MONIKA ZEINER

DIE ORDNUNG
DER STERNE
ÜBER COMO

Roman

Logo

Impressum

ISBN 978-3-8412-0597-1

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, März 2013

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2013 bei Blumenbar, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Einbandgestaltung und Illustration Tim Jockel, Berlin

E-Book Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

www.aufbau-verlag.de

Inhaltsübersicht

Die Erdzeitalter

Der Verehrer

Betty Morgenthal

Tom Holler

Weg der Schnecke

Das neue Leben

Der Lutz-Wegener-Abend

Der ganz allgemeine Tod

Fliegen

Schwiegerelternsonntag

Genua

Tag Zwei

Brieffreunde

Aha, das Meer

Das Zimmer des Wesentlichen

Beleuchtungsprobe

Rumfahren

WG

Die Liebe (allgemein)

Die Liebe (theoretisch)

Die Liebe (von fern)

Lebensunterhaltung

Das Meer der Möglichkeiten

Der Hundezettel

Das Konzert

Die Freundschaftsgalaxie

Die Freundin

Hotel Marina 1

Die gute Stube der Erinnerung

Keine Ahnung

Der Lebenslauf der Eintagsfliegen

Liebeseinsamkeit

Man kann es sich ja nicht aussuchen

Kurzer Dialog

Schneechaos

Ihr Blümlein alle

Der Liebesscheinwerfer

Aquaplaning

Eine Affäre in Genua oder: Osterhasen-Holler

Scheisszeit

Aschberg/Rhön

Der Schumann-Moment

Chääsmusik

Blumenroulette

Der Vollidiot

Einen Tag schwimmen

Die Ordnung der Sterne über Como

Rom, Stadt der Mode

Silvaplana

Schnee

Heimweg oder: Das Leben ist kein Campingplatz

Die Signora-Bonardi-Woche

Nacht

Morgen (nun will die Sonn’ so hell ...)

Morgen ist auch ein Tag

Besuchen sie mich einmal

Bis dann

Ein Jahr

Lebensmittwoch?

Der Gesang der Graumeise

Renovierung

Der Aufstieg

Das Pony oder: Geschichte der Liebe, Teil 2

Naufragio – Schiffbruch

Das Vorspiel

Die Länge des Augenblicks

Hotel Marina 2

Morgen früh am Hafen

Tirrenia

Für C.

Liebe und Tod sind da, das ist alles,

was man dazu sagen kann.

Roland Barthes

DIE ERDZEITALTER

An einem Spätabend, dem Wetter nach zu urteilen irgendwo zwischen November und Februar, bekam Holler unerwarteten Besuch von seiner Ehefrau, die, wie sie sagte, ein paar Kleinigkeiten abholen wollte. Obwohl sie noch einen Schlüssel hatte, klingelte sie mit dem Handy kurz bei ihm an, um nicht einfach so hereinzustürzen, aus heiterem Himmel, sagte sie, was angesichts der Witterungsverhältnisse unpassend erschien, denn der Himmel hing tief, und in den Lichtkegeln der Straßenlaternen wirbelte Schnee. Die Ehefrau berichtete dem Anrufbeantworter, dass sie zufällig in der Gegend und in circa fünf Minuten in der Wohnung sei. Thomas, der vermutlich neben dem Telefon stehe, solle sich also nicht wundern. Thomas wunderte sich aber trotzdem.

Er hatte, als es klingelte, nicht neben dem Telefon, sondern am Fenster gestanden. Die kahlen Winterbäume entlang der S-Bahn und die von Licht durchbrochenen schwarzen Fassaden der gegenüberliegenden Wohnhäuser waren nur undeutlich zu erkennen im Schneetreiben, das bis in sein Zimmer zu reichen schien. Er dachte an nichts, wenn nichts etwas ist, während das in sich bewegte und doch gleichsam in der Luft stehende weiße Geflimmer den Eindruck von Ewigkeit erweckte und großer Stille, wie sie in Schneehalbkugeln aus Plexiglas herrschen mochte und die erst durch das Klingeln des Telefons gestört wurde. Die Töne näherten sich von weit her, und als sie bei ihm anlangten, war die Stimme seiner Frau schon wieder verklungen. Das abschließende Tuten des Apparats erschien ihm nun lauter, nadelte in den Ohren. An der hektischen Reflexion auf der Fensterscheibe sah er, dass der Fernseher geräuschlos lief, und als sein Spiegelbild aus der Nacht vor ihm auftauchte, bemerkte er die längst verloschene Zigarette in seinem Mundwinkel. Auch fiel ihm, als er sich umwandte, um das Gerät auszuschalten, die Unordnung im Zimmer auf: die über die Holzdielen verstreuten Kleidungsstücke, leeren Sixpack-Kartons, Flaschen, zerknüllten Notenpapiere und darüber der Staub, der viele Staub, und alles das machte, wie er plötzlich dachte, den widersprüchlichen Eindruck einer über die Maßen bewohnten, gleichzeitig längst verlassenen Wohnung.

Es war aber sinnlos, noch ans Aufräumen zu denken. Schon als er im Badezimmer stand, wo er sich vor dem Spiegel mit der einen Hand durchs Haar fuhr, um wenigstens dieses zu ordnen, und mit der anderen sein Hemd in die Hose klemmte, hörte er das Kratzen des Schlüssels in der Tür.

»Hallo«, sagte Hedda.

»Hallo«, sagte er.

Sie war umschwebt von einem leichten Frostgeruch, dem Hauch eines Parfums auch, das Holler nicht kannte. Schneekristalle lagen auf ihrem hellen Haar und glitzerten im Licht, im Taschenlampenlicht seines Blicks, das sie nur flüchtig gestreift hatte und dem doch nicht entgangen war, dass sie ihren Hals sofort etwas gestreckt hatte, bemüht offenbar, über alles hinwegzusehen, über das, wie sie es nennen würde, Chaos, einschließlich seiner Person, aber er hätte ihr Gesicht viel genauer beobachten müssen, um auch das heimliche Entsetzen zu erkennen, das ihre Augen kaum merklich weitete. Sonst bewahrte sie Haltung. Sie erinnerte an eine Königin, die ein Leprakrankenhaus besucht.

»Du bist also da«, sprach die Königin.

»Ja, ich bin da«, sagte er. Er hatte lange nicht gesprochen und wunderte sich über den Klang seiner Stimme. »Du«, fuhr er fort und hob die Schultern etwas an, »bist ganz nass.«

»Es schneit«, sagte sie.

»Ich weiß«, sagte er.

»Aber der Schnee bleibt nicht liegen.«

»Tja«, sagten beide fast gleichzeitig, als bedauerten sie die Vergänglichkeit des Schnees oder etwas anderes, und sahen zu Boden. Ein Lächeln balancierte unsicher auf ihren Mündern, bevor es herunterfiel. Sie standen weit voneinander entfernt. Der lange Flur, der sie verband und gleichzeitig trennte, schien tief in die Vergangenheit hineinzureichen. Es war sehr still. Erst als Holler, die Hände in den Hosentaschen, mit der Fußspitze einen leeren Pizzakarton langsam um einige Zentimeter verschob, während er heimlich Heddas Schuhe betrachtete, helle, von Schneenässe verfärbte Wildlederstiefel mit einem dünnen hohen Absatz, da sie, die immer etwas größer gewesen war als er, es nun sicher genießen würde, sich seinetwegen nicht mehr kleiner machen zu müssen, erst da entstand ein leises Geräusch. Er schob den Pizzakarton wieder zurück. Er hob die Augenbrauen, atmete ein, als ob er etwas sagen wollte, sagte aber nichts.

