Über Peter Walther

Peter Walther, geboren 1965 in Berlin, studierte u. a. in Falladas Geburtsstadt Greifswald Germanistik und Kunstgeschichte, Promotion 1995 in Berlin. Zusammen mit Birgit Dahlke, Klaus Michael und Lutz Seiler gab er die Literaturzeitschrift »Moosbrand« heraus. Heute leitet er gemeinsam mit Hendrik Röder das Brandenburgische Literaturbüro. Er veröffentlichte zu Schriftstellern wie Johann Wolfgang Goethe, Peter Huchel und Thomas Mann und schreibt u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Informationen zum Buch

Hans Fallada:
Mit Größe am Leben gescheitert
Die umfassende Biographie

Populär war er schon immer, mittlerweile erkennt man seinen weltliterarischen Rang: Der Autor Hans Fallada wurde in den letzten Jahren noch einmal völlig neu entdeckt. Es ist Zeit, sich auch seiner Biographie neu zu nähern und das reiche, bislang unerschlossene Material auszuwerten. So schärfen sich selbst für den Kenner die Konturen und schließen sich die Lücken.

Hier der von seinen Dämonen bedrängte Künstler, Frauenheld, Opportunist, Ex-Sträfling und Morphinist, dort der respektierte Landwirt, liebende Familienvater, sich unter Lebensgefahr vom Alptraum des Dritten Reichs freischreibende Nazi-Gegner – die dramatische Biographie einer zerrissenen Persönlichkeit.

Mit zahlreichen neuen Archivfunden – von Peter Walther kenntnisreich und souverän erzählt.

»Eine rätselhafte, vielschichtige Gestalt – vielleicht war dieser ›Hans im Glück‹ stärker, als er selber wusste: reich in all seinem Unglück.« The New York Times

Peter Walther

Hans Fallada

Die Biographie

Inhaltsübersicht

Über Peter Walther

Informationen zum Buch

Vorspiel

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebtes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Fünfzehntes Kapitel

Sechzehntes Kapitel

Siebzehntes Kapitel

Achtzehntes Kapitel

Neunzehntes Kapitel

Zwanzigstes Kapitel

Einundzwanzigstes Kapitel

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Vierundzwanzigstes Kapitel

Fünfundzwanzigstes Kapitel

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Nachspiel

Anhang

Anmerkungen

Literatur

Chronik

Personenregister

Werkregister

Dank

Editorische Notiz

Bildteil

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

Impressum

Vorspiel

Etwas Feierliches liegt auf diesem Morgen – Schieß noch einmal! – Namen werden zu Schicksalen

Den späten Abend des 16. Oktobers 1911 verbringt Rudolf Ditzen allein auf seinem Zimmer. Es ist der letzte Tag der Herbstferien. Der 18-jährige Gymnasiast, der sich als Schriftsteller Hans Fallada nennen wird, ordnet allerhand Papiere und denkt: Was werden die Leute morgen sagen?

Die Stube des Schülers lag vier immer enger und steiler werdende Treppen hoch, in der obersten Spitze des Hausgiebels. Trat der Schüler an sein Fenster und der Tag war klar, so sah er über die Dächer der kleinen Stadt fort, über das mäßig weite Flußtal fort, über die sanften Laubhügel, die die andere Seite des Tals begrenzten, fort bis zu jenen schroffen Basaltfelsen mit ihren dunklen Tannen und Fichten, die »der Uhu« hießen.

Die Nacht ist kurz, nach kaum zwei Stunden Schlaf steht er gegen vier Uhr dreißig mit dem Gedanken auf: Natürlich, ich kann noch zurück. Er blättert in einem Buch mit Volksliedern, das er sich ein paar Tage zuvor gekauft hat, und liest Hofmannsthal, »Der Tor und der Tod«: Ich hab’ von all’ den lieben Lippen den wahren Trank des Lebens nie gesogen, die Straße einsam schluchzend bin ich nie gezogen. – Etwas Feierliches, so kommt es ihm vor, liegt auf diesem Morgen.

Eine Stunde später zieht sich Ditzen sein braunkariertes Jackett über und macht sich durch das morgendlich verschlafene Rudolstadt auf den Weg zum Haus des Freundes Hanns Dietrich von Necker. In seiner Rocktasche stecken Blätter mit Nietzsche-Gedichten, die er abgeschrieben hat. Es ist fünf Uhr und immer noch stockfinster. Angekommen am Haus der von Neckers, gibt er dem Freund ein Zeichen. Ditzen wartet, setzt sich auf eine Bank am Haus, zündet sich eine Zigarette an und lässt seine Gedanken wandern: Ist es nicht schade, all die kleinen Freuden aufzugeben? Aber sind es nicht nur halbe Freuden, wenn auf allem diese fremde, dunkle Schwere liegt, die ihn bedrückt? Und immer wieder dieses eine Wort, das er in seiner Tragweite gar nicht begreifen kann.

Als von Necker herunterkommt, sagt Ditzen: Ich glaube im einen Augenblick, das Zeug zu einem großen Dichter zu haben, im nächsten halte ich alles für Einbildung. Der Freund entgegnet: Aber schließlich würdest du doch dahin kommen, wo du jetzt hingehst, das sind alles nur Verzögerungen – auf einem Weg, den du doch gehen mußt.

Zur Abschreckung und um den gemeinsamen Vorsatz zu bestärken, erzählt von Necker die Geschichte von einem, der sich töten wollte, sich dann aber vom schlechten Wetter abhalten ließ. So legte er sich wieder ins Bett und wurde später ein braver Familienvater.

Während sie die Stadt hinter sich lassen und hinaufsteigen auf den Uhufelsen, reden sie über Seelenwanderung und das Leben nach dem Tod. Bei Sonnenaufgang sitzen beide lange schweigend nebeneinander und rauchen. Um sieben Uhr brechen sie auf, einen geeigneten Platz zu suchen. Sie finden eine Lichtung, aber es ist noch zu dunkel und zu verhangen, um gut zielen zu können. Sie sehen wortlos auf die Nebel, die unter ihnen im Tal liegen. Es sind Menschen, die in den Himmel greifen, sagt von Necker nach einer Weile, sie versuchen es, aber sie verschwinden.

Jeder raucht noch drei Zigaretten, dann machen sie sich von Jacke und Weste frei und hängen sie, jeder auf seiner Seite, ordentlich an die Bäume. Von Necker steckt sich in Höhe des Herzens eine Blume an, Ditzen eine rote Schleife, um das Ziel zu markieren. Sie laden die Waffen, die sie sich am Vortag ausgeliehen haben, um Spatzen zu schießen, von Necker zählt, sie gehen auseinander, und während der kurzsichtige Ditzen die Waffe auf seinen Freund richtet, geht es ihm durch den Kopf: Das ist ja Wahnsinn, daß du hier stehst!

