Kathrin Lange

Seraphim

Historischer Roman

Impressum

ISBN 978-3-8412-0459-2

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, November 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2008 bei Aufbau Taschenbuch,

einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

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Umschlaggestaltung und Illustration Mediabureau Di Stefano, Berlin

unter Verwendung eines Bildes von akg-images/Electra

Karte gezeichnet von der Autorin

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

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Inhaltsübersicht

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

Nachwort

Danksagung

Leseprobe aus "Cherubim"

Für Stefan.
Ja.
Noch immer.

Kein andrer Schmerz ist größer,
als zu gedenken an des Glückes Zeiten im Elend.

Dante, La Divina Commedia, 5. Gesang

Seine Augen, die vorher die himmlische Herrlichkeit
geschaut hatten, erloschen; seine Galle wurde
in Bitterkeit umgewandelt und die Schwarzgalle
in die Finsternis der Gottlosigkeit. So wurde der
Mensch ganz und gar in eine andere Existenz umgewandelt.
Da befiel ihn eine große Traurigkeit.

Hildegard von Bingen

Karte

1. Kapitel

Nürnberg, 1491 n. Chr.

Gespenstische Ruhe lag über dem Predigerkloster an der Burgstraße, und die Hitze des vergangenen Augusttages hockte noch immer auf den Dächern und zwischen den dicken Mauern. Die Nacht hatte keine Abkühlung gebracht, und sogar im Inneren der Klosterkirche, zwischen den schlanken Säulen der dreischiffigen Basilika, konnte man die drückende Schwüle der letzten Tage noch spüren.

Das erst vor wenigen Jahren neu erbaute Dormitorium, das sich zwischen dem östlichen Kreuzgang und dem Nordhof erstreckte, hallte nicht wie sonst vom Schnarchen der Mönche wider. In dieser Nacht war es erfüllt von der großen Unruhe, die die Klosterinsassen erfasst hatte. Ab und zu seufzte einer der Männer, während sich ein anderer auf der mit Schafswolle gefüllten Matratze hin und her warf. Es war keiner unter ihnen, dem die Ankunft von vier Inquisitoren an diesem Nachmittag entgangen war.

Gegen Mitternacht öffnete sich eine der Zellentüren. Für einen kurzen Moment rührte sich nichts, nur der Schein einer flackernden Kerze fiel auf den Gang. Dann erschien einer der Mönche. Mit aufgerissenen Augen warf er hastige Blicke den Korridor entlang, und als er sich allein wähnte, eilte er auf nackten Füßen davon. Das Licht seiner Kerze zuckte über die Bemalungen der hölzernen Zwischenwände, die das Dormitorium in Zellen unterteilten. Es riss Einzelheiten der Verzierungen aus der Finsternis. Der Sündenfall und die Schlange, auf deren Leib sonderbare, fast magisch anmutende Zeichen abgebildet waren. Moses, der mit hoch erhobenem Arm und herrischer Miene das Meer teilte. Daniel in einer Grube voller Löwen, deren Zähne in dunklem Rot glänzten.

Der Mönch verließ das Dormitorium durch eine niedrige Tür, durchquerte den Kreuzgang und öffnete dann eine versteckt liegende Pforte, die ihn auf den Nordhof und schließlich zu den im hinteren Teil der Klosteranlage befindlichen Latrinen führte. Der Kerzenschein störte eine Ratte bei ihrem Beutezug. Sie erhob sich auf die Hinterbeine, stieß ein wütendes Quieken aus und huschte dann am aus groben Steinen gemauerten Fundament des Abtritts entlang in die Finsternis.

Der Mönch schickte ihr einen leisen Fluch hinterher, schlug rasch ein Kreuz und verschwand in der Latrina. Nachdem er seiner Notdurft Abhilfe geschaffen hatte, machte er sich – langsamer nun – auf den Weg zurück in das Dormitorium. Auf dem Hof kam ihm eine Gestalt entgegen, und er blieb wie angewurzelt stehen.

»Wer ist da?«, fragte er mit zittriger Stimme.

»Ich bin es.« Ein Mann trat aus den Schatten in den helleren Lichtschein des Mondes. Er trug ein Gefäß, das er mit beiden Händen vor die Brust gepresst hatte. »Ich wurde geschickt, um für meinen Herrn Wasser zu holen.« Zu seiner Legitimation hob er den Krug ein Stück an.

»Ihr seid einer der Inquisitoren, nicht wahr?«, fragte der Mönch atemlos.

»Ja. Geh zurück in deine Zelle, Bruder! Ich werde es auch gleich tun. Gott behüte deinen Schlaf!« Der Inquisitor ließ den Mönch stehen und trat an den Brunnen.

Der Mönch zögerte kurz, dann setzte er seinen Weg fort. Diesmal warf er kurze Seitenblicke um sich, wenn seine Kerze die Bemalungen im Schlafhaus aufleuchten ließ, und einmal, als aus dem Dunkel unvermittelt die Hand auftauchte, die Belsazar mit flammender Schrift den Untergang prophezeite, fuhr er mit einem leisen Aufschrei zurück.

Es war dieser unterdrückte Schrei, der Johannes Schedel, den Bruder Infirmarius des Klosters, aus seinem von schweren Träumen geplagten Schlaf riss.

Mit klopfendem Herzen und geschlossenen Augen lauschte er, wie der Mönch auf dem Gang ein leises Gebet murmelte und dann auf nackten Sohlen an Johannes’ Zelle vorbeiging. Als eine Tür ins Schloss gedrückt wurde, seufzte Johannes erleichtert. Bruder Ezechiel musste in jeder Nacht einmal seine Zelle verlassen, um den Abtritt aufzusuchen. Kein Grund zur Beunruhigung.

Johannes öffnete die Augen. Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, aber sein Herz beruhigte sich jetzt langsam. Er versuchte, sich den Traum ins Gedächtnis zurückzurufen, aus dem er soeben gerissen worden war, aber es gelang ihm nicht. Alles, an was er sich noch erinnerte, war ein vages Gefühl von Bedrohung, ein namenloser Schrecken, der in der Finsternis hinter ihm gelauert hatte.

Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte gegen die Balken der Decke, an denen das Licht einer einzelnen Kerze, die er beim Zubettgehen hatte brennen lassen, zuckende Schatten warf. Zwei Fliegen krabbelten über das Holz, vollführten Kreise und Bögen, entfernten sich voneinander und trafen sich erneut, eine jede ihrer Bewegungen rasch und sicher und kopfunter. Eine uralte geheimnisvolle Schrift, die sie auf den Balken malten. Feines, flirrendes Leuchten umgab sie bei jeder ihrer Bewegungen.

Johannes blinzelte. Irgendwo in der Ferne schlug eine Glocke die Nachtstunde, doch es war noch Zeit bis zum Garaus, jenem Läuten, das den Aufgang der Sonne und damit den Beginn des Tages ankündigte.

