Informationen zum Buch

»Sofie Sarenbrant ist die aufregendste neue Krimiautorin in Schweden.« Camilla Läckberg

Noch einen Tag noch – dann, glaubt Cornelia, hat ihr Martyrium ein Ende, dann zieht sie mit Astrid, ihrer sechsjährigen Tochter, aus ihrem Haus aus und kann Hans, ihren gewalttätigen Mann, endlich verlassen. Doch am Morgen findet sie Hans tot im Gästezimmer. Emma Sköld, hochschwanger und sehr ehrgeizig, übernimmt den Fall: Für sie ist Cornelia die erste Verdächtige, doch es gibt auch eine andere Spur: Die kleine Astrid will in der Nacht einen Mann neben ihrem Bett gesehen haben, der sie gestreichelt hat.

Packend und sehr atmosphärisch – der neue Bestseller aus Schweden.

Sofie Sarenbrant

Der Mörder und das Mädchen

Thriller

Aus dem Schwedischen
von Hanna Granz

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Sonntag 30. März

Kapitel 1

Montag 31. März

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Dienstag 1. April

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Mittwoch 2. April

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Donnerstag 3. April

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Freitag 4. April

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Samstag 5. April

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

Kapitel 82

Kapitel 83

Kapitel 84

Kapitel 85

Kapitel 86

Kapitel 87

Kapitel 88

Kapitel 89

Kapitel 90

Sonntag 6. April

Kapitel 91

Kapitel 92

Kapitel 93

Kapitel 94

Kapitel 95

Kapitel 96

Kapitel 97

Kapitel 98

Kapitel 99

Kapitel 100

Kapitel 101

Kapitel 102

Kapitel 103

Kapitel 104

Kapitel 105

Danksagung

Über Sofie Sarenbrant

Impressum

Sonntag
30. März

Kapitel 1

Sie liegt ganz still unter dem Betthimmel. Im Schein der roten Nachtlampe sehe ich ihre geschlossenen Augen, ihr Gesicht wirkt harmonisch. Die Decke ist ein bisschen verrutscht, aber dank des langärmeligen Nachthemds mit den Blümchen darauf friert sie anscheinend trotzdem nicht. Ihre dunklen Locken breiten sich über das Kissen aus, und daneben sitzen in einer Reihe die Kuscheltiere, beinahe wie eine Mauer. Es fällt mir schwer, nicht sentimental zu werden und an meine eigene Kindheit zurückzudenken, und wie einfach und sorgenfrei damals alles war, bevor ich begriff, wie viele herzlose Menschen es auf dieser Welt gibt. Über Leichen gehen sie, um zu bekommen, was sie wollen.

Eigentlich müsste ich aufpassen, sie nicht zu stören, wo sie doch so friedlich schläft, aber ich kann den Impuls nicht unterdrücken, an ihr Bett zu treten. Auf Socken schleiche ich mich über die Holzdielen. Ich darf jetzt über kein Spielzeug stolpern. Meine Hand gleitet aus der Hosentasche und an der Öffnung des Betthimmels vorbei, ich berühre mit den Fingerspitzen ihre samtweiche Haut. Ihre Wange fühlt sich ein wenig kalt an, aber sie verzieht keine Miene. Sie liegt so still da, dass man meinen könnte, sie sei tot. Sofort ziehe ich meine Hand weg und trete einen Schritt zurück.

Jetzt will ich nur noch weg hier.

Auf dem Weg zurück komme ich an dem großen Schlafzimmer vorbei. Dort liegt ihre Mutter allein im Doppelbett, den Rücken zur Tür gedreht. Sie hat dieselbe Haarfarbe wie das Mädchen, aber sie trägt es kurzgeschnitten, überhaupt nicht weiblich. Ich betrachte sie einen Moment von weitem, bevor ich das obere Stockwerk verlasse. Die Treppe knarrt, so dass ich auf halber Strecke innehalte, um mich zu vergewissern, dass niemand aufgewacht ist. Als sich nichts rührt, gehe ich weiter, in den Flur und von dort ohne weiteren Zwischenstopp in den Keller. Dort ziehe ich meine Schuhe an und verlasse das Haus durch dieselbe Tür, durch die ich hereingekommen bin.

Ich muss morgen wiederkommen.

Montag
31. März

Kapitel 2

Nur noch eine Dreiviertelstunde bis zu dem Besichtigungstermin, der über ihre Zukunft entscheiden wird. Jahre des Schmerzes, des Kummers und der Verleugnung könnten bald zu Ende sein. Nur noch einen Tag in diesem Haus, dann haben Cornelia Göransson und ihre Tochter Astrid endlich ihre Ruhe. Aber Cornelia wagt nicht, jetzt schon etwas einzupacken. Die Erfahrung sagt ihr, dass sie sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen darf. Sonst geht es garantiert schief.

Gedankenverloren schaut sie auf den zerkratzten Parkettboden, den sie längst hätten aufarbeiten müssen, ebenso wie die anderen Oberflächen im Haus. Es wäre besser gewesen, die Wände vor dem Verkauf neu zu streichen und die Böden abzuschleifen, aber dazu haben weder die Zeit noch die Kräfte gereicht. Es ging schließlich ums nackte Überleben. Jetzt kann sie nur hoffen, dass die geliehenen Requisiten dem Auge des Betrachters standhalten. Exklusive Sessel, Teppiche und Lampen sollen die Blicke von den diversen Mängeln ablenken wie den abgestoßenen und losen Teppichleisten von 1926. Sie rückt die Schnittblumen zurecht, zieht die Bettüberwürfe in beiden Schlafzimmern gerade und knufft die Kissen zu einer ordentlichen Reihe zurecht. Dann faltet sie eine verrutschte Wolldecke erneut und legt sie über die Armlehne des Diwans. Das sieht allerdings fast schon wieder künstlich aus und weckt möglicherweise Misstrauen, etwas könne nicht so sein, wie es sein soll. Daher wirft sie die Decke nachlässig über die Rückenlehne, damit es einigermaßen natürlich aussieht.

