JANICE HAMRICK

MORD INKLUSIVE

KRIMINALROMAN

AUS DEM ENGLISCHEN
VON HELMUT ETTINGER

Impressum

Die Originalausgabe unter dem Titel

Death on Tour

erschien 2011 bei Minotaur Books, New York.

ISBN 978-3-8412-0478-3

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, September 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Erstausgabe erschien 2012 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z. B. über das Internet.

Einbandgestaltung Mediabureau Di Stefano, Berlin unter Verwendung mehrerer Motive

© Poodles Rock/Corbis, © Nic Taylor/getty-images und © Oleksiy Mark/iStockphoto

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

Inhaltsübersicht

Sonntag, Kairo

1. KAPITEL: TOD EINER TOURISTIN

2. KAPITEL: TEPPICHE UND EIN FIESLING

3. KAPITEL: MUMIEN UND MISSGESCHICKE

Montag, Von Kairo nach Assuan

4. KAPITEL: FLUGZEUG UND PAPYRUS

5. KAPITEL: INSELN UND INTRIGEN

Dienstag, Abu Simbel

6. KAPITEL: KLEIDERTAUSCH UND TRAUMFLUG

7. KAPITEL: MONUMENTE UND MORD

8. KAPITEL: LUXUSSCHIFF UND LADENDIEBSTAHL

Mittwoch, Edfu

9. KAPITEL: HÄNDLER UND PFERDE

10. KAPITEL: LOUNGE UND SPÜRNASEN

Donnerstag, Tal der Könige

11. KAPITEL: GRÄBER UND EIN ZWISCHENFALL

12. KAPITEL: HALSKETTE UND KNOCKOUT

Freitag, Königinnen und Karnak

13. KAPITEL: KOPFSCHMERZEN UND HATSCHEPSUT

14. KAPITEL: KARNAK UND CHAOS

Samstag und danach

15. KAPITEL: LÖSUNGEN UND WIEDERSEHEN

Dies ist eine erfundene Geschichte. Alle in diesem Roman auftauchenden Personen, Organisationen und Geschehnisse entstammen entweder der Phantasie der Verfasserin oder werden fiktiv verwendet.

Meinen Eltern

Joyrene und James Pope

sowie meinen Töchtern

Jacqueline und Jennifer Hamrick,

die stets für mich da waren

und an mich geglaubt haben

Sonntag, Kairo

Nach einer erholsamen Nacht in Ihrem Luxushotel unternehmen Sie mit Ihrem Ägyptologen und Ihren Reisegefährten eine kurze Fahrt zur Nekropole von Gizeh, wo sie die rätselhafte Sphinx sehen und die ehrwürdigen großen Pyramiden bestaunen werden. Danach fahren Sie im Luxusbus ins antike Memphis, um dort die zwölf Meter hohe Kolossalstatue von Ramses II. und die Alabastersphinx zu bewundern. Nach einem kurzen Halt bei der Stufenpyramide von Sakkara folgt die Besichtigung einer Fabrik, wo die weltberühmten ägyptischen Seidenteppiche geknüpft werden. Zu einem Besuch in Kairo gehört natürlich das Ägyptische Museum, wo Sie die Schätze von König Tutanchamun und die berühmtesten Mumien der Welt sehen werden.

Flyer von WorldPal

1. KAPITEL

TOD EINER TOURISTIN

Die Leiche lag mit dem Gesicht nach unten im Sand vor den riesigen Steinblöcken der großen Chephren-Pyramide. Über ihr schimmerte der blaue Himmel nur schwach durch den Dunst, den der erbarmungslos aus der Wüste wehende Chamsin erzeugte. Die Morgenluft war noch kühl und sehr trocken, ließ aber bereits die kommende Hitze ahnen. Männer mit um den Kopf gewundenen Tüchern, in wallende Gewänder gehüllt, rannten wie Ameisen durcheinander und stießen aufgeregt arabische Laute aus, während die Kameltreiber neben ihren gleichgültigen Tieren standen, die Hälse reckten und heftig aufeinander einredeten. Die Polizisten mit ihren Maschinenpistolen, die sonst so schläfrig und gelangweilt dreinschauten, umstanden jetzt die Menge mit grimmiger Miene.

Unsere Reisegruppe drängte sich nur wenige Meter von dem grellbunten Häufchen Kleidern zusammen, das soeben noch Millie Owens gewesen war. Alle paar Sekunden trat einer von uns aus der Gruppe heraus, warf einen kurzen Blick auf die am Boden liegende Gestalt, um danach sofort wieder in den Kreis der Übrigen zurückzukehren, der Sicherheit zu bieten schien. Wir konnten es einfach nicht fassen, dass dies kein schreckliches Missverständnis war, dass Millie dort nicht nur ein wenig ruhte und im nächsten Moment aufspringen würde, um uns wieder auf die Nerven zu gehen. Fast wünschte ich mir das jetzt.

Aber nur fast. Ich bin Geschichtslehrerin an einer Highschool und weiß daher, wozu Menschen in der Lage sind. Aber ich bin noch nie, nicht einmal in Elternversammlungen, einer Person begegnet, die für eine ganze Gruppe eine solche Plage war. Ehrlich gesagt, wirkte der Anblick der toten Frau vor der Pyramide bei weitem nicht so verstörend auf mich, wie ich es erwartet hatte. Verstohlen musterte ich die Gesichter meiner Reisegefährten der letzten beiden Tage. Sie alle schauten bekümmert drein, aber Tränen entdeckte ich nicht, abgesehen von einem Pärchen, das ich bei mir das Duo der Verwirrten nannte. Die beiden alten Frauen heulten und wirbelten umher wie die Derwische, die uns beim Essen an diesem Abend erwarteten. Anni, unsere Reiseführerin, versuchte gerade lustlos, sie ein wenig zu beruhigen. Alle anderen standen schockiert und schweigend herum. Schockiert, aber nicht trauernd.

Am meisten beunruhigte mich, dass offenbar niemand gesehen hatte, was passiert war, zumindest gab es niemand zu. Zwar berührte das Morgenlicht erst schüchtern die Steine der Pyramiden, und bis zum großen Ansturm der Touristen dauerte es noch eine Weile, aber auf dem Platz liefen bereits jede Menge Menschen hin und her. Die Händler mit ihren Postkarten und Gipsfiguren des Gottes Horus. Mindestens ein Dutzend Pferdekutscher mit ihren müden Tieren. Die Polizisten, die es fertigbrachten, unfähig und einschüchternd zugleich zu wirken. Schließlich unsere Reisegruppe von zweiundzwanzig Personen, der jetzt eine fehlte.

Wieso hatte niemand bemerkt, wie eine Fünfundfünfzigjährige auf die Steinblöcke geklettert und von dort in den Tod gestürzt war? Unserer Gruppe konnte man das vielleicht nachsehen, weil die meisten ständig bemüht gewesen waren, sich von Millie fernzuhalten. Ein Abstand von zwanzig Schritt war das mindeste, wenn man vor ihr sicher sein wollte.

