Taavi Soininvaara

Finnischer
Tango

Roman

Aus dem Finnischen
von Peter Uhlmann

Impressum

Titel der Originalausgabe

Pimeyden ydin

ISBN 978-3-8412-0192-8

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, November 2011

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Erstausgabe erschien 2008 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Copyright © 2005 Taavi Soininvaara

Published by agreement with Tammi Publishers,Helsinki and Leonhardt & Høier Literary Agency, Copenhagen

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung heilmann/hißmann, Hamburgunter Verwendung eines Motivs von plainpicture/Millenium

Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

www.aufbau-verlag.de

Die das Dunkel nicht fühlen, werden sich nie nach dem Lichte umsehen.

Henry Thomas Buckle, Geschichte der Zivilisation in England

Es gibt kalten und heißen Eifer; das Größte ist auf der Welt durch letzteren vollbracht worden.

Lloyd George, Reden

Ein Adler fängt keine Fliegen.

Lateinisches Sprichwort

PROLOG

Irak im Jahre 2003

Die nackte Gestalt hing am Deckenventilator, die Hände an den Flügeln festgebunden, und drehte sich langsam im Kreise. Der Mann wartete, gleich würde es geschehen, jeden Moment konnte seine Qual beginnen. Auf dem Gang im Kriegsgefangenenlager Camp Bucca hallten die angstvollen Schreie der Gefangenen und die wütenden oder belustigten Rufe der britischen Soldaten wider, und die Wachhunde kläfften.

Er schrie vor Schmerz, als die Schwefelsäuretropfen seine Unterschenkel wie tausend glühende Nadeln trafen, die Muskeln verkrampften sich, und das Zwerchfell zog sich zusammen, aber im Magen war nichts mehr, was er hätte erbrechen können. Der Geruch der von der Säure verbrannten Haut stieg ihm durch den Stoff der über seinen Kopf gezogenen Kapuze in die Nase. Dann rollte eine neue Welle des Schmerzes über ihn hinweg, als Seifenwasser auf seine Beine geschüttet wurde; es reagierte mit der Säure und brannte zunächst wie Feuer, doch allmählich ließ das Brennen nach.

Konzentriere dich, beschäftige dein Gehirn …

An den Schmerz gewöhnte man sich nie, aber er glaubte ihn jetzt bedeutend besser auszuhalten als vor vierundneunzig Tagen; damals hatte das erste Mal ein Elektroschock seinen Körper erschüttert. Oder bildete er sich das nur ein? Sein Gedächtnis fütterte ihn mit Informationen: Der Schmerz ist eine subjektive Erfahrung und lässt sich nicht messen. Die Intensität des Schmerzes, den ein anderer Mensch empfindet, kann man nur durch die Beobachtung seines Verhaltens beurteilen: Wie spricht, weint, schreit er, zieht er sich zurück, oder hinkt er, welche Medikamente nimmt er … Der Schmerz hängt mit einer Gewebeschädigung oder der Gefahr einer solchen zusammen. An den freiliegenden Nervenenden wird ein Schmerzsignal ausgelöst, das ins zentrale Nervensystem übertragen und dort auf verschiedenen Ebenen umgewandelt wird. Es entsteht das Schmerzempfinden …

»Rede, Gefangener! Rede oder stirb!«, rief die Soldatin vergnügt auf Englisch, begleitet vom pausenlosen, immer wütenderen Bellen der Schäferhunde, das von den kahlen, graugelben Gefängniswänden vervielfacht wurde. Er sah das zu einem Grinsen verzerrte Gesicht der Frau deutlich vor sich, obwohl unter der Kapuze völlige Dunkelheit herrschte.

Konzentriere dich, denk nicht an den Schmerz …

Gab es irgendjemanden, dessen Leben sich genauso schnell und total geändert hatte wie seines? Noch vor drei Monaten hatte er mit seinen Eltern und seinen zwei jüngeren Schwestern in Adhamiyah gelebt, einem Vorort Bagdads für die obere Klasse, er war Wissenschaftsminister der Regierung gewesen und hatte zum beneideten engsten Kreis Saddams gehört. Nach dem Beginn des Angriffs der Koalition hatte er sich mit seiner Familie zu Hause verschanzt. Einigen Glücklichen gelang es noch rechtzeitig, zu fliehen und das Land zu verlassen, ihnen jedoch nicht.

Von den Bomben blieben sie verschont, und als die US-Truppen am 5. April in Bagdad einmarschierten, glaubten sie schon, das Schlimmste überstanden zu haben. Doch dann begannen die Verhaftungen: Die Amerikaner wussten, wo Saddams Leute wohnten, und holten einen nach dem anderen zum Verhör. Es gelang ihm, aus Bagdad zu fliehen, er versuchte den Hafen von Umm Qasr und die kuweitische Grenze zu erreichen, aber britische Soldaten stoppten ihn und seine Begleitung in der Nähe von Basra und steckten ihn in diesen Vorhof der Hölle – ins Camp Bucca. Ein paar Wochen nach seiner Gefangennahme erfuhr er, dass sein Zuhause noch am Tag seiner Flucht aus Bagdad gesprengt und seine Familie ermordet worden war. Er hatte Sehnsucht nach seinen Eltern und Schwestern.

Eine eiskalte Dusche traf ohne Vorwarnung seinen Körper mit so hohem Druck, dass es schmerzte. Er saugte Wasser aus dem Stoff der Kapuze und bekam einen feuchten Mund, aber der Durst wurde nur noch schlimmer.

Die Briten folterten ihn, weil der Widerstand auf den Straßen Bagdads und überall im Land weiterging, obwohl die eigentlichen Kampfhandlungen längst beendet waren. Die ihn verhörten, wollten wissen, was Saddams engster Kreis in den Monaten, als der Sturz des Diktators näher rückte, geplant hatte, wer den Widerstand der Iraker anführte, was die Aufständischen anstrebten.

Die Briten wussten, dass im Irak die Autorität der Oberhäupter alter Familienclans bei jedem Umsturz noch größer wurde, und seine Familie war eine der ältesten und einflussreichsten im Land und in der ganzen arabischen Welt. Unter seinen Vorfahren fanden sich Dutzende Ajatollahs und Glaubensgelehrte geringeren Ranges sowie Staatsmänner und Politiker. Er war ein Nachkomme des Propheten in gerader Linie. Seine Familie verfügte über gute Beziehungen zu den Machthabern aller arabischen Staaten; später würde ihm das von Nutzen sein, aber derzeit nicht. Denn jetzt war er nur einer von sehr vielen irakischen »Geistergefangenen«, die nicht in die Gefangenenlisten eingetragen wurden und deren Existenz die Truppen der Koalition nicht einmal den Beobachtern des Internationalen Roten Kreuzes mitteilten.