Die Schatten in den Ecken und Winkeln der Zelle wollten näher rücken, drohten Johannes einzuhüllen. Seine Augen brannten. Er schloss sie und überließ sich den flimmernden Mustern aus Farben und Licht hinter seinen Lidern. Erst als er es nicht mehr aushielt, öffnete er die Augen wieder. Er war ein grüblerischer Mensch, und es kam häufig vor, dass er nächtens stundenlang wach lag und Probleme wälzte, die sich bei Tageslicht als völlig belanglos herausstellten. Heute hatte er allerdings wirklich etwas zum Nachdenken.

Die Inquisitoren.

Aus Italien waren sie gekommen, um mit Claudius von Kirchschlag, dem Prior des Klosters, über den Inhalt eines neuen Buches zu disputieren, das vor vier Jahren in den Druck gegangen war.

Johannes rieb sich mit dem Ärmel seiner Kutte über Gesicht und Hals. War Prior Claudius nicht nach dem Gespräch mit den vier Männern auffallend nachdenklich gewesen?

Ruckartig setzte Johannes sich auf. Ein Schrei hallte durch die Gänge und Gewölbe des Klosters: langgezogen und schrill. So voller Qual, dass er nichts Menschliches an sich hatte.

Johannes’ Brustkorb zog sich zusammen, als sei er unvermittelt in eisiges Wasser gefallen. Einen Lidschlag lang vertiefte sich die unheimliche Stille noch. Johannes bekam keine Luft mehr, und in seinen Ohren begann es zu klingeln.

Durch das Geräusch hindurch hörte er, wie die Türen der anderen Mönchszellen aufgerissen und auf dem Gang des Dormitoriums hastige Schritte laut wurden. Stimmen erklangen, besorgte Fragen und ängstliches Gemurmel mischten sich mit geflüsterten Klagen.

»Was war das?«

»Es kam aus dem Gästehaus!«

»Unheimlich, dieser Schrei, wie ein Ruf aus der Hölle!«

Johannes quälte sich auf die Beine. Seine Knie zitterten. Er musste sich an der Wand abstützen, um nicht zu taumeln. Wurde er etwa krank? Er durchforstete sein Gedächtnis. Gab es Fälle von Pest in der Gegend? Er wusste es nicht.

Tief holte er Luft, dann stieß er sich von der Wand ab und durchquerte seine Zelle. Mit jedem Schritt, den er tat, ging es ihm ein wenig besser, und als er die Hand nach dem Riegel ausstreckte, da hatte er sich wieder in der Gewalt. Er öffnete die Tür und trat auf den Gang hinaus.

Prior Claudius, ein hochgewachsener, drahtiger Mann mit schwarzen Haaren, die an den Schläfen zu ergrauen begannen, stand direkt vor ihm.

Das Gemurmel der anderen Brüder schmerzte in Johannes’ Ohren.

»Ruhe!«, befahl der Prior.

Die Mönche verstummten.

Johannes blickte der Reihe nach in ihre Mienen. Alle Männer waren bleich, und auf ein paar Gesichtern stand Schweiß; flackernde Augenpaare starrten Johannes an, als erwarteten sie von ihm eine Antwort auf all ihre Fragen.

»Wer hat da so furchtbar geschrien?«, murmelte er. Seine Zunge lag dick und aufgequollen in seinem Mund, unfähig, die Silben deutlich zu formen.

Neuerliches Gemurmel scholl ihm entgegen.

Prior Claudius beendete es mit einer harschen Handbewegung, die aussah wie ein Fausthieb. »Zum Gästehaus!«, befahl er. Seite an Seite mit einem der Mönche, einem kleingewachsenen, kugelrunden Mann namens Friedrich, lief Johannes hinter dem Prior und den anderen her, hinaus aus dem Dormitorium, den Kreuzgang entlang und vorbei an den dort aufgestellten Grabplatten von Männern, die schon vor Hunderten von Jahren gestorben waren. Dann eine hölzerne Treppe hinauf, auf der ihre Schritte dumpf hallten, und im oberen Stockwerk zurück ins Schlafhaus, in jenen Teil, in dem Gäste des Klosters untergebracht wurden.

»Ich habe die halbe Nacht wach gelegen, Ihr auch? Es herrscht eine seltsame Stimmung im Kloster, nicht wahr? Und wie unirdisch dieser Schrei geklungen hat! Ich sage Euch, da geht etwas nicht mit rechten Dingen zu«, plapperte Bruder Friedrich auf Johannes ein. »Habt Ihr mit angehört, worum es bei diesem Besuch geht? Im Kloster kursiert das Gerücht, dass Rom plant, neue Wege in der Hexenverfolgung zu gehen.« Es war deutlich, dass er versuchte, mit den Worten einen Schutzwall um sich zu errichten.

Aus den Augenwinkeln warf Johannes kurze Blicke in das Gesicht Bruder Friedrichs und fragte sich, ob er selbst ebenso blass und fahrig aussah wie dieser. Der Schwindel, der ihn nach dem Aufstehen ergriffen hatte, war jetzt fort, aber das Ohrenklingeln und das Brennen seiner Augen waren geblieben.

»Diese Schrift ...«, hob Bruder Friedrich erneut an, brach jedoch ab, denn in diesem Moment erklang der Schrei erneut, sehr viel lauter noch als beim ersten Mal, da sich nun keine Mauern und Wände mehr zwischen seinem Verursacher und den Mönchen befanden. Zitternd hing er in der Luft, wandelte sich von einem schmerzerfüllten Brüllen bis hin zu einem irrsinnigen Kreischen, das die Luft vibrieren und Johannes’ Herz stocken ließ.

Wie auf ein Zeichen blieben die Mönche stehen.

Johannes schlug das Kreuz. Er war nicht der Einzige.

»Barmherzige Maria, Mutter Gottes!«, hörte er jemanden flüstern.

Vor ihnen befand sich eine hohe, doppelflüglige Tür. Johannes wollte gerade den Mund öffnen, als etwas mit brutaler Wucht von innen dagegen krachte. Das Türblatt erzitterte in seinen Angeln, und Johannes wich einen Schritt zurück.

Wieder brach ihm der Schweiß am gesamten Leib aus. Die Gesichter seiner Mitbrüder verschwammen vor seinen Augen, und ganz kurz glaubte der Infirmarius hinter den bleichen Mienen verzerrte Fratzen zu entdecken, hohlwangige Masken, die ihn aus brennenden Augen anstarrten. Er blinzelte, und fort war die Vision.

Auf der anderen Seite der Tür war es still geworden. Eine der Fackeln, die in eisernen Haltern an der Wand steckten, zischte leise. Ihr Licht zuckte unruhig über die Wände, die man hier oben nur roh verputzt hatte.

Johannes holte tief Luft und ließ seinen Blick über die versammelte Menge der Mönche schweifen. »Helft mir!«, befahl er. Dann streckte er die Hand nach dem Türriegel aus.