Erst am Abend zuvor hatte ich in meinem ägyptischen Gesprächsbuch nach dem arabischen Wort für Pfefferspray gesucht. Ich hätte es gewiss nicht gegen die alte Nervensäge eingesetzt, wollte es aber bei mir haben, falls sie absolut unerträglich werden sollte. Millie war eine jener aufdringlichen Frauen, die ständig in Bewegung zu sein scheinen. Aus ihrem Mund ergoss sich ein endloser Strom von einfältigen Bemerkungen, idiotischen Fragen und gehässigem Tratsch. Während die meisten Reisenden noch dabei waren, sich miteinander bekannt zu machen, wusste sie bereits sämtliche Namen und vieles mehr. Dabei plapperte sie bedenkenlos alles aus, was sie in Erfahrung gebracht hatte, mischte es geschickt mit Vermutungen, um die Lücken zu füllen, und scheute auch nicht davor zurück, anderen nachzuschnüffeln. Erst eine Stunde zuvor hatte ich sie auf der kurzen Fahrt vom Hotel zu den Pyramiden dabei ertappt, wie sie in meinem Rucksack wühlte. Ohne im Geringsten verlegen zu werden, hatte sie ihn mir mit einem unverschämten Blick zurückgegeben.

»Schon Durchfall oder nur zur Sicherheit?«, hatte sie für alle hörbar gefragt, womit sie auf mein Imodium anspielte. Ich hatte sie nur entgeistert angestarrt, weil mir nicht gleich eine schlagfertige Entgegnung einfiel. Ich musste wohl froh sein, dass ich nichts Blamableres bei mir hatte. Und ich war mir ziemlich sicher, dass sie mir bei der Gelegenheit den erst am Vortag im Hotelshop erworbenen Lippenbalsam mit Erdbeergeschmack gestohlen hatte.

Millie ist  ... pardon, war  ... der lebende Beweis dafür, dass sich der Mensch nach der Highschool nicht mehr wesentlich ändert. In einer Schule von der Größe wie die, in der ich arbeite, laufen einem jeden Tag ein Dutzend Millies über den Weg. So ein Mädchen drängt sich in eine Gruppe hübscher und beliebter Gleichaltriger wie eine streunende Katze, ohne zu begreifen, welches Unbehagen es dort auslöst, und ohne zu ahnen, was es tun müsste, um dazuzugehören. Die netteren Mädchen dulden es eine Zeitlang, bis sie sich mit Hausaufgaben oder Verabredungen herausreden. Die boshafteren springen rüde mit ihm um und wetzen ihre rasiermesserscharfen Zungen an ihm, bevor sie angesichts seiner absoluten Begriffsstutzigkeit entrüstet davonschweben. Die Millies der Highschool brechen mir das Herz, was sie als Erwachsene aber nicht erträglicher macht.

Kein Wunder, dass unsere Millie allein reiste. Allen hatte sie bereits ausführlich erzählt, ihre Reisebegleiterin habe nur Stunden vor dem Abflug eine Blinddarmentzündung bekommen. Für meine Begriffe war diese Person entweder frei erfunden, oder sie hatte ihren Blinddarm selber mit einem Eispickel bearbeitet. Meine Reisegefährtin, Cousine Kyla, war für die erste Variante, die sie damit begründete, dass sich niemand freiwillig auf eine Reise mit Millie einlassen würde. Ich setzte auf die zweite, wofür ich ins Feld führte, dass die Auswahl von Mitreisenden zu den Phänomenen gehöre, die absolut unerklärbar seien. Nach einem winzigen Moment stimmte sie mir zu. Sie begriff sofort.

»Du Biest«, sagte sie bewundernd.

Aber das war gestern. Heute strahlte die Märzsonne bereits durch den Dunst, und die arme, bedauernswerte Millie Owens war tot, was ihr ganz sicher niemand gewünscht hatte. Über unserer schönen Ägyptenreise lag nun ein dunkler Schatten.

An die Steine der Pyramide gelehnt, die sich in der Morgenluft noch kühl anfühlten, dachte ich darüber nach, wie viele Menschen wohl im Laufe der Jahrtausende hier gestanden hatten, seit sie an diesem Ort lagen. Vielleicht nicht gar so viele. Hatten die Ägypter viel Zeit in einer solchen Totenstadt verbracht, nachdem sie die Pharaonen hier zur letzten Ruhe gebettet hatten? Während der Bauarbeiten musste die riesige Nekropole, fast eine kleine Stadt, ein belebter Ort gewesen sein. Aber was geschah danach, wenn die Bauarbeiten beendet waren und der neue Pharao fern von hier Kriege führte oder bereits neue Monumente errichten ließ? Ich stellte mir eine himmlische Ruhe vor, in der der Wind immer mehr Sand auf die Steine häufte, bis sie fast ganz von der Wüste verschlungen waren.

Jetzt herrschte genau das Gegenteil von Ruhe. Die Polizisten befragten die Händler. Noch nie hatte ich so viel Geschrei aus so geringem Anlass gehört. Zwar verstand ich nach zwei Monaten Beschäftigung mit den CDs des Sprachverlages Pimsleur nicht mehr als ein paar Worte Arabisch, aber es war nicht zu übersehen, dass die Polizisten aus den Umstehenden nichts herausbekamen. Wildes Gefuchtel, heftiges Kopfschütteln und Schulterzucken, aber keinen zusammenhängenden Satz. Millie war angeblich irgendwie auf einen der gigantischen Steinblöcke der Pyramide geklettert und von dort in den Tod gestürzt.

Das klang wenig plausibel. Die Blöcke waren zwar groß und viel zu hoch, als dass eine ungeübte Touristin ohne Hilfe überhaupt dort hinaufgelangen konnte, aber riesig waren sie gerade nicht. Wer aus einer Höhe von höchstens 1,80 Metern herunterfiel, konnte sich vielleicht den Arm oder einen Hüftknochen brechen, dachte ich bei mir und ließ meinen Blick über die uralten, verhutzelten Gestalten von Charlie und Yvonne de Vance gleiten, aber das Genick? Vielleicht hatte sie es ja auf den nächsten Block geschafft und war auf dem ersten aufgeschlagen, bevor sie ganz herunterfiel?

Ein Polizist winkte unserer Reiseführerin Anni, die mit ihm ein paar Schritte zur Seite ging. Anni war eine entzückende Mischung aus traditionsbewusster und moderner Ägypterin. Etwas jünger als ich, vielleicht Mitte zwanzig, hatte sie große dunkle Augen, die sie mit Eyeliner und Mascara betonte. Sie trug einen leichten Rolli, an dem sie ihr Kopftuch sorgfältig festgesteckt hatte, damit auch ja kein Millimeter von Hals und Haar zu sehen war. Darüber hatte sie ein T-Shirt mit dem Logo I like WorldPal gezogen. Jeans und Tennisschuhe vervollständigten ihr Outfit. In einer Hand hielt sie einen rosafarbenen Hello-Kitty-Schirm, der ihr nicht etwa als Schutz vor nicht vorhandenem Regen diente, sondern als Standarte, um ihre kleine Schar zusammenzuhalten. Wohin wir auch gingen, wir folgten Hello Kitty wie gehorsame Gössel der Mutter Gans.