Er spürte einen stechenden Schmerz in den Schultern, als die Ventilatorflügel anhielten. Ihm war schwindlig. Erst jetzt bemerkte er, dass er am ganzen Körper zitterte. Aber warum? Er wartete doch ganz gelassen auf die nächsten Säurespritzer. Lieber physischer Schmerz als die Erniedrigungen. Die Briten dachten sich immer neue aus, dabei fehlte es ihnen nicht an Phantasie: Man hatte ihm Frauenunterwäsche angezogen und ihn gezwungen, in widerlichen Gruppenbildern zu posieren, er musste sich die Wunden von in Leichensäcken liegenden Mitgefangenen, in Eis aufbewahrte verstümmelte Tote und die Folterqualen anderer Gefangener ansehen.

Als ein Stock krachend seinen Oberschenkel traf, zuckte er zusammen und schrie auf, der Schmerz strahlte in seinen ganzen Körper aus.

»Wo sind Saddam, Udai, Qusai … Wer organisiert die Bombenanschläge in Bagdad … Wer führt den Widerstand in Falludscha?«, schrie die Frau mit schriller Stimme, und ein neuer Schlag klatschte auf die Rückseite seines Oberschenkels. »Sobald du redest, hört das auf.«

Der Mann stellte sich bewusstlos, manchmal half das. Er konzentrierte sich und dachte an die Folterer und nicht mehr an den bevorstehenden Schmerz. Die Soldatin ließ ihn an Erich Fromms Theorie glauben, wonach an einem Zerstörungssyndrom leidende Menschen sich ihres gestörten Verlangens bewusst waren und es mit brutalen Taten zum Ausdruck brachten. Unter normalen Verhältnissen versuchten solche Psychopathen ihr Verlangen zu kontrollieren, aber unter Kriegsbedingungen oder wenn im normalen Leben alles drunter und drüber ging, brauchten sie sich nicht mehr zurückzuhalten.

»Der erträgt das noch mal«, flüsterte die Soldatin ihrem Kameraden zu, sie glaubte wohl, er höre es nicht. Und es stimmte, was sie sagte, er würde eine weitere und, wenn es sein musste, auch noch hundert Wellen des Schmerzes aushalten. Er wollte nicht sterben. Kierkegaard hatte seinerzeit behauptet, ein Geheimnis adele den Menschen und verleihe seinem ganzen Leben eine neue Bedeutung. Der Däne hatte recht gehabt.

In dem Augenblick trafen die Säuretropfen seine Schenkel, und er zerrte an den Seilen. Ein Schrei entfuhr ihm und hallte von den Wänden des Zellenganges wider. Rasch sank er in die dunkelsten Schichten des Bewusstseins, doch noch schossen ihm Gedanken durch den Kopf; er klammerte sich an ihnen fest und wartete auf das Wasser, das den Schmerz linderte.

Überlass dich nicht der Verzweiflung, sie beseitigt den Schmerz nicht. Konzentriere dich …

Ihm fiel Spinozas Rat ein: »Du sollst der Menschen Tun weder belachen noch beweinen, sondern es begreifen.« Er dachte an andere Genies, die so waren wie er, und das gab ihm Kraft. Alle, die in ihrem Leben etwas Großes vollbrachten, hatten schon als Kind auf irgendeine unbestimmte Weise davon gewusst. Sie alle hatten schon als junge Menschen erfahren, dass sie etwas Besonderes waren. Und sie alle hatten sich ihr ganzes Leben lang auch für etwas Besonderes gehalten, für anders als die anderen. Sie waren introvertiert und bescheiden, es sei denn, ihr Auftrag verpflichtete sie zu etwas anderem. Sie alle blieben in jeder beliebigen Situation ganz gelassen, ihnen konnte nichts geschehen; sie betrachteten auch ihr eigenes Leben mit den Augen eines Außenstehenden, eines Allmächtigen. Und sie warteten. Sie alle warteten auf das Schicksal, auf das Ereignis, durch das der Sturm ihrer Genialität losbrechen würde. Er brauchte nicht mehr zu warten.

Adil al-Moteiri hatte sein Schicksal in den Folterkammern des Kriegsgefangenenlagers Camp Bucca gefunden. Im Kern der Dunkelheit. Jetzt sah er alles aus dem richtigen Blickwinkel. Er würde es nicht dulden, dass er zum Rächer verkam, er würde nicht zulassen, dass Hass und Gewalt seine Sinne trübten. Die Wut und die Kraft, die sich in ihm angestaut hatten, würde er einsetzen, um Unrecht wiedergutzumachen.

Er hatte den Darb al-sad ma red eingeschlagen.

Den Weg ohne Wiederkehr.

SAMSTAG

In der Gegenwart

1

Eeva Hallamaa warf die Tür ihres Arbeitszimmers zu und ging zur Treppe, ihre schnellen, energischen Schritte auf dem hellgrauen Fußboden im Exactum, einem Gebäude des Instituts für Mathematik und Statistik der Universität Helsinki, dröhnten durch den ganzen Flur. Die Lektorin hatte den Samstagvormittag damit verbracht, das am Montag beginnende Seminar für den Kurs der forschungsorientierten Studenten vorzubereiten, zumal auch ihre Familie nicht da war: Mikko fotografierte auf einer Hochzeit seiner Verwandten in Jyväskylä, und Kirsi war bei einer Klassenkameradin. In den letzten Wochen hatte sich Eeva so gut gefühlt wie lange nicht, aber heute war das Verlangen nach Amphetamin aus irgendeinem Grund wieder erwacht. Sie erinnerte sich nur allzu gut, wie selbst eine kleine Dosis Speed den Stress löste, entspannend und zugleich elektrisierend wirkte, wie dadurch die Lebensfreude und die Farben zurückkehrten …

Die Jahre, in denen sie Drogen genommen hatte, gingen ihr durch den Kopf, während sie die Wendeltreppe zum Foyer des Exactums hinunterstieg. Sie dachte daran, wie sie die Studenten bei den Partys der Fachschaft »Matrix« mit ihrer Energie mitgerissen hatte, wie sie nachts um drei aufgestanden war, um an ihrer Dissertation zu arbeiten … In rascher Folge tauchten Bilder von Ereignissen auf, eines angenehmer als das andere, bis plötzlich Kopfschmerzen einsetzten, als würde ein Bohrer in ihren Schläfen dröhnen. Eeva holte eine Packung der vom Arzt verschriebenen Schmerztabletten aus der Tasche. Die trug sie immer bei sich. Die Drogenabhängigkeit glich einem schlauen Tier, sie akzeptierte nur die schönen Erinnerungen, vergoldete sie und hielt allen Schmerz und Ärger von ihrem Opfer fern. Das vermochte kein einziger Mensch, selbst wenn er andere noch so gut überreden oder verführen konnte.

Eeva blieb im Foyer stehen, als sie ihr Spiegelbild in den Fensterscheiben sah. Ihre blonden Haare lagen zu dicht an, und im Gesicht hatte das Leben seine Spuren hinterlassen. Die Schicksalsschläge waren auf der Haut abzulesen, obwohl sie einen Menschen von innen aufzehrten. Sie versuchte sich einzureden, dass ein wenig Make-up genügen würde, um alles wieder in Ordnung zu bringen, dann strich sie über ihre dunklen Augenbrauen und überlegte, wann das letzte Mal jemand gesagt hatte, sie sei schön. Das war erst vor ein paar Wochen im Restaurant »Ahven« in Punavuori gewesen. Als ihr das einfiel, fühlte sie sich sofort besser. Trotzdem wollte sie die tägliche Dosis Kalktabletten erhöhen, obwohl ihr klar war, dass sie mit ihrem Gesundheitsenthusiasmus den Schaden, den sie ihrem Körper in den selbstzerstörerischen Jahren zugefügt hatte, nicht wiedergutmachen konnte.

