STÉPHANE HESSEL

AN DIE
EMPÖRTEN
DIESER ERDE

VOM PROTEST ZUM HANDELN

Herausgegeben von Roland Merk

Hörprobe aus:
»An die Empörten dieser Erde!«
www.aufbau-verlag.de/media/hessel.mp3

Impressum

ISBN 978-3-8412-0458-5

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Juli 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Copyright © 2012 Stéphane Hessel und Roland Merk

Die Originalausgabe erschien 2012 bei Aufbau, einer Marke der

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Roland Merk
Ein Rebell voller Mitgefühl

Ich sehe die Szene noch genau vor mir: Ich stehe in der großen Halle des Hauptbahnhofs in Zürich und warte auf die Ankunft Stéphane Hessels. Die großen elektronischen Wandzeitungen zeigen Werbung für den ewigen Fortschritt, dazwischen meldet sich die düstere Realität in greller Neonschrift zu Wort: »Der letzte Schutzwall gegen die Schuldenkrise« – »Die europäische Troika zeigt Zuversicht« – »Griechenland vor dem Aus« – »Eine Billion Euro für den Rettungsschirm« – »Jugendarbeitslosigkeit in Spanien so hoch wie noch nie« – »Rating-Agentur droht mit Triple-A-Entzug« – »Occupy Wallstreet wehrt sich!«

Eine Zeit, die auf dem Kopf steht, begleitet von Bildern junger Menschen aus aller Welt, die gegen die Misere aufbegehren: »Indignez-vous!«, »¡Indignaos!«, »Indignatevi!«, »Time for outrage!«, »Empört euch!«

Es ist ein wunderschöner Tag im Herbst 2011, und im hellen Gegenlicht sehe ich den TGV mit revolutionärer Fracht an Bord einfahren – mit dem Ehrengast aus Paris, dem begnadeten Redner.

Stéphane Hessel tritt mit seinem unglaublich strahlenden Gesicht aus der Menge auf mich zu. Wir begrüßen uns herzlich, und sehr schnell kommen wir ins Gespräch, während er bescheiden seinen kleinen schwarzen Reisekoffer auf Rollen hinter sich her zieht – das will er auf ausdrücklichen Wunsch selber übernehmen.

»Ordre du jour? Wie sieht der Ablauf des Tages aus?«, erkundigt er sich ungeduldig, aber sehr charmant mit seiner unvergleichlich sanften Stimme und wechselt dabei mühelos zwischen französischer und deutscher Sprache.

Stéphane Hessel – er ist ein Mann voller Tatendrang. »Was steht an? Was werden wir am Nachmittag machen? Wann werde ich meine Rede am Abend halten? Haben Sie die neuesten Ergebnisse über die Verhandlungen in Brüssel wegen der Schuldenkrise mitverfolgt?«

Ich denke, dass er und seine Frau vielleicht müde von der Reise sind und gleich ins Hotel wollen, doch ist das mitnichten der Fall. So zeige ich ihnen Zürich und berichte, was an diesem Morgen in Brüssel zur Lösung der Schuldenkrise beschlossen wurde. Er überrascht mich daraufhin mit einer Frage zur Occupy-Paradeplatz-Bewegung, die sich soeben in Zürich formiert hat – unglaublich, wie sich dieser Mann von 94 Jahren bis ins kleinste Detail informiert, um sich ein genaues Bild dieser Welt zu machen!

Schließlich begleite ich Stéphane Hessel und seine Frau zum Hotel St. Gotthard, das an der berühmten Zürcher Bahnhofstrasse liegt, wo das Kapital dieser Welt in allen Farben verschwiegen in schlicht anmutenden Bankgebäuden lagert.