Von Necker ruft herüber: Wir müssen schnell machen, wir werden sonst zu kalt. Sie drücken ab. – Sekunden vergehen, ehe das Echo verhallt, dann blicken sich beide starr ins Gesicht – sie stehen noch. Die Waffen werden neu geladen, Ditzen geht auf seinen Freund zu und entdeckt bei ihm unter der Achsel ein kleines Loch. Von Necker beginnt zu zittern, erregt sagt er: Das darf nicht wieder vorkommen, und kommandiert, kaum sind sie wieder in Position: »Feuer!«

Sie schießen erneut. Diesmal trifft Ditzen. Mit einem Schrei fällt von Necker nach hinten. Aber er ist noch am Leben. Schieß noch einmal, fleht er Ditzen an, doch der hat in der Erregung sein Tesching verloren. Er sieht den Revolver von Neckers im Gras liegen und feuert noch einmal aus nächster Nähe auf den Freund. Dann schießt er sich selbst zweimal in die Brust. Es wird dunkel, aber nach einer Weile kommt Ditzen wieder zu Bewusstsein und ruft nach Hilfe. Nichts passiert. Er versucht sich in die Schläfe zu schießen, doch der Revolver versagt. Am Ende ist es gleich, zwei Schüsse in die Brust – das überlebt niemand. Fallada! Nomen est omen, Namen werden zu Schicksalen. Eines Tages wirst du fallen und daliegen!

Erstes Kapitel

Die Freude war groß – Glied in einer unendlichen Kette – Glückskind und Pechvogel

»Am 21. Juli 1893 früh 8 Uhr wurde unser Rudolf geboren. Er war ein sehr kräftiges Kind, 6¾ Pf. schwer. Die Freude war groß, auch bei den Schwestern. Nur kam«, so fasst die Mutter ihre Sicht auf die Lebensbahn des Sohnes im Abstand eines halben Jahrhunderts zusammen, »leider viel Ungemach hinterher.« Der Greifswalder Landrichter Ditzen und seine Frau zeigen noch am gleichen Tag »ergebenst« die »glückliche Geburt eines gesunden Knaben« an. Getauft wird das Kind zwei Monate später.

Es ist der ersehnte erste Sohn nach zwei Mädchen, zweieinhalb Jahre danach folgt ein Bruder, damit ist die Familie komplett. Bei allen Unfällen, Bedrohungen und Rückschlägen, die er in seiner Kindheit und Jugend erleiden wird – in diese Familie hineingeboren zu sein macht Rudolf Ditzen zum Glückskind. Die Eltern führen eine harmonische Ehe, die berufliche Stellung des Vaters sichert ihnen ein materiell sorgenfreies Dasein.

Wilhelm Ditzen, Rudolfs Vater, ist ein bemerkenswerter Mann: Er vereint Intelligenz, Pflichtgefühl, Sparsamkeit und Genauigkeit bis zur Pedanterie mit Güte, Ironie, Bescheidenheit und einem breiten Interesse für die musischen Seiten des Lebens. Seine Vorfahren stammen aus Ostfriesland, zumeist waren es Verwaltungsbeamte, Juristen, Ärzte, Apotheker oder Geistliche. Bis ins späte 16. Jahrhundert lässt sich die Familie zurückverfolgen.

Auf einem Foto, das den pensionierten Reichsgerichtsrat Wilhelm Ditzen 1936, im Jahr vor seinem Tod, am Flügel in der Leipziger Wohnung zeigt, sieht man ein Gemälde mit dem um 1590 geborenen Ahnen Johann Volrad Kettler. Über die eigene familiäre Herkunft zu reden und die mitunter verwickelten Verwandtschaftsverhältnisse zu erörtern gehört auch bei Ditzens zum bürgerlichen Selbstverständnis. Rudolf Ditzen hat als Hans Fallada eine Szene beschrieben, wie sie sich so oder ähnlich zugetragen haben könnte:

Vater hatte einen starken Familiensinn und erwartete von uns Kindern, daß wir uns genau wie er mit Interesse, Ehrfurcht und Liebe der Kenntnis unserer weitverzweigten Verwandtschaft widmeten […].

Fragte Vater mich: »Hans, wie sind wir mit Tante Wike verwandt?«, so erinnerte ich mich vielleicht dunkel, von Tante Wike gehört zu haben, mußte aber bekennen, ohne jede Ahnung zu sein, wie es mit der Berechtigung ihrer Tanten-Ansprüche aussah.

Dann sagte Vater geduldig: »Hans, paß doch nur einmal auf! Es ist ganz einfach. Deine Urgroßmutter und Tante Wikes Mutter waren rechte Kusinen, es ist also ein Verwandtschaftsverhältnis welchen Grades? Aufsteigend oder absteigend?«

Ich verharrte in muffigem Schweigen. Hätte Vater mich aber gefragt: »Du erinnerst dich doch an die Tante mit den weißen Handschuhen?«, so hätte ich sofort Bescheid gewußt.

Die genealogischen Spitzfindigkeiten des Vaters werden den Sohn in seiner Kindheit wenig berührt haben. Doch Jahrzehnte später schreibt er in einem Brief an seine Eltern: »Jetzt, wo ich selber Kinder habe, empfinde ich sehr, daß ich nur ein Glied in einer unendlichen Kette bin, und daß es gut ist, von dieser Kette zu wissen, Merkmale von ihr zu besitzen und eines Tages weitergeben zu können.« Ein Leben lang wird Rudolf von der Familie profitieren, von der Liebe, Geduld und Großzügigkeit der Eltern, vom Altruismus seiner Tante Ada und dem Verständnis seiner Schwestern. In Zeiten, da es ihm gutgeht, kann er vieles davon zurückgeben, auch materiell. Er wird sich auf Reisen für die Spuren der Ahnen interessieren und widmet ihnen Porträts in seinen Büchern.

Zu den prägenden Vorfahren in der väterlichen Linie gehört Rudolfs Urgroßvater Cirk Stürenburg. Er amtiert in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Präsident der ostfriesischen Anwaltskammer, gründet ein landwirtschaftliches Mustergut, ist mit Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy befreundet, leitet in Aurich den Bach-Verein und veröffentlicht nach über zwanzig Jahren Recherche 1857 ein ostfriesisches Wörterbuch. Für die Verbindung prosaischer Interessen mit künstlerischen Neigungen, wie sie auch im Elternhaus von Rudolf gelebt wird, gibt er das Urbild ab. Als konservativer Jurist hat Cirk Stürenburg gegen viele Widerstände und trotz konträrer politischer Grundhaltungen einen Schriftsteller unterstützt, der sich als Parteigänger der 1848er Revolution hervortat – auch politische Liberalität gehört zum Erbteil der Familie.

Sein Schwiegersohn wird Wilhelm Albert Ditzen, der die Geburt seines Enkels Rudolf noch erlebt. Er stirbt wenige Monate später, im Dezember 1893. Rudolfs ältere Schwester hat noch Erinnerungen an den Großvater, den damals 82-jährigen hannöverschen Kronanwalt im Ruhestand: Er war »ungeheuer rücksichtsvoll und schrecklich höflich, er stand immer auf, wenn ein weibliches Wesen sein Zimmer betrat, das erstreckte sich sogar auf seine vierjährige Enkelin, so daß ihm mein Besuch schließlich sehr anstrengend wurde, da ich immer wieder zu ihm hinein wollte«.