Die trockene Kälte des Dezembertages schlug ihr ins Gesicht, als sie die schwere Holztür des Exactums öffnete. Die kalte Luft auf der Haut tat gut, alles, was von dem Verlangen nach Speed ablenkte, empfand sie als Erleichterung. Sie war schon ein Jahr lang sauber, aber die Sehnsucht nach Speed packte sie immer noch gelegentlich, mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit. Zum Glück geschah das immer seltener. Sie hatte den Geruch der Abteilung für Suchtpsychiatrie in der Välskärinkatu noch in der Nase, überraschenderweise bewirkte diese Erinnerung, dass sich ihre Laune besserte. Dahin würde sie niemals zurückkehren.

Der Fußweg zwischen den Universitätsgebäuden war glatt, Eeva lief vorsichtig, rutschte dennoch auf schwarzem Eis aus und landete auf dem Hinterteil. Das Steißbein schmerzte, sie fluchte, verstummte aber, als ihr ein paar Studenten entgegenkamen, die sie kannte. Sie stand auf und klopfte sich den Schnee von den Hosen.

»Hallo Eeva. Wir sehen uns doch nächste Woche auf der Party, oder?«, rief ihr einer von ihnen zu.

»Na klar.« Ihre Antwort sollte fröhlich klingen. Zumindest die Studenten mochten sie, ihre Kollegen wurden nie zu Feiern der Fachschaft eingeladen. Sie fühlte sich unter den jungen Leuten so wohl, dass sie schon lange nicht mehr dem Aufstieg auf der Karriereleiter nachtrauerte, den sie sich selbst wegen der Drogen verbaut hatte.

Sie überquerte die Pietari Kalmin katu, ging den Fahrradweg hinunter zur Kustaa Vaasan tie und bog dann ab zur Straßenbahnhaltestelle. Ihr fiel das »Abstinenzversprechen« ein, das sie Mikko gegeben hatte, und sie wurde wütend auf sich: Jetzt, wo endlich alles gut lief, musste sie sich einfach zusammenreißen und die Finger von den Drogen lassen. Den anständigsten Mann, den sie je gefunden hatte, wollte sie nicht verlieren. Es ärgerte sie, dass Mikko auf Dienstreise war, niemand anders konnte sie beruhigen, wenn die Sucht erwachte.

Eeva erreichte die Haltestelle an der Kreuzung von Hämeentie und Kustaa Vaasan tie und spielte zum Zeitvertreib Fußball mit Eisbrocken; die Straßenbahn würde in ein paar Minuten eintreffen. Zum Glück käme Kirsi erst abends nach Hause. Eeva fühlte sich so unruhig und nervös, dass sie ihren Frust womöglich an der Tochter auslassen würde. Kirsi war elf und wusste schon zu viel von den Problemen ihrer Mutter.

Mit ihren Drogeneskapaden hatte es Eeva geschafft, viele ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen zu zerstören, aber bei Kirsi durfte sie auf keinen Fall versagen. Glücklicherweise konnte man die Erziehung eines Kindes nicht mit Prüfungen, Berufungen, Forschungsgeldern und Gehaltsklassen messen. Sie brauchte auch nicht mehr Angst zu haben, Kirsi zu verlieren: Den von ihrem Ex-Gatten angestrengten Prozess um das Sorgerecht für das Mädchen hatte sie unlängst gewonnen. Das Prozessieren hatte länger gedauert als ihre Kurzehe.

Endlich war das Quietschen und Rasseln der Straßenbahn zu hören, und kurz danach sah man die 6 auch schon. Sie rutschte ein paar Meter an der Haltestelle vorbei und kam erst dann zum Stehen. Eeva setzte sich in den hinteren Teil der Bahn und schaute hinaus, wie der Wind den Pulverschnee aufwirbelte.

»Wenn du in Versuchung gerätst, dann rekapituliere, was dich dazu getrieben hat, Drogen zu nehmen, und was das für Folgen hatte.« Die Worte der Psychotherapeutin klangen Eeva in den Ohren und weckten schmerzliche Erinnerungen an zurückliegende Jahre. Der Ehrgeiz hatte sie ruiniert, und ihre Gewissenhaftigkeit. Der Teufelskreis der Drogen hatte mit harmlosen Experimenten während ihres Studiums in den USA um die Jahrtausendwende begonnen. Viele Studenten zauberten mit Speed zusätzliche Stunden herbei und verlängerten so den Tag. Nach ihrer Rückkehr in die finnische Heimat hatte sie in der Fakultät zu viel Arbeit an sich gerissen, nachts ihre Dissertation geschrieben und ihr Kind allein aufgezogen. Und eine feste Beziehung mit Adil gehabt. Das Jahr 2001 gehörte wahrlich nicht zu ihren besten.

Eeva betrachtete das Menschengewimmel in Sörnäisten kurvi und ließ sich den Namen ihres Ex-Freundes auf der Zunge zergehen – Adil al-Moteiri. Der junge Iraker hatte den Eindruck eines gebildeten, sympathischen und gutmütigen Genies gemacht, für das nichts unmöglich war. Doch im Laufe der zwei Jahre ihrer Beziehung hatte sich die Wahrheit herausgestellt: Adil lebte in seiner eigenen Welt, zu der andere keinen Zugang besaßen. Es erwies sich als undenkbar, mit ihm ein normales Leben zu führen. Eeva spürte wieder ein wenig Mitleid; Adil war völlig zusammengebrochen, als sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie sich von ihm trennen wollte. Kaum zu glauben, dass auch das schon mehr als drei Jahre zurück lag. Verglichen mit einem Intellektuellen der besonderen Art wie Adil erschien ihr Mikko, der mit beiden Beinen fest auf der Erde stand, verlässlicher als die Lottoziehung am Samstag.

Die Straßenbahn hielt auf dem Bulevardi an. Eeva betrat vorsichtig das glatte Pflaster, überquerte die Straße und ging nach Süden in Richtung Albertinkatu. Bis nach Hause war es zu Fuß ein halber Kilometer. Das heftige Verlangen nach Speed hatte schon nachgelassen, auch diesmal half es, nicht an die Euphorie zu denken, die das Amphetamin erzeugte.