Einen Eindruck von seiner weltoffenen, dem Menschen zugetanen Art hatte ich bereits in Brüssel und Barcelona gewonnen, als ich ihn im Rahmen des Russell-Tribunals zu Palästina kennenlernte, und dieser Eindruck bestätigte sich mir nun hier in Zürich. Stéphane Hessel begegnet den Menschen mit offenem Herzen und echtem Interesse, er spricht sie als Menschen an und bekommt deshalb auch die Antwort von Menschen zurück.

Wir sind keine fünf Minuten im Hotel, Stéphane Hessel hat seine Reisedokumente noch nicht abgegeben, da ist er bereits in ein freundlich-angeregtes Gespräch mit den Angestellten der Rezeption verwickelt. Kurz darauf versichert eine weitere Mitarbeiterin, dass es kein Problem für sie sei, eine Stunde früher als gewohnt ihre Arbeit zu beginnen, um dem Herrn in dem beigefarbenen, verknitterten Mantel, der sehr früh aus dem Haus muss, das Frühstück zu bereiten – erst später erfährt sie, dass es sich um jenen berühmten alten Mann handelt, der die Menschen dieser Welt auffordert, sich zu empören, weil ihre Würde Tag für Tag in Frage gestellt wird.

Stéphane Hessel scheint den Schlüssel zu den Herzen der Menschen zu besitzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass er sich mit einem Büchlein von gut dreißig Seiten weltweit Gehör verschaffen konnte? Offenbar trifft er mit seinen Worten und Überzeugungen den Nerv der Zeit – und darüber hinaus den Nerv des Einzelnen. Den Verzagten wie den Zynikern führt er vor, dass das Unmögliche möglich ist, wenn man den nötigen Mut aufbringt. Stéphane Hessel, der Rebell einer ganzen Epoche – seiner Lebenszeit, die mit dem 20. Jahrhundert zusammenfällt –, nimmt uns in seinen letzten Jahren an die Hand, zeigt uns den Weg ins 21. Jahrhundert. Mit seiner historischen Erfahrung als französischer Widerstandskämpfer, als Buchenwald-Überlebender und Mitwirkender an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte demonstriert er, dass Zuversicht, Kraft, Mut, Liebe, Mitgefühl, Brüderlichkeit und Solidarität nicht hohle Worte sind, sondern Eigenschaften gelingenden Lebens, die eben jetzt im Angesicht vielfältiger Krisen verteidigt werden müssen.

Ich habe Stéphane Hessel nach seiner Rede, die er am 27. Oktober 2011 in Zürich hielt, in wiederholten Gesprächen bei sich zu Hause in Paris als brillanten Interviewpartner erlebt. Bis ins Detail erinnert er sich, wie er sich beim Treffen zuvor zu welchem Thema geäußert hat, womit wir jeweils geendet haben. So ergibt sich die Fortsetzung unserer Gespräche organisch, als ob keine Zeit dazwischenläge. Wir sprechen zunächst französisch, dann führen wir unsere Unterredungen auf seinen Wunsch hin auf Deutsch fort, denn unser Buch An die Empörten dieser Erde! soll wie seine Zürcher Rede, die er auf Deutsch hielt, in der Sprache seiner Kindheit erscheinen.

Ich möchte von ihm wissen, wie die Gedanken, die er in seinen Schriften Empört Euch! und Engagiert Euch! dargelegt hat, konkret und im Kontext aktueller Ereignisse zu begreifen sind. Was bedeutet »Mitgefühl«? Was ist »Interdependenz«? Wie ist der Arabische Frühling zu verstehen? Was ist das Neue an unserer Epoche? Welche Gefahren und Herausforderungen kommen auf uns zu? An welchen Inspirationsquellen nähren sich seine Überzeugungen?

Geduldig und konzentriert breitet Stéphane Hessel seine Ideen aus, ein zusammenhängendes, methodisch feingesponnenes Netz, das Antwort auf die sich abzeichnende »Weltgesellschaft« gibt.

