Katharina Peters

KLIPPEN-
MORD

Ein Rügen-Krimi

Aufbau Digital

Für Claudia

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Klippenmord

Prolog

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Bernsteinmord

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Informationen zur Autorin

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

Prolog

Der See war von undurchdringlicher Tiefe, als gelte es, etwas zu verbergen und vor neugierigen Blicken zu schützen, so lange es ihm beliebte; fern aller Farben, Töne und Nuancen, die das Blau des Meeres, schattiges Waldgrün oder sattes Rapsgelb und die Röte des Mohns hervorbrachten, schimmerte er in teerigem Schwarz und verschlang alle Geschichten der Insel, um sie auf den Grund sinken zu lassen, wo sie sich nach und nach in Moor verwandelten. Davon war Lilly überzeugt.

Sie hockte sich an den Rand des Ufers tief ins Schilf und umschloss ihre spitzen Knie mit den Armen. Ihre Augen ruhten auf dem glatten schwarzen Spiegel, über dem milchiger Morgendunst gespenstergleich dahinwaberte.

»Schwarzer See, Schwarzer See, enthüll mir deine Geschichten«, murmelte sie lautlos. Ein leises Frösteln durchfuhr sie. Der Wald erwachte, obwohl er nie schlief. Wispern, zarte Vogelschreie, Rascheln. Sie hörte, wie die Äste der Buchen im Wind knarrten und sich das Wasser der Bäche seinen Weg suchte. Wenn ihr Herz ruhig schlug und ihr Geist aufmerksam und friedlich war und auch sonst alles stimmte – das Licht und der Wind, die vorbeihuschenden Farben und Geräusche, der Klang des Wassers, das Flüstern der großen und kleinen Tiere und tausend andere Bedingungen, die nur der See selbst kannte –, stiegen einzelne Geschichten an die Oberfläche, mit leisem Glucksen oder auch beschwerlichem Stöhnen, mit einem Aufschrei, den nur Lilly hören konnte, oder auch begleitet von einem tiefkehligen Lachen, das sich anhörte, als wäre es aus der Wurzel einer uralten Buche des Hallenwaldes oder dem Opferstein selbst entwichen. Manchmal entstanden Bilder von Ereignissen, die längst geschehen waren, während andere in naher oder auch ferner Zukunft Bedeutung erlangen würden.

Einmal hatte sie vier Wochen vor der Geburt gesehen, wie das Kind der Nachbarin zur Welt kam. Es hatte lockiges Haar und ein Muttermal am linken Ohr, und Lilly wunderte sich nicht, als das Kind einen Monat später auf die Welt kam und genau so aussah, wie sie es im Spiegel des Schwarzen Sees erblickt hatte. Es war ein Junge, und der See flüsterte ihr seinen Namen zu: Ore. Seinen anderen hatte sie sich nie gemerkt. Der Schwarze See hatte ihn Ore getauft. Das genügte.

Lilly redete grundsätzlich wenig, noch seltener sprach sie über ihre Erlebnisse am See oder am nahegelegenen Opferstein oder über das eindringliche Flüstern der Geister im Hallenwald. Kaum jemand wollte hören, was sie zu erzählen hatte, niemand mochte ihre Art, dem unsichtbaren Geschehen Leben einzuhauchen. Und die neugierigen Fremden, die ein paar Tage oder Wochen auf der Insel herumstreunten und auf der Suche nach allem Möglichen waren, mied Lilly. Die Leute guckten seltsam, wenn sie auch nur andeutete, welche Geheimnisse die Insel barg, falls man bereit war, genau hinzuschauen und alle Sinne zu öffnen. Die Mutter machte stets abwehrende Bewegungen, als fürchtete sie sich vor dem bösen Blick, und bedeutete ihr zu schweigen. Der Vater gab sich Mühe mit ihr, obwohl er gerne eine andere Tochter hätte oder eine andere Lilly, dieser heimliche Wunsch sprach aus seinen Augen, gemeinsam mit der Angst, er könnte ihn nicht vor ihr verbergen. Er wollte ihr nicht weh tun. Und Holger, der große Bruder, meinte immer mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, dass sie sich von den Klippen und Steiluferwegen fernhalten sollte. Das Meer war kein zuverlässiger Verbündeter, das hatte Lilly bereits als Kind begriffen – unüberschaubar, nicht zu berechnen, wild, bunt und von endloser Weite.

Lilly atmete tief durch. Der schwarze Spiegel begann sich plötzlich zu bewegen. Eine Gestalt bildete sich heraus. Holger, dachte sie, und zittrige Aufregung durchfuhr sie, während sich die Szene immer deutlicher herausbildete, wie ein bewegtes Relief. Er lief den Steilklippenweg hinauf in Richtung Wissower Klinken, wie er es am Abend zuvor angekündigt hatte, auch wenn es die Klinken nach den letzten Abbrüchen gar nicht mehr gab. Er bewegte sich ruhig und flink zugleich. Jeder Schritt schien wohlüberlegt. Das Bild verschwand, als die Wasseroberfläche sich unvermittelt kräuselte. Einen Moment später glättete sie sich wieder. Holger hatte seine Jacke auf einer Holzbank abgelegt und stand nun fast direkt am Abgrund. Er blickte übers Meer, dort, wo die Morgendämmerung den Horizont mit goldvioletten Farben zu erleuchten begann und man an klaren Tagen bis Mönchgut und Granitz sehen konnte; das Meer war in Ufernähe milchiggrün, kreidecremig gefärbt, Bäume krallten sich an die Steilhänge, Mehlschwalben schossen aus den Nistlöchern in der Kreide. Im Hintergrund erhob sich das vielstimmige Erwachen des Waldes und verschmolz mit dem Tosen des Meeres.

Holger liebte diesen Augenblick in aller Herrgottsfrühe und kostete ihn aus, sooft er auf Rügen war. Viele Jahre war er nicht hier gewesen. Diese Momente hatte er am meisten vermisst, dessen war sich Lilly sicher. Sie kannte ihn besser, als er ahnte.

Plötzlich drehte er sich um, und seine Augen wurden groß. Verwirrung spiegelte sich in ihnen, dann Angst. Sekundenlang schien die Szene wie eingefroren. Jäh riss er den Mund auf und trat zwei Schritte zurück. Entsetzen erfasste Lilly, als ihn aus dem Nichts heraus ein kantiger, schwerer Gegenstand am Kopf traf. Holger riss die Hände hoch, stolperte und stürzte in die Tiefe, bevor der See seine Geschichte in sich verbarg und zu spiegelblanker Stille erstarrte.

Lilly schrie entsetzt auf, ihr Herz raste und wand sich in ihrem Brustkorb wie ein Fisch im Netz. Sie presste die Hände vor den Mund, als der Wald um sie herum verstummte.