Zehn Minuten später öffnete Eeva die Haustür von Aufgang A in der Sepänkatu 7 und fühlte sich gleich viel besser, als ihr einfiel, dass sie noch Zeit hätte, ein Bad zu nehmen und ein Glas Wein zu trinken, bevor Kirsi nach Hause kam. Ihre Tochter hatte eine neue beste Freundin: Kirsi und Nelli, die in der Nachbarschaft wohnte, nahmen gemeinsam Reitstunden in Kirkkonummi. Eeva hoffte, dass diese Phase noch möglichst lange nicht von Jungsgeschichten abgelöst wurde. Im Briefschlitz des Rentners in der ersten Etage steckte ein Umschlag, und auf dem Fußboden neben der Tür lag die Zeitung. Dem unter ihr wohnenden Nachbarn, der zumeist einsam wirkte, begegnete sie dann und wann im Treppenhaus, aber jetzt hatte sie ihn schon tagelang nicht gesehen. Hoffentlich war nichts passiert? Eeva schämte sich, dass sie seinen Vornamen immer noch nicht wusste. Wenigstens der Familienname des ehemaligen Polizisten stand an der Tür – Saari.

In der zweiten Etage öffnete Eeva ihre Wohnungstür, betrat den engen Flur und bemerkte zu ihrer Überraschung, dass Kirsi endlich einmal daran gedacht hatte, die Wohnzimmertür zu schließen. Das war gut so, denn jetzt roch man den orientalischen Pfeifentabak, den ihr Nachbar, ein arbeitsloser Musiker, rauchte, nur im Flur. Durch welches Loch gelangte der Geruch bloß in ihre Wohnung?

Eeva setzte ihren Hut ab, zog die Stiefel aus und griff gerade nach dem Reißverschluss ihres Mantels, als sie im Wohnzimmer etwas hörte. Ein metallisches Geräusch. War Kirsi doch schon zu Hause? Sie öffnete die Wohnzimmertür und schaute in das schwarze Auge eines Pistolenlaufes. Eeva schrie auf und wandte sich zur Flucht, aber eine kräftige Hand packte sie an der Schulter und drehte sie herum.

Der Mann zog sie an sich heran, ihre Blicke trafen sich, und Eeva wich das Blut aus dem Kopf. Der Eindringling mit der Waffe in der Hand war ein Araber. Hing das irgendwie mit Adil zusammen?

Der breitschultrige Mann zerrte sie ins Wohnzimmer, und wieder stieß Eeva einen Angstschrei aus: Vor dem Bücherregal standen ein paar Meter voneinander entfernt zwei Metallstangen, zwischen denen, mit Ketten befestigt, ein Mensch hing wie ein X. Der nackte und bewusstlose Mann war an den Ketten gespannt wie ein Tierfell zum Trocknen. Einen Schenkel und die linke Schulter bedeckten rot verfärbte Verbände, und unter ihm war eine Plastikplane ausgebreitet.

Eeva schluckte und spürte ihren Herzschlag im Hals. Sie traute ihren Augen nicht. Genau solche Sinnestäuschungen hatte sie in der Amphetaminpsychose gehabt. Das konnte doch nicht wahr sein, sie hatte seit über einem Jahr keine Drogen genommen. Panik befiel sie, ihr war schwindlig. Was würde man ihr antun? Wie …

Der dunkelhaarige Mann drückte sie grob auf das Sofa und setzte sich selbst in einen Sessel.

»Ich habe einen Auftrag für Sie«, sagte er auf Englisch mit verblüffend weicher Stimme.

Eeva begriff überhaupt nichts mehr, der Mann hörte sich regelrecht freundlich an. »Was zum Teufel geschieht hier? Was wollen Sie? Hängt das mit Adil zusammen?«

»Wir wissen alles über Sie, auch den Namen ihres ehemaligen Freundes. Doch Adil al-Moteiri hat mit meinem Besuch nichts zu tun. Sie können mich ›den Türken‹ nennen, den Namen sollten Sie sich merken«, erwiderte er.

Eeva überlegte, in welchem Teil der Welt Englisch mit solch einem Akzent gesprochen wurde. Und warum sah das Gesicht des Mannes so fleckig aus? Sie ballte die Fäuste, dass es schmerzte, ihre Beine zitterten, und der Schweiß floss in Strömen. Sie öffnete den Reißverschluss ihres Wintermantels.

»Ich möchte, dass Sie den Behörden gewisse … Informationen übermitteln.« Der Türke zündete sich eine filterlose Zigarette an und drehte sie zwischen den Fingern.

»Hören Sie jetzt ganz genau zu. Dieser Kerl da ist ein unbedeutender Drogendealer …« Er zeigte mit der Zigarette voller Abscheu auf den gekreuzigten Mann. »… aber sein Arbeitgeber Wassili Arbamow ist gerade dabei, auf schnellstem Weg den europäischen Drogenmarkt zu erobern. Arbamow hat sich tausend Kilogramm Heroin beschafft, mit denen er zur Zeit den gesamten europäischen Markt überschwemmt. Der Russe wendet eine alte und gut funktionierende Taktik an: Zunächst verkauft er den Stoff zu einem Spottpreis, um für eine gewaltige Menge Drogenabhängiger zu sorgen, und wenn er den Heroinmarkt dann erobert und Tausende dieser armen Schweine geködert hat, erhöht er den Preis seiner Ware allmählich. Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode.«

Verblüfft stellte Eeva fest, dass sie keine Angst vor dem Türken hatte. Sein Blick war freundlich, der Ton, in dem er sprach, ruhig, und in seinem ganzen Benehmen lag nicht die Spur von Aggressivität. »Wie … was hat das alles mit mir zu tun?«

»Überhaupt nichts, wir wollen nur, dass Sie den finnischen Behörden berichten, was Sie eben gehört haben.«

»Warum sollte ich …«

»Arbamow erobert zur Zeit mit seinem preisgesenkten Heroin auch den finnischen Markt. Und es geht um viel Geld. Wir reden von Hunderten Millionen Euro. Sie verstehen sicherlich, dass die finnischen Behörden für diesen Tipp dankbar sein werden.« Der Türke fuhr sich ungeduldig durch sein pechschwarzes, kurzgeschnittenes Haar.

»Ich kann doch nicht …«

»Dieses Aas heißt Arkadi Kirilow.« Der Türke deutete mit einer Kopfbewegung auf den Mann, der an den Ketten hing, und wiederholte dann in aller Ruhe die Nachricht, die Eeva der Polizei übermitteln sollte. Als er damit fertig war, stand er auf, steckte seine Waffe in den Gürtel seiner Hose und beugte sich über den Wohnzimmertisch.

Eeva erblickte die Injektionsspritze in seiner Hand erst, als er sich umdrehte und vom Tisch wegging. Das war nicht das erste Mal, dass sie bei der Einschätzung eines Charakters völlig daneben lag. Würde sie jetzt sterben? Sie seufzte vor Erleichterung, als der Türke an ihr vorbeiging und vor dem bewusstlosen Russen stehenblieb.

»Diese Lösung enthält ein Gramm reines Heroin, das würde selbst ein Pferd umbringen«, erklärte der Türke, und jetzt war seine Stimme voller Hass. Er suchte die Vene in Arkadi Kirilows Ellbogenbeuge und injizierte den Stoff in einem Zug.

Kirilow erwachte aus dem Koma, zitterte ein paar Sekunden und hing dann wieder bewegungslos an den Ketten. Es dauerte nur einen Augenblick, und alles war vorbei.