»Ihr wollt doch nicht ...«

Er achtete nicht auf des Priors ungläubige Frage und öffnete stattdessen die Tür. Sie schwang ein kleines Stück nach innen und kam mit einem Ruck zum Stillstand. Ein säuerlicher Geruch lag in der Luft.

Urin. Einer der Gäste hatte einen bereits benutzten Nachttopf gegen die Tür geworfen. Die Scherben hatten sich unter dem Türblatt verkeilt, und Johannes musste seine ganze Kraft aufwenden, um sich Eintritt zu verschaffen. Mit einem zornigen Kreischen schrammte die Tonscherbe über den Steinfußboden.

Johannes erschauerte.

»Herr im Himmel!«, hörte er einen der jungen Mönche murmeln. Es war Guillelmus, sein Famulus, der ihm als Assistent in der Krankenstube des Klosters diente und gleichzeitig sein Schüler war.

Hinter der Tür war es finster.

Finster und totenstill.

»Heda!«, rief Johannes. Seine Stimme wollte ihm nicht recht gehorchen, auch wenn seine Zunge jetzt weniger dick schien als zuvor. »Hohe Herren?«

Er bekam keine Antwort. Und das weckte seine Neugier.

Bevor er es sich versah, hatte er einen Schritt über die Schwelle getan und streckte die Hand nach hinten aus. »Licht!«, befahl er.

Der Geruch von Urin brannte ihm in der Nase. Um ein Niesen zu unterdrücken, knetete er sich die Nasenflügel, und als er die Hand wieder sinken ließ, war da plötzlich ein ganz anderer, ihm sehr vertrauter Geruch.

Sein Nacken versteifte sich.

Jemand legte ihm eine Fackel in die Hand, und er zögerte. Dann hob er den Arm.

Und prallte zurück.

»Heilige Mutter Gottes!« Guillelmus wimmerte auf wie ein kleines Kind.

Johannes begann zu schwanken, doch er fing sich. Das Licht der Fackel riss Einzelheiten aus der Finsternis. Ein langer, leuchtend roter Streifen an der weißen Wand des Schlafsaales. Eine klaffende Wunde.

Und in diesem Moment drang der andere Geruch mit voller Wucht auf Johannes ein. Es war Blut.

Zur gleichen Zeit

Der Hall von Matthias’ Schritten brach sich in einiger Entfernung und wurde als Flüstern zu ihm zurückgeworfen.

Er blieb stehen, kratzte sich am Hinterkopf und lauschte. Außer seinem eigenen Atem und dem stetigen und unregelmäßigen Klicken, mit dem Wasser von den gemauerten Decken tropfte, war kein weiteres Geräusch zu vernehmen. Gut so.

Die Luft hier unten, in den Gängen unter der Stadt, war kühl und feucht. Hierhin drang die Hitze des Sommers niemals, selbst wenn über der Erde ein glühender Höllensturm losbrechen sollte: Hier würde nichts davon zu spüren sein. Matthias legte eine Hand gegen die Seitenwand des Stollens und ließ die steinerne Kälte in seine Haut eindringen. Ein Wassertropfen löste sich von einem Vorsprung über seinem Handgelenk, traf auf seinen Zeigefinger und rann daran herunter, bis er fast den Ärmel erreicht hatte. Er schüttelte ihn fort. Sein Hinterkopf juckte jetzt stärker. Ob er sich im Gedränge der Gaststube gestern Abend einen Floh geholt hatte?

Der Gang war schmal, aber hoch genug, um aufrecht darin zu gehen. Gewachsenes Felsgestein begrenzte ihn nach rechts und links, und an etlichen Stellen konnte man noch die Spuren der Werkzeuge erkennen, mit denen Männer vor vielen Jahren die Stollen gegraben hatten. Ab und an zweigte ein schmalerer Gang nach rechts oder links ab und verlor sich in der Finsternis. Steinplatten bildeten den Boden, und ein leises Glucksen verriet, dass unter ihnen Wasser floss.

Matthias lächelte. Dies war sein Reich: die Wasserleitungen Nürnbergs. In die Felsen unter den Straßen waren sie gebaut und versorgten die Brunnen der Sebaldus-Stadt mit frischem Quellwasser, das teilweise in hölzernen Rohren, teilweise aber auch in den offenen Rinnen der Felsengänge zu den Menschen geleitet wurde.

Im Licht einer Laterne, die er mit einem eigens dafür vorgesehenen Ledergeschirr an seiner Schulter befestigt hatte, ließ Matthias seinen Blick den langen, sanft abfallenden Gang entlangschweifen. Der Felsen der Wände ging hier in einen gemauerten Tunnel über, und ein Stück weiter hatte man die Wände roh verputzt. Das Muster, das die Oberfläche bildete, erinnerte an die Schuppen irgendeines riesigen, unter dem Burgberg schlafenden Tieres. Manchmal, wenn Matthias die Augen zusammenkniff, fiel es ihm leicht, sich vorzustellen, wie die Wände und Decken rings herum sich in langsamem Rhythmus hoben und senkten.

Er kicherte leise. Das Geräusch seiner Stimme verlor sich vor ihm, aber anders als vorhin wurde seine Stimme plötzlich um ein Vielfaches verstärkt zu ihm zurückgeworfen.

Matthias zuckte zusammen, und seine Faust krampfte sich um den Griff des kurzen Schwertes, das er an seiner Seite trug.

Das Echo ebbte ab, wurde abgelöst von unheimlichem Gelächter, hohl und schrill und beängstigend.

Matthias spürte, wie an seinem Hals ein Muskel zu beben begann. Dann hörte er ein anderes Geräusch. Ein Steinchen, das einige Handbreit den Gang hinunterkullerte. Vor Erleichterung sackten Matthias’ Schultern nach vorne. »Faro, du Schwachkopf!«, rief er. »Glaubst du allen Ernstes, dass ich auf deine uralten Späße reinfalle?«

»Uralte Späße?« Die Stimme, die ihm nun antwortete, war langgezogen, klang fast wie ein Heulen. »Warte, du Ungläubiger!« Und im selben Moment sprang eine Gestalt aus einem der schmalen Seitengänge hervor. Bevor Matthias reagieren konnte, war sie bei ihm und riss ihn beinahe von den Füßen.

Matthias taumelte einen Schritt rückwärts. Er drehte die Hüfte ein und wehrte auf diese Weise den Aufprall ab. Seine Faust schoss vor, traf Leder und klirrende Kettenglieder eines an der Brust gepanzerten Hemdes.

»Aber für einen Augenblick hast du geglaubt, ich sei der Röhrenteufel, gib es zu!« Lachend hob der Angreifer beide Arme.

