Lion Feuchtwanger

Jud Süß

Roman

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Impressum

Mit einer Nachbemerkung von Gisela Lüttig

Textgrundlage:

Lion Feuchtwanger, Gesammelte Werke in Einzelbänden,

Band 1, Aufbau-Verlag GmbH, Berlin 1991

ISBN 978-3-8412-0613-8

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Februar 2013

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Bei Aufbau erstmals 1959 erschienen; Aufbau ist eine

Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

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Umschlaggestaltung capa design, Anke Fesel

unter Verwendung des Gemäldes „St. Jerome in seinem

Studierzimmer“, Bartolomeo Cavarrozzi, Bridgeman Art

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Inhaltsübersicht

Erstes Buch - Die Fürsten

Zweites Buch - Das Volk

Drittes Buch - Die Juden

Viertes Buch - Der Herzog

Fünftes Buch - Der Andere

Erstes Buch
Die Fürsten

Ein Netz von Adern, schnürten sich Straßen über das Land, sich querend, verzweigend, versiegend. Sie waren verwahrlost, voll von Steinen, Löchern, zerrissen, überwachsen, bodenloser Sumpf, wenn es regnete, dazu überall von Schlagbäumen unterbunden. Im Süden, in den Bergen, verengten sie sich in Saumpfade, verloren sich. Alles Blut des Landes floß durch diese Adern. Die holperigen, in der Sonne staubig klaffenden, im Regen verschlammten Straßen waren des Landes Bewegung, Leben und Odem und Herzschlag.

Es zogen auf ihnen gewöhnliche Postwagen, dachlose Karren, ohne Polster, ohne Lehne, humpelnd, oft zusammengeflickt, und die schnelleren Wagen der Extrapost, viersitzige, mit fünf Pferden, die bis zu zwanzig Meilen im Tag fahren konnten. Es zogen auf ihnen die Eilkuriere der Höfe und Gesandten, auf guten Pferden, oft wechselnd, mit versiegelten Taschen, und die langsameren Boten der Thurn-und-Taxisschen Post. Es zogen Handwerksburschen mit Ranzen, biedere und gefährliche, und Studenten, hager und sanft die einen, die andern fest und verwegen, und eng schauende Mönche, verschwitzt in ihren Kutten. Es zogen die Planwagen der großen Kaufleute und die Handkarren hausierender Juden. Es zog in sechs soliden, etwas schäbigen Kutschen der König von Preußen, der den süddeutschen Höfen Besuch gemacht hatte, und sein Gefolge. Es zogen, ein endloser Wurm von Mensch und Vieh und Wagen, die Protestanten, die der Salzburger Fürstbischof geifernd aus seinem Land verjagt. Es zogen bunte Komödianten und Pietisten, nüchtern von Tracht und in sich verloren, und in prächtiger Kalesche mit Vorreiter und großer Bedeckung der hagere, hochmütig blickende venezianische Gesandte am sächsischen Hof. Es zogen auf dem Weg nach Frankfurt unordentlich auf mühsam zusammengestapeltem Fuhrwerk vertriebene Juden einer mitteldeutschen Reichsstadt. Es zogen Magister und Edelleute und seidene Huren und tuchene Referenten des Kammergerichts. Es zog behaglich in vielen Kutschen der dicke, schlau und fröhlich schauende Fürstbischof von Würzburg, und es zog abgerissen und zu Fuß ein Professor der bayrischen Universität Landshut, der wegen aufsässiger und ketzerischer Reden entlassen worden war. Es zogen mit den Agenten einer englischen Schiffahrtsgesellschaft und mit Weib, Hund und Kind schwäbische Auswanderer, die nach Pennsylvanien wollten, es zogen fromm, gewalttätig und plärrend niederbayrische Wallfahrer auf dem Weg nach Rom, es zogen, den huschenden, scharfen, behutsamen Blick überall, Silberaufkäufer und Vieh- und Getreideaufkäufer des Wiener Kriegsfaktors, und es zogen abgedankte kaiserliche Soldaten aus den Türkenkriegen und Gaukler und Alchimisten und Bettelvolk und junge Herren mit ihren Hofmeistern auf der Reise von Flandern nach Venedig.

Das alles trieb vorwärts, rückwärts, querte sich, staute sich, hetzte, stolperte, trottete gemächlich, fluchte über die schlechten Wege, lachte, erbittert oder behaglich spottend, über die Langsamkeit der Post, greinte über die abgetriebenen Klepper, das gebrechliche Fuhrwerk. Das alles flutete vor, ebbte zurück, schwatzte, betete, hurte, lästerte, bangte, jauchzte, atmete.

Der Herzog ließ die prunkende Kalesche halten, stieg aus, schickte Kämmerer, Sekretär und Dienerschaft voraus. Auf die verwunderten Blicke seiner Herren hatte er nur ein ungeduldiges Prusten. Da, wo der Weg den sanftgrünen Hügel hinanstieg, hielten nun die Wagen, warteten. Kammerherren und Sekretär krochen vor dem feinen, endlosen Regen ins Innere der Kutsche, Jäger, Diener, Leibhusar sprachen gedämpft aufeinander ein, tuschelten, zoteten, pruschten heraus.

Der Herzog Eberhard Ludwig, fünfundfünfzig Jahre, ein dicker, großer Mann, vollwangig, starklippig, blieb zurück. Er stapfte schwerfällig, den Samthut in der Hand, daß der feine, warme Regen die Perücke stäubte, und er achtete nicht der Pfützen, die ihm die glänzenden Stiefel bespritzten und den tiefschößigen, silbergestickten, kostbaren Rock. Er ging langsam, beschäftigt, blieb oft stehen, in unmutiger Nervosität durch die starke, fleischige Nase schnaubend.

Er war in Wildbad gewesen, der Gräfin den Abschied zu geben. War das jetzt erledigt? Eigentlich nicht. Er hatte nichts gesagt. Die Gräfin hatte auf seine halben Worte nur verschleierte Blicke gehabt, keine Antwort. Aber sie mußte doch gemerkt haben, sie war ja so gescheit, sie mußte, mußte gemerkt haben, was er wollte.

Eigentlich war es gut, daß es so ohne Wetter und Geschrei gegangen war. An dreißig Jahre waren es jetzt, daß er mit ihr zusammenlebte. Was hatte seither die Herzogin gejammert, geschrien, gezetert, gewinselt, intrigiert, ihn von der Frau zu lösen. Was hatten seine Geheimräte angestellt, der Kaiser, die Prälaten, das verfluchte Gesindel vom Parlament, die Gesandten von Kurbraunschweig und Kassel. An dreißig Jahre war die Frau verhaftet mit allem, was das Land und er erlebt hatten. Sie war er, sie war Württemberg. Dachte man Württemberg, so dachte man: die Frau, oder: die Hure, oder: die Gräfin, oder: die Maintenon von Schwaben. Ob kühl oder hassend, wie immer interessiert, jeder Gedanke an das Herzogtum war ein Gedanke an die Frau.