Hedda blickte in die Tiefe des Flurs. »Du siehst dünn aus«, sagte sie.

»Ich bin dünn«, sagte er, dachte aber, dass sie ihn unwesentlich vorher für zu dick gehalten hatte.

Sie lächelte mit ihrem linken Mundwinkel. Beide sahen knapp aneinander vorbei in entgegengesetzte Ecken des Flurs, der sich auszudehnen und zu krümmen schien, bis Hedda, um sich zu retten aus dem Abgrund der Jahre, den Kopf noch höher hob und zu reden begann. Leider habe sie es total eilig, sagte sie mit ihrer ihn an einen nordischen Fluss erinnernden Stimme, und indem sie hastig an ihm vorbei in Richtung Schlafzimmer strebte, begann sie, etwas lauter als notwendig die Dinge aufzuzählen, die sie mitzunehmen beabsichtigte.

Holler, der mit verschränkten Armen an der Wand lehnte, hatte kurz den Eindruck, als ginge sie direkt ins Dunkel der Vergangenheit hinein. »Nimm ruhig alles mit«, sagte er.

Unter anderem, rief Hedda, die ihn gar nicht gehört hatte, handle es sich nämlich um die dreibeinige Mahagoni-Kommode, die gerahmte Italien-Fotografie über dem Esstisch, einige weitere Bilder, außerdem noch dies und das, technische Kleinund Küchengeräte und die Keramikschüssel mit dem Pflanzenmuster, ein Hochzeitsgeschenk, wie er wisse, einer norwegischen Verwandten, Kunstsammlerin in Oslo, deren Hund, ein gewisser Hanno, Mops, ihm, wie er sich vielleicht erinnere, bei einem Besuch einmal fast das Hosenbein zerrissen hätte, der sei jetzt übrigens gestorben, rief sie aus einem der Zimmer, als müsse das eine Genugtuung für ihn sein. Wo denn die Schüssel sei?

»Ich weiß nicht mehr, ich glaube, sie ist mir kaputtgegangen«, rief er. Auf einmal sah er Hedda wieder im Türrahmen, eingehüllt von Frostdunst, der aus dem beleuchteten Hausflur mit ihr hereingeströmt war. Er sah sie in einem Park, sieben Jahre jünger. In einem sie schattenhaft bedeckenden Kleid.

»Na ja, mach dir nichts draus!«, rief sie.

»Ich mach mir eigentlich nichts draus.«

»Was?«

»Nichts.«

Mit viel Abstand, so dass ihre Schulter die Wand streifte, ging sie an ihm vorbei über den Flur und bahnte sich den Weg durch den Müll, schwebte fast darüber hinweg auf einem Luftkissenboot der Höflichkeit. Ihr aufrechter Rücken, das eiserne Lächeln, wenn ihr Absatz doch einmal in der Schaumstoffverpackung eines chinesischen Nudelgerichts stecken blieb, ihre geschäftigen Bewegungen und ihr selbstverständlicher, zu selbstverständlicher Gang, signalisierten ihm, dass sie den Müll gar nicht sah, dass er ihretwegen Müll anhäufen konnte, so viel er wollte, und ruhig eine Müllsammlung anlegen sollte, ein Abfallmuseum, wenn er Lust dazu hätte. (Hatte er aber nicht.)

Er sah die Spitze ihres Pferdeschwanzes hinter der Badezimmertür verschwinden.

Wenn er eines Tages den MP3-Player finden sollte, sagte sie, dann könne er ja anrufen. »Welchen MP3-Player noch?«, fragte er, aber seine Ehefrau hörte ihn nicht, weil sie im Badezimmer klapperte. Ob sie das Arzneischränkchen mitnehmen könne, rief sie, da seien noch allerhand Sachen drin. »Klar, schmeiß einfach alles auf den Boden«, sprach er, hörte aber, wie die Ehefrau alles ausräumte und auf die Waschmaschine stellte, klack, klack und klick. Dann stand sie hochaufrecht im Flur. »So«, sagte sie. Ihre Gegenstände hatte sie neben der Eingangstür zu einem Turm aufgestapelt, und Holler überlegte, ob er sich unbemerkt daruntermischen sollte. »Gut! Dann hast du ja alles«, sagte er.

»Ja. Ich denke, ich habe alles«, sagte sie, aber sie zögerte, und ihr Gesicht wurde weich, schien an Tiefenschärfe zu verlieren, während sie ohne den geringsten Vorwurf ihm gegenüber (er nahm es erstaunt zur Kenntnis) mit ihren schlanken Fingern langsam über die Italien-Fotografie wischte, um den Staub zu entfernen.

»Weißt du noch, wie es hieß?«, wollte er fragen – die Fotografie war in irgendeinem August entstanden, da sie, während alle vernünftigen Menschen ans Meer fuhren, für eine Woche in einem glühenden Bergdorf nahe Bari gewesen und stundenlang verdorrte Hügel hinauf- und hinabgewandert waren –, aber da hatte sich ihr Gesicht schon wieder geschärft, und er ließ es sein. (»Nie tust du etwas!«) Er überlegte nur, wo all die Zeit hingekommen war, und Hedda sagte: »Ja, ich glaube, das war’s tatsächlich.«

Als sie, ohne seine Hilfe in Anspruch zu nehmen, gegangen war, erschien ihm die Schneekugelstille vollkommen. Ins Schlafzimmer floss etwas Straßenlicht und beleuchtete das helle Viereck, das von einem der fehlenden Gegenstände, einem Bilderrahmen, an der Wand hinterlassen worden war. Das Viereck erstaunte ihn. Auch erstaunte ihn, dass Hedda im Unterschied zu ihm selbst immer genau gewusst zu haben schien, was wem gehörte, dass sie die Umrisslinien, die Grenzen ihrer Gegenstände und ihrer Person, auch nach sieben Jahren des Zusammenlebens noch in voller Deutlichkeit wahrnahm, während er selbst das Gefühl hatte, die Konturen aller Dinge seien längst verschwommen, ineinandergelaufen wie auf einem dilettantischen Aquarell, der Tisch, das Sofa, Ich, Du, ein schmutziger ausufernder Farbfleck.