Nicht einen Moment zweifelte sie an der Wahrheit der Szene. Es gab keine Lügen im See. Die Frage lautete lediglich, ob das Unglück schon geschehen war oder ihr noch genug Zeit blieb, um quer durch die Stubnitz zu rennen, über die Kollicker und Fährnitzer Berge in Richtung Waldhalle und von dort zum Steilufer. Andererseits offenbarte der See keine Geschichten, die nicht wahrhaftig waren, also geschehen waren oder geschehen würden. Und wenn das, was sie gesehen hatte, erst in zwei Wochen oder drei Monaten passieren sollte? Niemand würde ihr glauben, auch Holger nicht.

Wieder presste sie die Hände vor den Mund, im nächsten Moment streifte sie mit einem Ruck die Erstarrung ab und rannte los. Der See erzählte niemals etwas ohne Grund.

Lilly hatte das Steilufer fast erreicht, als ein Geräusch sie innehalten ließ. Sie blickte hoch. Ein Vogel. Ein großer Vogel. Ein Seeadler. Holgers Lieblingsvogel. Er surrte. Ein seltsames Sirren. Doch Seeadler sirrten nicht. Lilly wich in den Schutz des Waldes zurück und kauerte sich hinter ein Gebüsch. Ihr Atem rasselte.

Zu spät, dachte sie plötzlich. Es ist geschehen. Holger ist tot.

1

Kommissarin Ramona Beccare, genannt Romy, hatte sich gerade den ersten Dienstkaffee eingegossen und wollte sich ans offene Fenster setzen, als Fine Rohlbart mit dem Telefon am Ohr in der Tür zum Gemeinschaftsraum stehenblieb und ihr einen vielsagenden Blick zuwarf. Ihre wuchtige Gestalt füllte den Rahmen mühelos aus, was durchaus beeindruckend wirkte, einschüchternd womöglich, aber Romy hielt es für keine gute Idee, eine diesbezügliche Bemerkung zu machen oder sich den Gedanken auch nur an der Nasenspitze von ihr ablesen zu lassen.

Fines Gesichtsausdruck verdüsterte sich, während sie ihrem Gesprächspartner lauschte und lediglich einige wenige und höchst knappe Kommentare abgab. Es war Samstag, und Romy hatte gehofft, einem ruhigen Wochenenddienst entgegenzusehen und später noch Zeit für einen langen Strandspaziergang zu finden – von Binz hoch in Richtung Mukran und wieder zurück oder auch durch den Wald am Schmachter See entlang. Der Juni hatte gerade begonnen, und sie nutzte jede freie Stunde für Ausflüge, meist am Wasser, oder fuhr mit ihrem Roller über die Insel, bevor die großen Ferien begannen und damit die Hochsaison auf Rügen. Dann waren Ausflüge keine so gute Idee, es sei denn, man arrangierte sich damit, dass Tausende den gleichen Einfall hatten, oder suchte die weniger bekannten Plätze auf.

»Ja, gut, ich leite das sofort weiter, und Sie melden sich gleich noch mal mit den Einzelheiten«, meinte Fine schließlich, beendete das Gespräch und ließ den Arm sinken. »Das war die Polizeiinspektion Stralsund. Es gibt einen ungeklärten Todesfall.« Sie runzelte die Stirn. »Ein junger Mann ist heute früh im Nationalpark Jasmund in der Nähe der Wissower Klinken – oder besser gesagt: der ehemaligen Klinken, denn nach den letzten Abbrüchen ist nicht mehr viel von ihnen übrig geblieben – vom Steiluferweg in die Tiefe gestürzt. Ein Ranger des Nationalparks hat ihn entdeckt.«

»Tragisch, aber was ist daran ungeklärt?«

»Die Sassnitzer Kollegen haben ein paar Merkwürdigkeiten am Unfallort entdeckt und Stralsund informiert. Nun ist die Leiche bereits auf dem Weg ins Rechtsmedizinische Institut in Greifswald, und die KTU wurde eingeschaltet, um das Geschehen zu rekonstruieren. Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedenfalls nicht zweifelsfrei davon auszugehen, dass es sich lediglich um einen Unfall handelt. Demnach möge die Außenstelle Bergen sich bitte bereithalten, um Vorabermittlungen zu leiten. Details erfahren wir in Kürze.« Die Bezeichnung »Außenstelle Bergen« stieß Fine in unüberhörbar spitzem Ton hervor.

Es war ein offenes Geheimnis, dass Fine Rohlbart, seit Urzeiten zuständig für den reibungslosen Ablauf im Innendienst der Bergener Polizei, kein Fan der Gebietsreform war und sich schon mal gar nicht für die damit einhergehenden neu in Kraft gesetzten Zuständigkeiten erwärmen konnte. Dabei störte sie besonders, dass Bergens Kommissariat empörenderweise nur noch als eine von mehreren Außenstellen fungierte, während die Stralsunder Polizeiinspektion sowie das zuständige Kriminalkommissariat nun als leitende Ermittlungsbehörden im Landkreis Vorpommern-Rügen agierten und somit das Sagen hatten. Romy hatte kein Problem damit, denn schließlich saß ja die Staatsanwaltschaft auch in Stralsund, und wenn ein Fall auf Rügen zu lösen war, gab es genug für alle zu tun. Das Bergener Team war dann ohnehin stets gefragt. Doch derlei Argumente fegte Fine mit schöner Regelmäßigkeit und durchaus schnippisch vom Tisch. »Du würdest anders reden, wenn du hier geboren wärst. Stralsund ist Stralsund, und Rügen ist Rügen, und Bergen ist Bergen. So einfach ist das.«

Auf gut Deutsch: Romy war die Zugezogene, die diese sensiblen Zusammenhänge gar nicht nachvollziehen konnte, und würde es wahrscheinlich noch eine halbe Ewigkeit bleiben. Dass der Kollege Kasper Schneider ähnlich entspannt blieb wie Romy, obwohl auch er Rüganer war, und stets verschmitzt lächelnd darauf hinwies, dass die Insel in den vergangenen Jahrhunderten viele Herren und Zuständigkeiten erduldet und überlebt hatte, ohne sich großartig davon beeinträchtigen zu lassen, fiel dabei genauso wenig ins Gewicht wie die Tatsache, dass Fines Lieblingskollege, der Daten- und Recherchefachmann Max Breder, quasi so etwas wie ihr Ziehsohn, eigentlich von den so kritisch beäugten Stralsundern ausgeliehen war. Hier ging es ums Prinzip, genauer gesagt: um Fines Prinzip. Und dem beugte man sich eilfertig oder hielt besser den Mund.

Romy, die gebürtige Münchnerin mit den italienischen Wurzeln, war nach Einsätzen in Köln, Schwerin und Rostock erst vor gut zweieinhalb Jahren ins Kommissariat nach Bergen gewechselt. Mit zwei aufsehenerregenden Mordermittlungen hatte Romy nicht nur das Vertrauen ihres Teams, sondern auch der Stralsunder Staatsanwaltschaft gewonnen. Dabei war sie lediglich auf der Suche nach einem Ort gewesen, an dem sie Frieden mit dem plötzlichen Tod ihres Geliebten schließen konnte. Und die Entscheidung für Rügen hatte einen ganz einfachen Grund gehabt: Moritz war vernarrt in die Insel gewesen und hatte Romy angesteckt.

