber lernen können, wie man eine Frau in den Hintern kneift.«

Er lächelte. »Klingt gut – natürlich nur, wenn beide damit einverstanden sind. Na ja, wenigstens gibt es nach der Beerdigung eine Party. Das ist doch vielleicht nicht so schlecht. So ein Leichenschmaus entwickelt sich ja oft zu einem tollen Fest.«

»Ja, vielleicht, aber nicht, wenn man als Fahrerin mitgenommen wurde. Mutter und ihre Freundinnen trinken bei Beerdigungen gern mal ein, zwei Gläschen Sherry.«

»Ich habe gehört, dass die Leute auf der Friedwiese in Pappsärgen beerdigt werden. Die bezeichnen das in der Werbung als umweltfreundlich, aber es sind doch einfach nur Pappschachteln.«

Er schwafelte munter drauflos, erzählte irgendwas, nur um den schrecklichen Augenblick noch ein wenig hinauszuschieben.

»Halt«, sagte Honey und legte ihm den Zeigefinger auf den Mund. »Keine Verzögerungstaktik! Du musst jetzt da rein.«

Er stöhnte und drehte die Augen himmelwärts.

Sie tippte ihm aufs Kinn.

»Hat keinen Zweck, dahinzuschauen. Aus der Nummer kommst du jetzt nicht mehr raus«, sagte sie. »Der Verein der Agatha-Christie-Freunde wartet auf deine Perlen der Weisheit.«

Die Konferenz, die im Green River Hotel stattfand, war für Honey eine Premiere. Immer ihren Vorteil im Auge, hatte sie beim Vorgespräch einfließen lassen, dass sie einen Polizisten kannte, der einen Vortrag halten könnte.

Honey hatte die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt – mit ein wenig Überredung, etwa ein, zwei Stunden, als Dohertys Widerstand am geringsten war, im Bett, bei ihm zu Hause, um drei Uhr morgens.

»Soll ich mitkommen und dir die Hand halten?«, erkundigte sie sich.

Er blies die Backen auf und atmete dann geräuschvoll aus. »Nicht nötig. Das kommt später.« Er rang sich ein schwaches Lächeln ab. »Dann führ mich mal in die Höhle des Löwen.«

»Das macht dir Spaß, du wirst sehen.«

Er grinste und versuchte den Eindruck zu vermitteln, dass er nur Witze machte, dass er überhaupt nicht nervös war. »Was man nicht alles aus Liebe tut.«

Honey ließ sich davon und von seiner gespielten Lässigkeit nicht täuschen. Detective Inspector Doherty war aufgeregt, und das alles nur ihretwegen.

Er würde gleich vor Publikum einen Vortrag über seine Arbeit halten. Und nicht vor irgendeinem Publikum. Die fünfzig Leute, die im Konferenzraum auf ihn warteten, waren Mitglieder des Vereins der Agatha-Christie-Freunde, Sektion North Somerset und Wiltshire.

Das Gesicht des hartgesottenen Polizisten, der weitere Beförderungen verweigert hatte, weil er lieber an der Basis echte Polizeiarbeit leistete, war kreidebleich.

Honey drückte ihm aufmunternd die Hand. Ihre andere Hand lag auf dem Türgriff.

»Tief einatmen.«

»Tu ich.«

»Bist du so weit?«

»Moment. Ich muss noch was Wichtiges machen.«

»Was denn?«

»Etwas, das mir im Kopf bleibt, das meinen Testosteronspiegel hebt und meine Nerven beruhigt. Ich hab das in einem alten Buch gelesen.«

Sie schaute ihn an. »Na gut. Tu, was du nicht lassen kannst.«

Noch ein tiefer Atemzug folgte. Dann befreite er seine Hand aus der ihren, strich ihr sanft über den Rücken und kniff ihr in die rechte Pobacke.

»Gut. Jetzt bin ich so weit.«

Honey war ein wenig warm geworden, und sie schaute ihn fragend an. »Aus welchem Buch war das denn?«

»Bin mir nicht sicher. Könnte das Kamasutra gewesen sein.«

Honey grinste. »Das hätte ich mir denken können.«

Honeys Tochter Lindsey wirbelte auf ihrem Drehstuhl hinter dem Empfangstresen zu ihnen herum.