Als wüsste er endlich, was zu tun sei, ging er in sein Arbeitszimmer hinüber, wo seit Wochen nicht gearbeitet, sondern höchstens ferngesehen wurde. Er setzte sich an seinen Tisch, grub aus einem Papierhaufen ein zerknülltes Notenblatt und strich es glatt. Auf seinem Schreibtisch lag seit längerem ein Buch, »Geschichte der Erdzeitalter«, das er sich irgendwann gekauft hatte. Ich hätte es vielleicht doch zu Ende lesen sollen, dachte er. »Liebe Hedda«, schrieb er. Die Spitze des Bleistifts zerkratzte die Stille. »Du wunderst dich sicher, einen Brief von mir zu finden«, schrieb er, »aber du kannst ihn ja wegwerfen.« Er hielt inne, zündete sich eine Zigarette an und beobachtete den Rauch, der in langsamen Schnörkeln zur Decke stieg und sich auflöste. Sieben Ehejahre, überlegte er, der Unermesslichkeit der Erdzeitalter gegenübergestellt, werden sich zu letzteren verhalten ungefähr wie eine einzige Viertelnote zum Werk aller Komponisten, die zweit-, dritt- und die viertklassigen eingerechnet.

Am nächsten Morgen, nachdem er aufgestanden war, sich rasiert und sorgfältig angezogen hatte – gebügeltes weißes Hemd, denn im gebügelten weißen Hemd hatte er Hedda gefallen, einigermaßen zumindest, sogar noch zuletzt –, warf er den Brief, den er mit »Dein Thomas« unterzeichnet und in ein altes Sparkassenkuvert gesteckt hatte, in ihren nagelneuen Briefkasten, auf dem nicht Hedda Groning-Holler, sondern bloß wieder Groning stand.

Er grüßte einige Arbeiter in Heddas Hinterhof (»Creative-Village-Loftwohnungen« war hier auf einem riesigen Bauplakat zu lesen), die, pfeifend, bedächtig herumgingen. Er sah ihre Gesichter genauer, als er es wollte. Sie aber nahmen kaum Notiz von ihm.

Zu Hause machte er Ordnung. Er räumte auf, warf den Müll fort oder das, was er dafür hielt. Er putzte, entfernte sogar die in der Heizungsluft vibrierenden Spinnweben an den Möbelabdrücken, was Hedda erfreuen würde, und immer wieder sagte er sich, dass er es ihr nicht verdenken könne, wenn sie nur mehr wieder Groning hieß, schon jetzt, wie es auf ihrem Briefkastenschild zu lesen gewesen war, auch wenn es nicht – noch nicht – ganz der Wahrheit entsprach, aber er konnte es verstehen.

Das Bad sparte er aus. Es überstieg nun doch seine Kraft.

In der Küche füllte er ein Glas mit Leitungswasser. Er trank es in einem Zug aus. Wieder füllte er das Glas und goss eine Pflanze, die seit Jahren auf dem Fensterbrett stand, einen Rosmarinstock, von Hedda vergessen und vertrocknet. Er füllte das Glas ein letztes Mal und ging damit in sein Arbeitszimmer, wo er die Schreibtischschublade öffnete und ein Döschen herauszog und die darin aufbewahrten Tabletten ins Glas schüttete, bevor er es sorgfältig wieder verschloss und in die Schublade zurücklegte. Er konnte auch ordentlich sein, wenn er wollte.

Mit dem Interesse eines Chemikers beobachtete er, wie die Pillen sich auflösten. Sorgsam trug er das Glas vor sich her und ging zu seinem Flügel. Aber er spielte nicht, sondern sah in das Glas, das vor ihm auf der dunklen Holzfläche stand. Er wartete, dass sich alles vollständig auflöste, während der Name des italienischen Wüstendorfes sich in seinem Gedächtnis immer mehr verdichtete und plötzlich deutlich hervortrat: Monticchio.

DER VEREHRER

Betty Morgenthal hatte einen Verehrer. Er war jung, kaum dreißig, Assistenzarzt am Poliklinikum Neapel, und er hatte sie, am Kreis der interessierten Krankenschwestern vorbei, erwählt mit der Zielstrebigkeit eines abgeschossenen Pfeils. Nur flog dieser langsam, und sie eilte langsam vor ihm davon. Im Operationssaal, wo ein Weglaufen nicht denkbar war, verbarg sich Anästhesistin Morgenthal hinter dem Schutzschild des senkrecht gespannten grünen Tuches, um ihrer vom Piepsen der Monitore und Pumpen der Beatmungsmaschine geordneten Arbeit ungestört nachzugehen.

Carlo Vitelli, den sie in Gedanken immer beim Vor- und beim Zunamen nannte, obwohl man sich eigentlich duzte, bestand nicht nur im OP, sondern auch sonst hauptsächlich aus Augen. Sie taten sich vor Betty Morgenthal auf wie ein Abgrund, was sie aber nicht davon abhielt, an Vitellis Tiefgründigkeit zu zweifeln. Wenn sie einander in einem der Korridore des Poliklinikums begegneten, lächelte sie unverbindlich, fixierte etwas weit Entferntes und zog mit ihrem lautlosen Anästhesistinnengang an ihm vorbei. Sie wusste, seine Liebe würde vergehen. Der Pfeil des Begehrens würde mitten im Flug abstürzen oder noch abgelenkt werden von einer Medizinstudentin aus besserem Hause oder einer ärztesammelnden Schwesternschülerin. Wenn sie etwas gelernt hatte bisher in ihrem Leben, dann zweierlei: Überprüfe immer und unter allen Umständen den Sitz des Beatmungstubus, und – eine Weisheit, die ihr schon die Tübinger Großmutter mitgegeben hatte – : »Kommt’s allein, geht’s allein.«

Betty Morgenthal hatte auch einen Ehemann.

Morgens beim Frühstück, wenn sie Alfredo gegenübersaß, der redete und Kaffee eingoss und sich mit der Hand vom rechten zum linken Ohr hin über den Kopf strich, wo er sich nachdenklich kratzte, dann weitersprach, ohne aber weiterzuessen, zurückgelehnt plötzlich, als wäre ihm vor Aufregung der Appetit vergangen, denn er referierte über nichts Geringeres als den kommenden Weltkommunismus, der alle Menschen gleichermaßen zu Dante-Lesern machen würde, und zwar alle, die Putzfrau und auch den Drogenabhängigen, weil es einfach das gute Recht aller Menschen und nicht einiger weniger sei, Dante zu lesen etc., und wenn sie dann lächelnd in ihr Müsli hinabschaute, auf die Rosinen, die Apfelstückchen, die Bananenscheiben in Milch, die sich langsam braun verfärbten, stellte sie sich manchmal vor, wie sie mit ihm, ihrem Ehemann, in dreißig oder vierzig Jahren an diesem Frühstückstisch säße und er spräche über Dante und sie schaute ins Müsli hinab, und dann geschah es, dass sie dieses Bild nicht nur nicht ängstigte, sondern, im Gegenteil, dass sie es in Realität herbeiwünschte, und zwar sofort.

»Woran denkst du? Betty?«, fragte er dann.

»An nichts, an uns«, sagte sie.