Von der Seite der Mutter stammen Rudolfs Vorfahren aus dem Vorharz, aus Clausthal und Celle. »Im mütterlichen Stamm«, heißt es bei Fallada, überwiegt »das Pastörliche«, aber es gab auch Juristen und Beamte. Sie wirkten in den Städten der weiteren Region, in Hannover, Uelzen und Lüneburg. Es wird Wert auf eine gute Ausbildung der Kinder und auf Familiensinn gelegt. Bei den Frauen, deren Talente und Bildungsinteressen in der Familienüberlieferung bezeugt sind, ist das hohe Alter auffällig: Rudolfs Ururgroßmutter stirbt 1865 im für damalige Verhältnisse biblischen Alter von 93 Jahren, seine Urgroßmutter wird 92, die Großmutter 93, die Mutter Rudolfs, die zwei Weltkriege erlebt, 83 und seine Schwester Elisabeth 90.

Großmutter Charlotte, die sechs Jahre nach Goethes Tod geboren wird – das Aufregendste ist für sie ihre erste Begegnung mit der Eisenbahn – und die im hohen Alter noch die ersten schriftstellerischen Erfolge ihres Enkels erlebt, heiratet 1862 Emil Lorenz. Die Entscheidung für den Geistlichen hat auch Konsequenzen für ihre äußere Erscheinung: »Mit meinem künftigen Beruf als Pastorin fand ich es nicht passend, eine hohe Frisur, à la Wahnsinn, zu tragen; den glatten Scheitel fand ich richtiger, so habe ich ihn behalten bis auf den heutigen Tag.« Zehn Jahre später stirbt Lorenz an Tuberkulose. Er ist zuletzt Gefängnispfarrer in Lüneburg und kümmert sich hier mit großer Hingabe um die Belange der Gefangenen. »Nach seinem Tode baten [die Insassen] einmütig […], von ihren Ersparnissen soviel hergeben zu dürfen, daß ihr lieber Pastor ein schönes Kreuz auf sein Grab bekäme. Diese Bitte, die weitergegeben wurde an die Regierung, ist nicht bewilligt worden. Es hieß, ›Ersparnisse der Sträflinge dürfen nicht in dieser Weise verwendet werden‹.« Fallada hat seinem Großvater in »Jeder stirbt für sich allein« als »Pastor Lorenz« ein literarisches Denkmal gesetzt, mit dem das Andenken an den aufopferungsvollen Pfarrer wohl länger lebendig bleibt, als es das (nie aufgestellte) Kreuz vermocht hätte.

Die Witwe des Pastors, die eine bescheidene Pension bezieht, ist nun, 1872, allein mit fünf Kindern. Elisabeth, Rudolfs spätere Mutter, wird vierjährig in den Haushalt von Verwandten nach Uelzen gegeben, wo sie in materiell gesicherten, aber seelisch bedrückenden Verhältnissen aufwächst. Einmal im Jahr darf sie für 14 Tage ihre Mutter und die Geschwister besuchen. Tante und Onkel haben zwar keine eigenen Kinder, dafür aber eigene Vorstellungen von Erziehung, die auf Strenge, Ordnung und Ruhe hinauslaufen. Andere Kinder im Haus sind nicht erwünscht. Elisabeth fällt es schwer, Freundinnen zu gewinnen, sie sucht Trost in der Literatur: »Kein Buch war sicher vor mir. Meine Pflegeeltern ahnten nicht, wie eifrig ich in all den Klassikern las, die als ältere Bücher auf den Schreibtisch in meinem Zimmer verbannt waren […]. Ich durfte offiziell nur in Jugendbüchern, z.B. Töchteralben lesen. Wenn etwas von Verloben oder Heiraten vorkam, wurde mir das Buch streng verboten.«

Fallada hat es sich nicht entgehen lassen, die wenig freudvolle Kindheit seiner Mutter mit großer Lust an der Übertreibung auszumalen. Er nimmt dabei vor allem an dem Pflegevater, der in dem Buch »Damals bei uns daheim« als skurriler Advokat »Onkel Pfeifer« auftritt, literarisch Rache: »Er war nachtragend auf Jahre hinaus – verachtete aber andere, die nicht sofort bereit waren, zu vergeben und zu vergessen. Er hielt die Italiener für ein entartetes Volk, weil sie Tomaten aßen und noch dazu roh! Er war der Ansicht, daß Stiefeletten mit Gummizug die einzige anständige Fußbekleidung für Herren seien – kurz, er war ein Menschenalter hindurch nicht aus seinem verschollenen Städtchen herausgekommen. Er war der Nabel der Welt, leider ein zur Entzündung neigender Nabel.«

Wie viel auch der Fabulierlust Falladas geschuldet sein mag, einfach wird das Leben seiner Mutter bei den Pflegeeltern nicht gewesen sein, wie aus ihren eigenen Aufzeichnungen hervorgeht: »An zwei besondere Ereignisse an Weihnachtsabenden erinnere ich mich noch. Es wurde mir mitgeteilt, daß die Rute verbrannt werden sollte, da ich ein artiges Kind gewesen wäre. Sie wurde hinter dem Spiegel hervorgeholt, ich mußte mit Onkel und Tante einen Ringelreihen tanzen, wobei irgendetwas Selbstverfaßtes von ihnen gesungen wurde, und dann wurde die Rute in den Ofen gesteckt und verbrannt. Ich weiß, daß ich mich schrecklich schämte.«

Manchmal finden die Zieheltern, Elisabeth ginge die Treppe »zu schnell und geräuschvoll. Dann mußte ich sie noch ein bis zwei Mal ruhig auf- und abgehen.« Zugute kommt ihr die Gabe, »sich an kleinen Dingen zu freuen«, die sie von der Mutter geerbt hat, und die »Ruhe«, ein Erbteil des Vaters. 1883 wird die 15-Jährige für ein Jahr nach Frankfurt am Main zu Verwandten gegeben, wo sie ihren Horizont erweitern soll: »Ich hatte mich wirklich nicht ungeschickt in die Großstadt gefunden, aber im Herzen blieb ich eine Kleinstädterin«, rekapituliert sie in ihren Erinnerungen. Zurück in Uelzen, lernt sie ihren späteren Mann kennen.

Seine Laufbahn als Jurist hat Wilhelm Ditzen nach Uelzen verschlagen, wo er als Amtsrichter tätig ist. »Mein Vater war mit Leidenschaft nur eines, nämlich Jurist«, schreibt Fallada. »Der Richterberuf schien ihm einer der edelsten und verantwortungsvollsten von allen. Schon sein Vater war Jurist gewesen und vor ihm der Vater seines Vaters und so fort; so weit Gedächtnis der Familie und Überlieferung reichten, war immer der älteste Sohn in unserer Familie ein Jurist gewesen.« Wilhelm Ditzen absolviert einen beeindruckenden Bildungsgang. Er besucht ab 1867 das preußische Elitegymnasium Schulpforta – drei Jahre zuvor hatte Friedrich Nietzsche hier seine Reifeprüfung abgelegt –, wo er wegen seiner guten Leistungen von der schriftlichen Abiturprüfung befreit wird. Man attestiert ihm, ein »durch sittliche Tüchtigkeit und wissenschaftliches Streben recht erfreulicher Schüler« gewesen zu sein, ein Lob, für das es in dieser Zeit kaum eine Steigerungsform gibt.