Bloß er, er allein, und er lächelte, konnte die Frau denken, gelöst von Politik, gelöst von dem Herzogtum. Nur er konnte denken: Christl, und es war kein Gedanke an Soldaten, Geld, Privilegien, Zänkereien mit dem Parlament, verpfändete Schlösser und Herrschaften, sondern nur die Frau, allein, lächelnd, sich im entgegenräkelnd.

Und jetzt war es also aus, er wird sich wieder mit der Herzogin versöhnen, und die Landschaft wird jubeln und ihm ein großes Präsent machen, und der Kaiser wird zufrieden mit dem schlaffen Kopf wackeln, und der grobe, schlecht angezogene König von Preußen wird ihm Glückwünsche schicken, und die europäischen Höfe werden den Skandal vermissen, über den jetzt bereits die zweite Generation klatscht. Und dann wird er der Herzogin einen Sohn machen, und das Land wird einen zweiten richtigen Erben haben, und im Himmel und auf Erden wird Wohlgefallen sein.

Er blies heftig durch die Nase. Ein dumpfes Wüten stieg in ihm auf, wenn er an die Freude dachte, mit der das Herzogtum, das ganze Deutschland den Sturz der Frau feiern würde. Er hörte, hörte, wie das Land aufatmete, er sah die fetten Bürgerkanaillen seines Parlaments, wie sie triumphierend grunzten, breitmäulig, sich die Schenkel schlagend, er sah die nüchternen, steifleinenen, korrekten Verwandten der Herzogin und ihren magern, sauern, höhnischen Jubel. Das ganze Geziefer wird herfallen über die Frau wie über ein Aas. Sein Leben lang hat er die Frau gehalten gegen das Gesindel; jetzt, wenn er sie läßt, er ist fünfundfünfzig, wird es ihm das Gesindel als Greisenschwäche ausdeuten. Er hat zahllose Reskripte erlassen, die jedes unehrerbietige Wort gegen die Gräfin schwer bestrafen, er hat sich mit dem Kaiser brouilliert, er hat seinen Jugendfreund und Ersten Minister aus dem Land gejagt wegen eines frechen Wortes über die Frau, er hat sich herumgeschlagen mit seinen Räten, seinem Parlament, mit dem ganzen Land um Steuern, immer neue Steuern, um Geld, Geld, Geld für die Frau. Er hat sie gehalten, gegen Land, Reich und Welt gehalten an dreißig Jahre.

Was war das für ein Sturm damals durch ganz Europa, als er sich gleich zu Beginn ohne lange Umstände die Gräfin als zweite Gemahlin neben der Herzogin hatte antrauen lassen. Es regnete kaiserliche Bitten, Beschwörungen, Drohungen, die Stände kläfften wie tolle Hunde, die Verwandten der Herzogin, die Baden-Durlachischen, sahen grün und blau vor Wut und Verachtung, man wetterte von den Kanzeln gegen ihn, verweigerte ihm das Abendmahl, das ganze Land war ein Gischt und Strudel. Nun gut, er hatte sich gefügt, er hatte das Eheverlöbnis mit der Gräfin aufgehoben, hatte sich mit der Herzogin wieder ausgesöhnt. Was freilich die Zuneigung betraf und die daraus entstehende eheliche Beiwohnung – er lächelte, wie er sich der hübschen Phrase erinnerte, mit der er den Kaiser abgespeist hatte, der Bruder der Gräfin hatte sie ihm gedrechselt –, die Zuneigung also und die daraus entstehende eheliche Beiwohnung war eine Sache, die von Gott und ihm selbst abhing und zu der ein Reichsfürst durch Fremde nicht gezwungen werden konnte. Und dann auf frische, scharfe Befehle des Kaisers hin hatte er die Christl wirklich weit außer Landes geschickt und sich von seinem dankbaren Parlament viel Geld dafür bezahlen lassen, und das ganze Land hatte gejubelt. Aber dann – er schmunzelte, dies war doch der beste Streich seines Lebens – hatte er durch seine Agenten in Wien einen mürben Trottel von Grafen auftreiben lassen, und mit dem hatte er die Christl verheiratet und ihn zu seinem Landhofmeister gemacht, und als Landhofmeisterin kehrte die Frau zurück unter dem Toben des betrogenen Württemberg, dieweil der Kaiser ohnmächtig und bedauernd die Achseln zuckte: wer wollte es einem Reichsfürsten verwehren, die Frau seines Ersten Ministers an seinem Hof zu haben? Und wie hatte die Christl gelacht, als er ihr für das Geld, das ihm sein Parlament für die Trennung bewilligt hatte, die Herrschaften Höpfigheim und Gomaringen kaufte.

Jetzt war es ruhig geworden. Wohl erschien da und dort noch ein Pasquill gegen die Gräfin, aber seine Verbindung mit ihr war nun an dreißig Jahre eine gegebene Tatsache deutscher, europäischer Politik. Die Stände knurrten, aber sie hatten gewissen Landverschreibungen an die Gräfin zugestimmt. Die Herzogin residierte kahl, sauer und resigniert im Stuttgarter Schloß, ihre Verwandten, die steifleinenen Markgrafen, hatten sich in ein ägriertes, hochmütiges Schweigen zurückgezogen. Man fand die Tatsachen unerhört, aber das tat man schon seit dreißig Jahren, man hatte sich hineingewöhnt, fügte sich.

Und jetzt also, eigentlich ohne bestimmten Anlaß, sollten alle Verbindungen mit der Frau sich lösen, fallen, nicht mehr da sein.

Sollten sie? Er hatte nicht gesprochen. Wenn er nicht wollte, war nichts geschehen.

Der Herzog stand auf der kotigen Landstraße, allein, barhaupt, in dem feinen, rieselnden Regen. Er zog den rechten Stulphandschuh ab und schlug ihn mechanisch gegen den Schenkel.

Oder war ein Anlaß gewesen? War ein Anlaß? Der polternde Preußenkönig hatte ihm, wie er jetzt in Ludwigsburg war, Vorstellungen gemacht. Er solle sich doch mit der Herzogin versöhnen, dem Land und sich einen zweiten Erben machen, sein Haus nicht auf die zwei Augen des Erbprinzen stellen, wo schon die Katholischen auf das Erlöschen der evangelischen Schwabenherzöge spitzten. Das war es nicht. Nein, das war es nicht. Soll sich der Preuße nach Haus scheren, zu seinem Sand und seinen Kiefern, mit seiner faden Nüchternheit und seinem kahlen, moralischen Sermon, der in jedem dritten Satz von Tod predigte. Er, Eberhard Ludwig, mit seinen Fünfundfünfzig, war Gott sei Dank noch in Saft und Schuß. Mag doch nach seinem Tod wer will das Land und seine Schulden auf den Buckel nehmen und sich mit dem lausigen Gesindel vom Parlament herumärgern. Darum der Christl den Abschied geben? Daß er ein Narr wäre!