Alfredo Sandri, der nicht nur die deutsche Literatur, das deutschsprachige Theater, sondern auch das deutsche Frühstück liebte – »Goethe, Musil, Müsli« –, wie er Betty schon in der Stunde ihres Kennenlernens mit vor der Brust gefalteten Händen eröffnet hatte, Alfredo war, nachdem er wie jeden Tag den Frühstückstisch gedeckt hatte, an einem frühlingswarmen Wintermorgen auf den an die Küche angrenzenden kleinen Balkon hinausgetreten, um auf seine Frau zu warten. Seine Kiefermuskeln arbeiteten, als wären sie daran beteiligt, zähe Gedanken zu zerkauen. Betty, etwas größer als er, trat auf ihn zu, umfasste ihn von hinten und blickte an seiner Wange vorbei auf ein Geschachtel von Dächern alter Palazzi, vielstöckiger beigefarbener Mietshäuser, Antennengeflecht. Nur wenn man sich weit über das Geländer hinauslehnte und den Kopf scharf nach rechts wandte, sah man das fern in der Tiefe wie zähflüssig liegende Meer. Alfredo beugte sich vor, tat, als fiele er, fielen sie beide vom hohen Balkon, sie lachten. Man sehe hier, sagte er, bereits wieder ernst, von oben auf alles herab, obgleich man nichts sehe. Mit schmalen Augen blickte er gegen das Licht. Ein feiner Strahlenkranz von Falten wies in Richtung Haaransatz, wo schon ein Anflug lag von Grau, das noch nicht zu diesem Gesicht passte, wie für einen Film hineingefärbt wirkte. »Ich mag diese Aussicht nicht. Ich mochte sie nie.«

»Du wirst dich dran gewöhnen. Die Luft ist besser.« Betty atmete hörbar ein, sah an seiner Wange vorbei über das Meer, das glatte Blau des Himmels.

»Ma che aria«, sagte Alfredo, dann verhaltener, wie ein Echo: »Che aria.« Er richtete sich auf, sprach weiter, belebter nun, mit wippendem Oberkörper, und erklärte, dass übrigens nichts sich geändert habe, und begann auszuholen zu einem Diskurs über den Zusammenhang des sozialen mit dem geographischen Gefälle in der Stadt, die Armen unten, die Reichen oben, wie seit jeher.

Betty, die das bereits kannte, ließ ihre Hände an seinem Wollpullover hinabgleiten und ging in die Küche zurück. Hier standen, wie in Flur und Zimmern, noch Umzugskartons herum, die inzwischen als Ablageflächen und Regale fungierten. Schon hatte sich Staub auf ihnen niedergelassen und sie zu Einrichtungsgegenständen befördert.

Erst vor wenigen Wochen waren sie von dem chaotischen, lärmenden und sozial benachteiligten Stadtteil mit dem euphemistischen Namen »Montesanto« auf den Hügel gezogen, in den bürgerlichen Stadtteil Vomero, was sich aufgrund von Verbindungen so ergeben hatte; auch deshalb, weil die Einzimmerwohnung auf dem »Heiligen Berg« definitiv zu klein geworden war für einen Kulturredakteur und eine Anästhesistin. Weil außerdem Betty und zufällig auch Alfredo nacheinander innerhalb weniger Wochen überfallen und ausgeraubt worden waren, was in Montesanto mitunter passierte, im Vomero eher nicht, und weil ein Arbeitskollege die geräumige Wohnung zu besonders günstigen Konditionen an Alfredo Sandri mit Frau vermietete, und weil sie keine fünfundzwanzig mehr waren und auch keine dreißig und Lebensabschnitte endlich sind, was an sich kein Grund zur Verzweiflung war. Alfredo aber hatte am Tag des Umzugs als Ausdruck seiner Trauer eine schwarze Krawatte um den Hals gebunden, weshalb zumindest seine Frau hatte lachen müssen, wie sie oft über ihn lachen musste, auch wenn er gar nicht beabsichtigte, einen Witz zu machen.

Beim Frühstück berichtete er halbherzig über die Goldoni-Premiere, die er am Abend zuvor gesehen hatte. »Sie entkleiden sich jetzt auch in Italien immer«, sagte er, »bei jeder Inszenierung.« Irgendein Regieassistent habe es vermutlich einmal in Berlin oder in Wien oder in Zürich gesehen, wo sie es längst schon nicht mehr machten, aber in Italien hielten sie es jetzt für modern, also hatten sie sich schon im ersten Akt ihrer Kleider entledigt, woraufhin er selbst spontan eingeschlafen und erst in der Pause wieder erwacht sei. Sie lachten beide. Betty vor allem deshalb, weil Alfredo, wenn er Deutsch sprach, solche Worte benutzte, entkleiden, sich entledigen, erwachen, Begriffe, denen man nur noch in Konversationslexika aus dem 19. Jahrhundert oder in Opernlibretti begegnete.

»Und was wirst du jetzt schreiben?«

»Dass ich eingeschlafen bin.« Sein Gesichtsausdruck hatte sich verändert, nur das Lächeln lag noch auf seinem Mund, als wäre es dort vergessen worden.

»Jetzt bekommen wir bald Kinder«, sagte er auf Italienisch, in einem Ton, in dem andere sagen, jetzt sterbe ich bald. »Wir kaufen eine Schrankwand. Wir schließen eine Lebensversicherung ab!«

Betty lächelte. Sie ahnte seit längerem, dass Alfredo, der Kinder angeblich für verzichtbar und spießig hielt, insgeheim vielleicht nichts gegen eines einzuwenden hätte. »Schrankwand und Lebensversicherung meinetwegen«, sagte sie leichthin und wischte mit der flachen Hand einige Müsliflocken vom Tisch.

Als sie ihn zum Abschied flüchtig auf die Wange küsste, hielt er ihre Handgelenke fest, stand auf und umarmte sie, nicht wie man sich für einen Arbeitsabschied umarmt, sondern wie für einen Reiseabschied, mindestens zwei Wochen Übersee. In der Tür drehte sie sich noch einmal nach ihm um, er nahm ein schmutziges Geschirrhandtuch von der Spüle, legte es sich um die Hüften: »Heute Abend gibt es eine schöne Lasagne.«

Mit seitwärts ausgestreckten Armen ging er einige Schritte rückwärts, ohne seine Frau aus den Augen zu lassen, drehte eine Pirouette, die verunglückte, aber Betty lachte, als sie aus dem Hausflur in die Helligkeit des Tages trat.

Wenn sie die Piazza Bellini überquerte, das Musikkonservatorium passierte, das schräg gegenüber vom Poliklinikum lag, beschleunigte sich ihr Schritt. Ihre Beine hasteten über das holprige Pflaster, an den Palmenkübeln, Cafétischchen, den Bücher- und Notenständen vorbei, drängten sich durch Reisegruppen, die mit aufgerissenen Augen und schiefen Köpfen den Glockenturm der Kirche San Pietro a Majella anstarrten. Sie hingegen, eilend, sah nur den Boden, das holprige Pflaster aus dunklem Vulkangestein, wenn sie an dem riesigen Renaissancegebäude vorbeirannte, aus dessen hohen Fenstern Klavierläufe wogten oder Gesangsgirlanden, Violinenzickzack.