Nun setzte ein heftiger Wortwechsel auf Arabisch mit dem Polizisten ein. Das einzige Wort, das ich verstand, war »la«, was »nein« bedeutet. Anni sagte es ziemlich oft.

Meine Cousine Kyla stellte sich mit besorgter Miene zu mir an den Steinblock. Sie achtet viel zu sehr auf ihre Kleidung, um sich an so ein staubiges Ding zu lehnen, aber heute stand sie besonders aufrecht einen Schritt neben mir, eindrucksvoll wie immer. Ihr langes dunkles Haar, nach Farbe und Fülle dem meinen gleich, aber mit elegantem Schwung, glänzte in der Sonne. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber ihre hellbraune Hose und ihr zitronengelbes Shirt sahen aus wie frisch gebügelt. Und während wir anderen die Köpfe hängen ließen, wirkte sie absolut cool und gefasst.

Aber das war nur Fassade. Ich konnte sehen, dass sie sich Sorgen machte wie wir auch.

»Was geht hier eigentlich vor?«, fragte sie im Flüsterton.

»Ich denke, die nehmen uns gleich alle fest und werfen uns in einen türkischen Kerker.«

»Sonst noch was?«

»Keine Ahnung.«

Sie warf mir einen Blick zu. Kyla mag aus der Entfernung schlank und elegant wirken, in Wirklichkeit aber ist sie ein Pitbull ohne Fell. Zu Hause in Austin, Texas, leitet sie ein Team von Software-Entwicklern, in dem es sehr organisiert, konzentriert und offen zugeht. Sie ist zutiefst davon überzeugt, dass sie jederzeit die Situation in den Griff bekommt. Mir macht es Spaß, sie regelmäßig darauf hinzuweisen, dass sie sich da irrt. Ich bin mir sicher, dass sie mich für weich und feige hält, denn sie hat es mir schon mehrfach ins Gesicht gesagt. Aber mit ihr kann man Pferde stehlen, und als ich sie zu dieser Ägyptenreise einlud, sagte sie ja, bevor ich den Satz zu Ende gesprochen hatte. Natürlich versuchte sie dann sechs Wochen lang, mich von einer Gruppenreise abzubringen und zu zweit loszuziehen, was der helle Wahnsinn gewesen wäre.

Nach Ägypten zog es mich, solange ich denken kann. Ich wollte schon immer die Pyramiden sehen, die Mumien, den  Nil. Eine Traumreise sollte es werden, die Erfüllung eines Kindheitswunsches. Aber ohne den Schutz einer Gruppe und einen Reiseführer, der zumindest die Sprache beherrscht? In einem Land, wo an jeder Ecke Wachtposten mit Maschinenpistolen stehen und jeden Touristenbus begleiten? Niemals. Sollte mich Kyla doch für feige halten. Damit konnte ich leben. Nun hatte sich gezeigt, dass auch eine Gruppe keinen absoluten Schutz bot. Millies Tod war wohl kaum in dem Programm von WorldPal vorgesehen, und ich wusste, wenn er unsere Reise ernsthaft beeinträchtigte, würde mir Kyla das bis zum Ende meiner Tage unter die Nase reiben.

Meine Gedanken kehrten zu dem Unfall zurück. Die Geschichte beschäftigte mich sehr, und das nicht nur, weil eine einsame Frau in mittleren Jahren tot war.

»Was meinst du, wie ist sie überhaupt dort hinaufgekommen?«, dachte ich laut.

Kyla maß den steinernen Koloss hinter mir mit einem Blick. Ihr Kopf ragte nur wenig darüber hinaus. »Ich würde das schon schaffen, wenn ich wollte«, erklärte sie.

»Ich sicher auch, aber nur, wenn ein hungriger Löwe hinter mir her wäre. Sonst nicht. Und sie war ein ganzes Stück älter als wir.«

Kyla dachte nach. »Aber sie war ziemlich drahtig«, wandte sie ein. »Schau dir doch Flora und Fiona an. Die kommen mir vor wie hundert, aber ich habe Fiona ihre Koffer schleppen sehen wie ein echter Lastträger.«

Das überhörte ich. »Aber auch wenn sie dort hinaufgeklettert und heruntergefallen ist, wieso war sie gleich tot?« Mein Blick wanderte zu dem Häufchen Unglück hinüber, aber ich brachte es nicht über mich, es mir genauer anzuschauen.

»Manchmal passieren die merkwürdigsten Dinge«, gab Kyla zurück.

Möglich, dachte ich bei mir. Aber mir fielen keine ein.

Nach und nach gesellten sich die anderen Mitglieder der Gruppe zu uns. Die jüngsten, zwei Burschen namens Chris und David Peterson, nahmen Anlauf und waren im Nu auf einem der steinernen Kolosse, womit sie uns bewiesen, wie leicht dies einem Teenager fällt. Ich sah, wie ihre kleine, rundliche Mutter schon den Mund aufmachte, um sie zurückzurufen, es dann aber seinließ.

Ein paar Schritte weiter suchte die Australierin Lydia Carpenter in ihrer Handtasche nach Zigaretten und drehte dem Wind den Rücken zu, um sich eine anzuzünden. Ihr Ehemann Ben trat an sie heran, beide steckten die Köpfe zusammen und tuschelten miteinander. Ich beobachtete sie mit Interesse. Lydia hatte immer eine kleine Blechschachtel dabei, in die sie die Asche fallen ließ. Das tat sie selbst hier in der Wüste, wo nichts als Sand und Staub zu ihren Füßen war. Manchem gefiel das offenbar nicht. Jerry Morrison, ein Anwalt aus Kalifornien, schnaufte ärgerlich und murmelte so laut, dass es alle hören konnten, etwas von einer »blöden Angewohnheit«. Er reiste mit seiner erwachsenen Tochter, die sich gleich ihm von den anderen fernhielt. Lydia und Ben antworteten mit verächtlichen Blicken.

Einer der Männer, ein dunkelhaariger Riese mit dröhnender Stimme, redete ein paar Schritte weiter über Millie. Kyla und ich spitzten die Ohren und traten einen Schritt vor, um zu verstehen, was er sagte.

»Sie ist tot, da gibt es keinen Zweifel«, sagte er zu einem Pärchen junger Asiaten, die sehr bekümmert dreinschauten. Als er unser Interesse bemerkte, zuckte er die Achseln. »Ich bin Arzt. Ich habe ihr den Puls gefühlt, bevor mich die Polizei weggeschickt hat.«

»Ich begreife nicht, wie so ein Sturz tödlich enden konnte«, sagte ich.

Er nickte. »Vielleicht ist sie mit dem Kopf irgendwo aufgeschlagen und hat sich dabei das Genick gebrochen. Ich durfte sie nicht genauer untersuchen, aber an ihrem Genick war etwas Blut, gleich unterhalb des Hinterkopfes. Ein tragischer Unfall.«

Gar zu gern hätte ich mich an seinen Namen erinnert. Selbst unter diesen Umständen war er mit der dunklen Haut seiner indianischen Vorfahren und einer Stimme, die sich ohne Mikrofon Gehör verschaffen konnte, eine auffallende Persönlichkeit. Das hätte ihn unsympathisch machen können, aber stattdessen wirkte er ausgesprochen liebenswürdig und nett.

