sebastian gehrmann

StressTest

roman

Aufbau Digital

Impressum

ISBN 978-3-8412-0496-7

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Dezember 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2012 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

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Umschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano, Berlin unter Verwendung eines Motivs von iStockphoto/scol22

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www.aufbau-verlag.de

Für Sarah

Inhaltsübersicht

prolog

kapitel 1

kapitel 2

kapitel 3

kapitel 4

kapitel 5

kapitel 6

kapitel 7

kapitel 8

kapitel 9

kapitel 10

kapitel 11

kapitel 12

kapitel 13

kapitel 14

kapitel 15

kapitel 16

kapitel 17

kapitel 18

kapitel 19

kapitel 20

kapitel 21

kapitel 22

kapitel 23

kapitel 24

kapitel 25

kapitel 26

kapitel 27

kapitel 28

kapitel 29

kapitel 30

kapitel 31

kapitel 32

kapitel 33

nachbemerkung des autors

dank

Leseprobe: Frida Mey - Manchmal muss es eben Mord sein

prolog

»Vielleicht liegt es an meinem Blut.«

»…«

»Ich meine, das kann doch sein, oder was denkst du?«

»…«

»Sag mal, Sophie, hörst du mir überhaupt zu?«

»Was? Blut? Meine Güte, Luke, bist du das? Mann, siehst du fertig aus. Lass mich schlafen. Ich hatte einen echt harten Tag und morgen muss ich wieder früh raus.«

»Und wenn ich alles erklären kann?«

»Lukas, welchen Teil von ›Lass mich schlafen‹ hast du nicht verstanden? Außerdem hast du eine fürchterliche Fahne.«

»Aber dieses Mal passt alles zusammen. Bitte, Sophie, du kennst mich. Ich würde dich nicht wecken, wenn es nicht wichtig wäre.«

»Aber natürlich würdest du das. Also, was ist jetzt mit deinem Blut, außer den eins Komma drei Promille, die du locker haben dürftest? Und mach das Licht aus! Wie spät ist es überhaupt?«

»Ich glaube, fast zwei.«

»Promille? Ihr geht kurz was trinken, und du hast zwei Promille?«

»Nein – Uhr. Ich glaube, es liegt an meinem Blut, dass ich so bin.«

»Wie bist? Betrunken? Und darauf bist du ganz allein gekommen?«

»Nein, dass ich wie gestern Mittag bin, du weißt schon, der kleine Aussetzer im Supermarkt.«

»Das, mein Freund, war total daneben. Ehrlich, Lukas, manchmal verstehe ich dich einfach nicht. Wenn du erst drei wärst, gut, meinetwegen. Aber du wirst bald dreißig.«

»Ich weiß. Aber nicht mal der Alkohol macht es halbwegs erträglich.«

»Was hältst du dann davon, dich zur Abwechslung einfach mal wie ein Dreißigjähriger zu benehmen?«

»Sophie, erstens bin ich noch nicht dreißig.«

»In einem Monat aber schon. Vielleicht solltest du dich langsam damit abfinden.«

»Und zweitens habe ich doch gerade gesagt, dass es mir leid tut, oder? Es tut mir leid.«

»Mann, das war so unglaublich peinlich. Da können wir doch nie wieder hingehen. Was. Sollte. Das?«

»Ich würde sagen, wir hatten es eilig.«

»So eilig hatten wir es auch wieder nicht. Und wir waren fast dran.«

»Waren wir nicht. Da waren noch vier Leute vor uns an der Kasse. Hast du gesehen, was allein der alte Gold-Petri in seinem Einkaufswagen hatte? Als würde morgen der Russe einmarschieren.«

»Die paar Minuten hätten wir auch noch warten können. Ich meine, als du dem Mädchen Geld geboten hast, damit es uns vorlässt, habe ich dich noch machen lassen – wobei das streng genommen mein Geld war. Und die Kleine war höchstens sechs. Die hätte uns für zehn Cent vorbeigelassen, aber du musstest ihr ja gleich zehn Euro in die Hand drücken. Der feine Herr hat es ja, nicht wahr?«

»Ist ja gut.«

»Nein, ist es nicht. Du kannst doch nicht die Bananen vom alten Petri vom Band nehmen und zu den Schnittblumen stopfen. Wie der geguckt hat. Der arme Kerl war völlig fertig mit den Nerven. Der hat ernsthaft an seinem Verstand gezweifelt.«

»Die Bananen waren nicht gewogen. Sophie, überleg doch mal. Der Kassierer hätte aufstehen und nach hinten in die Obstabteilung gehen müssen. Das hätte ewig gedauert. Das war Notwehr.«

»Aber dass er das Gitter vor den Zigaretten wieder einhängen musste, hat die ganze Warterei ungemein beschleunigt, oder wie?«

»Entschuldige, aber ich wollte der Frau nur helfen. Die war doch schlichtweg überfordert.«

»Indem du wie ein wilder Affe an dem Gitter rüttelst, bis es aus der Schiene bricht? Ich muss schon sagen, das war echt nobel von dir, wie du der geholfen hast. Was wolltest du? Bananen? Die hättest du einfacher haben können. Die lagen bei den Blumen. Ehrlich, Lukas, ich hab mich richtig geschämt für dich.«

»Sophie!«

»Das wird immer schlimmer mit dir. Ich kenne dich manchmal gar nicht mehr.«

»Sophie! Es reicht! Jetzt hör mir doch mal zu!«

»Siehst du, jetzt schreist du wieder. Bleib doch einfach ruhig, nur ein einziges Mal!«

»Ich schreie?«

»Und dein linkes Ohr ist schon ganz rot. Immer wenn du so bist, kratzt du dich am linken Ohr. Ich wette, es leuchtet im Dunkeln.«

»Ja, mach dich nur lustig. Ich bin nicht so voll, dass ich mich nicht daran erinnern werde. Bevor wir uns kannten, habe ich mich jedenfalls nie am Ohr gekratzt.«

»Und jetzt bin ich daran schuld, oder was? Es sind immer die anderen, nicht wahr? Lass mich in Ruhe, Lukas, und egal, was du mir sagen wolltest, erzähl es den Nachbarn. Die müssten mittlerweile ohnehin wach sein.«

»Sophie, bitte. Ich weiß doch, dass das heute scheiße war. Gib mir fünf Minuten, und dann lass ich dich schlafen.«

»Die Zeit läuft. Was ist jetzt mit deinem Blut?«

»Es ist zu warm.«

»Dein Blut ist zu warm? Wie kommst du denn darauf ?«

»Es ist die einzig logische Erklärung.«

»Dafür, dass du so bist, wie du bist?«

»Genau das sag ich doch die ganze Zeit. Darum kocht es auch so schnell über. Dein Blut ist bestimmt nicht so warm, deshalb bist du auch viel ruhiger. Und du frierst immer. Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin.«

»Sag mal, du verarschst mich doch gerade, oder? Findest du deine Phantasie eigentlich blühend genug. Du und deine blöden Theorien.«