In ihren ersten Jahren in Neapel hatte sie meist andere Wege gewählt. Als sie noch mit Alfredo in Montesanto gewohnt hatte, war sie, um das Konservatorium zu umgehen, lieber von der Via Roma über die Via Vincenzo Bellini gekommen, anstatt, wie es sich anbot, von der Piazza Dante direkt in die Via Port’ Alba abzubiegen, aber da man sich an alles gewöhnt, auch an die Außenfassade eines, wie sie sich sagte, drittklassigen Musikinstituts, ging sie jetzt täglich zweimal daran vorüber.

An diesem frühen Morgen hörte man aus dem Gebäude schon Klavierakkorde, und Betty zögerte einen Moment zu lange. Es war die Klavierexposition eines Schumannliedes, und wie ein Sonnenlichtstrahl, ein umgekehrter, drang durchs geöffnete Fenster heraus die Gesangslinie. Ein junger Tenor sang die »Mondnacht«, hell. Er hatte Probleme mit der deutschen Aussprache, mit den Umlauten, auch mit dem »h«, das er stärker aspirierte als notwendig – »es war als chätt der Chimmel /die Erde still gekusst«. Betty hielt ihr Gesicht schräg ins Licht dieser Stimme, schloss die Augen.

Sie kam spät in die Klinik. Demonstrativ verstummte im Besprechungszimmer der leitende Chefarzt De Santis, bis sie sich gesetzt und ihre Unterlagen zurechtgelegt hatte. Carlo Vitelli wurde während der gesamten Besprechung von Betty mit der Schere ihres Desinteresses scharfkantig aus dem Raum getrennt, obwohl sie auch heute, wie in den letzten Wochen meistens, größeren Wert auf die Auswahl ihrer Kleidungsstücke gelegt hatte, um zumindest äußerlich annähernd seinen romantischen Vorstellungen zu entsprechen, die Kontur seiner Vorstellung auszufüllen mit etwas Wimperntusche und engen Jeans, denn es war einige Zeit her, dass ihr jemand eine derartige Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Als sie über den langen Flur in Richtung OP lief und keineswegs auf den wartete, der, wie sie annahm, hinter ihr herkam, war sie sich ihres Ganges bewusst, des geschmeidigen, etwas gebogenen Oberkörpers, Birke im Wind, und der Geste ihrer Hand, die das kupferbraune Haar, das, wie man sagte, glänzte, hinter die Schulter gleiten ließ, wo es eine einzige Fläche bildete und hin und her schaukelte.

Der erste Patient an diesem Morgen war ein 84-jähriger Anwalt aus der Provinz Benevent. Mehrfach operiertes Kolonkarzinom. Jetzt hatten die Angehörigen zugestimmt, dass man ihn ein weiteres Mal von »innen inspiziere«, wie sich De Santis scherzend auszudrücken pflegte. Wenn der Arzt scherzt, so mochten sich die Angehörigen gesagt haben, dann kann es so gravierend nicht sein, dann ist von Tod überhaupt noch nicht die Rede. Schließlich glaubt kein Lebender an den Tod. Jeder Lebende, dachte Betty, die Vitalparameter auf dem Monitor fixierend, jeder ist davon überzeugt bis zuletzt, dass der Tod an der eigenen Familie vorübergeht.

Sie stellte sich den Anwalt als Kind vor. Wie das Anwaltskind über eine kleine Weltkugel hüpft, durch hüfthohes Gras, und keine Zeit und kein Alter, nur ausgedehnte Gegenwart, Blumen und so weiter. Bienen. Und keine Ahnung, wo das Leben unvermeidlich eines Tages hinläuft: an die gekachelte Wand irgendeines Poliklinikums.

Aus dem Radio dudelte die Pastorale von Beethoven. »Die Eroica«, sagte De Santis, Betty lächelte still.

Zu Mittag Spaghetti alle Vongole. Betty hatte sich allein an den hintersten Tisch der Kantine gesetzt und sah kauend aus dem Fenster auf den Parkplatz des Poliklinikums, wo Asphaltmulden mit Licht ausgegossen waren. Als sie schon beim zweiten Gang war, sah sie De Santis mit Gefolgschaft, darunter Carlo Vitelli, vorüberschweben wie ein Tross von Schwänen mit gespreizten Flügeln der Kittelschöße. Wenig später öffnete sich die große Glastür, und die weiße Gefolgschaft nahm an einem Tisch im vorderen Bereich Platz. Betty beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Carlo zögerte, das Tablett vor seine Brust geklemmt, und den Blick durch den nur spärlich gefüllten hohen Raum schickte, sie dann offenbar entdeckte, sich in einem Ruck zur Theke drehte, um sein Menü abzuholen, und anschließend mit einem flüchtigen Gruß zum Oberärztetisch auf sie zusteuerte. Betty griff sich eine der herumliegenden Zeitungen.

»Darf ich mich setzen?«

»Hm?«

»Darf ich?«

»Klar«, sagte sie und schob die Zeitung zur Seite, damit er sein Tablett abstellen konnte. »Setz dich.« Sie blinzelte und senkte den Blick in die Zeitung hinein, zwirbelte mit den Fingerspitzen eine ihrer Haarsträhnen vor der Schulter, den Oberkörper andeutungsweise höflich zu ihm hingedreht, während die Augen noch an diesem Artikel über eine Korruptionsaffäre hingen, der zu Ende gelesen werden wollte.

Die Kröte sei gut gelaunt heute, sagte Carlo Vitelli nach einem Räuspern. Er war der Einzige außer ihr, der De Santis wegen seiner winzigen Augen hinter der stark verkleinernden Brille und der sich nach oben hin verjüngenden Kopfform die Kröte nannte, was sie als unangenehme Überschreitung empfand, Vorspiegelung einer Komplizenschaft, die es nicht gab.

»Was sagst du wieder dazu?«, fragte sie und zeigte, weil sie wusste, dass er nichts dazu zu sagen haben würde, auf den Zeitungsartikel.

»Tja.« Er hob die Schultern, schluckte hörbar, wodurch an seinem Hals eine kantige Wölbung auf und ab hüpfte. Er hatte noch nichts angerührt, saß nur da wie ein artiger Schüler, der auf das Signal zum Anfangen wartet.

Wenn er nicht langsam esse, werde alles kalt, sagte sie im Ton einer fürsorglichen Tante, blätterte in der Zeitung, und er begann wirklich zu essen, und ihr entging nicht der feine Schwung seines Handgelenks beim Entfalten der Serviette, der auf seine Herkunft hindeutete, weit oben in der Stadt.

Sie blätterte eine zweite, offenbar ältere Zeitung durch. Sie spürte auf ihrem Gesicht den Zeichenstift seiner Vorstellung, der sie retuschierte und mit Weichzeichner versah, und als sie unvermittelt über den Rand der Zeitung zu ihm aufblickte und er hastig die Lider senkte, hatte sie plötzlich das Gefühl, ihn nicht als das zu sehen, was er augenblicklich war, sondern als das, was er in spätestens fünfzehn Jahren sein würde: ein Chefarzt mit Bauchansatz, hoher Stirn aufgrund von Geheimratsecken, mit zwei bis drei hübschen Kindern und einer ebenso hübschen, dunkelblonden Gattin, wohnhaft in Posillipo oder einer besseren Gegend des Vomero, alle wie für ein Familienfoto auf einem antiken wertvollen Sofa angeordnet, lächelnd. Sie kann im Zimmer seiner Zukunft herumgehen und sich einen Augenblick lang mit der lächelnden Familie aufs Sofa setzen und bleibt doch ein Gast, der dort nicht hingehört.