Er spricht mit einem leichten französischen Akzent, auch die Berliner Mundart schlägt hier und da durch, man spürt gleich, dass er die deutsche Sprache trotz der schlimmen Erfahrungen während des Nazi-Regimes immer noch liebt – die Sprache der Dichter und Denker: Hölderlin, Goethe, Heine, Hegel und Kant.

Der Dialog ist für ihn, ganz im Sinne Martin Bubers oder Emmanuel Levinas’, kein bloßes Mittel, um Inhalte auszubreiten; das Gespräch mit seinem Gegenüber ist ihm ein essentielles Ereignis, eine Form, sich selbst zu übersteigen und das dialogische Prinzip, das in allem steckt, zu entfalten. Hessels Rede ist nie nur Inhalt, sondern auch Form, der Inhalt ist erst vollends aufzuschlüsseln, wenn man seine Stimme mit hört, die Zuversicht, Wärme und Vertrauen schafft. Hessel ist ein moderner Sokrates, der dem Menschen nicht nur über das geschriebene Wort, sondern auch über die lebendige Rede und den freien Austausch der Gedanken mit einem Gegenüber begegnet.

Als wir über die Krise der Menschheit im Allgemeinen und im Besonderen sprechen, flackert die düstere Realität wieder in grellen Schriftzeichen vor dem geistigen Auge auf: Schuldenkrise, Arbeitslosigkeit, Sparmaßnahmen, Krise, New Deal, Börsencrash, Occupy Wall Street, Palästina, Nakba, Klimakatastrophe, Krieg, Hunger, Neoliberalismus …

Gegen dieses Flutwelle von Problemen setzt Stéphane Hessel sehr überlegt Worte wie »Reform des Denkens«, »Solidarität«, »Dialog«, »Würde des Menschen«, »Interdependenz«, »Mitgefühl«, »Metamorphose der Menschheit«, »soziale Wohlfahrt«, »Weltgesellschaft«. Wie ein geschichtsphilosophisches Leitmotiv taucht der Begriff des »Rechts« in allen seine Argumenten auf. Angesichts der Komplexität der Dinge, die uns oft ratlos machen oder verzweifeln lassen, behält Hessel einen kühlen Kopf: Es ist das Recht, das uns alle verbindet und uns historisch vorwärtsbringt, und wer dahinter zurückfällt, der tut es um den Preis von Unrecht und Barbarei.

Mit dem Bewusstsein auf der Höhe dieser Zeit sein – das ist seine Forderung. Und das meint auch: auf der Höhe dieser Weltgesellschaft sein, die wir sind. Empörung und Engagement, gewiss, dafür steht er ein, aber nicht für die kopflose Aktion, sondern für die überlegte, ohne Gewalt. Das sagt einer, der im Widerstand gegen die Nationalsozialisten gekämpft hat, das sagt einer, der überzeugt ist, dass wir die demokratischen Mittel zu dieser Form der Empörung im bisher Erreichten vorfinden, das wir gegen seine Verächter verteidigen, aber auch ausbauen müssen.

Stéphane Hessel wagt den ersten Schritt, er wirft nicht den ersten Stein. Er ist der große Mobilisator und Inspirator einer Menschheit, die auf dem Weg zur Weltgesellschaft ist. Sein Vorgehen ist von Gandhis Weg der Gewaltlosigkeit inspiriert. Er ist einer, den man ohne weiteres mit so unterschiedlichen Namen von engagierten Menschen und Bürgerrechtlern wie Martin Luther King, Václav Havel oder den Dalai Lama, den er kürzlich traf, in Verbindung bringen kann. Eminenter Diplomat und Poesieliebhaber in einem, bringt er die so scheinbar unterschiedlichsten Dinge unter ein Dach. Poesie ist für ihn der Königsweg ins Herz der Menschen, sie gibt vor, was Philosophie und Politik, was Vernunft und Verstand umsetzen sollen. Das ist keine Feindschaft der Philosophie gegenüber, ganz im Gegenteil, sondern ihre letzte Verortung: Philosophie im Sinne des von Hessel so geschätzten Immanuel Kant, eben »Weltphilosophie« und nicht »Schulphilosophie«, Philosophie auf der Höhe des Herzens, denn sonst ist sie entweder leer oder blind.