»Soll ich Kasper und Max Bescheid sagen?«, fragte Fine in Romys Gedanken hinein. »Oder willst du noch warten, bis Riechter sich meldet?«

Jan Riechter hatte Anfang des Jahres den Posten des leitenden Hauptkommissars des Stralsunder Kriminalkommissariats übernommen – nachdem Romy das Angebot abgelehnt hatte. Sie hatte seinerzeit lediglich mit Kasper über die Offerte gesprochen und ihn gebeten, Stillschweigen zu bewahren. Eine Nacht hatte sie darüber geschlafen und sich am nächsten Morgen dagegen entschieden. Sie wollte auf der Insel bleiben. Bereut hatte sie ihren Entschluss noch keinen einzigen Moment, und zwar nicht nur, weil Fine ihr sonst den Kopf abgerissen hätte.

»Ich schlage vor, du warnst die beiden schon mal«, meinte Romy. »Falls die Kollegen gerade Wochenendpläne schmieden … Und ruf bitte auch in Sassnitz an. Vielleicht können die uns ja schon ein bisschen mehr verraten.«

Sie ging in ihr Büro und schloss die Tür hinter sich. Sie wollte allein und unbeobachtet sein, wenn Jan anrief. Romy und Kommissar Riechter waren sich erstmals anlässlich einer Fortbildung in Stralsund Ende des vergangenen Jahres begegnet und auf Anhieb sympathisch gewesen. Romy räusperte sich. Diese Beschreibung ging garantiert als schamloseste Untertreibung der Saison durch. Seitdem hatten sie sich hin und wieder bei Besprechungen gesehen, an deren Inhalt sie sich später nicht sonderlich gut erinnern konnte, dafür umso eindringlicher an seine tiefgrünen Augen und das Grübchen, das seinem schmalen Gesicht die Kantigkeit nahm, wenn er lächelte, und das tat er häufig, zumindest wenn ihre Blicke sich trafen.

Der Mann hatte nicht unbedingt den allerbesten Ruf – das war auch bis zu Romy durchgedrungen. Riechter galt als eigensinnig und undiplomatisch, ein Typ, der seine Linie verfolgte und auch mal den Staatsanwalt außen vor ließ; er gab mehr auf sein Gespür als auf die Ansichten von Vorgesetzten – Sonderrechte, die er sich als ehemaliger OK-Beamter meinte herausnehmen zu dürfen. Und wer sich wegen seines im Einsatz oftmals barschen Tons auf die Füße getreten fühlte, hatte selbst Schuld und sollte sich in einem Kosmetiksalon bewerben, wurde er zitiert.

Vor einigen Jahren war ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen ihn eingeleitet worden, nachdem Riechter bei der Vernehmung eines Kindermörders die Nerven verloren und ordentlich hingelangt hatte, wusste Kasper zu berichten. Der Vorgang machte sich in seiner Personalakte nicht besonders gut, aber kein Kollege hatte gegen ihn aussagen wollen – aus Respekt und Loyalität oder weil Kindermörder ohnehin keine ausgeprägte Lobby hatten –, und so verlief das Verfahren schließlich im Sande. Dass man dem eigenwilligen Kommissar die Stralsunder Stelle nach Romys Absage dennoch angeboten hatte, hing nach Kaspers Einschätzung mit seinem Engagement, seiner Erfolgsquote und seinem guten Riecher zusammen. Außerdem verstand er es bei aller Ruppigkeit, die Kollegen zu motivieren, und ließ niemals jemanden im Stich. Das wog schwerer als seine alles andere als saubere Akte.

Romy hatte Jan noch nicht barsch erlebt, eher durchgängig charmant, was abseits vom stressigen Ermittleralltag jedoch nicht ganz so viel heißen musste, und sie wusste selbst ein Lied davon zu singen, wie schwierig es oftmals war, angesichts scheußlichster Verbrechen gelassen zu bleiben. Wie sollte sie es ausdrücken? Der Mann beflügelte ihre Phantasie, ihre Träume, zum ersten Mal seit Moritz’ Tod, doch sie waren Kollegen, die häufig zusammenarbeiten würden, und sollten sich privat besser aus dem Weg gehen. So einfach war das. Ihr Handy klingelte.

»Hallo, Romy. Ich fürchte, ich muss euch das Wochenende verderben«, erklang Jans Stimme.

»Kollegin Rohlbart hat mich gerade informiert. Wisst ihr schon Genaueres?«, erwiderte sie betont nüchtern.

»Bei dem Opfer handelt es sich um Holger Bruhlstedt, ein gebürtiger Sassnitzer, alleinstehend, der in einer Anwaltskanzlei in Stralsund als Rechtsfachwirt arbeitete. Der Mann war noch nicht mal dreißig«, stieg Jan sofort ins Thema ein. »Er hatte ein paar Tage frei und besuchte seine Eltern in Sassnitz. Gefunden hat man ihn heute früh unterhalb der Wanderstation fünf, in der Nähe der Wissower Klinken – wenn ich mich nicht täusche, ist das in etwa dort, wo viele Caspar David Friedrichs Motiv für sein berühmtes Kreidefelsen-Gemälde vermuten, aber …«

»Aber die Kreidefelsen, wie Friedrich sie malte, gab’s damals noch gar nicht in dieser Form«, glänzte Romy mit ihren Inselkenntnissen.

»Richtig.« Seiner Stimme war das Lächeln anzuhören. »Die sind erst später entstanden.«

»Und seit den wiederholten Abbrüchen sieht es da inzwischen auch schon wieder ganz anders aus – die Klinken vom Postkartenmotiv gibt’s jedenfalls gar nicht mehr, und soweit ich weiß, hat die Nationalpark-Verwaltung inzwischen auch das Hinweisschild entfernt.«

»Na ja, wie dem auch sei – Rettungskräfte und Polizei gingen zunächst davon aus, dass mal wieder ein Wanderer unvorsichtig war, sich nicht an die Absperrungen hielt, unglücklich stürzte, wie häufig an den Steilufern, und sich das Genick brach«, fuhr Jan fort.

»Und was genau hat die Sassnitzer Kollegen stutzig gemacht?«, fragte Romy.

»Die Lage der Leiche und die mutmaßliche Absturzstelle. Außerdem fanden sie in der Nähe einen einzelnen Stein mit Blutspuren und eine Schleuder.«

Einen Moment lang dachte Romy, sie hätte sich verhört. »Eine Schleuder?« Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und schlug ein Bein über das andere.