Dann schaut sie sich noch einmal im Zimmer um, weil sie sichergehen will, dass sie nichts übersehen hat. Vor allem fragt sie sich, ob es ihr gelungen ist, die Spuren ihres Unglücks zu verbergen, die tief in den Wänden sitzen. Plötzlich fühlt sie sich unsicher. Die weißen Lilien, die Schale mit den glänzenden, beinahe künstlich wirkenden Granny-Smith-Äpfeln und die Zitronen, die sie darauf platziert hat. Macht das nicht einen übertriebenen, beinahe verzweifelten Eindruck? Erfahrene Spekulanten werden auf derart einfache Tricks nicht hereinfallen – fortgeschrittene Immobilienjunkies, die von einer Villa im attraktiven Stockholmer Vorort Bromma träumen. Potential ist es, was sie suchen, nicht etwas, das aussieht wie ein aufgetakelter Einrichtungsmessestand. Das Risiko ist groß, dass sie sich über ihre amateurhaften Arrangements lustig machen, die sie so oder ähnlich auch auf der Einrichtungsseite Hemnet sehen könnten. Vielleicht sind deshalb gestern nur so wenige zur Besichtigung gekommen. Oder es kursieren bereits Gerüchte, dass irgendetwas mit diesem Haus nicht stimme. Die Leute kriegen vielleicht mehr mit, als man denkt. Aber sollen sie ruhig spekulieren, solange nur die wirklichen Geheimnisse, die sich hinter der polierten Fassade verbergen, nicht ans Licht kommen. Natürlich können die Nachbarn etwas gehört und eins und eins zusammengezählt haben, aber das ist eher unwahrscheinlich. Der Garten ist groß, und die Häuser liegen relativ weit auseinander. Ruhige Lage, viel Privatsphäre. So steht es im Prospekt. Wobei die Nachbarn nebenan, die Svärds, vielleicht doch ein wenig zu viel Einblick haben. Ob sie sich deshalb immer sofort abwenden, wenn sie sich auf der Straße sehen lässt?

Cornelia schüttelt ihre düsteren Gedanken ab und beschließt, noch eine Kontrollrunde zu machen. Gleichzeitig dankt sie stumm ihrer Freundin Josefin, die bereit gewesen ist, Astrid auch heute nach dem Kindergarten mit zu sich zu nehmen. Was würde sie nur ohne sie anfangen? Josefin ist geradezu eine Voraussetzung dafür, dass dieser Verkauf überhaupt stattfinden kann. Mit einer Sechsjährigen am Rockzipfel hätte Cornelia das Haus niemals für die Besichtigungen herrichten können.

Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, über welche Mittel sie in den nächsten Jahren verfügen wird. Was sie für ihren Halbtagsjob bekommt, reicht in dieser Gegend nicht zum Leben, vor allem nicht, wenn man ein Kind zu versorgen hat. Der Schmuck, den sie entwirft, ist von vornherein eher als Hobby gedacht gewesen und bringt nicht viel zusätzlich ein.

Sie wirft einen raschen Blick ins Schlafzimmer und zwingt sich, hineinzugehen. Noch einmal glättet sie den seidenen Bettüberwurf und versucht, dabei nicht auf den Boden auf ihrer Seite des Bettes zu schauen. Die Vertiefung in dem weißgestrichenen Dielenboden ist immer noch da. Für ein ungeübtes Auge ist sie kaum sichtbar, aber Cornelia erinnert sich genau, wie dieser Schaden entstanden ist und wie dumpf der Aufprall auf einen Kieferholzboden klingt, wenn man mit dem Nacken zuerst aufkommt. Es war nicht leicht, die Wände anschließend wieder sauber zu bekommen. Reines Weiß ist eine schwer auszugleichende Farbe, jeder Fingerabdruck hinterlässt hässliche Spuren. Sicherheitshalber tritt Cornelia näher und fährt mit den Fingerspitzen über die Wand, um sich zu vergewissern, dass keine Verfärbungen mehr zu sehen sind.

Das Schlafzimmer mit Erker und Balkon wird bald nur noch eine Erinnerung sein, doch es könnte ihr nicht gleichgültiger sein. Von Anfang an hat sie in diesem Zimmer nicht richtig atmen können.

Letzte Nacht hat sie etwas geweckt, erst hat sie gar nicht begriffen, was es war. Dann hat sie seinen Blick aus dem Flur gespürt. Sie bekommt Gänsehaut, wenn sie sich jetzt daran erinnert, wie sie die Augen schnell wieder geschlossen und gedacht hat, jetzt ist es wieder so weit, diesmal wird er mich nicht schonen. Aber o Wunder, er ist wieder gegangen. Ihr erster Gedanke ist gewesen, er würde etwas holen, um sie zu töten, aber er ist nicht wieder zurückgekehrt. Wahrscheinlich hat er sich im Gästezimmer schlafen gelegt, so wie er es bis auf weiteres versprochen hat, und ist dann frühmorgens zur Arbeit gefahren. Cornelia schaudert, als sie an ihre erste Reaktion auf das Weckerklingeln am Morgen denkt: Erstaunen. Sie hat nicht damit gerechnet gehabt, je wieder aufzuwachen.

Rasch läuft sie die Treppe hinunter und sieht sich auch hier noch einmal um. Jetzt müssten die Makler bald kommen.

Der Teppich unter dem Couchtisch muss noch ein Stückchen nach rechts, um den größten Kratzer im Wohnzimmerboden zu verbergen, der durch die Absätze ihrer Stilettos entstanden ist. Sobald sie daran denkt, wie fest er sie an diesem Silvesterabend gepackt hat, fangen ihre Haarwurzeln an zu schmerzen. Erstaunlicherweise sind die Haare nicht ausgerissen, aber nach diesem Vorfall hat sie sie kurz schneiden lassen, damit er nie wieder hineingreifen und sie daran hinter sich her schleifen kann.

Cornelia zieht den Teppich zurecht und nickt zufrieden. So, mehr kann sie nicht tun. Sie hat alles gegeben, um das Haus von seiner besten Seite zu zeigen.

Es klopft an der Tür, und sie zuckt zusammen.

Die Wanduhr zeigt Viertel vor sechs. Cornelia verflucht ihre eigene Schreckhaftigkeit, fasst sich aber schnell wieder und geht in den Flur, um zu öffnen. Draußen steht die Maklerin, Helena, in marineblauem Hosenanzug und mit sorgfältig geknotetem Halstuch. Auf den ersten Blick könnte man sie für eine Angestellte der SAS halten, nur dass sie keine weiße Hose trägt. Ihr skandinavischer Flugbegleiterinnenlook mit blauen Augen, blondem Haar und Modelmaßen lässt Cornelia schlucken. Diese Frau ist all das, wovon sie selbst immer geträumt hat. Sie selbst ist klein und schmal, beinahe jungenhaft. Sehnig, mit braunen Augen und braunem Haar. Kein Ansatz nordischen Ursprungs.

Unterm Arm trägt Helena eine Kiste mit blauen Schuhschonern sowie ein Bündel Prospekte. Die Außenaufnahme auf dem Umschlag sieht toll aus, aber Cornelia kann nichts Schönes mehr an diesem Haus entdecken.

»Hallo, wie sieht’s aus?«, fragt Helena höflich und reicht ihr die Hand.

»Alles bestens, danke«, erwidert Cornelia und hört selbst, wie falsch es klingt. »Alles klar für heute Abend?«

»Absolut«, sagt Helena mit professioneller Stimme.

»Sind Sie heute Abend allein hier?«

»Nein, ich wollte nur rechtzeitig da sein, um alles vorzubereiten.« Ihr Blick flattert beunruhigend.

Cornelia reicht ihr die Schlüssel.