»Sie kennen Ihre Aufgabe. Jetzt können Sie gehen«, sagte der Türke. Eeva stürzte so hastig zur Wohnungstür, dass sie hinfiel, sich dabei an der Hand verletzte und blutete. Sie zog die Stiefel an, griff nach ihrer Handtasche, rannte die Treppe hinunter und wagte nicht, sich umzuschauen. Im Treppenhaus hörte sie nur das Klappern ihrer Absätze und ihren dröhnenden Herzschlag. Was war eigentlich gerade passiert? War mit Kirsi alles in Ordnung?

Eeva stürmte auf die Straße hinaus und hätte um ein Haar einen Mann mit einer Pelzmütze und Einkaufsbeuteln umgerannt. Polizei, sie musste einen Polizisten finden. Sie rannte in Richtung Viiskulma und warf einen Blick nach hinten, niemand folgte ihr. Warum musste Mikko ausgerechnet heute auf Dienstreise sein?

Als die Johannes-Kirche zu sehen war, hatte ihre Angst schon so weit nachgelassen, dass Eeva es wagte, ihr Tempo zu drosseln, obwohl sie sich immer wieder umschaute. Wohin sollte sie gehen, wem sollte sie die Nachricht des Türken übermitteln? Sie kannte nur einen Polizisten, den Vater des Mädchens, das mit Kirsi die Reitstunden besuchte – ihren Freund Arto Ratamo.

»Der Türke«, Turan Zana sagte den Namen, den er Eeva Hallamaa genannt hatte, leise vor sich hin und geriet in Erregung. Nichts hasste er so sehr wie die Türken.

Als sich Zana vor den bewusstlosen Arkadi Kirilow stellte, wurde der in seinen Augen zu einem Türken. Er hatte große Lust, Kirilow zu schlagen, aber das ging nicht, der Mann durfte nicht sterben. Noch nicht. Zana trat an den Wohnzimmertisch, nahm die Spritze, zog Flumazenil auf und stach die Nadel in dasselbe Loch wie bei der Injektion vor wenigen Minuten.

Im gleichen Augenblick hörte man, wie die Wohnungstür geschlossen wurde, seine kurdischen Kameraden in Overalls betraten den Raum. Zana hatte seinen Männern im Voraus genaue Anweisungen erteilt, also konnten sie sofort an die Arbeit gehen.

Der leblose Körper wurde von den Ketten abgenommen und in einen Müllsack gesteckt, in den man Luftlöcher stach. Zanas Helfer trugen den Sack in einen Kleintransporter, der vor dem Haus stand, und kehrten dann zurück, um die Metallstangen zu holen.

Zana säuberte jeden Quadratmeter, auf dem er sich bewegt hatte, mit dem Staubsauger, nahm den Beutel aus dem Gerät, wischte den Fußboden im Wohnzimmer und im Flur mit Spiritus und beseitigte auch alle anderen Beweise für seinen Besuch.

Dann ging er ins Badezimmer, holte aus seiner Jackentasche einen kleinen Plastikbeutel und eine Pinzette und sammelte von den im Badezimmer herumliegenden Kleidungsstücken und vom Läufer Fasern und Haare Eeva Hallamaas auf. Schließlich vollendete er seine Inszenierung und streute ein wenig Amphetaminpulver auf die Fußbodenfliesen.

»Ein paar Hinweise für die Polizei, oder?«, sagte Zana in Kurmandschi, der Sprache seiner Heimat.

»So ist es vereinbart, mein Bruder«, antwortete er sich selbst leise, dann schob er die Hand in die Jackentasche und berührte den Griff der Luger Parabellum, der Pistole, die Eeva Hallamaas Vater gehörte.

2

Der eisige Dezemberwind drang heulend durch das Verdeck von Arto Ratamos uraltem Käfer herein, es waren so viele undichte Stellen, dass er gar nicht erst anfing, sie zu zählen. Warum musste er auch mit dem Auto ins Zentrum fahren. Im ununterbrochenen Verkehrsstrom rollte er die Erottajankatu hinunter zur Mannerheimintie und schaltete seinen brandneuen CD-Player ein. Das war so ziemlich das Einzige, was in seinem Wagen funktionierte. Er beschloss, diesmal nicht J. J. Cale zu hören, kramte an der nächsten Ampel im Handschuhfach, holte eine CD heraus, und kurz danach erklang aus den Lautsprechern Cales Titel »Call Me the Breeze« in einer Version von Lynyrd Skynyrd. Ein bisschen Abwechslung musste sein.

An der Kreuzung mit der Postikatu beschleunigte er seinen Käfer, fuhr über den Fußweg zum Mannerheiminaukio und entdeckte schon von weitem einen freien Parkplatz zwischen dem Kunstmuseum Kiasma und dem Postgebäude. Ratamo fluchte, als die Bremsen blockierten und der Käfer an der Parkbucht vorbeirutschte. Es war der 3. Dezember, und er fuhr immer noch mit Sommerreifen; vielleicht fand sich am nächsten Tag Zeit für den Reifenwechsel. Ratamo stieß zurück und parkte seinen alten Kampfgefährten. Er legte die Parkerlaubnis auf das Armaturenbrett und stieg aus; in der Kälte draußen kam es ihm wärmer vor als in seinem zugigen Auto. Er war müde. Den größten Teil der letzten Nacht hatte er wach gelegen und sich herumgewälzt: Die Tenox-Tabletten, die ihm der Arzt gegen die Einschlafschwierigkeiten verschrieben hatte, wirkten wie der schwedische Humor, von dem Medikament fühlte er sich noch verschlafener und benommener als sonst. Es wunderte ihn immer noch, dass der Arzt ihm Pillen verordnet hatte, die auch zur Behandlung von vorübergehenden Überlastungssymptomen und Depressionen angewendet wurden. Der Arzt hatte behauptet, er leide unter Stress. Möglicherweise stimmte das auch, vielleicht war ihm selbst nicht mehr klar, welch tiefe Spuren die schlimmsten Ermittlungen der letzten Jahre bei ihm hinterlassen hatten. Zum Glück konnte er sich derzeit zumindest am Wochenende ausruhen, bei der SUPO herrschte schon geraume Zeit Ruhe.

Ratamo öffnete die Eingangstür zum Kiasma mit viel Schwung, klopfte sich im Windfang den Schnee von den Schuhen und ging mit kleinen Schritten durch die Drehtür ins Foyer. Er kam zu spät zur Eröffnung von Ilonas Ausstellung, so spät, dass er sich nun auch nicht mehr zu beeilen brauchte.

Er hatte etliche Dinge zu erledigen gehabt, und dabei war der Vormittag so schnell vergangen, dass er es nicht mehr geschafft hatte, nach Hause zu gehen und sich umzuziehen. Er trug Wanderstiefel, abgenutzte Jeans und eine ausgebleichte Ölzeugjacke. Zum Repräsentieren wäre dieses Outfit höchstens auf dem Fischmarkt geeignet gewesen.