Carlo räusperte sich, tupfte mit der Serviette über den Mund, bevor er sie zusammenfaltete und unvermittelt von einem Chirurgenkongress in Mailand zu reden begann. Hochkarätig besetzt, aber im Grunde sei es ja immer dasselbe. Dann schwieg er wieder. Sie blätterte in der Zeitung, hörte, wie Carlo sich räusperte, das Trommeln seiner Fingernägel auf dem Tisch, Geschirrklirren, die Glastür, die aufflatterte und mit einem Schwung zuschlug. Alle Geräusche erschienen größer zu dieser Stunde der fast leeren Kantine, der langsam, Sekunde um Sekunde, verrinnenden Mittagspause. Betty sah auf die Uhr. Vom Oberärztetisch flog schallendes Gelächter herüber, und ihr Blick sprang vom Zifferblatt zurück auf die Feuilletonseite, wo er abrupt bei einem Foto stehen blieb: ein Jazzquartett auf einer großen Bühne, die Gesichter weiß, etwas überbelichtet durch die Scheinwerfer, und doch erinnerte sie der Pianist an jemanden, eine Ähnlichkeit war es, nichts weiter, die Kopfhaltung oder das offenbar dichte dunkle Haar, die Körperhaltung im Allgemeinen, die nach vorn geneigten Schultern, der gebeugte Nacken, während der Blick aber erhoben ist zu dem in der Mitte stehenden Kollegen, den sie nun deutlich erkannte, weil es Diedrich ist, genannt Didi, von Jagow, der Saxofonist mit der lockigen, bis zum Kinn reichenden Frisur und dem etwas speckigen, scheinbar alterslosen Gesicht, und demnach kannte sie auch den Pianisten.

Vitelli sagte: »Qualitätsmanagement.« Betty nickte. Vitelli sagte: »Die Mailänder sind ja schon immer Snobs gewesen.« Betty nickte, entzifferte die Bildunterschrift, und erst jetzt, als sie diesen Namen las, merkte sie, wie ihr Herz pochte, während sie wieder und wieder die Anordnung von Schriftzeichen las, die doch nur Schriftzeichen waren in bestimmter Reihenfolge auf Papier: Il Quartetto mare, Tom Holler, Pianoforte, die Auflistung der Tourdaten, Genova, Roma, Napoli, Palermo. Und gleichzeitig begann es in ihrem Kopf zu rechnen. Nicht sie rechnete, sondern etwas, das aber nicht gut rechnen konnte, rechnete: Wann ist das, heute ist … und so weiter, also übernächste Woche, Dienstag oder Mittwoch, wie auch immer.

»Betty!« Sie hörte ihren Namen, fühlte sich aber nicht angesprochen. Carlo, der ihre Verwirrung offenbar auf sich bezog, berührte sie leicht am Handgelenk. Sie sah es, sah zu ihm auf, brauchte lange, um ihn scharfzustellen. Sein Mund bewegte sich weiter, aber ohne Ton. Und auch seine Gesichtszüge verschwammen wieder zu einer hellen Fläche.

Plötzlich hörte sie ihn sagen: »Betty. Ich würde dich gerne zum Essen einladen.«

»Ja«, sagte sie, auf einmal froh, ihn zu sehen. »Total gern.«

BETTY MORGENTHAL

Monticchio hieß das Nest. Ein Labyrinth steinerner Gassen und kreisrunder Plätze ohne Schatten. Hedda hatte entschieden, dorthin zu fahren, »nein, nicht ans Meer«, hatte sie gesagt, »da fahren alle hin, wir aber fahren in die Berge«, was so viel heißen sollte wie: »Wir sind etwas Besonderes.« In Wahrheit aber war nur sie etwas Besonderes mit ihrer norwegischen Diplomatenherkunft, den dunklen Augen, die sich erst im hellsten Licht als blau erwiesen, und mit ihrer Sprache wie aus dem Deutschbuch, aber seit sie mit ihm verheiratet war, hatte auch er besonders zu sein. Monticchio also. Nach einer Woche flüssiger Sonne, die sich aus einem uferlosen tiefblauen Himmel ergoss, hatte sie dann entschieden, doch noch ans Meer zu fahren.

Soweit Tom Holler sich erinnerte, hatte er selbst nie in seinem Leben eine nennenswerte Entscheidung getroffen. (»Nie tust du etwas.«) Nicht, als er Ende der sechziger Jahre in einem südhessischen Dorf mit jener Selbstverständlichkeit gezeugt und geboren wurde, mit der man damals Kinder zeugte und gebar und Einbauküchen und pastellfarbene Autos kaufte, nicht, als er in der fünften Klasse begann, sich das Klavierspielen beizubringen, weil das Instrument zufällig in demjenigen Zimmer, dem Dachzimmer, stand, das am weitesten von seinen Eltern entfernt war, ebenso wenig, als er nach dem Abitur ins kohlendunkle Berlin ging, um Jazzpiano zu studieren, ganz und gar nicht zehn Jahre später, als er gegen alle Erwartungen anfing, mit seiner Musik Geld zu verdienen, Geld, das ihm erlaubte, Dinge zu kaufen, von denen sich nun jemand würde überlegen müssen, wie man sie wieder loswurde, und natürlich nicht, als er Hedda heiratete.

Und das war es im Wesentlichen mit biographischen Eckdaten: Geburt, Klavier, Schule, Ausbildung, Beruf, Heirat, Kinder (noch nicht eingetreten), Tod (noch nicht eingetreten). Alle Begebenheiten, die im Nachhinein hätten als Entscheidungen deklariert werden können, waren im Grunde Zufälle oder Notlösungen gewesen, um nicht zu verzweifeln, um nicht zu sterben, um nicht in Hessen bleiben zu müssen. Die wichtigen Dinge aber, dachte er, sie kommen nicht in Biographien vor, sie hängen zwischen den Zeilen.

Holler saß an seinem Flügel und starrte ins Glas, dessen Inhalt inzwischen milchig war, nahezu undurchsichtig. Er wollte es in die Hand nehmen und auch wieder nicht. Er hatte plötzlich den Eindruck, noch manches überdenken zu müssen und dass es so schlimm gar nicht sei, hier in der warmen aufgeräumten Wohnung zu sitzen, während vor den Fenstern trübnasses Wetter die kahlen Baumwipfel bewegte, seinen sich verzweigenden, von ihm fortfließenden Gedanken zu folgen in der Langsamkeit des Nachmittags. Mit einem Mal erschien ihm diese Tageszeit, leere, dehnbare Stunden, die von ihm bis vor einigen Wochen möglichst durch Arbeit oder andere Zerstreuung überdeckt worden waren, wenn auch nicht gerade angenehm, so doch als ein tiefer, nahezu wahrhaftiger Zustand.