»Dann drücke ich mal die Daumen, dass viele zur zweiten Runde kommen.«

Die Maklerin nickt und lächelt mit ihren unnatürlich regelmäßigen Zähnen.

»Das wird schon gut gehen. Das Haus ist groß und attraktiv gelegen, nur einen Steinwurf von der Ålsten-Brücke entfernt. Wir glauben an dieses Objekt.«

Sollte die Maklerin auch nur die geringsten Zweifel haben, so lässt sie sich nichts anmerken, sondern strahlt weiterhin Selbstvertrauen aus. Allerdings nicht genug, um ansteckend zu wirken.

»Irgendwelche Gebote gibt es aber noch nicht, oder?« Cornelia muss einfach fragen, bevor sie das Haus verlässt.

»Wir telefonieren die Liste frühestens morgen ab. Die meisten wollen ihr künftiges Zuhause wenigstens zweimal gesehen haben, bevor sie sich in den heiklen Bieterprozess begeben. Vor allem wenn es um so hohe Summen geht wie in diesem Fall. Deshalb nutzt es nichts, zu früh nachzuhaken, das kann eher nach hinten losgehen.«

»Verstehe. Ist es okay, wenn ich um halb acht wiederkomme?«

Sie weiß nicht, ob Astrid es durchhalten würde, noch länger von zu Hause weg zu sein, ohne irgendwann übermüdet zu werden und dann später nicht richtig einschlafen zu können.

Die Maklerin schaut auf ihre Armbanduhr und nickt.

»Bis dahin müssten alle gegangen sein.«

Kapitel 3

Sobald es klopft, lässt Anton seine Stifte fallen und rennt in den Flur. Astrid bleibt unberührt sitzen. Sie ist vollkommen in ihre Zeichnung versunken. Neugierig wie ein kleiner Hund wirft sich Anton gegen die Tür, und Josefin geht zu ihm, um ihm mit dem schwergängigen Schloss behilflich zu sein. Als er jedoch sieht, dass Cornelia gekommen ist und nicht sein Vater, sagt er nur kurz hallo und schleicht enttäuscht ins Wohnzimmer zurück.

»Deine Mama«, sagt er, aber Astrid hebt nicht einmal den Kopf, auch nicht, als die Stimme ihrer Mutter im Flur zu hören ist.

Cornelia kommt herein und lobt die schöne Wiese, die ihre Tochter gemalt hat, mit sieben kleinen Elfen, die im Kreis darüber schweben. Josefin muss unwillkürlich lächeln. Was Anton gezeichnet hat, lässt sich kaum erkennen. Es könnte ein Auto, ein Schiff oder aber auch ein Haus sein. Plötzlich dreht Astrid sich um und sieht ihre Mutter liebevoll an, dann streckt sie ihre Arme aus. Lange halten sie einander fest. Josefin ertappt sich dabei, sie zu beobachten, vielleicht sogar ein bisschen neidisch. Sofia, Julia und Anton sind nicht so verschmust. Cornelia und Astrid dagegen haben eine ganz besondere Beziehung. Eigentlich ist Josefin froh, dass ihre eigenen Kinder sich nicht nur an einen Erwachsenen hängen, sondern sich mit vielen in ihrem Umfeld verbinden können. Was Astrid angeht, hat sie einfach keine große Auswahl. Cornelia hat kaum Kontakt zu ihren Eltern und Geschwistern, und auch das Verhältnis zu den Schwiegereltern scheint nicht ganz einfach zu sein.

Als ihre Kinder vor drei Jahren in denselben Kindergarten kamen, dauerte es nicht lange, bis die beiden beste Freunde wurden, obwohl Anton ein Jahr jünger ist als Astrid. Astrid ist in ihrer Entwicklung ein wenig verzögert, vor allem was das Sprechen anbelangt, und hält sich gern an jüngere Kinder. Josefin hat nie eine Erklärung dafür bekommen, warum Astrid anders ist, und jetzt, nach so langer Zeit, käme es ihr merkwürdig vor zu fragen. Aber sie hat das kleine Mädchen sehr ins Herz geschlossen, das jede nur erdenkliche Unterstützung gebrauchen kann. Die anderen Kinder meiden sie, deshalb ist sie oft allein und pusselt so vor sich hin, wenn Anton einmal nicht da ist. Selten wird sie zum Kindergeburtstag eingeladen oder gefragt, ob sie nach dem Kindergarten noch zum Spielen kommen möchte. Cornelia tut alles, um den Schein zu wahren, aber es ist ihr anzumerken, dass es nicht leicht für sie ist. Gut, dass Anton gern mit einem Mädchen befreundet ist, das anders ist als alle anderen.

Während die Kinder weitermalen, geht Josefin mit Cornelia in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Ihr fällt auf, wie dünn Cornelia geworden ist. Die Scheidung scheint sehr an ihr zu zehren.

»Es war gar nicht so leicht, sie aus dem Kindergarten wegzubekommen«, sagt Josefin und sucht ein unscharfes Bild auf ihrem Handy heraus. »Sie hatten sich gerade als Clowns verkleidet und tanzten wild im Kreis herum, als ich zum Abholen kam. Astrid hatte eine rote lockige Perücke auf, guck mal, hier. Die sind doch echt zu süß!«

Cornelia verzieht die Mundwinkel über Astrids schelmische Miene, so dass die Grübchen auf ihren Wangen hervortreten.

»Ach, wie süß«, sagt sie mit Betonung auf dem »ü«, die verrät, dass sie aus Östergötland kommt. Aber Josefin kommentiert es nicht, den Fehler hat sie nur einmal zu Beginn ihrer Bekanntschaft gemacht. Daraufhin erklärte Cornelia, es sei genauso unhöflich, ihr zu sagen, man würde diesen Dialekt heraushören, wie zu behaupten, jemand hätte Mundherpes. Josefin findet den Dialekt eigentlich sehr charmant, aber das hat sie fortan lieber für sich behalten.

»Möchtest du vor dem Essen noch etwas trinken?«, fragt sie stattdessen.

»Ein Glas Wasser wäre toll, aber das kann ich mir gerne selbst holen.«

Cornelia geht zum Glasschrank und bedient sich. Kein Wunder, dass sie sich hier so zu Hause fühlt, sie sehen sich wirklich oft. Schade nur, dass sie nicht näher beieinander wohnen, so dass sie immer fahren müssen, wenn die Kinder zusammen spielen wollen.

»Ich dachte, wir könnten vielleicht Fingerfood mit Fleischaufschnitt, Oliven, Brot und Salat machen, wenn das okay für dich ist? Das ist zwar keine richtige warme Mahlzeit, aber mir ist beim Einkaufen einfach nichts eingefallen.«

»Das klingt toll«, sagt Cornelia, scheint aber nicht gerade überwältigt zu sein.