»Ganz genau, und damit ist nicht das niedliche Spielzeug gemeint, mit dem man nasse Kügelchen durch die Gegend schießt, um einen Klassenkameraden oder eine Nachbarin auf dem Balkon zu ärgern. Das Teil ist eine sogenannte Katapultschleuder – die Dinger sind richtig gefährlich und kommen immer mal wieder in allen möglichen Kreisen in Mode. Damit kann man Mensch und Tier erhebliche Verletzungen zufügen, und wenn man es darauf anlegt: töten.«

Romy nickte langsam. »Jemand könnte den Stein …«

»Könnte«, fiel Jan ihr energisch ins Wort. »Der Verdacht drängt sich natürlich sofort auf, aber warum lässt der Täter die Schleuder dann dort unten liegen? Nicht weit entfernt gibt es einen Abstieg.«

»Sie könnte heruntergefallen sein. Vielleicht gab es einen Kampf, und der Täter ist anschließend in Panik geflüchtet.«

»Hm – könnte, vielleicht, unter Umständen … es ist zu früh für Spekulationen«, wandte Jan ein. »Aber wir müssen uns auf jeden Fall mit der Möglichkeit beschäftigen, dass die Schleuder als Waffe benutzt wurde und der Absturz alles andere als zufällig erfolgte. Ich bin gespannt, was die Rechtsmedizin zu den Verletzungen sagen wird, doch es dauert wohl noch eine Weile, bis die sich melden.«

»Falls Doktor Möller Wochenenddienst hat, könnte es schnell gehen«, wandte Romy ein. »Der ist richtig fix und kooperativ.«

»Umso besser. Fotomaterial und weitere Infos sind bereits per Mail unterwegs zu euch. Habe ich was vergessen?«

»Ist die Familie benachrichtigt?«

»Ja, aber du solltest gleich noch mal bei den Eltern vorbeifahren und dich bei der Gelegenheit auch nach dem Handy erkundigen – ich weiß nicht, ob die Kollegen heute früh eindringlich genug danach gefragt haben. An der Unglücksstelle wurde nämlich keins gefunden, der Mann hatte jedoch Schlüssel und Papiere bei sich, die steckten in seiner Jacke, die er oben auf einer Bank abgelegt hatte«, berichtete Jan weiter. »Und die Ortung hat bisher nichts ergeben.«

»Vielleicht hat er es beim Sturz verloren.«

»Dann werden es die Techniker finden.«

»Könnte es ins Wasser gefallen sein?«

»Unwahrscheinlich. Ich frage trotzdem mal nach. Der Vater erzählte jedenfalls, dass sein Sohn eine Morgenwanderung unternommen und sich bereits kurz nach halb vier auf den Weg gemacht habe – um den Sonnenaufgang mitzubekommen.«

»Hat der so was häufiger gemacht?«

»Ja, regelmäßig. Holger Bruhlstedt war ein Naturfreund und geübter Wanderer, so betont sein Vater – kein waghalsiger Kletterer oder einer von diesen Idioten, die ständig ihre Fähigkeiten überschätzen und das Abenteuer an der falschen Stelle suchen.«

»Sagt das auch der Vater?«

»Ja.«

»Verstehe.«

»Gut.«

Romy lächelte. »Ich schicke Kasper Schneider raus zu den Klinken, während Max Breder so schnell wie möglich mit den internen Recherchen beginnt und ich die Familie befrage. Ist dir das recht so?«

»Ja, so ungefähr habe ich mir das vorgestellt. Ist der Breder immer noch so verrückt, was seine Datensammelei angeht?«

»O ja. Wir sind heilfroh, dass er uns diesen Kram abnimmt – auf seine verrückte Art.«

»Und er ist heilfroh, dass niemand auf die Idee kommt, ihn bei der Zeugenbefragung einzusetzen oder gar als Partner mitzunehmen, nicht wahr?«

Romy lachte. »So ist es. Outdoor-Einsätze sind nicht seine Welt.«

Einen Moment blieb es still in der Leitung. »Gut, ich sehe mich inzwischen in Bruhlstedts Wohnung um«, hob Jan dann wieder an. »Und ich werde mit dem Kanzleichef sprechen. Wir bleiben in Kontakt.«

»Natürlich.« Gerne. Sie räusperte sich, unterbrach dann rasch die Verbindung und starrte einen Moment ins Leere, bevor sie Fine informierte und mit Kasper telefonierte. Eine halbe Stunde später befand sie sich auf dem Weg nach Sassnitz.

Jan hatte einen jungen Kollegen aus dem Innendienst damit beauftragt, sich um den Papierkram für die Wohnungsdurchsuchung zu kümmern sowie den Kanzleichef zwecks Terminabsprache anzurufen und sich mit dem Bergener Kommissariat abzustimmen, und war alleine losgefahren, nachdem er sich Bruhlstedts Schlüssel besorgt hatte. Er war viel zu unruhig, um mit den Füßen wippend in seinem Büro sitzen zu bleiben und abzuwarten, bis die nötigen Genehmigungen und Beschlüsse vorlagen. Außerdem war er davon überzeugt, dass die Unfalltheorie in Kürze kippen würde. Die Sache mit der Schleuder gefiel ihm gar nicht, auch wenn ein Zusammenhang mit dem Sturz bislang nichts als graue Theorie war. Im Moment könnte die sonst wer dort verloren haben, aber Jan glaubte nicht an einen Zufall.

Holger Bruhlstedt war in einer schlichten Junggesellenwohnung in einem vierstöckigen Wohnhaus am Knieperdamm im Norden Stralsunds zu Hause gewesen – zwei Zimmer, Küche, Bad, ein kleiner Balkon mit zwei Korbstühlen und einem winzigen Tisch, unter dem ein Aschenbecher stand. Die Wohnung wirkte nicht sonderlich aufgeräumt, doch auch keineswegs auffällig unordentlich – einige Tassen, Gläser und Teller türmten sich in der Spüle, Klamotten lagen auf dem Boden im Schlafzimmer, die Türen des Kleiderschranks standen auf, CDs waren auf dem Couchtisch vor dem Fernseher verteilt; im Bad roch es muffig, fand Jan, aber seine Nase war ziemlich empfindlich. Keine Hinweise auf eine Frau, jedenfalls nicht bei oberflächlicher Sichtung. In einer Ecke des Wohnzimmers stand ein schmaler Schreibtisch, darüber war ein Bord angebracht, auf dem Aktenordner mit dem üblichen Behörden- und Versicherungskram aufgereiht waren. Was fehlte, war ein Computer.

Jan hatte sich Handschuhe übergestreift und ging von Raum zu Raum. Er ließ die Atmosphäre auf sich wirken. Sollte sich bestätigen, dass Holger Bruhlstedt einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, würde jeder Winkel der Wohnung in der gebotenen Gründlichkeit von Technikern durchsucht werden. Worum es ihm im Moment ging, war der erste Eindruck – wie hatte der Mann gelebt? Gab es Hinweise auf Besucher? Womöglich jemand, mit dem es Streit gegeben hatte? Letzte Anrufe, letzte Mahlzeit, vielleicht fanden sich aussagekräftige Notizen neben dem Telefon. Hinweise auf Alkohol und Drogen, ungewöhnliche Post. Welches TV-Programm war eingeschaltet gewesen? Was hatte er gelesen? Auf dem Nachttisch lag ein E-Book-Reader – Bruhlstedt war offensichtlich ein Fan englischer Spionagethriller gewesen, wie Jan mit zwei Klicks feststellte. Welchen Hobbys ging der Mann nach? Auf einem großen Wandkalender waren Handballspiele eines Stralsunder Vereins eingetragen.