Ratamo hängte seine Jacke an der riesigen Garderobe im Foyer auf, holte den Kautabak unter der Lippe hervor und warf ihn in den Mülleimer. Erst jetzt wurde ihm klar, dass er früh ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck »Remember the Valamo« angezogen hatte. Doch er sagte sich, dass es sinnlos war, sich jetzt darüber Gedanken zu machen, und ging die Dutzende Meter lange weiße Rampe hinauf in die erste Etage. Vor der Tür zum Printti-Saal blieb er stehen und fuhr sich mit der Hand durch das kurzgeschnittene schwarze Haar, obwohl er wusste, dass es vergeblich war. Dann zeigte er dem mürrisch dreinschauenden Angestellten an der Tür seine Einladung. Die Schiebetür öffnete sich mit einem Rauschen, und er betrat den Ausstellungssaal.

Der offizielle Teil der Veranstaltung konnte jeden Augenblick beginnen, im Saal hatten sich schon Dutzende Gäste versammelt. Ratamo schaute sich um und stellte fest, dass er von allen Besuchern mit großem Abstand am unordentlichsten gekleidet war. Seine Freundin Ilona, die an diesem Abend im Mittelpunkt stand, war wie üblich in einer sehr speziellen Aufmachung erschienen.

Das Publikum im Saal verstummte, als sich eine Frau mittleren Alters in einem festlichen Kleid räusperte und ihre Ansprache begann.

»Die Bildhauerin Ilona Si erschafft schon seit Jahren spritzige und nuancenreiche Kunstwerke, deren landschaftliche und mentale Dimensionen bei den Kunstliebhabern eine Andacht und Verwunderung erzeugende Widersprüchlichkeit hervorrufen. Ihre Werke beeinflussen unsere Auffassung davon, was die finnische modernistische und der Tradition des Modernismus verpflichtete Bildhauerkunst ist. Ilona Sis Werke überzeugen durch ihre dunkle Mysteriösität und ihre Materialdichte, ihr facettenreicher Minimalismus ist auch insofern exzeptionell, als er sehr wohl den Herausforderungen einer Fokussierung aus nächster Nähe gewachsen ist.«

»Wo ist hier ein Dolmetscher?«, fragte Ratamo einen Mann im dunklen Anzug, der neben ihm stand und ihn nun verwundert anschaute. Ratamo trat näher an die größte Installation der Ausstellung heran, betrachtete das Werk und versuchte es zu verstehen. Vergebens. Das merkwürdige Ding sah am ehesten wie ein Umweltvergehen aus.

Die Vertreterin des Kunstmuseums fuhr währenddessen fort. »… sie ist eine wichtige Vorreiterin, die es verstanden hat, in ihrem künstlerischen Ausdruck die Einstellung des unbekümmerten Forschungsreisenden zu bewahren, und mit deren Werken die unerschütterliche Vorstellung von der Leichtigkeit der Kreativität verbunden ist, der Eindruck von Schwere wird durch ihre Werke höchst selten transportiert. Die Abfälle und das durch sein Alter patinierte Material suchen in den Installationen von Ilona Si eine Balance – immer wieder und wieder …«

Ratamo schien es so, als wäre auch seine Balance verlorengegangen. Was für ein Zeug faselte die Frau da? Neugierig verfolgte er, wie die Rednerin ihren Platz vor dem Müllhaufen verließ und neben einem großen Metallvehikel stehenblieb.

»Die Relationen zwischen diesen auf derselben Stufe installierten, auf das Wesentliche reduzierten Exemplaren sowie das von den Oberflächen reflektierende Licht sorgen für Räumlichkeit. Das Rechtwinklige und die platte Ebene meidet Ilona Si«, erklärte die Rednerin und umkreiste dabei das merkwürdige Elaborat.

»Die Flächen dieses Werkes mit dem Titel ›Funvaari‹ strahlen eine große Vitalität aus. Bedeckt sind sie mit geometrischen Figurierungen und Strukturen, die an Leiterplatten und Diagramme erinnern. Man denkt dabei an Mandala-Muster, an Raumschiffe und Konstruktionen aus Science-Fiction-Filmen …«

Erleichtert stellte Ratamo fest, dass die Frau endlich am Ende ihrer Rede angelangt war. Das Publikum applaudierte zurückhaltend, als Ilona nach vorn trat.

»Obwohl die Arbeit des bildenden Künstlers oft physisch schwer und mit Schmutz verbunden ist und obwohl sie viele technische Fähigkeiten verlangt, will ich auch künftig nicht zum abstrakten, minimalistischen Ausdruck wechseln, sondern den von mir gewählten Weg weitergehen, weil ich alles andere anstrebe als das Mathematisch-Philosophische. Vielmehr suche ich Naturverweise und eine Form, die für mich perfekt wäre. Die Form oder das Ganze entwickeln sich jedoch nicht, wenn man skaliert oder den Müll durch Granit oder Marmor ersetzt. Ich möchte auch künftig altes Material in einer Weise wiederverwerten, für die der Betrachter nur schwer eine Erklärung findet.«

Dieses Ziel ist schon erreicht, dachte Ratamo. Er betrachtete voller Bewunderung das zu dicken Zöpfen geflochtene Haar seiner Freundin und überlegte, wie lange er brauchen würde, um Ilona das mit Dutzenden Seidenbändern und Pailletten geschmückte Kleid auszuziehen. Weibliche Schönheit wusste er schließlich zu schätzen, im Gegensatz zu abstrakter Kunst.

Ilona trat vor die Installation, die an einen Müllhaufen erinnerte, und ein Lächeln überzog ihr Gesicht. »Die Inspiration zu diesem Werk erhielt ich bei einem Spaziergang auf der Müllkippe von Ämmässuo im letzten Frühjahr. Dort stolperte ich über den Arm eines Menschen und schrie, bis ich heiser war. Ein schreckliches Erlebnis. Der Arm gehörte natürlich zu einer Schaufensterpuppe, aber das war mir ja nicht sofort klar.« Ilona lachte. »Beachten Sie übrigens, wie viel leeren, für eine langsame Annäherung geeigneten Raum ein solches Werk, das sich auf Grundformen stützt, um sich herum braucht.«

Ihre Blicke trafen sich, und Ratamo interpretierte das Lächeln und leichte Kopfnicken seiner Freundin als Erlaubnis, sich zu entfernen. Ilona würde den ganzen Abend die Eröffnung ihrer Ausstellung feiern müssen, aber den morgigen Tag wollten sie gemeinsam verbringen. Was konnte es Angenehmeres geben, als einen ganzen Sonntag zu faulenzen?

Die Fahrt auf den etwa zwei Kilometern vom Zentrum nach Punavuori verlief stockend, weil die Ampeln an der Erottaja-Kreuzung gelb blinkten. Ratamo versuchte sich zu erinnern, wann man in Helsinki das letzte Mal schon Anfang Dezember unter so einem klirrenden Frost hatte leiden müssen, und ihm fiel nur ein Winter in seiner Kindheit ein, als eine seiner Zehen erfroren war, weil er einen ganzen Sonntag im Park Tehtaanpuisto Eishockey gespielt hatte. Er musste lächeln. Ein paar Rotznasen aus seiner damaligen Truppe hatten es später bis in die Erste Liga geschafft, und ein besonders gewalttätiger Typ hatte in der Nationalmannschaft und sogar in der NHL gespielt. Plötzlich kam sich Ratamo sehr alt vor. Alle Spieler seiner Generation hatten ihre Laufbahn längst beendet.