»Ich dachte, du magst meine Theorien?«

»Ja, aber nicht um halb drei. Außerdem stimmt diese nicht.«

»Ach was. Und warum nicht, wenn ich fragen darf ?«

»Weil ich zufällig Pharmazie studiert habe und deshalb weiß, dass die Körpertemperatur bei allen gesunden Menschen ungefähr gleich ist. Und selbst wenn dein Blut wärmer wäre als mein Blut. Denk doch mal nach. Du bist viel größer als ich und viel schwerer.«

»Du findest, ich bin fett?«

»Nein! Und ich wüsste nicht, was passieren muss, damit du es wirst. Sag mal, kriegst du langsam Komplexe? Du hast einfach mehr Blut als ich. Selbst wenn es wärmer wäre, würde es nicht früher kochen. Bitte, wenn ich morgen in der Apotheke diese Inventur vermassele, sucht der Stern sich eine andere Sommervertretung.«

»Und? Wäre das so schlimm?«

»Zufällig ist der Stern ein alter Schulfreund von Professor Paffrath.«

»Und?«

»Und? Und? Wenn der Paffrath erfährt, dass ich zu dämlich und unfähig bin, selbst eine läppische Inventur fehlerfrei über die Bühne zu bringen, kann ich meine Promotion gleich vergessen. Und die Stelle bei FutureHealth auch. Dann war es das mit der Karriere in der Forschung. Dann versauere ich den Rest meines Lebens in dieser bescheuerten Apotheke.«

»Ich dachte immer, die Arbeit beim Stern macht dir Spaß.«

»Aber das ist doch nichts für immer. Was glaubst du eigentlich, wozu ich das alles gemacht habe? Das Studium. Die unbezahlten Praktika. Jede freie Minute habe ich in der Bibliothek gesessen und gelernt, und wenn ich nicht gelernt habe, habe ich beim Paffrath irgendwelche Daten ausgewertet, um mir das Auslandssemester in Spanien leisten zu können.«

»Aber du verdienst doch richtig gut beim Stern.«

»Gut erkannt. Immerhin verdiene ich überhaupt was.«

»Ach so, darum geht es also.«

»Luke, das verstehst du nicht. Du Schöngeist stehst auf, wenn du wach wirst, und zeichnest deine was weiß denn ich für genialen Comics. Und dann wunderst du dich, dass dieses alberne Stadtmagazin sie nicht drucken will.«

»Immerhin druckt dieses alberne Magazin seit zwei Jahren Linus.«

»Linus ist ein bekifftes Eichhörnchen.«

»Linus ist ein haselnussgeiler Philosoph. Die Leute mögen Linus.«

»Aber sie mögen das Magazin nicht. Und deshalb kaufen sie es nicht mehr. Wie lange wartest du jetzt schon auf dein Geld? Drei Monate? Vier?«

»Die zahlen schon noch. Und falls ich dich daran erinnern darf, hast du von Anfang an gewusst, was ich mache. Du fandest es sogar gut, dass ich mein Ding durchziehe, auch wenn Comics nicht reich machen. Du hast mich sogar überredet, diesen Nachtjob in der Druckerei zu schmeißen, damit wir mehr Zeit füreinander haben.«

»Ja, habe ich. Aber jede Freiheit hat nun mal ihren Preis.«

»Was soll das denn jetzt heißen, Sophie d’Arc?«

»Dass irgendwer das bezahlen muss. Wer hat dir das Geld geliehen, damit du mit Olli im Joker einen trinken gehen kannst? Ich mache das gern, ehrlich. Aber ich muss mir dann nicht anhören, dass ich zu viel arbeite. Die nächsten Monate sind wichtig für mich. Ich bin kurz vor dem Ziel. Da darf jetzt nichts mehr dazwischenkommen. Und solange ich dich mit durchfüttern muss, brauche ich meinen Schlaf.«

»Gute Nacht.«

»Luke. Jetzt leg dich nicht mit dem Rücken zu mir.«

»Ich bin sauer.«

»Entschuldige, jetzt komm schon. Dreh dich wieder um.«

»…«

»Das mit dem Durchfüttern ist mir so rausgerutscht. War blöd.«

»War es.«

»Komm, nimm mich mal in den Arm. Und, Luke? Angenommen, diese Theorie mit deinem Blut stimmt wirklich – ist dir dann jetzt nicht warm?«

»Natürlich. Es ist Ende Januar, draußen liegt die Welt auf Eis, und ich schwitze mir einen ab. Hast du die Heizung aufgedreht?«

»Was denkst du denn? Dann zieh doch einfach diesen fürchterlichen Schlafanzug aus?«

»Moment. Ich dachte, du willst schlafen, weil du früh rausmusst?«

»Ich werde dir das nicht zweimal sagen, Lukas.«

»…«

kapitel 1

Mein dreißigster Geburtstag fiel auf einen Mittwoch. Aschermittwoch.

Da sich meine Begeisterung für jenen alten Brauch, den der Volksmund je nach Breitengrad Karneval, Fasching oder sonst wie nennt, in eher überschaubaren Grenzen hielt, war Aschermittwoch in meinem Leben bislang kein Tag gewesen, um über das normale Maß hinaus Trübsal zu blasen. Zudem fiel es mir neuerdings zunehmend schwerer, mich körperlich und seelisch an die ständigen Wechsel zwischen vier Jahreszeiten zu gewöhnen. Ich brauchte keine fünfte.

Irgendwie mochte ich den Aschermittwoch. Eigentlich.

Mein Wecker klingelte, was wie eine wilde Schießerei klang, und ein kleiner Scheinwerfer warf die Silhouette eines breitbeinigen Cowboys an die Zimmerdecke.

»Luke?«

Ich blinzelte hinauf zu dem Schatten, unsicher, ob mich der Kerl mit dem Grashalm im Mundwinkel gerade beim Namen genannt hatte, als die Tür zu meinem Zimmer behutsam einen Spaltbreit geöffnet wurde und das mit Abstand bezauberndste Wesen, dem ich jemals über den Weg gelaufen war, seinen Kopf hindurchschob. Sophie war eine dieser Frauen, von denen man nicht zu träumen wagte, dass sie am Abend neben einem einschliefen und, wenn man am Morgen aufwachte, immer noch da waren. Und man konnte einfach nicht an sie denken, ohne dabei kitschig zu werden.

Sophie stand in der Tür und lächelte angestrengt. Ihre Füße steckten in dicken Baumwollsocken, die ich ihr nach unserer ersten Nacht geschenkt hatte, und obwohl ich hätte schwören können, dass sie darunter mindestens zwei weitere Paar trug, tippelte sie über den Boden, als liefe sie barfuß über eine Eisscholle. Ihre Zähne klapperten, und ihr Lächeln wirkte wie eingefroren. »Kkkafffee!«

Ich war am Ende.

»Hallo, Luke? Jemand zu Hause? Sag mal, träumst du mit offenen Augen? Du hast bald Geburtstag. Jetzt freu dich doch mal. Und würdest du bitte damit aufhören, mich anzustarren, als wärst du ein geisteskranker Psychopath?«

Nun, so wie die Dinge lagen, war ich kurz davor, einer zu werden.