Er nahm den Stapfschritt schneller, pfiff falsch und heftig eine Melodie aus dem letzten Ballett. Was hatte der Preuße weiter angeführt? Die Gräfin sei ein schlimmeres Unglück für das Herzogtum als alle Franzoseneinfälle und höchst beschwerlichen Reichskriege. Alle Drangsal, Jammer und Verwirrung in Württemberg, des sei sie Ursach und Stifterin. Sie schröpfe und quetsche gottserbärmlich, und aller Schweiß des Landes sei für ihre Taschen. Das kannte er. Kotz Donner! Die Melodie pfiff ihm aus hundert Schmähschriften entgegen, die Sauce servierten ihm seine Stände jede Woche zum Braten. Wenn Dürre war und Hagelschlag, war nicht auch daran die Frau schuld? Sollten froh sein, die Querulanten und filzig greinenden Pfeffersäcke, daß ihre lumpigen Batzen so prächtig in Glanz und Herrlichkeit umgemünzt wurden. Sie brauchte Geld, ja, ja, und immerzu, soviel Geld gab es im ganzen Römischen Reich nicht, wie sie brauchte, sie schmeichelte darum, bettelte, winselte, drohte, zürnte, schmollte, trotzte darum, es war oft ein Jammer und eine Verzweiflung, wenn er nicht wußte, woher mehr nehmen und immer mehr. Aber was war besser, die kahle, schäbige Haushälterei der Herzogin, wo kein Pfennig zuviel vertan wurde, oder der rauschende Glanz der Frau, wo die Schlösser und Forsten und alle Einkünfte der Kammer wie bunte Funken verprasselten?

Nein, mit solchen Argumenten konnte man ihm die Frau nicht verekeln. Er hatte auch dem Brandenburger fein heimgeleuchtet, und er wäre dem Grobian noch viel schwäbischer übers Maul gefahren, hätte er nur die paar tausend Soldaten mehr gehabt, die ihm seine Stände niemals, ach niemals verwilligen würden. Nein, das alles hatte ihm gar keine Impression gemacht, und wenn doch vielleicht der Knauser, der ungehobelte, den Anstoß zur Verabschiedung der Gräfin gegeben hatte, so war es mit etwas ganz anderem, mit einem viel leiseren Wort, auf das er wahrscheinlich selber kaum Gewicht gelegt hatte. Sie waren, der König und er, auf einen Aussichtspunkt hinaufgefahren, und wie der Brandenburger das weiche, wellige Land sah, die sanften, grünen, gesegneten Hügel mit Korn und Frucht und Wein und Forst, da hatte er vor sich hin geseufzt: »Wie schön! Wie schön! Und zu denken, daß ein altes Weib darüberliegt wie Meltau und Nonnenfraß.«

An dem Meltau und Nonnenfraß wäre nun Eberhard Ludwig nicht viel gelegen. Aber: ein altes Weib. Das biß sich ihm ins Herz. Er, Eberhard Ludwig, einem alten Weib verhaftet? Alle Flüche, Drohungen, Beschimpfungen waren an ihm abgeglitten wie Wasser von geöltem Körper. Aber: ein altes Weib?

Der Herzog erinnerte sich gewisser verjährter Geschichten. Trotz scharfer Edikte hatte sich immer wieder Geschwätz erhoben, die Frau habe ihn mit Zaubermitteln behext. Einer Sache vornehmlich entsann er sich bis in jede Einzelheit. Eine Zofe der Gräfin, sogar den Namen wußte er noch, Lampert hatte sie geheißen, war zu dem Hofprediger Urlsperger gelaufen und hatte dem von gottlosen, widerlichen und hexerischen Hantierungen erzählt, die die Gräfin treibe, um den Herzog an sich zu ketten. Der Hofprediger hatte ein Protokoll aufgenommen, von der Lampert unterschreiben lassen, versiegelt, das Geheimnis in seinem Sekretär verwahrt. Der Herzog war daraufgekommen, eine Untersuchungskommission hatte den Urlsperger seines Amtes entsetzt, die Lampertin mit Ruten peitschen lassen, sie des Landes verwiesen. Aber der Herzog war überzeugt, daß nicht nur das Volk, daß die Untersuchungskommission selber den ruchlosen, scheußlichen Unflat glaubte, der in dem Protokoll vereidet war. Darnach habe die Gräfin in Genf ein Hemd der Herzogin in kleine viereckige Stücke geschnitten, in den mit Branntwein präparierten allerfeinsten Wismut getunkt und hernach auf freche und obszöne Manier zu Wischläppchen gebraucht. In Urach habe sie sich das neugeborene Kalb einer schwarzen Kuh bringen lassen und ihm eigenhändig den Kopf abgehauen, ebenso habe sie es mit drei schwarzen Tauben gemacht, einem Bock aber habe sie die Hoden abgeschnitten, anderer ekelhafter und unsittlicher Hantierung nicht zu gedenken. Durch solche Mittel, hieß es, habe sie ihn dahin gebracht, daß er seine Gemahlin durchaus nicht ausstehen, ohne sie selbst aber nicht mehr habe leben können, indem er Beklemmungen bekommen, sobald er von ihr entfernt gewesen.

Die Esel die, die dürren, saftlosen! Faseln von Zauberei, können sich’s nicht ohne Hexenhantierung zusammenreimen, wo jedem gesunden Mann auf die natürlichste Art das Blut ins Herz und zwischen die Schenkel schießen muß! Wenn er an Genf dachte, wie die Christl ihm entgegenlachte, damals, in dem blaßblauen Zimmer im Gasthof Cerf d’Or, auf dem breiten Bett lagernd, prangend. Da brauchte sie, weiß Gott, keine Kälber zu schlachten und keine Tauben, um sich ihm ins Blut zu brennen. Aber jetzt? Ein altes Weib? Er hatte doch Hände zu greifen, Augen zu sehen. Sie war etwas beleibt, ja, litt an Asthma: aber war es Teufelei und ruchlos hexerische Manipulation, was ihn weiter an sie kettete? Ihre grauen Augen waren immer noch bei aller Lindigkeit so groß zwingend wie vor zwanzig Jahren, ihr nußbraunes Haar hatte sich nicht verfärbt, und in ihrer Stimme läuteten noch alle Glocken vom ersten Tag. Freilich, die kleinen Narben, die ihn damals so ohne Maß gereizt hatten – die Lästerer behaupteten, die Spuren einer schlechten Krankheit –, die versteckte sie jetzt hinter Puder und Schminke. Ein altes Weib? Sie war diesmal so schwermütig gewesen, so elegisch. Sie hatte ihn nicht verlacht, ihm keine Szene gemacht, nicht einmal Geld hatte sie verlangt. Spürte sie was? Aber wenn sie sanft wäre wie ein eintägiges Lamm: ein altes Weib liebte er nicht. Er, Eberhard Ludwig, nicht. Da könnte er gleich zu seiner sauern Herzogin zurückkehren und dem Land den zweiten Sohn machen und mit Gott und dem Kaiser und dem Reich und seinem Parlament in Frieden sein.