Zu den Schulfreunden jener Jahre gehören Fritz Daneel, der ihn in seinen musikalischen Interessen bestärkt, und Theobald von Bethmann Hollweg. Ditzen und Bethmann Hollweg, der spätere Reichskanzler (1909–1917), verbindet ein unverbrauchtes Einverständnis mit der aufstrebenden Idee der Reichseinigung. Sie feiern die Kapitulation von Paris 1871: »Bethmann schlug vor: am Sonntag gehen wir nach Naumburg, um im Ratskeller eine gute Flasche zu trinken. […] Wir hatten uns in unserem patriotischen Übergefühle zusammen zwei ganze Flaschen – Etikette: Liebfrauenmilch! – geleistet und auf dem Rückwege bei scharfem Frost traben müssen, um rechtzeitig wieder zur Stelle zu sein.« Nur mit Glück entgehen sie der Relegation. Der Stubenkamerad Daneel steht mit Ditzen lebenslang in freundschaftlicher Verbindung, während die späteren Kontakte zu Bethmann Hollweg sporadisch bleiben. Einmal besucht der frisch ernannte Reichskanzler den gerade zum Reichsgerichtsrat berufenen einstigen Schulfreund in Leipzig. Der hohe Herr macht keinen großen Eindruck auf den jungen Rudolf. Fallada erinnert sich: »Weder trug er eine Uniform, noch hatte er seine Orden und Abzeichen angelegt, sondern er war bloß mit einem schlicht bürgerlichen ›Pfeffer-und-Salz‹-Anzug bekleidet, in dem er noch dazu durch seine ungewöhnliche Länge und Magerkeit schlaksig wirkte.«

Mit den ausgezeichneten Referenzen aus Schulpforta nimmt Ditzen ein Jurastudium in Leipzig auf, wechselt von hier nach München und Göttingen und beginnt seine juristische Laufbahn anschließend mit Referendariaten in verschiedenen kleineren Orten. Als 1879 das Reichsgericht in Leipzig installiert wird, verinnerlicht er sein Karriereziel: Jeder junge Jurist müsse sich »als Ziel seines Lebens vorsetzen: ich will Reichsgerichtsrat werden«. Der ehrgeizige Plan führt ihn 1886 nach Uelzen. Hier lernt Ditzen die sechzehn Jahre jüngere Elisabeth Lorenz kennen, die er aus ihrem freudlosen Dasein bei den Pflegeeltern befreit. Sehr viel später, nach Jahrzehnten glücklicher Ehe, konstatiert er mit der Nüchternheit des Juristen: »Wir haben, bis wir am 27. September 1887 in Uelzen getraut wurden, keinen Roman erlebt. Alles ist gutbürgerlich hergegangen.«

Der Sohn findet herzlichere Worte für das Verhältnis der Eltern zueinander: »Vater nahm Mutter und führte sie aus der Enge in die Weite. Sie, die stets für andere hatte da sein müssen, die nie etwas Eigenes hatte sein und besitzen dürfen, lehrte er, ein Mensch zu werden. Er hatte nie Launen, er wurde selten ungeduldig. Zu Anfang wollte der Haushalt gar nicht recht gehen, Mutter konnte nicht selbständig arbeiten, sie wagte nie, einem Mädchen ein Wort zu sagen … Aber Vater machte ihr Mut, er half ihr, er tröstete sie, er lobte sie, er lächelte über Mißgeschicke, er tadelte nie … Er machte einen Menschen aus Mutter, aus ihr, die fast ein Automat geworden wäre …«

Uelzen, wo 1888 und 1890 Rudolfs ältere Schwestern Elisabeth und Margarete zur Welt kommen, wird dem jungen Paar bald zu eng. Der familiären Aufsicht durch die Pflegeeltern der Mutter und den beruflichen Konflikten, die sich durch die gleiche Profession von Pflegevater und Schwiegersohn ergeben, entziehen sich die Ditzens durch die Versetzung Wilhelms ins oberschlesische Beuthen. Dort, am Rand des Reichs, wirkt der Vater für zweieinhalb Jahre als Landrichter, bevor er, wiederum auf eigenen Wunsch, 1893 in die vorpommersche Universitätsstadt Greifswald kommt. Bis 1899, bis zum nächsten Karriereschritt des Vaters, wird die Familie hier leben und zweimal innerhalb der Stadt umziehen.

»Ich bin in der seinerzeit durch ihre Theologische Fakultät und besonders eifriges Biertrinken ihrer Studenten berühmten Universitätsstadt Greifswald geboren. Allerdings gerate ich noch heute in eine gewisse Erregung, wenn man mich als Pommern anspricht«, schreibt Fallada. Die Mutter erinnert sich an die ersten Jahre mit Rudolf: »Er lernte sehr viel später gehen, auch sprechen, immerhin noch eher als später sein Bruder Uli. Zuerst war er auch nicht eigentlich fröhlich, aber nach und nach wurde er sehr lebhaft. Die große Vorliebe für Bücher teilte er bald mit seiner Schwester Elisabeth. Setzte ich ihn in seinen Kinderstuhl, hieß es sofort: ›Vorlesen‹, und meist ›Mackerohr vorlesen‹. Das war Max und Moritz. Bald konnte er es fast auswendig. […] Eine große Rolle spielte bei ihm in den ersten Jahren das Essen. Saßen wir beim Frühstück, lief er um den Tisch herum und bettelte: ›Semmel, Butter, Fleisch.‹ Dem Onkel Karbe sah er einmal ängstlich beim Essen zu und sagte kläglich: ›Onge alles aufessen.‹«

In den Greifswalder Jahren fährt die Familie jährlich zur ausgedehnten Sommerfrische an die Ostsee, häufig nach Zinnowitz. Das Leben spielt sich überhaupt auf einem gehobenen Niveau ab. Die Eltern unternehmen Reisen in die Schweiz, nach Österreich und Italien. Aus dieser Zeit datiert auch der Brauch der beiden, jeden Abend eine ganze Stunde lang vierhändig Klavier zu spielen. Die Kinder langweilen sich dabei zumeist oder machen heimlich Hausaufgaben. Danach liest der Vater der Familie vor. Er liebt die kleinen Plaudereien, aus allem macht er eine Geschichte, seine literarischen Hausgötter sind Jean Paul, Wilhelm Raabe und Theodor Fontane, auch hat er eine Vorliebe für Heinrich Seidel, den »Behaglichkeitsphilosophen der kleinen Leute«. In späteren Jahren wird der Vater den Kindern Walter Scott, Max Eyth und Gustav Freytag vorlesen, häufig bis zehn Uhr abends. Die Zeit bis ein Uhr nachts widmet Wilhelm Ditzen dem Aktenstudium und der Prozessvorbereitung.