Matthias schüttelte den Kopf. »Nein. Ich dachte eher, dass dir die Arbeit hier unten endgültig den Verstand geraubt hat.«

Faro ließ die Hände sinken, dann reichte er Matthias die Rechte. »Kann ja nicht jeder die Felsengänge so sehr lieben wie du. Mir jedenfalls ist es hier unten zu dunkel, zu kalt und auch zu feucht.«

Matthias schüttelte seinem Freund und Gefährten die Hand. »Langsam kann ich dein Gemaule nicht mehr hören, mein Lieber!«

Faro zog den Kopf ein, als ein Wassertropfen direkt auf seine Stirn fiel. »Manchmal verursachen die Gänge mir einfach ein ungutes Gefühl.«

»Musst die Arbeit ja nicht machen.«

Faro schnaubte. »Klar! Damit Verräter wie dieser Joachim Gunther noch leichteres Spiel haben, oder was?«

Joachim Gunther war einer der Gefangenen, die im Kerker unter dem Rathaus, dem sogenannten Loch, saßen und auf ihren Rechtstag warteten. Man warf ihm vor, für Friedrich, den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, den Eingang zu einem der unterirdischen Felsengänge ausspioniert zu haben. Da diese alten Felsengänge zum Teil außerhalb der Stadtmauern begannen, boten sie für Feinde ideale Möglichkeiten, heimlich bis in das Herz der Stadt vorzudringen. Friedrich, der für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt war, hatte offenbar geplant, die Nürnberger Burg unter seine Kontrolle zu bringen – und damit jenen Einfluss über die reiche Stadt zurückzuerlangen, den das Geschlecht der Zollern einst dem Stadtrat verkauft hatte.

Gunther war von einem der vom Stadtrat vereidigten Röhrenmeister gefasst worden, als er die Stollen erkundete.

Matthias sah sich um. »Woher kommst du?«

Faro deutete zu der schmalen Abzweigung, hinter deren Ecke er sich eben versteckt hatte. »Aus Richtung Süden. Ich wollte zur Burg hoch.«

»Mein Weg.« Matthias wies den abschüssigen Gang entlang. Auf einmal überkam ihn ein vages Gefühl von Enge. Warum fühlte er sich plötzlich unbehaglich? Er warf Faro einen kurzen Blick zu und war froh, den Freund an seiner Seite zu haben.

»Zum Lochgefängnis runter?«, fragte Faro. »Dann hast du den Abschnitt zwischen Burg und hier heute schon kontrolliert?«

Matthias nickte.

Zu seiner Erleichterung grinste Faro. »Dann würde ich sagen, ich spare mir den Weg. Bist du heute wieder mit Sebald verabredet?«

»Natürlich.«

»Und hat er noch immer dieses Fass mit Heidelbeerwein vom letzten Herbst?«

Jetzt lächelte Matthias. »Was glaubst du?«

Faro schlug ihm auf den Rücken. »Ich glaube, ich werde dich begleiten, mein Lieber!«

Nachdem sie eine Weile über Joachim Gunther und seinen Verrat geredet hatten, hatte Matthias das Bedürfnis, das Thema zu wechseln. »Diese Kerle, die gestern bei den Predigern in der Burgstraße eingetroffen sind«, sagte er, »weißt du, wer sie sind?«

Faro zuckte die Achseln. »Inquisitoren. Mehr weiß ich auch nicht.«

»Das ganze Viertel redet über sie.«

Faro grunzte. »Na und?« Er hatte weiche Züge, die um die Kinnpartie bereits ein wenig erschlafften.

»Ich meine ja nur! Inquisitoren in Nürnberg, und das so kurz nachdem König Maximilian den Reichstag beendet hat. In der Stadt sind noch überall Spuren der hohen Herren zu sehen. Und jetzt Inquisitoren! Ich frage mich, ob die Bürger je zur Ruhe kommen.« Matthias überlegte einen Moment. »Ich habe munkeln gehört, dass eine der Wäscherinnen von der Heubrücke vom Teufel besessen sein soll«, fügte er hinzu.

Es gab in der Stadt immer wieder einmal Fälle von Besessenheit, das war nichts Besonderes, und wie Matthias schon erwartet hatte, winkte Faro ab. »Wahrscheinlich hat eine ihrer Nachbarinnen sie sogar um Mitternacht mit dem Besen aus dem Schornstein fliegen sehen, was?«

Faros Worte verstärkten das Unbehagen in Matthias’ Brust. Er musste sich zusammennehmen, um sich nicht alle paar Augenblicke ängstlich umzusehen. »Im Viertel am Spittlertor sind Streitschriften aufgetaucht, diese Dinger, du weißt schon, die sie auf ihren Druckerpressen neuerdings zu Hunderten herstellen können. Irgendwelche Auszüge aus einem neuen Buch standen darauf, das zwei Dominikaner geschrieben haben sollen. Ich habe nicht alles verstanden, aber im Kern ging es darin wohl um die Frage, ob es ketzerisch ist, an Hexen und Dämonen zu glauben.«

»Ach!« Faro wischte sich mit der flachen Hand über das Gesicht. »Kirchengeschwätz! Einmal behaupten sie, es sei nicht gut katholisch, an Zauberei zu glauben, weil es gegen Gottes Plan von der Welt sei. Dann wieder sagen sie, dass«, er hob das Kinn und blickte an die Decke, dann zitierte er mit verstellter Stimme: »Hexerei und Zauberkünste bisweilen unter heimlicher Zulassung von Gottes gerechtem Urteile und unter Beihilfe des Satans möglich sind.«

Matthias musste lachen, denn Faros Nachahmung der einfältigen Stimme eines Priesters von St. Sebald gelang beinahe perfekt. Rasch wurde er jedoch wieder ernst. »Mich macht es irgendwie unruhig, dieses ganze Gerede von Dämonen.« Vielleicht war das der Grund für sein Unbehagen? Es war wohl besser, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.

Zu seiner Erleichterung schien Faro das Gleiche zu denken. Er reckte sich und fuhr sich über die Kehle. »Bei den blinden Augen meiner alten Mutter«, brummelte er. »Hast du auch so einen Durst wie ich?«

Matthias feixte. »Nein. Du hättest gestern eben nicht so viel von Judiths Selbstgebranntem trinken sollen!«

Der Gang, in dem sie sich jetzt befanden, war breiter als die anderen. Ein kurzes Stück voraus machte der Weg eine Biegung. Wie an zwei oder drei anderen Stellen auch, hatten die Röhrenmeister hier eine der Steinplatten herausgehoben, um die Möglichkeit zu haben, in den langen Gängen ihren Durst zu löschen, ohne dafür eine schwere Wasserflasche mit sich tragen zu müssen.

Faro überwand die Lücke mit einem kurzen Sprung und blieb stehen. Er sank auf ein Knie und schöpfte eine Handvoll Wasser aus der Rinne. Dann trank er ein paar Schlucke, verzog das Gesicht und wischte sich ein paar Tropfen vom Kinn. »Schmeckt wie aus einem Sumpfloch!«

Matthias verzog das Gesicht. Aber der Anblick Faros hatte auch bei ihm Durst wachgerufen, und so trank er ebenfalls. Faro hatte recht, das Wasser schmeckte übel. Sie standen wieder auf, klopften sich den Schmutz von den Knien und setzten ihren Rundgang fort.