»Armer alter Steve. Du siehst aus wie ein Christ, den man gleich den Löwen zum Fraß vorwerfen wird.«

»So fühle ich mich auch«, murmelte er.

»Weißt du, dass Steve eine römische Münze besitzt, Lindsey?«

Lindsey warf ihr einen amüsierten Blick zu. »Ach, wirklich?«

»Zeig ihr die Münze«, forderte Honey Steve auf.

»Das ist doch bloß eine Münze«, sagte er mit einem Seufzer, tat aber wie befohlen.

»Claudius«, meinte Lindsey. »Während seiner Herrschaft als Kaiser von Rom wurde Britannien erobert.«

»Ist die wertvoll?«, fragte Honey.

Lindsey schüttelte den Kopf. »Eine allein nicht. Ein ganzer Haufen, das würde einiges bringen. Goldmünzen wären am besten, obwohl dann die Krone ihren Anspruch darauf erheben würde und ihren Anteil forderte, ehe du auch nur einen Penny bekommen hast.«

Mutter und Tochter mussten einander nur anschauen und wussten sofort, dass sie das Gleiche dachten. Dieser hartgesottene Polizist hatte einen butterweichen Kern – zumindest wenn es darum ging, vor einem Publikum zu sprechen. Diese Unterhaltung über Münzen und verborgene Schätze hatte ihn ein wenig beruhigt, zumindest eine Zeitlang. Der Augenblick war verstrichen, und er starrte schon wieder auf die Tür zum Konferenzraum.

Wie ihre Mutter hielt Lindsey den Blick auf Doherty gerichtet, als sie sagte: »Was hat meine Großmutter gewollt?«

Honey antwortete mit leiser Stimme: »Deine Großmutter braucht für sich und ihre Freundinnen einen Taxichauffeur zu einer Beerdigung. Es ist draußen vor der Stadt – die Friedwiese in Much Maryleigh. Ich habe den schwarzen Peter gezogen.«

»Dann man los.«

»Ich mach’s doch ...«, fing Honey an, ehe sie begriff, das Lindsey sich mit diesen Worten an den Mann gerichtet hatte, der wie festgewurzelt neben ihr stand und immer noch starr auf die Tür glotzte.

Honey drückte Dohertys Hand. »Okay?«

Er schaute sie dankbar an und nickte.

»Dann bringe ich dich jetzt rein.«

Von drinnen vernahm man das leise Gemurmel des Vereins der Agatha-Christie-Freunde. Die meisten waren über fünfzig. Der Organisator, ein Mann namens Charles Sheet, war jünger. Hinter seiner Designerbrille leuchtete der ernsthafte Blick des Hirten, der seine Schäfchen hütet. Sein Haar war dunkelblond und schulterlang. Ein paar Barthaare sprossen auf seinem Kinn, aber nicht genug, als dass man von einem schicken Dreitagebart hätte reden können. Lindsey hatte ihrer Mutter gestanden, dass sie ihre Augen kaum von diesen paar Härchen abwenden konnte.

»Ich möchte sie ihm auf der Stelle auszupfen«, hatte sie gesagt. Hätte Lindsey sie nicht darauf aufmerksam gemacht, hätte Honey sie vielleicht nicht einmal bemerkt, aber nun konnte sie kaum woandershin schauen. Die wenigen Haare sprossen drahtig aus seinem Kinn. Honey riss sich von dem Anblick los und konzentrierte sich darauf, Doherty vorzustellen.

»Oh, Detective Inspector, meine Gruppe findet es großartig, Sie endlich kennenlernen zu dürfen.«

Honey trat ein paar Schritte zurück und überließ dem begeisterten Mr. Sheet das Feld, der mit weit ausgebreiteten Armen auf Doherty zueilte, ihn dann zum Rednerpult führte und die buntgemischte Zuhörerschaft um Ruhe bat.

Sie schaute kurz zu, während Mr. Sheet Doherty mit ein paar Worten vorstellte und das Publikum applaudierte. Steve stand auf. Sie sah, dass seine rechte Hand den Tisch fester packte, als er ihre rechte Pobacke gepackt hatte. Sie lächelte. Alles würde gut werden.