Kyla streckte ihm die Hand hin. »Kyla Shore. Verzeihen Sie, ich habe Ihren Namen vergessen.«

Er lächelte ihr zu, kein bisschen verstimmt. »DJ.« Ihre Hand verschwand in seiner riesigen Pranke. »DJ Gavaskar aus Los Angeles. Und das dort drüben ist meine Frau Nimmi.« Er winkte ihr zu, und sie eilte sofort herbei.

Nimmi war klein, schlank und geschmeidig wie eine Katze. Goldschmuck leuchtete von Ohren und Hals, sie trug ein Shirt aus wunderschöner Rohseide und eine große Tasche von Louis Vuitton, die mindestens zwei Monatsgehälter gekostet haben musste  – meine, nicht ihre. Kleider machen Leute. Sie war die Art Frau, über die man sich im ersten Moment gern aufgeregt hätte, aber ihre Augen strahlten so herzlich wie die ihres Mannes. Ich ertappte mich dabei, dass ich ihr Lächeln erwiderte. Damenhaft hielt sie mir nur die Fingerspitzen hin. Die fühlten sich klein und kühl an wie ein Vögelchen. Sofort kam ich mir groß und plump vor.

»Wir sind uns ja schon vorgestellt worden, aber man kann sich nicht so viele Namen auf einmal merken«, sagte sie mit einem Schmunzeln.

»Jocelyn Shore«, sagte ich.

Ihr Blick wanderte von mir zu Kyla. »Sind Sie Zwillinge?«

Ich mochte Kyla gar nicht anschauen, denn ich spürte schon die eisige Kälte, die jetzt von ihr ausging.

»Nein. Wir sind nicht einmal Schwestern. Nur Cousinen.«

»Tatsächlich? Die Familienähnlichkeit ist ja verblüffend. Sie sind beide so hübsche Mädchen.«

Ich lächelte höflich zurück und spürte, wie ich leicht errötete. Es verwirrt mich immer, wenn Menschen mir solche peinlichen und sehr persönlichen Dinge ohne alle Umschweife ins Gesicht sagen. Und Nimmi war nicht annährend alt genug, um mich ein Mädchen nennen zu dürfen.

Da griff DJ ein. »Ich habe Keith und Dawn gerade gesagt, dass ich den Leichnam bereits untersucht habe.«

Nimmi erschauerte leicht. »So eine Tragödie.«

Ich wandte mich dem zweiten Paar zu. Über die Kims wusste ich noch nicht viel, außer dass sie aus Seattle kamen und einer von ihnen oder beide in einem Labor arbeiteten, wo man an Zusatzstoffen für Lebensmittel forschte. Mir gefiel, wie sie sich bei den Händen hielten, wo immer das möglich war, und sich nicht aus den Augen ließen, wenn man sie trennte. Offenbar waren sie noch nicht lange verheiratet.

Eine halbe Stunde verging, und die Stimmung der Gruppe wechselte nach und nach von Angst und Schrecken zu gereizter Langeweile. Derartige Veränderungen in einer Gruppe, völlig unabhängig von ihrer Zusammensetzung, habe ich oft beobachtet. Sie begegnet mir in meinem Unterricht. Eine Periode der Weltgeschichte kann in der Klasse faszinierend und unterhaltsam sein, während eine andere zur echten Qual wird und ich Mühe habe, die Schüler wach zu halten. Bei Erwachsenen ist das nicht viel anders. Kaum ein paar Stunden beisammen, waren wir bereits zu einer Einheit mit eigenen Bedürfnissen und Absichten verschmolzen. Ich blickte mich um und konnte klar erkennen, dass zwar jeder Einzelne noch Bedauern und Anteilnahme zu verspüren glaubte, die Gruppe als Ganzes aber müde und gelangweilt war und das Tagesprogramm fortsetzen wollte. Schließlich hatten wir nur eine Woche in Ägypten, und niemandem brach es das Herz, dass Millie Owens unsere Reiseführerin nun nicht mehr mit Beschlag belegen, in anderer Leute Taschen herumschnüffeln und alle möglichen dümmlichen Fragen stellen konnte. Die Gruppe war bereit, zur Tagesordnung überzugehen.

Schließlich kam Anni mit gebührend trauriger und sorgenvoller Miene zu uns zurück. Rasch und lautlos zählte sie die Anwesenden auf Arabisch durch.

»Wo sind Flora und Fiona? Hat sie jemand gesehen?«, fragte sie.

Es folgten gemeinschaftliches Seufzen und gereizte Blicke. Die verwirrten Alten waren noch kein einziges Mal pünktlich gewesen. Bei der Vorstellung am Tag zuvor hatten sie behauptet, sie seien Schwestern. Sie sahen sich aber überhaupt nicht ähnlich. Flora hatte kurzes graues Haar, an den Schläfen geschnitten wie bei einem Mann, aber mit einer lächerlichen lockeren Rolle auf dem Kopf. Sie starrte durch ihre Brillengläser, als seien sie trübe, und konnte sich nicht richtig konzentrieren. Fiona war dürr und groß, hatte sehr dünnes schwarzes Haar, das ihr völlig ungezähmt um den Kopf flatterte. Irgendeine Strähne stand stets nach einer Seite ab, wodurch ihr Aussehen ständig wechselte. Sie trug eine kühn geschwungene Hornbrille und hatte große Hände, die an Klauen erinnerten. Ich gebe zu, dass ich verstohlen nach einer Spur von einem Adamsapfel suchte, als ich sie zum ersten Mal sah.

Schließlich entdeckte DJ die beiden bei einem Polizisten, der auf einem Kamel saß. Das Kamel und der Beamte schienen sie ungläubig zu mustern. Die beiden studierten eine Karte, die im Wind flatterte, und gestikulierten dabei heftig. DJ rief ihnen etwas zu und winkte mit dem Hello-Kitty-Schirm, während Anni zu ihnen lief, um sie zu der Gruppe zu holen.

Als sie endlich ankamen, waren sie fürchterlich aufgeregt. »Wir konnten Sie nicht finden. Wir hatten Angst, Sie wären ohne uns abgefahren«, stieß Fiona atemlos hervor.

»Ja, wir haben uns alle hinter dem großen rosa Schirm versteckt«, murmelte Kyla vor sich hin.

»Na, dann sind wir ja alle wieder beisammen«, sagte Anni. »Und Mohamed kommt auch gerade«, fügte sie hinzu. Damit meinte sie ihren Partner, der die meisten von uns am Flugplatz erwartet und uns rasch und problemlos durch den Zoll bugsiert hatte. »Er wird sich um alles kümmern, was die ...« Sie stockte.

Man sah, dass sie nicht wusste, wie sie den Leichnam bezeichnen sollte. Aber schon sprach sie tapfer weiter: »... was Millie betrifft. Ich habe der Polizei gesagt, dass wir keine Ahnung haben, wie sich die Sache abgespielt hat. Wir können also jetzt gehen. Was wollen wir tun? Wir können zum Hotel zurückfahren und uns ein wenig von dem Schreck erholen«, schlug sie vor.