Stéphane Hessels Aufruf »Zeigt und habt mehr Mitgefühl!« ist daher kein romantisches Ansinnen, sondern er steht in der Tradition von Jean-Jacques Rousseau über Karl Marx zu Arthur Schopenhauer, indem er die Wunden spürbar macht, die die Gesellschaft schlägt. Die Kälte, die so gewaltig entfremdeten und würdelosen Beziehungen zwischen Armen und Reichen, zwischen Akteuren des Kapitals und shareholdervalue-bereinigten menschlichen Ressourcen, zwischen staatsangestellten Sparern und ihren Opfern von der Größe ganzer Staaten, zwischen Erster Welt und, so scheint es manchmal, abgeschriebenem Rest der Welt – das ist es, was wir uns unter dem von Hessel geforderten Mitgefühl vorstellen müssen. »Solange es noch einen Bettler gibt, so lange gibt es noch Mythos«, heißt es in einem Fragment von Walter Benjamins Passagen-Werk, man möchte ergänzen: so lange gibt es noch Utopie! Denn das ist wie für Walter Benjamin so auch für Stéphane Hessel, der ihn persönlich kannte, die Losung. Denjenigen, die Hessel als Wutbürger beschimpfen, den Kostverächtern einfacher Worte, sei gesagt, dass Einfachheit auch erfahrungsgesättigte Reduktion von Komplexität sein kann, dass Komplexität kein Freibrief ist, um nichts zu tun.

Nach Empört Euch! lautet die neue Botschaft Stéphane Hessels an die Empörten dieser Erde: »Verändert diese Welt, habt Mitgefühl und seid Bürger einer wahrhaften Weltgesellschaft. Du musst dein Leben ändern! Weshalb bist du empört? Weil du dein Leben bis jetzt noch nicht verändert hast.«

Es gibt keinen anderen Weg als den zum Besseren hin, das ist die Quintessenz unserer heutigen Situation, das ist das Fanal dieses so begnadeten Redners, der ganze Säle zu füllen vermag. Stéphane Hessel hinterlässt einen tiefen Eindruck bei den Menschen, die ihn persönlich erleben durften. Ihr Enthusiasmus ist, das wusste bereits Immanuel Kant, ein Kriterium von Wahrhaftigkeit und Wahrheit.

Stéphane Hessel schreitet uns voran als wahrhafter Weltbürger dieser, so nennt er es, »terre-patrie«, der neuen Weltheimat. Es käme ihm nicht in den Sinn, von einer »Leitkultur« zu sprechen, er gehört nicht zu denen, die glauben, dass sie sich selbst abschaffen, wenn sie als Gewinn begrüßen, was sich abzeichnet: die Weltgesellschaft.

An jenem schönen Herbsttag 2011 kommt er auf Einladung der Gesellschaft Schweiz-Palästina und des Nationalrates Daniel Vischer nach Zürich. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als er am Abend – in deutscher Sprache – seine Rede An die Empörten dieser Erde! hält, an die sich ein Gespräch mit dem ehemaligen Nahost-Korrespondenten und Moderator des Schweizer Fernsehens, André Marty, und zahlreiche Fragen aus dem Publikum anschließen. Es entsteht ein lebendiger Dialog zwischen mündigen Bürgern über ihre Zukunft, darüber, wie sie sie gestalten wollen. Die Figur der Utopie – an diesem Abend, in diesem Saal ist sie greifbar.