Dann freilich hatte sie Lux zu ihm gesagt, Eberhard Lux, und die Glocken hatten geklungen wie am ersten Tag. Und dann hatte sie sich über die Landschaft mokiert, die aus ihren, der Gräfin, Dörfern und Herrschaften die Juden verjagt haben wollte, ihre Juden, von denen jeder einzelne am Werktag mehr Hirn im kleinen Finger hatte als die ganze Landschaft am Feiertag im Kopf. Und wie sie sich über die dumm giftige, sackgrobe Petition der Landschaft lustig machte, so keine zweite helle, kluge, heitere Frau, ob jung, ob alt, hatte er nicht mehr erlebt, von Türkenland bis Paris, von Schweden bis Neapel. Es war doch gut, daß er nichts Entscheidendes zu ihr gesagt hatte.

Er winkte, unmittelbar vor ihm hielten seine Wagen. Er ließ wenden, er wollte jetzt doch nicht nach Stuttgart fahren, auch nicht nach Ludwigsburg. Nach Neßlach, dem kleinen, verlorenen Jagdhaus. Er wollte Ruhe haben, sich auslüften. Er schickte einen Läufer um den Geheimrat Schütz, mit dem wollte er die Affäre in aller Ruhe nochmals durchsprechen.

Ein altes Weib?

Noch auf dem Weg nach Neßlach schickte er auch den zweiten Jäger fort. Die neue, blutjunge, ungarische Tänzerin, die vor acht Tagen in Ludwigsburg eingetroffen war, soll ungesäumt ins Jagdhaus fahren. Donner und Türken! Er wird sich den preußischen Besuch vom Leib spülen.

Der herzoglich württembergische Hoffaktor Isaak Simon Landauer war in Rotterdam gewesen, wo er auf Rechnung des kurpfälzischen Hofes gewisse Kreditgeschäfte mit der niederländisch-ostindischen Gesellschaft geregelt hatte. Von Rotterdam berief ihn ein Eilbote der Gräfin Würben dringlich zurück nach Wildbad zur Gräfin. Unterwegs hatte er einen Geschäftsfreund getroffen, Josef Süß Oppenheimer, kurpfälzischen Oberhof- und Kriegsfaktor, zugleich Kammeragenten des geistlichen Kurfürsten von Köln. Josef Süß, der eine Reihe aufregender und anstrengender Geschäfte hinter sich hatte, wollte sich in irgendeinem Badeort ausruhen und ließ sich von Isaak Landauer leicht bestimmen, mit nach Wildbad zu gehen.

Die beiden Männer fuhren in dem eleganten Privatreisewagen des Süß. »Kostet mindestens seine zweihundert Reichstaler jährlich, der Wagen«, konstatierte mit gutmütiger, leicht spöttischer Mißbilligung Isaak Landauer. Hintenauf saß des Süß Leibdiener und Sekretär, Nicklas Pfäffle, ehemaliger Notariatsgehilfe, ein blasser, fetter, phlegmatischer Mensch, den er in Mannheim während seiner Tätigkeit in der Kanzlei des Advokaten Lanz kennengelernt hatte und den er, den Vielverwendbaren, seither für seine persönlichen Dienste auf alle Reisen mitnahm.

Isaak Landauer trug jüdische Tracht, Schläfenlocken, Käppchen, Kaftan, schütteren Ziegenbart, rotblond, verfärbt. Ja, er trug sogar das Judenzeichen, das ein Jahrhundert vorher im Herzogtum eingeführt war, ein Jagdhorn und ein S darüber, trotzdem keine Behörde daran gedacht hätte, von dem angesehenen, mächtigen Mann, der bei dem Herzog und der Gräfin groß in Gunst stand, dergleichen zu verlangen. Isaak Landauer war der geschickteste Geldmann im westlichen Deutschland. Seine Verbindungen reichten von den Wiener Oppenheimer, den Bankiers des Kaisers, bis zu den Kapitalisten der Provence, von den reichen Händlern der Levante bis zu den jüdischen Kapitalisten in Holland und den Hansestädten, die die Schiffahrt nach Übersee finanzierten. Er lehnte in unschöner, nicht natürlicher Haltung im Polster zurück und barg, der unansehnliche, schmutzige Mann, fröstelnd die magern blutlosen Hände im Kaftan. Leicht schläfrig vom Fahren, die kleinen Augen halb geschlossen, beobachtete er mit gutmütigem, kleinem, ein wenig spöttischem Lächeln seinen Gefährten. Josef Süß, stattlich, bartlos, modisch, fast ein wenig geckenhaft gekleidet, saß aufrecht, besah, den Blick rastlos, scharf, rasch, jedes Detail der Landschaft, die noch immer in feinem Regen wie hinter einem Schleier lag.

Isaak Landauer schaute mit wohlwollendem Interesse und amüsiert den Kollegen auf und ab. Den elegant geschnittenen hirschbraunen Rock, silberbordiert, aus allerfeinstem Tuch, die zierlich und präzis gekrauste und gepuderte Perücke, die zärtlich gefältelten Spitzenmanschetten, die allein ihre vierzig Gulden mochten gekostet haben. Er hatte immer ein Faible für diesen Süß Oppenheimer gehabt, dem die Unternehmungslust und die Lebgier so unbändig aus den großen, rastlosen, kugeligen Augen brannte. Das also war die neue Generation. Er, Isaak Landauer, hatte unendlich viel gesehen, die Löcher der Judengasse und die Lustschlösser der Großen. Enge, Schmutz, Verfolgung, Brand, Tod, Unterdrückung, letzte Ohnmacht. Und Prunk, Weite, Willkür, Herrentum und Herrlichkeit. Er kannte wie nur ganz wenige, drei, vier andere im Reich, den Mechanismus der Diplomatie, übersah bis ins kleinste den Apparat des Kriegs und des Friedens, des Regiments über die Menschen. Seine zahllosen Geschäfte hatten ihm das Auge geschärft für die Zusammenhänge, und er wußte mit einem gutmütigen und spöttischen Wissen um die feinen, lächerlichen Gebundenheiten der Großen. Er wußte, es gab nur eine Realität auf dieser Welt: Geld. Krieg und Frieden, Leben und Tod, die Tugend der Frauen, die Macht des Papstes, zu binden und zu lösen, der Freiheitsmut der Stände, die Reinheit der Augsburgischen Konfession, die Schiffe auf den Meeren, die Herrschgewalt der Fürsten, die Christianisierung der Neuen Welt, Liebe, Frommheit, Feigheit, Üppigkeit, Laster und Tugend: aus Geld kam alles und zu Geld wurde alles, und alles ließ sich in Ziffern ausdrücken. Er, Isaak Landauer, wußte das, er saß mit an den Quellen, konnte den Strom mit lenken, konnte verdorren lassen, befruchten. Aber er war nicht so töricht, diese seine Macht herauszukrähen, er hielt sie heimlich, und ein kleines, seltenes, amüsiertes Lächeln war alles, was von seinem Wissen und seiner Macht zeugte. Und eines noch. Vielleicht hatten die Rabbiner und Gelehrten der Judengasse recht, die von Gott und Talmud und Garten des Paradieses und Tal der Verwünschung als von Tatsachen mit genauen Einzelheiten erzählten, er persönlich hatte nicht viel Zeit für solche Erörterungen und war eher geneigt, gewissen Franzosen zu glauben, die derartige Dinge mit elegantem Hohn abtaten; auch in seiner Praxis kümmerte er sich nicht darum, er aß, was ihm beliebte, und hielt den Sabbat wie den Werktag: aber in Tracht und Aussehen klammerte er eigensinnig an dem Überkommenen. In seinem Kaftan stak er wie in seiner Haut. So trat er in das Kabinett der Fürsten und des Kaisers. Das war das andere tiefere und heimliche Zeichen seiner Macht. Er verschmähte Handschuhe und Perücke. Man brauchte ihn, und dies war Triumph, auch in Kaftan und Haarlöckchen.