Drei

C. A. Wright hatte ein selbstzufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Er lag ausgestreckt auf einem bequemen Bett in einem schönen kleinen Hotel am Laura Place. Obwohl es klein war, war es wunderschön eingerichtet und die Atmosphäre hätte beinahe die eines 5-Sterne-Hauses sein können.

C. A. Wright streckte seine kurzen dürren Beine aus und langte nach dem Becherglas, das auf seinem Nachttischchen stand. Es war drei Uhr nachmittags. Kurz nach dem Mittagessen war er in London aufgebrochen, und die Reise hatte ihn ungefähr anderthalb Stunden gekostet. Das Mittagessen hatte er in einem italienischen Restaurant gleich um die Ecke vom Bahnhof eingenommen. Er hatte nicht sonderlich viel gegessen, aber schon drei Glas Whisky und eine Flasche Rotwein und einen kleinen Drambuie intus.

Auch die Flasche Glenmorangie, die er mitgebracht hatte, war nur noch zu zwei Dritteln voll.

Macht nichts, dachte er, während er lächelnd auf die bernsteinfarbene Flüssigkeit schaute. Da waren ja immer noch die Flaschen im Hotelkühlschrank. Das Hotel verließ sich auf die Ehrlichkeit seiner Gäste. Man musste aufschreiben, was man getrunken hatte. Bei dem Gedanken musste er grinsen. Wer zum Teufel war blöd genug, so was zuzugeben? Er bestimmt nicht.

C. A. Wright war darauf spezialisiert, Kritiken für den Reiseteil einer überregionalen Zeitung zu schreiben, und es gehörte zu seinen Aufgaben, über Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten in bestimmten Gegenden zu berichten.

Das kleine Hotel am Laura Place war ein Juwel, und jeder ehrliche Mensch hätte es in den höchsten Tönen gepriesen. Aber C. A. Wright war kein ehrlicher Mensch. Und besonders nett war er auch nicht. Sogar seine Mutter bezeichnete ihn als Scheißkerl.

Aber solche Worte prallten einfach an ihm ab. Er verdiente schließlich seinen Lebensunterhalt mit Worten, und es war einfach nicht seine Art, Lobeshymnen auf kleine Hotels zu verfassen, die von liebevollen, hart arbeitenden Ehepaaren geführt wurden. Wright wusste, wo sein Vorteil lag. Sein voller Name lautete Colin Alan Wright. Aber als Journalist wollte er lieber nur mit den Initialen bekannt werden. Manche Leute belegten ihn allerdings auch mit ganz anderen Namen. Doch das berührte ihn nicht. Er mochte es sogar, wenn man ihn beschimpfte. Das gefiel ihm besser, als wenn ihn alle von Herzen geliebt hätten. Wright hat immer recht. Das war sein Motto.

C. A. Wright schrieb seine Kritiken, wie es ihm passte, und selten im nüchternen Zustand. Selbst die wahrheitsgemäßeren Berichte verfasste er stets in Gesellschaft einer Flasche Whisky und eines dickwandigen Glases.

Bei einigen Kritiken veränderte er die Einzelheiten ein wenig, je nach dem, für wen er schrieb und wie sein Schmiergeld aussah. Große Hotels zahlten ihm dafür, dass er sie lobte. Kleine nicht.

Obwohl das Schreiben über Reisen und Hotels seine Haupteinnahmequelle war, verfasste er auch Artikel über andere Dienstleistungen.

Der Tonfall seiner Texte sollte den Eindruck erwecken, er befände sich auf einer Art Kreuzzug für den Verbraucher. Die Wahrheit sah ganz anders aus. Er liebte seinen Beruf. Er liebte es, zu manipulieren, zu schmeicheln, für sich so viel Vergnügen wie irgend möglich aus jedem Auftrag herauszuholen. Manchmal war er beinahe so weit, sich selbst einzugestehen, dass ihm die Macht des Kritikers so zusagte, dass er vielleicht sogar in Erwägung ziehen könnte, die Artikel auch umsonst zu schreiben – nicht, dass er das je tun würde. Alles hatte seine Grenzen.

Er mochte es, wie die Besitzer der kleinen Hotels stramme Haltung annahmen, wenn er in die Rolle des schwierigen Gastes schlüpfte. Noch mehr mochte er es, wenn er ihnen enthüllte, wer er war. Manche taten dann alles, um eine gute Kritik zu bekommen. Dagegen hatte er nichts einzuwenden, und er ließ sie wissen, dass er Angeboten aufgeschlossen gegenüberstand. Er nahm, was er kriegen konnte.