Sophie legte den Kopf schief und sah mich streng an. »Hättest du die Güte, mir zu verraten, wo eure Kaffeekanne ist? Irgendwas braut sich da in meinem Bauch zusammen, und wenn ich nicht sofort etwas dagegen unternehme, war es das wohl mit Reinfeiern.«

Ich zog mir die Decke über den Kopf: »Klingt gut. Bleiben wir einfach im Bett. Am besten für immer.«

Sophie sah mich noch strenger an. »Wo. Ist. Die. Kanne?«

Ich blinzelte, aber träumte wohl nicht. »In der Küche?«

Noch strenger. »Wann warst du das letzte Mal in eurer Küche? Dort holt sich Mutter Natur gerade zurück, was sich die Ameisen noch nicht unter den Nagel gerissen haben. Und wie es riecht. Die Kanne ist da auf jeden Fall nicht.«

Ich zwickte mich. Nur zur Sicherheit. »Vielleicht im Bad.«

»Was glaubst du, wo ich als Erstes nachgesehen habe? Ich kenne doch deinen Mitbewohner. Der wohnt da ja mittlerweile.«

»Vielleicht hat Obelix sie mit in sein Zimmer genommen.«

»Kannst du Olli bitte fragen?« Da Sophie sich nicht anders zu helfen wusste, verlieh sie ihrer Stimme etwas Schmeichelndes, aber selbst eine tiefe Verbeugung wäre wirkungslos verpufft. Punkt Mitternacht würde ich dreißig werden, und dieser Gedanke quälte mich. Trotz meines Pessimismus, meiner Paranoia und Panik wurde ich alt und brauchte gar nicht zu hoffen, dass mir irgendwelche glücklichen Umstände in letzter Sekunde den Arsch retten würden. Von wegen Lucky Luke. Es würde passieren, ob ich wollte oder nicht. Und es war wohl kein Zufall, dass ich ausgerechnet jetzt, da mein Leben endete, daran denken musste, wie es begonnen hatte.

An dem Tag, an dem ich das Licht der Welt erblickte, waren Pippi Langstrumpf und Kermit der Frosch hektisch damit beschäftigt, mich rechtzeitig vor der Prunksitzung der örtlichen Lach- und Schießgesellschaft zu entnabeln, weshalb sie sich mit ihren weißen Kitteln allenfalls halbherzig als fachmännisch geschultes Krankenhauspersonal verkleidet hatten. Eine Wand des geräumigen Kreißsaals war mit bunten Luftschlangen geschmückt, der Boden war übersät mit Konfetti. Hin und wieder steckte Zorro, der gewisse Ähnlichkeiten mit einem der Oberärzte besaß, seinen maskierten Kopf durch die Tür und erkundigte sich ungeduldig nach dem Verlauf der Geburt. Er soll sogar gedroht haben, die Nabelschnur mit seinem Degen zu durchschlagen, damit es die drei rechtzeitig zum ersten Tusch in den Festsaal schafften.

Möglicherweise hätte man sich denken können, dass es nicht spurlos an so einer halben Portion Mensch vorüberging, wenn ein hyperventilierender Frosch und seine hysterische Gespielin schon vor der Geburt Unruhe verbreiteten, als ginge es um Leben und Tod, obwohl man streng genommen noch nicht einmal existierte. Kein Wunder, dass man da irgendwie verkrampfte.

Dann dachte ich an meinen Vater. Wie er allein hinter einer dicken Scheibe gestanden hatte, die den Kreißsaal von der Geburtsstation trennte. Und wie er von dort aus tatenlos hatte mit ansehen müssen, wie Pippi und der Frosch nervös um meine Mutter herumturnten, während im Hintergrund die Bläck Föös aus einem Kassettenrekorder kölschten: »Drink doch ene met, stell dich nit esu ann, du stehs he die janze Zick erüm …«

Es war in der Tat bemerkenswert, wie ruhig Vater geblieben war, wohingegen ich an seiner Stelle spätestens beim Konfetti durch die Scheibe marschiert wäre. Doch er ertrug den ganzen Irrsinn mit der Gelassenheit einer englischen Palastwache. Wie bedauerlich, dass er mir dieses unerschütterliche, stets besonnene Gemüt nicht mit in die Wiege gelegt hatte. Vielleicht wäre dann vieles anders gekommen.

Sophie kam zurück, frisch geduscht und nur mit einem Handtuch bekleidet. Sie setzte sich auf die Bettkante und fing an, ihre schulterlangen, leicht ausgebleichten Haare zu kämmen, die aussahen, als würde sie den Großteil ihres Lebens am Strand und in den Wellen verbringen. Ich stieß einen tiefen Seufzer aus, aber Sophie machte nicht den Eindruck, als würde sie bemerken, in was für einer ausweglosen Lage ich mich befand. Und offensichtlich war ihr jedes Mittel recht, das mich dazu bewegte, aufzustehen und Obelix nach der verfluchten Kanne zu fragen. Ein Tropfen fiel mir direkt ins Auge, das auf der Stelle nervös zu zucken begann. »Scheiße, Sophie! Kannst du das lassen?«

An einem stinknormalen Tag wäre es dieser Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hätte. Aber ich war zu schwach, wie gelähmt, gefangen in einem klebrigen Netz aus Verzweiflung und Selbstmitleid. Vermutlich hatte das Alter bereits seine Boten geschickt, damit ich schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekam. Fehlte nur noch, dass ich mich, ohne es zu bemerken, langsam einpisste.

»Ich habe ja keine Ahnung, auf was für einem Trip du gerade bist, Luke.« Sophie schluckte. »Aber gehst du bitte zu Olli? Mir ist das echt unangenehm.« Sie strich mir behutsam den Haaransatz entlang.

»Sophie, du kennst ihn genau so lange wie mich. Stell dich nicht so an.«

»Was, wenn er wieder nackt ist?«

»Du hast doch diesen ganzen Medizinkram studiert. An dem ist nichts dran, was da nicht hingehört. Er ist auch nicht ungewöhnlich groß oder behaart.«

»Hör auf, Lukas. Mir wird richtig schlecht.« Sophie hielt sich den Bauch, und ihr Bitten klang nun wie ein Flehen. »Was, verdammt noch mal, ist eigentlich dein Problem?«

Nun, mein Problem bestand darin, dass Menschen gemeinhin erwachsen wurden, indem sie in den ersten dreißig Jahren ihres Lebens Entwicklungsstadien unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade durchliefen und diese mehr oder weniger erfolgreich meisterten. Sie wurden vor immer kompliziertere Herausforderungen gestellt, und indem sie die richtigen Schlüsse aus dem Zusammenspiel von Ursache und Wirkung zogen und Probleme unterschiedlicher Komplexität lösten, passten sie sich an. Manchmal mussten sie lediglich hier ein wenig justieren und da etwas regulieren. Manche mussten sich auch grundsätzlich verändern oder regelrecht neu erfinden, aber im Laufe der Zeit entwickelten sie sich beständig weiter, bis sie im Alter von dreißig Jahren zu einem erwachsenen Individuum gereift waren.