Ratamo parkte seinen Käfer auf dem Innenhof des Wohnhauses in der Korkeanvuorenkatu, dann stieg er die Treppen hinauf, öffnete seine Wohnungstür und schaute in die traurigen Augen eines Labradors, der eine Pudelmütze trug. Sie war mit einem dicken Gummiband unter dem Kinn der alten Hundedame befestigt.

»Hallo Vati, wir wollen mit Kirsi zusammen losgehen und Musti in den Hundepark bringen«, sagte Nelli Ratamo und warf ihrer Freundin, die sich hinter ihrem Rücken versteckte, einen Blick zu.

»Hast du deine Temperatur gemessen?« fragte Ratamo streng. Nelli hatte fast die ganzen ersten Winterwochen unter leichtem Fieber gelitten und schon etliche Medikamente eingenommen. Vor ein paar Tagen war das Ratamo schließlich zu viel geworden, und er hatte seine Tochter gründlich untersuchen lassen. Es machte ihn nervös, dass er nun auf den Anruf eines wildfremden Arztes warten musste, der ihm die Ergebnisse der Laboruntersuchungen mitteilen würde. Ratamo hatte ja selbst seinerzeit Medizin studiert, allerdings nie Menschen behandelt. Vor seiner Laufbahn bei der SUPO war er Virusforscher gewesen.

»Ja, ja, ich hab gemessen. Es ist schon der dritte Tag ohne Fieber«, antwortete Nelli, sie hörte sich putzmunter an.

Ratamo brummte zufrieden. »Weiß Kirsis Mutter, wo ihr seid?«, erkundigte er sich sicherheitshalber, denn Eeva Hallamaa war – zumindest verglichen mit ihm – ein Mensch, der sich leicht Sorgen machte.

Kirsi nickte scheu.

»Und nehmt um Himmels willen Musti die Mütze ab. Jussi wird wütend, wenn er das sieht.« Obwohl Jussi Ketonen ziemlich oft bei ihnen zu Besuch war, fast schon so oft, dass es Ratamo auf die Nerven ging, hatte er immer noch Schwierigkeiten, in ihm nur den Ehemann von Nellis Großmutter Marketta zu sehen. Schließlich war er immerhin der Ex-Chef der SUPO und sein ehemaliger Vorgesetzter. Der Grund dafür, dass sie sich oft sahen, war Musti. Ratamo hatte sich damals bereit erklärt, Ketonens Hund ein neues Zuhause zu geben, nachdem im vorletzten Sommer festgestellt worden war, dass Marketta unter einer Hundeallergie litt.

Ratamo lehnte sich an den Rahmen der Küchentür und schaute zu, wie die beiden Mädchen nach ihren Wintersachen suchten. Diese Zeit wird schneller zu Ende gehen, als du denkst, murmelte der Teufel Pessimismus in Ratamo. Im letzten halben Jahr hatte sich Nelli wie ein kleiner Engel verhalten, die Freundschaft mit Kirsi und ihr gemeinsames Reithobby hatten sie verändert, aus einem Trotzkopf im vorpubertären Alter war ein bezauberndes junges Mädchen geworden. Doch in ein paar Monaten würde Nelli ihren zwölften Geburtstag feiern: Das Teenageralter und die Besuche von pickligen Halbstarken, die vor Testosteron nur so strotzten, rückten unaufhaltsam immer näher. Sein Gedankengang wurde unterbrochen, als die Tür knallte, Jussi Ketonen kam hereingestiefelt, als wäre er hier zu Hause.

Der untersetzte grauhaarige Mann brach in Gelächter aus, als er den Hund mit der Mütze sah. Die Freude war beiderseitig; Musti begrüßte ihr ehemaliges Herrchen mit der Zunge und einem tiefen Brummen. Dann bemerkte Ketonen Ratamos säuerliche Miene: »Ist alles in Ordnung?«

»Hatten wir nicht ausgemacht, dass du deinen eigenen Schlüssel nur benutzt, wenn hier niemand zu Hause ist?«, sagte Ratamo ungehaltener als beabsichtigt. Er hatte Ketonen einen Zweitschlüssel gegeben, damit Musti ausgeführt werden konnte, wenn er selbst und Nelli nicht dazu kamen.

»Anscheinend ist der Herr Oberkommissar mal wieder gestresst.«

Die giftige Antwort verkniff sich Ratamo lieber. Als er Ketonen das letzte Mal mit seiner Meckerei verärgert hatte, war der ihm wochenlang aus dem Wege gegangen, und sofort war das Ausführen von Musti zum Problemfall geworden. Auch Nelli hatte Sehnsucht nach Ketonen bekommen.

»Ich …« Gerade als Ratamo antworten wollte, klingelte es. Wer zum Teufel kam denn jetzt noch? Er öffnete die Tür und schaute verblüfft zu, wie Eeva Hallamaa hereinstürmte und ihre Tochter in die Arme nahm. Eeva keuchte und murmelte irgendetwas Unverständliches.

»Na, hallo, was ist denn jetzt los«, sagte Ratamo besorgt. Eeva sah ganz bleich aus, als wäre sie krank.

»Bei uns zu Hause war …« Eeva brach mitten im Satz ab und wandte sich Kirsi zu: »Wolltet ihr gerade rausgehen?«

Das Mädchen steckte die Hände in die Taschen ihres hellroten Steppanoraks und warf Nelli peinlich berührt einen Blick zu. »Gehen wir«, sagte sie, und die beiden Freundinnen verschwanden zusammen mit Musti und Jussi Ketonen im Treppenhaus.

Jetzt war Ratamo an der Reihe, Eeva umarmte auch ihn. »Entschuldige, aber es ist etwas Unglaubliches passiert … Ich brauche erst mal ein Glas Wasser«, sagte sie und ging in die Küche.

Vergeblich bot Ratamo seiner Freundin Kaffee oder einen Drink an, dann setzte er sich hin und wartete, was da kommen würde. Erst jetzt bemerkte er die Blutflecken an Eevas Händen.

Es dauerte eine Weile, bis sich Eeva so weit beruhigt hatte, dass sie sprechen konnte. Zunächst kamen die Worte einzeln und langsam, wie Tropfen aus einem Wasserhahn, dann flossen sie aus ihr heraus und wurden schließlich zu einem hysterischen Redeschwall.

Je mehr Eeva in Erregung geriet, umso verblüffter war Ratamo. Ihre Geschichte hörte sich tatsächlich unglaublich an: Ein Mörder, der sich als »Türke« bezeichnete, ein russischer Drogenhändler, der im Kreuzhang an Stangen gefesselt war, die Eroberung des Heroinmarktes … Er dachte an Eevas Drogenprobleme und befürchtete schon das Schlimmste.