Josefin versteht nicht, warum die Freundin ständig mit Superlativen um sich wirft, statt ihre Wortwahl ein bisschen zu dämpfen, so dass sie halbwegs mit ihrer ansonsten so verhuschten Art übereinstimmt. Vielleicht ist es ein Verteidigungsmechanismus, sich aufs Äußerste anzustrengen, um fröhlich zu wirken, obwohl es ihr eigentlich dreckig geht. Vielleicht ist ihr Verhalten ein Schutz gegen all das Elend. Aber so blind ist Josefin nicht. Mittlerweile fällt es ihr leicht, die Freundin zu durchschauen.

»Machst du dir große Sorgen?«, fragt sie für den Fall, dass Cornelia ihr Herz ausschütten möchte.

Cornelia nickt und fährt sich mit der Hand durch das kurze Haar, das ihr Gesicht hübsch umrahmt. Wie immer ist sie nur leicht geschminkt und alltäglich angezogen. Josefin sieht sie selten anders als in Jeans und Pullover oder weiten Blusen.

»Ich habe Angst, dass es nicht klappt.«

Ein Wutschrei aus dem Wohnzimmer unterbricht sie, Cornelia ist als Erste dort. Astrid ist außer sich und zeigt mit dem Finger auf Anton, der sich unter den Tisch verkrochen hat.

»Er hat mein Bild kaputt gemacht!«

Sie weint immer heftiger, und Josefin, die Cornelia auf dem Fuß gefolgt ist, gelingt es nicht, Antons Blick einzufangen. Astrids Elfen sind mit schwarzen Strichen übermalt worden. Cornelia versucht sie zu trösten, aber Astrid schlägt ihre Hand weg. Wenn sie wütend ist, kann sie es nicht ertragen, angefasst zu werden, und es dauert immer eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt. Josefin hat das schon mehrfach erlebt und versucht gar nicht erst, mit ihr zu reden. Es hat keinen Sinn, bevor sie nicht von sich aus wieder bereit dazu ist. Aber es sieht unheimlich aus, wenn sie sich so aufregt, dass sie kaum noch Luft bekommt. Anton windet sich verlegen unter dem Tisch und sieht ebenfalls unglücklich aus.

»Du musst dich entschuldigen«, sagt Josefin so beherrscht wie möglich.

»Aber …«

»Nichts, aber. Man malt nicht einfach in anderen Bildern herum, ohne vorher zu fragen.«

Josefin legt Cornelia die Hand auf die Schulter, um sich anstelle ihres Sohnes zu entschuldigen. Cornelia zuckt zurück, als hätte sie einen Schlag bekommen, und sieht sie mit weit aufgerissenen Augen an. Josefin vergisst immer wieder, dass sie auf jegliche Berührung empfindlich reagiert.

»Entschuldige«, sagt sie matt.

»Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Kinder sind Kinder«, antwortet Cornelia und setzt sich zu den beiden an den Tisch. »Jetzt malen wir neue Elfen. Was haltet ihr von einem großen Schloss dazu, in dem sie wohnen können?«

Anton kriecht unter dem Tisch hervor und sucht mit den Augen nach Astrids, aber das Mädchen weicht seinem Blick aus. Schweigend holt sie sich ein neues Blatt und setzt sich damit neben ihre Mutter, als wäre nichts passiert. Anton setzt sich auf Cornelias andere Seite, und Josefin zieht sich in die Küche zurück. Von dort lauscht sie ihrer lebhaften Diskussion, welche Farben sie nehmen wollen und wer was zeichnen soll. Cornelia delegiert die Aufgaben und zeigt wieder mal ihr einzigartiges Vermögen, mit Konflikten umzugehen, beziehungsweise diese abzuleiten. Josefin kämpft jeden Tag darum, nicht selbst auf das Niveau eines Fünfjährigen herabzusinken und zurückzubrüllen, wenn die Kinder sie provozieren. Als Mutter dreier Kinder ist Geduld bei ihr Mangelware.

Die Großen sind oben in ihren Zimmern und machen Hausaufgaben, vielleicht beschäftigen sie sich aber auch mit ganz anderen Dingen, jedenfalls hat noch keine von ihnen sie um Hilfe gebeten. Das Risiko, dass sie bei irgendeinem Computerspiel hängengeblieben sind, ist groß, doch heute schafft Josefin es einfach nicht, deswegen Theater zu machen, schon gar nicht, wenn Cornelia und Astrid zu Besuch sind. Während sie das Essen anrichtet, muss sie immer wieder an die Hausbesichtigung denken, die gleichzeitig stattfindet. Sie weiß, wie wichtig es für Cornelia ist, dass der Verkauf zu einem guten Abschluss kommt, damit sie es sich leisten kann, alleinstehend zu sein. Es ist ein großes Glück, dass sie eine Wohnung zur Untermiete gefunden hat, bis sie sich um etwas Eigenes kümmern kann. So sympathisch Hans auch nach außen hin sein mag, weiß Josefin doch, was Cornelia durchgemacht hat. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit hat ihre Freundin ihr von all den Misshandlungen erzählt. Die Hälfte davon wäre schon genug gewesen. Sie selbst kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, ständig bedroht zu werden. Im Gegensatz zu Hans ist ihr eigener Mann Andreas der netteste auf der Welt und würde niemals die Hand gegen sie erheben. Unter gar keinen Umständen.

Als Cornelia allerdings erzählt hat, wie glücklich sie sei, einen Neuanfang machen zu können, ist sie doch ins Grübeln geraten. Wie oft schon hat sie sich vorgestellt, wie es wäre, so wie ihre Schwester Emma zu leben. Über sich selbst bestimmen und die eigene Karriere in den Vordergrund stellen zu können, statt Sklave im eigenen Haus zu sein und sich selbst immer hintanstellen zu müssen. Nicht ständig nach dem Willen anderer zu handeln. Jetzt ist es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis Emma sich in Josefin wird hineinversetzen können, und das kommt wahrlich keinen Tag zu früh.

Kapitel 4

Zum dritten Mal liest Emma Sköld denselben Satz. Sie sieht nur die Wörter, ohne dass sich ihr die Bedeutung erschließen würde. Es ist wirklich zum Verzweifeln. Sie legt das zweitausendvierhundert Seiten starke Vorermittlungsprotokoll eines ungelösten Falls zur Seite, mit dem sie sich auseinandersetzen muss, bis die Mordkommission einen neuen Fall auf den Tisch bekommt. Seit über einer Woche arbeitet sie nun schon daran, ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen, und eigentlich müsste sie die symbolische Pistole im Nacken spüren. Aber es will ihr einfach nicht gelingen, genügend Konzentration zum Lesen aufzubringen. Die Buchstaben neigen dazu, ineinanderzufließen, und der Sauerstoffmangel in ihrem engen Büro macht es auch nicht eben besser. Vor allem aber ist sie in Gedanken ganz woanders. Emma weiß, dass sie nicht schuld an ihren Konzentrationsschwierigkeiten ist. Sie seufzt, denn die empfohlene Tagesdosis Koffein hat sie bereits intus. Vor einer halben Stunde hat sie die vierte Tasse getrunken, bloß um die Augen offenhalten zu können. Erst seit wenigen Tagen erträgt sie den Kaffeeduft überhaupt wieder und kann die schwarze Brühe trinken, wenn auch mit Überwindung. Sie braucht den Kick, aber dass sie den Geschmack auch genießen würde, kann sie derzeit wirklich nicht behaupten.