Aber da war nun dieser Josef Süß Oppenheimer, die neue Generation. Da saß er stolz prunkend, mit seinen Schnallenschuhen und seinen Spitzenmanschetten, und blähte sich. Sie war plump, diese neue Generation. Von dem feinen Genuß, die Macht heimlich zu halten, sie zu haben und nichts davon zu zeigen, von diesem feineren Genuß des Still-für-sich-Auskostens verstand sie nichts. Berlocken und Atlashosen und ein eleganter Reisewagen und Diener hintenauf und die kleinen äußeren Zeichen des Besitzes, das galt ihr mehr als in wohlverwahrter Truhe eine Schuldverschreibung der Stadt Frankfurt oder des Markgräflich Badenschen Kammergutes. Eine Generation ohne Feinheit, ohne Geschmack.

Und dennoch mochte er den Süß gern leiden. Wie er dasaß, immer jede Fiber gespannt, gierig, sich aus dem Kuchen Welt sein mächtig Teil herauszufressen. Er, Isaak Landauer, hatte damals des jungen Menschen Schifflein ins Wasser gestoßen, als der trotz aller Mühe und wilden Getriebes nicht von Land kommen konnte. Nun, jetzt schwamm das Schifflein, es schwamm in vollem Strom, und Isaak Landauer schaute neugierig und geruhig zu, wie und wohin.

Eine Extrapost kam ihnen entgegen. Ein feister Mann saß darin, behäbig, das Gesicht stark, reckenhaft, daneben fett, rund, dumm eine Frau. Es mochte ein Ehepaar sein auf einer Reise zu einer Familienfestlichkeit. Während die Wagen umständlich und unter lärmenden Gruß-, Scherz- und Fluchreden der Kutscher einander auswichen, schickte der Mann sich an, mit Süß ein kleines, gemütliches Reisegespräch zu beginnen. Wie er aber Isaak Landauer sah in seiner jüdischen Tracht, lehnte er sich ostentativ zurück und spie in weitem Bogen aus. Auch die Frau suchte ihrem dummen, gutmütigen Gesicht Strenge und Verachtung aufzusetzen. »Der Rat Etterlin aus Ravensburg«, sagte Isaak Landauer, der alle Menschen kannte, mit einem kleinen, glucksenden Lachen. »Mögen die Juden nicht, die Ravensburger. Seitdem sie den Kindermordprozeß gehabt haben und ihre Juden gemartert, gebrannt und geplündert, hassen sie uns mehr als das ganze andere Schwaben. Das sind jetzt dreihundert Jahr. Heute hat man humanere Methoden, weniger komplizierte, dem Juden sein Geld zu stehlen. Aber wem man solches Unrecht getan hat, versteht sich, daß man weiter gegen den gereizt ist, auch nach dreihundert Jahr. Nun, wir werden’s überleben.«

Süß haßte den Alten in diesem Augenblick. Die schmuddeligen Haarlöckchen, den fettigen Kaftan, das gurgelnde Lachen. Er kompromittierte einen mit seinem albernen, altmodischen, jüdischen Gehabe. Er verstand ihn nicht, den da, mit seinen senilen Marotten. Der hatte nun Geld wie Heu, einen unermeßlichen Kredit, Beziehungen zu allen Höfen, Vertrauen bei allen Fürsten, er, Süß, saß vor ihm wie eine Eidechse vor einem Krokodil: und solcher Mann ging in dem schmutzigen Rockelor, forderte Hohnrufe und Gespei heraus, begnügte sich, Geld zu häufen, das Schreiberei in seinen Kontoren blieb. Was war denn Geld, wenn man es nicht wandelte in Ansehen, Pracht, Häuser, Pferde, prunkende Kleider, Weiber? Verspürte dieser Alte nicht Lust, auf andere herunterzuspucken, wie man auf ihn herunterspie, Fußtritte weiterzugeben? Wozu schuf sich einer Macht, wenn er sie nicht zeigte? Der Ravensburger Kindermordprozeß! Solches Zeug lag ihm im Sinn! Verstaubt, vermodert, vergraben. Heute war es, Gott sei Dank, besser, gesitteter, zivilisierter. Heute, wenn es der Jud nur schlau anfing, saß er mit den großen Herren an einem Tisch. Hatte nicht sein Großvetter, der Wiener Oppenheimer, vor dem römischen Kaiser darauf pochen können: wenn jetzt gegen die Türken die kaiserlichen Waffen siegreich waren, so war des er, der Jud Oppenheimer, mit die vornehmste Ursach. Und die kaiserliche Kriegskanzlei und der Feldmarschall Prinz Eugen hatte das in bester Form und mit Siegel und Dank bestätigt. Brauchte sich einer nur nicht in alberne Capricen verbeißen und mit Kaftan und Schläfenlöckchen herumlaufen. Dann hätte auch der Ratsherr Etterlin aus Ravensburg seinen Diener und Kompliment gemacht.

Isaak Landauer saß immer in der gleichen unbequemen, aufreizend uneleganten Haltung. Er las dem Süß wohl die Gedanken von der Stirn; aber er schwieg, schloß halb die spähenden Augen, mummelte.

Süß hatte wirklich die Absicht, sich in Wildbad zu erholen, auszuruhen. Er hatte zwei gefährliche, aufregende Affären hinter sich. Einmal die Einführung des Stempelpapiers in der Kurpfalz. Der Kurhut hatte sich eine verdammt hohe Pacht zahlen lassen. Das Volk hatte sich gegen die neue Steuer gewehrt wie ein bissiger Hund. Je nun, er hatte sich nicht einschüchtern lassen, er hatte wider die Beschimpfungen, Drohungen, Aufläufe vor seinen Büros, Pasquille, Tätlichkeiten das Siegel und die Handschrift des Kurfürsten, er hatte von seiner Schrift kein Jota abgelassen, und das hatte sich auch gelohnt, er hatte den Vertrag mit einem Gewinn von zwölftausend Gulden weiterverkauft. Und er hatte sich dann nicht etwa Ruhe gegönnt, nein, die zwölftausend Gulden mußten sogleich weiterarbeiten. Entschlossen, schnell und gesammelt – man ließ ihm nur zwei Tage Bedenkzeit – war er in den Münzakkord mit Hessen-Darmstadt hineingesprungen. Ein gefährliches Geschäft. Sein Bruder, der Baron, der Getaufte, der doch in Darmstadt zu Hause war und das Terrain genau kannte, hatte es nicht gewagt; selbst Isaak Landauer hatte mit dem Kopf gewackelt und sein Lächeln eingestellt. Die Rentämter von Baden-Durlach, Ansbach, Waldeck, Fulda, Hechingen, Montfort waren erbitterte Konkurrenten und prägten, was sie konnten. Noch schlechtere Münze zu prägen, dazu mußte man verdammt kaltes Blut haben und eine Stirn, eisern bis zur Verzweiflung. Süß hatte sie. Und wußte auch dieses Geschäft mit Profit und zur rechten Zeit abzustoßen. Mochte sich jetzt sein Nachfolger mit den tausend Widerwärtigkeiten herumschlagen. Er war gedeckt durch ein Dekret des Landgrafen, er war mit gutem Profit, in Gnaden, aus seinen Diensten entlassen worden. Jetzt hatte er sein schönes Haus in Frankfurt, in Mannheim, beide schuldenfrei, dazu gewisse Liegenschaften, von denen niemand eine Ahnung hatte, in den östlichsten Teilen des Römischen Reiches. Kapital, Verbindungen, Titel, Kredit. Den Ruf eines findigen Kopfes, einer glücklichen Hand. Er durfte sich, weiß Gott, Ruhe und ein Leben aus dem vollen gönnen. Er wollte der Welt zeigen, wer der kurpfälzische Oberhof-und Kriegsfaktor war. Der Luxus selbst seiner Muße wirkte ja für sein Geschäft, empfahl ihn den großen Herren.