Jans Handy klingelte, als er gerade den Kühlschrank inspizierte, in dem lediglich einige länger haltbare Lebensmittel ihr Dasein fristeten – Hartkäse, eine Flasche Wasser, Gurken, einige scharfe Saucen. Bruhlstedt hatte offensichtlich verderbliche Ware vor seiner Abreise aufgebraucht, oder es sah in seinem Kühlschrank immer so aus, weil er auswärts aß. Jan schloss die Tür und nahm das Gespräch nach kurzem Blick aufs Display an. »Was gibt’s, Simon?«

»Bruhlstedt hat in der Kanzlei von Benjamin Schölter gearbeitet. Die befindet sich am Frankendamm, in der Nähe des Landgerichts.«

»Das weiß ich längst. Was mich interessiert, ist …«

»Schölter sitzt da seit heute früh an seinem Schreibtisch, Aktenstapel abarbeiten, wie er sagt. Er ist selbstverständlich jederzeit bereit, Fragen zu beantworten.«

»Na bitte«, knurrte Jan.

»Wollen wir uns gleich dort treffen?«

»Meinetwegen. Bis später.« Jan legte wieder auf, bevor Simon antworten konnte. Der junge Kollege hatte es oftmals nicht leicht mit ihm, das war Jan klar. Simon war so wissbegierig, eifrig und zuvorkommend, manchmal auch vorwitzig, wie man es als Polizist Mitte zwanzig nur sein konnte, wohingegen Jan als behutsamer und erfahrener Lehrmeister nicht unbedingt erste Wahl sein dürfte. Doch Jungkommissar Simon Dühl ließ sich nicht abschrecken. Das sprach unbedingt für ihn.

Jan ließ sich noch ungefähr zehn Minuten Zeit für seinen Streifzug durch die Wohnung. Keine Anrufe auf dem Anrufbeantworter, kein PC, keine Fotos, nicht mal von der letzten Freundin, wenig Persönliches, resümierte er, als er im Wagen saß und sich auf den Weg zum Frankendamm machte. Aber das musste nichts heißen. Heutzutage trug man seine Fotos im Handy bei sich, und der PC befand sich wahrscheinlich in der Kanzlei oder würde sich doch bei den Eltern anfinden, die ihn in der ersten Aufregung nach der schrecklichen Nachricht übersehen hatten.

Simon wartete bereits vor dem sanierten Altbaugebäude in sattem Dunkelrot, ungefähr zehn Minuten vom Landgericht entfernt, wo zahlreiche Baustellen die Parkplatzsuche erschwerten. Jan quetschte sich schließlich in eine Minilücke zwischen einem Baufahrzeug und einem aufgemotzten Audi. Simon warf ihm einen skeptischen Blick zu, als er sich aus der Tür herausschlängelte, verkniff sich jedoch eine Bemerkung. Dein Glück, dachte Jan. Er hob die Nase. Es roch nach frischem Zement.

»Hast du schon Infos zu diesem Schölter?«, fragte er, während sie den Flur betraten. Die Kanzlei befand sich im Erdgeschoss, in den darüberliegenden beiden Stockwerken residierten zwei Wirtschaftsprüfer, ein Steuerberater und ein Architekturbüro. Ihre Schritte hallten auf dem Steinboden wider. »Irgendwas Besonderes, das ich wissen sollte?«

»Nö. Schölter ist Strafrechtler und hat einen guten Namen«, führte Simon aus, während er den Klingelknopf betätigte. Im Innern erklang ein sanfter Glockenschlag. »Er hat die Kanzlei vor acht Jahren übernommen, zurzeit arbeiten hier vier Anwälte und etliche Gehilfen beziehungsweise Fachwirte und Auszubildende.«

»Alter?«

»Demnächst vierzig.«

Der Türsummer ertönte. Am Empfangstresen und im Wartebereich herrschte gähnende Leere. Kein Wunder an einem Samstagmittag. Jan ließ das helle und unaufdringliche Ambiente auf sich wirken – warme Farben, Holz und Leder, einige Schwarzweißfotos an den Wänden. Jan erkannte Dänholm, den Borgwaldsee und, natürlich, den Strelasund und die Rügenbrücke. Alles war blitzsauber, die Zeitschriften auf dem Beistelltisch waren geordnet, die Pflanzen wirkten frisch gegossen, nirgendwo stand benutztes Geschirr herum, und das dezente Aroma eines Raumsprays lag in der Luft. Am Ende eines langgestreckten Flures, von dem mehrere Büros abgingen, öffnete sich eine Tür.

Benjamin Schölter war auf den ersten Blick ein biederer Buchhaltertyp mit glattgezogenem Seitenscheitel, der sein blasses, durchschnittliches Gesicht hinter einer modischen Brille versteckte und älter wirkte als neununddreißig oder auch demnächst vierzig. Jan hätte ihm auch zehn Jahre mehr sofort abgenommen. Er war mittelgroß und neigte zum Bauchansatz, verfügte jedoch über eine volltönende, sehr angenehme Stimme. Wenigstens das, dachte Jan fast erleichtert. Ein Mann mit einer Ausstrahlung wie Schölter ging in jeder Gruppe komplett unter, oder aber er war derjenige, auf dessen Kosten Witze gerissen wurden – in privatem Rahmen natürlich, in seinem Job verstand er es ja offenbar, zu überzeugen. Schölters Erschütterung wirkte echt, doch er war bemüht, seine Gefühle zu kontrollieren.

»Holger war einer meiner besten und zuverlässigsten Mitarbeiter«, sagte er, kaum dass Jan und Simon Platz genommen hatten. »Außerdem ein freundlicher und aufmerksamer Kollege, den alle schätzten. Ich weiß gar nicht …« Er schüttelte den Kopf, blickte Jan einen Moment starr an und wich dann seinem Blick aus. »Unvorstellbar. Sind Sie wirklich sicher, dass es kein Unfall war? Es passiert doch so viel an Rügens Steilküsten.«

Jan wiegte den Kopf. »Nein, wir sind noch nicht hundertprozentig sicher, aber wir müssen der Möglichkeit nachgehen, dass Ihr Mitarbeiter heute Morgen nicht alleine unterwegs war. Einige Aspekte sprechen dafür.«

»Dürfen Sie deutlicher werden?«

»Nein. Er hatte Urlaub, nicht wahr?«

»Ja, seit gestern. Holger wollte ein paar Tage auf Rügen verbringen, auftanken – das machte er häufig – und Mittwoch zurückkommen.«

»Ist Ihnen in den letzten Tagen etwas Besonderes an ihm aufgefallen?«

»Nein, es war alles wie immer.« Schölter nahm einen Kuli zur Hand.