Diesmal begann Faro das Gespräch von Neuem. »Wie geht es Katharina?«, fragte er so beiläufig wie möglich.

Matthias warf ihm einen Seitenblick zu. »Gut soweit.« Katharina war seine Halbschwester. Sie und er hatten den gleichen Vater. Es war noch nicht sehr lange her, dass Katharinas Ehemann Egbert Nürnberg verlassen hatte und in der Fremde umgekommen war.

Faro nickte bedächtig. Vor ein paar Wochen hatte er begonnen, immer häufiger von ihr zu reden, und Matthias wusste, dass er sie schon als seine Verlobte ansah, auch wenn er es bisher noch kaum gewagt hatte, um sie zu werben. »Lebt sie noch immer in dem Haus nahe der Kartäusergasse?«

»Natürlich.« Matthias löste einen Schlüsselbund vom Gürtel. Sie waren inzwischen ganz in der Nähe des Lochgefängnisses, wo sie ihren Kontrollgang beenden wollten.

Faro hob die Schultern. »Ich könnte mir vorstellen, dass das Vermögen, das Egbert ihr hinterlassen hat, bald aufgebraucht sein wird.«

Jetzt blieb Matthias stehen. »Wenn du um ihre Hand anhalten willst«, sagte er, »dann rede mit ihr. Ich bin nur ihr Bruder.«

»Eben.« Faro zwirbelte eine Locke um den Zeigefinger. »Und euer Vater ist tot, wenn ich mich richtig erinnere.«

Womit die Vormundschaft über Katharina, rechtlich gesehen, auf Matthias übergegangen war. Nur, dass Katharina eine Frau war, die sich einen Dreck um etwas für sie so Lästiges wie einen Vormund scherte.

»Du kennst Katharina«, sagte Matthias. »Sie hört nicht mehr auf mich, seit wir beide den Windeln entwachsen sind. Glaubst du, sie würde es ausgerechnet tun, wenn es um die Frage geht, ob sie wieder heiraten soll?« Während er sprach, wandte er den Kopf und blickte in die Tiefe des Ganges hinter ihnen. Jetzt hob er eine Hand, brachte Faro damit zum Schweigen und griff nach seinem Schwert. Mit einer langsamen Bewegung tat es ihm Faro gleich, den Blick fragend auf seinen Freund gerichtet.

Der Gang hatte angefangen zu atmen! In langsamem, aber stetigem Rhythmus zogen sich die Felsen zusammen und weiteten sich wieder. Matthias’ Mund wurde trocken. Auf einmal fühlte er sich eingeschnürt. Bedroht. In seinen Ohren summte es. Der Boden unter seinen Füßen bebte.

Er zwang sich weiterzugehen, bis er vor einer eisenbeschlagenen Tür stand. Mühsam nur bekam er den Schlüssel ins Schloss, doch als er ihn herumdrehen wollte, erstarrte er mitten in der Bewegung. Er senkte den Kopf, ließ den Schlüssel los. Seine Hand krampfte sich um den Schwertgriff. Sein Oberkörper begann leicht hin- und herzuschwanken.

Faro blinzelte und wedelte vor seinen Augen umher, als müsse er lästige Fliegen verjagen. »Was zum ...«

Er unterbrach sich, denn jetzt waren hinter ihnen deutlich Schritte zu hören. Seite an Seite drehten sie sich um.

»Ist da wer?« Matthias’ Stimme trug weit in den Gängen, und sie brach sich an den rauen Wänden, so dass sie als vielfaches Echo zu ihnen zurückgetragen wurde.

Die Schritte verstummten.

Matthias schloss die Tür auf, doch kaum hatte er sie einen Fingerbreit aufgezogen, erschollen die Schritte erneut.

»Gebt Euch zu erkennen!« Matthias’ Zunge wollte ihm nicht richtig gehorchen, sein Befehl klang, als habe er den Mund voller Sägemehl. Wieder schwankte er, und diesmal musste er sich an der Wand Halt verschaffen. Er zog Luft durch die Zähne.

»Matthias?«

Faros Stimme drang wie aus weiter Ferne an sein Ohr, doch im nächsten Moment rückte die gesamte Welt dicht an ihn heran. Schlagartig bekam er keine Luft mehr. Das Blut rauschte in seinem Kopf, nur mit Mühe konnte er das Flüstern verstehen, das Faro über die Lippen presste.

»Was, bei allen Heiligen, ist das?«

Er wandte sich um, ihn schwindelte. Dann riss er die Augen auf. Im Gang vor ihm stand eine Gestalt, hochaufgerichtet, lichtumflossen. Blendend weiße Flügel bauschten sich im Luftzug, und glühende Augen richteten den Blick direkt in sein Gesicht.

* * *

Johannes Schedel hob die Fackel höher. Ohne dass er es wollte, formten seine Lippen Wort um Wort ein Gebet.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde ...

»... unseres Todes!« Die letzten beiden Worte schrie er heraus. Dann prallte er mit der Schulter gegen den Türrahmen.

Hände griffen nach ihm, hielten ihn aufrecht, so dass sich jede Einzelheit in seinen Geist brennen konnte.

Der rote Streifen an der Wand: Blut. Frisches Blut. Der Mann darunter: die Beine verdreht und gespreizt, als habe er weglaufen wollen und sei mitten in der Bewegung niedergestreckt worden. Ein tiefer Schnitt in seiner Kehle, und dann dieser Ausdruck auf dem Gesicht des Toten. Die Augen so weit aufgerissen, dass sie aus den Höhlen quollen, der Mund ein riesiges Loch.

»Da ist noch einer!«

Johannes wollte den Kopf wenden, doch es ging nicht. Tief holte er Luft, und das half ihm, seine Selbstbeherrschung zurückzuerlangen.

Auf einem der Betten rechts von dem Toten lag ein zweiter, ähnlich zugerichtet wie der erste. Diesem war der Tod nicht in die Kehle, sondern in den Leib gefahren und hatte ihn aufgeschlitzt. Noch im Sterben waren seine Hände auf die Wunde gepresst, und zwischen all dem düsteren Rot sah seine Haut milchweiß und rein aus.

Johannes stützte sich auf die Hände, die ihn hielten. Er sog so viel Luft in die Lungen, wie er konnte, und die Vorstellung, dass er etwas einatmete, was die Sterbenden in ihren letzten Zügen von sich gegeben hatten, ließ ihn würgen. Dann machte er sich los. Ging ein paar Schritte in den Gästetrakt hinein.

Zu viert waren sie gewesen.

Er sah sich suchend um.

Der dritte Tote lag hinter einem der schmalen Betten, halb unter dem herabgerissenen Laken verborgen, in das er sich verkrallt hatte. Das weiße Leinen verdeckte gnädig seine Wunden, nur ein feiner Sprühregen, der darauf niedergegangen war und es mit unzähligen roten Punkten benetzt hatte, sprach eine deutliche Sprache.

Johannes drehte sich einmal um die eigene Achse. Vier Mann. Wo ...?