Später gehen wir aufgeräumten Herzens mit Stéphane Hessel und seiner Frau ins Restaurant. Wieder überlege ich zunächst, ob der alte Mann, müde vom Tag, nicht rasch in sein Hotel zurückwill. Weit gefehlt: Zufrieden sitzt Stéphane Hessel vor einem großen Teller Spaghetti und trinkt mit uns ein Glas Wein. Wie alt sind wir doch gegenüber diesem jungen Mann von 94 Jahren, der uns kurz vor Mitternacht aus Hyperions Schicksalslied von Friedrich Hölderlin zur Warnung frei aus dem Kopfe rezitiert und uns dann verlässt!

An die Empörten dieser Erde! – mit diesem Band zeigt uns Stéphane Hessel einmal mehr, wie seine Gedanken mit der fortschreitenden Zeit mithalten. Nach Empört Euch! und Engagiert Euch! entfaltet er in seiner Zürcher Rede und im Dialog mit dem Publikum und dem Herausgeber seinen ganzen Gedankenreichtum auf der Höhe der Gefahren dieser Zeit. An die Empörten dieser Erde! ist ein Aufruf an die sich abzeichnende Weltgesellschaft, in dem Stéphane Hessel den Horizont neuer Lösungen ins Visier nimmt. Schreiten wir also mit ihm voran!

Roland Merk

Paris, Basel und Contra, im Juni 2012

Friedrich Hölderlin: Hyperions Schicksalslied (1797)

Ihr wandelt droben im Licht

Auf weichem Boden, selige Genien!

Glänzende Götterlüfte

Rühren euch leicht,

Wie die Finger der Künstlerin

Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende

Säugling, atmen die Himmlischen;

Keusch bewahrt

In bescheidener Knospe,

Blühet ewig

Ihnen der Geist,

Und die seligen Augen

Blicken in stiller

Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden, es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe

Zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Stéphane Hessel
An die Empörten dieser Erde!
Zürcher Rede

Ich hoffe, man hört mich gut mit diesem kleinen Mikrophon, geht es? Ja? Hört man mich auch bis ganz hinten? Gut. Zunächst möchte ich betonen, wie groß meine Freude ist, in Zürich zu sein. Für mich ist Zürich – und natürlich die Schweiz im Allgemeinen, aber Zürich ganz besonders – ein Ort, wo man sich interessiert, was in der Welt vor sich geht. Man hat das in diesen Tagen wieder mit der Occupy-Paradeplatz-Bewegung gesehen, und das geht doch ein bisschen zusammen mit dem, was ich jetzt seit einem Jahr versucht habe in Gang zu bringen.

Vor über einem Jahr war ich zusammen mit Freunden aus dem französischen Widerstand an einem Ort in Savoyen, wo wir uns an eine Gruppe von dreitausend Menschen mit folgendem Inhalt adressierten: Vorsicht, die Grundwerte, die in der Résistance, in der Zeit des Widerstands von den Franzosen gefordert wurden, diese Werte der Demokratie und der Menschenrechte, diese Werte des Kampfes gegen den Feudalismus der Finanzmächte sind in Gefahr. Die soziale Sicherheit war das, wofür wir Widerstandskämpfer uns nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt haben. Dieses Programm wurde damals von allen Gruppen und von allen Richtungen des französischen Widerstandes ausgeschrieben und von der Linken, der Mitte sowie der Rechten unterstützt. Alle sind wir zu diesem Zweck zusammengekommen und haben gesagt: Diese Werte müssen befürwortet werden, wenn der Krieg zu Ende ist!

In der Zwischenzeit ging der Krieg zu Ende und etwas enorm Wichtiges erschien am Horizont: Das waren die Vereinten Nationen, die UNO. Die UNO war ein Kind des Zweiten Weltkriegs. Sie verkörperte das genaue Gegenteil von dem, unter dem wir gelitten hatten. Wir waren sehr erpicht darauf, dass die UNO ihr Programm der weiten Welt unterbreitete, so wie es mit dem Programm des französischen Widerstandes geschehen war. Das hat sie dann im Jahre 1948 getan.