So fest er entschlossen war, die Tage in Wildbad seiner Erholung zu gönnen, so falsch ihm Isaak Landauers Grundsätze schienen – seine eigene Art, mit Fürsten und großen Herren umzugehen, sich ihnen anzuschmiegen, war sicher die zeitgemäße, einzig richtige –: es wäre Wahnsinn gewesen, von diesem Genie der vorigen Generation, diesem personenund sachkundigsten Finanzmann nicht auf der Reise zu profitieren. Er fragte also geradezu nach der Gräfin, ihren Aussichten, Hoffnungen, Schwierigkeiten, ihrer geschäftlichen Bonität.

Isaak Landauer schüttelte, sowie von Geschäften die Rede war, die Schläfrigkeit ab und richtete kluge, sehr wache, spähende Augen auf den Gefährten. Es war ihm Geschäftsprinzip, wenn möglich, bei der Wahrheit zu bleiben. Gerade durch seine gewagten und verblüffenden Offenheiten hatte er die größten Profite gemacht. Er wußte, der Süß mochte die Gräfin nicht leiden; ihre Geldgier schien ihm unfürstlich, ordinär. Was sollte er den Kollegen nicht ein wenig ärgern, indem er die Sicherheit, die Chancen des Geschäfts ins vollste Licht rückte. Er analysierte kurz, klar, sachlich. Eine gescheite Dame, die Gräfin. Sinn für Realitäten. Sie hat sich jede Steigerung in der Liebe des Herzogs mit Terrains und Privilegien zahlen lassen, und nahm er ab in der Liebe, dann mußte er, wenn er wiederkam, mit Bargeld und Juwelen zahlen. Was hat sie in das Geschäft hineingesteckt? Ein hübsches Gesicht, einen kleinen Adelstitel, ein bißchen problematische Jungfräulichkeit. Nicht einmal Kleider hat sie gehabt, wie sie an den Hof kam. Und was hat sie herausgewirtschaftet? Die Gräfin von Würben, die Gräfin von Urach, die Landhofmeisterin Exzellenz, Präsidentin des Conseils. Die Oberaufsicht der herzoglichen Schatulle. Achtzehntausend Gulden Apanage. Die Stammkleinodien und Hausjuwelen. Alle Honneurs, Emolumenta und Privilegien einer reichsunmittelbaren Fürstin. Barkapital und Tratten auf Prag, Venedig, Genf, Hamburg. In ihren Schatullen, sagt mir der Sekretär Pfau, dreihunderttausend Gulden. Sollen es nur zweimalhunderttausend sein, ist auch mitzunehmen. Die Rittergüter Freudenthal, Boihingen, die Dörfer Stetten und Höpfigheim, die Herrschaften Wilzheim, Brenz mit Oggenhausen, Marschalkenzimmern. Eine gescheite Frau, eine liebenswürdige Frau, eine Frau, die weiß, worauf es ankommt. Sie verdiente, Jüdin zu sein.

»Sie soll in Disgrace sein«, meinte Süß. »Sie hat sich brouilliert mit ihrem Bruder. In der Landschaft tuschelt man, ihr eigener Bruder habe dem Herzog geraten, sie abzuschaffen. Auch der König von Preußen hat auf ihn eingeredt. Sie wird alt, störrisch, schwer traktabel. Und so fett. Der Herzog ist nicht mehr für soviel Fett in letzter Zeit.«

»Sie kennt sich aus«, erwiderte Isaak Landauer. »Sie weiß, die Bank von England hält sicherer als der Liebesschwur eines geilen Herzogs. Sie ist assekuriert, sie ist besser wie mancher Reichsfürst. Glaubt mir, Reb Josef Süß.«

Süß verzog den Mund. Was sagte er: Reb Josef Süß? Warum nicht: Herr Hoffaktor oder: Kollega oder so? Es war schwer, mit dem Alten zu verkehren. Er kompromittierte einen. »Wenn der Herzog sie fallenläßt«, sagte er nach einer Weile, »wird sie wenig retten können. Sie ist im Herzogtum angesehen wie Pest und Nonnenfraß. Sie hat den Haß des ganzen Landes gegen sich.«

»Haß des Landes!« sagte Isaak Landauer amüsiert, geringschätzig, wiegte den Kopf, kämmte sich mit den Fingern den rotblonden, verfärbten Ziegenbart, lächelte. Und Süß spürte, er hatte recht. »Wer, so er was taugt, hat nicht den Haß des Landes gegen sich? Wer anders ist als die anderen, hat den Haß des Landes. Haß des Landes hebt den Kredit.«

Süß wurde gereizt durch den friedfertig überlegenen Ton des anderen. »Eine Hure«, achselzuckte er, »geizig, unfürstlich von Manieren, dazu fett und alt.«

»Gered, Reb Josef Süß«, sagte Isaak Landauer gelassen. »Hure! Ein Wort. Trösten sich die tugendhaften alten adeligen Fräuleins damit, die ihr neidisch sind. Hat auch die Königin Esther zuerst nicht wissen können, ob sie nicht des Ahasverus Kebsweib wird. Ich sag Euch, Reb Josef Süß, die Frau ist gut für fünfmalhunderttausend Gulden. Sie ist gescheit, sie weiß, was sie will. Hat sie nicht die Juden zugelassen in ihre Dörfer und Herrschaften? Nicht aus Sentimentalität, bewahre. Aber sie ist klug, sie riecht, wer klug ist, mit wem man reden kann, handeln, klar, und es kommt was heraus. Fünfmalhundert? Sie ist gut bis zu fünfmalhundertundfünfzigtausend!«

Mittlerweile fuhr der Wagen beim Gasthof »Zum Stern« in Wildbad vor. Der Sternwirt stürzte heraus, zog die Kappe. Aber wie er den Kaftan Isaak Landauers sah, warf er patzig hin: »Hier ist kein Judenwirt«, und wollte in den Torgang zurück. Doch der blasse Sekretär stieg von seinem Sitz. »Das sind die Herren Hoffaktoren Oppenheimer und Landauer«, sagte er gelassen und über die Achsel, während er den Herren beim Aussteigen half. Und schon dienerte der Sternwirt mit tiefem Bückling voraus in die Zimmer.