Die Gruppe protestierte laut. Wir waren in Kairo. Wir standen auf der sonnenbeschienenen Seite der viertausend Jahre alten Pyramide des großen Pharaos Chephren. Zwanzig Schritt entfernt führte ein geheimnisvoller Tunnel, vor dem dunkelhäutige Männer in flatternden Galabiyas Wache hielten, tief hinab ins Herz der Pyramide. Ganz in der Nähe, in der Richtung, aus der der Wind kam, warteten Kamelkarawanen unter der Führung rätselhafter Wüstenbewohner, die zudem auch noch mit Digitalkameras umzugehen verstanden. Ins Hotel zurückfahren? Nur über unsere Leichen.

Schließlich ließ sich Alan Stratton hören. »Ich denke, wir alle wollen weitermachen wie geplant«, sagte er mit fester Stimme.

Ich blickte ihn forschend an. Wieder fiel mir auf, dass er keinen Ehering trug. Er war hochgewachsen, Anfang dreißig und reiste ohne Begleitung, was ihn zum interessantesten Mitglied unserer Gruppe gemacht hätte, auch wenn er nicht so gut ausgesehen hätte. Kyla und mir war er sofort aufgefallen. Wir konnten es gar nicht erwarten, seine Geschichte zu hören und herauszubekommen, weshalb er so einsam war, aber bisher hatte sich noch keine Gelegenheit dafür ergeben. Er schien sich etwas am Rande der Gruppe zu bewegen und sich mit niemandem wirklich einzulassen, was bestimmt etwas bedeutete. Während wir anderen schockiert beisammenstanden, war er einer der wenigen gewesen, der sich an Millie herangewagt hatte, als sie tot am Fuße der Pyramide lag. Ich sah ihn sogar mit der Polizei und dann mit Anni sprechen. Jetzt hatte er sich zu unserem Wortführer aufgeschwungen und laut gesagt, was alle dachten.

Anni blickte uns an, und wir nickten mit den Köpfen wie die Wackelfiguren auf dem Armaturenbrett eines LKWs.

»Dann machen wir das so. Wer möchte ins Innere der Pyramide hinabsteigen?«, fragte sie und fächerte einen Stapel buntbedruckter Tickets wie ein Spiel Karten in ihrer Hand auf.

Eine halbe Stunde später stiegen wir wieder in den Bus und fuhren eine kurze Strecke zur Westseite der Pyramiden, wo eine ganze Herde Kamele auf uns wartete. Das war einer der Vorteile einer Gruppenreise: Wir mussten nie weit gehen und brauchten uns nicht selbst um ein Kamel zu kümmern. Anni ließ uns nicht sofort aussteigen, sondern gab uns ein paar Hinweise, was das Trinkgeld betraf, während wir uns wie die letzten Hinterwäldler an den Fenstern die Nasen platt drückten.

Was wir da sahen, wirkte chaotisch. Dutzende Kamele lagen im Sand, die langen, knochigen Beine untergeschlagen. Sie hatten kleine, leuchtend grüne Büschel Futter vor sich, die sich scharf von dem ausgedörrten Boden abhoben. Auf ihren Höckern lagen gesteppte Decken, wie man sie zum Abdecken von Möbeln benutzt. Darauf befand sich ein riesiger Sattel, der vorn und hinten hoch und spitz auslief. Das Fell der wilden Wüstenkamele war fast weiß und nicht sandfarben, wie man es bei ihren Artgenossen findet, die als Haus- oder Zootiere dienen. Sie schauten zugleich schläfrig und verdrossen drein.

Hinter der Kamelherde hatte man etwa zehn Pferde verschiedener Farbe aufgestellt, die sich neben den Wüstenschiffen klein und etwas kläglich ausnahmen. Die Botschaft war eindeutig: Echte Männer ritten Kamele, und nur jämmerliche Loser oder vielleicht ältere Nonnen fanden sich bereit, ein Pferd zu besteigen. Die Kameltreiber boten einen nicht weniger exotischen Anblick. Sie trugen die traditionelle Galabiya der Ägypter, das langärmelige blaue, graue oder schwarze Gewand, das wie ein weites Hemd von den Schultern bis zum Boden reicht. Dazu hatten die meisten weiße oder rot-weiße Tücher um den Kopf geschlungen, um sich vor der Sonne zu schützen.

Als wir, von dem Anblick hingerissen, aus dem Bus stiegen, stürzten die Kameltreiber schreiend auf uns zu. Die Vordersten unserer Gruppe scheuten wie verschreckte Rehe. Dawn Kim wandte sich sogar um und wollte sich in das Fahrzeug retten, wurde aber von dem wackligen Charlie de Vance daran gehindert, der gerade dabei war, sein künstliches Knie in die richtige Stellung zu bringen, um die letzte Stufe hinabzusteigen. Anni steuerte uns geschickt in die Hände des Treibers, mit dem sie eine Absprache getroffen hatte, worauf die Übrigen sich enttäuscht zurückzogen.

Aufgeregt folgten wir unserem Treiber. Die rotschopfigen Peterson-Jungen rannten voraus, begleitet von Warnrufen ihrer Mutter, sie sollten sich von den Tieren fernhalten. Flora und Fiona humpelten untergehakt voran und erklärten bei jedem Schritt, sie wollten nur gemeinsam ein Kamel besteigen. Jerry Morrison blieb mit seiner Tochter etwas zurück und rümpfte die Nase.

»So dreckige Viecher«, knurrte er, »die haben bestimmt Flöhe.«

»Na, weißt du, Daddy«, gab die Tochter zurück. Ich war ziemlich sicher, dass sie Kathy hieß und entschieden aus dem Alter heraus war, da man seinen Vater »Daddy« nannte.

Im Stillen hoffte ich, die beiden hätten noch den Kulturschock zu verarbeiten und würden uns mit ihrer Nörgelei nicht die ganze Reise verderben. Außerdem wünschte ich mir, mit den Flöhen möge Jerry Unrecht haben.

Ich bückte mich und zog meine Schnürsenkel fest. Ich wollte eine der Letzten sein, die ein Kamel bestieg. Möglichst weit weg von den Morrisons und dem Paar der Verwirrten.

»Trödel nicht«, sagte Kyla und stampfte mit einem blank geputzten Lederschuh ungeduldig im Sand auf. Der trug auch schon eine feine Staubschicht, was mich diebisch freute. Ich richtete mich auf und ging mit ihr zusammen weiter.

Der Kameltreiber forderte uns bereits winkend zur Eile auf, und wir bewegten uns, vorsichtig einigen liegenden und wiederkäuenden Tieren ausweichend, auf ihn zu. Der Mann war von enormer Körperfülle, sein riesiger Bauch blähte die Galabiya mächtig auf. Ich musste daran denken, welche Art winziger Wüstenbewohner sich in diesen Falten verbergen könnte, und der Gedanke ließ mich erschauern. Einer seiner Schneidezähne war aus Gold, der andere fehlte, und seine fast schwarze Haut glänzte schweißbedeckt.