Das Problem war, dass er bei seiner Arbeit eine gewisse Balance einhalten, das heißt, die schlechten Kritiken mit guten aufwiegen musste. Er konnte ja nicht über alle Hotels schlecht schreiben. Und dann gab es ein paar offensichtliche Ausnahmen.

Nie im Leben würde er es wagen, über ein Hotel herzuziehen, das zu einer der großen Ketten gehörte. Große Hotelketten waren sein Brotverdienst. Nachdem sie eine wohlwollende Kritik gelesen hatten, schickten ihm die meisten einen Scheck in einem braunen Umschlag. Manchmal luden sie ihn zu einem Mittagessen mit dem Hotelmanager ein. Bei derlei Gelegenheiten enthielt der braune Briefumschlag dann Bargeld. Die großen Ketten hatten für derlei Zahlungen eine schwarze Kasse, und weil er das wusste, tat er alles, was in seinen Möglichkeiten stand, um nett zu ihnen zu sein.

In letzter Zeit war er jedoch ein wenig zu nett und zuckersüß gewesen, was wahrscheinlich daran lag, dass er seit Jahren einmal wieder seinen Sohn gesehen hatte. Warrens Mutter hatte sich von ihm getrennt, nachdem er einmal zu oft auf Sauftour gewesen war. Nachdem er Warren wiedergesehen hatte, hatte er sich sehr angestrengt, trocken zu werden und zu bleiben. Das hätte vielleicht geklappt, hätte Warren nicht beschlossen, nach Kanada auszuwandern, wo eine junge Frau und eine Arbeitsstelle auf ihn warteten. Da war Colin wütend geworden. Sie hatten sich gestritten, und Warren war davongestürmt, ohne ein Wort des Abschieds zum Flughafen gefahren und weggeflogen. »Wenn ich nur dran denke, dass ich für diesen undankbaren Bengel mit dem Trinken aufhören wollte«, knurrte Wright vor sich hin und streckte die Hand nach seinem Whiskyglas aus.

Es schien, als sei der Whisky die Muse, die ihm seine Artikel einflüsterte. Zu diesem Schluss war er gekommen, nachdem er von einem seiner regelmäßigen Redakteure ordentlich Schelte bezogen hatte.

»Wo ist die beißende Kritik? Wo sind die dreckigen Laken, die schmutzigen Badewannen und die Kakerlaken, die durch die Eingangshalle huschen?«

Der besagte Redakteur hatte einmal bluttriefende Sensationsreportagen geschrieben. Seine Stärke waren Berichte über die ekligen Einzelheiten in Mordprozessen. Nett und niedlich gehörte nicht zu seinem Repertoire. »Wir veröffentlichen ein Reisedossier in unserer Wochenendbeilage. Da brauchen wir was, das ein bisschen gesalzener ist, ein bisschen härter, ein bisschen kritischer! Klar?«

Wright, der inzwischen wieder soff wie ein Loch, wusste genau, wo er die wunderbaren Unterkünfte und die riesige Auswahl an kleinen Hotels und Pensionen finden konnte, die er nach Belieben in seinen Glossen zerreißen konnte. Dreckig und ungepflegt, was? Die Kritik hatte er schon geschrieben. Jetzt musste er nur noch ein Hotel finden, das dazu passte. Natürlich nicht ganz, denn sonst würde er ja dort nie im Leben absteigen. Es würde ihm nicht im Traum einfallen, in einem Rattenloch zu übernachten, in einem Hotel, das wirklich eine vernichtende Kritik verdiente. O nein, nicht C. A. Wright. Er hatte seine Standards. Er hatte Geschmack.

Bath war Weltkulturerbe, eine Stadt, die er mochte, und er war schon früher hier gewesen. Das bedeutete, dass er peinlich genau darauf achten musste, nicht in einem Hotel abzusteigen, wo er schon einmal gewohnt hatte. Sobald sein Name und die auf den Besuch folgende Kritik erwähnt würden, würde man ihn dort nämlich sofort hochkantig rausschmeißen. Er musste einfach eine Unterkunft finden, die all seinen Ansprüchen und Bedürfnissen entsprach. Das sollte nicht so schwierig sein.