Er streckte die Hand aus und drehte das Glas langsam um die eigene Achse, wie man einen Kristall bewegt, um Veränderungen der Lichtreflexionen zu bewirken. Er überlegte, ob er nicht irgendetwas vergessen hatte, ob er nicht doch das Bad …?

Er stand auf, die Hände in den Taschen, Zigarette im Mundwinkel. Er lief in die Küche, er lief ins Badezimmer, ohne sich entschließen zu können, betrachtete flüchtig sein von weißen Flecken und Spritzern bedecktes Spiegelbild, das zu putzen er aber keine Lust hatte, ging zurück ins Arbeitszimmer und setzte sich wieder vor das Glas hin und begann es vorsichtig zu drehen, so dass ein Streifen Helligkeit darüberglitt, als das Telefon klingelte. Dreimal klingelte es, und er erwartete das vierte Klingeln, dann die Stimme seiner Ehefrau, die er noch immer nicht vom Anrufbeantworter gelöscht hatte, stattdessen aber folgte schrilles Piepsen, das in die Stille schnitt, dann das Rattern und Ächzen des Druckers, der, seit Hedda ihre Kommode mitgenommen hatte, auf dem Fußboden stand. Ohne die Hand vom Glas zu nehmen, beobachtete er, wie das Papier aus dem weißen Plastikgehäuse herausstotterte und direkt neben dem Flügel liegen blieb.

Faxe waren selten. Er wartete ab, legte seine Hände übereinander in den Schoß, als hätten sie soeben eine Etüde beendet. Das mit schwarzen Tintenstreifen verschmierte Papier erinnerte an einen Zeitungsausschnitt, er beugte sich nach vorn, mit schmalen Augen, und sah, dass es ein Artikel aus der italienischen »Repubblica« war, überschrieben mit: »Il Quartetto mare – Worldjazz in Italia.« Darunter befand sich eine handschriftliche Notiz, die offensichtlich von seinem Agenten Jens-Christian Hepp dorthin gesetzt worden war. »Na, was sagst du??« oder »Na, was lagst du??«, was weniger Sinn ergab, und »Ruf mich bitte endlich zurück!«, zweimal unterstrichen. Holler erhob sich zögernd von seinem Klavierhocker, bückte sich und griff nach dem Papier.

Sie spielten in Italien. Es war ihm noch nie passiert, dass er einen Auftritt vergessen hatte. Es war erstaunlich und nicht lustig, und doch musste er lachen. Es war ein glucksendes Auflachen, das seine Schultern schüttelte, und er erschrak über das laute Geräusch, das aus ihm selbst kam. Aber er begann, es wirklich lustig zu finden: Er stellte sich ihre Gesichter vor, wenn er nicht käme, die Gesichter der Veranstalter, die Gesichter der Kollegen. Didis Wut vor allem, die er hinter einer gespielten Trauer würde verbergen müssen, was ihm schlecht gelänge. Warum ausgerechnet jetzt?, würde er sich fragen, warum jetzt, wo nach Italien gefahren wird? Hätte er es nicht um drei Wochen verschieben können? Hätte er nicht wenigstens Bescheid geben können?

Aber das konnte er ja wirklich nicht.

Es wurde ihm bewusst, dass er absolut frei war. Frei vielleicht wie nie, aber gleichzeitig fiel ihm auf, dass diese Freiheit, die in Form des Wasserglases vor ihm dastand, sich selbst schon wieder zu einer Art von Zwang einzudicken begann. Er hätte nicht sagen können, wann er die Entscheidung getroffen hatte (er, der nie eine getroffen hatte), ein Wasserglas mit aufgelösten Medikamenten vor sich auf seinen Flügel zu stellen, und letztlich handelte es sich wohl auch hier nicht um eine solche, sondern eher um die Anwesenheit gewisser Gedanken, die sich mehr und mehr zu einer Art Nebel verdichtet hatten. Nebel aber, bedachte er jetzt, konnte sich auch wieder auflösen.

Er zündete sich eine Zigarette an. All das hatte nichts mit ihm zu tun. Das Glas nicht, das Zimmer nicht, der Zeitungsartikel nicht.

Stumm blickte er auf das Foto hinab, und erstaunt, wie sich ein für Fasching geschminktes Kind im Spiegel das erste Mal betrachten mag, sah er sich selbst im schwarzen Hemd am Flügel sitzen, sah Didi mit blitzendem Saxofon unter dem Arm, Franz, den Hals des Kontrabasses mit ausgestreckter Hand haltend, und hinten, etwas verschwommen, Ulrich am Schlagzeug. Die Aufnahme war offensichtlich bei einem Konzert entstanden. Sie lachten. Ihre Blicke kreuzten sich, spannten ein Netz durch den Raum, im Moment vor dem großen Schlussapplaus. Irgendjemand hatte einen Witz gemacht (vielleicht Didi, vielleicht sogar er selbst), und dann schickten sie sich an, aufzustehen, sich bei den Händen zu halten, den Applaus entgegenzunehmen, wie es hieß. Er selbst hatte den Oberkörper vorgebeugt, den Kopf schräg angehoben. So sah er zu Diedrich hinüber, der in der Mitte stand, lachend. Ein Bild aus glücklichen Tagen, was waren wir glücklich, was war ich glücklich, sollte man denken. Aber der grinsende Tintenfleck auf dem Faxpapier, unterschrieben mit »Tom Holler, Pianoforte«, hatte definitiv nichts mit ihm zu tun.

Wie grauenhaft Fotografien sind, dachte er. Sieht man gut aus auf ihnen, trauert man den alten Zeiten nach, sieht man schlecht aus, ärgert man sich auch. Dann, ohne Übergang, dachte er: Die Fenster sind dreckig, wenigstens scheint keine Sonne. Und: Das Bad ist ein Müllhaufen. Ich sollte noch die Heizung ausstellen. Gleichzeitig oder um einen Sekundensplitter versetzt, dachte er, wie wohl das Wetter wäre in Italien, und ausgerechnet Italien, und seine Gedanken vervielfältigten sich, kreisten, bildeten unzählige kleine Wirbel in seinem Kopf, bis bald nur noch ein einziger weiß stäubender, riesiger Strudel übrig blieb, der alle übrigen Gedanken aufzusaugen schien und ein gleichmäßiges tosendes Geräusch zwischen seinen (etwas abstehenden) Ohren erzeugte. So saß er einige Minuten. An alles gleichzeitig oder an nichts denkend.

Als das Rauschen zwischen seinen Ohren leiser wurde, hörte er das dünne Pfeifen eines Vogels. Er sah zum Fenster. Davor stand das Glas. Die weiße Farbe hatte begonnen, sich am Boden abzusetzen. Er dachte an Latte macchiato. Schiefe Cafétischchen in der Knaackstraße, in der Sonne spiegelnd. Und unter dem Glas die schimmernde Oberfläche des Flügels. Der schwarze Lack war dünn an einigen Stellen, durchschienen vom Braun des Holzes, und mit kleinen Kratzern übersät. Dieser Flügel hat schon viele Personen überlebt, dachte er, und wird auch mich überleben, so oder so. Vorsichtig klappte er den Deckel auf, der Geruch des alten Holzes strömte ins Zimmer. »Vielleicht schenke ich ihn dir mal«, hatte Marc am Tag eins ihrer Freundschaft gesagt, und Holler fragte sich wie so oft, ob er nicht doch alles von Anfang an geplant hatte.