Ich hingegen war schon immer so, wie ich war – unreif, ungeduldig und, nicht zu vergessen, unausgeglichen. Und so, wie die Dinge lagen, würde ich genau das auch für immer bleiben.

Meine Mutter erzählte manchmal davon, wie ich während meiner Geburt noch in ihr einen derartigen Wutanfall bekam, dass sie gar nicht mehr wusste, ob sie atmen, pressen oder gleich ihre Sachen packen sollte. Es hielt sich sogar das hartnäckige Gerücht, man habe mich bereits schreien gehört, als ich noch nicht zu sehen war, was einer mittelschweren biologischen Sensation gleichgekommen wäre. Ich hatte schon immer Nerven wie Bindfäden, die bei jeder noch so winzigen Berührung rissen, als hätte man nach Leibeskräften an ihnen gezerrt. Vielleicht war ich einfach zu früh auf der Welt. Vielleicht hätte man an diesem Tag in aller Seelenruhe noch ein paar Stunden auf mich warten sollen, damit sich drahtseildicke Nerven bilden konnten. Oder einen Tag. Oder eine Woche.

Erstaunlicherweise hatten meine Eltern aus den Ereignissen jenes Tages nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Jedenfalls verließen sie nicht Jahr für Jahr beim Anblick der ersten kastrierten Krawatte fluchtartig das Land, weil ich dem bunten Treiben nervlich offenbar nicht gewachsen war. Nein, zu allem Überfluss luden sie auch noch sämtliche Narren aus der Gegend ein, da eine Geburt um den Rosenmontag die Geburtstagsfeier um dieselbe Zeit zwangsläufig nach sich zog, weshalb es sich anbot, eine Kostümparty auszurichten, wo doch ohnehin schon alle verkleidet waren.

Bedauerlicherweise wurde auch mein Geburtstag seit jeher auf ebenso entzückenden wie verstörenden Schnappschüssen festgehalten. Doch während auf den Bildern der Nachbarskinder Milchzähne kamen, Zahnspangen gingen und Pickel blieben, war ich unter einer Schicht aus dicker Schminke nicht einmal zweifelsfrei zu erkennen. Alles, was man in den ersten Jahren von mir sah, war ein zorniger Kürbis, eine schimpfende Sonnenblume oder ein wütender Fliegenpilz. Als meinen Eltern allmählich dämmerte, dass in ihrem Kind womöglich ein chronischer Choleriker schlummerte, bewiesen sie Humor und verkleideten mich fortan als Rumpelstilzchen, was zumindest halbwegs glaubwürdig wirkte. Und als ich zuhause auszog, fing ich an, mich einzuschließen.

»Olli war nackt!« Sophie sah mich an, als wäre sie gerade einem nudistischen Geist begegnet. »Er hat splitternackt und auf allen vieren nach der Kanne gesucht.« Sie griff sich an die Stirn. »Wie soll ich dieses Bild je wieder aus meinem Kopf kriegen?«

Es war ihr schon immer ein Rätsel, wie sich zwei Jungs in unserem Alter noch eine Wohnung teilen konnten, ohne wissentlich schwul zu sein. In Sophies Augen waren wir unvernünftige und gedankenlose Wesen, denen es in einem höchst bedenklichen Maß an klaren Grenzen zwischen Spaß und Ernst fehlte und die der liebe Gott aus purer Langeweile in die Körper ausgewachsener Männer gesteckt hatte, um sich an ihren kindischen Kapriolen zu erfreuen.

Dummerweise hatte sie sich in einem unbedachten Augenblick in eine dieser infantilen Kreaturen verliebt, nämlich in mich. Und obwohl sie mir keinen Anlass gab, ihre Gefühle grundsätzlich in Frage zu stellen, so mussten sie zuletzt doch immer größere Zweifel beschlichen haben, ob es sich bei dem Mann, dem sie gut zwei Jahre zuvor begegnet war, und jenem Typen, der wie ein hypnotisierter Zombie kreidebleich und mit angezogenen Beinen auf seinem Bett kauerte und die Vorstellung nicht ertrug, bald dreißig zu werden, tatsächlich um ein und dieselbe Person handeln konnte.

Entgeistert hielt sie mir die Kanne unter die Nase. »Sieh dir an, was hier drin ist. Erde, Zweige, ein paar Blätter und – Käfer. Da sind mindestens sechs Käfer.«

»Die leben noch? Ich glaub, die hat er im Hausflur gefunden, und jetzt will er sie über den Winter bringen. Sophie, Obelix ist Feuerwehrmann. Der muss ständig irgendwen retten. War er so groß, wie du ihn dir vorgestellt hast?«

»Sei still!« Sophie presste die Hände gegen ihre Schläfen, als wollte sie den nackten Obelix aus ihrem Kopf quetschen. »Ich mach mir jetzt Kaffee, bevor mir alles hochkommt. Nach Milch brauche ich wahrscheinlich gar nicht zu fragen.«

»Wir haben Milch.« Obelix verdünnte damit die zwei Kilo Quark, die er jeden Tag in sich hineinwürgte, damit die Proteine seine Muskeln zum Bersten brachten, was im Laufe der Zeit zu erstaunlichen Ergebnissen geführt hatte.

»Wie schön. Und mach den Rollladen auf. Und das Fenster, oder zerfällst du dann zu Staub?« Sophie massierte ihre Stirn. »Findest du nicht, dass du ein klein wenig übertreibst? Seit Tagen haust du hier wie ein depressiver Vampir und wartest, dass Karneval endlich vorbei ist. Dabei wäre es echt schön gewesen, wenn du gestern mit mir auf diese Kostümparty gekommen wärst. Du hättest dich nicht mal verkleiden müssen, Dracula.« Durch einen Spalt im Rollladen fiel das neonrote Licht der Leuchtreklamen auf mein Gesicht, woraufhin Sophie erschrocken zusammenzuckte.

Ich erinnerte mich nicht, Sie um so viel Ehrlichkeit gebeten zu haben.

»Komm schon, Luke. Nimm’s nicht so schwer. Ich wette, du zermarterst dir schon den ganzen Morgen das Hirn darüber, wie es ausgerechnet dir passieren kann, dreißig zu werden, stimmt’s?«

Ich starrte schwermütig ins Nichts. »Hab ich dir eigentlich erzählt, dass das alles mit meiner Geburt zusammenhängen könnte?«

»Ja, hast du. Letztes Jahr. War eine ziemlich wirre Geschichte, aber ich meine, es wäre sogar ein Frosch darin vorgekommen. Immerhin hast du damals nicht wie in einem drittklassigen Horrorfilm ausgesehen.«

»Noch so ein tolles Kompliment.« Ich ließ den Kopf auf die Knie sinken.