Josef Süß hatte sich grimmig bewölkt bei den Grobheiten des Gesellen; aber er schritt schweigend neben Isaak Landauer. »Nu«, lächelte der, »auch vor einem galonierten Geheimratsrock hätte er nicht können mit seinem Fuß weiter nach hinten auskratzen.« Und er lächelte und kämmte sich mit den Fingern den schüttersträhnigen, verfärbten Bart.

Die Gräfin hatte den Herzog an den Wagen geleitet; während der schwere Mann umständlich in die Kutsche stieg, stand sie in der liebenswürdigen Sicherheit der an Bewunderung gewöhnten Frau, schwatzte gleitend, freundlich, lächelte, winkte. Noch als sie sich wandte, die Stufen zu dem blauen Kabinett hinaufstieg, war Schritt und Haltung leicht, elastisch. Dort erst entspannte sie sich, die Schultern fielen, Arme, Hände hingen kraftlos, der Mund stand halb auf, das Gesicht erschlaffte jäh und erschreckend.

Aus, es war also aus. Sie hatte geschickt laviert, er hatte nicht zu sprechen gewagt, aber es war ja klar, es lag zutage, mit der Absicht, ihr aufzusagen, war er gekommen, und wenn ihm auch das entscheidende Wort steckengeblieben war, seine verlegene Höflichkeit sprach deutlich, war hundertmal schlimmer als gelegentlich früher Geraunz oder Zornausbruch oder beleidigtes Schweigen.

Sie saß schlaff, sie war so müde und ausgehöhlt; die gefaßt liebenswürdige Haltung, der elegische Hauch darüber, während ihr Herz tobte, fluchte, geiferte, diese Gefaßtheit war so aufreibend gewesen. Jetzt saß sie betäubt, in einer entsetzlichen Art bis zur Lähmung ausgeschöpft, auf dem niedern, breiten Lager. Puder und Schminke auf ihrem Antlitz klaffte, das heitere Feuer, das sie in ihren großen Augen angezündet, losch hin, der mächtige gestickte Atlasrock hing in toten Falten, und unter der kunstvollen, mit kleinen Rubinen besetzten Sbernia – sie hatte die Mode aufgebracht, und sogar in Versailles ahmte man sie nach –, unter der kunstvollen Sbernia verlor selbst das fröhliche, nußbraune Haar seine sorglose Frische.

Aus also. Und warum? Der Preußenkönig hatte gebohrt, der Hund, der schäbige, mit seinem schalen Geschwätz von Pflicht und Blödsinn. Ihr Bruder hatte gehetzt, der Intrigant, der verfluchte, tückische, eiskalte. Er brauchte sie nicht mehr, seine Stellung beim Herzog war fest genug; es war klüger, sie abzuschütteln, ehe er in ihren Sturz hineinverwickelt würde. Sie war ein Hindernis, kostete Rücksichten in der Politik gegen den Kaiserhof, kostete Geld, viel Geld, das man ohne den Umweg über sie bequemer und reichlicher in die eigenen Kassen lenken konnte. Oh, wie sie ihn durchschaute, den Rechner, den hundsföttischen. Pfui, pfui, pfui! Aber sie wollte es ihm heimzahlen. Noch stand sie, lebte sie, der Herzog hatte noch nicht gesprochen, noch regierte sie, sie, sie im Land. Aber das alles konnten für den Herzog keine Gründe gewesen sein. Sie hatte ganz andere Stürme bestanden. Sie hatte den Kaiser, das ganze Reich, Volk und Landschaft und Konsistorium zu Gegnern gehabt und hatte geatmet und war gestanden. Ihr Bruder! Der Preußenkönig! Bah, das waren keine Gründe. Und sie sah den wahren Grund auf sich zukriechen, sah ihn schleimig ihre Gedanken umklammern, wußte ihn und wußte ihn nicht, schlug wie die Raupe an der Nadel dagegen, daß er aus dunklem Gefühl Bewußtsein werde. Ihr Blick suchte den Spiegel, mied ihn. Sie sank, die schwere Frau, noch hilflos tiefer in sich zusammen, ein Haufe schlaffen Fleisches in den prunkenden Stoffen.

»Auf deiner Stirne wohnt

Minerva hoch in Ehre,

In deinem Auge Zeus,

In deinem Haar Cythere«,

so hatte der Hofpoet gesungen, vor dreißig Jahren. Sie brauchte keinen Spiegel, sie wußte den Grund.

Sie stöhnte, lehnte vornüber, die Augen geschlossen, die Hand nach dem Herzen. Luft! Luft! Ihr Asthma preßte sie. Erholt, raffte sie sich auf, raste durchs Haus, befahl, widerrief, ohrfeigte die Zofe, schrie, sandte Kuriere nach allen Richtungen.

Noch war sie da. Man sollte sehen, daß sie noch da war. Er hatte nicht gesprochen. Das hatte sie verhindert, glücklicherweise. Sie hatte sich gezähmt. Übermenschlich war es gewesen, so an sich halten, aber sie hatte es gekonnt. Und jetzt hatte er nicht gesprochen, ah!, und jetzt mußten sie ihren schmutzigen Jubel noch zurückhalten in ihren Därmen, und jetzt war sie noch da und wird es zeigen, wie sie da war.

Sie hatte zuverlässige Korrespondenten um den Herzog. Eberhard Ludwig war noch immer in Neßlach, in seinem Jagdschloß. Das war gut, sehr gut war das. Sie erhielt täglichen Bericht. Täglich ritt ihr Kurier von Neßlach nach Wildbad. Um jede kleinste Anordnung des Herzogs wußte sie, was er aß und trank, wann er zu Bett ging, jagte, tafelte, spazierenging. Er hatte nur die Ungarin um sich, und die nur im Tag eine halbe Stunde. Sonst sah er niemanden, niemanden von seinen Räten ließ er vor. Gut, gut. Er schämte sich wohl, daß er das Wort nicht gewagt hatte, wollte nicht weiter in sich drängen lassen. Die Regierungsakten wuchsen, warteten auf seine Unterschrift. Der schwierige Handel mit Baden-Durlach wegen des Kostenbeitrags für die Festung Kehl stand vor einem günstigen Vergleich, der Geschäftsträger der Markgräfin drängte, aber der Herzog war nicht zu erreichen. Auch das Abkommen mit Heilbronn und Eßlingen über die Neckarregulierung forderte dringend Resolution: und kein Herzog, kein Herzog. All gut, all gut. Dafür ließ er jetzt die Ritter seines Hubertusordens kommen und soff mit ihnen herum. Er selber legte das Ordenszeichen nicht ab, das goldene Kreuz mit dem rubinroten Schmelzwerk, den goldenen Adlern und dem Jägerhorn und der Devise: Amicitiae virtutisque foedus. Auch die ungarische Tänzerin mußte in Neßlach bleiben, die blutjunge, heillos törichte, makellos gewachsene. All gut, all gut. Mochte er mit den Jagdkumpanen saufen, mit dem blitzdummen Geschöpf huren, aber keine Räte, keine Hetzer, keine Intriganten.