Ein Klopfen reißt sie aus ihren Gedanken. Es ist Lars Lindberg. Mit besorgter Chefmiene schaut er zu ihr herein.

»Bist du immer noch hier?«, fragt er erstaunt. »Es ist schon nach sechs.«

Emma deutet auf den Papierstapel.

»Ich muss endlich damit weiterkommen.«

»Aber doch nicht nach Feierabend«, sagt Lindberg. »Darf ich mich einen Moment zu dir setzen?«

»Ja klar, komm rein.« Emma hat keine Ahnung, was er von ihr wollen könnte. Ihr erster Gedanke ist, dass sie etwas falsch gemacht hat, irgendjemandem auf die Füße getreten ist, was im Eifer des Gefechtes ja schon mal vorkommen kann.

»Du siehst blass aus, wie geht es dir eigentlich?«, fragt er, nachdem er sich auf dem Besucherstuhl an ihrem überladenen Schreibtisch niedergelassen hat.

»Ach, ganz gut, danke.«

Lindberg sieht nicht sehr überzeugt aus.

»Ich bin dein Chef und muss wissen, ob irgendetwas nicht in Ordnung ist. Vor allem, wenn es sich auf deine Leistung auswirken könnte.«

Dann merkt man es ihr also doch schon so sehr an? Sie gibt auf und antwortet: »Ich bin schwanger.«

Lindbergs zusammengepresste Lippen öffnen sich zu einem Lächeln, und in seinen besorgten Augen leuchtet es auf.

»Herzlichen Glückwunsch, das ist ja toll!«

Keinerlei Andeutungen, dass diese Neuigkeit bald zu Personalengpässen führen wird. Emma atmet auf. Auch wenn sie von ihm keine negative Reaktion erwartet hat, weiß man doch nie, was Chefs in so einer Situation versehentlich von sich geben können, bevor ihre Vernunft sie einholt.

»Danke«, sagt sie, kann sich aber nicht wirklich entspannen, bevor sie nicht sicher ist, dass er ihr aufgrund der Schwangerschaft keine Sonderbehandlung zukommen lässt. Sie will nichts lieber, als weiterzuarbeiten wie bisher.

»Ich habe mich gewundert, warum es dir in letzter Zeit offenbar nicht so gutging«, sagt Lindberg nachdenklich. »Denn so viel habe ich doch mitbekommen. Aber darauf wäre ich jetzt wirklich nicht gekommen.«

Emma lächelt.

»Eigentlich wollte ich es erst in ein paar Tagen erzählen, wenn ich in der zwölften Woche bin.«

Noch immer kann sie keine Spur von Verdruss darüber an ihm erkennen, dass er nun wohl umstrukturieren muss. Immerhin muss er sich jetzt Gedanken über eine Vertretung machen, die den hohen Ansprüchen gerecht wird, welche an Kriminalkommissare der Sektion Gewaltverbrechen gestellt werden.

»Ich freue mich für dich«, sagt Lindberg noch, dann geht er hinaus.

Emma lehnt sich zurück. So viel Energie hat sie darauf verwendet, sich zu überlegen, wie sie ihrem Chef die Nachricht beibringen soll. Dazu all die Argumente, die sie sich zurechtgelegt hat, um ihn zu überzeugen, dass sie auch während der Schwangerschaft wie gewohnt weiterarbeiten kann. Nichts davon brauchte sie auch nur zu erwähnen. Dennoch fühlt sie sich wie eine Verräterin, weil sie ihm wichtige Informationen vorenthalten hat und weil sie sich überhaupt dazu entschlossen hat, schwanger zu werden. Auch wenn es merkwürdig klingt, muss sie immer wieder über das Offensichtliche darin nachdenken, dass sie zum ersten Mal andere Dinge wichtiger nimmt als ihren Job. Für ihre männlichen Kollegen ist die Umstellung, Vater zu werden, längst nicht so dramatisch. Sie können hundertmal Eltern werden, ohne während der Schwangerschaft wichtige Arbeitszeit zu verpassen, ganz zu schweigen von den ersten Monaten danach. Für sie aber ist es ein großes Opfer, denn es bedeutet monatelange Abwesenheit. Eigentlich will sie nichts von dem versäumen, was auf der Arbeit passiert, sie identifiziert sich mit ihrem Beruf, er ist ihr Leben. Etwas anderes kennt sie gar nicht mehr.

Bevor sie für heute zusammenpackt, geht sie noch einmal zur Toilette. Als sie die Gummischlaufe am obersten Jeansknopf öffnet, fragt sie sich zum wiederholten Mal, wie es sein kann, dass sie an ihrem Bauch keine Veränderung wahrnimmt, ihre Hosen aber dennoch zu eng geworden sind. Sie ordnet ihr blondes Haar und betrachtet sich im Spiegel. Bald reichen die Spitzen bis zu ihren Schultern, und sie hat vor, es auch noch weiter wachsen zu lassen. Eine Kurzhaarfrisur ist zwar praktisch, aber Emma ist sie leid geworden. Als sie sich genauer betrachtet, fällt ihr auf, dass sie ein Leuchten im Gesicht hat, das vorher nicht dagewesen ist. Auch ihre Wangen sind etwas runder geworden, was ihr, wie sie findet, sehr gut steht.

Jetzt fehlt nur noch der sich wölbende Bauch.

Als sie fertig ist, geht sie in ihr Büro zurück. Sie überlegt, womit sie es wohl verdient haben könnte, dass sie schließlich doch noch schwanger geworden ist. Nur schade, dass Kristoffer so viel mit seiner Arbeit zu tun hat. Ihr Bild von einem Makler war immer, dass er hauptsächlich am Wochenende arbeitet, aber da hat sie sich offenbar getäuscht. Die Besichtigungstermine sind eben nur ein Teil der Arbeit. Das Schlimmste an seinem Beruf ist eigentlich, dass er ständig erreichbar sein muss, egal um welche Tageszeit. Und die Leute zögern auch nicht, ihn wegen der geringsten Kleinigkeiten anzurufen, und sei es nur, um zu fragen, wo auf dem Foto die Blumenvase zu sehen sein soll. Es kann eigentlich immer jemand anrufen, und das passiert auch tatsächlich ständig, es spielt keine Rolle, ob Kristoffer gerade mit anderen, wichtigeren Dingen beschäftigt ist. Das Telefon hat immer Priorität. Ganz zu schweigen von den Spekulanten, die plötzlich unterschreiben wollen, nicht morgen oder später, sondern sofort. Geschäft ist Geschäft und hat immer Vorrang, egal ob Wochenende, Alltag, Morgen oder Abend. Der Maklerberuf ist alles andere als ein Nine-to-five-Job. Emma weiß selbst, wie leicht es ist, sich von seiner Arbeit verschlingen zu lassen, findet aber, dass es bei Kristoffer in letzter Zeit ein bisschen ausgeartet ist. Auch heute Abend muss er noch zu einem Besichtigungstermin in Bromma, zu einem Objekt, für das er verantwortlich ist.