Sophie legte den Arm um mich. »Ist Karneval denn wirklich so schlimm?«

Ich sah sie verwundert an, als hätte ich sie gerade erst bemerkt. Nun, die Frage ließ sich relativ leicht beantworten. Ich mochte Karneval nicht, und Karneval mochte mich nicht, weshalb wir uns einfach aus dem Weg gingen. Aber dann kam Aschermittwoch, und alles war wieder gut. Bis zu diesem Tag. An diesem Aschermittwoch wurde ich dreißig. Alles war vorbei.

kapitel 2

Der Kaffee hatte Sophie offenbar gutgetan. Mit dem Elan einer hyperaktiven Ameise wuselte sie durch mein kleines Zimmer, riss die Vorhänge auf und öffnete das Fenster. Für meinen Geschmack bewegte sie sich eindeutig zu schnell. Das hereinflutende Licht blendete meine Augen, und mit der kalten Februarluft strömten die vertrauten Geräusche des Bahnhofsviertels in  das Zimmer. Das Quietschen der einfahrenden Züge. Das Hupen der Lieferwagen, die sich seit dem Morgen an der Baustelle vor dem Haus stauten. Ein handfester Streit zwischen zwei Türstehern, die sich Tag und Nacht vor den Bordellen in wackeligem Deutsch darin überboten, die Touristen mit den abenteuerlichsten Versprechungen anzulocken.

Sophie riss die Bettdecke vom Bett, schüttelte sie auf und hängte sie aus dem Fenster. Anschließend begann sie, sämtliche Kleidungsstücke, die verstreut im Zimmer herumlagen, aufzulesen und in den Flur zu werfen. »Komm schon, Karneval ist fast vorbei. Das Schlimmste hast du überstanden.« Sie reichte mir ihre Hand, um mir aufzuhelfen.

»Schön wär’s. Und soll ich dir was verraten, Frau Holle?« Ich schlug nach der Hand wie nach einer lästigen Fliege. »Irgendwie werde ich das dumme Gefühl nicht los, dass das Schlimmste noch kommt.«

»Luke, es reicht. Du klingst ja fast so, als würdest du heute zu deiner eigenen Beerdigung gehen. Wann kommen eigentlich deine Eltern?«

»Vermutlich so gegen acht. Und es gibt übrigens einen Dresscode: Schwarz.«

Sophie hob eine dunkle Hose mit spitzen Fingern auf und hielt sie direkt vor mein Gesicht. »Da habe ich leider schlechte Nachrichten. Deine schwarzen Sachen riechen so sehr nach Angstschweiß, dass sie dringend in die Wäsche müssen. Schon richtig blöd, so eine Karnevalsparanoia, nicht wahr?«

»Ich werde alt, Sophie.« Ich flüsterte, obwohl ich schreien wollte.

»Darf ich vorstellen, Luke, das ist das Leben. Leben, das ist Luke.« Sophie griff nach einer Dose mit Raumduft.

»Ich will aber nicht.« Es war so eine Art Flüsterschreien.

»Zu spät, Liebster.« Der Rest war ein Nebel aus frischer Zitrone.

Als mir klar wurde, dass bereits am Tag meiner Geburt feststand, dass mein dreißigster Geburtstag auf Aschermittwoch fiele, wurde mir schlecht. Ich Narr. Das war doch ein Zeichen, und ich hatte es mein Leben lang einfach nicht erkannt. Warum nur? Und warum ich? Ich war gerne neunundzwanzig. Leidenschaftlich gerne. Ich war überhaupt nicht qualifiziert, dreißig zu werden. Zumindest nicht jetzt.

Meine ersten Haare hatte ich bereits für immer verloren und damit begonnen, die kahle Stelle am Hinterkopf kunstvoll zu kaschieren. Meine Augen waren noch nie die besten, was bedeutete, dass ich vermutlich bald blind sein würde. Und immer häufiger versuchte ich, morgens aufzustehen, während mein Rücken liegen bleiben wollte. Körperlich war ich womöglich längst bereit für das anstehende Lebensjahrzehnt. Aber war das denn nicht genug? Musste ich deshalb auch mental bereit sein für diese Zäsur?

Mit zehn wollte niemand von dir wissen, was du machst. Mit zwanzig hatte niemanden interessiert, was du verdienst. Mit dreißig aber wurde zum ersten Mal im Leben abgerechnet. Mit dreißig trat man unweigerlich ein in einen nicht mehr enden wollenden Wettbewerb um Bewunderung und Anerkennung. Vielleicht gab mit dreißig irgendeine Hirnverbindung den Geist auf, ein altes Verschleißteil, und was früher war, zählte nicht mehr. Dass das nicht glücklich machen konnte und niemals glücklich machen würde, verstand sich von selbst. Wettbewerb bedeutete Konkurrenz, und Konkurrenz bedeutete Druck. Der Druck, es sich selbst und anderen fortlaufend beweisen zu müssen, presste die Leichtigkeit aus unseren Körpern wie aus einer reifen Orange. Was unverbindlich war, wurde verbindlich. Aus Träumen wurde Realität. Wir wurden dreißig und verloren unsere Unschuld.

Und wenn ich schon nicht die Zeit anhalten konnte, warum konnte ich sie nicht wenigstens zurückdrehen? Das waren keine guten Zeiten für Menschen, die älter wurden, ohne erwachsen sein zu wollen. Da genügte schon ein Blick aus dem Fenster. Enge Jeans, bunte Sakkos, dünne Schals, kleine Karos. Wie sollte man sich mit dreißig noch einigermaßen jung fühlen, wenn schon die Dreijährigen auf dem Spielplatz in ihren Steppwesten so aussahen, als würden sie zwischen Betriebswirtschaftsstudium und Golfplatz noch zügig eine Sandburg bauen? Alt war das neue Jung. Chapeau, Herr Schaefer, dachte ich, da haben Sie sich ja genau das richtige Jahr für Ihren dreißigsten Geburtstag herausgepickt. Dürfte ich Ihnen zur Feier des Tages diesen exquisiten Clubpullunder überreichen?

»Sag mal, Luke, kann es sein, dass du von diesem Pulli gleich mehrere Exemplare hast?« Sophie hielt ungläubig einen gestreiften Pullover mit Surfermotiv in ihren Händen.

»Vier.« Warum sollte ich lügen, wenn sie meine Gedanken ohnehin lesen konnte.

»Kein Witz?« Sie musterte den Pulli. »Ist mir gar nicht aufgefallen.«

»Was soll ich sagen? Er hat mir gefallen. Er hat auf Anhieb gepasst. Er war runtergesetzt. Also hab ich zugeschlagen, bevor er außer Mode kommt und nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Das nennt man übrigens Vorsorge.« Ich hatte in der achten Klasse auf Surferlook umgestellt und war darauf hängengeblieben.

»Vorsorge?« Sophie hielt den Pullover gegen das Licht. »Nein, liebster Luke, du sorgst nicht vor. Du konservierst.«

»Ich mache was?« Mein linkes Ohr fing bedenklich an zu jucken.