Der Anblick all des Blutes, das gegen die Wände und die Decke gespritzt war, das Kissen und Decken durchtränkte und den Fußboden bedeckte, ließ ihn aufstöhnen. Er zwang sich zur Besonnenheit.

Vier Männer ...

Die Mönche auf dem Gang waren in stummem Entsetzen erstarrt. Alles, was Johannes hören konnte, war das leise Schluchzen eines der Jüngeren. Guillelmus, vermutete er.

»Scht!«, machte jemand. Guillelmus verstummte.

Es wurde still. So grauenvoll still, dass man das leise Geräusch hören konnte, mit dem Blutstropfen um Blutstropfen aus der Leiche des zweiten Inquisitors auf den Boden auftraf.

In diesem Moment erklang eine Stimme.

»Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten. Unter ihnen kam auch der Satan.«

»O mein Gott«, wimmerte jemand. »Das ist aus dem Buch Hiob!«

Johannes hatte die Worte längst selbst erkannt. Er schob die Zunge zwischen die Zähne und biss darauf. Der Schmerz wappnete ihn. Dann hob er die Fackel höher, die er beim Anblick all der Gräuel hatte sinken lassen, und leuchtete in den Winkel hinter dem letzten Bett.

Ein bleiches, schweißüberströmtes Gesicht starrte zu ihm auf. Dunkle Augen flackerten in unheimlichem Feuer, und aufgesprungene Lippen formten Wort um Wort, von denen keines mehr zu verstehen war. Der vierte Inquisitor war am Leben. Jetzt richtete er sich auf, bis er vor Johannes kniete, die Arme in die Höhe gereckt, den Kopf in den Nacken geworfen. Als sein Blick den des Infirmarius traf, ließ er die Rechte sinken.

In ihr lag der Griff eines blutigen Messers, und noch während der Mann Johannes mit verzerrtem Gesicht anstarrte, wich das Feuer aus seinen Augen. Er verkrampfte die Hände zu Fäusten. Dann brach er leblos zusammen.

Die Messerklinge traf klirrend auf dem Boden auf.

Plötzlich war jemand neben Johannes. Der Prior.

»Was ist das für ein Wahn?«, flüsterte er. »Was bringt einen Mann dazu, so etwas zu tun?«

Das Wort Wahn brachte Unruhe in die Menge der Mönche vor der Tür. Johannes konnte hören, wie Füße zu scharren begannen. Jemand flüsterte: »Der Teufel! Er muss besessen sein, nicht wahr, Bruder Infirmarius?«

Er schüttelte den Kopf. Es fiel ihm schwer; sein gesamter Körper fühlte sich an, als sei er von einer grässlichen Lähmung befallen worden. Zweimal musste er schlucken, bevor er eine Antwort geben konnte. »Nicht jeder Wahn wird von Dämonen ausgelöst.«

»Sondern?« Prior Claudius sah ihn fragend an.

Er betrachtete seine eigene Hand. Der Schweiß, den er sich kurz nach dem Aufwachen abgewischt hatte, war wieder da. Er richtete den Blick auf das ebenfalls schweißüberströmte Gesicht des letzten Inquisitors.

»Keine Dämonen«, wiederholte er leise. »Ich fürchte, dies hier ist viel schlimmer!«

2. Kapitel

Fingernägel krallten sich in Katharinas Oberarm, und sie blieb wie erstarrt stehen.

Ihr Herz vollführte einen Sprung, dann schlug es mit doppelter Geschwindigkeit weiter. Betont langsam wandte sie sich um und blickte in ein schmutziges Gesicht mit schweren Lidern und brennenden Augen.

Vor Erleichterung sank sie in sich zusammen: nur ein Bettler.

Kein Stadtbüttel!

So unauffällig wie möglich atmete Katharina die warme Augustluft ein, dann hob sie das Kinn und kniff die Augen zusammen. Zwei Marktfrauen, die auf dem Platz vor dem Weißen Turm ihre Körbe aufgebaut hatten und dort Gemüse und Eier verkauften, waren bereits aufmerksam geworden und starrten mit neugierigen Blicken zu ihr herüber.

»Hab ich Euch!« Der Mann, der nach Katharinas Arm gegriffen hatte, grinste breit und blöde und entblößte dabei Zähne, die in seinem vor Schmutz starrenden Gesicht auffällig weiß leuchteten. Katharina presste die Kiefer zusammen. Manche der ihr anvertrauten kranken Frauen hätten ihre rechte Hand gegeben für solche Zähne! Sie verspürte einen Anflug von Neid. Ihr fehlte bereits ein Backenzahn, was man aber zum Glück nur sah, wenn sie gähnte.

Behutsam griff sie nach der Hand des Bettlers und löste einen seiner Finger nach dem anderen aus ihrem Fleisch.

Gestank stieg von ihm auf, so streng, dass er ein Kratzen in ihrem Hals verursachte. Kot und Urin.

Seine Augen weiteten sich. »Anna?«, lallte er. Es klang wie ein Wimmern, erschrocken und enttäuscht, als sei er ein kleiner Junge und sie habe ihm eben sein Spielzeug fortgenommen. »Mama?«, fügte er an.

Katharinas Maske der hochmütigen Bürgersfrau fiel von ihr ab. Sie brachte es nicht fertig, seine Finger loszulassen. Als sie sah, wie sich die Miene des Mannes verzog, wie er jeden Anflug von Erwachsensein verlor und plötzlich auch äußerlich zu dem Kind wurde, das er im Geist geblieben war, tat es ihr in der Seele weh. Nur mit Mühe wahrte sie den Schein. Sie durfte nicht auffallen!

Die schmalen Schultern des Bettlers sanken vornüber, sein Kinn wanderte auf die Brust. Noch einmal blickte er hoch, und da glitzerten Tränen in seinen langen, dunklen Wimpern. »Willst du nicht mehr mit mir Fangen spielen, Anna?«, flüsterte er. Sein zerschlissenes Hemd enthüllte eine eingefallene Brust und hervorstechende Rippen.

Katharina schluckte.

Die beiden Marktfrauen hatten die Köpfe zusammengesteckt und tuschelten leise. Immer wieder warfen sie dabei giftige Blicke in die Richtung des Irren. Eine von ihnen wies die Straße hinunter, und erneut durchfuhr ein Schreck Katharina. Zwei Büttel näherten sich der Ecke, an der der Bettler Katharina aufgehalten hatte.

Sie musste hier weg!

»Es tut mir leid«, sagte sie und strich dem Mann über den Handrücken. Aus den Augenwinkeln sah sie die Büttel auf die Marktfrauen zugehen, sah sie stehenbleiben und mit ihnen reden. Da endlich ließ sie die Hand des Bettlers fahren.

Sie wollte gerade in einer der engeren Seitengassen untertauchen, als ein Ruf sie auf der Stelle festnagelte.

»Heda! Frau!« Es war einer der Büttel.