Aber natürlich wäre es auch für sie nicht schlecht, wenn sie mit dem Protokoll weiterkommen würde, das sich auf ihrem Schreibtisch türmt. Und dann ist es vielleicht sogar ganz gut, wenn Kristoffer sie zu Hause nicht ablenken kann, sondern in anderer Leute Wohnung herumläuft und dort sein Lächeln verschenkt.

Kapitel 5

Es ist das reinste Vergnügen, durch diese überkandidelte Villa zu gehen und alles Mögliche zu bemängeln. Hugo Franzén könnte gar nicht sagen, wann ihm zuletzt etwas so viel Spaß gemacht hat, außer vielleicht die letzte Hausbesichtigung. Die Zeit zwischen den Terminen hat im Moment nämlich nicht viel zu bieten, auch wenn seine Arbeit ihm zumindest dabei hilft, die Tage herumzukriegen.

»Irgendwie riecht es hier nach Schimmel«, murmelt Hugo laut genug, dass die anderen ihn hören können.

Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten. Eine Frau beginnt sofort misstrauisch zu schnüffeln. Es ist ein exklusives Badezimmer mit kostspieligem Mosaik, Fußbodenheizung und Handtuchtrocknern, die bis zur Decke reichen. Dann flüstert sie dem Mann neben sich etwas zu. Hugo kniet sich neben das Abflussgitter am Boden und hebt es an, um den Siphon zu öffnen. Ein modriger Geruch lässt ihn die Nase rümpfen. Mit unheilverkündender Miene schüttelt er den Kopf und sucht dabei bewusst die Aufmerksamkeit der anderen Interessenten.

»Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber hier scheint der Dichtungsring zu fehlen. Das hätte der Makler doch bei der Vorbesichtigung merken müssen! Wer weiß, was sie noch alles vor uns verbergen wollen.«

»Es gab keine Vorbesichtigung«, merkt eine Frau an.

»Machen Sie Witze?«, fragt Hugo mit gespieltem Entsetzen, als hätte er gerade erfahren, dass das Fundament des Hauses jede Minute einstürzen könnte. »Und ich wollte ein Gebot abgeben! Das würde ja heißen, die Katze im Sack zu kaufen!«

Stirnrunzelnd verlässt er das Badezimmer, aber innerlich ist er kein bisschen bekümmert. Im Gegenteil, seine Laune könnte nicht besser sein. Er streckt den Rücken durch und geht weiter in das hübsch eingerichtete Schlafzimmer mit den Dachschrägen. Als er sieht, dass er allein ist, lässt er seiner Kreativität freien Lauf. Er setzt sich auf das Bett, ohne darauf zu achten, ob er Spuren hinterlässt. Zerstreut schubst er die hochkant gestellten Kissen um, so dass sie aus ihrer lächerlich perfekten Reihe fallen. Dabei denkt er an Emmas schönes Lächeln. Die Lebensfreude in ihren grün-braunen, mandelförmigen Augen. Sie beide im Bett, nackt. Das Flattern im Magen, wenn er sie berührt. Es ist so leicht, sich wegzuträumen und zu glauben, alles sei noch wie früher. Aber in Wirklichkeit fällt er gerade ins Bodenlose.

Jeder Tag ohne Emma ist eine Qual.

Das Schlimmste ist, dass sie überhaupt keinen Kontakt mehr mit ihm will. Manchmal entschlüpft ihm die eine oder andere SMS an sie, vor allem, wenn er ein Bier zu viel getrunken hat. Manchmal antwortet sie sogar, aber selten ist es etwas Aufbauendes. Und meistens ignoriert sie ihn komplett. Nach all den gemeinsamen Jahren ist er ihr plötzlich nichts mehr wert, und das nur aus einem einzigen Grund: dass es ihm nicht gelungen ist, sie zu schwängern.

Vom Flur her nähern sich Stimmen, und Hugo steht schnell auf, bemüht sich aber nicht, die Tagesdecke wieder glattzuziehen. Er stellt sich ans Fenster und blickt hinaus. Einer der anderen betritt das Zimmer.

»Hier kann ja jeder reingucken. Kein Wunder, wenn die Häuser so dicht stehen. Und Sonne kommt bestimmt auch nicht auf den Balkon«, sagt er gerade so laut, dass man ihn gut verstehen kann. Dann dreht er sich um. »Schade drum. Aber es gibt bestimmt ein paar Schattengewächse, die man hier dennoch pflanzen kann.«

Mit gespielter Enttäuschung verlässt er das Schlafzimmer und versucht demonstrativ, den Prospekt zu zerknüllen. Es ist eher ein symbolischer Akt, denn er ist beinahe so dick wie eine wissenschaftliche Arbeit und lässt sich mit einer Hand unmöglich zerstören. Es braucht schließlich einige A4-Seiten, um die vielen beschönigenden Adjektive und Maklerphrasen unterzubringen, die zum Kauf verlocken sollen.

Hugo weiß noch nicht, wie lange er diesmal bleiben wird, aber eilig hat er es nicht. Da er langsam Hunger bekommt, nimmt er sich eine Handvoll Karamellbonbons aus der vom Maklerbüro bereitgestellten Schüssel. Ihm liegt die Frage auf der Zunge, wann sie endlich eine weichere Sorte anbieten, die man kauen kann, ohne einen Zahnarztbesuch zu riskieren. Aber so ein Kommentar könnte die Leute misstrauisch machen. Es könnte ihnen seltsam vorkommen, dass er mit den Karamellbonbons ausgerechnet dieses Maklerbüros so vertraut ist. Er will seine Glaubwürdigkeit als seriöser Interessent schließlich nicht verlieren und muss deshalb auf der Hut sein. Er darf nur angemessen skeptisch wirken, sonst merkt man, dass es ihm einzig und allein darum geht, jeden positiven Eindruck zu verderben.

Sein selbstzufriedenes Lächeln erstirbt sofort wieder, als er Kristoffers vernichtenden Blick sieht, der ihn von der Küche aus mustert. Da steht er, der geschniegelte Lackaffe, der ihm die Frau vor der Nase weggeschnappt hat. Und der dafür auch noch fett kassiert hat, denn er war für den Verkauf ihrer Wohnung zuständig und hat dabei eine unerhört hohe Provision herausgeschlagen. Im Nachhinein kommt Hugo sich vor wie ein Idiot, weil er damit einverstanden war, die Maklerprovision für jedes Gebot über drei Millionen um zehn Prozent zu erhöhen. Aber er wird es ihm heimzahlen, dieser Typ wird es bitter bereuen!