»Du konservierst und zwar dich. Hier – die Jeans, drei Mal. Das Hemd, zwei Mal. Das T-Shirt, fünf Mal. Das ist echt unheimlich. Es ist trotzdem nichts mehr in Schwarz da. Tut mir aufrichtig leid.«

»Sarkasmus, o ja, das ist gut. Genau das richtige Rezept gegen eine ausgewachsene Lebenskrise, Frau Apothekerin!« Ich sprang auf und riss Sophie den Pullover aus den Händen. »Vielleicht ist es einfach meine Art, mich nicht in dieser ganzen Altwerdscheiße zu verlieren, indem ich ein paar Sachen, die mich an bessere Zeiten erinnern, noch eine Weile tragen möchte. Mir geht dieses blasierte Getue dieser ganzen Deppen so auf die Nüsse. Seht nur her, wir sind alle so erwachsen. So vernünftig. So gradlinig. Wir tragen gestärkte Hemden, elegante Aktenkoffer, machen Kinder, bauen Reihenhäuser, fahren nach Sylt und sorgen fürs Alter vor. Das. Will. Ich. Nicht.«

»War das jetzt eine Drohung? Weißt du was, Lukas, ich gebe es auf. Aus dir wird man echt nicht schlau. Willst du eigentlich dein Leben damit verbringen, dich an irgendwelchen Stereotypen abzuarbeiten, nur weil andere anders sind als du?« In der Tat betrieb ich wohl nicht vieles mit einer solchen Leidenschaft, wie aktuellen Trends zu widersprechen. »Du bist so ein verbohrter Schubladendenker. Und soll ich dir verraten, was die Pointe deiner Leidensstory ist?«

»Unbedingt!« Meine Stimme klang nun wie ein Kreischen.

»Du willst jung bleiben, indem du dich verkleidest.«

Ein sehr schrilles Kreischen. »Tue ich nicht. Das ist kein Verkleiden. Das ist authentisch.« Ich holte tief Luft. »Und außerdem, was hab ich denn sonst zu bieten?« Weil sich Sophie längst kopfschüttelnd umgedreht und wortlos die Tür hinter sich geschlossen hatte, war allein ich es, der hörte, wie meine Worte nachhallten, gegen mein altes Skateboard prallten, die Reiseführer, die leeren Graffiti-Dosen, das Pamela-Poster, den Surfkalender, der aus dem Vorjahr war, die eingerahmten Erstausgaben alter Lucky-Luke-Hefte, die Miniatur des Kölner Doms, und wieder zurück zu mir.

Was hatte ich schon zu bieten, wenn mir künftig alle vorrechnen würden, was für erfolgreiche Erwachsene sie waren? Mit dreißig zählte nicht mehr, wie oft man im Hausflur übernachtet hatte, weil man so zugedröhnt war, dass man das Schlüsselloch nicht mehr fand. Es zählte nicht, durch wie viele Länder man in den Ferien auf den Beifahrersitzen ukrainischer Viehtransporte getrampt war und wie viele Tattoos man sich heimlich hatte stechen lassen, wie viele Graffitis man auf Garagentore gesprüht und in welchen Wellen man Kopf und Kragen riskiert hatte.

Mein Haus. Mein Job. Meine Kinder. Das war es doch, was ab  jetzt auf der Rechnung stand. Ab jetzt wurde aufgerechnet, mitgerechnet und nachgerechnet, während im Hintergrund irgendjemand seine erste Vernissage feierte oder seine Abschiedsrede hielt, weil ihn die Company zum jüngsten Chief Executive Officer des boomenden asiatischen Departments befördert hatte. Und dann klammerte man sich an seinen unverschämt teuren Drink, dabei hätte man sich setzen müssen und würde lieber an Karneval die Kühlerfigur auf einem der Festwagen geben, als seine Karten ebenfalls auf den Tisch legen zu müssen.

Ich hatte keinen festen Job, und da das Magazin, für das ich dreimal in der Woche Linus zeichnete, nur einen Hungerlohn zahlte, wenn es überhaupt zahlte, beschiss ich bei der Steuer, wo ich nur konnte. Früher hatte ich mir die Nächte in der Verlagsdruckerei um die Ohren geschlagen und gegen Bares die aktuelle Ausgabe verpackt. Sophie zuliebe schmiss ich den Job – ohne kündigen zu müssen, da mein Name ohnehin nicht in den Büchern stand. Seitdem überwiesen mir meine Eltern den Mietanteil für die Wohnung, die ich mit meinem besten Kumpel Obelix teilte. Den Rest übernahm Sophie. Sie zahlte Tankfüllungen und die Rechnung, wenn wir essen gingen. Sie zahlte die Einkäufe, die Kinokarten und ihre Geburtstagsgeschenke und hielt so die Illusion aufrecht, dass ich mich als Comiczeichner über Wasser halten konnte. Was sollte ich sagen, wenn das nächste Mal abgerechnet wurde? Ich lebe übrigens auf Kosten meiner Freundin?

Moment. Waren das Stimmen? Die Stimmen meiner gereiften Generation? Vielleicht Halluzinationen infolge der Erschöpfung. »Übrigens, Lukas, wenn du willst, kannst du noch in unseren neuen Fonds einsteigen. Wir haben da echt schicke Titel im Portfolio. Da schießt du fünfzigtausend rein und lässt das Geld für dich arbeiten. Fünfzigtausend, ist doch kein Problem, oder zeichnest du etwa immer noch dieses bekiffte Eichhörnchen?«

Tatsächlich. Ich hörte Stimmen. »Wenn du Bock hast, Lukas, komm zum Fußball doch mit in die Loge. Die gehört zwar der Firma, aber das ist kein Ding, wenn ich wen mitbringe. Ist halt Casual Wear angesagt, aber das mit den Trikots ist eh vorbei, oder? Dann stell ich dich den Bossen vor. Die können bestimmt jobtechnisch was für dich machen.«

Immer lautere Stimmen. »Louisa, meine Sekretärin, jetzt verrat ich dir mal was. Der Sex mit der, das hast du noch nicht gesehen. Da kann meine Alte einpacken. Meinetwegen können andere regelmäßig Sport machen, ich hab Louisa. Ach was, Lukas, jetzt im Ernst. Du hast gar keine Sekretärin? Und jetzt sag nicht, du hast noch nicht einmal ein Verhältnis? Jetzt werd mal langsam erwachsen, Junge.«

Ich fing an überzuschnappen. Womöglich ein prätraumatisches Überschnappen als Reaktion auf den anstehenden Geburtstag. Scheiße. Ich wollte nicht dreißig werden. Auf keinen Fall. Ich musste hier raus, weg, und zwar sofort. Ich griff nach meinem Zeichenblock und hinterließ Sophie zum Abschied eine Bildfolge von Linus.