Rudolf selbst hat an die Zeit in Greifswald »kaum noch Erinnerungen. Einige Plätze, wo ich wohl viel gespielt habe, kann ich mir noch so ungefähr vorstellen, an Personen erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Doch wird mir erzählt, daß ich schon damals sehr still und schüchtern war«, heißt es in einem Lebenslauf, den er 1911 auf Verlangen des Klinikdirektors in Jena verfasst hat. Ungern sehen die Eltern, was sie als Beschäftigung für einen Jungen für unangebracht halten: »Ich habe mit nichts so gerne und so leidenschaftlich gespielt als mit Puppen. Allerdings, richtige Puppen hatte ich nicht. Meine Eltern wollten nicht, daß ich die bekäme, so habe ich lange eigentlich nur mit Osterhasen aus Schokolade und Papier-Maché gespielt.«

Vieles von dem, was er in seiner Familie erlebt und was ihm von Eltern und Geschwistern erzählt wird, fließt in späteren Jahren in die Bücher von Hans Fallada ein. Aber so wie die Erinnerung eigene Wege geht und Selbsterlebtes sich häufig mit später Erzähltem vermengt, so folgen auch Familienanekdoten in Büchern wie »Damals bei uns daheim« oder »Heute bei uns zu Haus« literarischen Gesetzen, die vor der verbürgten Überlieferung nicht haltmachen. Nicht nur Namen, sondern auch zeitliche Abläufe und die Charakterisierung von Personen werden von den inneren Zwängen der Kunstform und nicht selten von unbewussten Entscheidungen regiert, die aus dem Erinnerungsmaterial erst Literatur werden lassen. Dennoch ist Fallada der Idealtypus des Schriftstellers, der nicht erfindet, sondern findet. Viele von ihm geschilderten Episoden tauchen in gleicher Gestalt in seinen Romanen, in Selbstauskünften für die Öffentlichkeit, in Aufzeichnungen von Verwandten und im Briefwechsel auf.

Für seine frühen Jahren zeichnet sich ein Muster ab, in dem sich Rudolf und die Familie einzurichten versuchen: »Ich bin ein tüchtiger Pechvogel gewesen, der jede Treppe hinunterfiel, sich Mühlsteine auf die Finger warf, unter galoppierende Pferde sich legte, immer auf der Schule erwischt wurde, wenn er mal mogelte.« Bis zu seinem 16. Lebensjahr, erinnert sich die Mutter, sei er wenigstens einmal im Jahr lebensgefährlich erkrankt gewesen. Die Kette der kleineren und größeren Unfälle reicht zurück bis in die Greifswalder Zeit: »Rudolf steckte immer voll von Plänen. In einem Jahr wollte er seinen Vater mit einem abendlichen Feuerwerk überraschen. Er verfertigte sogar mit den Geschwistern Bänke für die Zuschauer und verbrauchte dazu sämtliche Nägel unseres Hauswirts. Das ist das einzige Mal gewesen, daß ich unseren guten Bauern Beyer böse gesehen habe, sonst hatten sie alle eine Engelsgeduld mit den Jungen. Das Feuerwerk mißlang nun aber leider, ein Feuerwerkskörper verletzte meinen Mann ziemlich heftig an der Hand. Da war alle Freude vorbei, und Rudolf hatte es sich doch so schön ausgedacht.«

Wilhelm Ditzen ist in diesen Jahren häufig krank, zeitlebens quälen ihn Magenprobleme. Im Sommer 1897 nimmt er eine Auszeit vom Alltag und reist nach Schleswig-Holstein, um seinem Idol Bismarck einmal persönlich zu begegnen: »Er fuhr vor dem Tore des Friedrichsruher Schlosses in seinem offenen Wagen ganz langsam an mir vorbei, so daß ich ihm in die Augen schauen konnte. Eine unvergeßliche Minute!« Bei Gericht in Greifswald hat er es mit der ganzen Bandbreite von Fällen zu tun, mit Beleidigung, Notzucht, Totschlag und Kindsmord. In kurzer Zeit erwirbt er sich hohes Ansehen und wird zum Landgerichtsrat berufen, er publiziert in juristischen Fachzeitschriften, die Universität trägt ihm eine Professur für Strafrecht an. Aber Wilhelm Ditzen hat andere Pläne. Von Juni bis September arbeitet er in Berlin in einer juristischen Fachkommission mit. Es geht um Fragen, die mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu Neujahr 1900 zusammenhängen. Für die ausgebliebene Sommerfrische belohnen sich die Eheleute mit einem Italienurlaub – ohne Kinder. Zurück in Greifswald, erhält Ditzen die Berufung an das höchste preußische Gericht. Nach nicht ganz sechs Jahren endet die nach dem Zeugnis der Mutter glücklichste Zeit der Eltern, und der Umzug nach Berlin steht an.

Zweites Kapitel

Sieben Zimmer in Schöneberg – Dich wollen wir schon zurechtkriegen – Geflickte Hosen und Fransenfrisur – Die ersten Gedichte – Immer wiederkehrende fixe Ideen – Nichts dauerte in mir

Zwei Jahre nach dem Sieg über Frankreich, den Wilhelm Ditzen gemeinsam mit seinem Jugendfreund Theobald von Bethmann Hollweg feuchtfröhlich gefeiert hatte, formuliert Nietzsche 1873 in seinen »Unzeitgemäßen Betrachtungen« die Ahnung, der gerade errungene Sieg könne sich »in eine völlige Niederlage […] verwandeln: in die Niederlage, ja Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des ›deutschen Reiches‹«. Als sich diese Befürchtung mehr als vier Jahrzehnte später bewahrheitet, ist es der Reichskanzler Bethmann Hollweg, der im Juli 1914 vor dem großen Abenteuer warnt, vorm »Sprung ins Dunkle«, zu dem die Sattgewordenen – beileibe nicht nur in Deutschland – scheinbar bedenkenlos ansetzen.

Um 1900 ist von alledem wenig zu spüren. Für die Ditzens und die meisten ihrer bürgerlichen Zeitgenossen gibt es in materieller und gesellschaftlicher Hinsicht nur eine Richtung: Es geht aufwärts. Mit Wirkung vom 1. April 1899 wird Wilhelm Ditzen als Kammergerichtsrat an den 1. Strafsenat in Berlin berufen. Wenige Wochen später bezieht die Familie eine Sieben-Zimmer-Wohnung in der Luitpoldstraße in Schöneberg. In dieser Gegend wohnen vor allem hohe Beamte, Ärzte und Rechtsanwälte. Südlich der Luitpoldstraße entsteht in den Berliner Jahren der Ditzens das Bayerische Viertel. Schöneberg bleibt bis 1920 zwar eigenständige Stadt, aber die Straßen gehen nahtlos über in die Reichshauptstadt.

Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg sind eine Zeit deutscher Prädominanz in Europa, und Europa bedeutet auch im späten 19. Jahrhundert noch die Welt. Führend ist Deutschland nicht nur auf vielen Gebieten der Wissenschaft, auch in der Literatur, Kunst, Philosophie, vor allem aber in der Musik gehen entscheidende Impulse von hier aus. Zugleich wird begierig alles aufgesogen, was aus Frankreich, England und Italien kommt. Deutschland ist in dieser Zeit wie ein hochbegabtes, zu schnell gewachsenes Kind, ungeschickt in seinen Beziehungen zu den Nachbarn, mal vorlaut und säbelrasselnd, mal voll gekünstelter Demut und Bescheidenheit, besonders im Verhältnis zu den »britischen Vettern«, mit denen es eine neurotische Hassliebe verbindet.

Bethmann Hollweg, der lange Jahre zum engen Kreis des Kaisers gehört, sieht in Wilhelm II. an der Spitze des Reichs den treffenden Ausdruck für diese Gemengelage. Alle Gegensätze, die auch das Land zu jener Zeit prägen, sind in der Person des Kaisers vereint: offen gegenüber dem technischen Fortschritt und zugleich beseelt vom Gottesgnadentum seiner Regentschaft und der entsprechenden Institutionen, breit und solide gebildet, doch häufig unbedacht und sprunghaft in seinen Worten und Handlungen. Hinter seinem operettenhaften Auftreten und den rhetorischen Eskapaden versteckt er eine tiefe persönliche Unsicherheit. Dem Kaiser – wie auch dem Land – fehlt das Gewicht der Mitte.

Und dennoch ist die »Welt von gestern« so finster und lächerlich nicht, wie sie Heinrich Mann in seiner Karikatur der wilhelminischen Lebenswelt vor dem Ersten Weltkrieg, im »Untertan«, schildert. Es gibt Licht und Schatten: auf der einen Seite ein parlamentarisches System mit einer starken Sozialdemokratie und eine funktionierende Gewaltenteilung, zugleich aber das preußische Dreiklassenwahlrecht, das die politische Beteiligung ärmerer Schichten in einem großen Teil des Reichs erschwert und Frauen generell ausschließt. Es gibt ein leistungsfähiges Schul- und Universitätssystem, aber Bildungsinhalte und -methoden, die zunehmend hinter der sozialen Entwicklung zurückbleiben.

Das Rechtssystem allerdings muss den Vergleich mit anderen europäischen Ländern nicht scheuen. Am 1. Januar 1900 tritt als »Jahrhundertwerk« das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft. Es vereinheitlicht Gesetze aus über hundert Rechtsregionen des Deutschen Reichs. Die Mitarbeit an der Einführung des BGB gibt Wilhelm Ditzen im Sommer 1898 in Berlin Gelegenheit, seine Karriere einen weiteren Schritt voranzubringen. Materielle Sorgen kennt die Familie nicht, 5400 Mark Jahresgehalt erhält der Vater als Kammergerichtsrat. Das allein hätte, wenn auch bei sparsamer Lebensführung, für den standesgemäßen Unterhalt eines Haushalts mit vier Kindern und mehreren Hausangestellten ausgereicht. Für zusätzliche Entspannung sorgt das Erbe, das der Familie über den Vater Wilhelm Ditzens zukommt: Es sind mehr als 108000 Mark, nach heutigem Wert ca. 1,8 Millionen Euro. Die Sparsamkeit, einmal auf dem harten Weg nach oben verinnerlicht, wird in der Familie dennoch nicht abgelegt. Schon bald nach seiner Einschulung in die Vorschule im Oktober 1899 wird Rudolf mit den Folgen dieser Mentalität zu kämpfen haben.

»Es kam als nächstgelegene Schule nur das Prinz-Heinrich-Gymnasium in Schöneberg in Frage«, erinnert sich die Mutter. »Die Schule galt als sehr gut, der Direktor als nicht liebenswürdiger Tyrann. Ich mußte mich mit Rudolf ihm vorstellen. Rudolf war unterrichtet, wie er sich benehmen mußte, aber als wir vor dem Gestrengen standen, war alles vergessen. Rudolf war ganz scheu, hatte die Hände in den Hosentaschen, antwortete nur, was unbedingt nötig war. Der Direktor sagte böse: ›Dich wollen wir schon zurechtkriegen.‹« Seine neue Umgebung reagiert ablehnend auf den Jungen. Er wird, mit vielfach geflickten Hosen und einer Fransenfrisur, die dem Faible der Mutter für das lange blonde Haar des Sohnes geschuldet ist, bald Gegenstand des Spotts von Mitschülern und Lehrern.

Vier Jahrzehnte später werden Fallada die zahlreichen Demütigungen seiner Grundschulzeit zum literarischen Stoff. Besonders zu leiden hat der Schüler unter dem Lateinlehrer: »Sobald er mich nur aufrief, fing ich an zu heulen. Ich machte überhaupt nicht mehr den Versuch, eine seiner Fragen zu beantworten. Er würde mich doch über kurz oder lang zum Heulen bringen, also heulte ich lieber gleich los. Dies kam so weit, daß die Klasse vor der Lateinstunde Wetten abschloß, ob ich heulen würde oder nicht.« Kaum angenehmer fällt die Erinnerung an den Deutschlehrer aus, dem es die Frisur des Schülers angetan hat: »Die ganze Unterrichtsstunde hindurch waren seine Finger nur damit beschäftigt, aus den Fransen Zöpfchen zu drehen, kleine, sehr feste, steif von der Stirn abstehende Zöpfchen. Das hatte wohl den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß Herr Gräber mich nie nach etwas fragte. Für die Deutschstunde war ich stets aufgabenfrei und bekam doch eine gute Zensur. Aber wenn Herr Gräber mich dann beim Schluß der Unterrichtsstunde aufforderte, mich zu erheben, und meinen Anblick der Klasse darbot, wenn dann die unausbleibliche Lachsalve losbrach, so hätte ich lieber eine Fünf statt dieser Heiterkeit hingenommen.«

Die Furcht vor Lehrern und Mitschülern, die Unlust, in die Schule zu gehen, prägt den Alltag des Kindes: »Ich sehe mich da noch stehen, blaß, kränklich, verzweifelt, in meinem Mauerwinkel. Die ganze Penne freute sich ihrer Freiviertelstunde, mir war sie eine Qual.« Den Eltern möchte sich Rudolf nicht anvertrauen, er schließt sich immer mehr ab und flüchtet sich in Lektüre. Es entstehen seine ersten Gedichte, die er aber gleich wieder verbrennt. Frühmorgens, bereits als Schüler hat er einen schlechten Schlaf und ist häufig schon gegen vier Uhr wach, schleicht er sich in das Arbeitszimmer des Vaters und liest »wahllos alles durcheinander«: Scott, Swift, Balzac, Tolstoi. Auch die Akten des Kammergerichtsrats bleiben vom Lesehunger des Jungen nicht verschont: »Aber mich interessierte nicht so sehr das Juristische wie das Menschliche in ihnen. Mit klopfendem Herzen las ich die Vernehmungsprotokolle des Untersuchungsrichters, eines nach dem andern, in denen der Beschuldigte leugnet, Ausflüchte macht, seine Unschuld beteuert. Bis dann schließlich in einem Protokoll, meist ganz überraschend, das Geständnis der Wahrheit hervorbricht, noch eingeschränkt durch Entschuldigungen, von Lügen verbrämt, aber doch endlich die Wahrheit –!«