Katharina blieb stehen. Das Herz flatterte ihr jetzt im Brustkorb wie ein Vogel, den es nach Freiheit verlangte. Als sie sich umdrehte, um den Männern entgegenzutreten, war ihr schlecht. Nur mit Mühe gelang es ihr, eine freundliche Miene aufzusetzen und die beiden anzulächeln. Der schwarze Schleier, den sie zum Zeichen ihrer Witwenschaft über den Haaren trug, war ein wenig verrutscht, und sie zog ihn höher, so dass die Männer nur noch wenige ihrer blonden Haarsträhnen zu sehen bekamen.

»Ja?«, fragte sie, und ihre Stimme kippte beinahe dabei. »Was ist denn?« Sie hielt den Blick geradeaus gerichtet, direkt in die Gesichter der beiden. Hagere Züge mit schiefen Zähnen und aufgeworfenen Lippen und ein runder Kopf, von dem die blonden Haare wirr abstanden und durch den Helm nur unzureichend gebändigt wurden.

Diesen Männern war sie noch nie zuvor begegnet, also hatte sie vielleicht doch die Möglichkeit, ihr Spiel aufrechtzuerhalten. Ihnen zu entkommen ...

Auf keinen Fall Demut zeigen, mahnte Katharina sich.

Der Büttel wies mit dem Daumen über seine Schulter auf den Irren, der mit leerem Blick den Oberkörper vor- und zurückwiegte. »Hat er Euch belästigt?«

Das Haus, vor dem sie standen, hatte ein hölzernes Vordach, das weit über die Gasse hinausragte und einen wohltuenden Schatten auf die bereits zu dieser frühen Stunde von der Sonne erhitzten Pflastersteine warf. In diesem Schatten hatte sich der Irre zusammengekauert, als könne er sich dadurch unsichtbar machen.

Katharina richtete den Blick auf ihn. Sein Hemd entblößte eine schiefe, knochige Schulter, und sie sah, dass er sich einmal das Schlüsselbein gebrochen hatte.

Sie hatte das Bedürfnis, draufloszuplappern, den Bütteln wortreich zu versichern, dass nichts gewesen war, dass der Bettler sie überhaupt nicht belästigt habe. Sie beherrschte sich. Einige Lidschläge lang betrachtete sie das Häufchen aus Elend, Lumpen und Dreck, als müsse sie über die Frage des Büttels nachdenken. Dabei rückte sie ihre Schaube zurecht, so dass ihr Gegenüber nicht anders konnte, als den Pelzbesatz an ihrem Kragen zu bemerken. Nur reiche Bürger trugen auch im Sommer Pelz. Sie war eine ehrbare Nürnberger Frau. Sie musste es nur selbst glauben, dann würde man es ihr auch abnehmen!

»Der arme Irre?« Sie lachte leise, froh darüber, dass sie ihre Stimme jetzt wieder unter Kontrolle hatte. »Er kann mich gar nicht belästigen. So einen wie den übersehe ich einfach.« Sie lauschte ihren eigenen Worten nach und fühlte den Schmerz, den sie tief in ihrem Inneren verursachten.

Wie sie es hasste, sich immerzu verstellen zu müssen!

Der Büttel mit den schiefen Zähnen wandte den Kopf und musterte den Bettler. Katharina ballte die Hände zu Fäusten und lächelte weiter. Endlich nickte der Mann. »Dann ist es ja gut.« Er tippte sich grüßend an die Stirn, gab seinem Begleiter einen knappen Befehl und stiefelte schließlich davon.

Katharina schloss erleichtert die Augen, riss sie aber sofort wieder auf, als hinter ihr schon wieder eine Stimme ertönte. »Ihr hättet den Kerl festnehmen lassen sollen!«

Es war eine der beiden Marktfrauen, jene mit dem Eierkorb, ein kräftiges Weib mit von der Sonne dunkelbraun gebranntem Gesicht, in dem eine breite Nase und ein dünnlippiger, missgünstiger Mund saßen.

Bevor Katharina sich darüber klar wurde, was sie tat, wich sie einen Schritt zurück und hob abwehrend die Hände. Sie schluckte. Hatte sie sich jetzt verraten?

Zu ihrer Erleichterung jedoch missverstand die Marktfrau ihre Geste. Ein verständnisvolles Glitzern trat in ihre Augen. »Er hat Euch ganz schön erschreckt, nicht wahr? Ihr seid viel zu gutmütig gewesen, das ist Euch klar oder?«

Katharina wusste, dass es das Beste war, ihre Maske der hochmütigen Patrizierin aufrechtzuerhalten. »Die einzige, die mich wirklich erschreckt hat, das seid Ihr«, zischte sie die Frau an. Schlagartig wichen aus deren Blick alles Verständnis und alle Freundlichkeit.

»Ich mein’ ja nur!«, murmelte sie und kehrte zu ihrer Nachbarin zurück. Über die noch fast vollen Körbe hinweg steckten die beiden Frauen erneut die Köpfe zusammen. Diesmal hatten ihre giftigen Blicke Katharina zum Ziel.

Sie wehrte sich gegen das Gefühl der Verzweiflung, das sie zu überkommen drohte, zog den Kragen ihrer Schaube fester um den Hals und machte, dass sie davonkam.

Überall in der Stadt waren noch Spuren des soeben beendeten Reichstags zu sehen, den König Maximilian in Vertretung seines kranken Vaters geleitet und der mehr als fünf Monate gedauert hatte.

Katharina ließ den Weißen Turm hinter sich, durchquerte eine schmale Gasse, deren Häuser allesamt mit dem Rücken an die alte Stadtbefestigung gebaut worden waren, die man nach dem Bau der neuen Stadtmauer aufgegeben hatte. Vorbei an dem stattlichen Eckhaus des Roten Ochsen, dessen sechs Stockwerke im Licht der Morgensonne glänzten. An seinem Dachfirst war eine Handvoll Handwerker damit beschäftigt, neue Reiter aufzusetzen, die das Gebäude noch imposanter erscheinen lassen sollten, als es ohnehin schon wirkte. Katharina schenkte den in schwindelnder Höhe arbeitenden Männern nur einen kurzen Blick. Wie gewöhnlich hielt sie kurz an einem Apfelbaum ganz in der Nähe an, um die Hand an seine Rinde zu legen. Der Baum stand wie ein einsamer Wächter mitten auf einem kleinen Platz und erinnerte daran, dass noch vor gar nicht allzu langer Zeit an dieser Stelle Gärten und Wiesen gewesen waren. Warum er bei der Erweiterung der Stadtgrenzen nicht wie seine Kameraden gefällt worden war, wusste niemand mehr, aber an Tagen wie diesem war er ein willkommener Ruheplatz für die alten Leute des Viertels.