Und so starrt Hugo zurück, bis Kristoffer die Augen abwendet und seiner Kollegin etwas zuflüstert. Sie wissen beide, dass Hugo nur aus einem Grund hier ist, aber Kristoffer kann ihn schlecht rausschmeißen. Es würde auf ihn selbst zurückfallen, wenn er ihm vor den Augen potentieller Kunden eine Szene machte.

Hugo betrachtet den Grundriss und sieht, dass nur noch der Keller übrig ist. Höchste Zeit, den Schraubenzieher auszupacken. Auf der gewundenen Treppe nach unten muss er einer hochschwangeren Frau ausweichen. Sein Blick fällt auf ihren riesigen Bauch mit dem Nabel, der sich unter dem enganliegenden Pullover abzeichnet. Er schluckt eifersüchtig und versucht, sich Emma schwanger vorzustellen. Sie wäre so hübsch, die schönste Frau der Welt. Abends würden sie daliegen und ihren Bauch streicheln und über das ungeborene Kind sprechen. Er packt den Schraubenzieher fester. Wie konnte es nur so schiefgehen, dass sie am Ende beschloss, ihn zu verlassen? Wie er es auch dreht und wendet, er kann einfach nicht nachvollziehen, wann das Ganze gekippt ist. Hastig schiebt er die düsteren Gedanken beiseite und konzentriert sich wieder auf seine Mission. Es wird Zeit, das Werkzeug zu benutzen. Er geht umher, klopft die Wände ab und hofft, dass das Paar, das sich mit ihm in den Heizungskeller gedrängt hat, ihn fragt, was er denn da tue.

Sein Wunsch wird erhört.

»Entschuldigen Sie, aber was machen Sie denn da mit dem Schraubenzieher?«, fragt die Frau neugierig.

»Hören Sie mal«, sagt er mit weit aufgerissenen Augen. »Merken Sie den Unterschied?«

Sie sieht ihn unsicher an, will ihn aber nicht vor den Kopf stoßen, indem sie verneint.

»Ja, ich glaube.«

»Je weiter man runtergeht, desto offenbarer wird der Schaden durch Feuchtigkeit.« Hugo öffnet eine Klappe unten neben der Heizung und sieht, dass das Kondenswasser vom Rohr direkt auf den Boden tropft.

»Und hier haben wir auch schon die Erklärung: Es gibt keinen Bodenabfluss.«

»Was heißt das?«

»Dass man das alles rausreißen und einen Abfluss installieren muss. Und dann nur versuchen kann, die Wände noch zu retten.«

Hugo hätte auch sagen können, dass es vermutlich genügen würde, einen Eimer darunterzustellen. Aber er ist ja nicht als Makler oder Verkäufer hier.

»Danke, dass Sie uns gewarnt haben«, sagt der Mann. »Wirklich unmöglich von dem Makler, dass er uns darauf nicht hingewiesen hat!«

Hugo lächelt schief. »Unmöglich ist genau das richtige Wort.«

Die beiden gehen hinaus, und Hugo holt tief Luft. Vielleicht sollte er doch noch Schauspieler werden?

Als er auf die glorreiche Idee kam, künftig hinter den Kulissen bei Kristoffers Besichtigungen mitzuwirken, konnte er kaum an sich halten. Es wurde schnell zu einer Art Sport, und inzwischen hat er gelernt, sich so weit von Kristoffer entfernt aufzuhalten, dass dieser seine Kommentare nicht hört. Es geht ja vor allem darum, dass die Interessenten kalte Füße bekommen und den Eindruck gewinnen, der Makler sei unseriös. Denn dann nehmen sie hoffentlich Abstand von Kristoffers Objekten. Einen schlechten Ruf zu verbreiten ist nicht sonderlich schwierig. Auch die Sozialen Medien bieten unzählige Möglichkeiten. Unter falscher Identität ist Hugo auf zahlreichen Websites unterwegs und versprüht Gift gegen das Büro, für das Kristoffer arbeitet, vor allem aber gegen ihn selbst. Hugo hat gar nicht gewusst, dass er so gut darin ist, sich auszudrücken. Eine ganz neue Welt hat sich für ihn aufgetan, und es wäre gelogen, wenn er behaupten würde, er genösse die neugewonnene Macht nicht. Dieses Schreibtalent, das er da seit neuestem in sich entdeckt hat, hat auch dazu geführt, dass er sein Dienstleistungsspektrum als Fotograf erweitern konnte. Über die Texte, die er jetzt zusätzlich anbietet, kommt einiges an zusätzlichem Geld herein, aber er hat nicht vor, sich dafür bei Kristoffer zu bedanken, im Leben nicht!

Als er die Treppe hochkommt, steht da dieser Scheißkerl mit seiner selbstgefälligen Miene und ordnet sein Haar. Hugo zittert bei dem Gedanken, dass Emma es ihm zerzaust. Das muss dringend aufhören!

Bevor er es sich anders überlegen kann, schickt er ihr eine weitere SMS.

Kapitel 6

Auch wenn sie weiß, dass sie Hugo gegenüber kein schlechtes Gewissen zu haben braucht, fühlt Emma sich für seinen schlechten Zustand verantwortlich. Oder zumindest mitverantwortlich. Aber irgendwann muss er doch akzeptieren, dass es aus ist zwischen ihnen! Nach seiner letzten SMS zu urteilen, ist er allerdings noch lange nicht so weit. Emma löscht sie, ohne sie ganz gelesen zu haben. Es spielt keine Rolle, was er ihr schreibt. Es ist vorbei.

Trotzdem fühlt sie sich elend, als sie sich mit einem Auszug des umfangreichen Protokolls ins Wohnzimmer setzt. Einsam und verlassen. Kristoffer scheint ihre Beziehung als selbstverständlich anzusehen, zumal nach dem positiven Schwangerschaftstest. Von Hugo kann man sagen, was man will, aber er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie die Nummer eins in seinem Leben war. Vom ersten Augenblick an hat er sie vergöttert, was Emma während ihrer Beziehung gar nicht richtig zu schätzen gewusst hat. Damals hat sie es eher als anstrengend empfunden, dass er so grenzenlos verliebt war und immerzu mit ihr zusammen sein wollte. Jetzt weiß sie, was es heißt, um jemandes Aufmerksamkeit betteln zu müssen und vielleicht nicht immer wahrgenommen zu werden. Wie es ist, derjenige zu sein, der ständig Bestätigung sucht, statt diese auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Aber wenn sie sich sehen, zweifelt sie keinen Moment an Kristoffers Liebe oder daran, dass er ein guter Vater sein wird.