Auf den demütigenden Schulalltag reagiert Rudolf mit Krankheiten. Beinahe in jedem Jahr bleibt er für mehrere Wochen zu Hause, einmal wegen einer Blinddarmentzündung, im Jahr darauf wegen einer langwierigen Darmentzündung, die ihn ein Vierteljahr die Schule versäumen lässt. Nach seiner Genesung eskaliert die Situation: »Der Lateinlehrer Marcetus haßte Rudolf geradezu«, erinnert sich die Mutter, »und so erklärte er eines Morgens zu unserem Entsetzen, er ginge nicht mehr in diese Schule, der Lehrer quäle ihn, er könnte nicht mitkommen und er wollte in eine andere Schule.« Rudolf stiftet einen Freund zum gemeinsamen Ausbruch an. Man möchte nach Hamburg fliehen und von dort in die weite Welt. Um die Reise zu finanzieren, stiehlt er Geld aus dem Arbeitszimmer des Vaters. Die Sache fliegt auf, und der Vater stellt ihn zur Rede: »[…] du mußt jetzt deiner Mutter und mir erzählen, wie unser Junge zu etwas Derartigem kommen konnte. Du hast ja einen Diebstahl begangen, einen schweren Diebstahl sogar, du kennst doch die Unterscheidungen!«

Den Eltern fällt es zunehmend schwer, sich einen Reim zu machen auf das Gebaren dieses verschlossenen Kindes. Schon der Sechsjährige, in der Küche darüber belehrt, es werde eine Pute zubereitet, besteht beharrlich und noch bei Tisch darauf, es handle sich um eine Taube. »Ähnliche Sachen kamen mehr vor, so daß wir ihn für beschränkt hielten«, schreibt der Vater in seinen Erinnerungen. Bei allem guten Willen und der liebenden Geduld, die Elisabeth und Wilhelm Ditzen ihrem schwierigen Sohn gegenüber aufbringen – es sind die Zeiten nicht, in denen Eltern ein weitreichendes Verständnis für die Psychologie des Kindes entwickeln. Was der Kammergerichtsrat jedoch im Gespräch mit dem Lateinlehrer über seinen Sohn zu hören bekommt, geht ihm zu weit, es rührt an seine Vaterehre: »Dieses ewige Heulen«, so der Lehrer, »diese Unfähigkeit, auch die einfachsten lateinischen Formeln zu erlernen, scheinen mir auf einen leichten Schwachsinn zu deuten.« Man trennt sich im Unfrieden, und Rudolf wird 1906 auf das Bismarck-Gymnasium nach Wilmersdorf umgeschult.

In diese Zeit fällt eine Szene, von der Fallada im Rückblick auf die Berliner Jahre in »Damals bei uns daheim« erzählt. Gemeinsam mit einem Freund pilgert er unerlaubterweise von Schöneberg »bis zum Alexanderplatz, von wo uns der Zufall in das Scheunenviertel trieb. Diese Unterwelt, die wir hier betraten, erregte unser lebhaftes Staunen, von diesem Berlin hatten wir noch nichts gesehen. Das ganze Leben seiner Bewohner schien sich auf der Straße abzuspielen, alles stand dort herum, in den unglaublichsten Aufzügen, schnatterte, stritt miteinander … Jüdische Händler im Kaftan mit langen, schmierigen, gedrehten Löckchen, Kleider über dem Arm, strichen durch die Menge und flüsterten bald hier, bald dort Anpreisungen. Vor einem Kellereingang saß ein dickes, schmieriges Weib, hatte den Kopf eines jaulenden Pudels zwischen die Beine geklemmt und schor ihm mit einer Art Rasenschere den Hinterteil.«

Ohnehin schon zu spät, machen sie sich auf zur Straßenbahn. »Als ich diese Elektrische näher kommen gesehen hatte, die nicht so aussah wie ›unsere‹ im Westen […], da war mir im selben Augenblick eine Notiz in der Zeitung eingefallen, die ich vor ein oder zwei Tagen gelesen hatte. Irgendwo in Berlins Osten oder Norden war eine Elektrische in Brand geraten, es hatte einen Toten und mehrere Schwerverletzte gegeben. Und nun plötzlich, beim Heranfahren dieses Wagens, war ich blitzartig von der Erkenntnis durchdrungen, daß es solch ein Wagen gewesen war, der gebrannt hatte, daß alle Wagen dieses Typs in Brand geraten würden und daß wir keinesfalls mit einem derartigen Wagen fahren dürften … Weiß es der Himmel, was da plötzlich in meinem Kopf vorgegangen war! Bis dahin war ich wohl ein schwächliches, oft krankes Kind gewesen, aber von einer solchen Zwangsidee hatte noch nie jemand etwas bei mir bemerkt.«

Mit allerlei Übertreibungen und Notlügen gelingt es ihm, seinen Freund eine Zeitlang von der Gefährlichkeit der Straßenbahnen zu überzeugen, schließlich aber lässt der sich nicht mehr abhalten, und, besessen von seiner Idee, wandert Rudolf allein zu Fuß entlang der Straßenbahnschienen den kilometerlangen Weg in den Berliner Westen zurück. Zu Hause wird er »über das Knie gelegt und nach Noten verdroschen«. Vieles in meinem Leben, schreibt er, wäre »vielleicht anders gekommen, wenn mein langmütiger Vater nicht gerade an diesem Abend die Geduld verloren hätte. Vielleicht hätte ich, nicht so summarisch abgestraft, den Mut gefunden, ihm von meinen Ideen über Elektrische mit Schutzgittern etwas zu erzählen, und vielleicht hätte er dabei doch – obwohl so etwas damals leicht als kindische Albernheit abgetan wurde – aufgehorcht und sich gesagt: Dahinter steckt etwas anderes, und zwar leider noch etwas Schlimmeres als Unpünktlichkeit und Schwindeln. So habe ich meine ganze Jugend hindurch – und noch manches Jahr danach – an diesen immer wiederkehrenden fixen Ideen gelitten und habe doch damals nie mit einem Menschen darüber sprechen können. Die Gelegenheit war mit jenem Prügelabend endgültig verpaßt.«

Der Schulwechsel im Herbst 1906 – Rudolf wiederholt auf dem Bismarck-Gymnasium die Quarta und bekommt zusätzlich Nachhilfestunden – entspannt die Situation: »Ich traf es hier besser. Der Ordinarius der Klasse war ein gutmütiger, alter Herr, dessen erklärter Liebling ich bald wurde. Und nun erwachte auch die Freude und Lust an der Schule. Ich arbeitete eigentlich den ganzen Tag, nur um ein Lob dieses Lehrers zu hören. Meine Eltern hatten mich bisher für beschränkt gehalten, jetzt zeigte sich, daß ich zu den Meistbegabten gehörte.« Nach einem Jahr auf der neuen Schule ist er von den 32 Schülern seiner Klasse der sechstbeste.