»Kein Stress, keine aufgeregten Telefonate, die Ihnen jetzt zu denken geben?«

»Nein, nichts dergleichen. Holger war kein Typ, der aufgeregte Telefonate führte.«

»Würden Sie das erläutern?«

Schölter überlegte kurz und rückte seine Brille zurecht. »Er war ausgeglichen. Stress war ein Fremdwort für ihn.«

Wie schön, dachte Jan, und das mit Ende zwanzig. Aber geholfen hatte es letztlich auch nicht. »Seit wann kennen Sie Bruhlstedt?«

»Seit drei Jahren. Er war vorher in einer Kanzlei in Greifswald beschäftigt, wo er auch seine Ausbildung absolviert hatte. Letztes Jahr hat er seinen Fachwirt gemacht.«

»Und warum der Wechsel?«

»Meine Kanzlei ist größer, und wir bearbeiten hauptsächlich Strafrechtsfälle. Das hat ihn sehr interessiert. Womöglich ist auch die Nähe zu Rügen mitentscheidend gewesen.«

»Wissen Sie etwas von einer Beziehung?«

»Nein. Holger war sehr zurückhaltend in Bezug auf Privates, fast verschlossen.«

»Ist nie der Name einer Freundin gefallen?«

Schölter schüttelte den Kopf. »Vielleicht wissen die Kollegen mehr dazu, aber ich möchte es fast bezweifeln.«

Jan nickte, ließ den Blick schweifen und bedeutete Simon mit einer Handbewegung, das Gespräch fortzusetzen und die üblichen Routinen abzufragen, während er Schölter unauffällig im Auge behielt. Irgendetwas nervte ihn an dem Juristen, machte ihn unruhig, er konnte jedoch nicht sagen was. Dass der Typ ein leidenschaftliches Plädoyer hielt, mit dem er einen Angeklagten raushaute, war schwer vorstellbar, aber stille Wasser waren ja bekanntlich tief.

»Wir müssen uns seinen Arbeitsplatz und vor allen Dingen den PC ansehen«, meinte Simon schließlich. »Ein Beschluss liegt zwar noch nicht vor, aber vielleicht …«

»Na klar, kein Problem.« Schölter winkte mit großzügiger Geste ab, und ein winziges Lächeln erhellte für einen Moment sein Gesicht. »Am Wochenende dauert ja alles immer ein bisschen länger … Aber womöglich werden Sie enttäuscht sein, denn an Holgers Arbeitsplatz gibt es nicht wirklich etwas Aufregendes zu entdecken. Und das Entscheidende, nämlich der Laptop, fehlt. Den hat er mitgenommen.«

Jan suchte den Blick des Anwalts. »Sind Sie sicher?«

»Selbstverständlich. Die Mitarbeiter dürfen ihre Laptops sowohl unterwegs als auch privat nutzen, sofern sie unsere Sicherheitsregeln beachten.«

»Die da wären?«

»Sie müssen ein Backup auf einer externen Festplatte speichern, bevor sie das Büro verlassen, und natürlich dafür Sorge tragen, dass kein Zugriff auf Kanzleiinterna möglich ist, was beispielsweise bei Diebstahl immens wichtig ist. Alle Mitarbeiter benutzen sowohl ein Festplattenpasswort als auch ein sehr gutes Verschlüsselungsprogramm für sensible Dokumente«, referierte Schölter weitschweifig. Das Thema schien ihm zu liegen. »Und wer einen längeren Urlaub antritt, ist ohnehin gehalten, keine Fälle mitzunehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss.«

»Haben Sie überprüft, ob Bruhlstedt …«

»Ich stand quasi daneben, als Holger am Freitag eine Sicherheitskopie gemacht hat.«

»Demnach wollte er den Laptop auf jeden Fall mitnehmen?«

»So ist es. Er hatte die Tasche unterm Arm, als er das Büro verließ, daran erinnere ich mich noch sehr gut.«

»Woran arbeitete er aktuell?«

Schölter hob die Hände. »Holger war reihum für alle Anwälte tätig, je nachdem wie aufwendig die Fälle waren.«

Jan lehnte sich zurück und stützte das Kinn in die Hände. »Herr Schölter, falls sich die Hinweise auf ein Verbrechen verdichten, müssen wir uns im Einzelnen damit befassen, woran Holger in der letzten Zeit gearbeitet hat.«

»Natürlich. Ich kann mir allerdings überhaupt nicht vorstellen …«

»Ich kann mir so manches nicht vorstellen, Herr Schölter«, fiel Jan ihm ins Wort und versuchte erst gar nicht, seine Bemerkung durch ein Lächeln abzumildern. »Und noch weniger möchte ich mir so manches vorstellen, aber wie das so ist in unserem Job – wir müssen zunächst einmal alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und überall suchen, ob uns das gefällt oder vorstellbar erscheint oder nicht.«

»Selbstverständlich.« Schölter nickte ernst. »Ich schlage jedoch vor, dass zunächst ich mir Holgers Fallbearbeitungen in aller Ruhe ansehe, und wenn mir etwas auffällt, melde ich mich bei Ihnen. Wir warten allerdings mit der polizeilichen Sichtung der Fälle ab, an denen er mitgewirkt hat, bis tatsächlich feststeht, dass mein Mitarbeiter einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.«

Das klang alles andere als nach einem Vorschlag. Auf gut Deutsch: Ich rücke hier im Moment ohne Not, sprich ohne Beschluss, gar nichts raus, fuhr es Jan durch den Kopf. Du kannst ja richtig selbstbewusst auftreten.

»Möchten Sie einen Blick in Holgers Schreibtisch werfen, Herr Kommissar?«

Jan überlegte nur kurz, stand dann abrupt auf und strich seine Jeans glatt. »Nicht nötig, danke erst mal, Herr Anwalt, wir melden uns.« Er verzichtete darauf, ihm die Hand zu geben.

»Der ist schlauer, als er tut«, brachte Simon wenige Minuten später Jans Eindruck auf den Punkt. »Zurück in die PI?«

2

Als sie aufwachte, war es später Mittag, und sie brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Hundegebell, Kinderstimmen. Jana schälte sich aus dem Schlafsack und zog den Vorhang des Seitenfensters ihres VW-Bullis auf. Der Strelasund lag in hellem Blau vor ihr, dahinter verschwamm die Silhouette von Rügen. Es herrschte friedliches frühsommerliches Campingidyll, das einige Dauerzelter und erste Touris in Stahlbrode suchten und meist auch fanden. Zwischen Greifswald und Stralsund gelegen, war der Ort ideal, um dem Touristenansturm auf der Insel zu entkommen und doch den Charme der Ostsee zu genießen. Oder um sich zu verstecken und dabei Stralsund nicht aus den Augen zu verlieren. Weil sie nicht loslassen konnte, noch nicht.

Jana sah auf ihr Handy – keine Antwort von Holger, also war alles so weit in Ordnung. Sie griff nach einer Flasche Wasser und trank durstig, dann öffnete sie die Seitentür, um frische Luft hereinzulassen. Sie hatte im Schutz einer Baumgruppe einen abseits gelegenen Platz ergattert, als sie in der Nacht eingetroffen war – fast an der gleichen Stelle wie vor rund einem Monat, als sie bei fürchterlicher Kälte vierzehn Tage in Stahlbrode verbracht oder besser gesagt ausgeharrt hatte, bevor sie in die Stadt zurückgekehrt war, um ein paar Wochen zu jobben. Sie war alles andere als eine typische Camperin, aber niemand hatte Fragen gestellt oder ihr hinterhergeschnüffelt. Mehr als den einen oder anderen skeptischen Blick hatte sie nicht ertragen müssen. Darum war sie hierher zurückgekehrt.