»Bitte schön, die Damen, dieses Kamel ist für Sie.« Er zeigte auf eine der gelangweilten Kreaturen. Ich musste zugeben, dass sie, aus der Nähe betrachtet, tatsächlich Flohbisse zu haben schienen.

»Nein, nein«, sagte Kyla. »Ich will mein eigenes Kamel.«

»Ach wo. Dieses ist stark genug. Es kann ohne weiteres Sie beide tragen«, antwortete der Treiber und nickte dazu.

Kyla warf ihm einen zornigen Blick zu. »Ich will mein eigenes Kamel!«, wiederholte sie.

Er schaute mich flehend an, aber ich hob nur die Augenbrauen und blickte kalt zurück. Das funktionierte bei Siebzehnjährigen und verfehlte auch bei ihm seine Wirkung nicht. Er ließ ergeben die Schultern sinken. »Hier entlang.« Er führte Kyla zu einem anderen Kamel.

Der junge Mann, der die Zügel meines Reittiers hielt, schenkte mir ein kleines Lächeln und half mir in den Sattel.

»Halten Sie sich gut fest und lehnen Sie sich so weit zurück, wie Sie können«, sagte er und wartete, dass ich tat, wie mir geheißen.

Er hatte mir gut geraten. Ich packte das vordere Horn des Sattels und lehnte mich gerade noch rechtzeitig weit zurück, als das Kamel mit seinen Hinterbeinen abrupt aufstand, wodurch ich heftig nach vorn geworfen wurde. Als das Tier dann vorn hochkam, warf es mich mit einem Ruck nach hinten. Schließlich fand ich mich in dem Sattel fast drei Meter über dem Erdboden wieder und war froh, nicht heruntergefallen zu sein.

Alan Stratton tauchte neben meinem Kamel auf, blickte zu mir herauf und hielt die Hand gegen die gleißende Morgensonne. Seine Augen waren von ganz bemerkenswerter Farbe  – einem zarten Grün, das je nach Lichteinfall über Graugrün nach Grau changierte. Er trug das Haar kurz geschnitten und damit nicht so lockig, wie es wohl hätte sein können. Es leuchtete goldbraun und war früher bestimmt einmal blond gewesen. Ein kleiner Wirbel machte es sehr anziehend.

»Fühlen Sie sich gut?«, fragte er. Seine Stimme war genauso attraktiv wie der ganze Kerl, tief und ein wenig rau.

Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich ihn wie eine Idiotin anstarrte. »Ich hätte nie gedacht, dass man auf einem Kamel so hoch sitzt«, gab ich dümmlich zurück, wofür ich mich hätte ohrfeigen können.

Er grinste ein wenig. »Haben Sie noch nie auf einem gesessen?«

»Nein.«

»Ich auch nicht. Sie scheinen ein Naturtalent zu sein.«

Ich suchte noch verzweifelt nach einer besonders witzigen Antwort, da kam bereits ein anderer Kameltreiber und führte Alan zu einem der größeren Tiere. Ich sah zu, wie dieses erst mit den Hinter- und dann mit den Vorderbeinen aufstand, wobei Alan hin- und hergeschleudert wurde wie eine Stoffpuppe. Aber er hielt sich tapfer und winkte mir dann erleichtert zu. Ich winkte zurück.

Jetzt stieß der dicke Treiber einen Ruf aus, und los ging’s. Kamele machen lange, schleppende Schritte und schaukeln dabei von einer Seite zur anderen. Ich hatte die ganze Gruppe vor mir, wie sie einzeln oder paarweise durch den Sand in Richtung der Pyramiden ritt. Ich wollte gar nicht glauben, dass ich tatsächlich hier war. Am liebsten hätte ich meine Freude laut herausgeschrien, jemanden umarmt oder wäre jubelnd umhergesprungen. Kyla war zu weit vorn, um mein Hochgefühl zu teilen, aber sie hätte mich verstanden. Wir waren als Kinder zwar nicht zusammen aufgewachsen, aber während ich die Highschool besuchte, zog meine Familie nach Austin, und von ein oder zwei Querelen abgesehen, waren wir seitdem unzertrennlich. In der zehnten Klasse hatten wir beide an Ägypten einen Narren gefressen, wie es nur Teenager können. Wir kannten alle Ägypten-Sendungen des Discovery Channel und überredeten unsere Eltern, uns eine Strecke von zweimal vier Stunden zu fahren, um eine Sonderausstellung im Naturkundemuseum von Houston zu besuchen. Nicht einen einzigen der vielen Mumienfilme verpassten wir. Natürlich halten solche Leidenschafen nicht ewig, und schließlich interessierten auch wir uns mehr für Jungs und Klamotten. Aber als vor einigen Jahren die Tutanchamun-Ausstellung nach Dallas kam, gingen Kyla und ich zur Eröffnung, wofür wir endlose Stunden in zitternder Erwartung anstanden.

Nun war ich tatsächlich hier und ritt auf einem Kamel durch den Sand der Sahara auf die großen Pyramiden von Gizeh zu. Direkt vor mir hockte Kathy Morrison steif im Sattel, aber mit der konnte ich meine Begeisterung wohl nicht teilen. Ich wandte mich um. Auf dem letzten Kamel ritt Alan Stratton und schaute nachdenklich drein. Ich strahlte ihn unverhohlen an. Er bemerkte das und schenkte mir ein Lächeln.

»Das ist das Beste!«, rief ich, und er musste lachen.

Hinter ihm folgte der Rest der Kamelherde wie Spielzeuge, die ein Kind in den Sand der endlosen Wüste gesetzt hatte, die am Horizont mit dem leicht dunstigen Himmel verschmolz. Es war ein perfektes Bild. Ohne nachzudenken, hob ich meine kleine Kamera und drückte auf den Auslöser. Einen Augenblick schien mir, als sei Alans Lächeln verschwunden. Ich überlegte schon, ob ich mich entschuldigen sollte, aber es war sofort wieder da.

»Sie machen sich toll auf einem Kamel«, neckte er mich.

»Sie aber auch«, gab ich zurück und wandte mich rasch um, damit er nicht sah, wie mir ein leichtes Rot in die Wangen stieg.

Was war nur los mit mir? Ich benahm mich wie das letzte Highschool-Girl, wurde rot und aufgeregt, nur weil ein attraktiver Mann nett zu mir war. Um mich abzulenken, überlegte ich, warum es ihm nicht gefallen haben konnte, dass ich ihn fotografierte. Vielleicht gab es einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit und er war auf der Flucht vor der Polizei? Oder vor einer wild gewordenen Frau? Oder vor der Mafia? Er konnte natürlich auch ein Spion sein. Oder Kameras nicht mögen, wies ich mich zurecht. Wichtiger aber war: Sah ich auf einem Kamel wirklich gut aus? Und wie gut?