Ihr Weg führte sie jetzt in schrägem Winkel auf die neue Stadtmauer zu, deren hölzernen Wehrgang man zu Ehren des Königs und anderer hoher Würdenträger in leuchtendem Rot und Weiß bemalt hatte. Als Katharina einen gemauerten Ziehbrunnen passierte, konnte sie die Soldaten auf den Wehranlagen patrouillieren sehen. Die Stadtmauer machte hier einen Knick, und Katharina musste ebenfalls ihre Richtung ändern, denn die Häuser waren an dieser Stelle bis an die Mauern herangebaut und gewährten keinerlei Durchgang. So lenkte Katharina ihre Schritte tiefer ins Innere der Stadt. Sie überquerte zwei Gassen, in denen die Häuser schmal und eng gestaffelt standen und mit ihren Toreinfahrten erkennen ließen, dass hier hauptsächlich Händler wohnten. Ein halbes Dutzend Mühlräder erfüllte die Luft mit Knarren und Quietschen. Katharina bog noch einmal nach rechts ab und erreichte schließlich die Pegnitz, den Fluss, der die Stadt in zwei fast gleich große Teile zerschnitt. Sie überquerte ihn auf einer breiten steinernen Brücke, an deren Geländer noch immer Reste der bunten Wimpel hingen, mit denen man zu Maximilians Auszug vor ein paar Tagen die ganze Stadt geschmückt hatte.

Ganz kurz nur warf sie einen Blick nach rechts, wo sich in knapper Entfernung eine überdachte und mit Fachwerk verkleidete Brücke über den Fluss spannte, die in einem ebenfalls holzverkleideten Turm mit spitzem Dach endete. Der Henkersteg.

Eilig ließ Katharina ihn hinter sich.

Sie befand sich jetzt in den älteren Teilen Nürnbergs, der sogenannten Sebalder Stadt. Von hier aus erreichte sie die Kirche, die dem Viertel seinen Namen gegeben hatte. Auch ihr schenkte sie keinen zweiten Blick.

Ihr Ziel lag in der Krämersgasse, ganz in der Nähe des Predigerklosters. Es war ein dreistöckiges Haus mit gemauertem Fundament und schwarzen Fachwerkbalken, die sich unter der Traufe in einem filigranen Muster mit den Dachbalken verbanden. Ein Hausstein mit sieben Stufen führte zu der doppelflügligen Haustür hinauf, doch Katharina ging daran vorbei.

Sie sah sich einmal kurz nach allen Seiten um, bevor sie in einem Gässchen rechts des Hauses verschwand und ihm bis auf einen Hinterhof folgte. Hier befand sich ein weiterer Eingang, niedriger als der vordere und weniger prächtig. Ein Scheuereimer und ein Schrubber standen auf dem Hausstein, über dem eisernen Treppengeländer hing ein Teppich zum Lüften.

Katharina erklomm die Stufen, zögerte einen Moment und klopfte dann an.

Die Tür wurde so rasch geöffnet, als habe man nur auf Katharinas Erscheinen gewartet. Ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen und tiefblauen Augen erschien in dem Spalt zwischen Türblatt und Rahmen.

»Edith!« Katharina lächelte das Dienstmädchen an. »Deine Herrin hat mich rufen lassen.«

Auf Ediths Gesicht lag ein geringschätziger Ausdruck. »Ich weiß. Kommt rein.«

Die Tür schwang ein kleines Stück auf, gerade so weit, dass Katharina sich hindurchzwängen konnte. Edith war einen ganzen Kopf kleiner als sie, obwohl ihr dichtes blondes Haar zu einer für ein Dienstmädchen unziemlich hohen Frisur aufgetürmt worden war. Bettine Hoger, die Herrin des Hauses, liebte es, ihre Dienstmädchen zu kämmen und zu frisieren, als seien sie ihre erwachsenen Töchter.

Ohne ein weiteres Wort führte Edith Katharina durch einen mit weißen und schwarzen Fliesen ausgelegten Gang, dann durch eine Tür, die in den vorderen Teil des Hauses führte. Hier lagen Teppiche auf dunkelroten Holzdielen, und Dutzende von Familienportraits zierten die weißgetünchten Wände. Peter Hoger, Bettines Mann, war ein angesehener Nürnberger Handwerker, ein Messingschläger, der sich durch Fleiß und Geschick ein Vermögen erwirtschaftet hatte. Es war ansehnlich genug, ihn zu einem Genannten des Großen Rates zu machen, zu einem Mitglied jenes mehrere Hundert Männer zählenden Kollegiums, das beim Erlassen von Gesetzen und Verordnungen mitwirken durfte.

Das unverschämte Schweigen Ediths bereitete Katharina Unbehagen. »Warum braucht deine Herrin meine Hilfe?«, fragte sie, um eine möglichst ruhige Stimme bemüht. Edith sollte auf keinen Fall merken, dass sie Angst hatte. Angst, bei dem, was sie hier tat, erwischt zu werden.

Das Dienstmädchen zuckte die Achseln. Ein feiner Stich fuhr Katharina durch das Herz. Früher hätte sie ein solches Verhalten nicht durchgehen lassen, doch heute ... Energisch schob sie den Gedanken von sich, denn zu schmerzhaft war das, zu dem er sie führen würde. Ihre Kehle wurde eng, und sie atmete gegen den Widerstand an, der sich um ihren Brustkorb legen wollte wie ein Band aus Blei. Wie sehr sie sich doch nach früher sehnte, nach einer Zeit, in der sie keine Angst vor Entdeckung hatte haben müssen. In der sie eine angesehene Bürgersfrau gewesen war. Doch das war in einem anderen Leben gewesen. Weit entfernt von Nürnberg.

Zu ihrer Erleichterung erreichten sie endlich Bettines Gemach, und als Edith anklopfte, wich Katharinas Beklemmung ein Stück weit zurück.

»Katharina!« Die Stimme von Bettine klang matt, beinahe zu Tode erschöpft, und Katharina wusste im selben Moment, was sie erwartete. Sie wappnete sich und folgte Edith in das düstere Zimmer.

»Frau Bettine!« Sie zwang ein Lächeln auf ihre Lippen.

Bettine Hoger lag in einem großen Bett, mit einer dicken gesteppten Decke bis unter das Kinn zugedeckt und von einem Berg an Kissen umgeben, die ihre Gestalt aussehen ließen, als sei sie in einem Schneesturm verlorengegangen. Auf dem Nachtkästchen stand eine glänzende Messingschale, in der Kirschen und Granatäpfel lagen, und daneben brannte eine einzelne Kerze und verbreitete flackerndes Licht. Eine Handvoll Fläschchen mit Medizin stand herum, einige davon waren leer.

Katharina trat an das Bett. Es war aus dunklem geschnitzten Holz und mit einem Baldachin versehen, der vor lauter wallenden Bahnen aus dickem blauen Samt schier zusammenzubrechen drohte. Wie auch ihr Mann kam Bettine Hoger aus einfachen Verhältnissen und hatte es nie gelernt, mit ihrem Reichtum Maß zu halten. Katharinas Blick streifte die silbernen Kordeln, die den Baldachin an den Bettpfosten festhielten. Früher hätte sie selbst ein solches Bett haben können. Früher. Als Egbert noch lebte.