Eine wirkliche Befreiung bringt für Rudolf aber nur die Ferienzeit. Alle äußeren Zwänge, die Anforderungen der Lehrer und der Eltern an seine Leistungen und sein Betragen, fallen dann von ihm ab. Zwischen den Mühen des schulischen Alltags und den unbeschwerten Ferien erscheint ihm die Distanz unüberbrückbar:

Mir war so seltsam, als sei ich noch zu Haus in der Luitpoldstraße. Ich meinte, mich dort stehen zu sehen in meinem Zimmer, mich und doch nicht mich, denn ich fuhr ja auch hier in einer Droschke durch den Tiergarten! Und es überkam mich […], daß es eigentlich zwei Hans Fallada gebe, zwei ganz gleiche Hans Fallada, und sie erlebten beide genau das gleiche, aber sie ertrugen es nicht gleich. […]

Er war auch ich, aber er war ein Ich, das nicht ganz so wirklich war wie ich […], er war wie ein Schatten oder ein Gespenst. Oder wie ein Doppelgänger.

Manchmal konnte diese Erscheinung etwas sehr Beängstigendes haben, so wenn dieses zweite Ich etwas tat, was mir gar nicht recht war, und mein erstes Ich hatte dafür einzustehen, als habe es dies selbst getan. Aber in diesem Augenblick, eingezwängt in der übervollen Droschke an einem noch frischen Sommermorgen, war es fast erlösend, daß ich dies andere Ich dort in der Wohnung zurückließ, mürrisch und unzufrieden. Ein tiefes Glück überkam mich, daß ich fort von ihm fuhr, in den Sommer hinein, an einen Ort, wo es dieses andere Ich bestimmt nicht gab. […]

Ein deutliches Mal fühlte ich mich in diesen Jahren ganz im Einklang mit mir. Es gab keine Zerrissenheit, keinen Zweifel mehr … Ich war wirklich glücklich …

Was in Rudolf vorgeht, erfährt niemand: »Ich ging gern viel spazieren, am liebsten allein. Ich phantasierte dann, baute Luftschlösser.« Hinzu kommen noch ganz andere Bedrängnisse, die er später in expressionistisch-exaltierter Sprache im Roman »Der junge Goedeschal« schildert: »Ein rascher Schauer, plötzlichem Hagelschlag gleich, überprallte den Leib. Faltiges Zucken schepperte ihn, hier und da, an der Außenkante. Kleine, blödsinnig glucksende Kehllaute pufften aus seinen Lippen, und während er die Lider preßte und Finger abwehrend verkrampfte, sah er sich doch zum andern Mal jener Wand gesellt, deren abgestandener Duft neu plötzlich und breit seine Nase füllte; die Knie verbogen und einsinkend […].« Am Bismarck-Gymnasium tritt Rudolf, 14-jährig, dem Wandervogel bei. »Auf einer mehrtägigen Reise«, schreibt er 1911, »verführte mich Jemand […] zum Onanieren. Ich habe davon bis heute nicht lassen können. Trotzdem es mir eklig ist. Einmal habe ich mit Aufbietung aller Energie sechs Wochen, einmal vier Wochen es ganz gelassen. Doch ich bin wieder rückfällig geworden.«

Ein Erlebnis prägt sich Rudolf so stark ein, dass er es als Schriftsteller gleich mehrmals in sein Werk einfließen lässt. Im Arbeitszimmer des Vaters erregen Aktzeichnungen sein Interesse, die er in der Münchner Zeitschrift »Jugend« entdeckt. Er reißt die Blätter aus und beginnt die Umrisse auszumalen. »Ich hatte meine schrecklich rosa angepinselten Weibsen – sie sahen wie Marzipanschweinchen aus – in einer blauen Mappe gesammelt, und diese Mappe hatte ich sehr gut in meinem verschlossenen Schreibsekretär versteckt. Aber an einem späten Abend – ich lag schon im Bett – kam Mutter zu mir in die Stube. Sie war sehr aufgeregt, sie weinte fast, sie drückte immer wieder meine Hände, sie sah mich immer wieder an. Und plötzlich legte sie diese blaue Mappe auf mein Bett und rief verzweifelt: ›Und ich dachte, mein Junge wäre noch unschuldig!‹ Und lief weinend aus der Stube.«

Prüderie und Sprachlosigkeit der Eltern, aber auch die natürliche Scham des Heranwachsenden haben Rudolf in seinem verschlossenen Wesen, seiner Tendenz, bei äußeren Problemen nach innen zu fliehen, noch bestärkt. Alle Seiten sind überfordert. Die Unschuld des Kindes geht in einem höheren Sinne verloren, mit dem wachsenden Bewusstsein seiner selbst teilt sich die Welt erstmals in ein Inneres und ein Äußeres, in »gut« und »böse«, der Rückweg ins Paradies bleibt, wie es bei Kleist heißt, »verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist«.

Es ist die Lebensphase der absoluten Fragen, die nur absolute Antworten dulden, Jahre der Empfänglichkeit für Religion und Philosophie. Rudolf erhält Konfirmandenunterricht. Während die Mutter aus einer frommen Familie kommt (»das Pastörliche«), hat sich Wilhelm Ditzen schon während seiner Ausbildung in Pforta vom Glauben entfernt. »Gott ist nicht«, lautete die Essenz langer Gespräche mit seinem Freund Bethmann Hollweg, wie sich Wilhelm Ditzen Jahrzehnte später erinnert. Eine Formel, die nicht weit entfernt ist von jenem »Gott ist tot« des Pforta-Zöglings Nietzsche aus seiner »Fröhlichen Wissenschaft«. In Rudolfs Elternhaus pflegt man, gesellschaftlicher Rücksichten wegen und im Einklang mit einer grundsätzlich konservativen Lebensauffassung, eine Art Kultur-Christentum.

Am 12. Dezember 1908 wird Wilhelm Ditzen zum Mitglied des 2. Strafsenats am Reichsgericht in Leipzig ernannt. »Damit hatte ich mein Ziel erreicht«, schreibt er in seinen Erinnerungen. »Etwa jetzt noch eine Stufe höher zu steigen, war ausgeschlossen und konnte mir nicht in den Sinn kommen. Schon mein Lebensalter stand dagegen, daß ich hier in Leipzig etwa Senatspräsident wurde.« Mehr als drei Jahrzehnte später resümiert Fallada: »Unbegreiflich erschien mir bei einem so schwachen, von Krankheit ständig bedrohten Manne solches Festhalten an einem Jugendplan. Durch fast vierzig Jahre ein einziges, allerdings im Möglichen gestecktes Ziel zu verfolgen kam mir nicht nur unmöglich, sondern geradezu auch langweilig vor. Ich war immer auf der Suche nach etwas Neuem, mit jeder so rasch wechselnden Stimmung kamen andere Gedanken und Vorsätze in mir auf, nichts dauerte in mir …«