Er seufzte erleichtert auf, als er das Laurel Tree Hotel gefunden hatte, ein kleines Haus mit nur acht Gästezimmern, das von wohlmeinenden Dilettanten geführt wurde, die keine Ahnung hatten, wie und wann man ein kleines Schmiergeld über den Tisch schob.

Strenggenommen war das Laurel Tree gar nicht groß genug, um sich Hotel nennen zu dürfen. Zunächst einmal hatte es keine richtige Bar mit Barkeeper, der mit geschicktem Schwung seines Handgelenks Cocktails mixte. Doch es gab im Salon und auf seinem Zimmer alkoholische Getränke. Wright hatte durchaus die Absicht, sich davon zu bedienen – und zum Teufel mit dem Aufschreiben.

Mr. und Mrs. Dodd, die das Hotel führten, waren ein Ehepaar in den mittleren Jahren. Sie hatten ihre früheren Berufe aufgegeben – er war Baumeister gewesen und sie Sekretärin bei der Stadtverwaltung von Dorchester – und hatten sich selbständig gemacht.

»Wir dachten, das wäre genau die richtige Aufgabe für unser Rentenalter«, hatten sie verkündet und ihn unschuldig angelächelt, ohne auch nur eine Sekunde lang zu ahnen, was er schon bald für den Ruf ihres Hotels tun würde.

Er hatte sie gefragt, ob ihnen die Arbeit Spaß machte.

»Ja, es ist harte Arbeit, aber wir mögen sie.«

Ihre Naivität verschlug einem die Sprache. Sie waren ziemlich neu im Geschäft und hatten noch nicht herausgefunden, wie sehr man schuften musste, wenn man Leute bewirtete. Noch waren sie nicht zermürbt. Aber in höchstens zwei Jahren würde das Laurel Tree Hotel wieder auf dem Markt sein.

C. A. Wright lächelte und bestätigte ihnen, wie schön es für sie sein würde und was für Glückspilze sie wären, ein so herrliches Hotel in einer so herrlichen Stadt ihr eigen zu nennen.

Idioten, dachte er für sich, und ihre Naivität erfüllte ihn mit Verachtung. Amateure in einer Profi-Welt. Mit der Zeit würden sie alles richtig machen. Nicht dass ihn das interessierte. Jetzt oder später, sie waren jedenfalls ideale Opfer für seine giftige, spitze Feder.

Er verzog einen Mundwinkel zu einem selbstzufriedenen Grinsen. Schlechte Kritiken zu schreiben, das machte wesentlich mehr Spaß, als gute zu verfassen, obwohl, ehrlich gesagt, dieses Hotel über dem Durchschnitt lag. Das Zimmer war hübsch und sauber. Helle Vorhänge mit zitronengelben Streifen hingen am Fenster. Die Kopfkissenbezüge waren makellos weiß. In einer Zimmerecke stand ein Polstersessel, und ein Hocker, der so aussah, als hätte er einst zu einem Konzertflügel gehört, war unter den Frisiertisch geschoben. Im Badezimmer gab es eine Badewanne und eine Dusche, und große flauschige Handtücher waren ordentlich über einen Handtuchwärmer gehängt, der eingeschaltet war.

Die Vorrichtungen zum Zubereiten von Kaffee und Tee waren gut ausgestattet. Die Teetassen passten nicht zusammen, aber das war wohl Absicht. Das Laurel Tree war stolz auf seinen schrägen, aber eleganten und leicht verblassten Schick. Dieser Stil war der schlimmste Fehler, den man in einem Hotel machen konnte. Nicht jeder wusste diesen etwas hausbackenen Charme zu schätzen. Entweder modern oder ganz im Landhausstil – bloß nichts Kompliziertes.

Mit unter dem Kopf verschränkten Armen und von ausreichend Alkohol benebelt, seufzte Wright wohlig. Trotz seiner vielen positiven Attribute würde das Laurel Tree einen Verriss bekommen. Was für ein Riesenspaß!

Er schlief wie ein Säugling, glücklich und zufrieden mit seiner Umgebung und seinen Plänen.

Als er aufwachte, war es sechs Uhr, und sein Mund war so trocken wie die Wüste. Er brauchte unbedingt einen Drink.