Der Mann am Empfang war neu, jedenfalls kannte Jana ihn nicht. Er hatte sie trotz der nächtlichen Stunde gähnend durchgewinkt, nachdem er einen flüchtigen Blick auf ihren Ausweis geworfen und sie für drei Tage im Voraus bar bezahlt hatte. »Die Formalitäten können Sie später erledigen, wenn der Chef da ist«, hatte er ihr zugemurmelt. »Kommen Sie im Laufe des Tages ins Büro.«

»Mach ich.« Oder auch nicht. Jana würde niemandem die Bude einrennen, um Formulare auszufüllen. Nur keine unnötigen Spuren hinterlassen, gerade jetzt nicht.

»Geh eine Weile weg aus Stralsund, aus dem Norden«, hatte Holger erst letzte Woche wieder zu ihr gesagt. Sein Ton war eindringlich und sanft zugleich gewesen. »Abstand gewinnen, neu orientieren, Fuß fassen. Ich helfe dir mit den entsprechenden Kontakten. Ein, zwei Jahre, dann kannst du ja zurückkehren, wenn du immer noch unbedingt willst.«

Sie hatte genickt. Klang alles vernünftig, gut durchdacht, abgeklärt. Holger sprach aus Erfahrung, das spürte man sofort. Er war überhaupt ein cooler Typ. Sie hatten einige Male richtig guten Sex gehabt, doch Holger wollte darüber hinaus nichts von ihr. Das war okay, auch wenn es ein bisschen weh tat. Sie hätte sich mehr zwischen ihnen vorstellen können, doch das lag wohl hauptsächlich daran, dass sie Angst hatte und nach dem Fels in der Brandung suchte und nach ein bisschen Liebe. Mit Liebe ging alles leichter. Holger war ein guter Freund, ein Helfer, der plötzlich da gewesen war und sich um sie kümmerte, nicht mehr, aber auch nicht weniger. »Ich kann dir den Weg aus der Szene zeigen, aber gehen musst du ihn alleine.«

Klang banal und nach Großmutterspruch, stimmte jedoch. Und Holger beließ es nicht bei Sprüchen – erst unlängst hatte er ihr einen Wohnungsschlüssel anvertraut. Das rechnete sie ihm hoch an. »Falls du mal ganz schnell unterkriechen musst und nicht weißt, wohin, aber pass auf, dass dich niemand sieht, wenn du das Haus betrittst. Es wäre fatal, wenn man die Verbindung zwischen uns entdecken würde.« Das wäre nicht nur fatal, sondern eine Katastrophe.

Am Abend zuvor hatte sie ihn besuchen wollen – vielmehr überraschen. Es war schon spät gewesen, und sie hatte Trost gesucht, außerdem eine warme Mahlzeit und ein Bett. Auf Dauer war das Campen oder Übernachten im Bus, so viel Unabhängigkeit und Sicherheit es auch in ihrer speziellen Situation mit sich brachte, ermüdend, unbequem und einsam. Erst als sie vor dem Haus stand, fiel ihr ein, dass Holger erzählt hatte, er würde für einige Tage verreisen. Nach kurzem Zögern entschied sie sich, trotzdem bei ihm zu schlafen. Er würde sicher nichts dagegen haben, wenn sie sich eine Dosensuppe warm machte und dann in sein Bett kuschelte. Sie stand vor seiner Wohnungstür im obersten Stock und kramte den Schlüssel heraus, als sie in der kühlen Stille des nächtlichen Flures plötzlich Geräusche hörte – direkt aus der Wohnung: ein Hüsteln.

Im Bruchteil einer Sekunde erstarrte Jana, um sich dann blitzschnell umzudrehen und die halbe Treppe zum Dachboden hinaufzuhetzen und hinter dem Geländer auf den Boden zu kauern. Die Flucht war ihr wie ein Reflex in Fleisch und Blut übergegangen. Sie reagierte, bevor ihr ein Gedanke dazwischenfunken und die Bewegung verlangsamen konnte. Flach atmend beobachtete sie, wie sich die Tür öffnete und ein Mann mit geschulterter Tasche die Wohnung verließ. Einen Moment blieb er lauschend stehen – seine scherenschnittartige Silhouette hob sich von der hellen Wand ab –, dann betätigte er den Lichtschalter und schloss die Wohnungstür ab. Holger hatte ein zweites stabiles Riegelschloss angebracht, für das ein zusätzlicher Schlüssel nötig war. Der Mann blickte auf den Schlüsselbund in seiner Hand, und während er das Riegelschloss sorgfältig zusperrte, aktivierte Jana ihre Handykamera und schaltete das Blitzlicht aus. Ihr Puls ging schnell und unregelmäßig; sie wartete, bis der Mann sich zur Treppe umdrehte, dann betätigte sie zweimal hintereinander den Auslöser, bevor sie sich an die hintere Wand presste und kaum zu atmen wagte. Ein einziger Gedanke kreiste unablässig in ihr: Sie haben uns entdeckt – wir sind aufgeflogen. Sie haben uns entdeckt – wir sind aufgeflogen.

Sie hörte, wie seine Schritte verklangen und die Haustür ins Schloss fiel, wartete zehn Minuten in der Dunkelheit und machte sich schließlich mit zitternden Knien auf den Weg nach unten. Sie verließ das Haus nach kurzem Zögern durch den Hintereingang, hetzte zu ihrem Bulli und fuhr los – zu schnell, zu hektisch schaltend, ohne Ziel, quer durch Stralsund, Richtung Westen, Richtung Süden, wieder nach Norden, nur darauf aus, in Bewegung zu bleiben, wen auch immer abzuschütteln, der sich längst an ihre Fersen geheftet hatte. Sie hätte doch den vorderen Ausgang benutzen sollen oder noch länger warten, sich im Keller verstecken … Das pochende Herz bestimmte den Rhythmus ihrer umherstiebenden Gedanken. Den Einfall, Holger anzurufen, verwarf sie, kaum dass er durch das Wirrwarr ihrer Überlegungen zu ihr vorgedrungen war – vielleicht hatte sie längst eine fiese Spyware auf dem Handy. Davor hatte Holger sie immer gewarnt.