Er hielt die gespreizten Finger über die mattweißen, schwach geäderten Tasten, aber er spielte nicht. Er sah Landstraßenfluchten unter staubigem Licht. Morgenaufgang über Berufsverkehr in sommerlicher Stadt, zwei Fußgänger mit Nacht in den Gesichtern, Zigarettenrauchnebel, der langsam in einem Raum herabsank. Die Rillen der Wohnzimmertapete in der Düsternis eines Abends. Ein durchgesessenes rotes Sofa, von Zeitungen bedeckt, bernsteinfarbene Augen. Als das Klingeln an seinem Ohr lauter wurde, wie ein erstes Geräusch, das in den Raum des Schlafs eindringt, wusste er nicht, seit wann er schon auf seinem Klavierschemel saß. Vor dem Fenster, stellte er fest, war noch Helligkeit, die flach und bleiern über der Stadt lag.

Es klingelte schrill und fordernd. Holler dachte kurz, sein Tag habe sich verhakt, spränge zurück wie die Nadel auf der Plattenrille, und das italienische Fax käme noch einmal. Tatsächlich aber klingelte das Telefon öfter jetzt, bevor sich der Anrufbeantworter mit Heddas Stimme meldete, »Thomas Holler und Hedda Groning-Holler, bitte das Übliche«. Dann der lange Signalton. Und eine Frauenstimme. Eine Frauenstimme, die aufrecht und schlank und nah und doch körperlos in der Wohnung stand. Die sich räusperte, dann wieder eine Pause ließ mit Atmen, als hätte sie es sich anders überlegt. »Hallo, … hallo Tom. Hier ist Betty. Betty Morgenthal.« Pause. Dann ging die Stimme leichter, stieg zwei Halbtöne nach oben: »Ich habe in der Zeitung gelesen, dass ihr in Neapel spielt. Ich würde gerne zum Konzert kommen. Vielleicht können wir ja danach was trinken gehen. Du, du kannst mich anrufen, wenn du willst. Meine Nummer ist …« Und eine Handy-Nummer. »Ciao« sagte sie, dann noch einmal, »ciao«, und sie legte den Hörer auf, dort in Italien, wo sie wohnte. Es rumpelte in der Leitung. Kurzes Tuten, vier-, fünfmal, und Stille.

Holler saß hochaufrecht und bewegte sich nicht, vielleicht aus Angst, durch die geringste Veränderung seiner Körperhaltung das Gewesene zu verscheuchen. Betty Morgenthal. Sie hatte tatsächlich ihren Nachnamen hinzugefügt. Als könne er sich ohne diesen Zusatz nicht erinnern. Betty, die du einmal gekannt hast, an die du dich eventuell nicht mehr erinnern kannst, Betty, die folgenden Nachnamen trägt, als wüsste sie nicht, dass dieser Name mit winzigen Buchstaben in die Zwischenzeilen seines Lebenslaufs graviert war. Betty, an deren Augen du eben gedacht hast.

Wieder entfuhr ihm ein Laut, schüttelte seinen Oberkörper, ein Ton zwischen Auflachen und Schluchzen, als er das Gesicht in die Handflächen grub, seine Stirn auf das Holz des Flügels sinken ließ. Und immer wieder dachte er einen einzigen Gedanken, nämlich dass das Leben aber wirklich komisch sein kann. Das Leben ist echt die allerkomischste Angelegenheit auf der ganzen Welt, dachte er, während das Glas, das er eigentlich schon zu vergessen begonnen hatte, durch eine vielleicht unbedachte, vielleicht gezielte Bewegung seines Ellbogens hinabstürzte und auf den Dielen zersprang.

TOM HOLLER

In Neapel war das große Licht ausgegangen.

Betty hatte sich, um allein zu sein, nach Feierabend von der trägen Menschenströmung hinunter zum Lungomare treiben lassen, war erst über die Kaimauer und später, um die Einsamkeit der Menschenansammlung mit der Meereinsamkeit zu tauschen, über die riesigen Bruchsteine gegangen und hatte sich nah ans Wasser gesetzt.

Als sie auf die dunkle Fläche hinaussah, ohne eine Horizontlinie ausmachen zu können, erschien es ihr absurd, dass sie ausgerechnet heute hatte Schumann hören müssen, wo man sonst mit Vorliebe italienische Arien, Puccini, Verdi, Bellini aus den hohen Fenstern des Konservatoriums hinaussang. Andererseits wusste sie, dass das Schicksal nichts ausrechnet, weil das Schicksal gar nicht rechnen kann und es nur der Mensch ist, der rechnet, weil er die Unordnung nicht erträgt und deshalb im Nachhinein alles zurechtsortiert, in eine scheinbare Logik bringt, indem er die Ereignisse in der großen Schachtel der Erinnerung sammelt und später auf eine Kette fädelt, anordnet wie der Juwelier die Perlen. Die Erinnerungsperlen. Auf dem Modeschmuckcollier des Lebens.

Sie wusste, dass der Schumann nichts mit Tom zu tun hatte. Sie war es, die ihn in eine direkte Verbindung zu ihm fädelte, weil sie den Zufall nicht ertragen konnte, weil der Mensch bestrebt war, Zeichen und Symbole und Ordnung in alles hineinzulesen, in die Sterne, ins Meer, in schwarze Katzen von links oder grüne Autos von rechts und auch in Erinnerungsglasperlen.

Sie wünschte sich eine Zigarette, wie sie sich schon lange keine mehr gewünscht hatte. Hinter ihr wogte der Verkehrslärm, vor ihr lag ruhig das Meer. Autoabgase mischten sich mit dem Salzgeruch, müde Wellen klatschten zu ihren Füßen. Ein paar Angler, schwarze Schatten am Ufer, hypnotisierten das Wasser, aber rechter Hand, auf Santa Lucia, waren bereits die Fäden der Leuchtgirlanden aufgehängt, für die wenigen Touristen, die auch in der Februarkälte draußen saßen, Cappuccino oder Rotwein trinkend, pensionierte Lehrerehepaare aus Schwaben mit großen Fotoapparaten oder winzigen Digitalkameras.

Betty beneidete sie, ohne zu wissen, warum. Zwar hätte sie eigentlich kein pensioniertes Lehrerehepaar sein wollen, aber dennoch beneidete sie es, wie es auf Santa Lucia saß und sich die Hand hielt und auch ein wenig fror und /oder auch ein wenig stritt. Sie beneidete es, weil sie im Augenblick fast alle beneidete, die nicht sie selbst waren.

Ein Wind flog übers Meer. Ein Anruf, dachte sie, oder auch nicht. Oder auch sitzen bleiben, dachte sie, hier auf diesem quadratischen Stein und versteinern und ihn nicht anrufen müssen, niemanden mehr anrufen müssen.