Sie gönnt sich nicht Ruhe mittlerweile. An ihre Verwalter und Intendanten gehen verschärfte Ordres, aus ihren Gütern und Herrschaften den letzten Groschen herauszupressen. Sie schafft zwanzig neue Beamtenstellen, höchst überflüssige, und ihre Zutreiber müssen diese Ämter von heute auf morgen verkaufen, die Kaufgelder und Kautionen in die gräfliche Schatulle einliefern. Das herzogliche Kammergut, trotzdem ihr Holz, Wein, Früchte geliefert waren, erhält eine ungeheure Rechnung über Spesen, die ihr die letzten Besuche Eberhard Ludwigs verursacht hätten. Wie ein ausgehungerter Hund am Knochen nagt sie an allen Einkünften des Herzogtums, gierig und verbissen, und täglich geht Geld außer Landes, große Summen, an ihre Bankiers in Genf, Hamburg, Venedig.

Und der Herzog ist noch immer in Neßlach. Er hat sich aus dem Marstall die drei großen Gespanne kommen lassen, jedes von acht Pferden, mit denen kutschiert er jetzt alle Künste der Reitschule. Die Ungarin kreischt, die Herren vom Hubertusorden applaudieren in ehrlicher Bewunderung.

Endlich, hergewünscht, hergeflucht, heiß erwartet, kommt Isaak Landauer nach Wildbad. In seinem schmierigen Kaftan saß er im Arbeitskabinett der Gräfin inmitten von Lapislazuli und Zierat, Spiegeln und goldenen Putten. Die Gräfin ihm gegenüber, prächtig, am Sekretär, zwischen ihnen in hohen Stößen Akten, Tabellen, Rechnungen. Er schaute durch, prüfte, die Gräfin gab ihm hemmungslos Auskunft, er entdeckte hier und dort noch Lücken, wies schärfere Schrauben, Pressungen. Die Gräfin, den zu fetten Nacken wie die makellosen Arme nackt, hörte aufmerksam zu, machte Einwendungen, notierte. Schließlich verlangte sie auf drei ihrer Dörfer ein ungeheures Darlehen.

Isaak Landauer schaute sie an, wiegte den Kopf, sagte vorwurfsvoll: »Habe ich das verdient, Exzellenz?« – »Was verdient?« – »Daß Sie mich für einen ausgemachten Narren halten.« Sie, auffahrend: »Was will Er, Jud? Wohin zielt Er? Hätt Er mir vor zwei Jahren das Geld nicht geliehen? Bin ich jetzt weniger gut?« Der Jude, behutsam: »Wozu braucht Euer Exzellenz das Geld? Es aus dem Land zu schaffen. Weshalb es aus dem Land schaffen? Doch nur, weil Sie Eventualitäten fürchten. Wenn aber Eventualitäten zu fürchten sind, dann sind die Güter keine Garantie. Wollen Sie, daß ich soll an Ihnen Geld verlieren?« Die Gräfin schaute vor sich hin, hilflos; dann zu ihm, und ihre Augen sagten ihm, daß es um viel mehr ging als das Geld, ihre Augen bekannten ihm all ihre Ängste, Hoffnungen, Zweifel. »Er ist klug, Jud«, sagte sie nach einer Weile. »Glaubt Er, daß ich es wagen darf, die Güter« – sie stockte – »nicht zu beleihen?«

Er hätte ihr gern etwas Freundliches gesagt. Aber sie war eine gescheite, feste Frau, sie brauchte, sie wollte keine Vertröstung und Verschleierung, es war geradezu unanständig, ihr mit so was zu kommen. Er schaute sie auf und ab, und sie war bedenkenlos offen zu ihm, er sah ihr entspanntes Gesicht, den gelösten, feisten Leib, und er wußte auf ihren dringlich fragenden Blick keine andere Antwort als ein Schweigen und ein Achselzucken. Da ließ sie sich vollends fallen. Sie brach in ein lautes, haltloses Weinen aus wie ein kleines Kind. Dann begann sie unflätig zu schimpfen auf die Minister, ihren Bruder, ihren Neffen und die andern alle, ihre Kreaturen, die sie fallenließen und keine Hand rührten, die sie noch stießen. Die Kanaillen, die schmutzigen! Sie hatte sie in ihre Stellungen gebracht, an ihr waren sie heraufgeklettert. Jeden Groschen, jeden Knopf an ihren Uniformen dankten sie ihr. Zudem hatten sie einen förmlichen Vertrag mit ihr, hier in der Schublade hatte sie das Papier, einander in günstigen und in widrigen Umständen nach Kräften beizustehen. Die Hundsfötter, zu schlecht für die Hölle und den Schinder! Denn selbst jeder Pracher, Teufel und Spitzbub hält solche Verträge und Kumpanei.

Der Jude sah still zu, wie sie wütete, ließ sie sich ausschäumen. Schließlich hustete sie, ihr Gesicht lief rot an, sie schnaufte, röchelte, weinte zuletzt haltlos, still vor sich hin. »Ach Jud«, jammerte sie, »ach Jud«, zerbrochen, geschüttelt, hemmungslos, die stolzen Stoffe hingen tot an ihr herunter.

Isaak Landauer kämmte sich mit den Fingern den strähnigen Bart, wiegte den Kopf. Dann ergriff er, behutsam, ihre große, warme Hand, murmelte vor sich hin, streichelte sie.

Gerüchte, niemand wußte woher, stoben im Lande auf von dem nahen Fall der Gräfin, hier, dort, an allen Ecken. Niemand wagte ein lautes Wort, aber flüsternd ging es durch alle. Es war ein großes, heimliches Aufatmen. In einzelnen Dörfern wurden schon Glocken geläutet, Dankgebete gesprochen, man verkündete nicht wofür, beließ es bei dem allgemeinen: für eine gnädige Fügung.

Aber es wurde nichts anders vorläufig, im Gegenteil, der Druck wurde härter, erbitterter. Alte Beamte wurden ihrer Stellen entsetzt, weil ein neuer Bewerber ihr Amt höher bezahlte. Die Generalvisitation wütete gegen Gemeinden und Privatleute mit Anklagen und Inquisitionen, von denen man sich nur durch hohe Zahlungen lösen konnte; alle Staatsstellen, selbst das Kirchengut und die Witwen- und Waisenkassen wurden zu hohen und sehr unsichern unverzinslichen Darlehen an die Schatulle der Gräfin gezwungen; die Agenten der Gräfin schalteten herrischer und maßloser als je zuvor. Und als gar ein scharfes herzogliches Reskript erschien, das von neuem und nachdrücklich alle übeln Reden gegen die Gräfin mit schweren Strafen bedrohte, sanken auch die leichtestflügeligen Hoffnungen lahm zur Erde.