»Du musst dich jetzt erst einmal beruhigen«, sagte er und unterbrach seine Freundin. »Hat der Türke dich bedroht? Oder Kirsi und Mikko? Kennst du den Mann? Ist in der letzten Zeit irgendetwas passiert …«

»Nein, nein und nochmals nein.« Eeva schüttelte den Kopf so heftig, dass ihre blonden Haare flatterten.

»Das hört sich so an, als wäre bei euch eine verdammt ernste Sache passiert«, fuhr Ratamo fort. »Wir müssen sofort eine Anzeige machen. Ich kann mich darum kümmern, dass man dich zur Kriminalpolizei nach Pasila bringt. Was meinst du dazu? Kirsi kann natürlich hierbleiben, bis du dort fertig bist.«

Eeva nickte. »Ja, natürlich, zur Polizei. Eine gute Idee. Ich gehe vorher nur kurz dort hinein.« Eeva verschwand im Bad.

Ratamo rief einen Kriminalkommissar an, den er kannte, und der versprach, schnell einen Streifenwagen zu schicken, der Eeva abholen sollte. Außerdem bat Ratamo seinen Kollegen Ossi Loponen von der SUPO telefonisch, ihm per E-Mail eine Zusammenfassung über Arkadi Kirilow zu schicken. Ratamo wusste, dass die bei der SUPO existierte, er hatte sie selbst geschrieben, als er vor einiger Zeit Untersuchungen zu russischen kriminellen Organisationen anstellen musste, die sich in Finnland eingenistet hatten. Diese Überschneidung war besorgniserregend.

Er ging an das Fenster zum Vuorimiehenpark und hörte zu, wie im Bad das Wasser lief. Warum musste das ausgerechnet Eeva passieren, manchmal kam es ihm so vor, als träfen die härtesten Schläge gerade jene, die ohnehin schon am Boden lagen. Er sah, wie der Streifenwagen auf die Korkeavuorenkatu einbog, und wollte zum Bad rennen, doch Eeva erschien schon im Flur, mit nassen Ärmeln.

»Der Wagen wartet unten. Viel Glück, es wird sich schon alles klären«, sagte Ratamo und lächelte sie aufmunternd an.

»Ich … hole Kirsi ab, sobald ich dort auf der Wache … gehen kann. Mikko … kommt erst abends von seiner Dienstreise zurück«, stotterte Eeva und verschwand im Treppenhaus.

Ratamo schlurfte zu seinem Computer und schaltete ihn ein. Während der PC knatternd und brummend hochgefahren wurde, rekapitulierte Ratamo Eevas Bericht. Hoffentlich war die Frau, nachdem sie nun endlich ihr Leben in Ordnung gebracht hatte, nicht wieder den Drogen verfallen. Sie hatte mit den Jahren schon genug Rückschläge erleiden müssen. Kennengelernt hatte er Eeva und Mikko durch die gemeinsamen Reitstunden ihrer Töchter, und allmählich waren sie so enge Freunde geworden, dass Eeva ihm ihr Drogenproblem und auch andere Sorgen anvertraut hatte. Sie hatten beide Schweres durchmachen müssen, vielleicht kamen sie deshalb so gut miteinander aus. Er fürchtete, dass seine Freundin wieder arg in der Klemme steckte, wie hätte sie sonst den Namen Arkadi Kirilows kennen können?

Ratamo schaute in sein Postfach, fand Loponens Nachricht und öffnete den Anhang.

»Die kriminelle Laufbahn von Arkadi Kirilow begann buchstäblich schon im Mutterleib: Er wurde am 4. 11. 1976 in Leningrad, im Frauengefängnis Tosnensky, geboren. Als er das erste Mal mit den Behörden zu tun hatte, war er acht Jahre alt, und danach kann man seinen Lebenslauf in seinem Strafregister lesen.« Ratamo schämte sich, was für einen Blödsinn er in seiner Anfangszeit bei der SUPO zusammengeschrieben hatte. »Mit zehn Jahren wurde Kirilow in das Leningrader Heim Nr. 4 gesteckt und mit 16 Jahren entlassen. Danach arbeitete er ab 1992 in der kriminellen Organisation Akulowskaja, zuerst als Fartsowsik, das heißt als Schwarzmarkthändler, dann als Razboinik, als Kämpfer. Später stieg er auf zum Torpedo, zum Profikiller, danach zum Byk, zum Leibwächter, und schließlich zum geachteten Brodyag, also zum Meisterschüler. Nach dem Zerfall der Organisation im Jahre 1997 verschwand Kirilow für ein Jahr aus den Unterlagen der Behörden, bis er sich vom Petersburger Geschäftsmann Wassili Arbamow anwerben ließ und auf dessen Gehaltsliste auftauchte.«

Ratamo hatte das Gefühl, dass Eeva seine Hilfe brauchen würde.

3

»Bald darf Kirilow getötet werden«, murmelte Turan Zana in Kurmandschi, während der Fiat Ducato, in dem er saß, am Kaivopuistonranta entlangfuhr.

»So ist es, mein Bruder. Denke aber daran, wie er sterben muss«, antwortete er sich selbst und warf einen Blick zu seinen kurdischen Kameraden, die sich anscheinend schon an seine Ein-Mann-Dialoge gewöhnt hatten. Mit Absicht hielt er eine gewisse Distanz zu seinen Helfern, sie redeten nur über Dinge, die mit ihrem Auftrag zusammenhingen. Zana schaute kurz auf seine Armbanduhr. Je länger sie Geduld hatten und warteten, mit umso größerer Sicherheit würde der Pathologe feststellen, dass der Zeitpunkt von Kirilows Tod nicht mit der Aussage Eeva Hallamaas übereinstimmte.

»Fahr noch einmal um den Park herum«, befahl er dem Mann am Steuer und bemerkte amüsiert, dass er sich um ein Haar selbst geantwortet hätte. Heutzutage halfen ihm diese Selbstgespräche, sich zu konzentrieren, aber vor Jahren hatte ihn diese Angewohnheit davor bewahrt, den Verstand zu verlieren. Damals hatte er sich ein halbes Jahr lang in der Nähe der Stadt Hasankeyf im Herzen Kurdistans in einer fensterlosen Gebirgshöhle verborgen gehalten, in der es nur eine Matratze und eine Decke gab. Aber immerhin leisteten ihm ja Schafe Gesellschaft, und dann war da die Aussicht auf die imposante Landschaft im Tal des Tigris. Das halbe Jahr in diesem Versteck war der Preis, den er für seinen ersten Schlag gegen die Türken als Peschmerga-Kämpfer zahlen musste. Pesch merga, Zana ließ sich die Worte auf der Zunge zergehen: Wider den Tod.

Die drei Kurden in der Fahrerkabine ruckten nach vorn, als der Chauffeur die Geschwindigkeit abrupt verringerte. Sie sahen, wie die Polizistin am Lenkrad eines Ford Mondeo, der am Straßenrand stand, zu ihnen herüberschaute. Der Transporter rollte im Schneckentempo die Merisatamanranta entlang, bis der Fahrer überzeugt war, dass ihnen das Polizeiauto nicht folgen würde, dann beschleunigte er wieder.