Seit der unerwarteten freudigen Botschaft vor fünf Wochen spielt Emmas Körper ihr ständig Streiche. Der bloße Anblick ihres Lieblingsessens verursacht ihr plötzlich unangenehmes Aufstoßen, gar nicht zu reden davon, wenn sie etwas mit Knoblauch isst. Den Fehler hat sie nur einmal gemacht, denn die Strafe folgte unmittelbar: widerliches Aufstoßen, und das drei Tage lang. Ihr ist ständig schlecht, und morgens fällt es ihr schwer, aus dem Bett zu kommen, ohne sich zu übergeben. Aber so lästig es auch sein mag, sich permanent seekrank zu fühlen, beeinträchtigt es doch nicht ihre Freude darüber, endlich Mutter zu werden. Mit jedem Tag wächst ihre Hoffnung, dass sich ihr Traum vom eigenen Kind endlich erfüllt. So recht wagt sie allerdings noch nicht, sich zu freuen. Das Risiko einer Fehlgeburt hängt immer noch wie ein Damoklesschwert über ihr. Immer wieder wacht sie nachts panisch auf und fragt sich, ob sie sich die Schwangerschaft nur eingebildet hat, oder sie träumt, sie habe ein Meerschweinchen zur Welt gebracht. Nach all den missglückten Versuchen mit Hugo ist es wahrscheinlich kein Wunder, dass ihre Ängste sich im Schlaf Luft machen.

Jedes Mal, wenn sie damals ihre Tage bekam, war sie am Boden zerstört. Schließlich sah sie keinen Ausweg mehr, als zu akzeptieren, dass sie niemals Mutter werden würde. Statt sich weiter nach etwas zu sehnen, was sie nie würde erreichen können, versuchte sie, vernünftig zu überlegen. Sie heulte vierundzwanzig Stunden lang, dann beschloss sie, ihre Sehnsucht zu verdrängen und nach vorn zu blicken. Vor allem versuchte sie, sich die Vorteile der Kinderlosigkeit schmackhaft zu machen: keine vollgekackten Windeln, keine ewigen Warteschleifen bei irgendwelchen Versicherungen und vor allem nicht die permanenten Sorgen, die Kinder mit sich bringen. Stattdessen würde sie sich guten Gewissens voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren und es genießen, dass nicht ständig jemand ihre Aufmerksamkeit verlangte. Josefin beklagte sich immer, wie anstrengend es sei, keine eigenständige Person mehr zu sein, sondern vor allem für andere da sein zu müssen. Und natürlich sah Emma die Vorteile: Sie konnte sich ein zeitaufwendiges Hobby wie Triathlon zulegen oder sich ein eigenes Reitpferd anschaffen, statt nur gelegentlich in den Reitstall zu gehen. Sie musste sich nur endlich von dem Traum einer eigenen Familie verabschieden und dann etwas Neues in Angriff nehmen.

Ein notwendiger Schritt in diesem Prozess war gewesen, die Beziehung mit Hugo zu beenden. Sie nahm sich vor, das Singleleben zu genießen und nicht gleich in eine neue Beziehung hineinzuschlittern. Doch Vernunft ist offenbar nur die eine Seite, eine ganz andere ist die Realität. Emma wird jetzt noch rot, wenn sie daran denkt, wie sie bereits während des Wohnungsverkaufs schon wieder mittendrin war. Plötzlich stand da dieser Makler, Kristoffer, mit seinem strahlenden Lächeln, und sie verliebte sich sofort in ihn. Das war es dann mit dem Singleleben. Und nur wenige Monate nachdem sie zusammengekommen waren, tauchte der Gedanke an ein Kind wieder auf. Vielleicht gab es ja doch noch eine Chance? Sechsunddreißig war vielleicht noch nicht furchtbar alt, aber lange konnte sie nicht mehr warten, falls sie überhaupt Kinder bekommen konnte. Das Problem war, dass sie nicht wusste, wie Kristoffer zum Thema eigene Kinder stand. Doch sie beschloss, ihr ausgeprägtes Sexleben als Zeichen dafür zu deuten, dass er zumindest nicht abgeneigt war. Sonst hätte er doch gewiss stärker darauf gedrängt, dass sie verhüteten.

An dem Tag, als der Schwangerschaftstest zwei Balken anzeigte, musste sie sich zusammenreißen, um nicht laut loszujubeln. Eigentlich wollte sie sich zunächst nichts anmerken lassen und eine günstige Gelegenheit abwarten, Kristoffer die Neuigkeit zu verkünden. Aber er sah ihr sofort an, dass etwas Großes passiert war. Und zu ihrer Erleichterung reagierte er unerwartet positiv. Er freute sich unverhohlen, obwohl er zugeben musste, auch ein bisschen Angst zu haben.

Jetzt müssen sie nur noch zusammenziehen, am besten sofort. Vielleicht können sie sich etwas in Josefins Nähe suchen, im Smedslätten? Aber dann müssen sie erst mal im Lotto gewinnen. Emma denkt an die Idylle, in der ihre Schwester lebt. Allem Anschein nach ein perfektes Leben – etwas, das sie ihr gern nachmachen möchte.

Kapitel 7

Das schmutzige Geschirr stapelt sich, und im Wohnzimmer liegt überall Spielzeug herum. Andreas spricht immer wieder davon, eine Putzfrau einzustellen, aber was würde das nutzen? Ein paar Staubmäuse weniger würden ihre Alltagsprobleme nicht lösen.

Josefin überlegt, was sie in ihren zweiundvierzig Jahren hier auf Erden zustande gebracht hat. Natürlich ist es toll, drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie groß genug sind, um auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn sie ausziehen, sind nur noch sie und Andreas übrig. Sie werden massenhaft Zeit für sich haben und sich etwas ausdenken müssen, um die Tage herumzubekommen. Diese Aussicht ist fast so erschreckend wie ihr Unzulänglichkeitsgefühl. Was könnten sie überhaupt gemeinsam Sinnvolles und Schönes machen?

Andreas kommt nach Hause und steckt den Kopf zur Küchentür herein. Die Furchen in seinem Gesicht werden mit jedem Tag tiefer, aber keine Altersanzeichen der Welt könnten etwas daran ändern, dass sie ihn liebt. Während viele in ihrem Bekanntenkreis bereits getrennte Wege gehen, ist ihre Ehe stabil.

Wie immer umarmt er sie, aber heute geschieht es ein wenig abwesend, als wäre er nicht ganz bei der Sache.

»Wie war dein Tag?«, fragt er. »Anstrengend?«

»Warum glaubst du das?«

»Du hast deinen Pullover verkehrt herum angezogen.«

Josefin stellt fest, das er recht hat. Das heißt also, dass sie mit der Innenseite nach außen im Kindergarten wie auch in der Schule und im Supermarkt aufgetaucht ist. Bestenfalls ist es als neuer