Bevor meine Gedanken mich ganz aus der Fassung brachten, hielt mein junger Kamelführer zum Glück das Tier an und bat um meinen Fotoapparat. Es war Zeit, ein Bild zu machen. Auf einem Kamel. Mit den Pyramiden von Gizeh im Hintergrund. Mit einem sehr gut aussehenden Mann ganz in der Nähe, der ein wenig mit mir flirtete oder vielleicht auch nicht. Wäre da nicht der schreckliche Tod dieser nervenden Frau gewesen, es hätte ein perfekter Morgen sein können.

Bis zur Sphinx brauchten wir mit dem Bus höchstens zwei Minuten. Wir bogen mit unserem riesigen klimatisierten Luxusgefährt um die längere Seite der Pyramiden und erreichten eine abschüssige Straße, die links an der Sphinx vorüberführte. Alle reckten die Hälse, um einen Blick auf sie zu werfen. Die Glücklichen, die auf der richtigen Seite des Busses saßen, klebten an den Fensterscheiben wie Kinder zu Weihnachten. Über ihre Köpfe hinweg konnte ich ein Stückchen von dem zerklüfteten, rätselhaften Antlitz erhaschen, das auch mit fehlender Nase sehr abgeklärt wirkte. Wie es in unserem Flyer hieß, stieg die gewaltige Figur tatsächlich in ihrer majestätischen Pracht direkt aus dem Sand auf. Was das Blättchen aber nicht vermitteln konnte, war ihre schiere Größe. Die Touristen, die hinter der Absperrung an ihrem Fuße standen, wirkten wie winzige Spielzeugfiguren.

Der Bus hielt am Straßenrand. Wir sprangen auf und warteten darauf, dass die Türen sich öffneten, aber Anni hieß uns wieder setzen.

»Wie Sie sehen, dürfen wir nicht näher heranfahren. Die Restaurationsarbeiten sind noch im Gange, denn Touristen und Invasionsarmeen haben über die Jahrhunderte große Schäden angerichtet. Unser Bus bleibt also hier stehen. Ich sage Ihnen gleich: Dies ist der beste Standort, um Fotos zu machen. Wir kommen zwar noch näher heran, aber von unten haben Sie keinen so guten Blickwinkel. Wir verweilen hier noch ein paar Minuten und gehen dann gemeinsam hinunter. Dort werden Sie sehen, dass ich recht hatte.« Sie zeigte ein kleines Lächeln. »Der Bus holt uns danach unten auf dem Parkplatz ab. Nach dem Plan hätten wir hier ein wenig freie Zeit, da wir aber bereits spät dran sind, bitte ich Sie, bei der Besichtigung immer in meiner Nähe zu bleiben.«

Wir alle nickten verständnisvoll und sagten ihr damit unsere Mitwirkung zu. Nun gab Anni unserem Fahrer Achmed ein Zeichen, der daraufhin die Türen öffnete. Familie Peterson stieg zuerst aus dem Bus. Während wir anderen noch herauskletterten, waren die beiden Jungen bereits den halben Weg hinuntergerannt, gefolgt von ihrer schnaufenden Mutter, die ihnen vergeblich nachrief zurückzukommen. Der Vater deckte resigniert das Objektiv seiner riesigen Kamera ab und folgte ihnen gemessenen Schrittes.

Kyla sah den Jungen nach. »Großer Gott. Und mit so was musst du dich jeden Tag abplagen?«

»Im Prinzip schon.«

»Wie war das noch mal mit den Tigern, die ihre Jungen fressen?«

Ich grinste und machte ein perfektes Foto von der Sphinx. »Das sind doch ganz nette Jungs. Du wirst sehen, sie sind nachher auch die Ersten im Bus.«

Sie schüttelte nur den Kopf. »Der reine Alptraum. Na und dann die zwei alten Schachteln.«

Ich wandte mich um. Da wackelten Flora und Fiona den Petersons hinterher, offenbar ohne klare Vorstellung, wohin sie sich wenden sollten. Fionas dünne Haarsträhnen standen nach mehreren Seiten ab. Anni holte sie rasch ein, brachte sie wieder auf den richtigen Weg, trug ihnen die Fotoapparate und wies in Richtung der Sphinx, die sie bisher offenbar noch gar nicht bemerkt hatten, denn nun strahlten sie und zeigten aufgeregt in ihre Richtung.

»Ich wette hundert Dollar, dass Anni ausflippt, bevor wir das Schiff erreichen«, ließ Kyla fallen.

»Das ist wann – in drei Tagen? Ich denke, so lange steht sie das durch. Ich halte fünfzig dagegen.«

»Okay. Wenn sie in der ersten Hälfte der Zeit ausrastet, habe ich gewonnen. Wenn erst in der zweiten Hälfte, dann du. Und wenn sie es bis zum Ende aushält, dann legt jede von uns ihr fünfundzwanzig Dollar aufs Trinkgeld drauf.«

Ich war einverstanden. Verstohlen suchte mein Blick Alan, um festzustellen, ob er vielleicht zu mir hersah. Aber er stand einige Schritte weiter rechts und fotografierte gerade Charlie und Yvonne mit einer Kamera, die bestimmt so alt war wie die beiden selbst. Charlie gab ihm noch ein paar Anweisungen, wie man mit dem Ding ein scharfes Bild machte.

Nun nahmen Kyla und ich uns abwechselnd vor der Sphinx auf und folgten dann der Gruppe den abschüssigen Pfad hinunter. Anni mit dem Hello-Kitty-Schirm bildete die Spitze.

Nimmi Gavaskar überholte uns und zog mit den Australiern Ben und Lydia Carpenter gleich.

»Ich wollte Sie schon vorhin fragen«, sprach sie die beiden in ihrem freundlichen Singsang an. »Was macht Ihre Nichte heute Morgen? Geht es ihr ein wenig besser?«

»Nicht viel«, antwortete Ben. Er und Lydia waren Anfang vierzig, offene und humorvolle Leute. Ihr Haar war etwas lang und oben schon ein wenig ausgedünnt, und auch bei ihm schimmerte unter blonden Haarbüscheln die braungebrannte Kopfhaut durch. »Sie sieht immer noch aus wie durch den Wolf gedreht.«

»Ben!«, wies ihn Lydia lautstark, aber nicht wirklich ärgerlich zurecht. »Sie hat gar nicht gut geschlafen. Mehr musst du doch nicht sagen.« Lydia hatte sandfarbenes blondes Haar, strahlend blaue Augen und die ledrige Haut einer starken Raucherin.

»Sorry, Liebling«, antwortete er unbeeindruckt. »Sie leidet an der Rache der Mumie, das ist sicher.«

»Das ging aber schnell«, sagte ich, ohne nachzudenken. »Im Flughafen sah sie noch so gut aus.«

Ben zuckte zusammen. »Sie haben uns am Flughafen gesehen?«, fragte er.

Ich nickte. »Unsere Maschine kam kurz vor Ihrer an. Wir gingen schon zum Wagen, und Sie standen noch am Gepäckband. Ein sehr hübsches Mädchen«, fügte ich etwas unsicher hinzu. Ich begriff nicht, warum er mich so anstarrte.