Als das Benzin zur Neige ging, begann sie, gleichmäßiger zu atmen und ihre Umgebung mit anderen Augen wahrzunehmen. Der Schleier der Panik lichtete sich. Sie steuerte eine Tankstelle an und stellte staunend fest, dass seit ihrem Aufbruch vom Knieperdamm gerade einmal eine gute halbe Stunde vergangen war. Niemand hatte sie verfolgt oder sich auffällig verhalten. Der Verblüffung folgte allmählich eintretende Ruhe und ein gleichmäßig fließender Atem. Jana bezahlte am Nachtschalter der Tanke – der junge Typ sah aus wie Robbie Williams –, sie nahm noch einen Kaffee, ein Päckchen Tabak und zwei Schokoriegel mit und hatte auf einmal das Gefühl, wieder in die Wirklichkeit einzutauchen. Stück für Stück. Die Angst ebbte vollständig ab, Erleichterung machte sich breit, gefolgt von Verlegenheit, als sie die Situation erneut und sehr nüchtern analysierte. Der Mann war kein Typ aus der Szene gewesen, das Outfit hatte nicht gepasst, das Alter auch nicht, und – entscheidend – sein Verhalten entsprach nicht dem eines Einbrechers oder Verfolgers. Ganz und gar nicht. Welcher Einbrecher benutzte Schlüssel, noch dazu zwei, und nahm sich die Zeit, die Wohnungstür wieder sorgfältig abzusperren und sogar das Licht im Hausflur einzuschalten? Der Mann hatte eine Tasche dabeigehabt. Vielleicht handelte es sich um einen Arbeitskollegen, der auch einen Schlüssel zur Wohnung besaß und Unterlagen benötigte, die Holger vergessen hatte, ihm auszuhändigen – zu einer ungewöhnlichen Zeit, zugegeben, aber warum nicht? Ein Nachtmensch, wie es viele gab.

Jana atmete tief durch. Sie hatte überreagiert, wieder einmal. Gut, dass sie Holger nicht angerufen und womöglich aus dem Schlaf gerissen hatte. Einen Moment lang nahm sie sich ihre Hysterie übel, dann tröstete sie sich mit dem Gedanken, dass es schlauer war, eine Flucht anzutreten, die sich im Nachhinein als überflüssig erwies, statt eine Situation zu verharmlosen und sich in Gefahr zu begeben. In ihrer Situation durfte sie sich nicht das geringste Risiko leisten.

Sie setzte sich wieder hinters Steuer, drehte sich eine Zigarette und fuhr langsam zurück an den Knieperdamm. Trotz aller Gelassenheit, die wohltuend Besitz von ihr ergriffen hatte, wusste sie, dass sie erst ruhig schlafen würde, wenn sie sich mit eigenen Augen vergewissert hatte, dass in Holgers Wohnung alles in Ordnung war. Die Typen, vor denen sie und auch er Angst hatten, hinterließen in der Regel ein Schlachtfeld oder gaben sich zumindest keinerlei Mühe, ihren Besuch zu verheimlichen.

Fünfzehn Minuten später stellte sie fest, dass Holgers Wohnung alles war – nur kein Schlachtfeld. Sie sah aus wie immer, lediglich der Laptop fehlte, aber den hatte er sehr wahrscheinlich selbst mitgenommen.

»Es ist alles in Ordnung«, flüsterte sie. Dennoch ließ sich der wenn auch winzige Rest eines unguten Gefühls nicht vertreiben, und sie verspürte keine Sehnsucht mehr, in Holgers Bett zu schlafen.

Sie schloss sorgfältig ab und fuhr nach kurzem Überlegen raus nach Stahlbrode. Dort saß sie, in einen dicken Pullover gehüllt, lange vor ihrem Bulli. Auf dem Gaskocher brodelte eine Dosensuppe, dazu aß sie ein Käsebrot, zum Nachtisch gab es einen Schokoriegel und eine weitere Zigarette. Sie rauchte nicht viel, meist hielt ihr Tabakbeutel eine gute Woche. Hundert Meter rechts von ihr saßen ein paar junge Leute um einen Grill herum. Würstchengeruch, Ferien, Frieden, ein Joint und ein Lachen machten die Runde. Kurz nach vier kuschelte sie sich in ihren Schlafsack, konnte aber immer noch nicht einschlafen. Erst als sie Holger eine gute halbe Stunde später eine SMS geschickt hatte, der sie das Foto von dem Mann anhängte, machte sich endlich das Gefühl in ihr breit, alles getan zu haben.

Paul Bruhlstedt war der Einzige aus der Familie, der in der Lage war, mit Romy zu reden. Er bat sie mit stummer Geste in die Küche des kleinen Reetdachhauses am nordwestlichen Rand von Sassnitz, in der Nähe der Steinbrüche. Sein Gesicht war grau, die Augen wirkten unnatürlich groß. Romy spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog. Der Mann war groß und kräftig und dürfte normalerweise stark wie ein Bär sein, auch mit Ende sechzig. Jetzt wirkte er wie ein Halm im Wind. Die Familie lebte seit Jahrzehnten von zwei Fischimbisslokalen in Sassnitz und Lohme, soviel hatte Fine noch in Erfahrung gebracht. Reich war sie damit nicht geworden, aber für ein Häuschen, unter dessen Dach bis vor einigen Jahren auch die Großeltern gelebt hatten, hatte es gereicht. Holgers zwanzigjährige Schwester Lilly wohnte noch zu Hause. Es war still im Haus, der Gong einer alten Standuhr füllte den Raum.

Bruhlstedt ließ sich auf die Küchenbank fallen, Romy nahm gegenüber Platz. Ein paar Tassen und Gläser standen auf dem Tisch. Es roch nach Kaffee und Tabak. Die Tür einer blauweißen Anrichte stand ein Stück auf und gab den Blick auf ordentlich zusammengestelltes Geschirr frei.

»Es war kein Unfall, nicht wahr?«

»Wir können es noch nicht mit Bestimmtheit sagen«, antwortete Romy. »Aber es ist gut möglich, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging.«

Bruhlstedt drehte sich um und fischte eine Pfeife vom Fensterbrett, die er sorgfältig zu stopfen begann. »Holger wäre nie abgestürzt, das habe ich heute früh schon gesagt.«

»Ich weiß, und ich verspreche Ihnen, dass wir die Umstände sehr genau untersuchen werden.«

Er zündete die Pfeife an und nahm einige Züge. »Niemals wäre mein Junge abgestürzt«, wiederholte er leise. »Der kannte sich da aus, und er war immer vorsichtig. An der Steilküste muss man jeden Augenblick wachsam sein, hat er gesagt, noch gestern Abend. Jeder Schritt ist wichtig. So einer stürzt nicht ab.«

Sehe ich auch so, dachte Romy und atmete das strenge Tabakaroma ein. »Erzählen Sie doch mal – Holger ist also gestern eingetroffen?«

»Ja, am späten Nachmittag, mit dem Zug.«

»Fährt er sonst mit dem Wagen?«

»Nein. Er hat gar kein Auto. Er fährt nicht gerne. Fuhr nicht gerne …«

»Er kam allein?«

»Ja. Er kommt fast immer allein. Und eine Freundin gibt es zurzeit auch nicht, falls Sie das meinen, jedenfalls keine, von der ich weiß.«

»Wissen Sie, wie lange seine letzte feste Beziehung zurückliegt?«, griff Romy das Thema auf.

»Nicht genau, aber das ist bestimmt schon ein Jahr her, vielleicht länger. Die Frau ist ins Ausland gegangen – mehr weiß ich nicht. Und über so was haben wir nicht geredet.«

»Können Sie uns einen Namen nennen?«

Holgers Vater rieb sich übers Gesicht. »Ich weiß nicht … Kati oder so ähnlich. Ist das jetzt wichtig?«

Romy schüttelte den Kopf. Dafür war später noch Zeit.