Auf dem ersten Bild beobachtete er Altkanzler Kohl, der als Kassenwart der CDU Oggersheim abgewählt wurde. Auf dem zweiten Altkicker Matthäus, den man als Nationaltrainer von Mikronesien entließ. Auf dem dritten Alt-Talker Gottschalk, dessen Show auf Sparten-TV floppte. Auf dem vierten Bild war Linus verschwunden, bis auf eine sich auflösende Sprechblase: »Es ist wahrlich keine Schande, zu gehen, bevor es peinlich wird.«

kapitel 3

Jason saß mir gegenüber, seit ich am Hauptbahnhof in den nächstbesten Zug gestiegen war, und die tief dekolletierte Frau, die aussah, als wäre sie direkt aus einer dieser täglichen Pseudodokus in das Abteil gefallen, war offensichtlich seine Mutter. Ich schaute mir diese intellektuell zweifelhaften Sendungen hin und wieder an, wenn ich händeringend nach einer Idee für Linus suchte. Es gab keine besseren Kanäle, um tief in die Abgründe der menschlichen Seele zu gelangen, als die privaten. So zugedröhnt konnte ich gar nicht sein, um mir solch haarsträubenden Käse auszudenken. Doch wenn ich mir die Frau auf dem Platz gegenüber so recht betrachtete, war das alles vielleicht doch nicht so weit hergeholt.

Den Namen von Jasons Mutter kannte ich nicht. Die gesamte Zugfahrt über würdigte sie mich kaum eines Blickes, obwohl wir höchstens eine Armlänge voneinander entfernt saßen, und wenn ich raten sollte, hieß sie Jessica, Jennifer oder Janine.

Janine redete auch nicht mit Jason, schließlich war sie viel zu sehr damit beschäftigt, angestrengt in einer Zeitschrift zu blättern und gleichzeitig in ihr pinkfarbenes, mit funkelnden Steinen besetztes Handy zu plärren. Keine Ahnung, wie sie das machte.

Wenn ich telefonierte, sah ich gleichzeitig entweder fern, zeichnete, las oder dachte nach, weshalb ich allenfalls die Hälfte von dem mitbekam, was andere zu mir sagten. Selbst wenn ich mich unter größten Anstrengungen zu konzentrieren versuchte, entgingen mir wesentliche Details, was zuletzt gerade bei Telefonaten mit Sophie zu dem ein oder anderen Missverständnis geführt hatte, wenn ich wichtige Verabredungen vertrödelte oder gleich ganz verpasste.

Natürlich hatte Sophie recht, dachte ich, während ich aus dem Fenster starrte und zusah, wie die Landschaft an mir vorbeizog, unscharf und verschwommen, wie ein verlaufenes Aquarell. So fühlte es sich dann wohl an, wenn kurz vor dem Ende ein ganzes Leben wie ein Film vor einem ablief, was ganz vorzüglich in meine desolate Gemütslage passte.

Vielleicht sollte ich Janine fragen. Würde sie mich in ihr kleines Geheimnis einweihen, standen die Chancen nicht schlecht, dass ich fortan alle relevanten Passagen einer Unterredung mitbekäme und sogar behielte, während ich gleichzeitig andere Dinge tat. Doch Janine, deren Mundwerk ihren Intellekt weit in den Schatten stellte, war augenscheinlich nicht der Typ, der sich für die Probleme anderer interessierte. Dafür war sie zu sehr mit ihren eigenen beschäftigt, während sie das gesamte Abteil mit schlüpfrigen Anekdoten unterhielt, ohne dass ihr das irgendwie unangenehm gewesen wäre. So erfuhr die Welt, dass ihr Spinning-Instructor ein chauvinistisches Arschloch war, der ihr ständig »auf die Titten« glotzte, was sie jedoch nicht davon abgehalten hatte, es mit ihm »wie die Karnickel« in einem Abstellraum für Vitaminpräparate zu treiben. Natürlich machte sie keine Anstalten, selbst die pikanten Details auszulassen, weshalb es mir zunehmend schwerer fiel, eine hartnäckige Erektion zu unterdrücken. Auch verschwieg Janine nicht, dass es sich bei der Nummer um ungeschützten Verkehr gehandelt hatte und nun ihre Periode ausgeblieben war, was abwechselnd »Endkacke« oder »Endscheiße« war. Ich nickte ihr verständnisvoll zu, woraufhin Janine nur abfällig ihre schmal gezupften Augenbrauen hob.

Der kleine Jason saß daneben und verzog keine Miene. Entweder hatte er keinen blassen Schimmer von dem, was seine Mutter da so ungemein anschaulich beschrieb, oder er war bereits umfassend aufgeklärt. Ganz sicher war er es spätestens, seit Janine einer gewissen Rebekka am anderen Ende der Leitung erklärt hatte, wie mühsam es war, auf einem Bein einen halbwegs glaubwürdigen Orgasmus vorzutäuschen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Kopfschütteln auf Platz 89. Augenrollen auf Platz 92. Ein tiefes Schnauben auf Platz 93. Keine Regung bei Jason. Wie ich hatte auch er die meiste Zeit aus dem Fenster gestarrt, doch als er sich zu mir drehte, beschlich mich das seltsame Gefühl, dass wir zwei womöglich beide gerade dasselbe gedacht hatten. »Sechs werd ich nicht. Niemals. Ich schwör.«

»Redest du mit mir?« Aus Jasons Nase hing die Rotze, klebrig und grüngelb, die er bis über die Oberlippe baumeln ließ und dann genüsslich zurückzog. Solange ihm der Schnodder vor den Lippen hing, nuschelte er ein wenig, aber er meinte eindeutig mich. »Und warum willst du nicht sechs werden?«

»Mit sechs ist man alt. Ich will nicht alt sein.« Er verschränkte die Arme vor der Brust, als hätte er das Ende der Menschheit besiegelt.

»Kann ich gut verstehen.« Ich zögerte. »Ich werde morgen dreißig.«

Jason legte den Kopf schief. »Ist das viel älter als sechs?«

»Kommt darauf an, wie man sich fühlt.« Ich rutschte auf den Fensterplatz und saß Jason nun direkt gegenüber, der sich bereits in verschwörerischer Geste zu mir vorbeugte.

»Und wie fühlst du dich?« Er sah mich mit großen Augen an.

»Jedenfalls viel zu jung, um alt zu sein.«

»Versteh ich nicht.« Die Rotze hing ihm nun fast bis zum Kinn.

»Macht nichts.« Es war vermutlich vergebliche Liebesmüh, ihm das Ausmaß meiner Sinn-, Identitäts- und Lebenskrise zu erklären.

»Außerdem will ich nicht in die Schule.« Bis zur Unterlippe. »Find ich einfach blöd.« Wieder zum Kinn. »Du nicht?« Zur Oberlippe.

»Ich glaube, ich bin immer gern in die Schule gegangen. In der Schule lernt man nämlich fürs Leben, weißt du.«

Jason ließ die Rotzfäden mit einem finalen Grunzen verschwinden und blickte mich skeptisch an. »Dreißig ist echt alt, oder?«

»Warum?« Für einen Moment saß ich dem Irrtum auf, ausgerechnet ein Fünfjähriger wäre in der Lage, mich zu verstehen.

»Weil du so klingst.« Bedauerlicherweise verstand Jason mich nicht.

»Ach so. Tut mir leid. Wollte ich nicht. Und was machst du jetzt?«

»Hä?« Der Kleine sah mich an, als sei das die mit Abstand bescheuertste Frage, die er jemals gehört hatte.

»Naja, Menschen werden älter. Das liegt in der Natur der Sache. Ich war schließlich auch einmal fünf, und jetzt bin ich fast dreißig. Ich heiße übrigens Lukas.«

Ich wollte ihm die Hand geben, doch er hielt mir die Faust entgegen.