»Vielleicht sollte DJ sie einmal untersuchen. Er würde das sehr gern tun«, bot Nimmi an. »Er ist zwar Kinderarzt, kennt sich aber durchaus auch mit Erwachsenen aus. Er würde Ihnen gern zu Diensten sein.«

»Das ist sehr nett von Ihnen«, meinte Ben. »Ich bin sicher, in ein, zwei Tagen geht es unserer Nichte wieder besser. Wenn das nicht der Fall sein sollte, wenden wir uns gern noch einmal an Sie.«

»Denken Sie bitte nicht, dass es ihm lästig wäre. Solche Dinge müssen möglichst zeitig behandelt werden. DJ kann sie sich anschauen, wenn wir wieder im Hotel sind.«

Ben warf Lydia einen fragenden Blick zu, worauf sie kaum merkbar den Kopf schüttelte. Ich weiß nicht, ob Nimmi das überhaupt auffiel, mir dagegen schon. Ich selbst hätte die Arztgattin beim Wort genommen, wenn ich so fern von zu Hause krank geworden wäre, aber vielleicht war das junge Mädchen ein wenig schüchtern.

Die beiden gingen rasch weiter, und wir blieben zurück. Kyla schaute mich verdutzt an. »Was war das denn? Hast du sie wirklich am Flughafen gesehen?«

»Ja. Sie sind mir aufgefallen, weil ihre Nichte einer Schülerin sehr ähnlich sah, die ich letztes Jahr hatte.«

»Hm. Jammerschade, dass sie diesen ganzen Tag versäumt. Sie muss aber bereits krank gewesen sein, als sie landeten, denn sie war ja gestern Abend schon nicht beim Essen. Das heißt, dass es daran nicht liegen kann. Außerdem geht es allen anderen ja gut.« Kyla schien zufrieden.

»Nein, das Essen ist hervorragend«, stimmte ich zu.

»Salat rühre ich trotzdem nicht an, egal, was die sagen.«

»Du isst doch sowieso keinen«, gab ich zurück. Zwar sah man das ihrer perfekten Figur nicht an, aber Kyla ernährte sich ausschließlich von Fleisch, Kartoffeln und Desserts in allen Variationen.

Sie grinste mich nur an. »Stimmt, aber jetzt habe ich eine gute Ausrede.«

Wir waren nun wieder auf ebenem Gelände und bogen um eine Ecke. Links von uns zog sich eine lange Reihe in aller Eile aufgebauter Stände mit grellfarbigen Tüchern, Shirts und allem möglichen Schnickschnack hin. Davor lauerten Dutzende Ägypter, sämtlich in der bodenlangen Galabiya, auf Kunden. Touristen, die sich zu sehr in ihre Nähe wagten, wurden sofort umringt wie in den Specials vom Planet der Tiere, wo die dumme Grille sich zu nahe an den Ameisenhaufen heranwagt. Kyla und ich schlugen einen Haken, bevor sie unserer ansichtig wurden.

Als wir uns jetzt noch einmal der Sphinx näherten, sahen wir, dass Anni mit dem Standort recht gehabt hatte. Am Bus hatten wir höher gestanden und waren dem Monument näher gewesen. Das machte aber niemandem etwas aus. Ringsum hörte ich Zooms surren. Meine winzige Canon besaß nur eine dreifache Vergrößerung, besser als nichts, aber mich packte schon der Neid, als ich sah, wie Tom Peterson wieder seine große Nikon hervorholte. Mit diesem Ding hätte er selbst die Krähenfüße um die Augen der Sphinx sichtbar machen können.

Nimmi schloss zu DJ auf, und beide drückten Keith Kim ihren Apparat in die Hand, der sie bereitwillig vor der Sphinx ablichtete. Dann bat er sie um den gleichen Gefallen. Das Klicken war kaum verstummt, da strebte DJ bereits den Ständen am Straßenrand zu. Nimmi folgte ihm wenig begeistert. Ungläubig schaute ich den beiden nach, aber Sekunden später war DJ bereits heftig beim Feilschen, das er regelrecht zu genießen schien. Ich bin mir nicht sicher, ob er in dem Gewühl überhaupt richtig sehen konnte, was er da kaufte.

Nicht dass ich ihn beobachtete, aber Alan Stratton war der Letzte, der den Weg herunterkam. Er war auch als Letzter aus dem Bus gestiegen, hatte noch ein paar Worte mit dem Fahrer Achmed gewechselt und keinerlei Eile gezeigt. Jetzt holte er Kyla und mich langsam ein.

»Ein Foto, die Damen?«, fragte er und brachte seine Kamera in Anschlag.

Kyla schenkte ihm ein so strahlendes Lächeln, dass er leicht zwinkerte.

Habe ich schon erwähnt, dass ich ein wenig eifersüchtig auf Kyla bin? Die Leute sagen, wir sähen uns ähnlich, was in  gewissem Maße auch zutrifft, denn wir kommen beide nach unseren Vätern, die eineiige Zwillinge sind. Ich habe braune, sie dagegen blaue Augen, aber sie sind von gleicher Form. Wir haben beide dunkles Haar und die Shore-Nase, die zum Glück klein und gerade ist. Die Nase meiner Mutter dagegen sieht aus wie eine kleine Kartoffel mitten im Gesicht. Kyla und ich werden häufig für Schwestern gehalten, können aber nicht ernsthaft für Zwillinge durchgehen, wie Nimmi meinte. Kyla ist schlank wie ich, aber zierlich, während ich den robusteren Körperbau eines entfernten Vorfahren geerbt habe, der Bauer gewesen sein muss. Ich konnte schon als Schulmädchen meine Erdnussbutterdose selbst öffnen, aber das war ein schwacher Trost, wenn Kyla dagegen ständig zu Rendezvous eingeladen wurde. So schlecht sehe ich gar nicht aus. An manchen Tagen schaue ich ganz gern in den Spiegel, aber Kyla hat sich von einem hübschen Mädchen zu einer echten Schönheit gemausert. Zwar tat es gut, mit ihr gemeinsam zur Highschool zu gehen, wo wir unzertrennlicher waren als Schwestern, aber immer mal wieder gerieten wir heftig aneinander. Die aktuelle Situation war ein perfektes Beispiel. Kaum tauchte ein ungebundener, attraktiver Mann am Horizont auf, da verwandelte sich Kyla aus einer witzigen, immer zu lustigen Sprüchen aufgelegten  Freundin in eine männerfressende Sirene. Sie konnte nicht anders, und weder ich noch Alan Stratton hatten eine Chance, dem zu entgehen. Seufzend schickte ich mich an, unauffällig zu verschwinden.

»Kaum zu glauben, dass dieses Ding einst bis zum Hals im Sand steckte«, sagte Alan, als er uns beide ablichtete.

»Sind Sie so nett und machen ein Foto von uns mit meinem Apparat?«, fragte ich und hielt ihm die Kamera hin. Zwar hatten wir uns alle versprochen, am Ende der Reise Bilder zu tauschen, aber daraus wurde meist nie etwas.

»Ach, mischen wir uns doch ein wenig«, fuhr Kyla dazwischen. »Alan, Sie stellen sich neben mich, und Jocelyn kann das Foto machen.«