»Jason.«

Ich zögerte und stieß meine Faust gegen seine, womit ich nun wohl zu seiner Gang gehörte. »Also, Jason, wie willst du das anstellen, nicht sechs zu werden?«

Er sah mich regungslos an. »Ich werde einfach wieder vier.«

»Ach was.«

»Und dann drei, zwei, eins, und dann krabble ich wieder zurück in den Bauch von meiner Mama.«

Ich war mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden hatte.

»Was guckst du denn so blöd?«

Ich dachte nach, und je länger ich das tat, desto klarer wurde mir, was für ein verlockender Gedanke das war. Ab jetzt würde ich nicht älter, sondern jünger. Ich würde alles, an dem ich so sehr hing, dass mir allein der Gedanke, es loslassen zu müssen, beinahe körperliche Schmerzen bereitete, erneut erleben. Ich würde erneut auf all die dummen Gedanken kommen, würde erneut all die leichtsinnigen, die folgenschweren, die richtigen und falschen Entscheidungen treffen. Ich würde all die einmaligen Chancen ergreifen, ohne dabei die Konsequenzen zu bedenken. All die hellen Momente genießen und unter den schwarzen Stunden leiden, alles durchleben, was das Schicksal an Tragik und Komik für einen bereithält. Ich würde die Welt in den Wahnsinn treiben, und nichts lieber tun als das. Und dann, endlich, würde ich zurück in den Bauch meiner Mutter krabbeln. Ich würde alles in allem fast sechzig Jahre auf dieser Erde verbracht und dabei meine Jugend gleich zweimal erlebt haben.

»Genauso machen wir das, Jason.« Ich war noch immer ganz beseelt von dem Gedanken, aber Jason war verschwunden.

Seine Mutter musste ihn in meine Spinnereien hinein gepackt und aus der Bahn gezerrt haben. Und alles, was geblieben war, waren ein süßlicher Parfümgeruch und Janines Zeitschrift. Ich war mir unsicher, ob der kleine Jason seinen tollkühnen Plan in die Tat würde umsetzen können, aber ich wünschte es ihm von Herzen. Ich nahm die Zeitschrift, blätterte durch einige Modestrecken und blieb bei einem Artikel über Songs hängen, die vor dreißig Jahren in den Charts waren. Zunächst lustlos, dann zunehmend gebannt, las ich den Text, während der Zug in den nächsten Bahnhof rollte.

Ich riss meinen Rucksack aus dem Gepäcknetz, türmte aus dem Abteil, rannte über den Bahnsteig, die Treppen hinunter und vorbei an Plakaten, die für Pflegedienste, Haarfärbemittel und Präparate gegen nächtlichen Harndrang warben. Völlig außer Atem stieß ich die Tür zum Ticketcenter auf und reihte mich in die Schlange vor dem einzig besetzten Schalter. Ich wartete, bis mein Puls nicht mehr meine Gedanken übertönte, stellte den Rucksack ab und fragte, für alle gut zu verstehen: »Hat jemand den Araber gesehen, der den Rucksack hier hingestellt hat? Sein Wecker hat geklingelt.«

Im nächsten Moment hatte sich die Schlange aufgelöst, und ich war an der Reihe. »Ein Ticket zurück, bitte.«

»Entschuldigen Sie, was hätten Sie gern?« Die Frau hinter dem Schalter sah mich herablassend über den Rand ihrer Brille an. »Sie sind doch gerade erst angekommen, richtig? Mit dem Zug oder zu Fuß?«

»Was?« Ich stützte mich vor ihr ab und schnappte nach Luft.

»Spreche ich denn kein Deutsch? Ich sagte, Sie sind wohl gerade erst angekommen. Und jetzt möchten Sie wieder weg, sehe ich das richtig?« Sie blies sich eine blondierte Strähne aus dem Gesicht. »Hagen gefällt Ihnen wohl nicht?«

»Wo bin ich? Entschuldigen Sie. Ich hab es wirklich eilig.«

Sie musterte mich streng. »Na, so schlimm ist es hier auch wieder nicht.«

»Nein, Hagen ist bestimmt wunderschön. Ich meine, allein der Bahnhof. Sieht wirklich vielversprechend aus. Geradezu pittoresk. Und?«

»Zwölf Uhr vierunddreißig, Gleis acht. Sie haben noch drei Minuten. Schaffen Sie das?« Sie sah ernsthaft besorgt aus.

Schweißtropfen quollen auf meiner Stirn.

»Schon gut. Sie sehen nur ein wenig fertig aus. Beeilen Sie sich. Gute Fahrt.«

»Danke.« Ich drehte mich hastig um und blickte in sechs verständnislose Gesichter. Ich erwischte den Zug filmreif im allerletzten Moment und ließ mich auf den nächstbesten freien Sitz fallen. Dann kramte ich Janines Zeitung aus dem Rucksack und begann zu schreiben. Der Zug rollte aus dem Bahnhof, nahm Fahrt auf und rauschte wenig später durch einen Tunnel. Zufrieden blickte ich in mein Spiegelbild und übersah eine Falte. Jetzt hatte ich einen Plan.

kapitel 4

»Wo ist er? Im Schrank?«

Ich hatte den Rucksack neben der Wohnungstür fallen lassen, war auf der Suche nach Sophie in ihr Schlafzimmer gestolpert und von dem Anblick, der sich mir dort bot, wie vor den Kopf gestoßen. Eigentlich hatte ich mir eingebildet, Sophies Repertoire an Blicken zu kennen. Blicke, die leichte Momente schwer machen konnten und schwere leicht. Den angestrengten Blick, wenn sie vor dem Spiegel stand, an sich zupfte und zog und grübelte, ob ihre neue Bluse nicht vielleicht etwas zu  offenherzig für die Arbeit war. Oder den leuchtenden Blick,  wenn etwas mit Schokolade überzogen war. Doch den Blick, den sie mir an diesem Nachmittag zuwarf, als ich sie in ihrer Wohnung im Bett überraschte, hatte ich noch nie gesehen.

»Na, das ist ja mal eine originelle Begrüßung.« Sophie richtete sich auf und sah mir kopfschüttelnd dabei zu, wie ich an der Schranktür lauschte. »Mach dich nicht lächerlich. Da ist niemand im Schrank.«

»Du guckst aber so komisch. Wer ist es?«

»Wer ist wer?« Sie bemühte sich tatsächlich, ahnungslos zu klingen.

»Im Schrank, verdammt. Das ist hier doch kein beknacktes Quiz.«

»Gut, du hast gewonnen. Der Briefträger.« Sophie kletterte aus dem Bett und hielt sich den Bauch. »Ist dumm gelaufen. Er wollte nur ein Paket für dich abgeben, wir haben uns verquatscht, einen Kaffee getrunken und, na ja, den Rest willst du gar nicht wissen. War wohl keine so gute Idee, deinen Namen mit neben die Klingel zu schreiben, weil bei euch ständig die Post geklaut wird.« Sie stützte sich bei mir ab.